Alle Beiträge von Balu

Nano gegen Vergiftungen

Nanotech-Schwämme gegen Vergiftungen
Mäuse-Versuch zeigt, dass Entwicklung Toxine effektiv neutralisiert
 
Nanoschwamm: Konzeptdarstellung des Toxin-Köders (Foto Zhang Research Lab)

San Diego (pte015/15.04.2013/11:55) – Ingenieure an der University of California in San Diego (UCSD) http://ucsd.edu haben einen Nanoschwamm entwickelt, der im Blutkreislauf viele gefährliche Gifte effizient neutralisieren kann. Denn er zieht sogenannte porenbildende Toxine an, die Zellwände zerstören. Diese kommen beispielsweise in Bienen- und Schlangengiften vor, werden aber auch von multiresistenten Keimen freigesetzt. Die Nanotech-Schwämme funktionieren, weil sie mit der Membran roter Blutkörperchen umhüllt sind. Im Versuch an Mäusen konnten die Schwämme die Sterblichkeitsrate bei einer eigentlich tödlichen Dosis um bis zu 89 Prozent senken.

Falsche Blutkörperchen

Ein wichtiger Vorteil der aktuell in Nature Nanotechnology vorgestellten Entwicklung ist die vielseitige Einsetzbarkeit. "Statt spezielle Behandlungen für einzelne Gifte zu schaffen, entwickeln wir eine Plattform, die Toxine neutralisieren kann, welche von einem breiten Spektrum an Pathogenen stammen, darunter MRSA und andere antibiotikaresistente Bakterien", erklärt Liangfang Zhang, Nanotechniker an der UCSD Jacobs School of Engineering. Möglich machen das etwa 85 Nanometer große Schwämme aus einem biokompatiblen Polymer, die mit Stücken der Zellwand von roten Blutkörperchen überzogen werden.

Genau diese Hülle ist es, dank der die Entwicklung funktioniert. Denn einerseits vermeiden die falschen Blutkörperchen so die Aufmerksamkeit des körpereigenen Immunsystems und andererseits fungieren sie dadurch als Köder für viele porenbildende Toxine. Denn da die Nanoschwämme rund 3.000 Mal kleiner sind als echte rote Blutkörperchen, reicht schon eine relativ kleine Dosis, damit mehr Schwämme als eigentliche Blutkörperchen im Blutkreislauf sind. Toxine, die normalerweise die Zellmembran roter Blutkörperchen angreifen, schlucken also leicht den Köder und werden so unschädlich gemacht.

Effektiv bei Mäusen

Wie effektiv die Nanoschwämme Gifte binden, haben die Forscher an Mäusen getestet, die eine eigentlich tödliche Dosis des MRSA-Toxins Alpha-Hämolysin abbekommen haben. Waren die Tiere vorab mit Nanoschwämmen geimpft, haben 89 Prozent überlebt, bei Injektion der Köder erst nach der Vergiftung lag die Überlebensquote immerhin noch bei 44 Prozent. Im Experiment hat sich ferner gezeigt, dass die Leber sowohl die Nanoschwämme als auch die aufgenommen Toxine mit der Zeit harmlos abbaut.

Prinzipiell setzen die Forscher große Hoffnungen in ihre Entwicklung. Eine der ersten Anwendungen, die dem Team vorschwebt, ist eine Behandlung, um die Heftigkeit von MRSA-Infektionen zu mindern. Bis die Nanoschwämme wirklich beim Menschen zur Anwendung kommen können, dürfte es aber noch eine Weile dauern. Einer der nächsten Schritte ist den Forschern zufolge, erst einmal klinische Studien zu betreiben.

Kein erhöhtes Schlaganfall-Risiko für Fußballfans

Portugiesische Studie: Kein erhöhtes Schlaganfall-Risiko für Fußballfans

Neurologiekongress: Bei Fußballspielen kommt es trotz Aufregung nicht vermehrt zu Schlaganfällen

Kopenhagen (pts010/29.05.2016/13:05) –

Aufregen, Mitfiebern, Mitleiden – das sind die großen Emotionen beim
Fußball-Schauen. Ob sie sich auch auf das Risiko auswirken, einen
Schlaganfall zu erleiden, war schon wiederholt Gegenstand
wissenschaftlicher Untersuchungen. An Spieltagen ereignen sich nicht
wesentlich mehr Schlaganfälle als an spielfreien Tagen. Zu diesem
Schluss kommt eine portugiesische Studie, die heute beim 2. Kongress der
European Academy of Neurology (EAN) in Kopenhagen vorgestellt wurde.

