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Menschenrecht auf sauberes Wasser für jedermann, leider durch rücksichtslose Industriefolgen immer wieder verletzt. Aber die Forschung macht Fortschritte – Mit einer Stellungnahme von Jean Pütz

Dass sich die UNO mit dem Thema Wasser überhaupt beschäftigen musste, ist der Skandal. Es ist vor allen Dingen die Industrie, die dieses Recht zunichte macht. Aber auch Verschwendung in unserer westlichen Welt. Warum gibt es keine  staatliche Vorschrift, dass alle Bauten – privat oder industrieell – nicht die alte Methode der Regenspeicherung in Zisternen nutzen müssen. Das würde auch die Kanalisation und Kläranlagen erheblich entlasten, die bei einem zu großen Regenanfall verseuchtes Wasser in Grundwasser und Flüsse spülen. Noch besser wäre eine zusätzliche Vorschrift, dass das Brauchwasser aus den Zisternen in einer gesonderten Leitung für Toilettenspülung und Gartenbewässerung genutzt würde. Ich selbst habe sehr gute Erfahrungen auf meinem Landhausgelände gemacht und kann es nur jedem empfehlen, es spart Geld und Ressourcen.

Hierzu zunächst ein positiver Bericht: Den Wasserverbrauch im Bergbau reduzieren // Digitalisierung in der Aufbereitungstechnologie hilft, das kostbare Gut effizient einzusetzen

und dann ein negativer Bericht: Weltwassertag: Recht auf Wasser weltweit verletzt

Den Wasserverbrauch im Bergbau reduzieren

Digitalisierung in der Aufbereitungstechnologie hilft, das kostbare Gut effizient einzusetzen

Der Weltwassertag am 22. März mahnt an den sorgfältigen Umgang mit einer lebenswichtigen Ressource, von der auch zahlreiche Industrien abhängig sind. Ein Beispiel ist die Aufbereitung von mineralischen Erzen. Wie der Wassereinsatz optimiert werden kann, zeigen Forscher des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) jetzt am Beispiel des Rohstoffs Fluorit. Sie haben ein neues Verfahren entwickelt, das die Simulation des Aufbereitungsprozesses erweitert. Dieses zeigt an, wo sich Wasser sinnvoll mehrfach einsetzen lässt, ohne dass es bei der Erzanreicherung zu Verlusten kommt. Der Verbrauch an Frischwasser lässt sich damit deutlich verringern. Das kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern auch den Bergbaufirmen, weil es die Rohstoffgewinnung effizienter macht. Ihr neues Verfahren stellen die Forscher in der Fachzeitschrift „Journal of Environmental Management“ (DOI: 10.1016/j.jenvman.2018.11.139) vor.

Das HIF gehört zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und kooperiert eng mit der TU Bergakademie Freiberg.

Ob im Smartphone, modernen Autos oder Anlagen zur klimafreundlichen Solarstromerzeugung – Hightech-Werkstoffe sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Zwar kann Recycling den Rohstoffbedarf teilweise decken, der Großteil der Materialien kommt aber nach wie vor aus dem Bergbau. Die Umweltauswirkungen sind bekannt: Flächenverbrauch, zusätzliche Verkehrswege sowie Siedlungen in oft entlegenen Gebieten. Hinzu kommen oftmals auch ein großer Wasserbedarf und entsprechende Mengen an Abwasser. HIF-Forscher um den Verfahrensingenieur Bruno Michaux haben gemeinsam mit Kollegen in Finnland eine Methode entwickelt, um den Wassereinsatz in der Aufbereitung mineralischer Rohstoffe nachhaltiger zu gestalten. Am Beispiel des Minerals Fluorit zeigt das Team, wie mithilfe einer Prozess-Simulation der Wasserverbrauch deutlich gesenkt werden kann.

Das Mineral Fluorit –  in der Mineralogie auch als Flussspat bekannt und chemisch als Calciumfluorid bezeichnet – ist ein wichtiger Rohstoff für die Industrie. Es wird beispielsweise für die Verhüttung von Eisen eingesetzt, für die Aluminiumgewinnung oder in der Chemieindustrie als Rohstoff für Fluor und Flusssäure. Das wohl bekannteste Produkt der Fluorchemie ist das Fluorpolymer PTFE, das unter den Handelsnamen Teflon und Gore-Tex bei Membranen vertrieben wird.

