Archiv der Kategorie: Erde, Klima, Umweltschutz

Erneuerbare Energien in Europa –

Ist ein einheitlicher Fördermechanismus notwendig und möglich?
 
 
 Berlin. Die Europäische Kommission hat am 6. Juni 2012 eine Mitteilung vorgelegt, in der sie Wege zur Erreichung des angestrebten Zubaus von Erneuerbare-Energien-Anlagen aufzeigt. Darin steckt sie ferner einen europäischen Rahmen ab, innerhalb dessen der Zubau erfolgen soll, um deren Anteil 2030 auf 20 Prozent zu steigern. Kurz nach der Veröffentlichung dieser Mitteilung diskutierte das Forum für Zukunftsenergien e.V. im Rahmen des European Energy Colloquium in Brüssel das Thema.
 
 
 Der ehrenamtliche Vorsitzende des European Energy Colloquium, Prof. Dr. Michael Köhler, Kabinettschef des EU-Kommissars Günther Oettinger, beschrieb die Bereiche, die als Hebel zur kosteneffizienten Zielerreichung identifiziert worden sind. Zum einen müsse der Elektrizitätsbinnenmarkt vollendet werden. Hier seien Investitionsanreize erforderlich, damit erneuerbare Energien problemlos in den Markt integriert werden könnten. Fördermaßnahmen seien so auszugestalten, dass die Kosten sänken und Überkompensationen vermieden würden. Darüber hinaus sollten solche Fördermaßnahmen in allen Mitgliedstaaten kohärent sein. Diese sollten ferner die in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie verankerten Mechanismen der Zusammenarbeit, mit denen erneuerbare Energieträger gehandelt werden können, intensiver nutzen. Da die EU-Kommission fürchte, das Wachstum der erneuerbaren Energien könne nach 2020 einbrechen, möch te sie Meilensteine bis 2030 setzen. Entweder könnten neue Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen festgelegt werden, ohne Ausbauziele für erneuerbare Energien zu definieren. Oder es könnten weiterhin jeweils drei nationale Ziele für erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Treibhausgase bestimmt werden. Als dritte Option komme die Festsetzung dieser drei Ziele nicht auf nationaler, sondern auf europäischer Ebene in Frage.

MinDirig Berthold Goeke, Leiter der Unterabteilung Erneuerbare Energien im Bundesumweltministerium, trug die Position seines Hauses zu dieser Mitteilung vor. Demnach begrüßt das BMU insbesondere den zweistufigen Ansatz, nachdem zunächst der bestehende Rechtsrahmen umgesetzt und verbessert und erst danach über einen neuen Rahmen nach 2020 nachgedacht werden solle. Ebenso wie die EU-Kommission sei auch das BMU der Meinung, dass die aktuelle Erneuerbaren-Richtlinie einen stabilen Rahmen für einen effektiven und effizienten Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa darstelle.

Zwar müsse man sich den Herausforderungen für die Zeit nach 2020 stellen. Dennoch habe das BMU Zweifel, ob ein neuer Legislativvorschlag für die nächsten Jahre jetzt zum richtigen Zeitpunkt komme. Vorzeitige Entscheidungen könnten zur Verunsicherung von Investoren und damit zur Infragestellung der Ziele für 2020 führen. Notwendig sei aus Sicht des BMU ein Erneuerbaren-Ziel für 2030, weil die 2050-Klimaziele nur dann erreicht werden könnten, wenn der EU-weite Anteil der erneuerbaren Energien entsprechend ansteige.

Goeke stellte klar, dass die Energiewende in Deutschland kein isoliertes Projekt bilde, sondern mit der europäischen Energiepolitik abzustimmen sei. Dennoch könne sich Deutschland nicht nur auf Stromimporte von für erneuerbare Energien besser geeigneten, europäischen Standorten verlassen, insbesondere nicht, wenn es gelte, zukünftig den Großteil der Energieversorgung allein über erneuerbare Energien erreichen zu wollen. Zu beachten sei außerdem, dass der Netzausbau machbar und bezahlbar bleibe. Deshalb sei ein diversifizierter Ausbau der erneuerbaren Energien an den besten Standorten, aber auch in der Nähe der Verbrauchszentren notwendig. Aus Sicht des BMU sollten mit Hilfe des künftigen Förderrahmens die erneuerbaren Energien überall in  Europa kontinuierlich ausgebaut und die Förderhöhen an die jeweiligen Standortbedingungen und Entwicklungen flexibel angepasst werden. Die Kosten seien d abei für das BMU der zentrale Punkt.

Abschließend präsentierte Goeke Anregungen für ein mögliches, einheitlich europäisches Fördersystem für erneuerbare Energien. Er schlug vor, darüber nachzudenken, stärker auf die Direktvermarktung des EE-Stroms zu setzen, eine automatische Kostendegression in Abhängigkeit der Neuinstallation sowie eine einheitliche Methodologie der Kostenberechnung einzuführen und  Genehmigungsfragen sowie Netzanschlussfragen anzugleichen.

Dr. Volkmar Pflug, Vice President Strategies, Market and Competitive Intelligence, Siemens AG, nahm aus der Sicht eines Unternehmens Stellung, das in mehreren Mitgliedsländen der Europäischen Union im Bereich der Erneuerbaren-Energien aktiv ist. Um die europäischen 20-20-20-Ziele zu erreichen, sei ein weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien unumgänglich, was in den meisten Mitgliedstaaten auch geschehe, durch die Kreditkrise jedoch gefährdet sei. Die zusätzlich notwendigen CO2-Reduktionen im Bereich der konventionellen Stromerzeugung, z.B. durch den Einsatz von Gas- statt Kohlekraftwerken oder der CCS-Techniken, kämen nicht genügend schnell voran. Ähnlich sehe es mit dem notwendigen Ausbau des Übertragungs- und Verteilungsnetzes aus. Die weitere erforderliche Säule, die Energiespeicherung, sei bisher zu kostenintensiv.

