Alle Beiträge von Balu

Eingefroren in der Arktis

Gemeinsame Pressemitteilung AWI und BMBF

Ein Jahr eingefroren in der Arktis

Internationale MOSAiC-Expedition mit deutschem Forschungsschiff Polarstern startet im Herbst 2019

Bremerhaven/Berlin, 27. Juni 2018. Es wird die größte
Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten: Im September 2019 wird der
deutsche Forschungseisbrecher Polarstern vom norwegischen Tromsø in die
Arktis aufbrechen und ein Jahr lang fest eingefroren im arktischen Eis
durch das Nordpolarmeer driften. Versorgt von weiteren Eisbrechern und
Flugzeugen werden insgesamt 600 Menschen aus 17 Ländern an der
Expedition teilnehmen. Ein Vielfaches an Wissenschaftlern wird mit den
Daten arbeiten, um die Klima- und Ökosystemforschung auf ein neues
Niveau zu heben. Geleitet wird die Mission vom Alfred-Wegener-Institut,
Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Vor 125 Jahren brach Fridtjof Nansen mit seinem Segelschiff Fram zur
ersten Drift-Expedition dieser Art auf. Doch eine Expedition wie die
jetzt geplante hat es noch nie gegeben: MOSAiC bringt erstmals einen
modernen Forschungseisbrecher beladen mit wissenschaftlichen
Instrumenten im Winter in die Nähe des Nordpols. Vier weitere Eisbrecher
werden zur logistischen Unterstützung eingesetzt werden. Für
Versorgungsflüge und zwei Forschungsflugzeuge wird eigens eine Landebahn
eingerichtet. Darüber hinaus werden Helikopter, Raupenfahrzeuge und
Schneemobile zum Einsatz kommen. Diese aufwändige Polarmission ist
nötig, um in der im Winter nahezu unerreichbaren Region dringend
benötigte Daten für die Klimaforschung zu erheben. Diese werden der
Menschheit neue Einblicke in die Austauschprozesse zwischen Ozean, Eis
und Atmosphäre erlauben. Der Einfluss der arktischen Regionen auf unser
Klima ist gewaltig und derzeit unzureichend verstanden.

„Die Erkenntnisse, die aus der MOSAiC-Expedition resultieren, werden
unser Wissen über die Arktis auf ein neues Niveau heben. Wir brauchen
diese Daten dringend, um die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels
genauer zu verstehen und unsere Prognosen zu verbessern“, sagt
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Deutschland hat mit dem
Alfred-Wegener-Institut ein weltweit führendes Zentrum der
Polarforschung mit langjährigen internationalen Kontakten. „Dem AWI ist
es gelungen, führende Arktisforschungseinrichtungen der Welt zu diesem
einmaligen Vorhaben zusammenzubringen“, so die Ministerin weiter. Auch
auf politischer Ebene wird mit Blick auf die Arktisforschung
international zusammengearbeitet. Unter dem Motto „Arctic Science,
Challenges and Joint Actions“ werden Deutschland, die Europäische
Kommission und Finnland im Herbst 2018 in Berlin die zweite
Wissenschaftsministerkonferenz zur Arktisforschung ausrichten.
Repräsentanten aus 30 Nationen und Regionen, in der Mehrzahl
Ministerinnen und Minister, werden unter Beteiligung von Vertreterinnen
und Vertretern der indigenen Völker der Arktis die Arktisforschung der
Zukunft diskutieren.

Bei der MOSAiC-Expedition bestimmt allein die Naturgewalt des driftenden
Meereises die Route, auf der das Forschungsschiff Polarstern jenseits
des Polarkreises unterwegs sein wird. Eisbrecher aus Russland, China und
Schweden werden die Scholle anlaufen, um die Expedition mit Treibstoff
zu versorgen und Personal auszutauschen. „Ein solches Vorhaben gelingt
nur durch internationale Zusammenarbeit“, erläutert Prof. Antje Boetius,
Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts. Neben der Polarstern entsteht
auf der mindestens 1,5 Meter dicken Eisscholle ein Netzwerk
verschiedener Forschungscamps. Hier richten die verschiedenen Teams
Messstellen ein, um Ozean, Eis und Atmosphäre sowie das arktische Leben
im Winter zu erforschen. „Was in der Arktis passiert, bleibt nicht in
der Arktis. Die Klimaentwicklung in unseren Breiten hängt entscheidend
vom Geschehen in der Wetterküche der Arktis ab. Wir müssen jetzt
hinsehen und die Wechselwirkung zwischen Atmosphäre, Eis und Ozean dort
erforschen“, sagt Expeditionsleiter und Koordinator des MOSAiC Projekts
Prof. Markus Rex, Leiter der Atmosphärenforschung am
Alfred-Wegener-Institut. „Und die arktische Polarnacht spielt eine
Schlüsselrolle für die Anpassung des Lebens, wir erwarten also auch für
die Biologie ganz neue Erkenntnisse“, ordnet Boetius das Großprojekt
ein. Die Expedition hat fünf Forschungsschwerpunkte: die Physik des
Meereises und der Schneeauflage, die Prozesse in der Atmosphäre sowie im
Ozean, die biogeochemischen Kreisläufe und das Ökosystem der Arktis.