Erzaufbereitung als Wasserschlucker

„Bei der Gewinnung von Fluorit wird viel Wasser verbraucht. Abhängig vom örtlichen Klima, vor allem aber von der Auslegung der Aufbereitungsanlage können es bis zu 4000 Liter pro Tonne Erz sein“, erläutert Bruno Michaux. Das Wetter können die HIF-Forscher natürlich nicht beeinflussen, aber sie können dazu beitragen, die Aufbereitung zu optimieren. In diesem Prozessschritt wird aus dem geförderten Erz das wertlose Nebengestein abgetrennt, um den Fluorit-Anteil von unter 50 Prozent auf bis zu 98 Prozent zu steigern. Dazu nutzen die Ingenieure das Verfahren der Flotation. Grob vereinfacht funktioniert es folgendermaßen: Das Erz wird gemahlen und mit viel Wasser vermischt. Dann werden verschiedene Chemikalien hinzugefügt; sie binden an die Fluoritpartikel und machen deren Oberfläche wasserabweisend (hydrophob). Nun wird Luft hineingepumpt. Die aufsteigenden Blasen nehmen die hydrophoben Partikel mit an die Oberfläche. Der Fluorit reichert sich im Schaum an, das Nebengestein bleibt zurück. Bevor es auf Halde gelagert oder als Füllmaterial wieder untertage gebracht wird, muss es entwässert werden. Um die gewünschte Konzentration an Fluorit zu erreichen, wird die Flotation mehrfach wiederholt. Entsprechend viel Wasser ist nötig.

„Bergbaufirmen versuchen, den Verbrauch von Wasser zu verringern, indem sie es mehrfach nutzen“, berichtet Michaux. „Allerdings enthält das gebrauchte Wasser Stoffe, die bei der weiteren Aufbereitung stören können – und das gilt es zu vermeiden.“ Zum Beispiel geht es um Calcium- und Magnesium-Ionen, die eine Hydrophobierung des Fluorits behindern. Wie stark dieser Effekt zum Tragen kommt, hängt von der Konzentration der Ionen ab. Die neue Methode berücksichtigt nun den Einfluss der jeweiligen chemischen Zusammensetzung des Wassers auf die Flotation. Anhand ausführlicher Versuche mit Fluoriterz im Labor erhielten die Forscher Daten, die das komplexe Zusammenspiel der Chemikalien widerspiegeln, und integrierten diese in die Simulationssoftware HSC Sim. In der Bergbauindustrie wird diese eingesetzt, um unterschiedlich zusammengesetzte Erzströme abzubilden und Aufbereitungsprozesse zu steuern.

Digital überwachter Wasser- und Energieverbrauch

„Mit der von uns entwickelten Ergänzung kann die Software nun auch die Zusammensetzung des Prozesswassers einbeziehen“, erklärt Michaux. „Dadurch wird es möglich, das eingesetzte Wasser wiederzuverwenden, ohne dass die Effizienz der Aufbereitung beeinträchtigt wird.“ Auch ein optimaler Einsatz verschiedener Wasserreservoirs nahe der Mine, wie Seen, Flüsse, Grund- oder Meerwasser, ist mithilfe der Simulation denkbar. Weitere Prozessschritte, zum Beispiel das Aufmahlen und die Entwässerung des Erzes, sollen künftig integriert werden. Im Idealfall könnte der Wasserverbrauch dann auf unter 1000 Liter pro Tonne Erz sinken.

In einem Bergbaubetrieb wollen die Forscher das neue Verfahren demnächst dem Praxistest unterziehen. „Da dies einen vollständig digitalisierten Aufbereitungsprozess voraussetzt, bei dem Sensoren die Eigenschaften der Stoffströme kontinuierlich messen und an die Prozesssteuerung weitergeben, werden zunächst eher größere Minen diese Investition leisten“, vermutet Michaux. „Das Potenzial der Digitalisierung ist aber enorm: Mittels Echtzeit-Überwachung und wirklich intelligenter Prozesssimulation und Software ist es möglich, bei einem geringeren Energie- und Materialeinsatz mehr Rohstoffe zu gewinnen“. Dies gilt für alle Erze und nicht nur für die mehrfache Wasserverwendung bei der Fluoritaufbereitung, für die das HIF-Team exemplarisch die Simulationsmethode entwickelt hat.

Publikation: Michaux, J. Hannula

Weltwassertag: Recht auf Wasser weltweit verletzt

Am 28. Juli 2010 hat die UN-Generalversammlung mit der Resolution 64/292 das Recht auf Wasser offiziell anerkannt. Anlässlich des Weltwassertags am 22. März macht die Menschenrechtsorganisation FIAN darauf aufmerksam, dass dennoch 2,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem und durchgängig verfügbarem Trinkwasser besitzen. Betroffen sind vor allem ärmere Regionen der Welt und dort vor allem ländliche und indigene Gebiete. Zu den Ursachen gehören Diskriminierung marginalisierter Bevölkerungsgruppen, Klimawandel, Bergbau, Industrie sowie der Ausbau von städtischer Infrastruktur und industrieller Landwirtschaft.