Für eine einheitliche europäische Energiepolitik identifiziert Pflug beträchtliche Hemmnisse, da die Regulierungslevels in den Mitgliedstaaten unterschiedlich hoch seien und der Energiemix in den jeweiligen Staaten nicht von der EU vorgegeben werden könne. Dennoch sieht er das dringende Bedürfnis für einen europäischen Rahmenplan, der das weitere Wachstum der erneuerbaren Energien unterstütze. Dazu gehören seiner Meinung nach vor allem das  Emissionshandelssystem und europaweite Regelungen zur Netzintegration von erneuerbaren Energien. Pflug bevorzugt außerdem harmonisierte Mechanismen zur Marktintegration, die den Wettbewerb zwischen erneuerbaren und fossilen Energieträgern ermöglichen, anstelle einheitlicher Fördersysteme.

Die Statements von Goeke und Pflug setzten die Impulse für die Podiumsdiskussion mit den Abgeordneten des Europäischen Parlaments Dr. Markus Pieper (EVP) und Holger Krahmer (ALDE) unter der Moderation der Geschäftsführerin des Forum für Zukunftsenergien e.V., Dr. Annette Nietfeld. Dabei wurde deutlich, dass nach Auffassung vieler Akteure in der Energiepolitik eine einheitliche Förderung der erneuerbaren Energien zwar notwendig, aber nicht realisierbar erscheint.

Die Präsentation von Dr. Pflug steht auf der Homepage des Forum für Zukunftsenergien e.V. zum Download bereit. Das Forum für Zukunftsenergien e.V. bedankt sich bei der Landesvertretung Rheinland-Pfalz für die Gastfreundschaft und bei der E.ON AG sowie der Siemens AG für die Unterstützung.

Das nächste European Energy Colloquium findet am 18.09.2012 in Brüssel statt.
 
 
 

Über das Forum für Zukunftsenergien e.V.

Das Forum für Zukunftsenergien ist die einzige branchenneutrale und parteipolitisch unabhängige Institution der Energiewirtschaft im vorparlamentarischen Raum in Deutschland. Der eingetragene Verein setzt sich für erneuerbare und nicht-erneuerbare Energien sowie rationelle und sparsame Energieverwendung ein. Ziel ist die Förderung einer sicheren, preisgünstigen, ressourcen- und umweltschonenden Energieversorgung. Dem Verband gehören ca. 250 Mitglieder aus der Industrie, der Energiewirtschaft, Verbänden, Forschungs- und Dienstleistungseinrichtungen sowie Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung an.

Methan, 20mal klimaschädlicher als CO2 geht mit Meeresströmung auf Wanderschaft

Klimamodelle sollten auch das Wechselspiel zwischen Methan, Nordpolarmeer und Eis berücksichtigen

Mikroorganismen produzieren im Grund der flachen Meeresregionen nördlich
von Sibirien aus Pflanzenresten Methan. Gelangt dieses Treibhausgas ins
Wasser, kann es im Meereis eingeschlossen werden, das sich auf diesen
Küstengewässern bildet. Damit kann Methan über Tausende von Kilometern
durch das Nordpolarmeer transportiert und Monate später in völlig
anderen Regionen wieder freigesetzt werden. Darüber berichten
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts in der aktuellen Ausgabe
des Online-Journals Scientific Reports. Auch wenn der Klimawandel dieses
Wechselspiel zwischen Methan, Meer und Eis stark beeinflusst, ist es in
den Modellen der Klimaforscher bisher noch nicht berücksichtigt.

Nur ein paar hundert Kilometer entfernt vom Nordpol bahnt sich der
Eisbrecher Polarstern vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für
Polar- und Meeresforschung (AWI) im August 2011 seinen Weg durch das
eisbedeckte Nordpolarmeer. Im Wasser dort im hohen Norden untersucht die
AWI-Geochemikerin Dr. Ellen Damm das Treibhausgas Methan. Bei einer
Expedition ins gleiche Gebiet findet die Forscherin vier Jahre später
erheblich weniger Methan in den Wasserproben, und kann so die Messungen
vom gleichen Ort zu verschiedenen Zeiten vergleichen.

Diese Proben hat Ellen Damm gemeinsam mit Dr. Dorothea Bauch vom GEOMAR
Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und weiteren Kollegen
analysiert. Ziel war es, die Methanmengen regional zu erfassen und ihre
Herkunft zu bestimmen. Indem sie Sauerstoff-Isotopen im Meereis messen,
können die Wissenschaftlerinnen rückschließen, wann und wo das Eis
entstanden ist. Dafür hatten sie an Orten der Wasserproben zusätzlich
auch Meereisproben genommen. Ihr Ergebnis: Das Eis transportiert das
Methan offensichtlich quer durch das Nordpolarmeer. Und das anscheinend
von Jahr zu Jahr anders, berichten die beiden Forscherinnen gemeinsam
mit Kollegen vom AWI, vom Finnischen Meteorologischen Institut in
Helsinki und von der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau in
der Online-Zeitschrift Scientific Reports.

So stammten die Proben aus dem Jahr 2011 aus Meereis, das knapp zwei
Jahre vorher, im Oktober 2009, in den Küstengewässern der Laptewsee weit
im Osten Sibiriens seine lange Reise nach Norden begonnen hatte. Die
deutlich geringeren Mengen an Treibhausgas der Proben aus dem Jahr 2015
waren gerade einmal halb so lang im Arktischen Ozean unterwegs. Dieses
Eis hatte sich viel weiter draußen in tieferem Wasser auf dem Meer
gebildet, wie die Analysen zeigten. In den Modellen der Klimaforscher
aber spielt dieses Wechselspiel von Methan, dem Nordpolarmeer und dem
dort schwimmenden Eis bisher keine Rolle.

Jedes Molekül Methan in der Luft treibt die Temperaturen 25-mal stärker
in die Höhe als Kohlendioxid, das bei der Nutzung von Kohle, Erdöl und
Erdgas in die Atmosphäre gelangt. Auch in der Arktis trägt daher Methan
erheblich zur starken Erwärmung hoher nördlicher Breiten bei und
verstärkt die globale Klimaerwärmung weiter. Es gibt also gute Gründe,
sich den Methankreislauf im hohen Norden genauer anzuschauen.

