Alle Beiträge von Balu

Antibiotika gezielt verwenden, Resistenzen eindämmen

Antibiotika gezielt verwenden, Resistenzen eindämmen: Die Infektionsmedizin muss gestärkt werden

Köln,
Dezember 2016 – Der Deutsche Bundestag hat am 1. Dezember 2016
beschlossen, die Antibiotika-Minimierung in der Human- und Tiermedizin
und die Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen konsequent
weiterzuverfolgen. Einen entsprechenden Antrag hatten die Fraktionen von
CDU/CSU und SPD gestellt. Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie
(DGI) begrüßt die Entscheidung. Die Fachgesellschaft weist in diesem
Zusammenhang darauf hin, dass der Infektionsmedizin beim rationalen
Einsatz von Antibiotika und der Eindämmung von Infektionen mit
multiresistenten Erregern eine Schlüsselrolle zukommt.
Noch
immer sind in vielen deutschen Krankenhäusern keine Infektiologen
beschäftigt, obwohl durch ihre Expertise deutlich mehr Patienten schwere
Infektionen überleben und sehr viel häufiger eine gezieltere und meist
auch kürzere Behandlung sichergestellt werden kann. Die
Infektionsmedizin müsse strukturell gestärkt und die Finanzierung
infektiologischer Leistungen verbessert werden, fordert die DGI.

„Wir
begrüßen sehr, dass der Gesetzgeber die Problematik der
Antibiotika-Resistenzen weiter im Fokus hat und dabei auch die
Ausbildung von Fachkräften verstärkt berücksichtigt“,
sagt
Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, Vorsitzender der DGI und Leiter
der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin am
Universitätsklinikum Köln. So enthält der aktuelle Antrag unter anderem
die Forderung, die Antibiotic-Stewardship-Programme intensiver zu fördern.

Unter der Schirmherrschaft der DGI werden Fortbildungskurse in Antibiotic Stewardship (ABS) für Klinik-Mitarbeiter durchgeführt. In diesen wird Wissen über eine
rationale Antibiotikaverordnung vermittelt. „Erstmals wird es 2017 auch
ABS-Kurse für niedergelassene Ärzte geben“, sagt Professor Dr. med.
Winfried Kern aus Freiburg, einer der Verantwortlichen der
ABS-Initiative. „Denn der Großteil der Antibiotika wird im ambulanten
Bereich verordnet.“ 600 bis 700 Tonnen Antibiotika werden in Deutschland jährlich in der Humanmedizin verbraucht; 85 Prozent davon im ambulanten Bereich.

„Die
ABS-Initiative ist ohne Zweifel ein wichtiger Baustein, um das Wissen
um die richtige Verordnung von Antibiotika auf eine breite Basis zu
stellen und in möglichst viele Kliniken und Praxen zu bringen“, sagt
Fätkenheuer. „Der G7-Gipfel hat unsere Initiative als Modellprojekt und
Best-Practice-Beispiel beschrieben. Dies allein ist aber nur eine
Zwischenlösung. Langfristig kann, wie in anderen Disziplinen in der
modernen Medizin, nur der Facharztstandard eine angemessene Versorgung
gewährleisten. Gerade Patienten mit schweren Infektionserkrankungen,
etwa den oft schwer zu behandelnden Infektionen mit multiresistenten
Erregern, benötigen die Behandlung oder Mitbetreuung durch einen
klinisch erfahrenen Spezialisten, der originär für die Behandlung dieser
Erkrankungen ausgebildet ist – also einen Infektiologen.“

Welche entscheidende
Rolle ausgebildete Infektiologen bei der Behandlung schwerer
Infektionen spielen, ist durch zahlreiche Untersuchungen belegt. Zuletzt
hatte Anfang 2016 eine Auswertung mehrerer internationaler Studien ergeben, dass beispielsweise bei der durch Staphylococcus aureus ausgelösten
Sepsis die Behandlung durch einen Infektiologen die Sterblichkeit der
Patienten um rund die Hälfte senken kann. Das Bakterium Staphylococcus aureus gehört
zu den häufigsten Erregern von Krankenhausinfektionen. Die Auswertung
zeigte auch, dass Infektiologen Antibiotika gezielter einsetzen.

