Archiv der Kategorie: Physik, Chemie, Technik

Zukunftsforscher über 2017

Zukunftsforscher Janszky: „2017 wird ein gutes Jahr! Aber ich habe Angst vor der Ahnungslosigkeit der Politik!“

Trotz
AfD, intelligenten Smartphones und komplexer Weltlage schaut der
Chairman des größten deutschen Zukunftsforschungsinstituts „2b AHEAD
ThinkTank“ optimistisch ins neue Jahr. Im langen Interview
prognostiziert er die wichtigsten Trends, Chancen und Risiken für das
kommende Jahr 2017.

Leipzig, 14. Dezember 2016 – Einer der bekanntesten Zukunftsforscher Deutschlands, Sven Gábor
Jánszky, hat eine optimistische Prognose zum Jahreswechsel abgegeben. In
einem Interview zu den größten Trends des kommenden Jahres erläutert
der Zukunftsforscher die Chancen und Herausforderungen, die in den
kommenden 12 Monaten vor uns stehen.
Der
Abdruck dieses Interviews ist honorarfrei möglich; vollständig oder in
Teilen. Für Fotomotive wenden Sie sich bitte an: 2b AHEAD ThinkTank,
Stefanie Mehlhorn unter Tel. 0341 – 12479637 oder Email:
stefanie.mehlhorn@2bahead.com

Frage:
Viele von uns haben das Jahr 2016 als Chaos-Jahr empfunden: Terror,
Brexit, Trump-Wahlen … Wird es 2017 genauso weitergehen?

Sven
Gabor Janszky: Ehrlich gesagt habe ich 2016 nicht als Chaos-Jahr
empfunden. In Deutschland gibt es weniger Arbeitslose, der DAX geht von
einem Höchststand zum nächsten, die Unternehmen verdienen sehr viel
Geld, die Menschen verdienen und konsumieren mehr und wir haben die
Flüchtlingskrise in den Griff bekommen. Uns geht es wirklich besser als
vor 12 Monaten. Allerdings wird unsere Wahrnehmung von einer Reihe von
Ereignissen in der Welt dominiert, die für viele unerwartet waren. Dass
viele Menschen davon überrascht sind, ist klar. Aber als Chaos kann das
nur jemand empfinden, der Veränderungen fürchtet. Ich selbst freue mich
auf Veränderungen, denn sie bieten immer eine Chance zum Besseren. Mich
hat 2016 eigentlich nichts überrascht. Und so wird es auch 2017 sein:
Alle unter uns, die offen für Veränderungen sind, werden das Jahr 2017
als ein sehr gutes Jahr erleben. Jene die den Stillstand lieben, werden
das eine oder andere Mal wieder überrascht sein.

Frage: Was ist der wichtigste Trend für Deutschland im Jahr 2017?

Sven
Gabor Janszky: Es ist die digitale Spaltung unserer Gesellschaft. Weil
wir 2017 eine Bundestagswahl haben und das ganze Jahr vom Wahlkampf
geprägt wird, werden wir diese digitale Spaltung überdeutlich erleben.
Der Grund ist einfach zu erklären: Wir leben in einer Zeit, in der sich
die Zukunftsbilder der verschiedenen Teile der Gesellschaft radikal
unterscheiden. Die jungen Menschen in den Großstädten stellen sich ihre
Zukunft als positives Ergebnis einer rasenden, technologischen
Veränderung vor. Sie nutzen intelligente, digitale Assistenten, leben
gesünder und länger, sind höchstgebildet, sind gefragte Arbeitskräfte,
verdienen viel Geld und leben ihr Leben als Patchwork, immer neue
Möglichkeiten und Herausforderungen. Dieses Zukunftsbild entsteht auf
Grundlage der exponentiellen Geschwindigkeit der digitalen Entwicklung.
Zugleich gibt es Menschen, vor allem ältere Menschen außerhalb der
Großstädte, die diese rasante Entwicklungsgeschwindigkeit nicht kennen
oder nicht kennen wollen. Sie prognostizieren ihr eigenes Zukunftsbild
auf Basis des Stillstandes und der Vergangenheit. Ihr Motto ist das von
Donald Trump: „Make us great again!“. Wir haben also in der Gesellschaft
schon heute zwei Zukunftsbilder, die sich diametral unterscheiden. Und
wir haben eine Situation, dass die Menschen hinter den beiden
Zukunftsbildern nicht mehr miteinander reden. Denn sie reden getrieben
durch Social Media nur noch in ihren eigenen Kreisen, in ihren „filter
bubbles“. Leider bauen Politik und Medien derzeit auch keine Brücken
mehr zwischen den beiden Welten. Bei Abstimmungen und Wahlen prallen
dann plötzlich diese Zukunftsbilder frontal aufeinander. Da merken die
Menschen dann, dass es auch die anderen gibt, von denen sie bisher keine
Ahnung hatten. Genau dieses Phänomen hat zum Brexit geführt, zur
Trump-Wahl, zum Rücktritt von Renzi in Italien, zur unversöhnlichen
Kampagne um die Präsidentenwahl in Österreich. Und im Bundestagswahljahr
2017 werden wir exakt dieses Phänomen in Deutschland haben. Wie wir
diese beiden Zukunftsbilder und Gruppen zusammenkriegen, wie wir eine
Brücke bauen, dass wir von derselben Zukunft dieses Landes reden, das
wird das größte Thema sein. Dies wird unser Land im kommenden Jahr
prägen.

Frage: Das klingt nach gesellschaftlichem Zwist. Warum halten Sie 2017 dennoch für ein gutes Jahr?

Sven
Gabor Janszky: Weil ich glaube, dass es Deutschland gelingen wird,
diese Brücken ansatzweise zu bauen. Ich bin fast sicher, dass
Deutschland im Jahr 2017 der Welt einen Weg zeigen kann, wie man mit
diesem weltweit bekannten Problem umgehen kann. Ich bin deshalb so
optimistisch, weil wir in unserer Mehrparteiendemokratie die Lösung
dafür schon angelegt haben. Lassen Sie mich das erklären: Der Grund
warum bei Brexit, Trump, Renzi und Hofer die beiden Zukunftsbilder so
frontal aufeinander geprallt sind, liegt in dem starren bipolaren
politischen System. Immer wenn man die Masse der Menschen zu einer
Ja/Nein-Abstimmung, Links/Rechts-Entscheidung oder
Republikaner/Demokraten-Votum zwingt, wird eine Konfrontation künstlich
aufgebaut, die eigentlich gar nicht da ist. Plötzlich gewinnt Donald
Trump eine Wahl, obwohl er nur 19% der Gesamtwähler auf sich vereint.
Bei der Bundestagswahl wird es anders sein. Natürlich wird auch hier die
AfD auf 10-15 Prozent kommen. Dies kann man nicht weg diskutieren, denn
es gibt die Menschen, die für sich einen guten Grund erkennen, die AfD
zu wählen. Aber unser pluralistisches System wird ihre Bedeutung zurecht
schrumpfen, auf das was sie wirklich ist: Eine Minderheitsmeinung
zwischen vielen anderen Minderheitsmeinungen. Die westliche Welt wird
gut daran tun, dies zu erkennen.