Manche frühere Studien legten nahe, dass der Stress bei
entscheidenden Matches zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen bei
passionierten Fußball-Fans führen können. Nun hat eine Forschergruppe
aus Lissabon anhand von Daten zwischen 2012 und 2015 überprüft, wie hoch
das Risiko ist, vor Fußballbegeisterung buchstäblich vom Schlag
getroffen zu werden. Untersucht wurden Krankenhausstatistiken rund um
entscheidende Matches der drei besten portugiesischen Klubs.

Wie sich zeigte, passierten zwar 72 Schlaganfälle an
und nach Spieltagen und 52 während fußballfreier Vergleichszeiträume.
Studienautor Dr. Miguel Viana Baptista (Campus Hospital Egas Moniz,
Lissabon, Portugal) gibt trotzdem Entwarnung: "Die absolute Zahl der
Schlaganfälle während der Zeit der Fußballspiele war zwar höher, aber
kein überdurchschnittlicher Ausreißer. Unsere Daten liefern somit keine
signifikanten Hinweise, dass Fußballbegeisterung mit einem erhöhten
Schlaganfallsrisiko korrelieren."

Quelle: EAN 2016 Abstract Borbinha C et al: Football: passion, indifference or vascular risk?

Metamaterial erzeugt Farbpalette für Metalle und Co

Realisierung durch Feinstruktur der Beschichtung auf Nanometer-Skala

Materialfarbe hängt von Aluminiumoxid-Schichtdicke ab (Foto: Henning Galinski)
Materialfarbe hängt von Aluminiumoxid-Schichtdicke ab (Foto: Henning Galinski)

Zürich (pte017/28.11.2016/10:30) –

Forscher der ETH Zürich http://ethz.ch haben erstmals Metamaterialien mit einer netzwerkartigen Nanostruktur
zur Herstellung einer ganzen Palette an intensiven Farben zum Beispiel
für Metallbeschichtungen genutzt. Dabei sind die Experten lediglich dem
Vorbild der Natur gefolgt. Denn diese wendet das Prinzip schon lange an –
zum Beispiel bei der Gefiederfarbe bestimmter Vogelarten in Südamerika.

Einfach und großflächig anwendbar

Die Farben kommen aufgrund einer auf der
Nanometer-Skala speziellen Feinstruktur des Beschichtungsmaterials
zustande. Im Gegensatz zu anderen, bestehenden Strukturfarben lässt sich
das neue Herstellungsprinzip sehr einfach großflächig anwenden.
Außerdem sind die Farben ausgesprochen intensiv und das Material äußerst
kratzfest. Beim verwendeten Material handelt es sich um einen
Zwei-Schichten-Designer-Werkstoff. Die untere Schicht ist ein von
winzigen Hohlräumen durchsetztes metallisches Netzwerk. Es besteht aus
einer Legierung aus Platin, Yttrium und Aluminium.

Die Forscher erzeugten die Hohlräume durch einen
einfachen Ätzprozess. Auf dieses "Nano-Schwamm-Netzwerk" trugen sie in
der Folge eine sehr dünne Oxidschicht auf. Der entstehende Farbeindruck
hängt von der Dicke dieser Aluminumoxid-Schicht ab: Eine
Zwölf-Nanometer-Schicht macht das Material grünlich, eine
24-Nanometer-Schicht gelb, eine 28-Nanometer-Schicht orangefarben, eine
48-Nanometer-Schicht blau und eine 53-Nanometer-Schicht violett.

"Die Farbe entsteht aufgrund der Wechselwirkung des
Umgebungslichts mit den beiden Materialschichten und insbesondere der
ungeordneten Grenzschicht zwischen den beiden Materialien. In dieser
Grenzschicht können wir sehr gezielt Licht bestimmter Wellenlängen
einfangen und konzentrieren", sagt ETHZ-Erstautor Henning Galinski. Zur
theoretischen Erklärung des Funktionsprinzips wurden Simulationen am
Computer eingesetzt.

"Unser Ansatz ist extrem fehlertolerant"

Bisherige Strukturfarben haben in der Regel einen sich
periodisch wiederholenden Aufbau, welcher den Farbeindruck bestimmt.
Dies hat den Nachteil, dass bereits kleinste Defekte die optischen
Eigenschaften massiv verändern. Die von Galinski und seinen Kollegen
entwickelten Netzwerke folgen hingegen keiner klaren Ordnung. Die
Hohlräume des Netzwerks sind zwar ähnlich groß, aber nicht genau gleich.
Die Eigenschaften werden von der durchschnittlichen Hohlraumgröße
bestimmt, nicht jedoch von der Größe jedes einzelnen Hohlraums.