Die Arktis gilt als Frühwarnsystem für den Klimawandel. Das dunkle
Wasser nimmt mehr Energie auf als Eis, welches die Sonnenstrahlung
reflektiert, und durch das dünnere Eis gelangt mehr Wärme aus dem
relativ warmen Ozean an die Oberfläche und in die Atmosphäre. So
verstärken Rückkopplungseffekte die Erwärmung der Arktis erheblich. Es
fehlen die Beobachtungen, um die einzelnen Vorgänge im Ozean, im Meereis
und in der Atmosphäre sowie deren Wechselwirkungen zu verstehen und in
unseren Klimamodellen quantitativ zu beschreiben. „Die Dramatik der
Erwärmung in der Arktis wird in den heutigen Klimamodellen nicht in
vollem Umfang wiedergegeben und die Unsicherheiten der Klimaprognosen
für die Arktis sind enorm“, beschreibt Markus Rex die aktuellen Lücken.
„Deshalb müssen wir vor allem im Winter die Prozesse im Klimageschehen
umfassend studieren“, so der AWI-Atmosphärenforscher. Und was in der
Arktis passiert, wirkt sich auch heute schon in Europa, Asien und
Nordamerika aus: Geringere Temperaturunterschiede zwischen Arktis und
Tropen destabilisieren die typischen Luftdruckmuster, sodass polare
Kaltluft in die gemäßigten Breiten gelangt und Vorstöße von warmer,
feuchter Luft in die zentrale Arktis hinein verstärkt zur Beschleunigung
der Erwärmung beitragen.

Das Budget der Expedition beträgt über 120 Millionen Euro, das von den
teilnehmenden internationalen Partnern, vor allem aber über die
Helmholtz-Gemeinschaft und damit zu 90 Prozent vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) getragen wird. Auch wenn es bis zum
Expeditionsstart selbst noch etwa ein Jahr hin ist, begannen erste
Planungen bereits im Jahr 2011. Nun gehen die Vorbereitungen in die
letzte heiße Phase. Der Countdown für die spektakulärste
Arktisexpedition unserer Zeit beginnt.

Fachgesellschaften entwickeln Neurovaskuläre Netzwerke (NVN)

Fachgesellschaften entwickeln Neurovaskuläre Netzwerke (NVN)

Berlin – Die Behandlungsmöglichkeiten von Patienten mit Hirngefäß-Erkrankungen, wie beispielsweise Schlaganfall oder Hirnblutung, haben sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Mit dazu beigetragen haben zertifizierte Stroke Units, die sehr hohe Qualitätsstandards in der Behandlung nachweisen müssen und damit eine gute Versorgung der Patienten garantieren. Doch für einige neue Therapien sind nicht alle Stroke Units personell und apparativ ausreichend ausgestattet. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) und die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG) haben deshalb gemeinsam ein neues Konzept entwickelt: Das Neurovaskuläre Netzwerk. 16 Netzwerke befinden sich derzeit in der Pilotphase.

„In Deutschland haben in den letzten Jahren viele, auch kleinere Krankenhäuser, Spezialstationen eingerichtet, um Patienten mit einem Schlaganfall schneller und effektiver behandeln zu können“, sagt DSG-Generalsekretär Professor Dr. med. Otto Busse, der das neue Konzept federführend mitentwickelte. In diesen Stroke Units können die Ärzte innerhalb kurzer Zeit die für eine Lysetherapie geeigneten Patienten auswählen und behandeln. Bei der Lysetherapie wird das Blutgerinnsel, das den Schlaganfall verursacht hat, medikamentös aufgelöst. „In den letzten Jahren sind eine Reihe weiterer, neuer Behandlungen hinzugekommen, die das therapeutische Spektrum erweitert haben“, berichten Vertreter von DSG, DGNR, DGNC und DGG. So ist bei manchen Patienten heute auch eine Behandlung des Schlaganfalls möglich, bei der das Blutgerinnsel mechanisch mittels eines Spezialkatheters entfernt wird. Auch Gefäßaussackungen, sogenannte Aneurysmen, können heute auf verschiedene Weisen behandelt werden, sowohl operativ als auch minimal-invasiv per Katheter. Für den Therapieerfolg entscheidend ist deshalb, dass sich Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen – Neurologen, Neurochirurgen, Neuroradiologen, Gefäßchirurgen und Kardiologen – innerhalb kurzer Zeit auf die optimale Therapie verständigen und diese einleiten. Doch gerade kleine Kliniken können dies personell und apparativ oft nicht leisten. Der Einsatz neuester Therapien übersteigt meist ihre Möglichkeiten.

„Wir haben uns deshalb gemeinsam auf ein Konzept der Neurovaskulären Netzwerke verständigt“, erklären die Vertreter der Fachgesellschaften. Den Mittelpunkt – das koordinierende Neurovaskuläre Zentrum – bildet ein Klinikum mit einer überregionalen Stroke Unit, das über weitere Spezialabteilungen wie Neurochirurgie, Neurointensivstation, Neuroradiologie mit Hirnkatheterlabor und Gefäßchirurgie verfügt. Sie ist organisatorisch mit Kliniken der Umgebung verbunden, die auf ihren Stroke Units keine Spezialbehandlungen durchführen können. Die Ärzte können sich jederzeit an das Neurovaskuläre Zentrum wenden und die Behandlungsmöglichkeiten des Patienten besprechen. Ist eine Spezialbehandlungen sinnvoll, wird der Patient in das Neurovaskuläre Zentrum gebracht, wo Spezialisten die Behandlung vornehmen. Dies gilt nicht nur für den Schlaganfall, sondern für sämtliche neurovaskulären Erkrankungen. In ländlichen Regionen ist auch die Einrichtung von Tele-Stroke Units möglich, in denen über Video oder Internet die Akutbehandlung von Patienten besprochen werden kann. „Der Vorteil dieses Konzepts ist, dass neurowissenschaftliches Fachwissen gebündelt wird und innovative Therapien breiter angewendet werden können“, bilanziert Professor Dr. med. Joachim Röther, Pressesprecher der DSG.

In der Akkreditierungsphase kam das Konzept gut an. „Die Resonanz war sehr hoch“, berichtet Professor Busse. „Es hatten sich 36 Zentren beworben, aus denen wir 16 ausgewählt haben.“ Die Netzwerke sind bereits im Einsatz und werden kontinuierlich weiterentwickelt. Ab Mitte nächsten Jahres ist eine unabhängige Prüfung nach einem sogenannten Peer Review Verfahren vorgesehen. Auf der Basis dieser Ergebnisse wollen die vier Fachgesellschaften langfristig eine flächendeckende Einrichtung Neurovaskulärer Netzwerke erreichen.