Ein Beispiel für die Bedrohung des Rechts auf Wasser durch Bergbauprojekte ist der Fall der indigenen und bäuerlichen Bevölkerung von Kimsacocha in der Provinz Azuay im Süden Ecuadors. Das im Jahr 2002 initiierte Projekt Loma Larga des kanadischen Unternehmens IAMGOLD liegt in Macizo Cajas, einem Gebiet mit hohem ökologischen Wert und vielen Wasserquellen. Obwohl  die UNESCO das Gebiet als Biosphärenreservat anerkannt hat und es Teil des ecuadorianischen Systems der Schutzgebiete ist, werden die Explorationsarbeiten weiter durchgeführt.

Das Menschenrecht auf Wasser ist in der ecuadorianischen Verfassung  verankert und hat  Vorrang vor wirtschaftlichen und industriellen Interessen. Das ecuadorianische Parlament hat 2008 beschlossen, dass Bergbaukonzessionen in Gebieten, in denen es Wasserquellen gibt, zurückgenommen werden. Allerdings wird das Projekt Loma Larga weiter vorangetrieben – mit verheerenden Folgen für die Gemeinden in Kimsacocha. Hierzu zählen ein verminderter Wasserstand der Flüsse und die Verschmutzung des Grundwassers. Das Recht auf Wasser ist nicht nur unentbehrlich zur Gewährleistung der Rechte auf Nahrung und Leben. Wasser hat auch eine spirituelle Bedeutung für die Gemeinden von Kimsacocha.

Seit Beginn des Projekts protestierten die Gemeinden auf nationaler und internationaler Ebene friedlich gegen Loma Larga, sowohl mit politischen als auch mit rechtlichen Mitteln. Infolgedessen wurden viele Personen verfolgt und kriminalisiert. Zu den Kritikpunkten gehört, dass der ecuadorianische Staat vorab keine Konsultationen durchgeführt hat. Dies verstößt sowohl gegen die  Verfassung als auch gegen die ILO-Konvention 169. Erst durch langjährigen Druck der Zivilgesellschaft haben die betroffenen Gemeinden eine Konsultation erwirken können, bei der sie erstmalig mit über die Zukunft des Bergbauprojekts entscheiden dürfen. Diese ist für den 24. März angesetzt.

FIAN Deutschland fordert:
• die Einhaltung nationaler Gesetze und internationaler Abkommen wie zum Beispiel des UN-Sozialpakts; die Rechte der Menschen müssen über wirtschaftliche Interessen gestellt werden;
• Gewährleistung des Rechts auf Wasser der von dem Projekt Loma Larga betroffenen Gemeinden in Kimsacocha;
• Stopp von Verfolgung und Kriminalisierung;
• Stopp des Boykotts der Konsultation durch staatliche Institutionen;
• Respektierung des Ergebnisses der Konsultation vom 24. März und Durchführung der hierfür erforderlichen Maßnahmen.

Darmflora wirkt entscheidend bei unserem Gesundheitsempfinden mit – sie beeinflusst Körper und Seele

Mikroorganismen mit großer Wirkung: Welchen Einfluss haben unsere Darmbakterien auf Hormonhaushalt und Fruchtbarkeit