"Unser Ansatz beruht auf Unordnung, nicht auf der
präzisen Herstellung von sich millionenfach repetierenden
Untereinheiten. Daher ist unser Ansatz extrem fehlertolerant", erklärt
Galinski. "Außerdem kann man unseren Ätz- und Beschichtungsprozess
großflächig anwenden, auch auf mehreren Quadratmeter großen Flächen."
Bisherige Strukturfarben seien wegen ihrer aufwendigen und teuren
Herstellung meist auf einen kleineren Maßstab beschränkt gewesen.

Anwenden könnte man die Strukturfarben zum Beispiel für
sehr dünne Sicherheitsmerkmale in Geldscheinen oder um damit Fahrzeug-
oder Flugzeug-Karosserien zu färben, im Militärbereich auch für
Tarnanstriche. "Wir verstehen unser System aber auch als Plattform, auf
deren Basis zahlreiche Weiterentwicklungen möglich sind", sagt Galinski.
Das neue Metamaterial sei auch für Energiesysteme wie
Dünnschicht-Solarzellen interessant. "Wir haben ein extrem dünnes
Material entwickelt, in dem an einzelnen Punkten Licht konzentriert und
perfekt absorbiert wird", resümiert Galinski. Damit könne man eine
äußerst effiziente Lichtsammelfalle entwickeln.

Protein gegen Reisedurchfall

Reisedurchfall: Speichel ist wichtiger Schutz

Protein Histatin-5 erhöht Abwehrkraft gegen Bakterien

Reisen: Mittel gegen Durchfall in Sicht (Foto: Rainer Sturm, pixelio.de)
Reisen: Mittel gegen Durchfall in Sicht (Foto: Rainer Sturm, pixelio.de)

Boston (pte013/09.03.2018/10:30) –

Wissenschaftler der Boston University School of Medicine https://www.bumc.bu.edu/busm haben mit Histatin-5 ein Protein im Speichel identifiziert, das den
Körper vor Reisedurchfall schützt. Die im "Journal of Infectious
Diseases" veröffentlichten Forschungsergebnisse könnten zur Entwicklung
neuer präventive Therapien für eine Erkrankung beitragen, die gerade bei
Kindern oder anderen gefährdeten Bevölkerungsgruppen bei endemischem
Auftreten zu einer lebensgefährlichen Dehydrierung führen kann.

Gefährliche Unannehmlichkeit

Für viele Menschen ist der Reisedurchfall nicht mehr
als eine Unannehmlichkeit, doch für Kinder und andere Risikogruppen ist
er durchaus bedrohlich. Bei mehr als einer Mrd. Erkrankungen pro Jahr
können hunderttausende Tode auf diese durch das enterotoxische
Escherichia coli (ETEC) verursachte bakterielle Erkrankung zurückgeführt
werden. Das Bakterium setzt sich dabei im Dünndarm mittels armähnlicher
Strukturen sogenannter Pili fest. Die Forscher haben nun getestet,
welche Auswirkungen das Vorhandensein oder Fehlen von Histatin-5 eben
darauf hat.

Die Forscher setzten im Labor hergestellte menschliche
Dünndärme in Miniaturgröße dem Bakterium ETEC aus. Unter dem Mikroskop
wurde sichtbar, dass sich bei Vorhandensein des Proteins deutlich
weniger Bakterien im Gewebe festsetzen konnten. Laut der
korrespondierenden Autorin Esther Bullitt zeigte sich, dass Histatin-5
im Speichel zu einer Versteifung der Pili von ETEC führt und dies
verhindert, dass sich das Bakterium im Dünndarm festsetzen kann. Damit
kann es dann auch zu keiner Erkrankung kommen.

Speichel als Infektionsschutz

Vor dieser Studie war es nicht bekannt, dass der
Speichel eine so große Rolle beim Schutz des Körpers vor Infektionen des
Darms spielen könnte. Diese erste Abwehr im Mund erklärt laut dem
Forscherteam jedoch wahrscheinlich, warum eine so große Menge an diesen
Bakterien notwendig ist, um beim Menschen eine Infektion hervorzurufen.
Histatin-5 könnte als lösliches Pulver hergestellt und in Zukunft so zur
Prävention von Reisedurchfall eingesetzt werden.

