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Lügen werden mit Training zur Wahrheit

Lügen werden mit Training zur Wahrheit
Mit Anleitung lässt sich Flunkern perfektionieren
 
Lange Nase: Lügen werden mit Übung wahr (Foto: pixelio.de, G. Altmann)

Evanston/Wien (pte030/10.12.2012/13:30) – Lügen können so trainiert werden, dass sie von der Wahrheit nicht mehr unterschieden werden können. Zu dieser Erkenntnis sind Forscher der Northwestern University http://northwestern.edu gekommen. Bei unehrlichen Aussagen überlegen Menschen meist länger und machen mehrere Fehler als bei wahren Informationen. Alleine die Anleitung zum Lügen reduziert die Reaktionszeit für täuschende Antworten und kann durch Training perfektioniert werden. Diese Erkenntnis ist laut den Forschern beim Kampf gegen Kriminalität nützlich. Meist besteht ein gewisser Zeitraum zwischen einer kriminellen Tat und dem Verhör. Die Täter hätten demnach häufig genug Zeit, sich auf dieses vorzubereiten.

"Lügen kann sinnvoll sein"

"Menschen lügen häufig aus Selbstschutz oder zum Schutz der Anderen", sagt Psychologe Klaus Pötzlberger http://klaus-poetzlberger.com im Gespräch mit pressetext. Demnach könne die Unwahrheit in bestimmten Situation durchaus sinnvoll sein.

"Eltern lügen ihre Kinder zum Beispiel manchmal an, weil sie denken, die Wahrheit sei für ihren Nachwuchs nicht zumutbar und wollen ihn somit schützen", so der Experte. Umgekehrt lügen Kinder bei schlechten Noten ihre Eltern oft zum Selbstschutz an. "Es gibt aber auch Menschen, die ganz bewusst lügen und dies zu ihrer Lebensstrategie machen", sagt Pötzlberger.

Enttarnung durch Mimik und Gestik

Ein Lügendetektor misst den Blutdruck, Puls, die Atmung sowie die Leitfähigkeit der Haut. Bei Nervosität schlägt die Nadel aus. "Für die Kriegsführung zum Beispiel werden Soldaten trainiert, ihre Gefühle zu unterbinden, so dass der Lügendetektor bei Unwahrheit nicht mehr ausschlägt", erläutert der Spezialist.

Das Gerät ist laut dem Experten als zusätzliches Instrument zu einem Begutachter sinnvoll. "Es ist wichtig, auch die Mimik und Gestik zu lesen sowie auf Wortwiederholungen und Reaktionszeit zu achten", führt Pötzlberger aus. Bei einer adhoc-Antwort könne man eher von einer wahren Aussage ausgehen als bei längerem Überlegen.

Wichtiger sei jedoch die Körpersprache, denn diese geschehe unbewusst. "Der Körper lügt nie", erläutert der Fachmann. Wenn sich demnach ein Befragter unter anderem an der Stirn, hinter dem Ohr oder am Adamsapfel kratzt, so könne dies bereits ein Indiz einer Lüge sein. Die Gestik ist laut Pötzlberger genauso viel wert wie ein Lügendetektor. Faktoren wie Mimik, Gestik, Stimmführung und Ähnliches seien für geschulte Menschen wichtige Indizien.

Menschliche Haut aus Stammzellen hergestellt

Menschliche Haut aus Stammzellen hergestellt
Alternative zu Tierversuchen bei der Erprobung von Medikamenten

London (pte006/25.04.2014/10:40) – Menschliche Haut, die im Labor hergestellt worden ist, kann bald Tiere bei Tests für Medikamente und Kosmetika ersetzen. Wissenschaftler des King’s College London http://kcl.ac.uk haben eine Schicht menschlicher Haut aus Stammzellen entstehen lassen. Diese Zellen wurden bereits in der Vergangenheit zu menschlicher Haut umgewandelt. Laut dem Team um Dusko Ilic ist das Resultat wirklicher Haut noch ähnlicher, da es über eine durchlässige Barriere verfügt.

Kostengünstiges Verfahren

Die äußerste Schicht der Haut, die Epidermis, bietet eine schützende Barriere, die verhindert, dass Feuchtigkeit austritt und Mikroben eindringen. Aus Biopsieproben wurde bereits seit Jahren Epidermen hergestellt, die aktuelle Studie geht jedoch einen Schritt weiter. Die Wissenschaftler setzten umprogrammierte Hautzellen ein, die es ermöglichen, eine uneingeschränkte Menge der in der Epidermis hauptsächlich vorkommenden Zellen herzustellen.