Das Konzept der Neurovaskulären Netzwerke diskutieren Experten auf der DSG-Pressekonferenz am 24. Oktober 2013, 12:00 bis 13:00 Uhr, zu der wie Medienvertreter recht herzlich einladen!

Stammzellen: Tödliches Erwachen durch Interferon

Der Immunbotenstoff Interferon alpha erweckt schlafende Blutstammzellen im Knochenmark zur Aktivität und macht sie dadurch für die Wirkung vieler Medikamente angreifbar. Dies veröffentlichten Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum gemeinsam mit Kollegen aus Lausanne in der Zeitschrift Nature. Auch Tumorstammzellen, so vermuten die Forscher, lassen sich so zur Teilung anregen und damit für die Behandlung mit Krebsmedikamenten sensibilisieren.

Nach Verletzungen mit Blutverlust muss der Körper das lebensnotwendige Blutvolumen schnell wiederherstellen. Dafür sorgt eine bestimmte Gruppe von Stammzellen im Knochenmark. Diese Blutstammzellen verbringen ihr gesamtes Leben in einer Art Schlafzustand, aus dem sie erst durch Verletzung und Blutverlust zur Aktivität geweckt werden. Unverzüglich beginnen sie, sich zu teilen, bis der Verlust an Blutzellen wieder ausgeglichen ist. Dies zeigten kürzlich Wissenschaftler um Professor Andreas Trumpp aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum.

Der Dauerschlaf ist ein wichtiger Schutzmechanismus der Stammzellen: Erstens bewahren sie so ihr Erbgut vor Genveränderungen, die sich vor allem während einer Zellteilung ereignen. Darüber hinaus entgehen sie im Schlaf auch der Attacke vieler Zellgifte, die nur auf sich teilende Zellen wirken.

Bislang war unbekannt, welche Signalmoleküle die Stammzellen tatsächlich aus ihrem Schlummer wecken. Andreas Trumpp und Marieke Essers aus seinem Team veröffentlichten nun in der Zeitschrift Nature, dass Interferon alpha, ein Botenstoff des Immunsystems, wie ein Wecker auf Blutstammzellen wirkt. Die Wissenschaftler zeigten damit zum ersten Mal, dass Interferon alpha die Funktion von Stammzellen direkt beeinflussen kann.

Interferon alpha wird von Immunzellen ausgeschüttet, wenn der Organismus von Bakterien oder Viren bedroht wird. Die Wissenschaftler lösten die Interferonproduktion in Mäusen aus, indem sie ihnen eine Substanz verabreichten, die den Tieren eine Virusinfektion vorgaukelt. Daraufhin kam es zu einem starken Anstieg der Teilungsrate der Blutstammzellen. In Kontrolltieren dagegen, die das Interferonsignal nicht verarbeiten können, führte die Substanz nicht zum Aufwachen der Stammzellen.

Einen weiteren Beweis für die Wirkung des Interfon alpha erzielten die Forscher mit dem Medikament 5-Fluorouracil, einem Zellgift, das häufig bei Brust- und Darmkrebs eingesetzt wird: Schlafende Stammzellen sind resistent gegen das Medikament, das seine Wirkung nur während der Teilung entfaltet. Erhalten die Tiere jedoch vor der 5-Fluorouracil-Behandlung Interferon alpha, so versterben sie nach kurzer Zeit an Blutarmut. Der Grund dafür: Durch die Interferon-Vorbehandlung wurden die ruhenden Stammzellen in die Zellteilung gezwungen und damit für die 5-FU-Wirkung sensibilisiert und abgetötet. Daher stehen nach kurzer Zeit keine Stammzellen mehr zur Verfügung, die Nachschub an kurzlebigen reifen Blutzellen wie Erythrozyten und Blutplättchen liefern.

Die Forscher begeistert an diesem Ergebnis besonders die Aussicht, dass der neu entdeckte Wirkmechanismus möglicherweise die Krebsbehandlung verbessern kann: „Eventuell können wir mit Interferon alpha nicht nur Blutstammzellen, sondern ebenso Tumorstammzellen aus dem Schlafzustand wecken und damit ihre oft beobachtete Resistenz gegen viele Krebsmedikamente brechen“, vermutet Andreas Trumpp.

Eine klinische Beobachtung weist bereits darauf hin, dass diese Vermutung mehr ist als reines Wunschdenken: Patienten, die an dem Blutkrebs chronisch myeloische Leukämie leiden und mit dem Medikament Glivec behandelt werden, erleiden nach Absetzen des Medikaments fast immer Rückfälle. Einigen Erkrankten wurde jedoch vor der Glivec-Therapie Interferon alpha verabreicht. Diese Patienten erlebten überraschenderweise lange rückfallfreie Phasen ohne jegliche Medikation. „Wir gehen davon aus“, erklärt Andreas Trumpp, „dass die Leukämie-Stammzellen durch die Interferongabe geweckt und damit für die Eliminierung durch das Medikament Glivec sensibilisiert wurden.“

Marieke A.G. Essers, Sandra Offner, William E. Blanco-Bose, Zoe Waibler, Ulrich Kalinke, Michel A. Duchosal and Andreas Trumpp: IFNa activates quiescent HSCs in vivo. Nature 2009, online veröffentlicht am 11. Februar 2009; DOI:10.1038/nature07815

——————————————————————————–

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.

Mikroben als Asthmaursache

Staphylokokken werden zur Todesfalle

München (pte/29.06.2005/15:49) – Wissenschaftler der Universität von
Gent haben entdeckt, dass Superantigene die Ursache für sehr schwer
verlaufende Allergien sind. Superantigene sind Stoffe, die große Teile
des Immunsystems unspezifisch aktivieren können. Die Erkenntnis wurde
beim derzeit in München stattfindenden Welt-Allergie-Kongress
http://www.congrex.com/wac2005 präsentiert. Beim Kongress tagen die
World Allergy Organisation (WAO) http://www.worldallergy.org sowie die
European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI)
http://www.eaaci.net .