Diese Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass
andere Proteine im Speichel enthalten sein könnten, die gegen eine ganze
Reihe anderer Krankheiten wie infektiöse Gastritis,
Lebensmittelvergiftung oder sogar Lungenentzündung schützen. "Wir
glauben, dass unsere Daten das erste Beispiel für ein neues Paradigma
bei der angeborenen Immunität darstellen und zwar der Beiträge von
Bestandteilen des Speichels zur Verhinderung von Infektionen."

Ernährungs- und Agrarbildung auf der didacta

Einfach unterrichten

Wie ernähre ich mich gesund? Nach welchen Kriterien entscheide ich,
welche Lebensmittel ich kaufe? Und warum ist ein gesunder Boden wichtig
für meine Ernährung?

Das sind alles wichtige Fragen, die Schülerinnen und Schülern im Unterricht beantwortet werden sollten. Dabei unterstützen die Unterrichtsmaterialien des aid. Sie helfen, sich
thematisches Fachwissen, Methodenkompetenz und soziale Fähigkeiten einfach anzueignen und nachhaltig anzuwenden. Die praxiserprobten Medien mit methodisch-didaktischen Hinweisen liefern Lehrkräften Anregungen für einen kreativen und anschaulichen Unterricht. Sie sind so aufbereitet, dass die zentralen Botschaften auch ohne Fachausbildung in den Bereichen Ernährung oder Landwirtschaft vermittelt werden können.

Ein Beispiel dafür ist die Lehrerhandreichung „Schülerwarentest mit Lebensmitteln“. Mit über 30 bearbeitbaren Unterrichtshilfen zeigt es praxisnah, wie Lehrkräfte die Unterrichtsmethode Schülerwarentest für eine zukunftsfähige Verbraucherbildung einsetzen können. Das Motivierende an der Methode: Die Lernenden wählen selbst ihr
Testprodukt, hinterfragen es kritisch, diskutieren über dessen Qualität und arbeiten die Prüfpunkte heraus, die für sie wichtig sind. Dabei eignen sie sich das Fachwissen an, das sie für eine reflektierte qualitätsorientierte Kaufentscheidung brauchen.

Der aid infodienst bietet seit über 60 Jahren nicht nur ein vielfältiges
Informationsangebot rund um Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung,
sondern auch eine wissenschaftlich fundierte Orientierung für den Alltag
und didaktisch erprobte Medien für einen lebendigen Unterricht.

Der aid infodienst wurde 2016 aufgelöst . Ein Nachfolger ist das Bundeszentrum für Ernährung. Dort finden Sie viele nützliche Informationen.

Hightech-Material tausende Male dünner als Papier

Hightech-Material tausende Male dünner als Papier

Laborversuche erfolgreich – Atomdickes Aluminiumoxid äußerst robust

Aluoxid: atomdünn und händisch verformbar (Foto: upenn.edu)
Aluoxid: atomdünn und händisch verformbar (Foto: upenn.edu)

Philadelphia (pte001/09.12.2015/06:00) –

Forscher der University of Pennsylvania http://www.upenn.edu haben ein Material aus Aluminiumoxid entwickelt, das tausende Male
dünner ist als ein normales Blatt Papier und trotzdem noch in der Hand
verformt werden kann. Das neue Material ließe sich aufgrund seiner
Eigenschaften unter anderem in der Luftfahrt oder beim Bau neuer Roboter
einsetzen.

Sehr stark biegbar

Die Nützlichkeit dieser Hightech-Materialien ist
außerhalb der Laborbedingungen meist enden wollend. Atomdicke Stoffe
haben oft die Tendenz, die Form der Umgebung anzunehmen und diese
aufgrund der Van-der-Waals-Kräfte beizubehalten. Das führt dazu, dass
der Versuch, das Material wieder in die normale Form zu bringen, meist
mit einem Schaden einhergeht.

"Aluminiumoxid ist eigentlich ein Keramikmaterial und
daher sehr spröde", meint Forschungsleiter Igor Bargatin. "Man würde von
der täglichen Erfahrung annehmen, dass es sehr leicht bricht. Aber die
dünnen 25 bis 100 Nanometer starken Platten biegen und deformieren ihre
Gestalt in solch einer Art und Weise, dass man glauben könnte, sie sind
aus Plastik. Das erste Mal als wir es sahen, konnten wir es nicht
glauben."

Eierkarton als Form

Die Struktur des Materials ist nicht glatt, sondern hat
eher die Oberflächenform eines Eierkartons in Nanoformat. Die
Welligkeit der Platten erhöht die Steifheit des Stoffes. Wenn man
ähnlich dünne Stoffe an einem Ende in die Hand nimmt, würden diese sich
bereits verbiegen, während die Platten mit der Eierkartonstruktur rigide
bleiben.

