Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Früherkennung des Herzinfarktes greifbar nah

Molekulare Bilder vom Herzen zeigen gefährdete Gefäße

Wiesbaden – Nahezu 65 000 Menschen starben im Jahr 2006 in Deutschland an einem Herzinfarkt. Das sind knapp acht Prozent aller Verstorbenen. Ursache eines Herzinfarktes sind meist Blutgerinnsel in den Herzkranzgefäßen. Künftig könnten molekular- und zellbiologische Verfahren in Kombination mit Bildern von den Arterien am Herzen die gefährdeten Blutgefäße frühzeitig ausfindig machen und damit einem Infarkt vorbeugen. Die kardiovaskuläre molekulare Bildgebung ist daher ein Thema der 114. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden.

Ein Herzinfarkt entsteht in Folge eines Einrisses der Innenhaut – dem sogenannten Endothel – der Herzkranzgefäße, die das Herz mit Blut versorgen. Die Verletzung des Endothels entsteht meist dort, wo das Gewebe entzündet, verhärtet und unelastisch ist: im Bereich sogenannter ‚arteriosklerotischer Plaques’. Entsteht an dieser Stelle ein Blutgerinnsel, kann dieser das Gefäß verschließen und einen Herzinfarkt verursachen. „Das Problem ist, instabile Plaques zu identifizieren, da sie meist keine Symptome zeigen und diagnostisch unauffällig sind“, sagt Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Wolfgang Rudolf Bauer, Spezialist für kardiale Magnetresonanztomograhie (MRT) am Universitätsklinikum Würzburg, im Vorfeld des 114. Internistenkongresses.

Hier setze die molekulare Bildgebung an, so der Internist, Kardiologe und Physiker: An den entzündlichen arteriosklerotischen Prozessen sind bestimmte weiße Blutkörperchen beteiligt – sogenannte Makrophagen. Untersuchungen an Plaques der Halsschlagader haben gezeigt, dass diese aktiven Entzündungszellen feinste eisenhaltige Teilchen aufnehmen. Diese Nanopartikel lassen sich mit dem bildgebenden Verfahren der MRT sichtbar machen. „Sogar sehr frühe Formen der Arteriosklerose lassen sich molekularbiologisch aufdecken“, sagt Professor Bauer: Das Anheftungsmolekül VCAM-1 (vascular cell adhesion molecule-1) zum Beispiel ist schon im frühen Stadium einer Arteriosklerose an der Innenwand der Blutgefäße nachweisbar. Experimentell lasse sich VCAM-1 mit Kontrastmitteln im MRT sichtbar machen. „Für die klinischen Anwendung am Patienten gilt es jedoch, das Verfahren noch weiter zu entwickeln“, erläutert Professor Bauer.

Wie wirken Placebos ?

Einnahme erhöht Freisetzung von Endorphinen

Ann Arbor (pte/24.08.2005/09:15) – Es scheint doch so zu sein, dass
Placebos eine reale physische Wirkung haben und nicht nur eine
eingebildete. Eine Studie der University of Michigan
http://www.med.umich.edu hat nachgewiesen, dass durch die Einnahme im
Gehirn Chemikalien aktiviert werden, die Schmerzen lindern. Placebos
enthalten an sich nur Bestandteile, die über keine aktiven Wirkstoffe
verfügen. Wird Patienten mitgeteilt, dass es sich bei dem verabreichten
Medikament zum Beispiel um ein Schmerzmittel handelt, verspüren sie
häufig weniger Schmerzen. Für diesen Effekt werden normalerweise
psychologische Erklärungsmodelle herangezogen. Neuere Studien liefern
laut NewScientist Hinweise auf andere Phänomene. Wurde ein
Blindpräparat zum Beispiel heimlich mit einem Medikament versetzt, das
Endorphine blockierte, konnte kein Placeboeffekt nachgewiesen werden.
Damit war nachgewiesen, dass die Endorphine als natürliche
schmerzstillende Mittel des Körpers bei der normalen Reaktion auf
Placebos eine Rolle spielen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden
in dem Fachmagazin The Journal of Neuroscience http://www.jneurosci.org
veröffentlicht.