Frage:
Das klingt als hielten Sie den weltweit eingezogenen Populismus für
nicht schlimm. Aber der Brexit oder die Trump-Wahlen verändern doch real
wirklich unsere Welt. Das kann man doch nicht ignorieren!

Sven
Gabor Janszky: Nicht ignorieren, aber ins Verhältnis setzen. Der
normale Deutsche wird in seinem alltäglichen Leben von Brexit und Donald
Trump „gar nichts“ bis „kaum etwas“ spüren. Auch hier müssen wir
ehrlich sein: Der wirkliche Gestaltungsspielraum eines US-Präsidenten
ist doch sehr limitiert. Das Bild eines unberechenbaren „Master of the
World“ mit dem Trump oft beschrieben wird, entspringt mehr unserer
wohlstandsgenährten Grusel-Fantasie als der Wirklichkeit. Mehr noch: Im
Vergleich zu den wirklich großen Entwicklungen in den
Technologiebranchen, schrumpft die Macht des angeblich mächtigsten
Mannes der Welt auf Zwergenniveau.

Frage: Wie meinen Sie das? Können Sie konkrete Beispiele dafür geben?

Sven
Gabor Janszky: Die Genetik wird bis zum Jahr 2019 die Kosten für die
Komplettanalyse einer individuellen menschlichen DNA auf unter 100
Dollar senken. Dies kann jeder der Leser dieses Interviews bezahlen. Das
ist die Basis dafür, dass wir in den Jahren danach die schlimmsten
Krankheiten der Welt therapieren können, an denen unsere
Elterngeneration noch gestorben ist. Die Autobranche wird bis 2025
selbstfahrende Autos ohne Lenkrad und Gaspedal auf den Markt bringen.
Damit wird Mobilität nahezu kostenlos. Menschen können ihre Fahrzeiten
für Sinnvolleres nutzen, als am Lenkrad zu drehen. Technologie schenkt
den Menschen also einige der wichtigsten Dinge: Gesundheit, Zeit und die
Lösung der größten Menschheitsprobleme wie Energie, Hunger und Wasser.
All diese Entwicklungen sind möglich, weil wir intelligente Computer
bekommen werden. Diese werden in etwa 30-40 Jahren sogar die menschliche
Durchschnittsintelligenz erreichen und übertreffen. Die wirklich
wichtige Frage ist: Wie werden wir und unsere Kinder in der zweiten
Hälfte dieses Jahrhunderts als „zweitintelligenteste Spezies der Welt“
leben? Wer sich wirklich fürchten will, der sollte sich davor fürchten.
Bei allem Respekt: Verglichen mit diesen absehbaren technologischen
Entwicklungen schrumpft der Einfluss des kommenden US-Präsidenten fast
unter die Wahrnehmungsgrenze.

Frage: Sollten wir uns also vor der Technologie fürchten? Haben Sie Angst vor der weiteren Zukunft?

Sven
Gabor Janszky: Ja und nein. Wir reden jetzt nicht über das Jahr 2017,
sondern etwa über 2050-2060. Bis dahin haben wir noch 30-40 Jahre Zeit
einige wirklich große Herausforderungen zu meistern. Diese Zeit werden
wir auch brauchen, denn es sind große Fragen von bisher nie dagewesener
Komplexität. In der Menschheitsgeschichte hat es bisher noch nie solch
eine riesige Herausforderung wie die Entstehung einer übermenschlich
intelligenten Spezies gegeben. Aber ich bin trotzdem optimistisch, denn
die Menschheit ist Weltmeister in der Anpassung an sich verändernde
Umwelten. Ich bin sicher, dass die Menschheit es schaffen wir, sich eine
positive und lebenswerte Zukunft zu gestalten. In der internationalen
Diskussion der Zukunftsforscher und Top-Technologen kennen wir zwar die
Antworten noch nicht, aber wir kennen die entscheidenden Fragen schon.
Das ist möglicherweise schon die halbe Miete. Aber ich will auch klar
zugeben, dass ich durchaus Ängste habe. Nicht wegen der technologischen
Entwicklung, sondern wegen der aktuellen Ahnungslosigkeit und
Untätigkeit unserer Politik und Gesellschaft. Wir Zukunftsforscher haben
diese aus unserer Sicht größten zu lösenden Zukunftsfragen schon vor
vielen Jahren an die deutsche Politik geschickt. Es gab bisher nie eine
Antwort. Wenn wir aber nicht jetzt anfangen, die anstehenden Fragen und
entsprechende Regulierungen zu debattieren, dann wird es irgendwann zu
spät sein. Denn die Menschheit wird nur in den frühen Entstehungsphasen
der übermenschlich intelligente Computer einen Einfluss auf deren
Zukunft nehmen können. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wird es zu spät
sein. Ich habe Angst, dass die Politik aus purer Ahnungslosigkeit und
Nichtkenntnis diese größte Verantwortung nicht wahrnimmt. Diese Angst
habe ich schon lange. Sie wird jedes Jahr größer in dem diese
entscheidenden Fragen nicht von den wahlkämpfenden Parteien gestellt
werden. Ich habe sie weder von Donald Trump oder Hillary Clinton gehört,
noch von irgendeiner deutschen Partei für den bevorstehenden
Bundestagswahlkampf 2017.

Frage:
Neben der Technologie war es im vergangenen Jahr ja vor allem die
Flüchtlingskrise, die das Empfinden der Deutschen beeinflusst hat. Jetzt
ist die unkontrollierte Zuwanderung erst einmal gestoppt. Werden wir
2017 also weniger über Flüchtlinge reden?