Durch die Steifheit bleiben außerdem die
Van-der-Waals-Kräfte unter Kontrolle. Auch fliegende Roboter können von
der Entwicklung eines solchen Materials profitieren. "Hier geht es um
das Optimieren von ultradünnem Material und mechanischer Robustheit", so
Bargatin. Überall dort, wo dieses Optimierungsproblem eine Rolle
spiele, könne dieses Material Anwendung finden.

Warnung aus der Wirtschaft: Sind die guten Zeiten wirklich vorbei?

Wirtschaft Global-Risk-Report

„Wir säen die Saat für eine große Katastrophe“

| Lesedauer: 4 Minuten

Handelskrieg, Brexit, eine zerrüttete EU: In der westlichen Welt
brodelt es. Dennoch ist es um unseren Wohlstand erstaunlich gut
bestellt. Noch. Der renommierte Global-Risk-Report zeigt, wie heikel die
Lage tatsächlich ist.

Amerika
kämpft einen erbitterten Handelskrieg gegen China. Die Briten steuern
direkt auf eine Brexit-Katastrophe zu. Die Europäische Union erlebt die
größte soziale Zerreißprobe ihrer Geschichte. Trotzdem bleibt das
politische und wirtschaftliche Chaos aus. Die Ökonomien der großen
westlichen Nationen stehen erstaunlich gut da. Und dieser Zustand
scheint die Lage zu beruhigen. Der noch immer vorhandene Wohlstand legt
sich wie ein Schleier über das Brodeln in der westlichen Welt.

Diesen
Schleier jedoch lüftet der bekannte Ökonom Ian Bremmer mit seinem
aktuellen Global-Risks-Report. In diesem von seinem Analysehaus Eurasia
Group herausgegebenen Bericht veröffentlicht er zusammen mit seinem
Forscherteam eine Übersicht der größten potenziellen politischen und
wirtschaftlichen Gefahren für die Welt. „Die geopolitische Gemengelage
ist so brisant wie seit Dekaden nicht mehr“, heißt es im aktuellen
Risikoreport.

Laut Bremmer könnte 2019 sogar das Jahr werden, in dem die Welt
auseinanderbricht. „Die Extremrisiken, die durch Akteure entstehen, die
Schaden anrichten und dann eine Eskalationsspirale auslösen, sind höher
als je zuvor seit der Gründung der Eurasia-Gruppe im Jahr 1998“,
schreibt er ohne Umschweife.

Denkbar
sei ein Cyber-Angriff durch Russland, der außer Kontrolle gerät, ein
Krieg im Nahen Osten zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Der
Handelskrieg zwischen Amerika und China könnte die Welt in eine
wirtschaftliche Rezession treiben. Das alles seien sogenannte Tail
Risiks, also Extremvorfälle, die äußerst selten vorkommen, deren
Eintreten jedoch starke Schäden hervorrufen. „Wahrscheinlich wird 2019
ein ordentliches Jahr, aber wir säen die Saat für eine große
Katastrophe“, schreibt Bremmer.

Emmanuel Macron hat Hoffnungen der Europäer enttäuscht

Und
hier kommt der Schleier ins Spiel. Die Strategen der Eurasia Group
gehen davon aus, dass sich die ganz offensichtlichen Probleme, mit denen
sich vor allem die westliche Welt herumschlägt, erst in nächster Zeit
im Alltag der Menschen spiegeln.

„Geopolitische Zyklen
materialisieren sich erst langsam“, erklärt Bremmer. Es dauere einige
Zeit, bis sich eine einmal gewachsene geopolitische Weltordnung
verändert. Bremmer macht den Westen selbst für diese langfristige Krise
verantwortlich. Dem Aufstieg von China, der das westliche System
attackiert, habe der Westen nicht wirklich etwas entgegenzusetzen. Der
amerikanische Präsident Donald Trump sei unberechenbar, andere westliche
Staats- und Regierungschefs hätten nicht die Führungsqualität, die
etablierte Weltordnung aufrechtzuerhalten.

Ein Europa ohne die Briten sei ein gänzlich anderes Europa. Auf dem
europäischen Festland habe der europäische Hoffnungsträger, Frankreichs
Präsident Emmanuel Macron, enttäuscht. Mit einem Beliebtheitsrating von
23 Prozent fehle ihm die Autorität, die Massen tatsächlich auf den
Pro-EU-Kurs einzuschwören. Stattdessen wachse das Lager der Gegner
stetig. Auch anderswo in der Welt blühe der Populismus.