„Wir
haben in Deutschland zu wenige Ärzte mit einer Weiterbildung in
Infektiologie. Und mehr noch: in vielen Kliniken sind Stellen für
Infektiologen gar nicht regelhaft vorgesehen, und infektiologische
Konsiliardienste sind nicht etabliert“, sagt Fätkenheuer. In Frankreich
habe man kürzlich einen Bedarf von ein bis zwei Infektiologen pro 500
Betten ermittelt. „Das Experten-Defizit in deutschen Kliniken hat auch
damit zu tun, dass infektiologische Leistungen im
Krankenhausentgeltsystem nicht in ausreichender Weise abgebildet sind.“

Wenn
die Bemühungen um die Eindämmung von Resistenzen und die erfolgreiche
Behandlung von Krankenhausinfektionen gelingen soll, müsse die
Infektionsmedizin im Gesundheitssystem deutlich gestärkt werden, fordert
die DGI. Die jüngst im Krankenhausentgeltgesetz beschlossene Förderung
der ärztlichen Zusatz-Weiterbildung Infektiologie in den Jahren 2016 bis
2019 sei dabei ein wichtiger Schritt. „Mittel- und langfristig
benötigen wir aber weitere Strategien auf allen Ebenen – von der
Schaffung eines Schwerpunktfachs Infektiologie in der Inneren Medizin
(Facharzt) bis hin zur Schaffung entsprechender Stellen“, so
Fätkenheuer.

Literatur:

Deutscher Bundestag, Abschließende Beratungen ohne Aussprache,

Fairtrade wirkt!

Fairtrade wirkt!
Studie belegt positive Effekte auf ländliche Entwicklung

Köln, 12. Dezember: Welche Wirkung hat Fairtrade auf die ländliche Entwicklung in den Produktionsländern des globalen Südens? Was sind entscheidende Faktoren für einen optimalen Einfluss? Anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums hat TransFair e.V. gemeinsam mit der Max Havelaar-Stiftung Schweiz eine Studie in Auftrag gegeben, die die Wirkung von Fairtrade in verschiedenen Produktbereichen auf drei Kontinenten prüft. ?Die aktuellen Forschungsergebnisse belegen, dass Fairtrade bessere Einkommen schafft und zur Armutsbekämpfung in den ländlichen Regionen beiträgt?, erklärte Dieter Overath, Geschäftsführer von TransFair. ?In Fairtrade-starken Regionen, wie im Bananenanbau in Peru oder in der Rosenzucht in Kenia, ahmen konventionelle Anbieter sogar Fairtrade-Standards nach, wie zum Beispiel die Prämienzahlung oder verbesserte Arbeitsbedingungen.? Die Studie wurde vom Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Misereor und Brot für die Welt/EED mitfinanziert und von CEval aus Saarbrücken erarbeitet.

Erhebungen in sechs Produktbereichen in Afrika, Lateinamerika und Asien
Für die Studie wurde eine Vielzahl qualitativer und quantitativer Daten erhoben. In sechs Ländern wurden Bauern und abhängige Beschäftigte durch 32 Gruppendiskussionen und 128 Einzelinterviews befragt. 3750 Fragebögen sowie Primär- und Sekundärliteratur wurde ausgewertet. Die methodisch anspruchsvolle Umsetzung erlaubt eindeutige Aussagen zur Wirkung von Fairtrade auf ländliche Entwicklung. Untersucht wurden Fallstudien in den Produktbereichen Kaffee, Bananen, Tee, Baumwolle, Kakao und Blumen. Das CEval-Team verglich die Entwicklungen von Fairtrade-zertifizierten Kleinbauernkooperativen, Plantagen und Vertragsanbauern mit konventionellen Organisationen. Vergleichsgrößen waren unter anderem Bildung, Gesundheitsversorgung und Gender.

Sozio-ökonomische Situation verbessert
Die Studie weist nach, dass Kleinbauern und Arbeiter auf Fairtrade-zertifizierten Kooperativen und Plantagen über leicht höhere und stabilere Einkommen verfügen: Rund 64 Prozent der Befragten gaben an, Geld sparen zu können, gegenüber 51 Prozent der Vergleichsgruppe. Zudem war die Produktivität der zertifizierten Organisationen in den meisten Fällen höher. Für 85 Prozent der Befragten im Baumwoll-Fallbeispiel hat sich durch Fairtrade der Kreditzugang verbessert. Fast 85 Prozent der Arbeiter der untersuchten Fairtrade-Blumenplantage haben einen festen Arbeitsvertrag, im Gegensatz zu unter 20 Prozent der Arbeiter der konventionellen Vergleichsplantagen. Eine große Auswirkung auf die ländlichen Gebiete haben die zum Teil massiven Investitionen in die lokale Infrastruktur, wie beispielsweise in den Ausbau von Straßen. Als indirekte Folge wurde eine allgemeine Verbesserung im Bildungs- und Gesundheitswesen festgestellt.

Die Bevölkerung ist in Entwicklungsaktivitäten eingebunden
CEval ermittelte, dass Fairtrade-Prämiengelder oftmals für Projekte verwendet werden, die Vorteile für die Bewohner einer ganzen Region bewirken. Dass Kleinbauern und Arbeiter die Möglichkeit haben, Entwicklungsprojekte selbstbestimmt umzusetzen führt dazu, dass diese Projekte von der breiten Bevölkerung akzeptiert und getragen werden. Durch die stärkere Organisation und Positionierung der Kleinbauern in Kooperativen können zum Teil sogar bestehende Machtverhältnisse durchbrochen werden. Auch im Plantagenbereich führt die selbständige Prämienverwaltung durch ein Gremium aus gewählten Arbeitervertretern und Management, den sogenannten Joint Body, zu einer einzigartigen Verantwortungsübernahme von Arbeitern in Entscheidungsprozessen.