Mit
hoher Wahrscheinlichkeit wird 2017 die Flüchtlingsfrage weiterhin als
Schreckgespenst durch die Wahlkampfauftritte der verschiedensten
Parteien ziehen. Aber im Alltagsleben der Menschen wird sie kaum mehr
eine Rolle spielen. Allerdings ist das für mich als Zukunftsforscher
eher eine schlechte Nachricht. Denn unser Land hat sich noch immer nicht
mit der Frage befasst, was ohne eine Zuwanderung mit unserem
Arbeitsmarkt geschieht. Wir Zukunftsforscher prognostizieren für
Deutschland in den kommenden zwanzig Jahren eine Ära der
Vollbeschäftigung. Der Grund ist ein demografischer Sondertrend: Die
Massen-Verrentung der Babyboomer-Generation. Millionen von
Arbeitskräften gehen bis 2025 in Rente. Sie werden im Arbeitsmarkt nur
minimal ersetzt durch die Wenigen in den geburtenschwachen Jahrgängen.
Wer nur die Renteneintritte und die Arbeitsmarkteintritte gegeneinander
aufrechnet, der erkennt schnell, dass wir im Jahr 2025 etwa 6,5
Millionen arbeitende Menschen weniger im deutschen Arbeitsmarkt haben
werden. Wenn wir die heutige Arbeitslosigkeit und alle Sonderprogramme
von Staat und Unternehmen abziehen, bleiben nach wie vor 3-4 Millionen
nicht besetzte Jobs. Falls wir dagegen nichts tun, werden die Folgen
zwischen dem Jahr 2020 und 2025 verheerend sein: Unsere Unternehmen
haben zu wenig Personal und werden weniger produzieren können. Die
Konjunktur wird zurückgehen und damit die Steuern und Sozialabgaben
steigen. Natürlich wird es Gegenmaßnahmen geben müssen. Zwei davon sind
klar absehbar: Entweder wir Deutsche werden länger arbeiten und erst mit
75 in Rente gehen. Oder wir lassen eine große Anzahl von Flüchtlingen
ins Land. Die meisten von uns werden sich für die zweite Variante
entscheiden.Auf diese Weise werden wir eine zweite Zuwanderungswelle
bekommen. Hoffentlich eine besser gesteuerte. Aber ganz sicherlich eine
genauso umstrittene. ABER: Dies wird noch nicht 2017 sein. Die
Diskussion beginnt mit großer Wahrscheinlichkeit erst nach der
Bundestagswahl.

Frage:
Lassen Sie uns zurückkommen ins Jahr 2017: Welcher Trend wird den
Alltag der Menschen im nächsten Jahr besonders stark verändern?

Sven
Gabor Janszky: Die meisten von uns werden anfangen mit ihren Telefonen
zu reden. Denn auf den Smartphones werden die Apps langsam ersetzt durch
intelligente Assistenten. Wenn man heute mit den Entwicklern in China
und im Silicon Valley redet, diese programmieren schon kaum mehr Apps,
sie programmieren intelligente Assistenten. Das heißt: In Kürze werden
auf unseren Handys Assistenten erscheinen, mit denen wir intelligente
Gespräche führen können. Das wird unser aller Leben beeinflussen.   

Frage:
Anfang 2016 hatten Sie für die Wirtschaft im jetzt zu Ende gehenden
Jahr den Durchbruch der künstlichen Intelligenz prognostiziert. Dies ist
ja in großen Teilen auch so eingetreten. Was kommt denn danach, also
2017?

Sven
Gabor Janszky: Die Digitalisierung geht natürlich weiter. Der Trend für
2017 heißt „predictive enterprises“ oder „predictive software“, also
Computertechnik mit Vorhersage-Funktion. Das sind Algorithmen die aus
Basis von Datenanalysen bestimmte Entwicklungen in der nahen Zukunft
prognostizieren können und auf dieser Basis die Koordination und
Steuerung von Prozessen übernehmen. Wir werden 2017 erleben, das
Unternehmen mehr und mehr auf dieser Basis ihre Produktion und ihren
Verkauf gestalten. Das geht übrigens auch in unser privates Leben
hinein. Denn dieselbe Technologie kann beispielweise menschliche
Emotionen erkennen und analysieren. Die gibt mir dann ein Zeichen: Sagt
mein Gesprächspartner gerade die Wahrheit oder verschweigt er mir etwas.
Ist er gerade glücklich oder traurig. Was würden Sie tun, wenn Ihr
Handy Ihnen sagt, dass Ihre Frau gerade etwas traurig ist? Und was
würden Sie tun, wenn das gleiche Handy Ihnen empfiehlt ihrer Frau sofort
ein bestimmtes Lob auszusprechen, weil dieses sie mit hoher
Wahrscheinlichkeit glücklich machen würde? Fänden Sie das nützlich? Und
was würde Ihre Frau denken, wenn sie weiß, dass sie vom Handy den
Hinweis bekommen haben, den Satz aber trotzdem nicht gesagt haben?

Frage:
Haben Sie einen Ratschlag, wie wir normalen Menschen uns auf die
anstehenden Veränderungen vorbereiten können? Wie wir die Chance statt
die Gefahr erkennen?

Sie
müssen vermeiden, sich als Opfer zu fühlen. Wenn man sich als Opfer von
Digitalisierung fühlt, wenn man nur darauf schaut, dass Arbeitsplätze
wegfallen, hat man ein echtes Problem. Aber wenn man das ganze Bild
anschaut, auf der einen Seite fallen Arbeitsplätze weg an Maschinen, auf
der anderen Seite entstehen welche. Und es entstehen wahrscheinlich
mehr als wegfallen, dann hat man die Chance in der Sache begriffen.

HINTERGRUND

Sven Gábor Jánszky (43) ist
Zukunftsforscher und Chairman des größten deutschen Zukunftsinstituts
„2b AHEAD ThinkTank“. Die Studien und Trendanalysen seines Instituts zu
den Lebens-, Arbeits- und Konsumwelten der Zukunft und seine
Strategieempfehlungen zu Geschäftsmodellen der Zukunft bilden die Basis
für die Zukunftsstrategien vieler Unternehmen. Seine Trendbücher „2025 –
So arbeiten wir in der Zukunft“ und „2020 – So leben wir in der
Zukunft" prägen die Zukunftsstrategien verschiedener Branchen. Mit
seinen Management-Strategiebüchern „Rulebreaker – Wie Menschen denken,
deren Ideen die Welt verändern“ (2010) und „Die Neuvermessung der Werte“
(2014) wurde er zum Sprachrohr der Querdenker und disruptiven
Innovatoren in der deutschen Wirtschaft. Sein aktuelles Buch "Das
Recruiting Dilemma" erklärt den rasanten Wandel des deutschen
Arbeitsmarktes hin zur Vollbeschäftigung und dem Niedergang der
Langzeitfestanstellung.