Japan
sei eines der wenigen westlichen Länder in der Welt, das keine
populistischen Tendenzen erlebe. Aber das sei darauf zurückzuführen,
dass die Nation keinerlei Flüchtlinge ins Land gelassen habe und die
japanische Gesellschaft in großem Reichtum langsam überaltere. Dieses
Modell tauge nicht für den Westen als neue Orientierung.

Ein kalter Krieg der Technologie

Die
Eurasia-Strategen prophezeien, dass die neue Weltordnung auch
wirtschaftliche Spuren hinterlassen wird und somit unseren Wohlstand
bedroht. „Wenn große Tech-Konzerne wegen des grassierenden
Protektionismus’ weltweit nicht mehr die besten Komponenten
zusammenkaufen dürfen, könnte dies zu einem Innovations-Winter führen“,
waren die Experten. Vor allem Sicherheitsbedenken wären verantwortlich
für das neue Paradigma. Bremmer spricht von einer Art kaltem Krieg der
Technologie.

Und der habe Folgen. Er nennt das iPhone als Vorzeigeprodukt der
Globalisierung alter Prägung. Komponenten kämen aus China, Japan,
Taiwan, Südkorea, der Schweiz oder auch Deutschland. Zukünftig müsse
sich Apple gegebenenfalls neue Zulieferer oder Fabriken suchen. „Neue Technologie
wird teurer und ist nicht mehr so innovativ“, beschreibt Bremmer die
Folgen auch für die Verbraucher.

Doch
Trump verfolge auch beim Technologietransfer keine konsistente Politik,
sondern umgebe sich sogar mit autokratischen Staatenlenkern, die den
Westen zusätzlich schwächen. Sein Fazit fällt ernüchternd aus: „Die
Erosion der westlichen Institutionen ist in vollem Gange.“

Initiative Künstliche Intelligenz und algorithmisches Denken

I. Befund
Digitalisierung und Datafizierung revolutionieren die Infrastruktur unserer Gesellschaft. Sie erneuern und verändern die technologischen Grundlagen unserer Kommunikations- und Arbeitswelt. Entsprechend tiefgreifend wandeln sich auch unser Wirtschafts-, Gesundheits- und Bildungssystem – und damit unsere Vorstellungen von Entwicklung, Fortschritt, Wohlstand und Sicherheit.
Treiber dieser Transformation ist die KI-basierte Automatisierung und Robotisierung vieler Arbeitsabläufe. Ein neuer Typus maschineller Handlungsfähigkeit („machine agency“) erweitert das Spektrum kognitiver und praktischer Handlungsmöglichkeiten des Menschen um posthumane maschinelle Formen. Zahlreicher werden auch die Felder von Mensch-Computer-Interaktion sowie die Hybrid-Formen von technisch ergänzten menschlichen Lebensformen (Human Enhancement, Cyborgs).
Denkt man die Grundlinien dieses Clusters von Entwicklungen konsequent weiter, ergeben sich eine ökonomische Prognose, eine ethische Herausforderung und ein gesellschaftlicher Entscheidungsbedarf.
• Die ökonomische Prognose lautet: Wer über die leistungsfähigste künstliche Intelligenz verfügt, gewinnt die Märkte
der Zukunft und bestimmt deren makrosoziale Dynamik.
• Die Herausforderung an die Ethik unter den Bedingungen der Digitalisierung ergibt sich aus der These: Wir haben nicht, brauchen aber eine möglichst breit konsentierte Strategie zur demokratischen Gestaltung einer pluralistischen vernetzten Gesellschaft. Wir müssen klären, wie wir auf der Basis unserer gemeinsamen Werte unseren Lebensstil und -standard, sowie unseren sozialen Zusammenhalt (Solidarität) im digitalen Zeitalter kompetent, innovationsoffen und nachhaltig
sichern können.
• Der damit skizzierte gesellschaftliche Entscheidungsbedarf betrifft die grundlegenden Weichenstellungen, die in der öffentlichen Debatte sowie in Politik und Recht nötig sind, um den Wandel zur Digitalen Gesellschaft im Interesse des Gemeinwohls zu steuern. Soll dieser Wandel glücken, müssen vier Leitziele erreicht werden: Chancennutzung, Risikominimierung, Menschenrechtsschutz und Nachhaltigkeit bei der Weiterentwicklung Algorithmen- bzw. KI-basierter Systeme.
Der Standort Deutschland muss fit werden für diese Herausforderungen. Diese Aufgabe geht alle an. Sie betrifft die ganze deutsche Demokratie. Alle gesellschaftlichen Akteure stehen in der Verantwortung und sind um ihren Beitrag gebeten. Wir brauchen ein breit konsens-fähiges neues Zielbild für die Gesellschaft im Digitalen Wandel.
Über den besten Weg in die gemeinsame Digitale Zukunft müssen wir uns jetzt verständigen. Die Fortschreibung demokratischer Selbstbestimmung der Bürger*innen im Digital Age gelingt nur mit der Kreativität einer aktiven, gut informierten und klug vernetzten bürgerlichen Öffentlichkeit. Nur was man gemeinsam versteht, kann man gemeinsam diskutieren, verantworten und gestalten.
Zuvörderst brauchen wir dazu gesellschaftsweit wissenschaftlich fundierte Klarheit über wirkliche Chancen, reale Risiken und effiziente Steuerungsmöglichkeiten der digitalen Transformation. Wir müssen die Menschen befähigen, die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung selbständig zu erkennen und zum Fortschritt der Humanität zu meistern. Diese „Aufklärung“ zur Mündigkeit („Enablement“) der smart vernetzten digitalen Gesellschaft („Gesellschaft 5.0“1) kann man kurz „Aufklärung 5.0“ nennen: eine demokratische Offensive für rationale Wissens- und Lerngrundlagen im Umgang mit KI, auf denen zukunftsgestaltende Entscheidungen verantwortlich getroffen und fortlaufend optimiert werden können.
3
Als Beitrag zu dieser gesellschaftlichen Aufklärungs- und Orientierungsaufgabe legt die Charta digitale Vernetzung e. V. dieses Impulspapier vor.
Es bietet hierfür eine umsichtige Navigationshilfe, zeigt nicht alternative (oder gar konträre) Ziele an, sondern bringt Transparenz in das komplexe Netzwerk der wichtigen
Ideen und Dynamiken im digitalen Wandel. Mit diesem Kompass kommen die Koordinaten in den Blick, die den Erfolgskurs zwischen Risiken und Chancen des Ausbaus der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft bestimmen. Der Kompass ersetzt nicht, sondern fordert, stimuliert und orientiert den gesellschaftlichen Willen zur verantwortlichen Selbststeuerung im Umgang mit KI. Ohne solche informierte Willensbildung und ohne smarten Kompass in der Mitte der Gesellschaft gibt es keine genügend starke demokratische Option zur Governance des Digitalen Wandels. Vielmehr bliebe das Entscheidungsfeld auf problematische Weise dem zufälligen Kräftespiel konkurrierender Interessen und Werte überlassen.
4

