Alle Beiträge von Minge

Probleme mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff – Mit einer Einleitung von Jean Pütz

In meinem Facebook-Beitrag vom 08.Februar 2021 habe ich bereits darauf hingewiesen. Dieser Vektor-Impfstoff ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Da sind die Russen mit ihrem ‚Sputnik-Impfstoff‘ intelligenter vorgegangen. Jetzt kommen neue Nebenwirkungen ans Licht, die leider selbst vom RKI verniedlicht werden. Deswegen möchte ich Ihnen den Auszug aus ‚Morning Briefing‘ von Gabor Steingart nicht vorenthalten

Jean Pütz

PS Vor 10 Tagen habe  ich zum 1. Mal den mRNA-Impfstoff injiziert bekommen und verspüre nur ganz schwache Nebenwirkungen

(Morning Briefing) – Im Kampf gegen Corona sind die Impfstoffe unsere wirksamste Waffe. Sagen alle Politiker. Was sie nicht sagen: Manche Impfstoffe wirken wie eine Präzisionswaffe; andere wie eine Schrotflinte.

Womit wir bei dem schwedisch-britischen Konzern AstraZeneca wären. Die volle Wirksamkeit des von ihm vertriebenen Impfstoffcocktails tritt nur bei 65 bis 70 Prozent der Patienten ein, wie sich jetzt herausstellt. Das heißt: Bei 100 Millionen geimpften Personen stehen 30 bis 35 Millionen Menschen ohne den umfassenden Schutz da und können sogar weiterhin am Corona-Virus erkranken. Dafür sind die Nebenwirkungen umso heftiger: Fieber. Erbrechen. Schüttelfrost.

Der Impfstoff von Moderna wies in den Studien eine Wirksamkeit von 94 Prozent auf, das Vakzin von BioNTech eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Auch hier treten Nebenwirkungen auf, nur eben weniger heftig. Beide Impfstoffe basieren auf einem grundsätzlich anderen Design und sind in weltweiten Studien umfangreich getestet.

Da wundert nicht: Bundesweit wurden von 736.800 bislang gelieferten Impfdosen von AstraZeneca nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag lediglich 64.869 Dosen verimpft. Aus Kreisen des Bundesgesundheitsministeriums heißt es, dass Impftermine „massenhaft“ ausfallen würden. Der Stoff stößt auf Skepsis bis Ablehnung:

  • Im Saarland haben viele Bürger ihren Impftermin abgesagt oder einen anderen Wirkstoff verlangt – die Termine wurden daraufhin an andere Menschen vergeben, da man sich nicht aussuchen kann, mit welchem Mittel man geimpft wird. Es wird geimpft, was auf den Tisch kommt.
  • In Brandenburg wurden die Bestände bislang noch gar nicht angerührt, in Baden-Württemberg wurden gerade mal 0,19 Prozent der vorhandenen Impfdosen gespritzt.
  • Seit mehreren Tagen werden immer mehr Fälle bekannt, bei denen Menschen nach der AstraZeneca-Impfung starke Nebenwirkungen hatten. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mussten sich mehrere medizinische Mitarbeiter aufgrund der Nachwirkungen des Impfstoffes krankmelden. In beiden Bundesländern wurde das Impfen an insgesamt drei Orten gestoppt.
  • Auch die Gewerkschaft der Polizei in Bayern sieht die Immunisierung von Polizisten mit dem Corona-Impfstoff kritisch und fordert, dass die Polizei wegen permanenter Einsatzbereitschaft nicht durch einen unzuverlässigen Impfstoff gefährdet werden darf.
  • Anfang Februar hat die Zulassungsbehörde der Schweiz den Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns abgelehnt. Der Grund: Unzureichende Daten, es fehlten zusätzliche Angaben zu Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität.
  • In der schwedischen Region Sörmland südwestlich von Stockholm wurden Ende vergangener Woche die Impfungen mit dem AstraZeneca Vakzin ausgesetzt, nachdem 100 der 400 geimpften Krankenhausangestellten Nebenwirkungen zeigten. Inzwischen wird die Impfung schrittweise wieder aufgenommen.
  • Die französische Arzneimittelbehörde empfiehlt, Gesundheitspersonal nur gestaffelt mit AstraZeneca zu impfen. Grund war auch hier die vorübergehende Aussetzung der Impfung in einem Krankenhaus, nachdem sich sieben von 20 Angestellten mit Nebenwirkungen krankmeldeten.

    Es muss eine Auswahlmöglichkeit der Impfstoffe für die Menschen geben, damit die Impfbereitschaft hoch bleibt. “

    Fazit: Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Die Meinungen – auch die der Regierungsmitglieder – sollten den Fakten folgen.

Neue Hoffnung für altersbedingte Makuladegeneration

(Pro Retina) – In einem internationalen Forschungsverbund haben Forschende des Paul-Ehrlich-Instituts einen grundlegenden Mechanismus aufgeklärt, der für die Spätform der altersbedingten trockenen Makuladegeneration (AMD), der sogenannten geografischen Atrophie, verantwortlich ist. Damit gibt es nun einen vielversprechenden Therapieansatz mit Arzneimitteln, die ursprünglich für Patienten mit HIV eingesetzt werden.

Über sieben Millionen, meist ältere Menschen in Deutschland leiden unter der altersbedingten trockenen Makuladegeneration (AMD). Bei der trockenen Spätform der AMD, der sogenannte geografische Atrophie, sterben die für die Sehfähigkeit essenziellen Zellen des retinalen Pigmentepithels (RPE) ab. Laut einer Pressemitteilung konnten nun Forschende des Paul-Ehrlich-Instituts in einem internationalen Forschungsverbund mit Wissenschaftlern in Virginia und Kalifornien den Mechanismus aufklären, der zu der späten Form der Erkrankung führt. So reichern sich, laut der Forschung, im Zytoplasma (Zellplasma genannt, das ist die organische Substanz innerhalb der Zelle) der RPE-Zellen die DNA sogenannter transponierbarer Alu-Elemente an. Dies sind bewegliche DNA-Abschnitte, die sich im Genom individueller Zellen ausbreiten können. Die Anreicherung erfolge dadurch, dass ALU-RNA im Zytoplasma dieser Zellen durch bestimmte Enzyme der Wirtszelle in ALU-DNA umgeschrieben werden. Diese angereicherte ALU-DNA wiederum schädige die Zellen so, dass sie schließlich absterben. Es gibt keine Hinweise, dass diese DNA in den Zellkern gelangt und dort das Zellgenom verändert. Es sei plausibel, so die Forschenden, dass es so zur geografischen Atrophie komme.