Der
Zukunftsforscher lehrt an verschiedenen Universitäten. Er ist Chairman
des Trendforschungsinstituts „2b AHEAD ThinkTank“ in Deutschland,
Präsident des Verwaltungsrates der 2b AHEAD ThinkTank AG in der Schweiz,
Geschäftsführer der StartUp-Beteiligungsgesellschaft „RULEBREAKER
Management“,  Aufsichtsrat der Karlshochschule International University,
Mitglied des Beirats der Management Circle AG und Präsident der
„Rulebreaker-Society“. Als Berater coacht Janszky Vorstände und
Unternehmer in Strategieprozessen, führt Innovationsprozesse zu
Produktentwicklung und Geschäftsmodellen der Zukunft. Er war
Vize-Jugend-Mannschafts-DDR-Meister im Schach 1988. Er bestieg zweimal
den Kilimandscharo und lief in New York seinen 19. Marathon.

Für mehr Hintergründe finden Sie aktuelle Trendanalysen und Studien von Sven Gabor Janszky zu den verschiedensten Themen unter: www.2bahead.com

Molekulare Elektronik: Licht an – Molekül an

Fortschritt für die molekulare Elektronik: Licht an – Molekül an
Forschern aus Dresden und Konstanz gelingt das lichtgesteuerte Anschalten eines Moleküls

Mit
einzelnen Molekülen Informationen zu speichern und verarbeiten, um
daraus kleinstmögliche Bausteine zu entwickeln, die sich selbstständig
zu einem Schaltkreis zusammensetzen – daran arbeiten Wissenschaftler des
Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) und der Universität
Konstanz. Wie sie nun in der Fachzeitschrift „Advanced Science“
berichten, konnten sie erstmalig den Stromfluss durch ein einzelnes
Molekül mit Hilfe von Licht einschalten.

Die
molekulare Elektronik wird zukünftig ein Fenster hin zu neuartigen und
immer noch kleineren und zugleich energieeffizienten Bauelementen oder
Sensoren aufstoßen, davon ist Dr. Artur Erbe, Physiker am HZDR,
überzeugt: „Einzelne Moleküle sind die kleinsten, zu einem Prozessor
integrierbaren Bausteine, die wir uns derzeit vorstellen können.“ Bis
heute jedoch ist es noch nicht gelungen, ein Molekül so maßzuschneidern,
dass es Strom leiten kann und dass sich der Strom – wie bei einem
elektrischen Schalter – gezielt ein- und wieder ausschalten lässt.

Dazu
bedarf es eines elektrisch leitenden Moleküls, bei dem sich an einer
Stelle eine ansonsten feste Bindung zwischen einzelnen Atomen löst – und
genau dann wieder schließt, wenn Energie in die Struktur gepumpt wird.
In aufwendigen Versuchen hat der Chemiker Dr. Jannic Wolf an der
Universität Konstanz herausgefunden, dass eine bestimmte
Diarylethen-Verbindung als Kandidat in Frage kommt. Die Vorteile des
rund drei Nanometer langen Moleküls: Es verdreht sich nur wenig, wenn es
seine Struktur an einem Punkt öffnet, und es verfügt über zwei
Nano-Drähte, die zur Kontaktierung verwendet werden können. Dass das
Diarylethen der Wahl in offenem Zustand keinen Strom leitet, während es
in geschlossenem Zustand zum Leiter wird und deshalb ein anderes
physikalisches Verhalten zeigt, konnten die Wissenschaftler aus Konstanz
und Dresden bei vielen reproduzierbaren Messungen erstmals für ein
einzelnes Molekül sicher nachweisen.

Rechner aus dem Reagenzglas

Eine
Besonderheit dieser molekularen Elektronik: Sie findet in einer
Flüssigkeit im Reagenzglas statt, denn die Moleküle werden in Lösung
kontaktiert. Um herauszufinden, welche Auswirkungen die
Lösungsbedingungen für die Schaltprozesse haben, war deshalb auch ein
systematisches Ausprobieren verschiedener Lösungsmittel nötig. Damit
Strom fließen kann, muss das Diarylethen an den Enden der Nano-Drähte an
Elektroden angeschlossen werden. „Wir haben dafür am HZDR eine
Nano-Technologie entwickelt, die auf hauchdünne Spitzen aus nur wenigen
Gold-Atomen setzt. Dazwischen spannen wir die schaltbare
Diarylethen-Verbindung“, erklärt Dr. Erbe.

Trifft
nun ein Lichtstrahl auf das Molekül, so schaltet es vom geöffneten in
den geschlossenen Zustand mit der Folge, dass Strom fließt. „Wir konnten
so erstmalig ein einzelnes kontaktiertes Molekül anschalten und zudem
den Nachweis erbringen, dass genau das Molekül zum Stromleiter wird, das
wir bestrahlt haben“, freut sich Dr. Erbe. „Zudem haben wir den
molekularen Schaltmechanismus sehr detailliert charakterisiert, weshalb
ich glaube, dass uns damit ein wichtiger Schritt hin zu einem echten
molekularen Elektronik-Bauteil geglückt ist.“

Das
Ausschalten klappt beim kontaktierten Diarylethen allerdings noch
nicht, doch Dr. Erbe ist zuversichtlich: „Unsere Theorie-Kollegen am
HZDR berechnen gerade, wie genau sich das Molekül verdrehen muss, damit
der Stromfluss unterbrochen wird. Gemeinsam mit den Konstanzer Chemikern
werden wir in der Lage sein, das Design und die Synthese für das
Molekül entsprechend umzusetzen.“ Allerdings handelt es sich hierbei um
Grundlagenforschung, die viel Geduld erfordert: Alleine die
Kontaktierung des Diarylethen-Moleküls mittels
Elektronenstrahl-Lithographie und die anschließenden Messungen dauerten
drei Jahre. Bereits vor rund zehn Jahren war es einer Arbeitsgruppe an
der niederländischen Universität Groningen gelungen, einen molekularen
Schalter zu bauen, der in der Lage war, den Stromfluss zu unterbrechen.
Auch dieser Aus-Schalter funktionierte nur in einer Richtung, doch
konnte damals nicht sicher nachgewiesen werden, dass die
Leitfähigkeitsänderung an genau ein Molekül gebunden war.