Vitaminpräparate erhöhen Sterberisiko bei Älteren

Vitaminpräparate erhöhen Sterberisiko bei Älteren
Frauen gefährdet – Nahrungsergänzungsmittel nur bei Bedarf einnehmen
 
Vitaminpräparat: Bedachtes Einnehmen elementar (Foto: pixelio.de, Dieter Schütz)

Kuopio (pte008/11.10.2011/10:00) – Wissenschaftler der University of Eastern Finland http://uef.fi haben einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Vitaminen und höheren Sterberaten bei älteren Frauen beobachtet. Experten vermuten bereits seit einiger Zeit, dass Vitaminpräparate nur dann helfen, wenn einer Person ein bestimmter Nährstoff auch wirklich fehlt, berichtet die BBC. Maßlosigkeit kann laut der in den Archives of Internal Medicine http://archinte.ama-assn.org veröffentlichten Studie sogar schaden.

Einnahme nur bei Indikation

Alle Frauen, deren Daten ausgewertet wurden, waren über 50 bzw. über 60 Jahre alt. Sie waren ganz allgemein gut ernährt, viele entschieden sich jedoch für Vitaminpräparate. Multivitaminkombinationen, Folsäure, Vitamin B6, Magnesium, Zink, Kupfer und Eisen schienen das Sterberisiko zu erhöhen. Das Team um Jaakko Mursu geht davon aus, dass diese Präparate gekauft werden, ohne dass es Hinweise dafür gibt, dass sie irgendwie davon profitieren.

Die Forscher betonen jedoch auch, dass ihre Studie auf den Daten von 38.000 Amerikanerinnen beruht, die daran erinnern, welche Vitamine und Mineralstoffe sie in den vergangenen 20 Jahren eingenommen haben. Es ist auch schwierig, andere Faktoren wie die generelle Gesundheit zu kontrollieren, die die Ergebnisse ebenfalls beeinflusst haben könnten. Die Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass derartige Präparate nur eingenommen werden sollten, wenn es eine klare medizinische Indikation gibt.