Therapieoptionen durch bekannte Medikamente
Durch diese neue Erkenntnis kommen laut Pressemitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts für an AMD erkrankte Patienten bekannte Medikamente als Therapieoption ins Blickfeld, die normalerweise zur Behandlung von HIV-Infektionen eingesetzt würden. Denn diese Arzneimittel, sogenannte Nukleosidische-Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI), hemmten das Enzym, das RNA in DNA umschreibe und somit auch den bei der AMD ablaufenden Prozess. Eine Auswertung von vier Datenbanken unterschiedlicher US-amerikanischer Krankenversicherungen mit mehr als 100 Millionen Patienten, die über einem Zeitraum von 20 Jahren eingeschlossen waren, untermauerten die Hoffnung auf eine Therapiemöglichkeit: Innerhalb der Gruppe der mit diesen Hemmern (NRTI) behandelten Personen seien 40 Prozent weniger an trockener AMD erkrankt als Personen ohne NRTI-Behandlung. Erste klinische Prüfungen für NRTI bzw. ihrer als Kamuvudine bekannten Derivate soll bereits veranlasst sein.

Stellungnahme der Impfkommission zum Impfstoff von AstraZeneca

(Morning Briefing) – Die Tatsache, dass das Vakzin aus dem Hause AstraZeneca nicht so wirksam ist wie die mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna, sorgt für Unmut. Vielerorts ist die Bereitschaft des Klinikpersonals, sich mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns zu impfen, gering.

Doch was ist dran an der Skepsis gegenüber dem Impfstoff? Und wie rational ist die Impfverweigerung ?
Prof. Dr. Thomas Mertens, Arzt, Virologe und Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut, sortiert im Morning Briefing Podcast das unübersichtliche Gelände.

Die Kritik am Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca hält Mertens für überzogen:

„Es ist aller Mühen wert, den Menschen klarzumachen, dass dieser Impfstoff sehr wohl in der Lage ist zu schützen. “

„Denn auch der Impfstoff von AstraZeneca schützt vor schweren Krankheitsverläufen. “

Gabor Steingart

09.02.21 Geimpft!! Wie fühlt sich es an ? Vorfreude auf die Pützmunter-Shows …

Liebe Facebook-Freunde, hurra ich bin geimpft.

Ich habe mit Absicht sechs Stunden gewartet, bevor ich mein Video von meiner Impfung mit dem Corona mRNA-Impfstoff ins Netz gesetzt habe. Also ganz klar, es geht mir gut, sogar sehr gut, auch weil ich demnächst erwarten kann, dass mir das Coronavirus nichts mehr anhaben kann. In drei Wochen bekomme ich die zweite Impfdosis, und dann bin ich hoffentlich zwei Wochen später immunisiert. Ich kann mich also wieder unter die Menschen wagen.
Wissen Sie was mir besonders gefehlt hat, das ist meine Pütz-Munter-Live-Show. Kennen Sie eigentlich diese Show? Es handelt sich dabei um ein physikalisch-chemisches Kabarett zum Lachen und Stauen mit vielen Experimenten und in enger Anbindung an politische Missetaten. Das läuft ganz bewusst nicht in einem Fernsehkanal oder in den neuen Medien, sondern weil ich mich dort mit meinen Zuschauern real Aug‘ in Aug‘ austauschen und den Applaus genießen kann.

Hier alles Wissenswerte zur Pützmunter-Experimente-Show

Folge 166. Der Vernunft eine Chance

 

08.02.21 Impfstoff Sputnik als Heilsbringer?

Sputnik als Heilsbringer? Die Russen nennen so ihren Impfstoff gegen Corona, der ist viel besser als sein Ruf.
Eine etwas provozierende Stellungnahme!
Morgen bin ich dran, ich werde in Köln geimpft. Für den Termin habe ich mir durch Hartnäckigkeit ,wie jede/r andere sorgen müssen. Dieser, gedankenlos von den Initiatoren erwartete Prozedur, hat mich schon geärgert, denn ältere Menschen können normalerweise nicht so einfach mit dem Computer umgehen. Das war aber leider der einzige Zugang der Erfolg verhieß.
Nun zu einem Thema, dass mir stärker die Zornesröte ins Gesicht trieb; ich meine das Gerangel um die Impfstoffverfügbarkeit. Die EU und die Bundesregierung wurden von dem Produzenten AstraZeneca regelrecht vorgeführt. Dabei gab es bereits einen Vektorimpfstoff der sogar viel effizienter ist als der, worum sich die Regierungen mit der englischen Firma gestritten haben.
Der Blick nach Russland hätte genügt. Stichwort Sputnik. Alles Weitere entnehmen Sie bitte meinem frei moderierten Video, anstelle langer Texte gilt das gesprochene Wort. Bin mal gespannt auf ihre Reaktionen. Dabei geht es auch um ein zukünftiges friedliches Verhältnis zu Russland. Putin hin und Putin her.
Jean Pütz
Folge 165: der Vernunft eine Chance.

 

Verschwörungsmythen – große Gefahr für unsere Demokratie – nicht nur in Corona-Zeiten

‚Campact‘ ist eine Vereinigung, die sich überparteilich für Transparenz in der Politik bemüht. Ich kann nicht beurteilen in welcher Effizienz, trotzdem finde ich,  dass es das folgende Bekenntnis, verdient hat, publiziert zu werden. Ich persönlich verfolge die dort angegebenen Ziele und habe die gleiche Befürchtung, insbesondere die Erfahrungen, die mit den angesprochenen angeblich querdenkenden Gruppen bei ‚Campact gemacht wurden, sind auch die meinigen. Besonders äußern sie sich in meinen Facebook-Beiträger immer und geballt  in der Rubrik ’schriftliche Kommentare‘. Da wird alles geleugnet, was die Vernunft gebietet – verbunden mit persönlicher Beschimpfung. Der Trost, der mir bleibt, dass unter meinen fast 84.000 Abonnenten bei Facebook viele sind, die umgehend die Behauptungen gerade rücken und  mich verteidigen, was ich natürlich  durch eigene Gegenkommentare unterstütze. Auch bei mir verzeichne ich, dass sich tausende Abonnenten abgemeldet haben, doch ich weigere mich, diesen mittelalterlichen Methoden Gehör zu schenken. Trotzdem ist das zu einem unnachahmlichen Diskussionsforum geworden, dass die Gefahren für unsere Demokratie verdeutlicht. wie zu erwarten, ist natürlich Corona das Hauptvehikel, auf dem diese Sippschaft reitet.