Das Team um Jon-Kar Zubieta hat jetzt gezeigt, dass Placebos durch die
Erhöhung der Freisetzung von Endorphinen tatsächlich Schmerzen lindern.
Vierzehn gesunde Männer zwischen zwanzig und dreißig Jahren nahmen ein
Medikament ein, das Schmerzen lindern sollte oder auch nicht. Zur
Auslösung eines Schmerzgefühls erhielten die Freiwilligen Infusionen in
den Kiefer. Während des Experiments mussten die Teilnehmer alle 15
Sekunden die Intensität des Schmerzes auf einer Skala von eins bis
hundert bewerten. Die meisten Testpersonen gaben dabei einen Wert von
rund 30 an. Ihnen war nicht bekannt, dass diese Messung für die
Regulierung der Menge der verabreichten Infusionen eingesetzt wurde.
Ziel dabei war es, ein konstantes Schmerzgefühl auszulösen. Dieses
Schmerzmanagement war erforderlich, da die Endorphine als körpereigene
Opioide dazu tendieren den Schmerz im Laufe der Zeit etwas zu
verringern. Die Forscher wollten sicherstellen, dass dieser Effekt
nicht mit dem von den Placebos verursachten vermischt wurde.

Alle Teilnehmer, die ein Placebo bestehend aus einer Salzlösung
erhielten, berichteten von einer Verringerung der Schmerzen. Die
Wissenschafter scannten zusätzlich mittels
Positronen-Emissions-Tomografie (PET) die Gehirne der Männer. Zuvor
waren radioaktive Marker injiziert worden, die sich an die gleichen
Rezeptoren anbinden wie Endorphine. Damit konnte die Menge der in jedem
der Gehirne gebildeten Endorphine ermittelt werden. Die jungen Männer
wurden insgesamt drei Mal gescannt. Das erste Mal vor dem Experiment,
das zweite Mal als sie bereits unter Schmerzen litten aber das Placebo
noch nicht erhalten hatten und das dritte Mal nach der Verabreichung
des Blindpräparates. Eine Hälfte der Teilnehmer machte den alleinigen
Schmerzzustand zuerst durch, die andere kam zuerst in den Genuss der
Wirkung des Blindpräparats. Die Scans zeigten, dass die Gehirne nach
der Einnahme der Placebos mehr Schmerz stillende Endorphine freisetzten
als normal. Zubieta geht davon aus, dass das körpereigen Systems zur
Bekämpfung von Schmerzen das Überleben des Organismus sicherstellen
soll. Der Placeboeffekt bediene sich der gleichen Mechanismen. "Wie das
genau geschieht, bleibt fürs Erste noch ein Geheimnis."

Spiegelneurone: Zentrum für emotionale Verständigung

fzm – Fußball-Fans die mit ihrer Mannschaft fiebern, Kinofilme die zu
Tränen rühren, Zeitungsberichte die das Schicksal der "Promis" so
hautnah vermitteln, als sei man selbst betroffen: In solchen Momenten
sind im Gehirn spezielle Zellen aktiv, die Forscher als Spiegelneurone
bezeichnen. Diese Zellen erklären die soziale Isolation von
autistischen Kindern und weitere psychologische Phänomene, wie ein
Artikel in der DMW Deutschen Medizinischen Wochenschrift (Georg Thieme
Verlag, Stuttgart. 2006) zeigt. Außerdem könnten diese Zellen bei der
Behandlung von Schlaganfällen helfen.

Vor zehn Jahren hatte der italienische Forscher Giacomo Rizzalatti von
der Universität Pisa die Spiegelneurone bei Experimenten mit Affen
entdeckt. Diese speziellen Nervenzellen in der Großhirnrinde werden
kurz vor einer Handlung, also in der unmittelbaren Planungsphase aktiv.
Überraschenderweise „feuerten“ die Zellen nicht nur, wenn die Tiere
selbst die Handlung durchführten, sondern auch, wenn sie andere Tier
bei der gleichen Handlung beobachteten. Inzwischen wurden diese
Phänomene auch beim Menschen beobachtet, wo sie eine Reihe
psychologischer Phänomene erklären, welche Professor Joachim Bauer von
der Universität Freiburg als "zwischenmenschliche Resonanz" bezeichnet:
"Wenn Menschen in anderen etwas zum klingen bringen, äußere Signale uns
etwas über den inneren Zustand des anderen verraten", dann sind laut
Professor Bauer Spiegelneurone im Spiel, wie folgendes Experiment
belegt. Bei Frauen wurde die Nerventätigkeit des Gehirns untersucht,
während sie durch elektrische Reize Schmerzen an der rechten Hand
verspürten. Anschließend sahen die Frauen dabei zu, wie ihren Männern
der Schmerzreiz zugeführt wurde. Es zeigte sich, dass bei den Frauen in
beiden Situationen die gleichen Nerverzellen im Gehirn aktiv waren.
Bauer betrachtet die Spiegelneuronen daher als wichtigen Träger von
Mitgefühl und Mitleiden der Menschen untereinander.