Methan entsteht bei der Rinderzucht oder dem Anbau von Reis, aber auch
in vielen anderen natürlichen Prozessen. So sammeln sich im Boden der
flachen Laptewsee nördlich von Sibirien wie auch in anderen flachen
Gewässern vor den arktischen Küsten Reste von Algen und anderem
Pflanzenmaterial. Fehlt dort Sauerstoff, verdauen Mikroorganismen diese
Biomasse und produzieren dabei Methan. Bisher berücksichtigen die
Modellrechnungen noch zu wenig die Wege von Kohlenstoff und die
Methanfreisetzung aus arktischen Regionen.

Wenn im Herbst die Temperaturen in der Luft sinken, kühlt auch das an
vielen Stellen offene Wasser ab. „An der Oberfläche der russischen
Schelfmeere bildet sich jetzt Meereis, das von starken Winden Richtung
Norden getrieben wird“, erklärt AWI-Meereisphysiker Dr. Thomas Krumpen,
der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat. Durch Eisbildung und
ablandige Winde entsteht dann auf den flachen Randmeeren eine kräftige
Strömung, die die Sedimente aufwirbelt und das dort gebildete Methan in
die Wassersäule trägt. Das Methan aber kann im Eis eingeschlossen
werden, das sich auf einer solchen Polynja genannten offenen
Wasserfläche im Winter rasch wieder bildet.

„An diesem Eis friert weiteres Wasser fest und kann dabei die enthaltene
Salz-Lake ausstoßen, die große Mengen des im Eis eingeschlossen Methans
mitreißen kann“, erklärt AWI-Forscherin Ellen Damm. Dadurch bildet sich
unter dem Wasser eine Schicht, die nicht nur sehr viel Salz, sondern
auch größere Mengen Methan enthält. Das Eis auf dem Meer und das dichte
Salzwasser darunter aber wird mitsamt dem darin enthaltenen Treibhausgas
vom Wind und den Strömungen weiter getragen. „Es dauert ungefähr
zweieinhalb Jahre, bis das Eis, das sich an den Küsten der Laptewsee
gebildet hat, quer über das Nordpolarmeer und am Nordpol vorbei bis in
die Framstraße zwischen der Ostküste Grönlands und Spitzbergen getrieben
wird“, erklärt Thomas Krumpen. Das im Eis und im Salzwasser darunter
enthaltene Methan macht diese Wanderung natürlich mit.

Die steigenden Temperaturen im Klimawandel schmelzen dieses Eis
zunehmend. Sowohl die vom Meereis bedeckte Fläche wie auch die Dicke des
Eises nehmen daher in den letzten Jahren weiter ab. Dünneres Eis aber
wird vom Wind schneller weiter geschoben. „Tatsächlich beobachten wir,
dass in den vergangenen Jahren das Eis immer schneller über das
Nordpolarmeer getragen wird“, erklärt Thomas Krumpen. Dadurch ändert
sich natürlich auch der Methan-Umsatz in der Arktis kräftig. Quellen,
Senken und Transportwege von Methan in der Arktis zu quantifizieren,
bleibt eine große Herausforderung für die Wissenschaft.

Kleine Klimaretter entdeckt

Kleine Klimaretter entdeckt
www.bine.info/hauptnavigation/publikationen/news/news/kleine-klimaretter-entdeckt/

Spezielle Mikroorganismen können das Kohlendioxid (CO2) in Rauchgasen aus Braunkohlenkraftwerken direkt als "Futter" verwerten und selbst bei einer Temperatur von 60 Grad Celsius wachsen. Das ist das Zwischenergebnis der Forschungskooperation zwischen einem Stromproduzenten und einem Biotechnologieunternehmen im Kraftwerk Niederaußem nahe Köln.
Vor zwei Jahren haben RWE Power und die BRAIN AG eine Zusammenarbeit begonnen, um Kohlendioxid mit Mikroorganismen umzuwandeln – in Biomasse oder direkt zu Wertstoffen. Dabei sollen Mikroorganismen gezüchtet und mit ihnen neue Wege erforscht werden, CO2 zu verwerten. So könnten neben Biomasse auch industriell nutzbare Produkte wie Kunststoffe und chemische Zwischenprodukte entstehen. Für diese werden Anwendungsmöglichkeiten untersucht – zum Beispiel als Bau- und Dämmstoff sowie zur Herstellung von Fein- und Spezialchemikalien oder möglicherweise auch Massenchemikalien.

Das Unternehmen BRAIN zählt sich zur Weißen Biotechnologie, die die Bundesregierung seit 2010 mit 2,4 Milliarden Euro als „Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ fördert. Die 99 Forscher von BRAIN haben sowohl im eigenen Archiv als auch bei Probennahmen direkt im Rauchgas-Kanal des Kraftwerks in Niederaußem nach Mikroorganismen gesucht, die unter den Bedingungen im Rauchgas unter Verwendung des CO2 wachsen können. Insgesamt wurden mehr als 3.000 Mikroorganismen darauf überprüft. Ein Drittel davon erfüllte das Anforderungsprofil. Im nächsten Schritt sind die produktivsten Verwerter des Treibhausgases identifiziert und charakterisiert worden. 29 Kandidaten, die besonders gute Wachstumseigenschaften aufzeigten, haben die Forscher inzwischen ausgewählt – davon waren zehn bisher noch nicht bekannt beziehungsweise beschrieben. Das hat die genetische Charakterisierung der Mikroorganismen ergeben.

Noch mehr als zehn Jahre forschen

„Unsere Pionierarbeit bei der Suche nach biotechnologischen Lösungen der CO2-Umwandlung trägt erste Früchte“, sagt Dr. Johannes Heithoff, Leiter Forschung und Entwicklung bei RWE Power. „Wir sind von den Resultaten, die das Forscherteam von BRAIN zusammen mit unseren  Kraftwerksexperten erarbeitet hat, so überzeugt, dass wir das Programm weiter ausbauen wollen.“ Bisher sind mehr als zwei Millionen Euro in das Forschungsvorhaben geflossen. Dazu ergänzt BRAIN-Forschungsvorstand Dr. Jürgen Eck: „Unser Ziel ist es, einen nachhaltigen Beitrag zur CO2-Nutzung in einem industriell skalierbaren System zu liefern. Dabei nutzen wir die vielfältigen Möglichkeiten, die die mikrobiellen Stoffwechselwege und die Synthetische Biologie bieten, um durch leistungsstarke Designer-Mikroorganismen eine möglichst effiziente CO2-Konversion zu erzielen“. Zwischen 10 und 15 Prozent des CO2 könnten zukünftig von Mikroorganismen gebunden werden, schätzt RWE gegenüber der Rheinischen Post. Allerdings stehe man noch in einem frühen Stadium der Forschung und rechne erst 2025 mit einer kommerziellen Nutzung.