Hier ein Ausschnitt aus dem Wortlaut des Campact-Vorstands Dr. Felix Kolb, mit dem ich mich identifiziere

Ihr Jean Pütz

(Campact) – Es kann schmerzen, Haltung zu zeigen – das haben wir 2020 erfahren. Unser Umgang mit Corona und Verschwörungsmythen hat uns viel gekostet. Vorstand Dr. Felix Kolb erklärt, was passiert ist, und was Campact jetzt unternimmt.

Die Verbreitung der Lügen über das Coronavirus hat handfeste Auswirkungen: Menschen sterben völlig unnötig an Covid-19. Wenn vereinzelte Leugner*innen weder Abstand halten noch Maske tragen, gefährden sie zunächst sich selbst und ihre Angehörigen. Beim Einkauf, im Bus oder auf der Arbeit können sie aber etliche andere anstecken. So werden Menschen, die das Virus leugnen, selbst zu Pandemiebeschleunigern. Das können wir in vielen Landkreisen in Sachsen und Thüringen beobachten.[4] Auch deshalb haben wir schon im Juni angefangen, vor Corona-Leugner*innen und der Teilnahme an sogenannten Hygiene-Demos zu warnen.

Auch über Corona hinaus sind Fake News und Verschwörungsmythen gefährlich. Sie untergraben eine wichtige Grundlage der demokratischen Gesellschaft: „Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf seine eigenen Fakten“, hält der amerikanische Soziologe Daniel Patrick Moynihan fest. Was einer Gesellschaft droht, in der diese Maxime selbst vom Regierungschef ignoriert wird, mussten wir die letzten Jahre in den USA mit ansehen.

Auch nach dem Ende der Pandemie werden Fake News und Verschwörungsmythen nicht in ihr gesellschaftliches Nischendasein zurückkehren. Es ist kein weiter Schritt vom Leugnen des Coronavirus hin zum Leugnen der menschengemachten Klimakrise. In beiden Fällen gibt es von Seiten der Wissenschaft, von wenigen Einzelmeinungen abgesehen, einen klaren Konsens. Um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft nicht zu gefährden, müssen wir gegen Mythen und Fake News vorgehen. Das ist unsere Strategie:

  • Welchen Nachrichten im Zeitalter von Blogs, Social Media und Youtube kann man trauen und welchen nicht? Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Genau dort setzt die Initiative DetektivKollektiv an. Sie baut eine Community von Bürger*innen auf, die die Vertrauenswürdigkeit von Meldungen überprüft – bietet so Orientierung und nimmt Falschmeldungen ihre Wirkung. Wir möchten diese Initiative unterstützen.
  • Wir alle kommen mit Falschmeldungen in Berührung und kennen Menschen, die bereits mehr oder weniger intensiv diese Falschmeldungen in ihre Weltsicht eingebaut haben. Wie damit umgehen? Keine einfache Frage. Wir wollen für alle engagierten Bürger*innen die besten Handreichungen entwickeln und zur Verfügung stellen.
  • Bereits jetzt zeichnet sich das nächste Betätigungsfeld für die Corona-Leugner*innen ab. Sie verbreiten Halbwahrheiten und Lügen über die entwickelten Impfstoffe. Wir wollen fundiert und unabhängig über die Chancen und Risiken aufklären. Dazu wollen wir mit Mediziner*innen und Kommunikationsexpert*innen zusammenarbeiten.

All diese Aktivitäten wollen wir zusätzlich zu unseren Kampagnen umsetzen. Denn wir möchten keine Ressourcen abziehen für Themen wie Bienen- und Klimaschutz oder Lobbytransparenz. Im Jahr der Bundestagswahl tun sich riesige Chancen für diese Bereiche auf. Deshalb meine Bitte: Unterstützen Sie unseren Kurs und machen Sie möglich, dass unsere Bürgerbewegung weiterhin unabhängig arbeiten und Position beziehen kann. Schon mit 2 Euro wöchentlich bringen Sie Campact nach vorne.

PS: Haben auch Sie einen Freund oder eine Bekannte, der*die das Virus leugnet oder kleinredet? Vielleicht sogar ein Familienmitglied, das völlig abgetaucht ist in einem Verschwörungsmythos? Dann wissen Sie: Es ist hart, zu diesen Menschen durchzudringen. Wir versuchen es weiter – und klären über das Virus und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse auf. Vor einigen Wochen haben wir deshalb ein Dossier an Tausende Menschen verschickt, mit dessen Hilfe sie besser auf Falschmeldungen reagieren können. Bitte ermöglichen Sie Aktionen wie diese mit einer regelmäßigen Spende.

Auch der Virologe als Politiker, Prof. Karl Lauterbach, kann sich in Sachen Corona irren

Professor Trottenberg ist ein mit mir befreundeter Mathematiker, der den ersten deutschen parallelen Superrechner entwickelt hat. Ich bin voll bei ihm, denn was wahr ist, muss wahr bleiben, denn die exakte Mathematik macht es einfach, die Wahrheit zu finden – im Gegensatz zu dem, was in vielen öffentlichen Diskussionen verkündet wird.

Nachfolgend der Brief von Professor Trottenberg an Prof. Lauterbach (SPD)

Jean Pütz

Sehr geehrter Herr Prof. Lauterbach, lieber Herr Kollege,

im Rahmen einer Talkshow haben Sie sich kürzlich – wie ich es von Ihnen gewohnt bin und schätze – sehr engagiert und klar über die Gefährlichkeit des mutierten Virus geäußert. Dabei ist Ihnen leider ein (mathematischer) Fehler unterlaufen, der die Öffentlichkeit verunsichern könnte.

Ihre Formulierung: Da das mutierte Virus (B.1.1.7) offenbar deutlich ansteckender sei als das nicht mutierte, müsse der R-Wert entsprechend kleiner sein, um zu einer vergleichbaren Reduktion der Neuinfektionen zu führen. Der Fehler dieser Formulierung besteht darin, dass ein bestimmter (konstanter) R-Wert <1 (z.B. 0,8)  immer, unabhängig vom Virus, zu der gleichen Reduktion führt. Die Tatsache, dass die Virusvarianten unterschiedlich ansteckend sind, bedeutet nur, dass der gleiche R-Wert (z.B. 0,8) bei der ansteckenderen Variante schwerer zu erreichen ist als bei der weniger ansteckenden.