Göttingen, März 2019 – Der menschliche Körper gleicht einer großen Wohngemeinschaft: Auf der Haut, im Darm und an vielen anderen Stellen des Körpers leben Milliarden von Mikroorganismen. In Studien mehren sich die Hinweise darauf, dass die Zusammensetzung des Darmmikrobioms mit darüber entscheidet, ob jemand gesund oder krank ist, an Gewicht zulegt und sich depressiv oder seelisch ausgeglichen fühlt. Ob und wie das Mikrobiom auch unseren Hormonhaushalt beeinflusst und beispielsweise das Polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS), das mit Übergewicht und ungewollter Kinderlosigkeit einhergehen kann, mitverursacht, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz des 62. Kongresses für Endokrinologie (20. bis 22. März 2019) am 20. März 2019 in Göttingen.
Entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes, Adipositas, Hautkrankheiten und Allergien – viele menschliche Leiden sind in den letzten Jahren mit Veränderungen des Darmmikrobioms in Zusammenhang gebracht worden. „Zu den wenigen Gewissheiten zählt, dass die mikrobielle Gemeinschaft aus Bakterien, Archaebakterien, Viren und Pilzen zum Stoffwechsel beiträgt und die Verdauung von Zucker, Fetten und anderen Nährstoffen beeinflusst“, erklärt Professor Dr. med. Heide Siggelkow, Kongresspräsidentin und Ärztliche Leiterin MVZ ENDOKRINOLOGIKUM Göttingen, Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, Nuklearmedizin und Humangenetik, Osteologisches Zentrum DVO.
Wie das Zusammenspiel der Mikroorganismen aber genau funktioniert, welche Arten und Zusammensetzung für die Gesundheit eines Menschen entscheidend sind und wie Ursache und Wirkung in diesem komplexen Gefüge verteilt sind, sei derzeit noch Gegenstand intensiver Forschung.
Mit Hinweisen auf ein Wechselspiel zwischen Hormonen und Darmbakterien bringen Grazer Wissenschaftler nun ein weiteres Erkrankungsbild ins Spiel: das Polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS). Das PCOS betrifft rund zehn Prozent aller Frauen weltweit und ist unter anderem durch überhöhte Spiegel männlicher Geschlechtshormone gekennzeichnet. Diese führen zu betont männlicher Körperbehaarung, Akne, aber auch zu Haarausfall. Die Regelblutung kann unregelmäßig werden oder ganz ausbleiben. Und es kann zu den namensgebenden „polyzystischen“, also viele Follikelbläschen aufweisenden Eierstöcken
(Ovarien) führen. Frauen mit PCOS haben oft Fertilitätsprobleme, können also nicht schwanger werden, sind häufig deutlich übergewichtig und haben ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, aber unter anderem auch Depressionen und Angststörungen.
Im Rahmen einer Pilotstudie haben Professor Dr. med. Barbara Obermayer-Pietsch von der Medizinischen Universität Graz und ihre Arbeitsgruppe Frauen mit PCOS untersucht und deren Darmmikrobiom mit dem gesunder Probandinnen verglichen. Dabei zeigte sich, dass sowohl die Zahl als auch die Art der Mikroben mit den Symptomen und Hormonveränderungen bei PCOS korrelierte. Auch die Durchlässigkeit der Darmwand und Entzündungsfaktoren bei PCOS standen im Zusammenhang mit der mikrobiellen Vielfalt. „Wir gehen aufgrund unserer Studienergebnisse davon aus, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms auch einen Einfluss auf unsere Geschlechtshormone und ihre Funktion hat“, sagt Obermayer-Pietsch, die auch Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel ist.
Bislang wird das PCOS hauptsächlich durch Gewichtsreduktion und Hormongaben behandelt. „Wenn sich unsere Beobachtungen in größeren Studien bestätigen, könnte etwa die Anwendung prä- oder probiotischer Therapeutika infrage kommen, um die Darmflora positiv zu beeinflussen“, betont Obermayer-Pietsch. Auch insulinsensitivierende Mittel wie das in der Diabetestherapie schon sehr lange und erfolgreich verwendete Medikament Metformin könnten einen höheren Stellenwert bekommen. „Metformin, das direkt auf die Darmflora wirkt, wird bislang noch zu wenig bei der PCOS-Behandlung eingesetzt.

Darmbakterien auch im Alter gesundheitsprägend

pte20190322010 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie

Gefäßerkrankungen: Darmbakterien steigern Risiko

Mikrobiom ändert sich mit Alter, Antibiotika sind aber keine Lösung

(pte010/22.03.2019/10:30) – Bakterien im Darm erhöhen das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen bei älteren Menschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der University of Colorado Boulder http://colorado.edu . Laut Forschungsleiterin Vienna Brunt ändert sich mit zunehmenden Alter das Mikrobiom, also das Gesamtbild der Mikroorganismen im Darm. Das habe einen negativen Effekt auf Blutgefäße und Herz.

„Mikrobiom-Analysen sagen zuerst nur, ob das Mikrobiom im Vergleich zu Normalkohorten ähnlich strukturiert oder reichhaltig ist. Manchmal finden sich Signaturen, man kann zum Beispiel den Verlust von bestimmten bakteriellen Spezies feststellen. Hier gibt es Korrelationen mit Krankheiten. Dies wurde auch für Herz-Kreislauf-Krankheiten beschrieben. Wir wissen aber oft nicht, ob die Krankheit zuerst da war und das Mikrobiom verändert hat oder ob die Veränderung im Mikrobiom die Krankheit ausgelöst hat. Meistens gibt es hier noch keine nachgewiesene direkte Kausalität“, meint Markus Gerhard, Professor für Medizinische Mikrobiologie an der TU München http://tum.de , im Gespräch mit pressetext.