Ohne diese Spiegelneurone sind nach Ansicht der Hirnforschung wichtige
soziale Interaktionen nicht möglich. Es kommt zum Autismus. Der
Autismus ist eine organische Hirnkrankheit, die zur sozialen Isolation
führt. Die Kinder sind oft hoch intelligent, scheinen aber kein
Interesse an anderen Menschen zu haben. Tatsächlich feuern bei
autistischen Kindern die Spiegelneurone im Gehirn umso schwächer, je
stärker die Kinder sich sozial isolieren.

Professor Bauer befürchtet, dass sich auch Erziehungsfehler negativ auf
das "Training der Spiegelneurone" in der Kindheit auswirken könnten.
Zwischenmenschliche Defizite drohen, wenn Computer oder Video bei
Kindern den lebenden Partner ersetzen.

In der Reha-Medizin von Schlaganfall-Patienten sind Spiegelneurone ein
neuer Ansatz. Den Patienten werden am Bildschirm zunächst Übungen
gezeigt, welche sie später selbst durchführen sollen. Die Aktivierung
der Spiegelneurone soll den Patienten helfen, ihre Lähmungen wenigstens
teilweise zu überwinden.

M. Lenzen-Schulte:

Spiegelneurone: Wie man sich in andere hineindenkt und mit ihnen fühlt

Deutsche Medizinische Wochenschrift 2006; 131 (09): 421-422

Sonnenschutzmittel allein können Hautkrebs nicht verhindern

Sonnenschutzmittel allein können Hautkrebs nicht verhindern

fzm, Stuttgart, März 2018 – In den Winter- und
Osterferien zieht es viele von uns in wärmere Gefilde. Sonnenhungrige
laufen dann oft Gefahr, es mit dem Sonnenbad zu übertreiben. Ein Experte
in der Fachzeitschrift „Aktuelle Dermatologie“ (Georg Thieme Verlag,
Stuttgart. 2018) rät, sich nicht allein auf Sonnenschutzmittel zu
verlassen, um sich vor Sonnenbrand und Hautkrebs zu schützen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 220.000 Menschen an
weißem und etwa 22.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs. Die beiden
Formen des weißen Hautkrebses, Basaliom und Spinaliom, führen selten zum
Tod. Der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, ist jedoch immer
tödlich, wenn er nicht rechtzeitig erkannt und entfernt wird.

Die Risiken sind der Bevölkerung bekannt, und viele wenden in
den Sommermonaten Sonnenschutzmittel an. Die heute eingesetzten
Lichtschutzfaktoren sind in der Lage, die Entwicklung von Spinaliomen zu
verhindern, berichtet Professor Jürgen Lademann, Leiter des Centers of
Experimental and Applied Cutaneous Physiology an der Berliner Charité.
Bei regelmäßiger Anwendung von Sonnenschutzmitteln kann es sogar zur
Rückbildung der aktinischen Keratose kommen. Die aktinische Keratose ist
eine nicht abheilende Rötung der Haut mit einer rauen Oberfläche. Sie
tritt meist an typischen Sonnenlicht-exponierten Hautarealen, etwa im
Nacken oder Gesicht, auf. Diese präventive Wirkung ist medizinisch von
großer Bedeutung, schreibt Professor Lademann, da sich die meisten
Spinaliome infolge einer aktinischen Keratose bilden.

Das Spinaliom hat jedoch nur einen Anteil von etwa 20 Prozent
unter den verschiedenen Formen des weißen Hautkrebses. Ob
Lichtschutzfaktoren auch vor Basaliomen schützen, auf die die übrigen 80
Prozent entfallen, konnte laut Professor Lademann bisher in Studien
nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Noch unklarer und widersprüchlicher ist die Studienlage beim
gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Melanome entwickeln sich meist aus
einem Muttermal. Bei den zunächst gutartigen Muttermalen handelt es sich
um eine Anhäufung und Vermehrung von pigmentbildenden Zellen wie
Melanozyten und Naevuszellen. Dermatologen sprechen daher auch von einem
Pigmentnaevus oder melanozytären Naevus. Diese Naevi entstehen in der
Kindheit und ihre Bildung wird durch UV-Strahlen mitbegünstigt. Dazu
müssen sich die Kinder nicht lange in der Sonne aufhalten und sie müssen
auch keine Sonnenbrände erlitten haben. Bereits eine moderate
Sonnenexposition ohne Sonnenbrand kann die Entwicklung melanozytärer
Naevi auslösen, berichtet Professor Lademann.