Vielleicht haben Sie gelegentlich die Möglichkeit, diesen Sachverhalt öffentlich klarzustellen.

Mit besten Grüßen
Prof. Dr. Ulrich Trottenberg

Der russische Corona-Impfstoff besser als sein Ruf ?

Der russische Corona-Impfstoff besser als sein Ruf? Jedenfalls wirksamer als der von Astra-Zeneca
(Apothekerzeitung) – Auch andere Konsortien entwickeln Vektorimpfstoffe auf Basis von menschlichen oder Affen-Adenoviren. Zu den bekanntesten Vertretern gehören der Corona-Impfstoffkandidat Ad26.COV2.S der Firma Johnson & Johnson sowie die Kandidaten Ad5-nCoV von CanSino Biologics und AZD1222 der Kooperation der University of Oxford mit Astra-Zeneca. Mit Letzterem wurde bereits im Juni eine Phase-III-Studie begonnen.

Entwickelt wurde der russische Impfstoff Gam-COVID-Vac Lyo vom staatlichen Gamaleya-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau. Er besteht aus zwei Komponenten:

Zum einen eine rAd26-Komponente, die einen rekombinanten Adenovirus-Vektor auf der Basis des menschlichen Adenovirus Typ 26 enthält, in den das SARS-CoV-2- S-Protein-Gen integriert wurde.
Zum anderen eine rAd5-Komponente, die analog einen rekombinanten Adenovirus-Vektor auf der Basis des menschlichen Adenovirus Typ 5 enthält, in den ebenfalls das SARS-CoV-2 S-Protein-Gen integriert wurde.
Die erste Impfkomponente dient als sogenannter »Primer«, der eine erste Immunantwort auslöst, wohingegen die zweite Impfkomponente als »Booster« eingesetzt wird, der die Immunantwort noch verstärken soll.

Registriert ist der Impfstoff laut Registrierungsbescheinigung als diese klassische Prime-Boost-Immunisierung. Dabei wird am Tag 1 mit der ersten Komponente geimpft und am Tag 21 mit der zweiten Komponente. Die Besonderheit dieses Regimes besteht darin, dass durch eine Kombination unterschiedlicher Immunogene eine additive oder synergistische Wirkung auf das Immunsystem erzielt werden kann. Eine Prime-Boost-Strategie kann beim Einsatz von bestimmten Impfstoffen, darunter auch viralen Vektoren, sogar erforderlich sein, da bereits nach der erstmaligen Anwendung das Immunsystem massiv auf das Trägervirus reagiert und bei einer zweiten Applikation des gleichen Impfantigens die Immunantwort auf den Vektor ebenfalls geboostert wird. Diese könnte dann die Immunantwort gegen das SARS-CoV-2-Protein quasi überdecken.

Die Entwickler des Sputnik-Impfstoffs hätten sehr bewusst auf eine zweistufige Impfung mit zwei unterschiedlichen viralen Vektoren gesetzt, berichtete der stellvertretende Direktor des Zentrums für wissenschaftliche Arbeit des Gamaleya-Zentrums, Denis Logunov, bereits Ende Juli in einem Interview gegenüber dem Internetportal »Meduza«. Der Grund hierfür seien Erfahrungen mit Vektorimpfstoffen gegen das MERS-Coronavirus und das Ebolavirus, die gezeigt hätten, dass eine einmalige Impfung in manchen Bevölkerungsgruppen für einen Immunschutz nicht ausreiche.

1 Jahr Corona

(Nachdenkseiten) – Die „Infektionszahlen“ sinken, die Angst vor Mutanten steigt. Nach bald zwölf Monaten Pandemie zerstreuen die Bundesregierung und ihre Berater weiterhin jede Hoffnung auf eine rasche Entspannung der Lage. Statt Lockdown-Lockerung bestimmt die Gefahr einer „dritten Welle“ die Agenda. Für Statistikprofessor Gerd Bosbach fehlen dafür bisher belastbare Belege, so wie er überhaupt einen Mangel an Durchblick bei den Krisenmanagern feststellt. Statt wichtige Fragen zum Virus, der Ansteckungswege und Verbreitung zu erforschen, vergeude man Ressourcen bei der Kontaktverfolgung, schicke gesunde Menschen in Quarantäne und schössen in den Altenheimen die Todeszahlen in die Höhe. Im Interview mit den NachDenkSeiten rät der gelernte Mathematiker: „Wir müssen lernen, mit Corona zu leben.“ Mit ihm sprach Ralf Wurzbacher.

Herr Bosbach, die täglich vom Robert Koch-Institut (RKI) vermeldeten sogenannten Infektionszahlen sind seit geraumer Zeit rückläufig. Gleichwohl haben die politisch Verantwortlichen den Corona-Lockdown jüngst noch einmal verschärft und liebäugelt die Bundeskanzlerin weiterhin mit dessen Verlängerung, wenn nicht gar mit einer noch härteren Gangart zur Bewältigung der Krise. Wie wirkt das alles auf Sie?

Das ganze Vorgehen wirkt auf mich planlos. Oder zumindest erklärt man uns den Plan nicht, der vielleicht dahintersteht. Wirklich konkret wird man eigentlich nur beim angeblichen Ziel mit der Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in einer Woche. Nach Meinung einer Vielzahl von Experten ist diese Inzidenz aber im Winter eine kaum erreichbare Zielgröße. Und was passiert, wenn man das irgendwie und irgendwann dann doch schafft, wurde uns bisher auch nicht gesagt. Wird dann wieder auf „normal“ geschaltet oder einiges gelockert? Und was? Wir wissen es nicht, beziehungsweise man hört dazu von den Verantwortlichen reichlich Widersprüchliches. Je näher wir der angestrebten Zahl 50 kommen, hören wir auch schon, 30, 10 oder gar 0 müsse das Ziel sein. Was ich allerdings nachvollziehen kann, ist die Angst davor, dass demnächst eine deutlich ansteckendere Virusvariante um sich greifen könnte. Aber dafür fehlen momentan noch systematische Belege.

Punktuell sind durchaus schon entsprechende Fälle aufgetreten. Für Sie reicht das noch nicht, von einer ernsten Bedrohung der neuen Virusvarianten auch für Deutschland auszugehen?