Wirkung optimieren durch engagiertes Management und größere Marktzugänge
Die Wirkung von Fairtrade auf die ländliche Entwicklung hängt stark davon ab, wie hoch die Fairtrade-Absätze sind, wie gut die Produzenten und das Management informiert und organisiert sind und wie ernst ihr Engagement für Fairtrade ist. CEval empfiehlt, dass die gut funktionierenden Beispiele im Sinne eines ?Best Practice-Ansatzes? genutzt werden, um die Wirksamkeit innerhalb des Fairtrade-Systems zu erhöhen.

Erfolgreiches Jubiläumsjahr ? 34 Prozent Plus in drei Quartalen
Im 20. Jahr nach der Gründung setzte sich der Markterfolg von Fairtrade-Produkten am deutschen Markt fort. In den ersten drei Quartalen 2012 stieg der Absatz um rund 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf über 34.000 Tonnen. Die erfolgreichsten Fairtrade-Produkte am deutschen Markt sind Blumen, mit einem Wachstum von 229 Prozent, Bananen, mit 69 Prozent Steigerung und Kaffee mit einem Plus von acht Prozent, außerdem Süßigkeiten (+ 46 Prozent) und Fruchtsaft (+ 14 Prozent). Der Marktanteil von Fairtrade-Kaffee liegt bei zwei Prozent. Faire Rosen nähern sich einem Marktanteil von 20 Prozent. 20 Prozent der in Deutschland verkauften Bio-Bananen tragen das Fairtrade-Siegel.

TransFair e.V.:
Der Verein TransFair e.V. wurde 1992 mit dem Ziel gegründet, benachteiligte Produzentengruppen in Entwicklungsländern zu unterstützen. Als unabhängige Organisation handelt TransFair e. V. nicht selbst mit Waren, sondern vergibt das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte und fördert das Bewusstsein für einen nachhaltigen Konsum. Produkte mit dem Fairtrade-Siegel gibt es bundesweit in 36.000 Geschäften. Über 18.000 gastronomische Betriebe schenken Fairtrade-Kaffee und -Kakao aus. 200 Firmen bieten  rund 2000 Fairtrade-Produkte an.
www.fairtrade-deutschland.de

Meeresanstieg unter Beobachtung

Gletscherschmelze unter Beobachtung

AWI beteiligt sich mit zwei Millionen Euro an den Kosten für eine neue Satellitenmission

Start GRACE-FO-Mission am 22. Mai 2018 (12.47 Uhr Ortszeit PST; 21.47 Uhr deutsche Zeit)

Vor einigen Monaten verglühten die zwei Erdbeobachtungs-Satelliten der
GRACE-Mission in der Atmosphäre. Zwar war dieses Ende planmäßig, doch
riss es den Experten des Alfred-Wegener-Instituts eine Lücke in die
Erforschung der Eisverluste in der Antarktis und in Grönland. Nun
startet endlich die Nachfolge-Mission. Sie wird wesentlich dazu
beitragen, den künftigen Meeresspiegelanstieg besser abschätzen zu
können.

Eine der größten Gefahren des Klimawandels ist zweifellos der
fortschreitende Meeresspiegelanstieg, der umso größer ausfallen wird, je
stärker die mächtige Eisdecke auf Grönland und in der Antarktis
schmilzt. Um die Massenverluste dieser großen Eisschilde besser
einschätzen zu können, werten Wissenschaftler des
Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und
Meeresforschung (AWI), permanent Erdbeobachtungsdaten von Satelliten
aus. Eines der wichtigsten Raumfahrzeug-Duos waren für sie die
GRACE-Satelliten, die seit dem Jahr 2002 im Orbit kreisten, 2017 aber im
hohen Alter von 15 Jahren außer Dienst gestellt und Anfang dieses
Jahres zum Verglühen kontrolliert in die Erdatmosphäre gelenkt wurden.
Seitdem fehlte den AWI-Experten und der internationalen Forschergemeinde
eine wichtige Informationsquelle zum Zustand der großen Eisschilde.