Bei etwa einem Drittel der Bevölkerung können Mediziner eine
Besiedelung mit dem Bakterium Staphylokokkus aureus nachweisen. Bei den
meisten davon verursacht dieser Staphylokokken-Befall keine Probleme.
Bei Menschen, die jedoch an schweren Atemwegserkrankungen wie
Nasennebenhöhlenentzündung oder Asthma leiden, können diese Bakterien
zu einer großen Gefahr werden: Sie setzen Enterotoxine frei, die als so
genannte Superantigene eine besonders große Anzahl der T-Zellen des
Immunsystems scharf stellen. Die Folge ist eine massive
Entzündungsreaktion. Bei Asthmakranken kann dies dazu führen, dass die
Krankheit außer Kontrolle gerät und auch mit Kortison nicht mehr zu
behandeln ist.

"Wir haben Hinweise gefunden, dass Superantigene die Ursache für sehr
schwer verlaufende Allergien sind", führt Claus Bachert von der Klinik
für Hals-, Nasen- und Ohrheilkunde der Universität Gent
http://www.rug.ac.be aus. Diese Superantigene könnten an einem großen
Teil der etwa 2.700 Asthma-Todesfälle in Deutschland die Schuld tragen.
Mit Antibiotika allein sei das Problem nicht in den Griff zu bekommen.
"Möglicherweise kann zukünftig eine Impfung verhindern, dass eine
Nasennebenhöhlenentzündung oder Asthma bronchiale mit fatalen Folgen
eskalieren." Die Forscher suchen derzeit fieberhaft nach einer
wirksamen Waffe gegen Staphylokokken-Infektionen bzw. gegen die
Superantigene.

Freitag der 13. erhöht Aufmerksamkeit

Freitag der 13. erhöht Aufmerksamkeit
Experte: "Datum lässt Gehirn Missgeschicke besser abspeichern"
 
Freitag, der 13.: Laut Unfallsstatistik besonders sicher (Foto: pixelio.de/Dehn)

Freiburg (pte001/13.01.2012/06:00) – Menschen warten am Freitag, den 13., regelrecht auf ihr Unglück – und sorgen damit für den schlechten Ruf des Tages. Das erklärt der Hirnforscher Thomas Grüter http://thomasgrueter.de , Autor des Buches "Magisches Denken". "Unser Gehirn arbeitet stets mit Assoziationen. An normalen Tagen bringt man ein Missgeschick nicht mit dem Datum in Verbindung – sehr wohl jedoch am Freitag, den 13.", so der Experte im pressetext-Interview.

Besonders sicherer Tag

Trifft am Freitag, den 13., ein Unglück ein, so ist die "Erfüllung" bloß Produkt der geschärften Wahrnehmung, versichert Grüter. Er vergleicht es mit dem Warten an der Supermarktkasse. "Beim Nachdenken wähnt sich jeder stets in der Schlange, die am längsten braucht – nur wegen der Erwartungshaltung, die Tage des schnellen Vorwärtskommens nicht abspeichert. Denn objektiv ist die Chance immer 50 zu 50."

Objektiv gesehen ist auch der vermeintliche Tag der Pleiten, Pech und Pannen kein Unglückstag, sondern vielmehr ein besonders sicherer Tag. Eine aktuelle Analyse der Techniker Krankenkasse (TK) http://tk.de zeigt, dass es in Deutschland am besagten Datum im Schnitt 1.430 Unfälle gibt – um sechs weniger als an den anderen Freitagen. Nicht zuletzt dürfte das eine Folge von Vermeidungsverhalten sein, das manche Menschen an ihrem Unglückstag besser Acht geben lässt als sonst.

Christliche Ursprünge

Der Respekt vor dem Freitag, den 13., ist jedoch kein globales Phänomen. In Japan und China ist Acht die Unglückszahl, in Teilen Südamerikas die Zehn. "Die Abneigung gegen die Zahl 13 entstand im christlichen Kulturkreis, wo Zwölf aufgrund der zwölf Apostel stets als vollkommen galt, 13 als zuviel. Ebenso sah man den Freitag, den Todestag von Christus, als Unglückstag", berichtet Grüter. Heute verzichten manche Fluglinien auf die Sitzreihe 13 und manche Hotels auf diese Zimmernummer, um Abergläubische nicht zu verstören.

Nicht geglaubt, doch gerne gelesen

Dass der Freitag, der 13., so populär wurde, hängt eindeutig auch mit seiner Verbreitung in den Massenmedien im 20. Jahrhundert zusammen. Denn selbst in aufgeklärten und rationalen Zeiten kam der Menschheit der Sinn für Magie nicht abhanden, so der Experte. "Man liest gerne Berichte über jemanden, der morgens mit dem Fuß im Farbeimer landete, mittags von der Leiter fiel und abends beim Einschlafen den Rücken verdrehte und alles ein Freitag, der 13. war."

Dennoch steht für den Experten fest, dass kaum jemand tatsächlich an den Unglückstag glaubt. "Es ist ein Halbglaube, der weit verbreitet ist und jenem der Fußballer entspricht, die ebenfalls ihre Maskottchen und ritualisierten Bewegungen besitzen. Fragt man sie danach, so distanzieren sie sich davon. Aber es beruhigt sie, und der Aufwand dafür ist ja gering", so Grüter.