Die Hautzellen wurden in einer Umgebung mit geringer Luftfeuchtigkeit hergestellt, damit erhielten sie eine Barriere, die jener von wirklicher Haut ähnlich ist. Ilic zufolge ist das neue Verfahren kostengünstig, leicht in einem größeren Ausmaß einsetzbar und wiederholbar. Das Verfahren könne nicht nur für Tests bei Medikamenten und Kosmetika, sondern auch bei der Erforschung von Hautkrankheiten eingesetzt werden. Dazu gehören Ichthyosen mit trockener, schuppiger Haut oder Ekzeme.

Erforschung der Hautbarriere

"Wir können dieses Modell einsetzen, um zu untersuchen, wie sich die Hautbarriere normalerweise entwickelt, wie diese Barriere bei verschiedenen Krankheiten beeinträchtigt wird und wie wir die Wiederherstellung unterstützen können." Die Forschungsergebnisse wurden im Fachmagazin Stem Cell Reports http://cell.com/stem-cell-reports veröffentlicht.

Gärreste nicht bedenklich – dennoch untersuchen

Biogasanlagen
Gärreste nicht bedenklich – dennoch untersuchen
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(aid) – Biogasanlagen sind in den vergangenen Jahren oft mit der Anreicherung pathogener Keime – und hier speziell mit Neurotoxin bildenden Clostridium botulinum-Stämmen in den Gärresten in Verbindung gebracht worden. Nach Ansicht von Professor Gerhard Breves von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Physiologisches Institut, jedoch zu Unrecht. "Dieses Thema wird in den Medien extrem hochgekocht, ohne Sachverstand", so begann Breves die Vorstellung seiner Untersuchungsergebnisse anlässlich der Fachtagung "Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückständen" zu der die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) im März 2013 nach Berlin eingeladen hatte.

Breves untersuchte in einer für Niedersachsen repräsentativen Studie die Gärrückstände von 15 Biogasanlagen, jeweils fünf Anlagen aus Ackerbauregionen, aus Milchviehregionen und aus Veredelungsregionen. In keinem Fall war es möglich, Neurotoxin-Bildner nachzuweisen; auch Salmonellen wurden nicht gefunden. Dieses Ergebnis, so Breves, hat die gesamte Diskussion um dieses Thema extrem entlastet. Seine Ergebnisse ließen darauf schließen, dass durch den Fermentationsprozess bei der Biogasgewinnung die absolute Keimzahl stark reduziert wird und es zu einer Hygienisierung des Gärrückstandes kommt und nicht zu einer Verkeimung. Breves empfiehlt Biogasanlagenbetreibern dennoch aus Vorsorgegründen, in bestimmten Zeitabständen die Gärsubstrate und Gärreste einer mikrobiologischen Untersuchung zu unterziehen, um auf diesem Wege Sicherheit hinsichtlich des möglichen Risikopotenzials zu erreichen.

In einem Vortrag zu den phytosanitären Aspekten in Biogasanlagen sprach Dr. Martina Bandte, Humboldt-Universität zu Berlin, Fachgebiet Phytomedizin, von einer sogenannten Abreicherung von bakteriellen und pilzlichen Pathogenen. Ihre Untersuchungen ergaben, dass beim Fermentationsprozess z. B. verschiedene Clavibacter, Claviceps purpureum, verschiedene Fusarium-Arten und Alternaria und Rhizoctonia inaktiviert werden. Die Silierung des Ausgangssubstrats und auch die spätere Lagerung der Gärreste von mindestens vier Wochen tragen ebenfalls zur Inaktivierung und Reduktion von phytopathogenen Keimen bei.
Dr. Volker Bräutigam, www.aid.de

Salat statt Currywurst

Salat statt Currywurst
In der Mittagspause darf es gesund und lecker sein
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(aid) – Zwei Drittel aller Deutschen gehen in der Mittagspause essen. Knapp 70 Prozent achten bei der Auswahl der Speisen in erster Linie auf eine gesunde Ernährung. Das ist das erfreuliche Resultat einer Umfrage mit mehr als 1.300 Teilnehmern von Bookatable, ein europaweiter Restaurantführer mit Reservierungsfunktion.   

Bei der Auswahl des Mittagsmenüs spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Für 68 Prozent der Berufstätigen muss das Essen vor allem gesund und ausgewogen sein. 19 Prozent der Befragten finden besonders wichtig, dass es schnell geht. Nur jeder Zehnte achtet auf den Preis. Die Frage, ob es in erster Linie schmecken soll, wurde hier nicht gestellt.   

Das Gesundheitsbewusstsein der Arbeitnehmer spiegelt sich in der Wahl der Speisen wider: 57 Prozent bestellen in der Mittagspause einen leichten Salat. An zweiter Stelle stehen Sandwiches sowie Pasta und Pizza mit einem Anteil von je 14 Prozent, gefolgt von Suppengerichten (10 Prozent). Nur 6 Prozent der Befragten greifen zu Fastfood wie Schnitzel, Currywurst und Pommes frites. Das kann daran liegen, dass eine fettige Mahlzeit nicht nur die Kalorienzufuhr steigert, sondern auch zu extremer Verdauungsmüdigkeit nach der Pause führt.   