Nano-Elektronik in Dresden

Ein
Schwerpunkt der Forschungsarbeiten in Dresden ist die sogenannte
Selbstorganisation. „DNA-Moleküle etwa sind in der Lage, sich ohne Zutun
von außen selbst zu Strukturen anzuordnen. „Wenn es uns gelingt,
logische Schalter aus sich selbst organisierenden Molekülen zu bauen,
dann kommt der Rechner der Zukunft aus dem Reagenzglas“, prophezeit Dr.
Erbe. Die Riesenvorteile dieser neuen Technologie liegen auf der Hand:
Milliarden teure Fertigungsanlagen, wie sie für die Mikroelektronik von
heute benötigt werden, könnten dann der Vergangenheit angehören. Doch
nicht nur für die Produktion, sondern auch für den Betrieb neuartiger
molekularer Bauteile wird extrem wenig Energie benötigt.

Die
Voraussetzungen, um die molekulare Elektronik von morgen zu erforschen
und zu entwickeln, sind in Dresden mit dem hier ansässigen
Helmholtz-Kolleg NANONET sehr gut. Neben dem HZDR sind an dem
strukturierten Promotionsprogramm die Technische Universität Dresden,
das Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden (IPF), das
Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) und
die NaMLab gGmbH beteiligt.

Neuausrichtung der

Gründung von Stadtwerken als Motor einer Neuausrichtung der
Energieversorgung

Sondierungs-Studie des Wuppertal Instituts zu den Zielen von Rekommunalisierung

Die Energielandschaft in Deutschland ist derzeit von einer Stadtwerke-Gründungswelle gekennzeichnet,
insgesamt gibt es seit 2005 rund 70 Neugründungen von Stadt- und Gemeindewerken im Strombereich. In
Berlin findet Anfang November ein Volksentscheid zur Stadtwerkegründung statt, in Hamburg steht ein
Volksentscheid über den Rückkauf der Netze für den 22. September an. In einer Studie des Wuppertal
Instituts wurde nun festgestellt, dass die wichtigsten Ziele, die mit Rekommunalisierungen verbunden
werden, auch erreichbar sind.
Städte und Gemeinden sind künftig mehr denn je Schlüsselakteure der Energiewende. Mit eigenen
Stadtwerken können sich die Kommunen einen großen Handlungsspielraum schaffen, den umwelt- und
klimafreundlichen Umbau der örtlichen Energieversorgung voranzubringen. Dennoch bezweifeln Kritiker die
Sinnhaftigkeit einer verstärkten Rekommunalisierung.
Die Sondierungs-Studie "Stadtwerke-Neugründungen und Rekommunalisierungen – Energieversorgung in
kommunaler Verantwortung" des Wuppertal Instituts nimmt eine Bestandsaufnahme neu gegründeter
Stadtwerke seit 2005 vor. Anhand der wichtigsten zehn Ziele, die mit einer Neugründung verbunden werden,
wird eingeschätzt, inwieweit diese erreicht werden können. Die Zusammenstellung der Ziele stützt sich auf
den in der Studie dargestellten Sachstand, die übergeordneten Zielsetzungen zu Energiewende und
Klimaschutz, kommunalwirtschaftliche und strukturpolitische Aspekte sowie die Zielsetzungen im Bereich
Daseinsvorsorge und Sozialpolitik. Sowohl die Untersuchungen des Wuppertal Instituts als auch die für die
Studie eingeholte Einschätzung von weiteren Experten aus Wissenschaft und Praxis kommen zu dem
Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit, diese Ziele zu erreichen, hoch bis sehr hoch ist.
So eröffnet sich die Chance, durch eigene Stadtwerke die örtlichen Energieeffizienzpotenziale im Strom und
Wärmebereich besser auszuschöpfen, die erneuerbaren Energien forcierter im Gemeindegebiet zu nutzen und
den Ausbau der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung schneller voranzutreiben. Auch die damit verbundenen
wirtschaftlichen und fiskalischen Ziele sind für die Kommunen erreichbar. Deshalb formuliert die Studie für
Städte und Gemeinden folgende Empfehlungen:
Mit Rekommunalisierungen eröffnen sich in den Kommunen zahlreiche energie- und
kommunalwirtschaftliche Chancen, welche die Städte und Gemeinden zum Vorteil der örtlichen
Energiewende und zum Wohle der örtlichen Gemeinschaft nutzen sollten.
Dabei ermöglicht die Technikentwicklung in den Bereichen Energieeffizienz, Erneuerbare Energien und
dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung viele neue wirtschaftliche Optionen für eine örtliche Energieversorgung
ohne Kernenergie und Kohle.
Kommunale politische Entscheidungsträger sollten sich daher von Rekommunalisierungskritikern und
entsprechend negativen Expertisen nicht vorschnell entmutigen lassen, sondern vielmehr ihr Vorhaben
beharrlich und konsequent weiterverfolgen.
Gleichwohl gilt, dass die Komplexität einer Rekommunalisierung eine gute und sorgfältige Vorbereitung und
die Hinzuziehung von externem (juristischem sowie energiewirtschaftlichem) Sachverstand erfordert.
Mit einer konzeptionellen Planung und einer auf die örtliche Energiewende zugeschnittenen und an
übergreifenden Umwelt- und Klimaschutzzielen orientierten Unternehmensstrategie können Stadt- und
Gemeindewerke als Motor einer strategischen Neuausrichtung der Energieversorgung fungieren.
Darüber hinaus werden in der Studie die rechtlichen Rahmenbedingungen von Konzessionsvergabeverfahren
beleuchtet, Hinweise für rechtssichere Vergabeverfahren gegeben, die Bestimmungen der
Ländergemeindeordnungen zur wirtschaftlichen Betätigung der Gemeinden miteinander verglichen und die
Praktiken der Altkonzessionäre beim Auslaufen von Konzessionsverträgen dargestellt. Dabei werden für die
kommunalpolitische Praxis zahlreiche Handlungsempfehlungen formuliert.
Das Wuppertal Institut versteht diese Sondierungs-Studie als Handreichung und Hilfestellung für politische
Entscheidungsträger vor allem aus dem kommunalen Bereich.
Pressemitteilung des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie

 

Neue Kunststoffe machen Viren und Bakterien das Leben schwer

Wissenschaftler der Fachhochschule Münster stellten beim „InnovationsDialog“ aktuelle Forschungsergebnisse vor
Dort wo Lebensmittel an die Verpackung grenzen, siedeln sich schnell Keime an. Neue antimikrobielle Kunststoffoberflächen sollen Mensch und Tier vor der Gefahr durch Viren, Pilze und Bakterien schützen. Vor rund 30 Unternehmern stellten Prof. Dr. Martin Kreyenschmidt und Prof. Dr. Reinhard Lorenz von der Fachhochschule Münster bei der TECE GmbH in Emsdetten ihr Forschungsprojekt „SmartSurf" vor.