Ob Lichtschutzfaktoren die Bildung von Muttermalen verhindern
können, ist unklar. In einer Untersuchung an Kindergartenkindern in
Deutschland fiel auf, dass weder die Verwendung von Sonnenschutzmitteln,
noch die häufigere oder ausgedehntere Anwendung, eine relevante
Schutzwirkung erzielten, berichtet Professor Lademann. Auch die Höhe des
Lichtschutzfaktors scheint unerheblich. Kinder, deren Haut durch lange
Ärmel und lange Hosen bedeckt war, entwickelten dagegen deutlich weniger
melanozytäre Naevi.
Experten einer Studie aus Kanada kommen hingegen zu dem Schluss,
dass die Anwendung von Lichtschutzfaktoren die Bildung melanozytärer
Naevi verhindert. Besonders auffällig sei dies bei Kindern mit
Sommersprossen. Hier konnte die Zahl der melanozytären Naevi um 30 bis
40 Prozent gesenkt werden.

Ein Grund für die unterschiedlichen Studienergebnisse könnte
sein, dass Sonnenschutzmittel nicht richtig und konsequent angewendet
werden. Damit sie schützen, müssen sie 30 Minuten vor der
Sonnenexposition aufgetragen und nach jedem Badegang erneuert werden.

Der beste Sonnenschutz ist aus Sicht des Experten ein
kombinierter: Zwischen 10 und 14 Uhr die Sonne meiden, sich auch sonst
bevorzugt im Schatten aufhalten und neben der Sonnenschutzcreme auf
einen textilen Sonnenschutz achten. Besonders wichtig sei dies für
kleine Kinder, da melanozytäre Naevi der größte Risikofaktor für
Hautkrebs im späteren Alter sind.

J. Lademann et al.:
Hautkrebsprävention und Sonnenschutzcreme: ein Update.
Aktuelle Dermatologie 2018; 44 (1/2); S. 49–52

Für alle Allergiegeschädigten: Studienplattform für Allergiepatienten geht online

Der Allergieinformationsdienst am
Helmholtz Zentrum München baut die bundesweit erste Plattform für
klinische Studien zu Allergien auf. Ziel ist, für Patienten ein
unabhängiges, transparentes Forum zu schaffen, auf dem sie sich über
Möglichkeiten informieren können, an Studien zu ihrem allergischen
Krankheitsbild teilzunehmen. Im Fokus stehen zu Beginn insbesondere
Studien zu häufigen allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen,
allergisches Asthma oder Neurodermitis.

Zwischen 20 und 30 Millionen Menschen in
Deutschland leiden an mindestens einer Allergie. Viele von ihnen müssen
deutliche Einschränkungen ihrer Lebensqualität hinnehmen. Dem gegenüber
stehen vergleichsweise wenige neue Behandlungsansätze. Umso wichtiger
sind Erfolge in der klinischen Forschung.

Der Allergieinformationsdienst des Helmholtz
Zentrums München, der vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert
wird, baut nun sein online-Angebot aus und richtet eine Studienplattform
als Orientierung für Patienten, Mediziner und Forschende ein. Dort
finden sich für jede Studie neben Angaben zum Krankheitsbild, zu
Aufnahmekriterien und Untersuchungsrahmen auch Informationen über
Finanzierungsquellen und Ansprechpartner in den teilnehmenden
Studienzentren. Außerdem gibt es umfangreiche Hinweise zur Organisation
von Studien und zu den Rechten der Patienten.

„Die Studienplattform ist ein weiteres
Angebot, mit dem wir Patienten direkt aus der Forschung unterstützen
wollen“, betont  Prof. Günther Wess, CEO des Helmholtz Zentrums München.
„Sie erhalten damit die Möglichkeit, sich schnell einen Überblick über
aktuelle Studien zu allergischen Krankheitsbildern zu verschaffen.“ Doch
könne dies nur ein Anfang sein. „Generell muss die Allergieforschung in
Deutschland einen deutlich höheren Stellenwert erhalten“, erklärt Prof.
Wess.