An Mäusen getestet

Für die Studie wurden alten und jungen Mäusen Antibiotika verabreicht, die Bakterien im Darm abtöteten. Dann wurden ihre Blutgefäße und Arterien untersucht. Beispielsweise wurde nach Entzündungen oder Ausdehnungen der Blutgefäße sowie oxidativem Stress gesucht. Während sich bei jungen Mäusen nichts änderte, verbesserte sich die vaskuläre Gesundheit bei den älteren Subjekten innerhalb von drei Wochen.

Um festzustellen, welche Bakterien für kardiovaskuläre Krankheiten verantwortlich sind, wurden Stuhlproben von anderen jungen und alten Mäusen untersucht. Es stellte sich heraus, dass die Proben der älteren Mäuse deutlich mehr für Blutgefäße schädliche Mikroben enthielt, beispielsweise Proteobakterien, zu denen die Salmonellen zählen. Bei den älteren Subjekten wurde auch dreimal so viel Trimethylamin-N-oxid (TMAO) entdeckt wie bei den jüngeren. Das Metabolit TMAO wird mit Herzinfarkten und Schlaganfällen in Verbindung gebracht.

Für Studienautor Doug Seals treffen diese Ergebnisse auch auf Menschen zu. Es war schon zuvor bekannt, dass sich der Zustand von Blutgefäßen im Alter in Form von Entzündungen verschlechtert. Jedoch konnte bisher der Grund dafür nicht gefunden werden. Bakterien im Darm bilden toxische Moleküle wie TMAO, die in den Blutkreislauf geraten und dort Entzündungen und oxidativen Stress auslösen.

Antibiotika kein „Jungbrunnen“

Brunt und Seals raten davon ab, Antibiotika als „Jungbrunnen“ für den Blutkreislauf zu sehen. Sie seien nur ein Instrument für das Experiment gewesen. In der Praxis gebe es zu viele Nebenwirkungen, um den Darm zu sehr damit zu belasten. Stattdessen sei im höheren Alter eine Diät aus Probiotika enthaltender Nahrung wie Joghurt empfehlenswert, um ein gesundes Mikrobiom im Darm zu fördern.

„Zwei Aspekte sind für die Forschung des Mikrobiom wichtig: erstens das Immunsystem. Dieses wird durch das Mikrobiom trainiert. Ohne Mikrobiom hätten wir kein normales Immunsystem. Antibiotika können über die Störung des Mikrobioms auch das Immunsystem beeinflussen. Der zweite Aspekt ist der Stoffwechsel. Nahrungsbestandteile werden von den Bakterien zersetzt und umgewandelt. Dadurch werden auch Metaboliten erzeugt, die Mediatoren für positive oder negative Effekte sein können. Die Bestimmung von solchen Metaboliten und deren Effekten ist in der Forschung ein zunehmend wichtiges Thema. Dadurch könnten in Zukunft vermutlich neue Therapieansätze entwickelt werden“, sagt Gerhard.

LED-Forschung: Noch effizientere Lichtemission

pte20190322014 Forschung/Technologie

Aluminium-Tuning für Leuchtdioden

US-Forscher erreichen die fünffache Lichtemission

(pte014/22.03.2019/12:30) – Mit einem raffinierten technischen Trick ist es Forschern am National Institute of Standards and Technology (NIST) https://www.nist.gov gelungen, die Lichtemission einer der die Ultraviolett-Leuchtdioden (LED) zu verfünffachen. Sie reicherten in einem neuen Verfahren die Hülle, die die LED umgibt, mit Aluminiumatomen an. Dadurch gehen keinerlei Photonen mehr verloren. Alle landen im angeschlossenen Lichtwellenleiter.

Aluminium gegen Ausbüchsen von Elektronen

Die neuartige LED basiert auf Galliumnitrid-Nanodrähten, mit denen sich NIST-Experten seit langem befassen. Die Forscher dotierten das Halbleiter-Material Galliumnitrid mit Silizium, das heißt, sie schossen einzelne Siliziumatome hinein. Dadurch waren zusätzliche Elektronen verfügbar. Als Hülle wird gern mit Magnesium dotiertes Galliumnitrid verwendet. Diese Hülle stellt dann sogenannte Löcher, also positive Ladungen, bereit. Wenn Löcher und Elektronen sich vereinen, also ihre Ladungen neutralisieren, wird Licht frei, das Material fluoresziert.