Um nun die Lücke zu schließen, wird am 22. Mai 2018 vom Vandenberg
Luftwaffenstützpunkt in Kalifornien (USA) der Nachfolger GRACE Follow-On
(GRACE-FO) in den Orbit geschossen. „Wir sind sehr froh darüber“, sagt
der AWI-Geophysiker Ingo Sasgen. „Die erste GRACE-Mission hat uns 15
Jahre lang eine einzigartige und hochinteressante Zeitreihe über die
Massenverluste der Eisschilde geliefert. Seit Juni 2017 ist die
Zeitreihe unterbrochen und wir haben zum Beispiel keine Daten zur
letzten Schmelzsaison in Grönland. Es ist gut, dass die Messungen jetzt
weitergehen.“

GRACE ist die Abkürzung für „Gravity Recovery And Climate Experiment“,
was man frei mit „Schwerefeld-Messung und Klimaexperiment“ übersetzen
kann. Wie der Name andeutet, haben die Satelliten die Aufgabe, das
Schwerefeld der Erde einmal pro Monat komplett zu vermessen. Diese
Schwerefelddaten werden von verschiedenen Experten zu ganz
unterschiedlichen Zwecken genutzt. Sie sind aber eben auch für die
AWI-Forscher besonders wichtig, denn die Eismassenveränderung in
Grönland und der Antarktis macht sich auch im Schwerefeld der Erde
deutlich bemerkbar. Geht mehr Eis durch Schmelzen und Gletscherkalben
verloren als durch Schneefall hinzukommt, nimmt das Gewicht der
Eisschilde ab und damit die Erdanziehungskraft vor Ort. Die
GRACE-Messungen verraten also, ob, wo und wie viel die Eisschilde in der
Summe wachsen oder schrumpfen.

Die beiden Satelliten fliegen in einem Abstand von etwa 220 Kilometern
hintereinander her und überprüfen mit einem Mikrowellenradar permanent
ihren Abstand zueinander. Überfliegt der erste Satellit einen Bereich
mit erhöhter Schwerkraft, wird er leicht angezogen und dadurch
beschleunigt. Der Abstand zum zweiten vergrößert sich. Diese Abweichung
verrät, wie stark die Schwerefeldänderung in einem Umkreis von etwa 400
km ist. Dabei ist die Messgenauigkeit des Mikrowellenradars erstaunlich.
Er misst den Abstand zwischen den beiden Satelliten auf einige
Mikrometer genau.

Auch bei der neuen GRACE-Mission kommt der Mikrowellenradar zum Einsatz.
„Man hat auf bewährte Technik gesetzt, um schnell eine zweite Mission
starten zu können und nicht zu viel Zeit zu verlieren und Datenlücken zu
riskieren“, erklärt Ingo Sasgen. „Zusätzlich ist aber noch ein
Lasermessgerät an Bord, das während dieser Mission getestet wird. Es ist
rund 25-mal genauer als der Mikrowellenradar und kann damit die Analyse
des Schwerefeldes noch verbessern.“

Die wissenschaftliche Betreuung der aktuellen GRACE-FO Mission liegt wie
beim Vorgänger beim Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) und bei der
NASA. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt führt im Auftrag des
GFZ den Missionsbetrieb durch. Das AWI wiederum bringt seine
Eis-Expertise ein und hat sich an den Kosten für die
Falcon-9-Trägerrakete von Space X mit zwei Millionen Euro beteiligt.

Ingo Sasgen und seine Kollegen benötigen die Daten von GRACE-FO nicht
nur, um einen Eindruck zu bekommen, wie die großen Eisschilde auf die
fortschreitende globale Erwärmung schon jetzt reagieren. Sie füttern
damit auch mathematische Modelle, sogenannte numerische Klimamodelle, um
besser abzuschätzen, wie sich die Eisverluste künftig entwickeln
könnten. Obwohl GRACE-FO sehr genaue Schwerefeldmessungen durchführt,
kombinieren die AWI-Experten die Daten mit Messungen anderer Satelliten,
zum Beispiel mit denen von CryoSat-2. Dieser tastet die Erde mit
Radarstrahlen ab, um die Höhe der Eisbedeckung mit hoher Auflösung zu
bestimmen. So lässt sich mit CryoSat-2 zum Beispiel recht gut erkennen,
an welcher Stelle eines Gletschers viel Schnee niedergegangen ist.
GRACE-FO tastet ein Raster von 400 Kilometern ab, das ist recht grob.
CryoSat-2 hat mit typischerweise fünf Kilometern eine deutlich höhere
Auflösung. Doch auch CryoSat-2 hat seine Grenzen. Die Radarstrahlen
dringen ein wenig in Schnee und Eis ein, was die exakte Messung der
Schnee- oder Eishöhe schwierig macht, vor allem weil man die genauen
Bedingungen vor Ort nicht kennt. Das AWI führt deshalb zusätzlich
Kalibrationsmessungen mit seinen Forschungsflugzeugen durch. Eine
weitere Unsicherheit: Schnee sackt nach und nach unter seinem Gewicht in
sich zusammen. Auch das verfälscht die Höhenmessung. „Ob eine
Veränderung der Eis- und Schneehöhe durch eine solche Kompaktierung oder
durch Schmelze ausgelöst wurde, können wir allein mit CryoSat-2-Daten
nicht feststellen. Dazu brauchen wir wiederum GRACE Follow-On“, sagt
Ingo Sasgen. „Denn die Veränderung des Schwerefeldes zeigt uns, ob es
tatsächlich Eis- und Schneemassenverluste gibt.“ Die Daten der
verschiedenen Satelliten ergänzen sich also sehr gut, weil jeder seine
Stärken hat.