Eine Steuerungsgruppe aus fünf führenden
Allergologinnen und Allergologen deutscher Universitäten und
Forschungseinrichtungen begutachtet jede Studie, ehe sie auf der
Plattform veröffentlicht wird. „So stellen wir sicher, dass nur
Informationen zu seriösen wissenschaftlichen Studien die Patienten
erreichen“, erläutert Prof. Dr. Thomas Werfel, Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und
Mitglied der Steuerungsgruppe im wissenschaftlichen Beirat des
Allergieinformationsdienstes. „Die DGAKI unterstützt dieses neue Angebot
ausdrücklich.“

Die Initiatoren der Plattform legen großen
Wert auf Transparenz, beispielsweise bei der Offenlegung gegebenenfalls
beteiligter Firmen.

Das Helmholtz Zentrum München hat in den
letzten fünf Jahren zu allen drei medizinischen Forschungsschwerpunkten
eigene Informationsdienste und darin verankerte Studienplattformen
entwickelt. Neben dem Allergieinformationsdienst stehen Angebote für
Diabetes und Lungenerkrankungen zur Verfügung. Alle drei Dienste wurden
mit dem Ziel aufgebaut, bundesweit Standards zu setzen für
qualitätsgesicherte, evidenzbasierte und gleichzeitig allgemein
verständliche Patienteninformation im digitalen Zeitalter.

Weitere Informationen

Link zur Studienplattform des Allergieinformationsdienstes:
https://www.allergieinformationsdienst.de/forschung/studienplattform-allergie.html

Link zur Studienplattform des Diabestesinformationsdienstes:
https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/studien/index.html

Link zur Studienplattform des Lungeninformationsdienstes:
https://www.lungeninformationsdienst.de/klinische-studien/index.html

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das
Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention
weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und
Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken
von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums
liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München
beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der
Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und
medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten
angehören. www.helmholtz-muenchen.de

Geheimnis der Immunabwehr entschlüsselt

Geheimnis der Immunabwehr entschlüsselt

Neue Medikamente sollen die Natur nachahmen

SC-Form: So kämpfen Peptide gegen Giftstoffe (Grafik: lu.se)
SC-Form: So kämpfen Peptide gegen Giftstoffe (Grafik: lu.se)

Lund (pte004/16.08.2018/06:15) –

Forscher der Lund University https://lunduniversity.lu.se haben gemeinsam mit Kollegen in Kopenhagen und Singapur sichtbar
gemacht, wie genau sich der menschliche Körper gegen Infektionen und
Entzündungen wehrt. Sie zeigen, wie körpereigene Peptide die Giftstoffe,
die Infektionen und Entzündungen mit sich bringen, einfangen und
neutralisieren. Dieses Wissen könnte die Entwicklung neuer Medikamente
ermöglichen, die die körpereigene Abwehr unterstützen, so die Forscher.

Gift aus den Zellwänden der Bakterien

Bei einer Entzündung muss der Körper sogenannte
Lipopolysaccharide (LPS) aus den Zellwänden der angreifenden Bakterien
neutralisieren. Das übernimmt das körpereigene Immunsystem, das sehr
schnell auf Angriffe, etwa von Bakterien, reagiert. Manchmal kommt es
allerdings zu einer Überreaktion, wenn Angriffe an mehreren Stellen
abgewehrt werden müssen. Letztlich führt das zu einer Sepsis, die oft
tödlich endet.

"Die Aufgabe der neutralisierenden Peptide ist seit
langem bekannt", sagt Artur Schmidtchen, Professor für Dermatologie und
Venenheilkunde in Lund. "Doch jetzt haben wir sichtbar gemacht, wie
genau sie vorgehen." Er und seine Kollegen nutzten moderne
biophysikalische Verfahren wie die Kernspinresonanzanalyse, um die
Arbeit der Körperabwehr zu studieren. Dabei stellte sich heraus, dass
die Peptide eine C-förmige Struktur bilden, die es ihnen ermöglicht, die
gefährlichen LPS auszuschalten. Die Forscher wollen jetzt zunächst ein
Peptid-Gel zur verbesserten Wundheilung entwickeln, das genauso agiert
wie die Peptide der Körperabwehr.