Wenn die Hülle nun zusätzlich mit Aluminium dotiert wird, stellt sich der erwünschte Effekt ein: Die Emissionsleistung steigt auf das Fünffache. Das Aluminium reduziert die Verluste durch einen Überfluss an Elektronen und die interne Absorption von Licht. „Aluminium sorgt für eine Asymmetrie des elektrischen Stroms, die verhindert, dass Elektronen in die Hülle fließen statt ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen, nämlich sich mit den Löchern zu vereinen und ultraviolettes Licht zu erzeugen“, erklärt Matt Brubaker, der die Entwicklungsarbeit leitet.

Breites Anwendungsspektrum für UV-LED

Die NIST-Forscher haben auf der Basis der Nano-LED bereits ein Messgerät zur zerstörungsfreien Prüfung der Güte von Halbleitern und Solarzellen entwickelt. Die Diode könne auch in der Biologie eingesetzt werden, um Zellstrukturen und die Entfaltung von Proteinen zu erforschen.
Leuchtdioden, die ultraviolettes Licht emittieren, lassen sich auch nutzen, um bestimmte Kunststoffe auszuhärten – beispielsweise Plomben, die der Zahnarzt setzt -, um Wasser von Schadstoffen zu befreien und im medizinischen Bereich zu desinfizieren.

Der Kern der LED hat einen Durchmesser von 440 Nanometern (ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter). Die Hülle ist 40 Nanometer dick. Damit sie sich überhaupt manipulieren lässt, erhält sie in eine weitere inaktive Hülle, sodass die komplette LED einen Durchmesser von rund fünf Mikrometern hat.

Impfgegner im Abseits – Was kann man ihnen entgegenhalten ?

pte20190322016 Medien/Kommunikation, Medizin/Wellness
Facebook: Vier Arten von Impfgegnern trollen

Analyse einer Attacke soll helfen, Bedenken besser zu begegnen

(pte016/22.03.2019/13:30) – Wer Impfgegner auf Facebook über einen Kamm schert, wird kaum gegen sie ankommen. Das zeigt eine Studie der University of Pittsburgh, die einen Online-Troll-Angriff gegen eine örtliche Kinderklinik genauer unter die Lupe genommen hat. Demnach sind Impfgegner zwar meist Mütter, dennoch gibt es aber vier grundverschiedene Typen. Um deren Bedenken zu zerstreuen, wäre es sinnvoll, in der Kommunikation mit ihnen auch wirklich auf ihre jeweiligen Vorbehalte einzugehen.

Skeptiker verstehen

Impfgegner auf sozialen Medien sind Spinner, die man nicht ernst nehmen kann – so sehen das viele. „Wenn wir jeden, der eine andere Meinung hat, einfach abtun, geben wir die Chance auf, ihn zu verstehen und einen gemeinsamen Nenner zu finden“, warnt hingegen Brian Primarck, Leiter des Center for Research on Media, Technology, and Health https://crmth.pitt.edu . Daher hat sich ein Team am Zentrum eine Trollkampagne aus dem Jahr 2017 näher angesehen, bei der Impfgegner ein Facebook-Video der Klinik Kids Plus Pediatrics https://kidspluspgh.com zur HPV-Impfung mit tausenden impfkritischen Kommentaren bombardiert hatten.

Dabei hat das Team die Profile 197 zufällig ausgewählter Kommentatoren genauer analysiert. Obwohl es sich um eine Klinik handelt, die nur den Raum Pittsburgh bedient, haben die Forscher allein in dieser Auswahl User aus 36 US-Bundesstaaten sowie acht Ländern gefunden. Die Mehrheit der Imfgegner auf Facebook sind demnach Mütter. Soweit das Team politische Einstellungen ermitteln konnte, waren 56 Prozent der Kommentatoren Trump-Anhänger. An zweiter Stelle (elf Prozent) kamen jedoch Unterstützer des gerade für US-Verhältnisse weit links stehenden Bernie Sanders. Schon das legt nahe, dass Impfkritiker eine eher diverse Gruppe sind.

Mehr als nur Autismus

Auch die oft als ein Hauptargument von Impfgegnern dargestellte Sorge, Impfungen würden Erkrankungen wie Autismus auslösen, ist laut der Analyse nicht allgemein gültig. Vielmehr sind Personen, die Bedenken zur „Sicherheit“ von Impfungen haben, nur einer von vier wichtigen Subtypen. Anderen fehlt „Vertrauen“ – einerseits in die Wissenschaft und andererseits in persönliche Freiheiten oder sie bevorzugen „Alternativen“ wie Homöopathie. Letztlich gibt es noch die echten Verschwörungstheoretiker, die beispielsweise glauben, die Regierung würde verheimlichen, dass das Polio-Virus gar nicht existiert.