Mit dem Start von GRACE-FO schließt sich jetzt nach rund einem Jahr eine
Lücke im Feld der Wissenschafts-Satelliten. Wie beim Vorgänger ist die
Missionsdauer von GRACE-FO zunächst für fünf Jahre geplant. Ingo Sasgen
hofft, dass die zweite Generation genau wie die erste aber vielleicht
sogar 15 Jahre durchhält. „Dann hätten wir insgesamt eine Zeitreihe von
rund 30 Jahren. Für Klimamodelle wäre das eine wirklich aussagekräftige
Zeitspanne. Diese Daten dürften noch in Jahrzehnten für die
Klimaforschung von Bedeutung sein.“

Wenn Radiojod nicht mehr wirkt, helfen neue Medikamente

Schilddrüsenkrebs: Wenn Radiojod nicht mehr wirkt, helfen neue Medikamente

Lübeck
– Ein differenzierter Schilddrüsenkrebs, bei dem die Tumorzellen dem
normalen Schilddrüsengewebe noch ähneln, lässt sich meist durch
Operation und Radiojod heilen. Manche Schilddrüsenkrebszellen nehmen das
Radiojod jedoch nicht auf. Wenn der Krebs sich dann ausbreitet, können
neue Wirkstoffe wie der Multikinase-Hemmer Lenvatinib die Erkrankung
erneut kontrollieren. Wie diese neuen Medikamente die Aktivität von
Signalmolekülen und dadurch das Wachstum von Tumorzellen bremsen, wann
die Therapie indiziert ist und welche Nebenwirkungen auftreten können,
erläutern Experten auf der Pressekonferenz anlässlich des 58. Symposiums
der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) am 18. März 2015 in
Lübeck.

In
Deutschland diagnostizieren Ärzte pro Jahr bei etwa 7 200 Menschen
Schilddrüsenkrebs. „Bei den meisten Patienten werden die Tumoren
rechtzeitig bemerkt, sodass die Heilungschancen exzellent sind“,
berichtet Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Direktorin der Klinik
für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum
Essen. Todesfälle sind insgesamt selten. Im Jahr 2010 starben etwa 700
Menschen an Schilddrüsenkrebs.

„Bei
Patienten mit einem progressiven, also fortschreitenden
Schilddrüsenkarzinom, das mit Radiojod nicht behandelt werden kann,
waren die Behandlungsoptionen der Patienten bislang sehr begrenzt“, sagt
Professor Führer. Klassische, traditionelle Chemotherapien, die bei
anderen Krebsformen gute Ergebnisse erzielen, seien bei
Schilddrüsenkrebs nahezu wirkungslos.

Mit
der Entwicklung von sogenannten Multikinase-Inhibitoren, die sowohl im
Tumor als auch in der Tumorumgebung Wachstumssignale ausschalten, habe
sich die Situation wesentlich geändert. Der Arzneistoff Sorafenib, 2006
zur Behandlung von Nierenkrebs eingeführt, hat kürzlich in einer
klinischen Studie bei Patienten mit Schilddrüsenkrebs das sogenannte
progressionsfreie Überleben, das heißt der Zeitraum, in dem eine
definierte Tumorläsion nicht wächst, auf durchschnittlich 10,8 Monate
verlängert, gegenüber 5,8 Monaten unter Placebo und ist seit Sommer 2014
auch zur Behandlung von Patienten mit radiojodrefraktärem
Schilddrüsenkrebs zugelassen. Unter Lenvatinib, ebenfalls ein
Multikinase-Inhibitor, nahm das sogenannte progressionsfreie Überleben
sogar von 3,6 auf durchschnittlich 18,3 Monate zu. Zudem zeigten 65
Prozent der Patienten ein Ansprechen auf die Lenvatinib Therapie, in
zwei Prozent der Fälle kam es zu einer vollständigen Rückbildung aller
Tumorabsiedlungen. „Dies ist in der Krebstherapie ein beachtliches
Ergebnis“, sagt DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut
Schatz aus Bochum. Der Experte rechnet noch in diesem Sommer mit der
Einführung von Lenvatinib in Europa. In den USA wurde das Mittel bereits
im Februar zugelassen.