 

Hoffnung für alle, die an Arthrose leiden

Meine persönliche Bemerkung:

dies ist nicht wissenschaftlich belegt, aber ich möchte Ihnen meine persönliche Erfahrung nicht vorenthalten:

Mit
meinen 81 Jahren hatte ich enorme Schmerzen in Knie- und Hüft-Gelenken.
Der von mir konsultierte Orthopäde führte das auf Gelenkverschleiß
zurück. Er empfahl mir sogar rechts ein künstliches Hüftgelenk. Ich nahm
Schmerzmittel, insbesondere reichlich Iboprofen, das aber griff nach
einiger Zeit meine Nieren an, ich kann also davor nur warnen. Dann
empfahl mir rein zufällig ein Freund sogenanntes Hagebuttenpulver aus
getrockneten ganzen Früchten der Heckenrose. Ich war sehr skeptisch,
denn ich fand keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit. Aber
ich versuchte es und konnte es kaum glauben. Ein gehäufter Teelöffel am
Tag in Sirup, Wasser oder Tee gerührt, reichte aus, mir meine Schmerzen
nachhaltig zu nehmen. Auf mich wirkte es wie ein Wunder. Deshalb machte
ich meine eigenen empirischen Forschungen, in dem ich es an alle meine
Freunde und Bekannten verteilte, die ähnliche Leiden hatten. Alle
berichteten mir von einer eklatanten Besserung der Schmerzen in den
angesprochenen Gelenken. Ein befreundeter Jäger verabreichte es ksogar
seinem betagten Hund, der läuft jetzt wieder herum, was vorher kaum
möglich war. Auch bei Pferden soll es sich nützlich machen.

Nun
hoffe ich, dass nicht nur meine persönlichen Erfahrungen Sie liebe
Leser mit gleichen Leiden es versuchen, sondern dass sich dem auch die
Wissenschaft widmet. Das ist leider bei Naturstoffen immer das Problem,
denn mit dieser Art Forschung kann man kein Geld verdienen.

Sollte
Sie auch positive Erfahrung haben, teilen Sie es mir in meinem
Gästebuch mit. Ansonsten empfehle ich Ihnen den folgenden
wissenschaftlichen Artikel vom renomierten Helmholtz Zentrum München

Ihr Jean Pütz


Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler haben 52 neue Veränderungen im Erbgut entdeckt, die mit
Arthrose in Verbindung stehen. Dadurch verdoppelt sich die Anzahl der
diesbezüglich bekannten Stellen. In der mit knapp 480.000 Teilnehmern
bislang größten je durchgeführten genetischen Untersuchung zu Arthrose
fanden die Forscher zudem Ansätze, um teilweise schon existierende
Medikamente bei Arthrose einzusetzen zu können. Geleitet wurde die in
‚Nature Genetics‘ veröffentlichte Arbeit von Prof. Dr. Eleftheria
Zeggini, seit kurzem Institutsdirektorin am Helmholtz Zentrum München.
Im Video erklärt sie die Hintergründe der Arbeit:
https://vimeo.com/312537973

Bei
Arthrose handelt es sich um eine degenerative Erkrankung der Gelenke.
Diese nehmen Schaden, verlieren an Beweglichkeit und beginnen zu
schmerzen. Arthrose ist die am meisten verbreitete muskuloskelettale
Krankheit der Welt und die Hauptursache für entsprechende Behinderungen.
Bislang gibt es keine krankheitsspezifische Behandlung, sodass außer
der Gabe von Schmerzmitteln lediglich der operative Einsatz künstlicher
Gelenke zur Option steht.

Um den Krankheitsursachen auf den Grund zu
gehen und neue Behandlungsmöglichkeiten zu finden, haben Forscher des
britischen Wellcome Sanger Institute gemeinsam mit dem Unternehmen GSK
das Erbgut von über 77.000 Arthrosepatienten analysiert und mit dem von
mehr als 370.000 gesunden Menschen verglichen. Die Proben stammten aus
der arcOGEN-Studie* sowie der UK-Biobank im Vereinigten Königreich. Die
Wissenschaftler schlossen dabei viele verschiedene Arthrosetypen mit
ein, darunter auch solche im Knie- und Hüftbereich.

Prof. Dr. Eleftheria Zeggini, Direktorin des
neu gegründeten Instituts für Translationale Genomik am Helmholtz
Zentrum München und zuvor am Wellcome Sanger Institute kommentiert:
„Arthrose ist eine sehr häufige, unheilbare Krankheit. Wir haben die
bisher größte Studie zur Arthrose durchgeführt und über 50 neue
genetische Veränderungen gefunden, die das Erkrankungsrisiko erhöhen.
Das ist ein großer Fortschritt für die Entwicklung von Therapien, die
Millionen von Betroffenen helfen könnten.“

Um herauszufinden, welche Gene für die
Erkrankung verantwortlich sind, hatte das Team zusätzlich zum Erbgut
auch funktionelle Genomdaten aufgenommen sowie die Genaktivität und
Proteinexpression analysiert. So konnten die Wissenschaftler
nachvollziehen, welche Gene besonders oft abgelesen und zu Proteinen
umgesetzt wurden. Das entsprechende Gewebe stammte von
Arthrose-Patienten, die sich einer Gelenkersatzoperation unterzogen
hatten.

Durch das Zusammenführen mehrerer
verschiedener Datensätze konnten die Forscher die Gene identifizieren,
die sehr wahrscheinlich ursächlich für die Arthrose sind. Zehn davon
sind bereits Ziel von Medikamenten, die sich entweder in der klinischen
Entwicklung befinden oder bereits gegen Arthrose und andere Krankheiten
zugelassen sind.** Den Forschern zufolge wären diese Medikamente
vielversprechende Kandidaten, um sie im Einsatz gegen Arthrose zu
testen.

Dr. Stephen Simpson, Forschungsdirektor der
Wohltätigkeitsorganisationen Versus Arthritis***, das die arcOGEN-Studie
unterstützte, sagt: „In ganz Großbritannien sind über 8,5 Millionen
Menschen von Arthrose betroffen. Wir wissen, dass sich die Erkrankung
sehr verschieden auf die Menschen auswirkt: Eine Behandlung, die bei
einer Person wirkt, muss bei einer anderen Person nicht unbedingt
erfolgreich sein. Daher stellt diese Studie einen wichtigen Meilenstein
dar, um die Komplexität von Arthrose zu verstehen und neue
Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Wir freuen uns, dass unsere
Unterstützung für die arcOGEN-Studie dazu beigetragen hat. Langfristig
sollte die Forschung dabei helfen, die Schmerzen, die Isolation und die
Erschöpfung der Menschen mit Arthritis zu beenden.“

Standort Deutschland verliert den Anschluss an die Weltspitze

Von Frank Stocker
Eine aktuelle Untersuchung zeigt erneut: Die Standortbedingungen für Unternehmen hierzulande verschlechtern sich. Das befeuert die Forderungen nach Steuersenkungen. Doch andere Aufgaben sind weit dringlicher.