RWE Power beabsichtigt, noch weitere kohlenstoffreiche Abfallströme mit in das Projekt einzubeziehen, wie sie zum Beispiel in Abwässern, bei der Produktion von Lebensmitteln oder in Raffinerien entstehen. Das Unternehmen will hierzu eine Innovationsallianz formieren, in der sich insgesamt 21 Industrieunternehmen, kleine, mittelständische Unternehmen sowie akademische Forschungseinrichtungen zusammenschließen, um im intensiven Austausch Projekte zur Nutzung dieser Abfallströme voranzutreiben. Im Innovationszentrum Kohle am Kraftwerksstandort Niederaußem betreibt RWE Power Deutschlands erste CO2-Wäsche und eine Prototypanlage zur Vortrocknung von Braunkohle (WTA). Außerdem erforscht ein REAplus-Hochleistungswäscher, wie Staub und Schwefeldioxid besser aus dem Rauchgas abgetrennt werden können. Alle Projekte, für die das Unternehmen mehr als 100 Millionen Euro aufbringt, arbeiten im Verbund mit dem zurzeit modernsten und effizientesten Braunkohlenkraftwerk der Welt (BoA 1).
Der Artikel "Vom Abgas zum Rohstoff" beschreibt weitere aktuelle Projekte zum Verwerten von CO2 (CCU).

Nachfolgeschiff des Forschungseisbrechers Polarstern

Meilenstein auf
dem
Weg zum Neubau eines Nachfolgeschiffes des Forschungseisbrechers
Polarstern: Reederei F. Laeisz als Partner

Bremerhaven, den 22.
Juli 2014. Die Reederei F. Laeisz G.m.b.H. erhielt in diesem Frühjahr
den Zuschlag für die Beratungsleistung zum Entwurf und Bau eines
zukünftigen deutschen Forschungseisbrechers. Am heutigen Dienstag, dem
22. Juli 2014, unterzeichneten Vertreter der Reederei und des
Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven zusätzlich einen Vertrag für
die
Bereederung des Schiffes.

Ein neues eisbrechendes Forschungs-
und Versorgungsschiff ist nach dem Bau des Tiefseeforschungsschiffes
Sonne das zweite prioritäre Neubauprojekt der Forschungsflotte unter
Leitung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Der
derzeitige Forschungseisbrecher Polarstern ist bereits seit Dezember
1982 im Dienst. In über 31 Jahren hat die Polarstern Menschen und
Material in den Arktischen und den Antarktischen Ozean gebracht und
dabei mehr als 1,5 Millionen Seemeilen zurückgelegt. Das entspricht
einer Strecke von über 2,7 Millionen Kilometern und somit mehr als 67
Umrundungen der Erde auf Höhe des Äquators.

Dank guter Wartung
und Pflege ist die Polarstern noch heute eines der leistungsstärksten
Polarforschungsschiffe der Welt und verbringt durchschnittlich 320 Tage
pro Jahr auf See. Seit über 18 Jahren ist die Reederei F. Laeisz
G.m.b.H. buchstäblich mit an Bord: Am 1. Januar 1996 übernahm sie die
Bereederung der Polarstern. „Wir freuen uns sehr, dass wir unser
erfolgreiches Engagement in der Forschungsschifffahrt fortsetzen
können“, sagt Roland Pallutz, kaufmännischer Geschäftsführer der
Reederei. Er und Nikolaus Schües (geschäftsführender Gesellschafter der
Reederei F. Laeisz) unterzeichneten heute gemeinsam mit Prof. Karin
Lochte (Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts) den Vertrag für die
Bereederung des Nachfolgeschiffes der Polarstern sowie der deutschen
Neumayer-Station III in der Antarktis für den Zeitraum 2019 bis 2025.

Doch auch schon bevor der Polarstern-Nachfolger in Dienst
gestellt wird, kommt der Reederei F. Laeisz eine besondere Rolle zu: Im
Rahmen eines europaweiten öffentlichen Ausschreibungsverfahrens durch
das BMBF wurde der Reederei Laeisz der Zuschlag für die
Beratungsleistung zum schiffbaulichen Entwurf erteilt. Die Erfahrung
der
Reederei im Betrieb von Eisbrechern war dabei aus Sicht des
Ministeriums
ein zentraler Faktor für den Zuschlag. Wie die derzeitige Polarstern
wird auch der Nachfolgebau als bundeseigenes Schiff konzipiert und
allein mit Mitteln des BMBF gebaut.

Der Betrieb des zukünftigen
Eisbrechers wird, wie bei der Polarstern, durch das
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und
Meeresforschung (AWI), erfolgen. Das AWI koordiniert die Polarforschung
in Deutschland und hat den Vorsitz im wissenschaftlich-technischen
Fachausschuss des Neubauprojektes. „In diesem Ausschuss bündeln wir die
Anforderungen der Wissenschaft an die Ausstattung des neuen Schiffes.
So
soll es ein leistungsfähiges, umweltschonendes Instrument für die
zukünftige Polarforschung werden“, sagt AWI-Direktorin Prof. Karin
Lochte. Die Planung des neuen Schiffes schreitet voran, und nach
gegenwärtigem Zeitplan soll es im Jahr 2019 an die Wissenschaft
übergeben werden. Nächster Meilenstein wird im Dezember des Jahres 2014
die Bekanntmachung der Ausschreibung des Teilnahmewettbewerbs für die
Bauwerft sein; der Wettbewerb selber soll Anfang 2015 beginnen.