Medikamente sind zu lange aktiv

"Heute wirken die meisten Medikamente universell", sagt
Schmidtchen. Dies berge die Gefahr, dass das Immunabwehrsystem
deaktiviert wird, was schädlich oder manchmal sogar gefährlich für den
Patienten sein könne. Die körpereigene Abwehr reagiere differenzierter.
Die Peptide wirken, anders als Medikamente, nur so lange, bis die Gefahr
gebannt ist. Es gebe im Normalfall keine Überreaktion. Außerdem sind
sie multifunktional. Sie können auf unterschiedliche Bedrohungen
reagieren. "Wir wollen mit neuen Medikamenten die natürliche Funktion
dieser Peptide imitieren", so Schmidtchen.

Nächste Aufgabe ist es, Medikamente nach dem Vorbild
der Natur zu entwickeln, die auch die Abwehr gegen den Befall von
inneren Organen und dem Auge unterstützen, ohne überzureagieren.

Migräne – sofort handeln

Uelzen (pts/11.07.2006/09:31) – Schon die ersten Anzeichen von Migräne
sollten vom Patienten bekämpft werden. Auf diesem Wege wird nicht nur
der Schmerz beseitigt, sondern auch die Begleitsymptomatik der Migräne
gelindert.

In den aktualisierten Leitlinien zur Therapie und Prophylaxe von
Migräne spielt der Therapiebeginn nun eine noch wichtigere Rolle. Der
frühe Einsatz eines Migränemittels trägt dazu bei, dass eine
zuverlässigere Wirkung erreicht wird und der Schmerz nach einem
symptomfreien Intervall nicht erneut in Erscheinung tritt.

Überhaupt ist ein wiederkehrender Kopfschmerz für viele Patienten ein
Problem. Denn nicht alle Substanzen weisen gleiche
Wirkungseigenschaften auf. So gibt es auch bei den inzwischen zum
Standard gehörenden Triptanen Substanzen, die das rasche Wiederkehren
des Kopfschmerzes nach einer Migräne-Attacke besonders gut beeinflussen

Patienten wird seitens der Kopfschmerz-Gesellschaft geraten,
grundsätzlich für die Diagnose und Therapie einen Arzt aufzusuchen.
Hier können auch die Patienten das Thema "wiederkehrender Kopfschmerz"
ansprechen. Anders als zur Zeit der alten Ägypter gibt es heute
wirksame Hilfen, die von Fachleuten eingesetzt werden können.

Weitere Informationen zur Migräne bietet http://www.migraene-aktuell.de

Keuchhusten-Erkrankungen auf einem Rekord-Hoch

Keuchhusten-Erkrankungen auf einem Rekord-Hoch

Impfen ist der beste Schutz

Nur Impfen schützt vor Keuchhusten
Nur Impfen schützt vor Keuchhusten
[ Foto ]

Schwalbach (pts007/11.04.2017/09:00) – "Groß und Klein:
Keuchhusten-Welle erfasst Deutschland". Mit dieser und ähnlichen
Schlagzeilen titeln in diesen Tagen und Wochen fast alle bundesweit
erscheinenden Tageszeitungen und aktuellen Magazine.
Derzeit
erkranken ungewöhnlich viele Menschen an Keuchhusten. Betroffen sind zum
größten Teil Erwachsene. Im vergangenen Jahr registrierte das Robert
Koch-Institut (RKI) 22.142 Fälle und das sind mit Abstand die meisten
seit im März 2013 die Meldepflicht für die hochansteckende Krankheit
eingeführt wurde. Damals zählte man rund 12.000 Patienten, 2015 rund
14.000. Seit Jahresbeginn 2017 wurden auch schon wieder 1.554
Keuchhusten-Patienten dem RKI gemeldet.

Viel zu geringe Impfraten

Impfen zum Schutz vor Krankheiten ist eine der größten
medizinischen Errungenschaften und doch lassen die Impfraten immer
wieder zu wünschen übrig. Eingeführt wurde die Impfung gegen Keuchhusten
in den 1930er Jahren und heute scheint es völlig vergessen zu sein,
dass vor dieser Zeit jedes Jahr etwa 10.000 Säuglinge an Pertussis
gestorben sind. In unserem Land starben im vergangenen Jahr drei Babys
an der Infektion – das sind zu viele!

Babys sind ganz besonders gefährdet, weil sie erst nach
dem vollendeten zweiten Monat geimpft werden können und einen eigenen
Schutz aufbauen. Bis dahin sind sie darauf angewiesen, dass möglichst
viele Menschen insgesamt und auch in ihrer Familie geimpft sind. Die
hochansteckenden Bakterien verbreiten sich "in Windeseile" durch Husten,
Niesen oder Sprechen über winzige Tröpfchen. Wenn aber viele Menschen
vor Ansteckung geschützt sind, dann können sich die Erreger nur begrenzt
ausbreiten, weil die große Zahl der Geimpften quasi wie ein
"Schutzwall" wirkt. Das nennt man dann Herdenimmunität.