Sie heißen Henkel oder Bosch, Trumpf oder Bertelsmann, Müller oder Kärcher: Unternehmen in Familienbesitz. Sie sind oft weniger in den Schlagzeilen als die börsennotierten Firmen – zu Unrecht, denn in den großen und kleinen Betrieben in Privatbesitz ist ein Großteil der Arbeitnehmer beschäftigt, sie erwirtschaften einen erheblichen Teil der Umsätze und Gewinne der deutschen Wirtschaft. Wenn diese Unternehmen daher Alarm schlagen, sollte dies aufhorchen lassen.

Und sie tun es, über die Stiftung Familienunternehmen, die von rund 500 Firmen aus dem Kreis der größten deutschen Familienunternehmen getragen wird. Diese Interessensvertretung lässt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) alle zwei Jahre untersuchen, wie attraktiv die europäischen Länder als Standort für Familienunternehmen sind.

Die neueste Analyse ist wenig schmeichelhaft für Deutschland, vor allem weil es neuerdings sogar von einem ehemaligen Euro-Krisenstaat überholt wurde. Allerdings stehen die Ergebnisse teilweise auch im Widerspruch zu anderen entsprechenden Untersuchungen.

Der Vergleich basiert auf einer Begutachtung von sechs Themenfeldern: Steuern, Arbeitskosten/Produktivität/Humankapital, Regulierung, Finanzierung, Infrastruktur und Institutionen sowie Energie. Bewertet wird, wie förderlich die jeweiligen Bedingungen für Unternehmen im jeweiligen Land sind, und auf dieser Basis wird eine Rangliste erstellt.

An der Spitze steht dabei wie schon vor zwei Jahren die Schweiz, und auch am Tabellenende hat sich nichts getan, dort stehen nach wie vor Frankreich, Spanien und Italien. Dazwischen haben sich jedoch einige Verschiebungen ergeben.

Für Deutschland ging es dabei allerdings gleich vier Plätze nach unten, es nimmt nur noch Rang 16 von 21 ein. „Deutschland hat im internationalen Vergleich insgesamt erheblich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, auch wenn das noch durch die gute Konjunkturlage verdeckt wird“, sagt Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

Bei Steuerpolitik zurückgefallen
So zeigten die Daten, dass die Arbeitskosten hierzulande vergleichsweise hoch, die Bildungsausgaben des Staates dagegen eher niedrig sind. Bei den Strompreisen landet Deutschland sogar auf dem zweitletzten Platz, und die digitale Infrastruktur ist bestenfalls Mittelmaß. Punkten kann es immerhin noch bei der finanziellen Stabilität des Staates, der Banken und der Privatwirtschaft, gerade im Vergleich zu manch südeuropäischen Ländern. Auch im Feld der Regulierung habe Deutschland zuletzt etwas Boden gutgemacht, da beispielsweise die Gründung von Kapitalgesellschaften inzwischen relativ unkompliziert sei.

Besonders stark sei Deutschland jedoch im Bereich der Steuerpolitik zurückgefallen. Dies sei weniger dadurch geschehen, dass hier Steuern erhöht wurden, vielmehr seien die Unternehmensteuern in anderen Ländern teilweise deutlich gesenkt worden. Bestes Beispiel dafür sind die USA, obwohl die dortige Steuerreform noch gar nicht berücksichtigt wurde, ebenso wie die angekündigte Steuerreform in Frankreich. Die US-Steuerreform könne sogar dazu führen, dass die USA künftig die Schweiz vom ersten Platz im Länderranking verdrängt, sagt Friedrich Heinemann, Forschungsbereichsleiter am ZEW.

Nach Ansicht der Stiftung Familienunternehmen habe zudem die jüngste Erbschaftsteuerreform in Deutschland zu erheblichen Erschwernissen geführt. Ende 2016 hatte der Gesetzgeber aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts beschlossen, dass die Firmenerben zwar weiterhin privilegiert werden, wenn sie das Unternehmen fortführen. Ab einem Betriebsvermögen von 26 Millionen Euro je Erbfall muss nun jedoch eine Bedürfnisprüfung stattfinden. Nur wenn der Erbe nachweisen kann, dass ihn die Zahlung der Erbschaftsteuer überfordern würde, wird er von der Steuer befreit. Dazu muss er auch sein Privatvermögen offenlegen, das bis zur Hälfte zur Besteuerung herangezogen werden kann.

Die Interessensvertreter fordern vor diesem Hintergrund nun eine Entlastung. „Die Politik muss endlich die Standortbedingungen Deutschlands wieder in den Fokus rücken“, sagt Stiftungschef Kirchdörfer. „Dringend überfällig sind beispielsweise eine Senkung der effektiven Steuerbelastung von Unternehmen um mindestens fünf Prozentpunkte.“ Wenn die Regierung nicht aktiv werde, würde Deutschland als Standort für Familienunternehmen weiter an Attraktivität verlieren.

Schon jetzt wurde Deutschland im Ranking sogar von einem ehemaligen Euro-Krisenstaat überholt: Portugal stieg um drei Plätze auf Rang 15 auf. Das Land habe sich diese Position vor allem in den Bereichen Steuern und Regulierung erarbeitet, so die Stiftung Familienunternehmen. Das Land zählt tatsächlich zu jenen Staaten, in denen Firmenerben überhaupt keine Steuern auf das geerbte Betriebsvermögen bezahlen müssen.