Wissenschaftsjahr – Meere und Ozeane

Das
Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane bietet im Juli wieder viele
Mitmach-Aktionen für Jung und Alt. An der deutschen Nord- und
Ostseeküste können Kinder von 6 bis 12 Jahren mit einem
„Mobilen Küstenlabor" die Artenvielfalt der heimischen Strände entdecken. Ausgerüstet mit Becherlupe, Kescher und Forschungsanleitung, nehmen junge Entdeckerinnen und Entdecker den Lebensraum von Krebsen,
Muscheln und Algen genauer unter die Lupe. Die Forschersets erhalten sie
kostenfrei bei einem der vielen Partner des Wissenschaftsjahres
2016*17. Von Ende Juli bis Anfang August haben Mädchen und Jungen
darüber hinaus die Gelegenheit, an einem der Stopps der SommerTour des
„Mobilen Küstenlabors" an Ost- und Nordsee dabei zu sein. Vom 25. bis
zum 28. Juli macht sie Station in Zingst, Kühlungsborn, am Timmendorfer
Strand und in Laboe. In Kurzexpeditionen lernen die Kinder unter
fachkundiger Begleitung, welche vielfältige Flora und Fauna es vor Ort
zu entdecken gibt – natürlich unter Einsatz der mobilen Küstenlabore. In
der ersten Augustwoche wird die SommerTour entlang der Nordsee
unterwegs sein und in Schillig, Dangast, Cuxhaven und St. Peter Ording
Halt machen.

Das erste Drittel der Strecke haben die Teilnehmenden der Elbschwimmstaffel bereits geschafft, den größeren Teil der insgesamt 575 Kilometer haben
sie noch vor sich. Am 12. Juli wird die bisher größte
Freiwasser-Schwimmstaffel Deutschlands ihr Ziel in Geesthacht erreichen.
Während 250 Schwimmerinnen und Schwimmer die Elbe hinab schwimmen,
forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entlang der Strecke
und laden dazu ein, sich bei der Arbeit über die Schulter schauen zu
lassen. Besonders bei den Etappenzielen
Magdeburg am 4. Juli und Wittenberge am 9. Juli sowie zum Finale in Geesthacht können Besucherinnen und Besucher viel erleben. Neben einem
vielfältigen Bühnenprogramm mit Spielen und Musik können sie mehr über
die Forschungsprojekte erfahren, zum Beispiel bei einer Besichtigung des
wissenschaftlichen Begleitboots
.

Einen
Tag nach dem Abschluss der Elbschwimmstaffel in Geesthacht gibt es im
benachbarten Hamburg ein weiteres Highlight. Am 13. Juli erlebt der Film
„Die Wirbeljagd" seine feierliche Premiere im Großplanetarium. Im Juni 2016 machte sich
unter der Leitung des Helmholtz-Zentrums für Material- und
Küstenforschung Geesthacht ein internationales Forscherteam mit einem
Zeppelin auf die
Expedition Uhrwerk Ozean,
um bislang unbekannte Meereswirbel in der Ostsee aufzuspüren. Dabei
wurden die Wissenschaftler von einem Kamerateam begleitet. Durch die
innovative 360°-Aufnahmetechnik können nun auch die Zuschauerinnen und
Zuschauer die Suche und Erforschung der Meereswirbel aus der Perspektive
der Expeditionsteilnehmer erleben. Ab August wird der Film regelmäßig
in Hamburg und danach in weiteren deutschen Planetarien zu sehen sein.

Eine Übersicht aller Veranstaltungen im Juli gibt es unter www.wissenschaftsjahr.de/2016-17/veranstaltungen.

Dialoge zwischen Meeresgrund und Wassersäule

Mit
der neuen Ausstellung des Fotografs und Filmschaffenden Armin Linke
können Besucherinnen und Besucher in die faszinierende Welt des offenen
Meeres abtauchen. Präsentiert in Form von Videoinstallationen, gibt
„Ozeane" einen Blick hinter die Kulissen von maßgeblichen Praktiken und
Verhandlungen zum Abbau mariner mineralischer Rohstoffe, zeigt die
unbekannte Welt der Tiefsee und macht komplexe wissenschaftliche
Arbeitsmethoden visuell verständlich. Die Ausstellung wird am 5. Juli im
Edith-Russ-Haus Oldenburg feierlich eröffnet und kann bis zum 24.
September besichtigt werden.

Die Stadt und das Meer

Das
NaturVision Festival, Deutschlands größtes Filmfestival zu Natur,
Umwelt und Nachhaltigkeit in Ludwigsburg, hat 2017 das Sonderthema
„Die Stadt und das Meer":
Das Meer ist für Städter ein scheinbar weit entfernter Sehnsuchtsort,
doch es wird immer offensichtlicher, wie unser alltägliches Verhalten
die Weltmeere beeinflusst und in Mitleidenschaft zieht. Vom 13. bis zum
17. Juli rücken das
Sonderfilm– und Kinderrahmenprogramm im Wissenschaftsjahr 2016*17 die Verletzlichkeit und Gefährdung des
komplexen Lebensraumes Ozean in den Mittelpunkt und machen zum anderen
auf seine Artenvielfalt und faszinierende Schönheit aufmerksam
.

Endstation Wissenschaft

Die ScienceStation ist 2017 wieder in deutschen Bahnhöfen unterwegs und gastiert ab dem 17. Juli in Lübeck.
Die Ausstellung steht ganz im Zeichen des Wissenschaftsjahres 2016*17 –
Meere und Ozeane. Zwischen ICE und Regionalbahn laden Mitmachexponate
im Hauptbahnhof zum Verweilen und Staunen ein. Interessierte können dort
bis zum 23. Juli bespielweise hören, wie das Wattenmeer klingt, einen
virtuellen Tauchgang in ein tropisches Korallenriff unternehmen und die
Geheimisse der Tiefsee entdecken.

Auf www.wissenschaftsjahr.de und in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und YouTube unter
#MeereundOzeane lädt das Wissenschaftsjahr 2016*17 zum Mitdiskutieren
ein.