Der
breite Angriffspunkt der Multikinase-Inhibitoren hat eine Kehrseite:
Die Behandlung geht mit einer Reihe von Nebenwirkungen einher:
Bluthochdruck, Durchfälle, Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Übelkeit und
Gewichtsabnahme sind häufig, und wie bei anderen Kinase-Inhibitoren kann
es zu schmerzhaften Schwellungen und Rötungen der Hände und Füße
kommen. Diese Nebenwirkungen lassen sich jedoch beherrschen „Wichtig
ist, dass die Indikation richtig gestellt ist und die Therapie gut
kontrolliert wird. Deshalb sollten die Patienten von einem Spezialisten,
am besten von einem Endokrinologen mit onkologischem Schwerpunkt,
behandelt werden“, empfiehlt Professor Schatz. Bei richtiger
Indikationsstellung sehen die Experten die neuen Multikinase-Inhibitoren
als wichtigen Fortschritt für die Behandlung des radiojodrefraktären
Schilddrüsenkarzinoms, zumal weitere Substanzen in der Entwicklung sind.

M. Schlumberger et al.: Lenvatinib versus placebo in radioiodine-refractory thyroid cancer. New Engl. J. Med. 2015. 372:621-630. Artikel

Tierarzneimittel – Neue Vorschriften für mehr Lebensmittelsicherheit

(aid) – Anfang Juli 2009 tritt eine neue EU-Verordnung zu Höchstmengen von Arzneimittelrückständen in Nahrungsmitteln in Kraft. Ziel ist es, den Verbraucher vor gesundheitlich bedenklichen Rückständen von Tierarzneimitteln zu schützen, betont das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Dazu haben Experten die Verfahren zur Festlegung der Grenzwerte verbessert. Zudem wurden die Maßnahmen bei einem Nachweis von pharmakologisch wirksamen Substanzen in Lebensmitteln europaweit vereinheitlicht. Nach den neuen Vorschriften darf außerdem kein Tierarzneimittel ohne festgelegte Rückstandshöchstmenge für Nutztiere zugelassen werden. Die Anwendung von verbotenen oder nicht geprüften Stoffen in Lebensmittel liefernden Tieren ist nicht erlaubt. Die Verordnung richtet sich an pharmazeutische Unternehmer, nationale Zulassungsbehörden und die Lebensmittelüberwachung. aid, Heike Kreutz

Satire zu Stickstoff-Grenzwerten

Kathrin Spoerr

Der
Verein Deutsche Umwelthilfe will, dass ich saubere Luft atme. Auch
Deutschlands Richter sorgen sich um meine Gesundheit. Zusammen setzen
sie ein Fahrverbot nach dem anderen in Deutschland durch, zuletzt in
Bonn und Köln.

Vor
diesen Urteilen dachte ich, dass es Grenzwerte deshalb gibt, damit ich
gesund bleibe. Ich dachte, dass Schadstoffe Schadstoffe sind, unabhängig
von meinem Beruf und dem Ort, an dem ich lebe.

Das
war sehr naiv von mir. Richtern und Umwelthilfe ist meine Gesundheit
sehr wichtig. Allerdings nur, wenn ich als Fußgängerin unterwegs bin.

Wenn
ich meine Wohnung verlasse, um ins Büro zu gehen, werde ich ein
sensibles Wesen und darf nur 40 Mikrogramm Stickoxide einatmen. Alles,
was drüber ist, bringt mich um. Nur Fahrverbote retten mich.

Wenn
ich im Büro angekommen bin, werden Richter und Umwelthilfe-Aktivisten
plötzlich großzügig mit meiner Gesundheit. Im Büro gilt ein Grenzwert
von 60 Mikrogramm – ein Wert, der mich draußen töten würde. Und ich habe
noch Glück. Leute, die in Fabriken oder Werkhallen arbeiten, dürfen bei
der Arbeit 950 Mikrogramm einatmen, ohne dass sie sterben.

Doch
acht Stunden später, auf dem Heimweg, liegen wir alle, Büro- und
Fabrikarbeiter, den Umweltschützern noch mal kurz am Herzen. Wenn wir
die Dreckluft unserer Büros und Werkhallen verlassen haben, werden die
Stickoxide wieder gefährlich. 40 Mikrogramm, drüber droht der
Erstickungstod, und nur Fahrverbote sichern das Überleben.

Hormontherapie in der Ära nach der Hormontherapie

fzm – Die Empfehlungen der Ärzte zur Hormontherapie in den
Wechseljahren haben sich radikal verändert. Aus dem dauerhaften
Östrogen-"Ersatz" mit "Wellness-Faktor", der jahrelang propagiert
wurde, ist eine kurzfristige und gezielte Therapie von
Wechseljahresbeschwerden geworden. Nur wenn Hitzewallungen,
Nachtschweiß oder vaginale Trockenheit das Leben zur Qual machen,
dürfen die Hormone eingenommen werden. Dann jedoch sind sie nach wie
vor die "wirksamste derzeit verfügbare Therapie", wie der Hormonexperte
Prof. Hendrik Lehnert von der Universität Magdeburg in der DMW Deutsche
Medizinische Wochenschrift (Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2005)
betont.