Erderwärmung ist wirtschaftlich spürbar

pte20181227001

Unternehmen/Finanzen, Handel/Dienstleistungen
2018: Klimakosten, Brexit und Crypto-Blase

Nicht aufzuhaltende Erderwärmung ist wirtschaftlich spürbar – Unklarheit bei Brexit und Bitcoins

(pte001/27.12.2018/06:00) – Wer auf das Wirtschaftsjahr 2018 zurückblickt, kommt an einem Thema nicht vorbei, dass eigentlich ansonsten eher im Wissenschaftsressort zu finden ist: dem Klimawandel. Dieser macht sich auch zunehmend ökonomisch bemerkbar. Als Ausweg aus der Misere drängen immer mehr Experten auch in Deutschland auf einen Kohleausstieg und eine entsprechende Energiewende. Heiß diskutiert wurden außerdem die anhaltende politische Rangelei um den Brexit und die extremen Kursschwankungen von Bitcoins.

Klimawandel kostet Geld

„Wir wissen alle, dass die CO2-Emissionen, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe frei werden, Menschen und Ökosysteme in der ganzen Welt negativ beeinflussen“, so Kate Ricke, Assistenzprofessorin vom Institut für globale Politik und Strategien an der University of California, in einem Ende September vorgelegten Bericht. Doch nur die Wenigsten seien sich auch im Klaren darüber, welcher ökonomische Schaden damit einhergeht. Alleine die US-Wirtschaft müsse sich nämlich in Folge der globalen Erderwärmung auf Kosten in Höhe von 250 Mrd. Dollar pro Jahr einstellen, wie Ricke berechnet haben will (siehe: http://pte.com/news/20180928001 ).

Besonders harte Zeiten warten auf Unternehmen, die es nicht schaffen, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Diesen droht ein empfindlicher Wertverlust ihrer Assets und Aktienkurse, wie Forscher der University of Waterloo unmissverständlich klarstellten (siehe: http://pte.com/news/20181115003 ). Das gilt vor allem für Firmen in emissionsintensiven Branchen wie etwa dem Energiesektor. Die Umsetzung gemeinsamer Klimaziele sei allerdings durchwegs mangelhaft: Von 36 börsennotierten Unternehmen in Europa und Nordamerika, die als „heavy emitters“ eingestuft werden, würden nur neun die Vorgaben von Klimaabkommen einhalten.

Energiewende ist machbar

Während die Ölindustrie weiterhin jeglichen Zusammenhang ihres Tuns mit dem Klimawandel leugnet (siehe: http://pte.com/news/20180517003 ), bekommen einzelne Branchen und Betriebe die Folgen der Erderwärmung bereits hautnah zu spüren. Ein Beispiel ist etwa der hessische Bergbauriese K+S, der im dritten Quartal 2018 aufgrund anhaltender extremer Trockenheit einen Rückgang des Betriebsgewinns (EBITDA) um rund 53 Prozent vermeldete (siehe: http://pte.com/news/20181115020 ).

Dabei sei die Energiewende nicht nur klimapolitisch, sondern auch technisch und wirtschaftlich machbar, wie eine gemeinsame Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), des Ecologic Instituts und des Wuppertal Instituts bestätigte (siehe: http://pte.com/news/20181005017 ). Demnach würde bei einem Umstieg von Kohle auf erneuerbare Energien der Nutzen die Transformationskosten bei weitem übersteigen. Wenn das älteste Drittel aller Braunkohlekraftwerke sofort abgeschaltet und ein weiteres Drittel gedrosselt werden würde, könnte Deutschland auch seine Klimaziele für 2020 und 2030 schaffen, schätzen Fraunhofer-Forscher (siehe: http://pte.com/news/20180928027 ).

Brexit fordert Umdenken

Auch in anderer Hinsicht sollte die deutsche Wirtschaft schnellstmöglich umdenken. Der Brexit, der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU, rückt nämlich immer näher. „Kommt es zu keiner Einigung zwischen London und Brüssel, droht bereits am 30. März 2019 über Nacht ein harter Brexit mit Zöllen und langen Grenzkontrollen“, so die eindringliche Warnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Einer aktuellen Umfrage zufolge sei der Großteil der heimischen Betriebe aber noch immer nicht ausreichend auf ein No-Deal-Szenario vorbereitet. „Dieses Ergebnis ist besorgniserregend“, kritisierte IW-Ökonom Jürgen Matthes Anfang November (siehe: http://pte.com/news/20181106018 ).

Dass Unternehmen dem Brexit nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa mit Furcht entgegenblicken, hatte eine PwC-Studie unter 2.450 Firmen in 31 europäischen Ländern schon Anfang Juni deutlich gezeigt. Angesprochen auf Fachkräftemangel, Bürokratie und künftige Wachstumsaussichten, gab ein Viertel der Befragten an, dadurch negative Folgen zu befürchten (siehe: http://pte.com/news/20180608002 ). Entsprechende Sorgen hat offensichtlich auch die britische Regierung selbst, die mit einer Diplomatie-Offensive den politischen und wirtschaftlichen Einfluss Großbritanniens in der Welt sicherstellen will (siehe: http://pte.com/news/20181102019 ).

Geplatzte Bitcoin-Blase

Mit Ängsten und Sorgen hatten in diesem Jahr wohl auch viele Anhänger der 2017 so gehypten Kryptowährungen zu kämpfen. Diese mussten nach einem rasanten Höhenflug gegen Ende des Vorjahres – Bitcoins erreichten dabei zeitweilig einen Kurs von über 20.000 Dollar – einen ebenso rasanten Einbruch hinnehmen: Mitte August lag der Kurs eines Bitcoin nur noch unter 6.000 Dollar (siehe: http://pte.com/news/20180814018 ) und taumelte im Dezember sogar Richtung 4.000 Dollar. Analysten sahen die Schuld für das Platzen der Preisblase vor allem bei Spekulanten, die allein im Dezember 2017 über 15. Mio. Dollar an Bitcoins von Langzeitinvestoren aufgekauft hatten (siehe: http://pte.com/news/20180611002 ).