Stroh als zukunftsreicher Treibstoff

Bis 2020 sieht die EU-Biokraftstoffrichtlinie einen Biosprit-Anteil von zehn Prozent vor. Bisher wurde Bioethanol in erster Linie aus Getreide, Mais oder Zuckerrohr bzw. Zuckerrüben hergestellt. Kritiker haben bei der Biosprit-Herstellung die Konkurrenz mit Nahrungsmitteln als ethisch bedenklich eingestuft. Seit einiger Zeit arbeiten Forscher allerdings daran, aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten wie etwa Schnittholz und Stroh Biosprit herzustellen. Forscher der FH OÖ Campus Wels http://www.fh-wels.at/ sind intensiv damit beschäftigt, Stroh als Grundlage für den begehrten Treibstoff zu verarbeiten.

"Schon vor einigen Jahren hat es bei der Voest-Alpine-Industrieanlagenbau Studien zur Machbarkeit der Bioethanol-Herstellung aus Stroh gegeben", erklärt Alexander Jäger, Fachbereichsleiter Bio- und Umwelttechnik an der FH OÖ Campus Wels im pressetext-Interview. Dafür habe er sich bereits seit der Jugend interessiert, meint Jäger. Viele der damaligen Versuche seien aber in Vergessenheit geraten. "Wir betreiben zunächst so etwas wie Wissenschaftsarchäologie", betont Jäger. Es sei gelungen die Versuche nachzustellen und dabei bereits neue Erkenntnisse zu gewinnen. "Bei dem Verfahren geht es im Prinzip darum, Zellulose aus Holz oder Stroh mit Hilfe von Enzymen in Zuckerbausteine aufzuspalten, die dann wie bei der normalen Bioethanol-Produktion zu Alkohol vergoren werden können", so Jäger. Konkret gehe es um die verbesserte Ausbeute des Strohs und dadurch auch um eine Kostensenkung, erklärt der Forscher.

Neue Enzyme haben die Forscher, die im Verbund mit der JKU Linz, der TU-Wien, der Universität Graz, dem Technologiezentrum Ennstal sowie der Lenzing AG und der Südchemie als Industriepartner arbeiten, bereits gefunden. "Neu ist auch, dass der Schritt der Verzuckerung und Vergärung, der früher nacheinander durchgeführt werden musste, nun parallel gemacht werden kann", so Jäger. Im Prinzip gehe es um die Optimierung der Verwertung jener Stoffe, die anfallen. Vom Anbau anderer Energie-Pflanzen wie etwa Eukalyptus hält Jäger nichts. "Wir wollen das nutzen, was da ist."

Auch die Menge an Zuckerrüben sei in Österreich nicht groß genug, um den Bedarf zu decken. "Das reicht bei weitem nicht aus", so Jäger. Die Menge an Biotreibstoffen, die man mit Stroh herstellen könne, mache zwischen fünf und zehn Prozent des gesamten Energiebedarfs aus. "Sie liegt irgendwo zwischen 60 und 100 Petajoule", schätzt Jäger. Vorstellbar wäre indessen eine zweite Fruchtfolge auf den Feldern. "Das hat es ja früher auch gegeben", meint der Forscher. "Bevor dieser Prozess industriellen Einsatz findet, besteht aber noch großer Forschungsbedarf, denn derzeit steht der Erzeugungsaufwand noch in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zur Alkoholausbeute", erklärt Jäger abschließend im pressetext-Interview.

Der FH OÖ Campus Wels hat mehrere Forschungsaufträge erhalten, um aus Stroh das begehrte Bioethanol herzustellen. Aus den Forschungsprogrammen "Fabrik der Zukunft", "Energiesysteme der Zukunft" sowie "FH Plus" und "Coin" wurden den Welser Wissenschaftlern und ihren Forschungspartnern mehr als zwei Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Ab Januar 2009 wird unter der Leitung von Jäger und Heike Kahr ein Team von fünf Wissenschaftlern am Welser FH-Campus am Projekt Strohbioraffinerie arbeiten.

 

Tunfisch auch im Pazifik bedroht

Umweltgruppen mahnen zu Fangquoten bei Tun

Noumea/Neukaledonien (pte/17.08.2005/12:25) – Nicht nur die Gewässer
rund um Europa und Nordamerika werden konsequent leergefischt. Nun sind
auch die nahezu unendlichen Weiten des Pazifischen Ozeans davon
betroffen: Umweltgruppen wie Greenpeace http://www.greenpeace.org
fordern daher Fangquoten für die wichtigsten Nahrungsmittel der lokalen
Bevölkerung, den Tunfisch, berichtet das Pacific Magazine
http://www.pacificmagazine.net . Betroffen vom Rückgang sind die
Regionen West- und Zentralpazifik.

Anders als in Europa sind Fische für die Bewohner der Region
lebensnotwendig. Sie sind seit Jahrtausenden eine Nahrungsquelle für
Polynesier, Mikronesier und Melanesier. Die beiden Arten, Großaugen-
und Yellowfin-Tuna, zählen nicht nur zu den wertvollsten Speisefischen,
sondern auch zu den bevorzugtesten. Nach Angaben von Lagi Toribau von
Greenpeace sind starke Rückgänge bei beiden Arten verzeichnet worden.
Wissenschaftler haben den Rückgang durch Überfischung bestätigt. Die
Umweltgruppe Greenpeace hat Beobachterstatus bei der Western and
Central Pacific Fisheries Commission, die Aktivitäten der Fischerei in
der Region reguliert. Beim ersten Treffen des Scientist Committee
wurden Schritte einer einheitlichen Fischereipolitik für die Region
bestätigt. Bis Dezember sollen genaue Fangquoten ausgearbeitet werden.
In den Richtlinien soll neben der Fangquote auch die Fangmethoden
festgelegt werden.

In den vergangenen Jahren hatte die Wirtschaft zahlreicher kleiner
Inselnationen unter den Zusammenbruch der Tunfischindustrie gelitten.
Tunfische gehören weltwirtschaftlich zu den wichtigsten Nutzfischen.
Wegen ihres hervorragend schmeckenden Fleisches sind sie sehr begehrt.
Allein in Japan werden jährlich ewa 65.000 Tonnen Tunfisch gefangen, in
den USA etwa 18.000 Tonnen. Dass fast alle kommerziell genutzten
Tunfische zu stark befischt werden und dadurch bedroht sind, wird
offensichtlich, wenn man die Preisentwicklung einer kleinen
Konservendose vergleicht. Im Jahr 1988 kostete diese etwa 0,35 Euro,
2005 nahezu das Dreifache.