In einer Übersicht fasst Prof. Lehnert die stürmischen
Studienergebnisse der letzten Jahre zusammen, die zum Ende einer "Ära"
führten: In den 1990er-Jahren waren den Östrogenen immer mehr günstige
Wirkungen nachgesagt worden. Die Hormone sollten nicht nur die
Wechseljahre erträglicher machen. Auch Herzkreislauferkrankungen würden
verhindert und der Knochenabbau im Alter (Osteoporose) gestoppt,
versprachen die Ärzte ihren Patientinnen, wenn sie die Hormone über
viele Jahre einnahmen. Doch dann zeigte die Women´s Health Initiative
(WHI), dass die Risiken größer waren als die Schutzwirkung.

Schon vor der WHI habe es Hinweise auf das Gefahrenpotenzial der
Östrogene gegeben, erinnert sich Prof. Lehnert. Dazu gehöre das erhöhte
Brustkrebsrisiko und die Gefahr von Thrombosen und Lungenembolien.
Einzig die erhöhte Zahl von Schlaganfällen und – bei der Kombination
mit Gestagenen – von Herzkreislauferkrankungen sei auch für Experten
überraschend gewesen.

Heute müssen vor der Therapie die Vorteile und Risiken sehr sorgfältig
abgewogen werden. Lehnert empfiehlt eine halbjährige Nutzen- und
Risikoabwägung bei allen Frauen, die wegen starker
Wechseljahresbeschwerden eine Behandlung wünschen. Die Therapie sollte
mit einer geringen Dosis "einschleichend" begonnen werden und so kurz
wie möglich dauern. Frauen mit Herzkreislauferkrankungen oder früheren
Thrombosen dürfen Östrogene nicht anwenden.

Trotz der Risiken ist Prof. Lehnert überzeugt: Wenn die Bedingungen
genau beachtet werden, haben die Frauen einen Nutzen von der
Behandlung, der sich auch in einer Steigerung der "qualitätsangepassten
Lebenserwartung" äußert. Mit diesem Begriff umschreiben Mediziner die
Tatsache, dass Jahre in einem guten Gesundheitszustand die Risiken
einer Therapie unter Umständen aufwiegen.

D. Heutling, H. Lehnert:

Hormontherapie und Menopause

Deutsche Medizinische Wochenschrift 2005; 130 (13): 829-834

Kälte begünstigt Erkältungen

Kälte begünstigt Erkältungen

Nach jeder Antibiotika-Therapie gehört eine Kur mit Laktobazillen zum Pflichtprogramm

Gynophilus® protect
Gynophilus® protect
[ Fotos ]

Wien (pts005/16.11.2016/08:00) – Herbst und Winter
haben viele schöne Seiten – die allgemein steigende Erkältungsgefahr bei
sinkenden Temperaturen gehört aber sicherlich nicht dazu. Je kälter es
wird, desto höher das Risiko, krank zu werden. "Warm anziehen", raten
schon die Großeltern – und sie haben Recht: Wissenschaftler der Yale
University School of Medicine in New Haven konnten herausfinden, dass
die sogenannten Rhinoviren, die Erkältungen verursachen, leichtes Spiel
haben, wenn wir frieren (1). Denn: Kälte schwächt das Immunsystem des
Menschen, dadurch haben Viren bessere Chancen, sich auszubreiten. Die
Krankheitserreger profitieren demnach nicht direkt von den kühlen
Bedingungen an sich, sondern indirekt durch die eingeschränkten
Bekämpfungsmaßnahmen des Organismus.

Folgeinfektionen bei grippalen Infekten?

Patienten mit grippalen Infekten verlassen oft die
Ordination ihres Hausarztes mit einem Antibiotika-Rezept. "Zur
Verhinderung möglicher Folgeinfektionen", ist häufig der Grund für diese
Verschreibung. Da das Antibiotikum bekanntlich nicht nur die
krankmachenden, sondern auch die nützlichen Bakterien abtötet, tritt als
häufigste Folgeinfektion einer Antibiotika-Therapie bei Frauen eine
Scheideninfektion auf.

Unterstützung für Darm- und Scheidenflora

"Nach der Einnahme von Antibiotika klagen viele Frauen
über Scheideninfektionen", so Dr. Eva Lehner-Rothe, Fachärztin für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Wien und Baden. Der Grund: "Im
optimalen Zustand herrscht in der Scheide ein saures Milieu mit einem
pH-Wert zwischen 3,8 und 4,5. Eine Antibiotika-Therapie führt zu einer
Veränderung des normalen Scheidenmilieus. Der pH-Wert steigt deutlich
an, Pilze oder krankmachende Bakterien können sich gut vermehren und der
natürliche Schutz von Laktobazillen auf der Vaginalschleimhaut
versagt", warnt die Expertin.