Doch auch die von „CNBC“ zu Tage geförderte Erkenntnis, dass mittlerweile 800 verschiedene Kryptowährungen weit unter einem Cent gehandelt werden oder de facto tot sind (siehe: http://pte.com/news/20180704003 ), kann einige Experten offensichtlich nicht davon abhalten, überaus positiv in die digitale Währungszukunft zu blicken. Forscher des Imperial College London und der Investment-Plattform eToro vermuten etwa, dass Bitcoin und Co schon innerhalb des nächsten Jahrzehnts zum Mainstream-Zahlungsmittel werden könnten (siehe: http://pte.com/news/20180711004 ).

Eine neue Basis für das Kilogramm

Die Masse hat fundamentale Bedeutung für unser tägliches Leben, in der
Wirtschaft und in der Wissenschaft. Sie sorgt dafür, dass sich die Erde
um die Sonne dreht, Galaxien zusammenhalten und wir mit beiden Beinen
fest auf dem Boden stehen. Auch im Wirtschaftsleben spielt die exakte
Bestimmung von Massen eine wichtige Rolle: jeden Tag im Supermarkt, im
Handel oder in Frachtfliegern. Ferner sind exakte Massenangaben in
nahezu allen physikbasierten Wissenschaften essentiell.

Um
jedermann ein verlässliches Maß an die Hand zu geben, hat die
Generalkonferenz für Maß und Gewicht � die Conférence Générale des Poids
et Mesures (CGPM) einen Standard definiert: das Urkilogramm oder
genauer den Internationalen Kilogrammprototypen. Auf den beziehen sich
weltweit alle anderen Referenzmassen.

Da es Zweifel gibt, ob das
Urkilogramm nicht doch im Laufe der Zeit an Gewicht verliert, suchen
Forscherinnen und Forscher seit vielen Jahren nach Wegen, das Kilogramm
auf Grundlage von Naturkonstanten neu zu definieren, zumal es die letzte
Basiseinheit ist, die sich noch auf einen makroskopischen Körper
bezieht. Bei dieser Neudefinition nimmt Deutschland eine wichtige Rolle
ein.

Physik konkret bietet in kompakter und
allgemeinverständlicher Form Fakten zu aktuellen wissenschaftlichen und
wissenschaftspolitischen Themen. Mit dem kostenlosen Faktenblatt möchte
sich die DPG mit ihrer Expertise in die öffentliche Diskussion
einbringen und bei zentralen Fragen Entscheidungsträgern in Politik,
Wirtschaft und Gesellschaft zur Verfügung stehen. Unter www.physikkonkret.de stehen Ihnen alle bisherigen Ausgaben von �Physik konkret� zur Verfügung.

Zur Förderung der angewandten Forschung

Stellungnahme von Prof. Dr. Matthias Klingner zur öffentlichen Anhörung am 25. Juni 2018 
Zu Beginn der Diskussion sei die Frage erlaubt, ob es wirklich opportun ist, mit einer äußerst fragwürdigen 
Diesel-Kampagne derzeit einen weiteren Keil in die ohnehin tief gespaltene Gesellschaft zu treiben und dreizehn 
Millionen Fahrzeugbesitzer kalt zu enteignen. Bei aller berechtigten Kritik am Management der Automobil-
industrie ist es weder volkswirtschaftlich noch sozial zu verantworten, eine Schlüsselbranche der deutschen 
Industrie angesichts zunehmender Spannungen im Welthandel derart massiv unter Druck zu setzen, denn vieles 
an der derzeitigen Diskussion ist schlichtweg falsch. 
1. Nicht ein Mensch stirbt in Deutschland an Schadstoffemissionen, die aus den Dieselmotoren deutscher Pkw 
stammen. Mit einer sehr einfachen Rechnung sind epidemiologische Studien, die zehntausende Todesfälle 
auf die verkehrsbedingten Feinstaub-, Stickoxid- und Ozonbelastungen zurückführen, ad absurdum zu 
führen. 
2. Deutsche Dieselfahrzeuge zeichnen sich im weltweiten Vergleich selbst unter Berücksichtigung der Abgas-
manipulationen durch hervorragend niedrige Schadstoffemissionen aus. 
3. In den vergangenen 15 Jahren konnte der Schadstoffausstoß bei Dieselmotoren um 84 Prozent und bei 
Benzinmotoren um 60 Prozent gesenkt werden. 
4. Moderne Dieselfahrzeuge mit Euro-6 gehören zu den saubersten Verkehrsmitteln im urbanen Verkehr. Ein 
Diesel-Pkw emittiert mit 80 mg NOx pro km deutlich weniger Schadstoffe als Linienbusse (550 mg NOx pro 
Fahrgast auf einem Kilometer) sowie Nahverkehrszüge (240 mg NOx pro Fahrgast auf einem Kilometer) und 
liegen bei einem Besetzungsgraden von mehr als einer Person auch unter den Emissionswerten von 
Straßen-, U- und S-Bahnen. 
5. Fahrverboten für Diesel-Pkw verletzen somit die in den europäischen Richtlinien vorgeschriebene Verhältnis-
mäßigkeit nach dem Verursacherprinzip massiv. 
6. Die CO2-Bilanz des Diesel-Motors fällt im Vergleich zu anderen Verbrennungsmotoren 15 Prozent günstiger 
aus. Vergleichbare Kraftstoffeinsparungen werden in Hybridfahrzeugen mit wesentlich höherem tech-
nischen Aufwand erreicht. Die derzeitige Diskussion entbehrt daher auch in Hinblick auf das Erreichen 
der Klimaschutzziele jeglicher Logik. 
Fraunhofer IVI | Zeunerstraße 38 | 01069 Dresden 
Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und 
Infrastruktursysteme IVI 
Institutsleiter 
Prof. Dr.-Ing. Matthias Klingner