Hätte man sich in Deutschland gleich mit den neuen Erregern befasst, wüsste man jetzt schon viel mehr darüber und könnte die Gefahren besser abschätzen. Es fällt auf, dass die Politik seit Weihnachten massive Ängste vor dem Fall X äußert, aber jetzt erst damit anfängt, zu untersuchen, ob diese Mutanten bei uns vorkommen und in welchem Umfang. Schon Mitte Dezember wurde über 1.100 dieser Fälle in Südostengland berichtet. Trotzdem ließ man die Zeit ungenutzt verstreichen. Das verstehe ich nicht und das schließt an meine grundsätzliche Kritik an der gesamten Krisenbewältigung und -kommunikation an: Es wird viel geredet und es werden immer wieder neue Angstbilder und Gefahrenszenarien beschworen. Aber die Bereitschaft, die vielen noch offenen Fragen gründlich zu erforschen, ist schwach ausgeprägt – etwa was die Weitergabe des Virus durch Geimpfte oder früher Infizierte angeht, den Grad der Verbreitung in der Gesamtbevölkerung, also die Dunkelziffer, oder auch die Wirkungsbelege einzelner Maßnahmen. Es gibt ja durchaus viele tolle Forschungsarbeiten zu diesem und jenem Aspekt. Aber jeder der Akteure, ob einzelne Wissenschaftler, Universitäten oder Forschungsinstitute, manchmal sogar untereinander koordiniert, kocht sein eigenes Süppchen, ohne dass eine Gesamtstrategie des Corona-Kabinetts erkennbar wäre.

Wie müsste eine Gesamtstrategie in Ihren Augen aussehen?

Das werden wir jetzt nicht in ein paar Sätzen klären. Aber zunächst ist die grundlegende Frage zu stellen: Was ist wesentlich zu wissen? Wir nennen das in der Empirie die Forschungsfragen. Im nächsten Schritt ist zu überlegen, wie sich darauf eine Antwort finden lässt. Und dann müssen diese Forschungsarbeiten bei den geeigneten Stellen beauftragt werden. Zu einer Fragestellung können dann gerne auch mehrere Akteure unabhängig voneinander zu Rate gezogen werden. Und zur Strategie gehört auch die Frage nach dem Ziel. Was wollen und können wir erreichen? Daran müssen sich Maßnahmen messen lassen.

Das hört sich banal an.

Ja, aber von einem irgendwie orchestrierten Herangehen sehe ich auch nach einem Jahr Corona nichts. Einer neuen Regierung billigt man zur Einarbeitung nur 100 Tage zu. Schon die Grundfrage, wie viele Menschen in der Bevölkerung infiziert sind, wie viele davon erkrankt, wie viele schwer und wie viele davon positiv getestet waren, ist immer noch nicht geklärt. Darauf habe ich schon Anfang April 2020 hingewiesen. Was es endlich braucht, sind repräsentative und regelmäßige Stichprobenuntersuchungen mit mehreren Tausend Teilnehmern aus allen Bevölkerungsgruppen. Das RKI hat eine solche nach fast einem Jahr noch immer nicht geliefert. Obwohl es selbst von einer hohen Dunkelziffer ausgeht, macht es keine Anstalten, diesen Schattenbereich auszuleuchten. Auch hier gibt es punktuelle, gute Forschungen wie in Heinsberg, München oder Köln, aber nichts Bundesweites.

Es ist lange her, da hatte das RKI eine entsprechende Studie angekündigt. Eigentlich hätten schon Anfang Mai 2020 erste Ergebnisse vorliegen sollen …

Diese Studie wurde eigentlich vom Helmholtz-Institut geplant. Das RKI ist quasi nur mit aufgesprungen, wollte dann aber die erste Geige spielen und so ist das Ganze dann wieder eingeschlafen. Fast im Dunkeln stochert man genauso bei der Frage, was mit den sogenannten Genesenen ist, die einen Kontakt mit dem Erreger oder eine Erkrankung hinter sich haben. Zum Beispiel war jetzt zu lesen, dass in Rheinland-Pfalz auch diese Menschen geimpft werden. Vielleicht ist das unnötig, sofern die Betroffenen selbst einen natürlichen Schutz aufgebaut haben. Und vielleicht verschwendet man damit viele der knappen Impfdosen. Wissen mag nicht immer vor Dummheit schützen. Aber nichts zu wissen, ist der schlechteste Schutz.

Immerhin glauben die Bundesregierung und ihre Berater zu wissen, dass man das Virus nur unter einer Inzidenz von 50 in den Griff bekommt. Das ist doch wenigstens etwas?

Ja, aber was ist das wert, wenn nach Expertenmeinung davon auszugehen ist, dass die Dunkelziffer der mit Corona in Kontakt gekommenen Menschen drei- bis fünfmal so hoch ist wie die Zahl der positiv Getesteten? Da können die Gesundheitsämter versuchen, noch so viele Kontakte von positiv Getesteten nachzuverfolgen – der Großteil an möglichen Virusüberträgern geht ihnen durch die Lappen. Und die bewegen sich unwissend locker weiter, in Bus und Bahn, auf der Arbeit und in ihrer Familie. Hier hätte man viel bürokratischen Aufwand für die Nachverfolgung besser nutzen können, etwa bei der Kontrolle von Hygienemaßnahmen in Betrieben oder zur Abklärung der Frage, ob ehemals Positive sich noch einmal infizieren.

Umgekehrt werden aber auch viele Menschen mit positivem PCR-Nachweis zu Virusüberträgern erklärt, obwohl sie symptomlos bleiben, nicht erkranken und vielleicht gar nicht infektiös sind.

Das Problem kennt man aus der Krebs- oder AIDS-Diagnostik, aber im Prinzip bei allen medizinischen Tests. Bei einer seltenen Krankheit – wie es die Erkrankung mit Covid-19 ist – liefern selbst Tests mit einer nur geringfügigen Fehleranfälligkeit vergleichsweise viele falsch positive Treffer, wenn sie bei vielen Gesunden angewandt werden. Wenn sie eine Million Menschen testen, von denen 10.000 tatsächlich krank sind und der Test zeigt nur in 0,1 Prozent der Fälle fehlerhaft krank, also falsch positiv, an, dann erhält man zusätzlich 990 falsch Positive. In diesem Beispiel ist also fast ein Zehntel der positiven Ergebnisse falsch. Die Zahl der falschen Resultate steigt, je kleiner die Rate der tatsächlich Erkrankten und je größer die Fehleranfälligkeit ist. In der Wissenschaft ist dieses Phänomen allgemein bekannt und diskutiert. Mit Blick auf die PCR-Corona-Tests wurde es aber praktisch nie öffentlich behandelt.