Es scheint also nicht sinnvoll, Impfgegner mit allgemeinen Botschaften zu begegnen, warnt Studien-Erstautorin Beth Hoffman. „Jemandem aus der ‚Vertrauen‘-Gruppe zu sagen, dass Impfungen keinen Autismus auslösen, könnte sie beispielsweise entfremden, da das gar nicht ihre Sorge ist“, erklärt sie. Um Impfgegnern auf sozialen Medien zu begegnen, wäre es sinnvoller, den Skeptiker-Gruppen mit jeweils auf sie zugeschnittenen Botschaften zu begegnen. Bei Personen, denen das Vertrauen mangelt, könnte es beispielsweise sinnvoll sein, auf die Sorge einzugehen, dass Pflichtimpfungen ihre Entscheidungsfreiheit bezüglich des Kindes einschränken.

Digitalisierung soll Anlagenmanagement der Energieversorgungsnetze verbessern – Mit Stellungnahme von Jean Pütz

Diese Forschung wurde auch langsam Zeit. Im Grunde genommen wird aber das Pferd von hinten aufgezäumt. In der Politik wurde viel zu spät berücksichtigt, dass die vielen dezentralen Einspeisungen regenerativer Energiequellen ganz anderer technischer Bedingungen bedürfen als das bisher der Fall war. Insbesondere wenn sämtliche Kohlekraftwerke entsorgt werden sollen, die früher allein schon durch die Größe etlicher Gigawattleistungen die Einhaltung der 50 Herz-Frequenz relativ sicher gewährleisteten. Die Netzstabilität der Zukunft fällt und steigt mit der Möglichkeit, dieses riesige europäische Hochspannungsnetz genauso zu sichern, wenn nicht auf die polnischen Kohlekraftwerke und/oder französischem Kernstrom zurückgegriffen werden soll. Dazu ist ein enormer Regelungsbedarf nötig, der nur durch die Entwicklung der künstlichen Intelligenz Chancen hat. Deshalb begrüße ich diese Forschungsinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Dazu der folgende Artikel
Ihr Jean Pütz

Fraunhofer FIT, Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, Robert Bosch GmbH und die RWTH Aachen entwickeln im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekts MAKSIM ein kostengünstiges Messsystem zur Optimierung des Asset Managements im Verteilungsnetz. Das Anlagenmanagement der Energieversorgungsnetze in den Bereichen Instandhaltung und Erneuerung soll damit zukünftig vorausschauender und effizienter erfolgen können.

Das Asset Management von Stromnetzbetreibern bietet im Kontext einer Digitalisierung hohe Potentiale zur wirtschaftlichen und technischen Optimierung. Aktuelle Ansätze in der Instandhaltungs- und Erneuerungsplanung der Betriebsmittel basieren zumeist auf Erfahrungswerten, Expertenwissen oder Statistiken. Die dafür benötigte Datenbasis resultiert aus den Ergebnissen regelmäßiger Vor-Ort Inspektionen der Betriebsmittel durch das Instandhaltungspersonal der Netzbetreiber, die alle 3-6 Jahre durchgeführt werden. Diese Ansätze stoßen bereits heute auf Grund einer zumeist unzureichenden Datenbasis an ihre Grenzen.

Mess- und Diagnosesysteme zur Überwachung des Zustandes der Betriebsmittel könnten diese Lücke schließen. Eingebettet in bereits vorhandene Asset Management Strategien würden beispielweise Datenanalysen an online gespeicherten und dauerhaft erfassten Zustandsdaten des gesamten Betriebsmittelparks Netzbetreibern vollkommen neue Geschäftsprozesse, Methoden und Strategien eröffnen. Ausgangsbasis für die Umsetzung solcher Ansätze sind jedoch auf die Anwendung der Verteilungsnetzebene zugeschnittene, technologische Lösungen aus vielen Teildisziplinen, etwa Mess- und Diagnosetechnik, Low-Cost-Sensorik und Datenverarbeitung, IKT, Algorithmen zur Zustandsbewertung oder Datenhaltung, welche geringe Kosten aufweisen müssen. Nur so können flächendeckende Systeme und daraus resultierende technische und ökonomische Mehrwerte für die vorausschauende Instandhaltung und Erneuerung von Energieversorgungsystemen realisiert werden.