Export Erneuerbarer Energien boomt

Berlin. Die deutsche Erneuerbare-Energien-Branche erlebt derzeit einen
immer stärker werdenden Exportboom. Seit dem Jahr 2000 ist das
Exportvolumen der Branche von einer halben Milliarde Euro auf heute
sechs Milliarden Euro angewachsen. Die Branche erwartet für das Jahr
2010 erneut mehr als eine Verdopplung auf dann 15 Milliarden Euro.

Weltweit wachsen die Investitionen in Wind- und Wasserkraft, Solar- und
Bioenergie sowie Erdwärme rasant an. Wichtige Wachstumsmärkte sind
neben China und Indien insbesondere die USA. In nur sieben Jahren hat
sich das Volumen des Weltmarkts für Erneuerbare Energien von 30 auf
jetzt 60 Milliarden verdoppelt. Im Jahr 2020 wird dieser Markt auf mehr
als 400 Milliarden Euro angewachsen sein.

Die deutsche Branche profitiert in besonderem Maße vom weltweiten Trend
zu den klimafreundlichen Erneuerbaren Energien. Hintergrund ist die
Technologieführerschaft in fast allen Teilbereichen der Branche.
Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie:
"Jetzt zahlt sich aus, dass in Deutschland schon früh stabile
Rahmenbedingungen für den Ausbau Erneuerbarer Energien geschaffen
wurden." Das Erneuerbare-Energien-Gesetz und sein Vorläufer haben einen
breiten und stabilen Heimatmarkt für Anlagen zur Stromerzeugung aus
Erneuerbaren Energien ermöglicht. "Im Wärmemarkt fehlt ein solches
Instrument noch. Das regenerative Wärmegesetz kann hier riesige
Potenziale freisetzen", appelliert Lackmann an die Bundesregierung hier
schnell tätig zu werden.

Vor dem Hintergrund des weltweiten Trends zu Erneuerbaren Energien hat
sich die Deutsche Messe AG entschieden, eine Kooperation mit dem
Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und dem Bundesverband
WindEnergie (BWE) einzugehen. Auf der weltweit größten Industriemesse,
der HANNOVER MESSE, wird der Themenpark RENEWABLES den hohen
Stellenwert der Erneuerbaren Energien in den Fokus der Leitmesse ENERGY
rücken. Bei der Veranstaltung in diesem Jahr wird dabei die Windenergie
im Mittelpunkt stehen. Der Weltmarkt in diesem Segment der Erneuerbaren
Energien wird in diesem Jahr ein Volumen von 19 Milliarden Euro
erreichen. Die deutsche Windanlagenindustrie nimmt hiervon mit 6,3
Milliarden Euro fast ein Drittel ein. Bei stabiler Entwicklung des
Heimatmarktes gewinnt der Export auch hier einen immer größeren
Stellenwert. Für das Jahr 2007 wird das Exportgeschäft schon auf 5
Milliarden Euro geschätzt.

Noch schneller sind in den letzten Jahren die Sparten Photovoltaik und
Biodiesel gewachsen. Seit 2001 sind hier Wachstumsraten von 41 und 40
Prozent realisiert worden. Johannes Lackmann: "Damit die deutsche
Branche weiter weltweit an der Spitze bleibt, müssen wir in Deutschland
und Europa verlässliche Rahmenbedingungen für den weiteren
entschlossenen Ausbau Erneuerbarer Energien in den Bereichen Strom,
Wärme und Kraftstoffe garantieren."

Zu den Exportdaten hat die Informationskampagne "deutschland hat
unendlich viel energie" Pressegrafiken erstellt. Diese stehen unter
www.unendlich-viel-energie.de zum Download bereit. Ein pdf-Dokument zur
Ansicht zweier Grafiken hängt dieser Mail an.

Pressekontakt für Rückfragen:

Milan Nitzschke, Geschäftsführer BEE

Tel.: 0174-2429918

milan.nitzschke@bee-ev.de

Alge repariert sich mit Superkleber selbst

Jena (pte/24.03.2005/12:00) – Das Geheimnis des Erfolges der Alge
Caulerpa taxifolia liegt darin, dass sie sich, wenn sie verletzt oder
zerrissen wird, mithilfe eines selbsthergestellten Superklebers wieder
heilt. Wissenschaftler des Max Planck Instituts für Chemische Ökologie
haben diesen Trick nun entdeckt. Sie haben damit auch die Achillesferse
im Kampf gegen die in Massen auftretenden Algen gefunden, denn Ökologen
versuchen, sie aus dem Mittelmeer zu verbannen, berichtet das
Wissenschaftsmagazin Nature http://www.nature.com.

Jede Alge ist eine einzelne, supergroße Zelle, die bis zu mehrere Meter
lang werden kann. Die Zelle sieht eigentlich aus wie ein Farn mit
zentral verlaufendem Stamm und Verästelungen. Wenn eine solche Zelle
auseinander bricht, entstehen zwei neue unabhängige Individuen. Dabei
entstehen kleine Verletzungen der Zellen, die einige Millimeter groß
sind. Diese Verletzungen können die Algen selber heilen wie das
Forscherteam um Georg Pohnert festgestellt hat. Wenn die Algen verletzt
sind, sorgt ein Enzym dafür, dass der chemische Stoff Caulerpenin
zerbricht. Ein hochaktives Molekül namens Oxytoxin2 wird dann
produziert. Dieses hat die Eigenschaft Proteine und ihre Komponenten zu
binden indem es ein Gel innerhalb der Zelle bildet, das in einer halben
Minute austritt. Eine Stunde später ist dieses Gel gehärtet und die
Alge ist damit wiederhergestellt.