Fragt man beim RKI nach, heißt es, die Fehleranfälligkeit wäre so gering, dass die Falschresultate nicht ins Gewicht fielen. Nun hat aber die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in mittlerweile zwei Bekanntmachungen darauf hingewiesen, dass auf den PCR-Test nur bei Übereinstimmung mit der klinischen Darstellung des Einzelfalls Verlass ist. Zeigt der Betroffene keine Symptome oder hatte keine Kontakte zu Infizierten, sollte der Test wiederholt werden. Was schließen Sie daraus?

Es ist erfreulich, dass diese Erkenntnis nun auch von der WHO öffentlich verbreitet wird. Aber spätestens mit den vier verwirrenden Schnelltestergebnissen des Tesla-Chefs Elon Musk – zweimal positiv und zweimal negativ – hätte jeder und jede die Problematik auf dem Schirm haben müssen. Ich bin dem Phänomen im Bereich Brustkrebs nachgegangen: In fast 90 Prozent der Fälle ist der erste positive Mammographiebefund falsch positiv. Selbst die Verantwortlichen gehen von über 80 Prozent Fehlerquote aus und sprechen nach dem ersten Befund auch bloß von einem Brustkrebsverdacht. Deshalb folgt dem ersten Screening eine zweite andersartige Untersuchung. Die liefert dann bessere Ergebnisse, weil sie nur bei einer kleinen Gruppe von Verdachtsfällen erfolgt.

Nun ist Covid-19 aber nicht gleich Brustkrebs und die Diagnoseinstrumente sind auch ganz andere.

Klar, aber das Prinzip ist völlig gleich. Der Test kann und wird meistens den Zustand richtig erkennen: krank oder gesund. Er kann aber auch irren, also Kranke nicht erkennen oder Gesunde als krank beschreiben. Die Quoten für diese Fehler sind aus Erfahrung bei den bewährten Tests ungefähr bekannt. Wenn jetzt eine große Menge Gesunder getestet wird, ergeben sich auch bei kleiner Falsch-Positiv-Quote viele Irrtümer. In den bisherigen Testwochen war aber die überwiegende Menge der Getesteten nicht infiziert. Nach Angaben des RKI über 94 Prozent, in manchen Sommerwochen sogar über 99. Deshalb spielt falsch positiv eine größere Rolle.

Sollte man solche Hintergründe nicht auch beim RKI kennen?

Natürlich weiß man davon, es wird nur nicht öffentlich diskutiert. Vermutlich ist die seit November veränderte Teststrategie des RKI, nur noch echten Verdachtsfällen nachzugehen, auf diesen Erkenntnisgewinn zurückzuführen und damit ein indirektes Eingeständnis des Irrwegs, möglichst viele testen zu wollen. Im Sommer wurde ja praktisch jeder Urlauber getestet, ohne jeden vorherigen Hinweis auf eine Erkrankung oder Kontakt zu Infektiösen und obwohl damals das Virus nur noch schwach im Umlauf war. Das sind „beste“ Bedingungen für hohe Fehleranfälligkeit. In der Folge wurden Menschen ohne einen zweiten Test als Beleg in Quarantäne geschickt. Ich nehme stark an, dass die Verschwiegenheit des RKI und der Regierung in der Frage auch damit zu tun hat, dass man Sorge hat, wegen der Vorgänge juristisch belangt werden zu können.

Wenn das stimmt, was Sie sagen, könnte man sich die ganze Kontaktverfolgung dann nicht auch sparen?

Nach meiner Schätzung bekommt man damit vielleicht ein Zehntel der Kontakte mit Infizierten zu fassen. Die Dunkelziffer und viele nicht eindeutige Angaben von positiv Getesteten lassen nicht mehr zu. Dafür lohnt der Aufwand nicht. Wie schon gesagt, es gäbe vorrangigere Aufgaben wie etwa die Kontrolle in Betrieben. Aber auch die frühzeitige Erforschung von Wirkungszusammenhängen – zum Beispiel der genaue zeitliche Verlauf von Infektionsketten innerhalb einer Familie – hätte so manche offene Frage klären können. Das erscheint mir zielführender als diese wilde Hatz mit dem Telefon auf Kontaktpersonen, bei der man eh nur einen Bruchteil erwischt.

Sehen Sie im Mangel an Forschung auch einen der Gründe dafür, dass sich ausgerechnet die Alten- und Pflegeheime bis zum heutigen Tage als die größten Infektionsherde erweisen und dort genau die Menschen zuhauf an Covid-19 sterben, die die Regierung eigentlich zuvorderst schützen will?

Zuerst einmal ist das ein Mangel an klarer Zielsetzung! Was nützt es, Kinos, Bars oder Restaurants zu schließen oder Menschen den Urlaub zu verbieten, wenn sich die echten Tragödien in den Heimen abspielen? Die hätte man besser schützen müssen, durch Schutzkleidung, wirkungsvolle Masken und ständige Tests für Beschäftigte und Besucher. Dass das funktioniert, zeigt sich ja am Fall Tübingen. Wenn es schon nicht genug Pflegekräfte für die Tests gibt – noch so ein schlimmes, obwohl seit langem bestehendes Versäumnis – warum hat man nicht frühzeitig die Sanitäter der Bundeswehr für entsprechende Schutzmaßnahmen herangezogen? Oder extra geschulte Mitarbeiter aus den Gesundheitsämtern? Jetzt diskutiert man den Einsatz von Azubis als „Schnelltester“, worunter natürlich ihre Ausbildung leidet und was den Personalmangel in der Pflege sogar noch verschärft. Statt ständig über die Lage zu jammern, wäre bei entsprechender Zielsetzung ein Nachdenken über die richtigen Maßnahmen besser gewesen.

Haben Sie eine Erklärung für diese vielen Unzulänglichkeiten im Krisenmanagement?

Dafür fehlt mir wirklich die Phantasie, weil so viele und eklatante Ungereimtheiten und Widersprüche zusammenkommen. Eine Ursache könnte das immer noch herrschende Durcheinander an Begrifflichkeiten sein. Infiziert, positiv getestet, erkrankt oder infektiös zu sein, sind unterschiedliche Dinge und die jeweiligen Gruppen gehören nicht in einen Topf geworfen. Aber selbst in den RKI-Lageberichten stößt man heute noch auf diese eklatanten Unschärfen. Wenn der wichtigste Berater der Politik derart amateurhaft verfährt, wie soll dann die Regierung die richtigen Entscheidungen treffen? Wie ich schon vor einem Jahr an dieser Stelle gesagt habe, war Corona für alle am Anfang auch Neuland, gewisse Fehler waren noch verzeihlich. Dass man allerdings den eigens für solche Fälle entwickelten und 2017 noch aktualisierten Pandemieplan vergessen hatte, ist nicht verzeihlich und hätte den verantwortlichen Minister eigentlich den Kopf kosten müssen. Immerhin gab es Berichte über ein „neuartiges Corona-Virus“ schon Monate vor dem ersten Fall in Deutschland.