„Zwei Patentanmeldungen sind in diesem lukrativen Bereich bereits in Vorbereitung", sagte Lorenz zum Stand des Projektes. An der Suche nach neuen Werkstoffen, an denen sich Mikroorganismen nicht mehr anlagern und auf denen sie sich nicht mehr vermehren können, sind neben der Fachhochschule Münster und der Universität Bonn auch sechs Unternehmen beteiligt.

Welche Vorteile die Kooperation mit Hochschulen aus Unternehmersicht mit sich bringen, erläuterten zwei Partner des Forschungsprojektes: Harald Dekkers von der EMSA GmbH und Martin Krabbe von der TECE GmbH.

Nach einer Führung durch die Produktionsabteilung nutzten die Unternehmer die Gelegenheit, mit den beiden Professoren über mögliche Aufgabenstellungen aus der Praxis zu diskutieren.

Diese Veranstaltung aus der Reihe „InnovationsDialog" hatte Train – Transfer in Steinfurt, das gemeinsame Projekt der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH und der Fachhochschule Münster, organisiert.

Die „InnovationsDialoge" sind eine Initiative der InnovationsAllianz der NRW-Hochschulen, die 2007 gegründet wurde. In ihr arbeiten derzeit insgesamt 29 Hochschulen und vier Hochschul-Transfergesellschaften zusammen; sie ist damit das größte derartige Bündnis bundesweit. Ziel ist es, die Forschungskapazitäten der Hochschulen effektiver zu nutzen. In Kooperationen innerhalb der Wissenschaft sowie mit Unternehmen, kommunalen Einrichtungen und Verbänden soll die Entwicklung neuer und die Optimierung bestehender Technologien, Produkte und Anwendungen gefördert werden.

Anwendung des Piezomagnetischen Effektes: Physiker wollen Flugzeughaut in Echtzeit messen

Physiker wollen Flugzeughaut in Echtzeit messen

Werkstoffprüfung mit der Hilfe des Phänomens des Piezomagnetismus

Dehnungsversuch (oben) und veränderte Kristallstruktur (Bild: ucdavis.edu)
Dehnungsversuch (oben) und veränderte Kristallstruktur (Bild: ucdavis.edu)

Davis (pte003/20.03.2018/06:10) –

Flugzeuge sind großen Belastungen ausgesetzt. Während des Fluges lassen
sie sich bisher nicht messen. Überbelastungen lassen sich erst bei
aufwendigen Materialüberprüfungen während der normalen Inspektionen
ermitteln. Das könnte sich laut Forschern der University of Califormia http://ucdavis.edu ändern. Sie haben ein Material entdeckt, das seine magnetischen
Eigenschaften messbar variiert, wenn es gestreckt wird. Piezomagnetismus
nennt sich dieses Phänomen, so Physikprofessor Nicolas Curro.

Gezielte Verunreinigung

Das neue Material ist eine
Barium-Eisen-Arsen-Verbindung (BaFe2As2). Bei einer Temperatur von 25
Kelvin (minus 248 Grad Celsius) ist es supraleitend, wenn es mit
Fremdatomen "verunreinigt", also dotiert ist. Strom fließt
widerstandslos hindurch. Das Material ist für die Anwendung der
Supraleitung interessant, weil es, anders als andere Supraleiter so
flexibel ist, dass man daraus Kabel ziehen kann. BaFe2As2 ist ein so
genannter nematischer Kristall, dessen Struktur sich ändert, wenn er vom
normalen in den supraleitenden Zustand wechselt.

Die Kristallstruktur, die ursprünglich quadratische
Grundzüge hat, wechselt dann zum Rechteck. Curro und sein Mitarbeiter
Tanat Kissikov und Matthew Lawson haben das Material während des
Streckvorgangs in einem Kernspintomografen beobachtet – ähnlich dem, den
Mediziner zur Diagnose von inneren Erkrankungen nutzen. Dabei stellten
sie zu ihrer Überraschung fest, dass sich die Kristallstruktur auch bei
diesem Prozess veränderte und damit auch die magnetischen Eigenschaften.

Rätselhaftes Phänomen

Bisher haben Curro und sein Team noch keine Erklärung
für das Verhalten des Materials. Jetzt suchen die Forscher nach anderen
Werkstoffen, die ähnliche Eigenschaften haben. Außerdem interessiert
sie, ob mechanische Belastung der Materialien die supraleitenden
Eigenschaften beeinflusst. Piezomagnetismus lässt sich mit dem
Piezoeffekt vergleichen. Dieser tritt in Form eines elektrischen Funkens
auf, wenn ein Kristall zusammengedrückt wird, etwa in Feuerzeugen.
Umgekehrt werden derartige Kristalle zu Aktoren, also Systemen, die sich
ein wenig bewegen, wenn eine Spannung angelegt wird. Sie lassen sich
dann nutzen, um beispielsweise mikroskopisch kleine Schalter oder
Ventile zu bedienen.

Zum Alexander von Humboldt-Jahr 2019

Alexander von Humboldt-Jahr 2019:

Dreizehn Kultur- und
Wissenschaftseinrichtungen aus Berlin-Brandenburg mit Aktivitäten zum
250. Geburtstag | Gemeinsame Informationsplattform gestartet

Anlässlich des 250. Geburtstags Alexander von
Humboldts präsentierte ein Verbund von dreizehn Kultur- und
Wissenschaftseinrichtungen am heutigen Mittwoch, dem 14. November 2018
in Berlin die vielfältigen Aktivitäten im kommenden Humboldt-Jahr 2019.

Die beteiligten Museen, Universitäten,
Bibliotheken, Akademien und Forschungsinstitutionen widmen dem
bedeutenden Forscher im Jahr 2019 zahlreiche Veranstaltungshöhepunkte in
der Region Berlin-Brandenburg.