Zustandserfassung auf Basis Mikro-Elektromechanischer-Systeme

Mess- und Diagnoseverfahren, die eine dauerhafte Online-Überwachung zentraler Betriebsmittel eines Stromnetzes ermöglichen, existieren heute standardmäßig nur für Betriebsmittel der Hoch- und Höchstspannungsebene. Die im Verteilungsnetz eingesetzten und wesentlich kompakteren sowie kostengünstigeren Betriebsmittel der Mittel- und Niederspannungsebene werden zumeist gar nicht oder nur rudimentär überwacht. Eine einfache Adaption von Standardmessverfahren ist angesichts der finanziellen Aufwände für die Messsysteme nicht möglich. Die in der Hoch- und Höchstspannungsebene eingesetzten Messsysteme kosten häufig so viel wie die Betriebsmittel in der Mittel- und Niederspannungsebene selbst. Aus anderen Industriebereichen sind jedoch Sensorsysteme bekannt, die auf Grund sehr hoher Stückzahlen positive Skaleneffekte aufweisen. Beispielsweise kommen in der Automobil-, Consumer- oder Prozessindustrie kostengünstige Mikro-Elektromechanische-Systeme (MEMS) zum Einsatz, die neben der Sensorik eine integrierte Signalverarbeitung und Kommunikationsschnittstelle enthalten.

Genau hier setzt das Projekt MAKSIM an. Basierend auf MEMS-Technologie werden durch die Projektpartner Fraunhofer FIT, Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, Robert Bosch GmbH und die RWTH Aachen kostengünstige Sensor-, Mess-, Informations- und Kommunikationstechnologien entwickelt, angewendet und verifiziert.

In Zusammenarbeit mit Herstellern (Fritz Driescher KG) und drei Verteilungsnetzbetreibern aus den Regionen Aachen (Regionetz GmbH), Köln (Rheinische NETZGesellschaft) und Nürnberg (Main-Donau Netzgesellschaft) erfolgt zunächst die Definition grundlegender Anforderungen an die erforderliche Mess- und Kommunikationstechnik im Hinblick auf Instandhaltung und Erneuerung im Verteilungsnetz. Betrachtet werden unter anderem Faktoren wie Schlüsselparameter, Sensorik, Messgenauigkeit, Reproduzierbarkeit, Verfügbarkeit, Sicherheit, Installationsaufwand und Grenzkosten.

Darauf basierend werden im Rahmen von Laborversuchen Messverfahren Bottom-Up neu entwickelt und anschließend in einem Messsystem umgesetzt. Dabei wird insbesondere untersucht, wie und ob kostengünstige Sensorik aus energietechnikfernen Bereichen eingesetzt werden kann. In diesem Zusammenhang wird eine kostengünstige IKT-Infrastruktur realisiert, die eine zukünftige Digitalisierung des Asset Managements ermöglichen soll. Neben Datenerfassung, -übertragung und -speicherung werden auch Algorithmen zur sensornahen und überlagerten Datenaufbereitung und -analyse sowie zur späteren Einbindung in Zustandsbewertungsverfahren entwickelt. Begleitend zur Entwicklung wird das entwickelte Gesamtsystem in einem Feldversuch beim Endanwender optimiert und einer technisch-wirtschaftlichen Bewertung unterzogen.

21.03.2019 Demonstration gegen den Uploadfilter

Aus Termingründen kann ich leider an der Demonstration gegen den Uploadfilter heute nicht teilnehmen. Aber in Gedanken bin ich dabei und hoffe dass wir langfristig Erfolg haben und das Europäische Parlament und die EU-Kommission davon überzeugen dass die einmalige Freiheit des Internets ein gut ist das unbedingt verteidigt werden muss. Aus diesem Grunde veröffentliche ich meinen Beitrag von vorgestern nochmals.

Die Freiheit des Internets ist durch die geplanten Uploadfilter in großer Gefahr. Ich unterstütze mit meinem Protest Wikipedia, dessen Mitglied ich bin. Hier mein Vorschlag, wie das verhindert werden kann. Folge 7: Mit Vernunft in die Zukunft

09.03.2019: Umweltschutz und Nachhaltigkeit . Deutschland befindet sich auf dem Holzweg

Umweltschutz und Nachhaltigkeit . Deutschland befindet sich auf dem Holzweg. Technologieführerschaft ade . Wo bleiben die nachhaltigen Arbeitsplätze der Zukunft ?
Folge 5. Mit Vernunft in die Zukunft.

Übrigens: Kinder für Politik interessieren sich ganz toll. Aber bitte nicht wie der Rattenfänger von Hameln in eine Richtung schieben, die zur Sackgasse wird.