Sollten sich die politischen Entscheider an andere Experten halten?

Sie sollten sich nicht nur auf einen eng begrenzten Zirkel verlassen, sondern auch anderen Stimmen gleichberechtigt Gehör schenken. Ich denke zum Beispiel an eine Expertengruppe um den Internisten Matthias Schrappe, der früher dem Sachverständigenrat im Gesundheitswesen angehörte. Das sind äußerst fähige Leute aus Wissenschaft, Forschung und medizinischer Praxis, die bereits seit Monaten gegen diese fast nur auf Lockdown fixierte Politik argumentieren und ihre Kritik in mittlerweile sieben „Thesenpapieren“ vorgetragen haben. Da ist geballtes Sachwissen, gute Strategie, jetzt auch gerade wieder zum Impfen – aber das alles wird fast vollständig ignoriert. Schrappe selbst hat der Regierung deshalb wiederholt „Beratungsresistenz“ attestiert.

Aber gibt die Entwicklung der Bundesregierung nicht recht? Das Statistische Bundesamt hat Ende Januar eine Übersterblichkeit im Jahr 2020 von absolut knapp 43.000 Todesfällen oder fünf Prozent gegenüber 2019 vermeldet. Und aktuell über 60.000 im Zusammenhang mit Corona Verstorbene sind auch nicht wegzudiskutieren. Wie interpretieren Sie als Statistiker diese Daten?

Ich sehe im November und im Dezember in der Tat eine signifikant höhere Sterblichkeit gegenüber den Vorjahren. In den Monaten davor bewegten sich die Zahlen jedoch auf normalem Niveau. Das passt zumindest nicht mit den schrillen Warnungen der ersten Stunden zusammen. Und auch das Ausmaß der zuletzt erhöhten Mortalität ist nicht so gravierend, wie es in manchen Medienberichten rüberkommt. Zu berücksichtigen ist, dass die Bevölkerung von 2016 bis 2020 um knapp eine Million Einwohner oder 1,2 Prozent gewachsen ist, insbesondere durch den Zuzug von Migranten. Dazu hat sich der Anteil der über 80-Jährigen an der Bevölkerung von 5,8 Prozent im Jahr 2016 auf 6,8 Prozent zu Jahresbeginn 2020 erhöht, womit diese Gruppe in ihrem Anteil um beinahe 19 Prozent zugelegt hat. Es ist ein natürlicher Vorgang, dass bei steigender Alterung anteilig und absolut auch mehr alte Menschen sterben.

Beide Faktoren hätten auch ohne Corona steigende Sterbezahlen erwarten lassen. Damit will ich die Wirkung der Pandemie nicht kleinreden. Die Opferzahlen sind auch bei uns in Deutschland erschreckend hoch. Man muss aber auch feststellen dürfen, dass das Durchschnittsalter der Verstorbenen 84 Jahre beträgt. Das liegt über der allgemeinen Lebenserwartung mit etwa 80 Jahren. Das ist nicht zynisch gemeint: Aber viele der Betroffenen wären in den kommenden Monaten und Jahren ohnehin gestorben. Auch das Statistische Bundesamt sprach im Zusammenhang mit singulären Ereignissen wie einer Hitze- oder einer starken Grippewelle von einer vorgezogenen Sterblichkeit.

Tatsächlich weist das Bundesamt in seiner Pressemeldung auf den Faktor Alterung hin. Demnach „dürfte“ die Zahl der ab 80-Jährigen allein 2020 „um etwa vier bis fünf Prozent zugenommen haben“, wodurch eine Zunahme der Sterbefälle „um ein bis zwei Prozent“ erwartbar gewesen wäre. Würden Sie sich dem anschließen?

Da kann ich noch mitgehen, ich wäre aber vorsichtig, das, was zu den fünf Prozent „Übersterblichkeit“ noch fehlt, voreilig Corona zuzuschlagen. Zum Beispiel differenzieren die Sterbezahlen ja nicht, ob jemand „mit“ oder „an“ dem Virus verstirbt. Als Corona-Toter gilt ja auch derjenige, der mit einem PCR-Nachweis an einem Herzinfarkt verstirbt. Zu dieser Problematik hat das Portal Telepolis gerade einen tollen Hintergrundartikel gebracht.

Interessant ist auch, dass man bei Todesfällen, die sich in zeitlicher Nähe mit einer Covid-19-Impfung ereignen, ganz streng trennt zwischen gestorben „im Zusammenhang mit“ und gestorben „durch“ die Impfung. Warum nimmt man es bei Corona-Toten nicht ebenso genau? In Hamburg wurde lange Zeit jeder Verstorbene obduziert, um Klarheit zu gewinnen, wer tatsächlich hauptursächlich an Covid-19 gestorben ist. Dabei ergaben sich 15 Prozent weniger Fälle, als das RKI für Hamburg ermittelt hat. Und was das Statistische Bundesamt auch nicht erfasst, und das aus nachvollziehbaren Gründen, sind die möglichen Toten, die als Kollateralschäden auf das Konto des ersten und des noch laufenden zweiten Lockdowns gehen.

Warum ist das für Sie nachvollziehbar? Ließe sich nicht zum Beispiel ermitteln, wie viele Krebspatienten infolge einer aufgeschobenen Operation ihr Leben gelassen haben?

Ich bin überzeugt, dass es solche Kollateralschäden gab und gibt. Zum Beispiel sagen manche Psychologen, viele Menschen in den Altenheimen wären ihrer Angst und Einsamkeit erlegen. Manche Selbstmorde werden als Unfälle, etwa mit dem Auto, kaschiert, damit die Lebensversicherung an die Familie zahlt. Vor allem bei Selbstständigen, die privat vorsorgen wollten und jetzt verzweifelt aufgeben, erscheint so etwas denkbar. Statistisch bekommen Sie solche Phänomene aber einfach nicht zu fassen. Genauso wenig lässt sich nachweisen, dass ein Mensch nicht verstorben wäre, hätte er drei Monate davor eine Krebs-OP erhalten oder sich zum Arztbesuch getraut.