Diagnose Keuchhusten

Auch Erwachsene sind nicht davor gefeit, an Keuchhusten
zu erkranken. Bei ihnen fehlen zwar meist die typischen Anzeichen wie
bei Kindern, aber sie leiden oft auch viele wochenlang. Der Grund dafür:
Häufig wird dann die Diagnose hartnäckiger Husten oder Bronchitis
gestellt, wenn die Betroffenen überhaupt zum Arzt gehen und sich
untersuchen lassen. Erwachsene, die an Keuchhusten leiden, können als
Folge davon durch Schlafstörungen, Inkontinenz, Hustenattacken,
Rippenbrüche, Gewichtsverlust und Erbrechen beeinträchtigt werden.

Damit man gar nicht erst an Keuchhusten erkrankt, hilft
nur konsequentes Impfen und regelmäßiges Auffrischen, denn der
Impfschutz lässt im Verlaufe der Jahre nach. Auch eine durchgemachte
Keuchhusten-Erkrankung bietet keinen Schutz. Nach der Grundimmunisierung
im Babyalter steht die erste Auffrischung zwischen dem fünften und
sechsten Lebensjahr an, dann wieder zwischen dem neunten und 17.
Geburtstag und schließlich und ganz wichtig auch im Erwachsenenalter.
Mit nur einem Piks ist das schnell erledigt. Eine gut verträgliche
Dreifach-Impfung, die auch gegen Tetanus und Diphtherie schützt, macht
dieses Boostern einfach.

Informationen auf dem Smartphone

Wir alle – in fast jedem Alter – verbringen viel Zeit
vor dem PC, dem Laptop, mit dem Tablet oder dem Smartphone – warum nicht
mal auf http://www.impfen.de klicken und alles Wichtige über Impfungen nachlesen. Dort gibt es auch
Impfpläne und sogar einen "Vergissmeinnicht-Service", der an anstehende
Impftermine erinnert.

Großer Bericht über Gentechnik in Deutschland

PRESSEMITTEILUNG
BBAW/PM-22/2018

Neuerscheinung und Veranstaltungshinweis

„Vierter Gentechnologiebericht. Bilanzierung einer Hochtechnologie“ (Nomos, 2018)

Berlin, 19. Oktober 2018. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe (IAG) Gentechnologie­bericht der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) zieht
mit ihrem aktuellen vierten Gentechnologiebericht nach knapp 20 Jah­ren
Laufzeit Bilanz: Wie entwickelten sich die Gentechnologien in
Deutschland und welche zukünftigen Heraus­forderungen lassen sich
aktuell absehen?

Namhafte
Experten und Expertinnen sowie Wegbegleiter und -begleiterinnen der IAG
eröffnen im Bericht unterschiedliche bilanzierende Perspekti­ven sowohl
auf die Entwick­lung der Gentechnologien, der mit ihnen verbundenen
ethischen Debatten und ihrer rechtlichen Regulierung als auch auf die
Arbeit der IAG. Daran anknüpfend werden aus­gehend von aktuellen
Entwicklungen wie den neuen Methoden des Genome-Editings auch zukünftige
ethische und gesellschaftliche Herausforderungen der Gentechnologien,
zum Beispiel die Möglichkeit eines gentechni­schen Enhancements,
diskutiert. Basierend auf diesen Ergebnissen geben die Mitglieder
gemeinschaftlich verabschiedete Handlungs­empfehlungen zu den sechs
Kernthemen der IAG: Epigenetik, genetische Diagnostik, Gentherapie,
Stammzellforschung, grüne Gentechnologie und synthetische Biologie.

Der
vierte Gentechnologiebericht wird am 29. Oktober 2018 um 18 Uhr im
Leibniz-Saal der BBAW (Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin) vorgestellt:
„Gentechnologiebericht 4.0: Neue Herausforderungen für ein ‚altes‘
Monito­ring?“ Im Rahmen eines Podiumsinter­views diskutieren Autoren des
Berichts
über
den aktuellen und zukünftigen Einfluss der neuen
Genome-Editing-Methoden auf verschiedene Bereiche der Gentechnologien
und die sich daraus ergebenden gesellschaftlichen, rechtlichen und
ethischen Herausforderun­gen. Ausführliche Informationen zur
Veranstaltung finden Sie
hier.