"Wir haben noch niemals zuvor einen solchen Wundheilungsmechanismus in
einem einzelligen Organismus gesehen", so Pohnert im Fachmagazin
Angewandte Chemie. Oxytoxin2 ist allerdings so reaktiv, dass die Alge
den Stoff immer frisch produzieren muss. Außerdem greift er Proteine zu
sehr an, dass er in der Alge selbst gelagert wird. Unklar ist den
Wissenschaftlern aber noch, wo diese chemische Reaktion beginnt und
aufhört. Die Alge besteht zum größten Teil aus Wasser, aber der Stoff
Caulerpenin macht ungefähr zehn Prozent der Masse von C. taxifolia aus.
Die Substanz ist zwar nicht wirklich toxisch, schützt die Alge aber
dennoch vor Fressfeinden. Unklar ist den Forschern auch weiterhin diese
hohe Konzentration der Substanz.

Die Erkenntnisse sollen auch Licht dahinter bringen, warum seit 1984
die Alge C. taxifolia in solch rauen Mengen im Mittelmeer auftritt und
vor allem wie man der Algenpest entgegenwirken kann. In Kalifornien
hatten Wissenschaftler eine andere chemische Substanz verwendet, um der
Plage Herr zu werden. Mit dem Erfolg, dass die Algen zwar zurückgingen,
aber die restliche Fauna und Flora schwere Schäden erlitten.

SATELLITENRADAR ENTDECKT „NEUE“ FEUCHTGEBIETE

POLARGEBIET:

SMARTE NUTZUNG VON SATELLITENRADAR ENTDECKT „NEUE“ FEUCHTGEBIETE

Die Feuchtigkeit des Bodens in arktischen Polarregionen kann hervorragend durch die Vergleiche spezieller Radarmessungen erfasst werden. Dabei zeigt sich, dass der Umfang arktischer Feuchtgebiete deutlich größer sein dürfte als bisher angenommen. Die Entwicklung dieser für zahlreiche Klimamodelle wichtigen Methode gelang dem Team eines aktuellen Projekts des Wissenschaftsfonds FWF, das sich mit Fernerkundung durch Satelliten und Permafrostböden in der Tundra befasst.

Wer bestehende Klimamodelle verfeinern und die polaren Lebensräume von Wildtieren abschätzen möchte, der muss die Ausdehnung von Feuchtgebieten in der arktischen Region kennen. Aber selbst im 21. Jahrhundert ist das anspruchsvoller als man annehmen würde. Die Unwirtlichkeit und gigantische Dimension der Landmasse macht spezielle Methoden erforderlich. Dem Team eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF gelang es nun, eine besonders gut auflösende Methode zu entwickeln und im „International Journal of Remote Sensing“ vorzustellen.

STREUGEWINN

Wesentlich für die neue Methode ist der Einfluss der Vegetation und der Oberflächenstruktur auf die sogenannte Rückstreuung eines speziellen Radarsignals, das von Satelliten ausgesendet wird. Dazu Projektleiterin Annett Bartsch von der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): „Wir konnten zeigen, dass im Winter die Rückstreuung dieses Signals dort besonders niedrig ist, wo es eine für Feuchtgebiete typische Vegetation gibt. Dabei erlaubt die Auflösung des Signals sogar eine Unterscheidung in unterschiedliche Grade der Feuchtigkeit. Etwas, das bisher kaum möglich war.“

BEWEGTES RADAR

Das Radar, das für diese Messungen verwendet wurde, wird als Synthetic Aperture Radar (SAR) bezeichnet und erlaubt sogar eine zweidimensionale Geländeabbildung. „Wir konnten für unsere Analyse Daten des Envisat Satelliten der European Space Agency nutzen, die dieser in den Jahren von 2002 bis 2012 sammelte“, erläutert Bartsch die Grundlage der Arbeit ihres Teams. „Die räumliche Auflösung dieser Daten beträgt dabei zwischen 120 und 1.000 Meter. Diese liegt weit über der Auflösung von bisher verfügbaren Daten zur Bestimmung arktischer Feuchtgebiete.“

WINTER & SOMMER

Den Zusammenhang zwischen der besonders geringen Rückstreuung des Signals im Winter und der feuchtgebietstypischen Vegetation konnte das Team um Bartsch durch Vergleiche mit bekannten regionalen Landbedeckungskarten finden. Doch das Team identifizierte und lokalisierte nicht nur die niedrigsten Rückstreuungswerte der Wintermonate, sondern verglich auch Winter- mit Sommerwerten. Dazu Bartsch: „Tatsächlich zeigte sich, dass dort, wo eine besonders große Differenz zwischen diesen Werten gefunden wurde, die Bodenfeuchtigkeit auch sehr hoch war. Ein Effekt, der sogar unmittelbar durch die Feuchtigkeit – und nicht durch die Vegetation – verursacht wird.“ Doch obwohl diese Differenz somit viel geeigneter erschien, um Feuchtgebiete zu identifizieren, entpuppte sich die Messung der Minimalwerte der Wintermonate in der Folge als die bessere Wahl.

FORSCHUNG MIT KLASSE

„Eine weitere Auswertung zeigte, dass die Minimalwerte aus dem Winter sich deutlich besser mit verschiedenen Feuchtigkeitsgraden des Bodens korrelieren ließen als die Winter-Sommer-Differenz“, erläutert Barbara Widhalm, eine Mitarbeiterin im Projekt. „So lassen sich bis zu drei Feuchtigkeitsklassen unterscheiden.“ Das ist zwar vielversprechend, doch in seiner Publikation weist das Team auch darauf hin, dass es derzeit keine großflächigen Daten gibt, die eine unabhängige Validierung der Ergebnisse erlauben. Jedoch gibt es in zahlreichen Landbedeckungskarten Hinweise auf die Bodenfeuchtigkeit, sodass diese als Referenz genutzt werden konnten, um die Aussagekraft der SAR-Messungen zu bestätigen. „Analysieren wir die Messungen des gesamten arktischen Polargebiets auf dieser Grundlage“, fasst Wildhalm die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen, „dann zeigt sich, dass bis zu 30 Prozent des Landes nördlich der Baumgrenze als Feuchtgebiet zu klassifizieren sind. Bisher ging man von einem bis zu sieben Prozent aus.“ Die mit FWF-Unterstützung neu entwickelte Methode scheint also deutlich sensibler zu sein als bisherige und könnte so einen wesentlichen Einfluss auf zukünftige Klimamodelle und Habitat-Studien haben.