Aber solange man sich die Mühe spart, solchen Dingen auf den Grund zu gehen, geht jeder Tote mehr als Übersterblichkeit auf das Konto Corona. Sehen Sie wenigstens eine Bereitschaft auf Seiten der Politik, der Frage nach Folgeschäden der Lockdownpolitik nachzugehen?

Da habe ich Zweifel, was sich schon daran zeigt, dass in den Expertenrunden der Bundeskanzlerin keine Vertreter von Disziplinen wie Psychologie, Soziologie, Ökonomie oder auch Statistik sitzen. Da finden sich neben Virologen nur noch die Modellierer, die mit Rechenmodellen mögliche Wachstumsverläufe aufzeigen. Bedenklich ist, dass die Politik voll und ganz auf deren „Sachverstand“ vertraut, die früheren und aktuellen Fehler übersieht und von vielen anderen guten Ratgebern nichts wissen will. Ich unterstelle der Regierung gar keine Böswilligkeit oder irgendwelche bösen Machenschaften. Sie sollten nur eigenständiger denken, wirklich wissen wollen, statt Meinungen anderer zu wiederholen, und sich breiter beraten lassen.

Was bleibt da an Hoffnung und Perspektiven für die Menschen im Land, die Krise endlich hinter sich zu lassen?

Ein Umdenken der Politik ist dringend geboten. Ich würde das Konzept von Matthias Schrappe und Kollegen empfehlen, vor allem die Alten und Menschen mit Vorerkrankungen gezielt zu schützen. Wenn es in den nächsten Tagen keine belastbaren Zahlen zur Gefahr durch aggressive Virusvarianten gibt, sollte der harte Lockdown beendet werden. Trotzdem beachten wir weiterhin die Hygiene- und die Abstandsregeln und die Politik beobachtet gemeinsam mit Wissenschaftlern die Fakten.

Eine wichtige positive Rolle spielt neben dem kommenden Sommer, der immer mit weniger Viruserkrankungen verbunden ist, auch die Impfung. Aber zu glauben, dass sich damit das Virus ausrotten lässt, halte ich für eine Illusion. Die Pocken auszurotten, hat knapp 200 Jahre gedauert, trotz weniger grenzüberschreitender Kontakte. Auch bei den Corona-Impfstoffen ist längst nicht alles geklärt, aber das ist ein anderes Thema. Man brauchte die Impfstoffe als „Licht am Ende des Tunnels“, vor allem zu Weihnachten, und konnte deshalb nicht so auf die Feinheiten achten.

Abschließend sage ich, wie viele andere auch: Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben, die besonders Gefährdeten schützen, ohne unsere Gesellschaft und unseren Rechtsstaat vor die Wand zu fahren.

Zur Person: Gerd Bosbach, Jahrgang 1953, ist emeritierter Professor für Statistik, Mathematik und empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz, Standort Remagen. Er ist als diplomierter Mathematiker und promovierter Statistiker zugleich einer der profiliertesten Kritiker der interessengeleiteten Nutzung von Statistik. Einblicke in Methoden und Geheimnisse der amtlichen Statistik sowie den – mitunter missbräuchlichen – Umgang der Politik und anderer interessierter Kreise erhielt er unter anderem während seiner Tätigkeit im Statistischen Bundesamt. Von Bosbach und dem Politologen Jens Jürgen Korff erschienen 2011 „Lügen mit Zahlen: Wie wir mit Statistiken manipuliert werden“ und 2017 „Die Zahlentrickser: Das Märchen von den aussterbenden Deutschen und andere Statistiklügen“.

Nicht nur der Tod eines Corona-Patienten belastet die Volksgemeinschaft

(pte) – Sehr gebrechliche COVID-19-Patienten sterben drei Mal so wahrscheinlich, wie eine Studie unter Leitung der University of Birmingham zeigt. Das gilt auch dann, wenn das Alter berücksichtigt wird. Sehr gebrechliche Patienten, die die Erkrankung überlebten, benötigten sieben Mal so wahrscheinlich mehr Pflege zu Hause oder in einem Pflegeheim. Für die Studie wurden die Daten von 5.711 Patienten mit COVID-19 in 55 Krankenhäusern in zwölf Ländern ausgewertet.

Risikofaktor Alter
Laut Seniorautorin Carly Welch wurde bereits sehr früh in der Pandemie ein höheres Alter als wichtiger Risikofaktor für die höhere Wahrscheinlichkeit eines Todesfalls mit COVID-19 erkannt. Nicht alle älteren Menschen alterten jedoch gleich. Manche Menschen sind auch nach ihrem 90. Geburtstag noch nicht gebrechlich. Eine Gebrechlichkeit kann laut der Expertin auch ohne andere langfristige Erkrankungen auftreten.

„Unsere Ergebnisse sind wichtig, da wir nachweisen konnten, dass nicht nur ein höheres Alter, sondern auch die Gebrechlichkeit, unabhängig voneinander, das Sterberisiko bei COVID-19 erhöht. Damit entsteht bei den Überlebenden auch mehr Bedarf an Pflege. Die Ergebnisse zeigten auch, dass das Delirium – ein Zustand geistiger Verwirrung, der bei COVID-19-Patienten sehr häufig ist – selbst nicht in einem unabhängigen Zusammenhang mit einem erhöhten Sterberisiko steht.

Es zeigte sich auch, dass eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Umstellung auf eine höhere Pflegestufe nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bei COVID-19-Patienten mit steigendem Alter, Gebrechlichkeit, Demenz und psychischen Problemen besteht. Die Forschungsergebnisse wurden in „Age and Ageing“ veröffentlicht.

Gebrechlichkeit
Die Gebrechlichkeit ist ein Zustand, bei dem der Körper für die Auswirkungen der Krankheit anfälliger wird. Mittels einer ganzheitlichen Bewertung wird eine Diagnose erstellt. Dabei wird berücksichtigt, wie viel Unterstützung ein Mensch im Alltag braucht, bevor er sich unwohl fühlt. Es geht hier nicht nur um medizinische Probleme, sondern um den ganzen Menschen.

Das Risiko einer Gebrechlichkeit erhöht sich mit zunehmendem Alter. Sie kann jedoch in verschiedenen Altersstufen auftreten. Die Geriatric Medicine Research Collaborative, das Expertengremium hinter der Studie, fordert jetzt eine verbesserte globale Gesundheitspolitik, da jetzt der Nachweis vorliege, dass Gebrechlichkeit unabhängig von einem höheren Alter das Sterberisiko bei COVID-19 erhöht.