Erhöhte Verabreichung schädlich

"Basierend auf dem bekannten Forschungsstand sehen wir nur wenig Berechtigung für den generellen und weit verbreiteten Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln." Eisentabletten zum Beispiel verfügen über einen direkten Zusammenhang mit einem geringen, um 2,4 Prozent erhöhten Sterberisiko. Das gleiche gilt für viele andere Präparate. Bei Eisen hing die Erhöhung des Risikos ganz konkret mit der Höhe der Dosierung zusammen. Je mehr eingenommen wurde, desto höher war auch das Risiko. Kalziumpräparate senken das Risiko eher. Auch dieses Ergebnis muss laut den Wissenschaftlern genauer überprüft werden. Sie raten nicht dazu Kalzium einzunehmen, wenn kein Mangel besteht.

Christian Gluud und Goran Bjelakovic von den Cochrane Reviews http://cochrane.org/reviews gehen ebenfalls davon aus, dass der Glaubenssatz, je mehr, desto besser, falsch ist. Der Einsatz der Nahrungsergänzungsmittel habe sich vom Verhindern eines Mangels in Richtung Wellness und Krankheitsprävention verlagert. "Wir gehen davon aus, dass Risiken bestehen, wenn nicht ausreichend oder zu viel von diesen Präparaten eingenommen wird."

Bluthochdruck im Alter behandeln verlängert Leben

Wiesbaden – Auch im hohen Alter gefährdet Bluthochdruck Gesundheit und Leben der Betroffenen. Eine Behandlung kann selbst bei über 80-Jährigen Schlaganfall oder Herzerkrankung vorbeugen. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) fordert deshalb, diese wachsende Gruppe von Menschen nicht von der medikamentösen Therapie auszunehmen. Über die angemessene Behandlung einer Hypertonie bei alten Menschen diskutieren Experten im Rahmen des 115. Internistenkongresses vom 18. bis 22. April 2009 in Wiesbaden.

Im Alter steigt bei vielen Menschen der obere Wert des Blutdrucks – der „systolische“. Der untere, „diastolische“ Blutdruckwert bleibt dagegen konstant oder sinkt sogar. Ursache ist die im Alter abnehmende Elastizität der Hauptschlagader. Sie kann die nach jedem Herzschlag auftretenden Druckspitzen nicht mehr abfangen. „Bis Anfang der 90er Jahre galt dies als eine unvermeidbare Alterserscheinung“, erläutert Kongressvorsitzender Professor Dr. med. Rainer Kolloch, Bielefeld, „ein systolischer Blutdruck von 100 plus Lebensalter galt als normal.“ Heute wisse man, so der Vorsitzende der DGIM, dass diese „isolierte systolische Hypertonie“ eine Gefahr für Gesundheit und Leben älterer Menschen ist.

Mehrere klinische Studien haben belegt, dass eine medikamentöse Behandlung von Vorteil ist: Die Zahl der Schlaganfälle geht um bis zu 30 Prozent zurück, die der Herzinfarkte und verwandter Erkrankungen um 23 Prozent. Auch die Sterblichkeit sinkt. „Die Behandlung der isolierten systolischen Hypertonie kann das Leben der Senioren verlängern“, sagt Professor Dr. med. Rainer Düsing von der Universität Bonn im Vorfeld des Internistenkongresses. Die Leitlinien raten dazu deshalb ab einem oberen Wert von 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg).

Leider sei es bei älteren Menschen nicht immer leicht, den oberen Blutdruckwert ausreichend zu senken, ohne dass der untere Wert ebenfalls abfällt. Ein diastolischer Druck von 70 mmHg sollte jedoch zumindest bei Patienten mit vorbestehenden Durchblutungsstörungen des Herzens nicht unterschritten werden, warnt Professor Düsing. Denn dies könne die Durchblutung des Herzens weiter verschlechtern und führe schlimmstenfalls zum Herzinfarkt.

Eine im Jahr 2008 veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass auch im Alter von mehr als 80 Jahren jeder zweite Patient die Zielwerte erreicht und dadurch tödliche Folgen der Hochdruckkrankheit vermeidet. Das „Hypertension in the Very Elderly Trial“ wurde sogar vorzeitig abgebrochen, weil die Zahl tödlicher Schlaganfälle und der Herzerkrankungen deutlich sank. „Die Studie hat die Bedenken bezüglich der Behandlungsrisiken bei hochbetagten Patienten ausgeräumt“, sagt Professor Düsing. Die Notwendigkeit der Therapie einer Hypertonie bei alten und anderen speziellen Patienten ist Thema des 115. Internistenkongresses in Wiesbaden.