Ferdinand
Hucho, Julia Diekämper, Heiner Fangerau, Boris Fehse, Jürgen Hampel,
Kristian Köchy, Sabine Könninger, Lilian Marx-Stölting, Bernd
Müller-Röber, Jens Reich, Hannah Schickl, Jochen Taupitz, Jörn Walter,
Martin Zenke, Martin Korte (Sprecher) (Hrsg.): Vierter
Gentechnologiebericht. Bilanzierung einer Hochtechnologie. Baden-Baden: Nomos. 1. Auflage 2018. ISBN print: 978-3-8487-5183-9,
ISBN online: 978-3-8452-9379-0, DOI: 10.5771/9783845293790.

Presseexemplare
des Berichts erhalten Sie über den NOMOS Verlag (Caroline Häuser,
haeuser@nomos.de). Zusätzlich ist der Bericht ab sofort online unter
diesem
Link verfüg­bar. Eine Kurzfassung des Berichts finden Sie hier.

Kontakt zur IAG Gentechnologiebericht:

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Hannah Schickl, Wissenschaftl. Mitarbeiterin (Koordinatorin)

Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

Tel: 030 20370 624, E-Mail: schickl@bbaw.de

Risiken und Folgen planbarer Schwangerschaft

Gemeinsame Pressemitteilung, 13. Februar 2019

Planbare Schwangerschaft – perfektes Kind? Diskussionspapier fragt
nach möglichen Auswirkungen moderner Fortpflanzungs- und Pränatalmedizin

Die medizinischen Möglichkeiten, die
Fortpflanzung des Menschen zu beeinflussen, nehmen zu. Sowohl die
Reproduktions- als auch die Pränatalmedizin eröffnen Handlungsoptionen,
um Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Geburt mit zunehmender Präzision
zu gestalten. Diese Entwicklungen verlaufen oft schleichend – ohne, dass
ihre ganze gesellschaftliche Tragweite stets ausreichend reflektiert
wird. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die
Konrad-Adenauer-Stiftung haben vor diesem Hintergrund heute das
Diskussionspapier "Planbare Schwangerschaft – perfektes Kind?
Wechselwirkungen von Medizin und Gesellschaft" veröffentlicht. Die
Autorinnen und Autoren möchten einen Anstoß zur Diskussion geben, indem
sie die medizinischen Entwicklungen, die gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen und mögliche Folgen skizzieren.

Das Diskussionspapier greift zwei aktuelle
Beispiele auf: Social Freezing, das Frauen das Konservieren von Eizellen
ermöglicht und damit den Zeitraum für die Verwirklichung eines
Kinderwunsches verlängern soll. Und nicht-invasive Pränataltests (NIPT),
mit denen ohne gravierende Risiken für Mütter und ungeborene Kinder
nach genetischen Auffälligkeiten, wie zum Beispiel Trisomien, gesucht
werden kann. Die Vorteile und Nachteile beider Verfahren, die
gesellschaftlichen Hintergründe und mögliche Auswirkungen werden von den
Autorinnen und Autoren erörtert. Ziel ist es, eine gesellschaftliche
Debatte anzustoßen. Dem Diskussionspapier sind zwei gemeinsame
Veranstaltungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina
und der Konrad-Adenauer-Stiftung im Jahr 2017 zu den Folgen der
Reproduktions- und Pränatalmedizin für Gesellschaft und Familien
vorausgegangen.

Das Diskussionspapier "Planbare
Schwangerschaft – perfektes Kind? Wechselwirkungen von Medizin und
Gesellschaft" ist unter folgendem Link veröffentlicht: www.leopoldina.org/planbareSchwangerschaft. Dort finden Sie auch eine Liste der Autorinnen und Autoren des Papiers.

Publikationen in der Reihe
"Leopoldina-Diskussion" sind Beiträge der genannten Autorinnen und
Autoren. Mit den Diskussionspapieren bietet die Akademie
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, flexibel und
ohne einen formellen Arbeitsgruppen-Prozess Denkanstöße zu geben oder
Diskurse anzuregen und hierfür auch Empfehlungen zu formulieren.

Interviews mit Autorinnen und Autoren des Diskussionspapiers werden gerne vermittelt.

Ansprechpartner:
Dr. Stefanie Westermann, Referentin der Abteilung Wissenschaft – Politik – Gesellschaft
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina