Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Die Corona-Lügen

(Die Zeit) – Verschwörungstheorien tragen per se den Kern des Surrealen in sich, oft sind sie zynisch, fast immer ohne Substanz. Aber die Gerüchte, die zum Coronavirus in diesen Tagen kursieren, sind mehr als das. Sie träufeln Gift in eine Debatte, die bereits von Angst geprägt ist. Auffällig ist, dass sie nicht nur anonym verbreitet werden, sondern offen, auch von Prominenten, denen ein Millionenpublikum zuhört.

Sean Hannity etwa raunte in seiner Radiosendung, „die Angst-Kampagne zu Corona durch den Tiefen Staat“ werde „in die Geschichte als eine der größten Schwindeleien zur Manipulation der Wirtschaft und zur Unterdrückung von Widersprüchen“ eingehen, das habe er von einem Wissenschaftler gehört. Hannity ist ein Vertrauter von Donald Trump, er moderiert neben einer Radiosendung auch eine Fernsehshow auf Fox.

Und David Clarke, einst Sheriff von Milwaukee County, tönte auf Twitter: „Keine einzige Medien-Redaktion hat George Soros’ Verwicklung in die Grippe-Panik hinterfragt. Er ist IRGENDWIE daran beteiligt.“ Clarke, ebenfalls Trump-Unterstützer, folgen 917.000 Follower; sein Tweet mit der antisemitischen Anspielung auf den ungarisch-amerikanischen Milliardär Soros machte die Runde durchs globale Dorf.

Selten zuvor war eine kühle Unterscheidung von News und Fake-News, von Fakten und Gerüchten so wichtig wie in diesen Tagen, in denen die Welt ihre größte nicht militärische Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt. Und nur selten zuvor hat sich so klar gezeigt, was Journalismus von sozialen Medien unterscheidet. Journalismus ist eben nicht das ungeprüfte Weiterverbreiten des jüngsten Gerüchts. Journalismus ist Überprüfung, Verifikation, Einordnung. Journalismus beginnt dort, wo die Hannitys und die Clarkes dieser Welt enden.

In diesen Tagen strahlt eine Form des Journalismus ganz besonders: die des Wissenschaftsjournalismus. Ähnlich wie sich die Politik von den Empfehlungen der Virologen leiten lässt, folgen Journalisten seit vielen Wochen den Fakten der Wissenschaft, schreiben sie fort, räumen Fehler ein und korrigieren sie. Journalismus in Zeiten von Corona ist ein Tasten, bedeutet weniger Gewissheiten und mehr Fragen, weniger Meinungen und mehr Erklärungen.

Als die Verschwörungstheorie zu kursieren begann, das Virus sei im Oktober 2019 bei einer Pandemie-Übung der Gates-Stiftung, des Weltwirtschaftsforums und des Johns Hopkins Center for Health Security freigesetzt worden, ließ sich das schnell aufklären: Die Übung fand in New York statt und war nur eine Simulation. Viele Wissenschaftsjournalisten sind selbst Naturwissenschaftler und verfolgen den akademischen Diskurs und derartige Übungen seit Jahren.

Bedeutet dieser Schwerpunkt auf wissenschaftlichem Journalismus, der mit einer temporären Entpolitisierung der Welt einhergeht, dass Redaktionen auf ihre Rolle als gesellschaftliche Kontrollinstanz verzichten müssen? Nein, das wäre ein Fehler. Journalismus darf sich nie anschmiegen, auch in Krisen braucht eine funktionierende Demokratie Stimmen, die das Handeln der Regierenden hinterfragen. Warum beispielsweise wurden Reisende aus den Corona-Zentren Italien, Iran und China an deutschen Flughäfen wochenlang nicht kontrolliert? Derartige Fragen dürfen nicht nur gestellt werden, sie müssen es. Und wenn, wie in China und Israel, Regierungen die Überwachung ihrer Bürger exerzieren, indem sie die Kontrolle jedes Einzelnen mittels des Smartphones zur Pflicht erheben: Dann müssen Journalisten im Zweifel die Bürgerrechte verteidigen. Sie müssen auf den feinen Unterschied zwischen einem starken, funktionsfähigen und einem übermächtigen Staat hinweisen.

Reporterinnen und Reporter der Online- und Printausgaben der ZEIT sind seit dem Ausbruch des Coronavirus in aller Welt unterwegs. Aber sie sind nicht überall dort, wo sie gerne wären – zum Beispiel nicht in Wuhan, dort, wo das Unheil seinen Anfang nahm. Noch immer ist Wuhan weitgehend Sperrzone, und noch immer versucht die chinesische Regierung, freie, unkontrollierte Interviews, etwa mit Ärzten, zu zensieren. Ähnlich wie in anderen internationalen Konflikten ist die Wahrheit auch in dieser Gesundheitskrise ein rares Gut. Und nicht nur Trumps Anhänger machen mit dem Virus Politik, auch die Chinesen tun das.

Es könnte doch „die US-Armee gewesen sein, die die Epidemie nach Wuhan gebracht hat“, behauptete der chinesische Diplomat Zhao Lijian per Twitter und forderte von den USA: „Legt eure Daten offen! Die Vereinigten Staaten schulden uns eine Erklärung!“

Zhao Lijians Anschuldigung ist ein Beispiel dafür, dass Verschwörungstheorien auch vor staatlichen Stellen nicht haltmachen. Und eine Erinnerung daran, welchen Wert eine freie Presse gerade in Krisen wie dieser besitzt.

Holger Stark

Ausbreitung von Corona als Simulation

(ZDF) – Der Epidemiologe Martin Eichner an der Universität Tübingen hat zusammen mit Kollegen und dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg das interaktive Simulationsmodell CovidSIM entwickelt. Damit können verschiedene Szenarien durchgespielt und die Dynamik der Ausbreitung einer Erkrankung unter verschiedenen Voraussetzungen nachvollzogen werden.

Darüber hinaus erlaubt es die Auswirkung von Interventionen abzuschätzen: Was bewirkt eine (drastische) Reduzierung von Kontakten in der Bevölkerung ? Welchen Einfluss hat eine schnelle Isolierung infizierter Personen? Wie wirkt sich die Dauer der Quarantäne aus?

Simulationsmodell CovidSIM

Corona bringt es an den Tag, oder irgendetwas ist faul in den europäischen Staaten

Die Welt steht still und wir bekommen plötzlich die Gelegenheit, unser Leben zu überdenken, neue Seiten an einem selber zu entdecken, schwere Entscheidungen zu treffen und sich mit Ängsten auseinanderzusetzen…
Plötzlich werden Dinge wichtig, die wir lange genug als Selbstverständlichkeit angesehen haben:
Wir vermissen körperliche Nähe zu Menschen, soziale Kontakte, das Privileg sich frei zu bewegen, das Reisen, das unbeschwerte Leben, finanzielle Sicherheit und die Normalität…
Hat es einen Grund warum alles auf den Kopf gestellt wird? Ist es ein Hilfeschrei der Natur, welche eine Pause von uns braucht? 🌱 Haben wir den Wert des Lebens verloren? Muss einfach wieder einmal daran erinnert werden, was für eine Bedeutung unser Leben hat?
In dieser Ausnahmesituation lernen wir uns näher kennen und haben die Gelegenheit, ein Stückchen „besser“ zu werden, Prioritäten anders zu setzen, unseren Mitmenschen mit Rücksicht und Liebe zu begegnen und bestenfalls die eigenen Bedürfnisse zurückzustecken… Wenn du bereit bist LIEBE ❤ statt EGOISMUS zu verbreiten, sende diese Worte um die Welt und stecke Alle mit Liebe und Fürsorge an… 🌍

Konrad Adenauer (gemeint ist der gleichnamige Enkel des Bundeskanzlers)

Wissenschaftsjournalismus in Krisenzeiten, z. B. Corona

So etwas gab es in dieser Form noch nie. Ausnahmezustand. Für viele von Euch waren die vergangenen Wochen außergewöhnlich herausfordernd. Überstunden, um dem ungeheuren Informationsbedarf der Bevölkerung zum neuartigen Coronavirus und Covid-19 nachzukommen. Bei anderen war es gerade umgekehrt: Vielen Freiberuflern brechen die Aufträge weg, weil Messen und Kongresse abgesagt werden.  (Petition „Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns ; Freischreiber-Aufruf an die Solidarität der Redaktionen).

So zynisch es zunächst vielleicht klingen mag: Diese Krise birgt auch Gutes. Erfahrung für das Gesundheitssystem: Wenn wir diese Epidemie (die momentan ja bei den meisten Infizierten glimpflich verläuft) überstanden haben, sind wir besser vorbereitet auf künftige Pandemien, die möglicherweise mit einer höheren Mortalitätsrate einhergehen als Covid-19.
Vielleicht befördert die Krise solidarisches Handeln, unter Nachbarn, unter uns Unbekannten, unter JournalistInnen. Und dann gibt es auch noch eine Facette, die den Wissenschaftsjournalismus betrifft. Der unermüdliche und omnipräsente Virologe Christian Drosten, der u.a. über den NDR-Podcast „Coronavirus-Update hervorragende Wissenschaftskommunikation betreibt, hat dafür plädiert, in der derzeitigen Lage den Wissenschaftsjournalismus vortreten zu lassen, um sachlich und ohne Ablenkung über die relevanten Aspekte verlässlich zu berichten. Im ZAPP-Interview hebt er den deutschsprachigen Wissenschaftsjournalismus hervor, weil der „eine Systemfunktion im Moment hat“. Wir freuen uns über diese Wertschätzung. Noch wichtiger wäre es allerdings, wenn auch in künftigen ruhigeren Zeiten Verantwortliche des Mediensystems die Relevanz fachjournalistischer Expertise erkennen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen: Wissenschaftsressorts erhalten (oder wiederaufbauen) und auch bei politischen Themen, die eine wissenschaftliche Komponente haben, Wissenschaftsjournalist:innen zu Rate ziehen.

Notwendigkeit von Grippeimpfungen für alle Altersklassen – Mit einer Einleitung von Jean Pütz

Die Notwendigkeit von Grippeimpfungen für alle Altersklassen, nicht nur für die alten Menschen.

Die Grippewelle 2017/18 war einer der heftigsten der letzten 50 Jahre. Über 250.000 Menschen sind in Deutschland an diesem Virus gestorben. 2019 war die Grippewelle moderat, sie tritt meist nach Weihnachten Anfang der Jahre auf.
Der folgende Bericht beschreibt die verschiedenen Grippe Varianten und die Notwendigkeit unbedingt sich jedes Jahr neu impfen lassen, denn immer wieder treten neue Varianten des Grippevirus auf.
Jean Pütz

(SZ) – Mit einer harmlosen Erkältung lässt sich die Grippe nicht vergleichen, das belegen aktuelle Zahlen für die vorletzte Saison eindrucksvoll.
Rund 25.100 Menschen in Deutschland kostete die außergewöhnlich starke Grippewelle 2017/18 das Leben, wie das Robert Koch-Instituts (RKI) am Montag berichtete. Das sei die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. Es gebe auch saisonale Wellen mit wenigen Hundert Todesfällen. Ein Vergleichswert für die laut RKI «moderate» Welle 2018/19 liegt noch nicht vor.
«Diese Zahl sollte allen Impfskeptikern zu denken geben», erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er rief besonders Ältere, chronisch Kranke, Schwangere sowie Medizin- und Pflegepersonal auf, sich rechtzeitig gegen Grippe impfen zu lassen. Den genannten Gruppen empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung. Als optimaler Zeitpunkt dafür gelten Oktober und November. Ihren Höhepunkt erreicht die Grippe-Welle üblicherweise nach dem Jahreswechsel.
Das Influenza-Virus kann durch winzige Tröpfchen übertragen werden, etwa beim Niesen. Wissenschaftler unterscheiden mehrere Virus-Typen, für Menschen besonders relevant sind die saisonal auftretenden Influenza A- und B-Viren. Eine echte Grippe beginnt oft plötzlich. Zu typischen Symptomen zählen Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Glieder- und Kopfschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl.
Bisher wurden nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts rund 15,7 Millionen Impfdosen freigegeben. Sie enthalten Bestandteile der erwarteten Virus-Varianten. «Der Impfstoff für die neue Saison hat zwei neue, aktualisierte Influenza-A-Komponenten – eine Impfung lohnt sich dadurch besonders», sagte RKI-Expertin Silke Buda der Nachrichtenagentur dpa. Laut dem Institut stellt die Impfung die wichtigste Schutzmaßnahme dar. Daneben empfehlen die Experten etwa gründliches Händewaschen mit Seife und Abstandhalten zu Erkrankten.
Im Vergleich zur heftigen vorletzten Grippewelle stufen Fachleute die vergangene Saison als moderat ein, wie Buda sagte. «Sie war nicht mild, denn es gab doch auch schwere Verlaufsfälle.» Laut dem neuen Influenza-Bericht des RKI sorgte die Welle für 3,8 Millionen Arztbesuche – weniger als halb so viel wie 2017/18. 40 000 Menschen kamen ins Krankenhaus, Buda zufolge in vielen Fällen mit akutem Atemnotsyndrom oder Lungenentzündung. Insgesamt registrierte das Institut von Oktober bis Mitte Mai 182 000 labordiagnostisch bestätigte Grippe-Fälle. Betroffen waren alle Altersgruppen.
Auffällig sei gewesen, dass beide Influenza-A-Subtypen (H1N1 und H3N2) mehr oder weniger zu gleichen Anteilen zirkulierten. «Es waren fast überhaupt keine Influenza-B-Viren unterwegs», sagte Buda. Die starke Welle 2017/18 sei zu einem großen Teil durch Influenza-B-Viren (Yamagata-Linie) ausgelöst worden.
Mangels Influenza-B-Viren habe der neue, inzwischen von der Stiko empfohlene Vierfachimpfstoff seine Wirkung in der vergangenen Saison noch nicht entfalten können, sagte Buda. Dieser Impfstoff soll vor vier Virusvarianten schützen, enthalten sind je zwei A- und je zwei B-Komponenten. Zuvor erhielten gesetzlich Versicherte in der Regel einen günstigeren Dreifachimpfstoff mit nur einer B-Komponente.

Phagen: Vielversprechende Therapeutika – Mit einer Stellungnahme von Jean Pütz

Liebe Kollegen Wissenschaftsjournalisten der Presseabteilung,

ich möchte Ihnen ein großes Kompliment für die Art Ihres Beitrages über das Zusammenspiel von Bakterien und Phagen. Diese Art von Darstellung durch intelligente Fragestellung an die Forscher und die verständlichen Antworten halte ich für beispielgebend, um Wissenschaft auch für Nichtfachleute erklärbar zu machen. Als Mitbegründer und langjähriger 1. Vorsitzender der Wissenschaftspressekonferenz (WPK.org) sage ich Ihnen, dass Sie genau das verwirklichen, was wir uns seinerzeit als wichtigsten Aspekt vorgenommen hatten, nämlich: Wissenschaft darf niemals nur Herrschaftswissen werden.

Herzlichen Dank für diese pionierhafte Pressemitteilung
Ihr Jean Pütz

(Helmholtz) – Darmbakterien sind für die menschliche Gesundheit von zentraler Bedeutung. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Immunregulation, dem Schutz vor Krankheitserregern, dem Nahrungsstoffwechsel, dem metabolischen Abbau von Medikamenten und bei der Vitaminsynthese. Neben Bakterien sind die sogenannten Bakteriophagen, kurz Phagen, ebenfalls wichtige Akteure im Darm. Für die Wissenschaft gibt es auf diesem Gebiet noch vieles zu erforschen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass Phagen wesentlich an der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im Darm (der Homöostase) beteiligt sind. Sie nehmen an, dass Phagen die komplexen mikrobiellen Netzwerke in diesem Lebensraum regulieren – so auch Li Deng und Mohammadali Khan Mirzaei vom Institut für Virologie am Helmholtz Zentrum München, die sich beide der Forschung an Phagen verschrieben haben. Ein besseres Verständnis darüber, wie genau Phagen die mikrobiellen Netzwerke im menschlichen Körper regulieren, könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger phagenbasierter Therapien ebnen. Diese könnten bei Erkrankungen im Zusammenhang mit einer gestörten Darmflora (Darmdysbiose) oder zur Behandlung komplizierter Infektionen durch multiresistente Bakterien eingesetzt werden.

In einem kurzen Interview geben Li Deng und Mohammadali Khan Mirzaei Einblick in ihre Forschung.

Warum sind Darmphagen für die Forschung so spannend?
Li: Phagen sind Viren, die Bakterien als Wirt nutzen. Sie sind wahrscheinlich die am häufigsten vorkommenden, vielfältigsten und am wenigsten erforschten Mitglieder jedes Ökosystems. Der menschliche Darm ist keine Ausnahme. In der Umwelt spielen Phagen eine bedeutende Rolle für die mikrobielle Vielfalt. Sie können sogar den bakteriellen Stoffwechsel umprogrammieren. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Phagen im menschlichen Körper von ähnlicher Bedeutung sind. Da Phagen ihre Wirtsbakterien auch infizieren und ausrotten können, sind sie für viele therapeutische Anwendungen potenziell von Interesse.

Du hast eine neue Technologie zur Identifizierung der Beziehungen zwischen Wirt und Phagen entwickelt, das so genannte „Viral Tagging“. Was ist das genau?
Li: Viral Tagging ist eine zellkulturfreie Hochdurchsatz-Methode zur Untersuchung von Phagen-Bakterien-Interaktionen auf Zellebene. Es ist eine sehr komplexe Technologie, aber sie ermöglicht es uns, Bakterien und dazugehörige Phagen von nicht-infizierten Zellen und Phagen zu unterscheiden.

Was konntet ihr mithilfe von Viral Tagging bereits herausfinden?
Li: Wir haben 363 unterschiedliche Bakterien-Phagen-Paare im menschlichen Darm entdeckt – die meisten von ihnen waren neuartige Darmphagen, die bekannte Bakterien als Wirte infizierten. Zusammen mit der Gruppe von Phil Hugenholtz am Australischen Zentrum für Ökogenomik fanden wir heraus, dass die Mehrzahl der bakteriellen Wirte von mehr als nur einem Phagen befallen wird. Dies zeigt, wie komplex die Beziehung zwischen Bakterien und Phagen im menschlichen Darm ist! Spannend ist auch, dass wir Infektionsmuster von bisher unbekannten Phagen entdeckten, welche Bakterien infizieren, die Butyrat – eine bevorzugte Energiequelle für Epithelzellen – produzieren. Ein Mangel an diesen spezifischen Bakterien wurde bisher mit mehreren Krankheiten in Verbindung gebracht, beispielsweise Typ-2-Diabetes.

Phagen könnten zur Manipulation des menschlichen Mikrobioms eingesetzt werden, um Krankheiten zu behandeln, richtig?
Mohammadali: Das stimmt, zum Beispiel bei Stunting Disease. Stunting ist eine schwere Wachstumsstörung aufgrund von Unterernährung. Die Erkrankung betrifft weltweit 22 Prozent aller Kinder unter 5 Jahren. Sie trifft vor allem in Ländern auf, in denen Kinder keinen regelmäßigen Zugang zu nährstoffreicher oder ausgewogener Ernährung haben. Wir wussten bereits, dass es einen Zusammenhang zwischen einer Veränderung der Darmmikrobiota und Stunting gibt. Die Rolle der Phagen daran wurde jedoch noch nicht untersucht. In einer Zusammenarbeit unter der Leitung von Corinne Maurice an der McGill University Canada fanden wir heraus, dass Kinder mit Stunting im Vergleich zu nicht-betroffenen Kindern tatsächlich unterschiedliche Phagen im Darm aufwiesen. In vitro sahen wir, dass diese spezifischen Phagen die Anzahl und Zusammensetzung von Bakterien, die mit Stunting in Verbindung stehen, regulieren können. Deshalb vermuten wir, dass Phagen tatsächlich eine Rolle in der Pathophysiologie von Stunting Disease spielen. Außerdem konnten wir beobachteten, dass verschiedene Bakterien-Phagen-Interaktionen abhängig vom Alter des Kindes sind. Diesen Effekt müssen wir noch weiter erforschen. Letztlich ist es unser Ziel, ein mögliches Interventionsfenster für eine Phagen-basierte Behandlung von Stunting definieren zu können.

Was sind eurer Meinung nach die nächsten Schritte in der Phagen-Forschung?
Li: Es gibt noch viele Unbekannte. Wir wissen nur wenig über das Zusammenspiel von Phagen mit ihren Wirten im klinischen Kontext. Fortschritte in der Technologie für Einzelzellanalysen und eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten lassen jedoch darauf hoffen, dass wir bereits in naher Zukunft die komplexen Interaktionen zwischen Phagen und Wirten besser verstehen werden. Nur so können wir künftig Phagentherapien erfolgreich einsetzen. Diese könnte uns helfen, im Krankheitsfall in das komplexe bakterielle Ökosystem des Menschen einzugreifen und das Mikrobiom so zu manipulieren, damit es gesünder wird. Außerdem könnten Phagen der Schlüssel zur Behandlung antibiotikaresistenter bakterieller Infektionen sein.

Lebensstil und chronische Krankheiten – Studie bestätigt Zusammenhang

(BZfE) – Wer im mittleren Alter auf einen gesunden Lebensstil achtet, bleibt offenbar bis zu zehn Jahre länger fit und frei von chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden. Das ist das Resultat einer Studie unter Leitung der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston, USA. Zu einem „gesunden“ Lebensstil zählten die amerikanischen Wissenschaftler fünf Faktoren: eine ausgewogene Ernährung, ein gesundes Körpergewicht, ausreichend Bewegung, ein moderater Alkoholkonsum und der
Verzicht auf das Rauchen.

Für die Untersuchung wurden über 100.000 Frauen und Männer für rund drei Jahrzehnte begleitet. In Fragebögen machten die Probanden unter anderem Angaben zu ihren Ess- und Lebensgewohnheiten. Die Wissenschaftler berechneten den Körpermassenindex (BMI) als Verhältnis von Gewicht (in kg) zur Körpergröße (in m zum Quadrat). Bei einem normalen Körpergewicht liegt der BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m2. Die Ernährung
wurde anhand des sogenannten „Alternate Healthy Eating Index“ beurteilt. Die Probanden bewegten sich regelmäßig, wenn sie mindestens 30 Minuten pro Tag mäßig bis kräftig aktiv waren. Ein moderater Alkoholkonsum lag per Definition bei einer Tagesportion (5-15 g) für Frauen und zwei Portionen (5-30 g) für Männer. Zur Anschauung: ¼ Liter Wein enthält etwa 20 g Alkohol.

Frauen, die im Alter von 50 Jahren vier oder fünf der gesunden Gewohnheiten befolgten, lebten durchschnittlich 10 Jahre länger frei von Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs (34,4 Jahre statt 23,7 Jahre). Als Vergleichsgruppe dienten Frauen, die keinen Faktor eines gesunden Lebensstils erfüllten. Männer konnten durch einen gesunden Lebensstil im mittleren Alter immerhin 7,6 krankheitsfreie Jahre gewinnen (31,1 Jahre statt 23,5 Jahre).

Je mehr dieser fünf Faktoren des gesunden Lebensstils erfüllt wurden, desto höher war in der Studie die Gesamtlebenserwartung. Außerdem verbesserten sich auch die Überlebenschancen nach der Diagnose von chronischen Krankheiten. Allerdings geben die Wissenschaftler im British Medical Journal (BMJ) zu bedenken, dass weitere chronische Erkrankungen wie Nieren- und Atemwegsleiden nicht beachtet wurden.

Hämorrhoiden: Neun von zehn Patienten unnötig operiert

(pte) – Die Häufigkeit des Hämorrhoidalleidens ist unklar, zumal die Selbstdiagnose in geschätzten 50 % der Fälle nicht zutrifft. Zum Skalpell wird zu oft und vielfach auch unnötig gegriffen, denn: Hämorrhoiden und ihre Symptome lassen sich auch ohne Operation meist sehr gut in den Griff bekommen. Das erklärte Univ.-Prof. Dr. Max Wunderlich vom Zentrum für Proktologie und Enddarmchirurgie an der Wiener Privatklinik Confraternität bei einem Symposium, das im Rahmen der 30. Grazer Fortbildungstage der Steirischen Ärztekammer stattfand.

Kamillenblüten & Co gegen das quälende Jucken und Brennen
„Das Verhältnis von Patienten, die tatsächlich einer Hämorrhoidenoperation bedürfen, zu denen, die nach einer unnötigen Operation unzufrieden sind, schätze ich persönlich mit eins zu zehn ein“, so der Experte. Aus diesem Grund rät er eindringlich, im ersten Schritt einen konservativen Therapieansatz zu wählen. Dieser habe in allen Stadien der Hämorrhoiden einen oft unerwartet guten Effekt. Insbesondere prolabierende Hämorrhoiden können mit Hautirritationen, Brennen und Juckreiz einhergehen, wie auch andere Erkrankungen in der Analregion.

Mittel der Wahl in all diesen Fällen sind u.a. Zäpfchen und Salben: „Im Mittelpunkt steht das Ziel, die oft quälenden Symptome professionell zu lindern. Besonders gute Erfahrungen habe ich mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Kamillenblüten, Ringelblumen, Kornblumen und Rosskastaniensamen gemacht – sie wirken entzündungshemmend, antibakteriell und fördern die Durchblutung.“

Zum Spezialisten statt zur Selbstdiagnose
Die Beschwerden, die im Zusammenhang mit Hämorrhoiden auftreten, reichen von Blutungen über ein anales Druckgefühl bis zur „analen Missempfindung“. Darunter versteht man ein anhaltendes, ausgesprochen unangenehmes Jucken und Brennen in der Analregion. Verstärkt wird die Symptomatik unter Umständen auch durch handelsübliche Feuchttücher, die hautirritierende Substanzen enthalten. In jedem Fall rät Professor Wunderlich von der Selbstdiagnose ab, denn Beschwerden in der Analregion können viele Ursachen haben, die es abzuklären gilt.

Gut zu wissen: Hämorrhoiden an sich sind unproblematisch
Tatsächlich handelt es sich bei Hämorrhoiden lediglich um einen Schwellkörper am unteren Ende des Mastdarms, der bei jedem Menschen vorhanden ist. Dieser Gefäßpolster dient der Abdichtung des Afterkanals und besteht aus Venen und Arterien und ist daher besonders reich an Blutgefäßen. Probleme treten erst dann auf, wenn sich dieser Schwellkörper erweitert oder nach unten sinkt.

Ist dies der Fall, sind Beschwerden beim Stuhlgang, Missempfindungen in der Analregion und gelegentlich Schmerzen die Folge. Man spricht dann von einem Hämorrhoidalleiden. Die Ursachen, die zum Auftreten von Hämorrhoidalleiden führen sind bis heute nicht restlos geklärt. Wissenschaftlich erwiesen ist lediglich, dass speziell während Schwangerschaft und Geburt vermehrt vergrößerte Hämorrhoiden auftreten.

Antikörper bekämpft AIDs

(pte) – Virologen der Uniklinik Köln haben zusammen mit Kollegen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung einen neuen, hochwirksamen Antikörper namens 1-18 gegen HIV entdeckt. Er unterdrückt die Virusvermehrung anhaltend. Dadurch hat der Antikörper großes Potenzial, erfolgreich zur Prävention und Behandlung der HIV-Infektion eingesetzt zu werden, so die Forscher.

Große Wirkung nachgewiesen
Zurzeit stellen antiretrovirale Medikamente die Grundlage der Behandlung der HIV-Infektion dar. Sie hemmen effektiv die Vermehrung des HI-Virus, erfordern jedoch eine lebenslange und tägliche Einnahme, die mit Nebenwirkungen einhergehen kann. Aufgrund der hohen Wandelbarkeit von HIV ist zudem eine Kombination mehrerer Wirkstoffe nötig, um die Entwicklung von Medikamenten-Resistenzen und ein Therapieversagen zu verhindern.

Der neue Antikörper hat bei geringen Konzentrationen große Wirkung gezeigt und war gegen 97 Prozent der getesteten HIV-Varianten aktiv. „1-18 zählt somit zu den besten bislang beschriebenen Antikörpern, die HIV neutralisieren können“, so Philipp Schommers, Assistenzarzt an der Uniklinik Köln und einer der Erstautoren der Studie. Zusammen mit dem California Institute of Technology konnten die Kölner den Angriffsmechanismus des Antikörpers 1-18 detailliert darstellen. So bindet und inaktiviert dieser eine besonders relevante Oberflächenstruktur von HIV, auf die das Virus für die Infektion und Vermehrung angewiesen ist.

Forschen am Mausmodell lohnt
Die therapeutische Wirkung des neuen Antikörpers haben die Kölner Virologen unter Verwendung eines Mausmodells untersucht, das eine dem Menschen vergleichbare HIV-Infektion ermöglicht. Andere breit-neutralisierende Antikörper zeigten dabei nur kurzfristige Effekte auf die Viruslast im Blut, da eine rasche Resistenzentwicklung auftrat. Im Gegensatz hierzu führte die Behandlung mit 1-18 zur Reduktion der Virusmenge im Blut, die für die gesamte Therapiedauer anhielt. „Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Entwicklung von Resistenzen gegen den neuen Antikörper 1-18 im Vergleich zu anderen Antikörpern deutlich erschwert ist“, sagt Henning Grüll, Assistenzarzt am Institut für Virologie und Erstautor.

Lavendel ist die Arzneipflanze 2020 in Österreich – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Hier verweise ich auf mein Hobbythekbuch ‚Gesundheit mit Kräutern und Essenzen‘, in dem ich für alle Kräuter eine Monographie erstellt habe über Wirkungen und Nebenwirkungen. Leider ist es nur noch antiquarisch zu bekommen.

Außerdem auf das Buch von Kurt Schnaubelt: ‚Praxis der Neuen Aromatherapie‘, ebenfalls nur noch antiquarisch erhältlich.

Jean Pütz

(pts) – Die Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) – bestehend aus ExpertInnen der pharmazeutischen Institute der Universitäten Graz, Innsbruck und Wien – hat es sich zur Aufgabe gemacht, nach strengen Auswahlkriterien jährlich die Arzneipflanze des Jahres in Österreich zu küren. Die Wahl für 2020 fiel auf Lavendel. Wissenschaftliche Studien belegen u.a. die Wirksamkeit bei Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen sowie bei Infekten der Atemwege.

HMPPA: Interdisziplinäres Kompetenzzentrum für Arzneipflanzen
Die HMPPA ist ein einzigartiges Netzwerk, das seit seiner Gründung im Jahre 2006 mit höchster Kompetenz daran arbeitet, Naturstoffe und pflanzliche Arzneistoffe zu entwickeln. „Ziel ist es letztendlich, diese Erkenntnisse gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft zum Wohle der Patienten nach modernsten wissenschaftlichen Standards umzusetzen“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Hermann Stuppner, Präsident der HMPPA, Institut für Pharmazie/ Pharmakognosie, Universität Innsbruck.

Tätigkeitsfelder der HMPPA sind die Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung sowie deren Umsetzung in der pharmazeutischen Industrie sowie die Aus- und Weiterbildung im Bereich pflanzlicher Arzneimittel. Zudem bestehen Kooperationen mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen, Registrierungsbehörden, Organisationen und Partnern aus der Wirtschaft in Österreich und dem europäischen Umfeld.

Lavendel – Porträt der Arzneipflanze 2020
„Lavendel zählt zu den seit jeher wohl bekanntesten Aroma-, Duft und Zierpflanzen und besitzt eine jahrhundertealte Tradition als Arzneidroge und Duftstoff“, erklärt em. o. Univ.-Prof. Dr. Chlodwig Franz, Vizepräsident der HMPPA, Abt. Funktionelle Pflanzenstoffe, Vetmeduni Wien. Die Gattung Lavandula umfasst etwa 40 Arten und gehört in die Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceae oder Labiatae). Größere praktische Bedeutung besitzen heutzutage Echter Lavendel (L. angustifolia Mill.), Speiklavendel (L. latifolia Medik.) sowie Hybridlavendel oder Lavandin (L. x hybrida Rev.ex Briq).

Die Lavendelarten sind meist kleine, 0,4 bis 1,5 Meter hohe, ausdauernde Sträucher mit kreuz-gegenständigen, lanzettlichen, ganzrandigen oder gezähnten Blättern an vierkantigen Stängeln. Endständig wirtelig in Scheinähren sind hell- bis dunkelvioletten, selten weißen Blüten angeordnet.

Vorwiegend in den Öl-Drüsenköpfchen der Blütenblätter befindet sich das ätherische Lavendelöl in Konzentrationen von 0,5 bis 3,0 Prozent der Blütendroge. Dieses besteht bei Echtem Lavendel und Hybridlavendel aus den Hauptkomponenten Linalylacetat und Linalool. Speiklavendel-Öl enthält als Hauptkomponenten 1,8-Cineol und Campher. Andere Komponenten mit geringeren Anteilen sind u.a. Terpinen-4-ol, alpha-Terpineol, Limonen sowie Lavandulol.

Inhaltsstoffe und Wirkungen
„Die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe von Lavendelöl ist durch zahlreiche Studien belegt“, erläutert Univ.-Prof. Dr.Dr.h.c. Brigitte Kopp, Vizepräsidentin der HMPPA, Department für Pharmakognosie, Universität Wien. Reines ätherisches Öl aus Echtem Lavendel zeigt in-vitro eine breite antimikrobielle Wirkung gegen eine Vielzahl an Keimen. In Tierstudien wurden krampflösende, beruhigende, schmerzstillende und entzündungshemmende Effekte nachgewiesen. Lavendelöl kann die Blut-Hirn-Schranke passieren und im zentralen Nervensystem funktionelle Veränderungen hervorrufen, die der angstlösenden klinischen Wirkung entsprechen.

Speiköl wirkt expektorierend, sekretolytisch, antibakteriell, krampflösend und entzündungshemmend. Unterstützt wird die expektorierende Wirkung durch antimikrobielle Effekte gegen diverse Bakterien und Pilze. Durch Speiköl kommt es zu einer Besserung der mukoziliären Clearance bei akuten und chronischen Erkrankungen der Atemwege.

Positive Effekte gegen Angststörungen & Co.
Angststörungen stellen in Westeuropa mit Abstand die am weitesten verbreiteten psychiatrischen Erkrankungen dar. „In der Europäischen Union erkranken innerhalb eines Jahres etwa 14 Prozent daran, gefolgt von Schlaflosigkeit und Depressionen mit jeweils rund sieben Prozent“, so em. o. Univ.-Prof. Dr.h.c.mult. Dr.med. Siegfried Kasper, Emeritierter Vorstand der UKPP der Medizinischen Universität Wien, Zentrum für Hirnforschung. Unter Berücksichtigung sogenannter subsyndromaler Angststörungen, die einige, aber nicht alle Kriterien einer generalisierten Angststörung (GAS) erfüllen, übersteigt die Prävalenzrate pathologischer Angstsymptome vermutlich 20 Prozent.

Als medikamentöse Therapie von Angststörungen stehen Benzodiapezine, Antidepressiva (v.a. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRIs), Buspiron, Proranolol, Hydrozine und Pregabalin zur Auswahl. Sie können jedoch – je nach Substanz – mehr oder weniger gravierende Nebenwirkungen verursachen. Dies ist ein Mitgrund dafür, warum Angststörungen nach wie vor häufig nicht adäquat behandelt werden.

„Ein gut verträgliches, anxiolytisch wirksames Arzneimittel könnte hier Vorbehalte zerstreuen und so die Bedingungen für eine bessere Behandlungsakzeptanz und Compliance schaffen“, meint der Prof. Kasper im Hinblick auf die positiven Studiendaten für das orale Lavendelölpräparat Silexan. Dieses erwies sich bei Patienten mit subsyndromalen Angststörungen oder syndromaler GAS gegenüber Placebo überlegen und ebenso wirksam wie das Benzodiazepin Lorazepam in der Anfangsdosis oder der SSRI Paroxetin. Die Ergebnisse weisen auch auf eine günstige Beeinflussung von Begleitsymptomen wie Unruhezuständen, Depressionen, Schlafstörungen und somatischen Beschwerden hin. Weiters wurden positive Effekte auf Allgemeinbefinden und Lebensqualität beobachtet. Bei Tagesdosen von 80 und 160 Milligramm traten unter Silexan – abgesehen von leichten gastrointestinalen Symptomen wie Aufstoßen – keine spezifischen unerwünschten Wirkungen auf. „Es ergaben sich auch keine Hinweise auf Arzneimittelinteraktionen oder Absetzeffekte, sowie kein Suchtpotential und keine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit“, betont Prof. Kasper.

Wirksam und verträglich bei Atemwegsinfekten
„Positive Effekte zeigt ein in Österreich aus Speik-Lavendel hergestelltes Präparat auch bei Atemwegsinfekten, insbesondere bei viral bedingter Sinusitis oder Bronchitis“, berichtet Dr. Daniel Dejaco, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Medizinische Universität Innsbruck. In einer Studie aus dem Jahr 2017 wurde für Tavipec® bei akuter Bronchitis („unterer Atemwegsinfekt“) eine signifikante Verbesserung der Symptome verglichen mit Placebo beobachtet (Kähler. Spicae aetheroleum in uncomplicated acute bronchitis: a double-blind, randomised clinical trial. Wien Med Wochenschr. 2017).

Eine 2019 publizierte klinische Studie bei 288 Erwachsenen mit typischen Schnupfensymptomen (Sinusitis) legt nahe, dass Tavipec® im Vergleich zu Placebo zu einer signifikanten besseren Symptomreduktion und einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führt, sicher in der Anwendung und gut verträglich ist (Dejaco. Tavipec in acute rhinosinusitis: a multi-centre, doubleblind, randomized, placebo-controlled, clinical trial. Rhinology. 2019). „Basierend auf diesen Daten kann Tavipec® als ergänzende Therapie zu Nasenduschen, Grippemitteln und abschwellenden Nasentropfen bei akuter Sinusitis erwogen werden“, resümiert Dr. Dejaco.