Milchsäurebakterien schützen

Daher empfiehlt Dr. Eva Lehner-Rothe prinzipiell nach
der Antibiotikaeinnahme, oder besser noch parallel dazu, den Aufbau der
Scheiden- und Darmflora mit speziellen Laktobazillen. "Diese nützlichen
Bakterien – zum Beispiel aus dem Stamm Casei Rhamnosus – versorgen
sowohl die Darm-, als auch die Vaginalflora mit ausreichend Milchsäure.
Zudem haften sie an den Schleimhäuten an, vermehren sich dort und bilden
einen schützenden Biofilm. Somit haben krankmachende Keime und Pilze
keine Chance sich festzusetzen und Patientinnen sind – selbst nach einer
Antibiotika-Therapie – vor Infektionen geschützt." Besonders wirksam um
Scheideninfektionen vorzubeugen sind Gynophilus Classic®
Scheidenkapseln und Gynophilus protect® Vaginaltabletten. Beide Produkte
enthalten Laktobazillen des Stammes Casei Rhamnosus.

Die Gynophilus Classic® Scheidenkapseln erhalten durch
eine kurmäßige Anwendung von 14 Scheidenkapseln das Gleichgewicht in der
Scheidenflora.

Gynophilus Protect® Vaginalkapseln müssen nach
erfolgreich behandelter Scheideninfektion durch die höhere Dosis nicht
täglich eingeführt werden, sondern nur alle vier Tage. Empfohlen wird
die Kur für 8 Tage mit 2 Tabletten – die Tablette wird alle vier Tage am
besten direkt vor dem Schlafengehen eingeführt.

Florea® regenerans Kapseln enthalten die wertvollen
Laktobazillen zum Einnehmen und regenerieren wieder rasch die durch
Antibiotikaeinnahme geschädigte Darmflora.

Die Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Geburtsschmerz positiv erleben

fzm – In unserem Kulturkreis ist Schmerz negativ besetzt. Wir versuchen körperliche Schmerzen in der Regel mit Hilfe von Medikamenten zu vermeiden. Auch bei der Geburt spielen Betäubung und Kaiserschnitt eine immer größere Rolle. „Es ist heute für Frauen schwierig geworden den Schmerz der Geburt zu akzeptieren, da er in unserer Gesellschaft nicht wertgeschätzt wird“, erläutert die freiberufliche Hebamme Monika Schmid aus Stuttgart. Im Gespräch mit ihrer in Italien praktizierenden Kollegin Verena Schmid diskutiert sie in der aktuellen Ausgabe „Die Hebamme“ (Hippokrates Verlag, Stuttgart, 2005) über die Bedeutung des Geburtsschmerzes.


Die Wahl zwischen einer schmerzhaften und einer vermeintlich schmerzfreien Geburt, vor die sich viele Frauen gestellt sehen, sehen die Expertinnen kritisch. Denn auch wenn sich die werdenden Mütter für eine Betäubung entscheiden, müssen sie eine Zeit lang die Wehenschmerzen ertragen. Indem sie den Schmerz innerlich ablehnen und ein Gegenmittel erwarten, können sie nicht auf die Wehen reagieren und empfinden diese als noch schmerzhafter. Auch ein Kaiserschnitt verläuft keineswegs ohne Schmerzen, sie treten lediglich später auf. „Durch die fehlende Hormonausschüttung der physiologischen Geburt bleibt der Schmerz bei einem Kaiserschnitt viel stärker im Gedächtnis haften“, erklärt Verena Schmid, die eine Weiterbildungsschule für Hebammen in Florenz leitet und auch in Deutschland Fortbildungen anbietet. Dass viele Frauen danach keine weiteren Kinder mehr wollen, ist demnach kein Zufall. Die wenigsten Mütter sind jedoch darüber informiert. Eine vermehrte Auseinandersetzung mit dem Geburtsschmerz in der Hebammenarbeit ist daher dringend erforderlich. Fördert er doch die Produktion verschiedener Hormone. Diese begünstigen unter anderem die Bindung zwischen Mutter und Kind und stellen den Stoffwechsel des Neugeborenen auf ein Leben außerhalb des Mutterleibs ein. Frauen, die ohne Betäubung entbinden, empfinden oft ein Gefühl der Stärke und Überwältigung, nicht unbedingt Schmerz.


Interview mit Verena Schmid:
Die Bedeutung des Geburtsschmerzes für Mutter und Kind – ein Interview mit Verena Schmid
Die Hebamme 1/2005: 11-12