Unter www.avhumboldt250.de informiert eine zentrale Plattform seit heute über alle Ausstellungen,
wissenschaftlichen Tagungen und Veranstaltungen der beteiligten
Institutionen rund um Alexander von Humboldt im Jahr 2019. Ein
umfassender Veranstaltungskalender gibt Auskunft über anstehende Termine
des Jubiläumsprogramms und bietet weiterführende Hinweise auf die
wissenschaftlichen und kulturellen Schwerpunkte und Neuigkeiten des
gemeinsamen Themenjahres. Der Kalender wird im Laufe des Jubiläumsjahres
kontinuierlich erweitert.

„Als Weltbürger war Alexander von Humboldt an
vielen Orten zuhause. Doch Berlin spielte in seinem Leben immer eine
wichtige Rolle. Zu seinem 250. Geburtstag feiern wir in Berlin auf
Alexander von Humboldts Spuren ein Jahr mit Veranstaltungen,
Ausstellungen und vielem mehr. Dreizehn Partnerinstitutionen tragen
hierzu bei und arbeiten zusammen. Ganz nach dem Vorbild des Netzwerkers
Alexander von Humboldt“, sagte Dr. Enno Aufderheide, Generalsekretär der
Alexander von Humboldt-Stiftung, bei der Vorstellung der gemeinsamen
Initiative.

Die beteiligten Organisationen sind:

Alexander von Humboldt-Stiftung,
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Botanischer Garten
und Botanisches Museum Berlin, Deutsches Historisches Museum, Humboldt
Forum im Berliner Schloss, Humboldt-Universität zu Berlin,
Ibero-Amerikanisches Institut Preußischer Kulturbesitz, Museum für
Naturkunde Berlin, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina,
Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Stadtmuseum Berlin,
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg,
Universität Potsdam

Alexander von Humboldt

Der am 14.9.1769 in Berlin geborene 
Naturforscher und Universalgelehrte Alexander von Humboldt  war seiner
Geburtsstadt lange abtrünnig, äußerte sich teils abfällig über die
preußische Hauptstadt und lebte 25 Jahre in Paris. Nach seiner Rückkehr
nach Berlin 1827 aber trug er maßgeblich zur Intensivierung der
internationalen Beziehungen Berlins und Reformierung wissenschaftlicher
Institutionen bei. Trotz seiner gehobenen Stellung als Kammerherr des
Königs, Mitglied der Akademien und Ehrenbürger der Stadt richtete sich
Humboldt an ein breites Publikum und hielt Vorträge  für die Berliner
Bevölkerung. Seiner Erforschung der Natur, der Bewohner und der
Kulturgeschichte der bereisten Gegenden verdankte Europa ein neues
nachhaltig prägendes Bild Amerikas – ebenso wie Anreize, neu über
globale Beziehungen, über Welthandel, aber auch über Kolonialismus,
Sklaverei und über weltumspannende Menschlichkeit nachzudenken.

Quantensprung für die Lebenswissenschaften

Kieler Universität weiht neues Massenspektrometer ein

Ein neues, hoch empfindliches Massenspektrometer ist heute (25.01.) an
der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) im Beisein des
Wissenschaftsministers Dietrich Austermann offiziell eingeweiht worden.
"Das 9,4 Tesla Gerät bedeutet für unseren Forschungsschwerpunkt
Lebenswissenschaften einen technologischen Quantensprung", freut sich
der CAU-Prorektor Professor Siegfried Wolffram. Mit dem
Ionen-Zyklotron-Resonanz-(ICR)-Massenspektrometer lassen sich
molekulare Verbindungen, wie sie unter anderem in intrazellulären
Abläufen und Konzentrationen auftreten, extrem genau und sensitiv
nachweisen. Auch das Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" wird darauf
zugreifen, um zum Beispiel Spurenstoffe als Marker von Lebensvorgängen
im Meer zu verfolgen.

Wissenschaftsminister Dietrich Austermann betonte bei der Feier: "Mit
dem neuen Massenspektrometer erhält die Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel ein Alleinstellungsmerkmal für den norddeutschen Raum. Das
nächste Gerät mit einer derartigen Leistungsfähigkeit steht erst wieder
in Nordrhein-Westfalen." Die Förderung aus dem Innovationsfonds des
Landes sei außerdem ein Indiz für den Erfolg des Modells, Wissenschaft
und Wirtschaft zusammenzuführen.

Das Labor mit dem 800.000 Euro teuren Großgerät steht am Institut für
Physikalische Chemie und soll die Grundlagenforschung in der Chemie,
Biologie, Pharmazie und molekularen Medizin vorantreiben.

Weitere Informationen zur Funktionsweise des Gerätes finden Sie hier:

www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2006/2006-053-massenspektrometer.shtml

Flachbildschirme auf dem Vormarsch

Umsätze leicht rückläufig – Röhrenbildschirme auf dem Rückzug

Austin (pte/22.06.2005/15:57) – Der anhaltende Preisverfall hat im
abgelaufenen ersten Quartal 2005 für einen regelrechten Absatzboom bei
LCD-Monitoren für PCs gesorgt. Nach Berechnungen der texanischen
Marktforscher von DisplaySearch http://www.displaysearch.com gingen in
den ersten drei Monaten weltweit rund 22,7 Mio. der flachen Bildschirme
über die Ladentische. Das bedeutet ein Plus von sieben Prozent
gegenüber dem Vorquartal. Die Quartalsumsätze waren allerdings aufgrund
der aggressiven Preisgestaltung durch die Hersteller leicht rückläufig.
Der weltweite Umsatz in dem Segment ging im Vergleich zum
Vorjahresquartal um fünf Prozent auf 7,8 Mrd. Dollar zurück.

Dank günstigerer Geräte konnten die LCD-Monitore aber ihren Vormarsch
bei den Computer-Bildschirmen fortsetzen und halten nun bereits einen
Anteil von 63,6 Prozent nach 57,5 Prozent im Vorquartal. Den
Röhrenmonitoren bescheinigten die Marktforscher dagegen einen weiteren
Abwärtstrend. Im abgelaufenen Quartal fielen die weltweiten Umsätze um
21 Prozent auf 13,2 Mio. verkaufte Geräte. Weil immer mehr
PC-Hersteller auch bei ihren Einsteigerangeboten von den
Röhrenmonitoren abrücken, soll der Markt für die dicken Bildschirme
nach Meinung der Analysten noch schneller einbrechen als ursprünglich
erwartet.

Bei den aufstrebenden LCD-Monitoren konnte der US-Computerriese Dell
mit einem Anteil von 20,2 Prozent seine Vormachtstellung auf dem
Weltmarkt verteidigen. Mit Marktanteilen von 9,7 und 8,2 Prozent konnte
der Konzern die Konkurrenten Samsung und HP mit deutlichem Abstand auf
die Plätze verweisen. Der Großteil der LCD-Monitore (41 Prozent) ging
wie im Vorjahr auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres in die
Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA). In Nordamerika wurden
31,6 Prozent der weltweiten Produktion abgesetzt.

Für die nahe Zukunft prognostizierten die Marktforscher von
DisplaySearch bei den LCD-Monitoren leichte Preissteigerungen, aus
denen ein Abschwung beim Absatz folgen könnte. Grund für die Annahme
ist unter anderem eine Preiserhöhung im LCD-Panel-Bereich. Die
anhaltende Aufstockung der Produktionskapazitäten und daraus folgend
fallende Preise der Zulieferer sollen laut DisplaySearch aber im
Gesamtjahr zu weiterem Wachstum auf dem LCD-Monitormarkt führen.

Strömungen untersuchen und steuern

Strömungen untersuchen und steuern: Dresdner Forscher stellen ihre
Produkte auf Messen vor

Ob in der Energietechnik, der Gießereiindustrie oder in anderen
industriellen Branchen Effizienz und Sicherheit hängen wesentlich
davon ab, ob man die den Prozessen und Anlagen zugrunde liegenden
Strömungen bestimmen oder gar beeinflussen kann. Die Strömungsexperten
des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) präsentieren ihre
Entwicklungen im Bereich der Mess- und Sensortechnik auf der Messe
Sensor+Test 2011 sowie der 12. Internationalen Gießerei-Fachmesse.

Auf der Messe Sensor+Test 2011, die vom 7. bis 9. Juni in Nürnberg
stattfindet, werden Sensorsysteme vorgestellt, mit denen sich komplexe
Strömungen aus verschiedenen Phasen wie beispielsweise Wasser und Gas
untersuchen lassen. Sie sind insbesondere für energietechnische und
verfahrenschemische Anwendungen interessant. Neben neu entwickelten,
autonomen Sensorkonzepten, mit deren Hilfe die Erzeugung von Biogas in
Biogasanlagen optimiert werden könnte, präsentieren die Wissenschaftler
eine breite Produktpalette an Strömungssensorik. Dazu zählen
Gittersensoren, Nadelsonden, optische Systeme sowie tomographische
Verfahren.
Das HZDR ist am Gemeinschaftsstand Forschung für die Zukunft
beteiligt, einer gemeinsamen Initiative der Forschungseinrichtungen der
Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Halle: 12, Stand: 587

Auf der 12. Internationalen Gießerei-Fachmesse vom 28. Juni bis 2.
Juli in Düsseldorf steht dagegen Messtechnik zur Untersuchung von
metallischen Schmelzen im Vordergrund. Für Metallströmungen in
industriellen Gussverfahren sind bisher nur sehr wenige
Messmöglichkeiten bekannt. Bei Gießprozessen mindern häufig
Verunreinigungen oder Lufteinschlüsse die Qualität des fertigen
Produkts. Einen Ausweg bildet der Einsatz elektromagnetischer Felder zur
kontaktlosen Beeinflussung der Schmelze. Mit ihrer Hilfe lassen sich
Richtung und Geschwindigkeit von Metallströmungen steuern. Die
HZDR-Wissenschaftler präsentieren verschiedene Messtechniken, darunter
die magnetische Strömungstomographie, Ultraschallsensoren für den
Einsatz bei Temperaturen bis zu 1.000°C und einen kontaktlosen
Durchflussmesser. Letzterer wurde gemeinsam mit der SAAS Systemanalyse &
Automatisierungsservice GmbH entwickelt. Zudem stellt das HZDR eine
einzigartige Versuchsanlage zur Simulation und magnetischen
Beeinflussung von industriellem Stahlguss vor.

Garn aus Graphen hergestellt

Superdehnbarer Garn aus Graphen hergestellt

Neue Methode macht aus Graphit multifunktionelle Graphenoxid-Fasern

Super-Garn: durch Graphen stark und dehnbar (Foto: psu.edu, M. Terrones)
Super-Garn: durch Graphen stark und dehnbar (Foto: psu.edu, M. Terrones)

State College/Nagano (pte019/24.06.2014/13:18) –

Mit einer einfachen Methode lassen sich aus Graphit dehnbare
Graphenoxid-Fasern in Garn einarbeiten, die dann so stark wie Kevlar
sind. Das ist das Ergebnis von Forschern der Penn State http://psu.edu und Shinshu University http://www.shinshu-u.ac.jp . "Wir haben entdeckt, dass diese Graphenoxid-Fasern stärker sind als
alle anderen Kohlefasern", meint Mauricio Terrones von der Penn State
University, und fügt hinzu: "Wir glauben auch, dass eingeschlossene Luft
in den Fasern das Material davor bewahrt, spröde zu werden."

Getrockneter Brei bricht nicht

Durch einen chemischen Prozess haben die
Wissenschaftler aus dem Ursprungsmaterial Graphit einen dünnen Film aus
Graphenoxiden hergestellt, der dann mit Wasser gemischt und durch das
Zentrifugieren in einen dicken Brei verwandelt wurde. Wenn der Brei
trocknet, kann der Film angehoben werden, ohne dabei zu brechen.

Der Film wird in weiterer Folge in schmale Streifen
geschnitten und kann schließlich um sich selbst gewunden und verstrickt
werden. Bei diesem Verfahren bricht der Stoff nicht. "Das wichtige dabei
ist, dass wir fast jedes Material damit erzeugen können. Das öffnet
viele Türen. Es ist ein leichtes Material mit multifunktionalen
Eigenschaften", verdeutlicht Terrones.

Viele Anwendungsmöglichkeiten

Die neue Methode eröffnet eine ganze Palette an
Anwendungsmöglichkeiten. So könnte das Entfernen des Sauerstoffs aus den
Graphenoxid-Fasern das Material hoch leitfähig machen. Mit dem Zusatz
von Silbernanostäbchen könnte man das Material so leitfähig wie Kupfer
machen und damit die schwereren Kupferleitungen ersetzen. Die Forscher
glauben, dass das Material auch für hochsensible Sensoren geeignet wäre.