Jeder dritte Deutsche bringt sich das Essen mit zur Arbeit, um Zeit (39 Prozent) und Geld (37 Prozent) zu sparen. Häufig gibt es in der Nähe der Arbeitsstelle auch zu wenige Möglichkeiten, um auswärts essen zu gehen (24 Prozent).   

Das Mittagessen im Restaurant kann eine angenehme Abwechslung im Arbeitsalltag sein. In der Kantine bietet das Salatbüfett eine leichte Mahlzeit. Am besten ergänzen Sie Blattsalate und Gemüse mit einem selbstgemischten Dressing aus Essig, Öl und Kräutern. Dazu passt eine Scheibe Vollkornbrot, die länger satt hält. Wer sich das Essen zum Arbeitsplatz mitbringt, sollte es nicht vor dem Bildschirm verzehren. Machen Sie bewusst Pause, damit sich der Körper auch erholen kann.

Neuer Satellit zeigt Meereis-Rückgang

Neuer Satellit zeigt genaues Ausmaß des Meereis-Rückganges in der Arktis

Bremerhaven 15. Februar 2013. Aktuelle Messungen des ESA-Eisdicken-Satelliten CryoSat-2 haben ergeben, dass die Gesamtmasse des arktischen Meereises im vergangenen Herbst 36 Prozent kleiner war als zur gleichen Zeit in den Jahren 2003 bis 2008. Betrug das Herbst-Volumen der Eisdecke bis vor fünf Jahren noch durchschnittlich 11900 Kubikkilometer, schrumpfte sie im vierten Quartal des Jahres 2012 auf 7600 Kubikkilometer. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam, nachdem es CryoSat-Daten der zurückliegenden zwei Jahre verglichen hat mit Messungen eines ehemaligen NASA-Satelliten sowie mit den Ergebnissen der Meereis-Untersuchungen des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Die Studie ist in der Online-Ausgabe des Fachmagazins Geophysical Research Letters erschienen und zeigt zum ersten Mal, wie genau Wissenschaftler die Entwicklung des arktischen Meereises mit CryoSat-2 beobachten können.

Als das arktische Meereis im Spätsommer des vergangenen Jahres so weit geschmolzen war, dass seine Fläche einen neuen Negativrekord aufstellte, war Meereisphysiker Stefan Hendricks genau am Ort des Geschehens – in der zentralen Arktis. Von Bord des Forschungsschiffes POLARSTERN aus starteten er und Kollegen mit Helikoptern, um mit einem Meereisdicken-Sensor im Schlepptau die Dicke des verbliebenen Eises zu vermessen; und das über eine Strecke von mehr als 3500 Kilometer. Daten wie diese haben Stefan Hendricks und Kollegen anschließend benutzt, um die Messmethode und die Messergebnisse des Eis-Satelliten CryoSat-2 zu überprüfen, den die ESA (European Space Agency) am 8. April 2010 in das Weltall gebracht hatte.

Der Satellit verfügt über einen Radar-Abstandsmesser, der erfasst, wie groß der Abstand zwischen der Eisoberfläche und dem darunterliegenden Meerwasser ist. CryoSat-2 umkreist die Erde zudem auf einer Umlaufbahn, die ihn dichter an den Nordpol heranführt als jeden seiner Vorgänger. Sein 1000 Meter breiter Radar-Strahl wandert dabei innerhalb eines Monats fast einmal über die gesamte Arktis, sammelt hochaufgelöste Daten und durchdringt im Gegensatz zu CryoSats Vorgänger ICESat auch die Wolkendecke. Technik, welche die Wissenschaftler begeistert und voranbringt: „Wir wissen jetzt, dass das CryoSat-Messverfahren gut funktioniert. Mit Hilfe des Satelliten ist es uns zum ersten Mal gelungen, eine nahezu vollständige Eisdicken-Karte der Arktis zu erstellen“, sagt Meereisphysiker und Mitautor Stefan Hendricks vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). AWI-Meereis-Experten messen seit dem Jahr 2003 in einem Projekt der ESA die Dicke von Meereis.

Die CryoSat-Daten aus den vergangenen zwei Jahren belegen, dass die Eisdecke in der Arktis im Herbst des Jahres 2012 etwa 36 Prozent und im Winter rund 9 Prozent kleiner war als in den gleichen beiden Zeiträumen in den Jahren 2003 bis 2008. Betrug das Herbst-Volumen der Eisdecke bis vor fünf Jahren noch durchschnittlich 11900 Kubikkilometer, schrumpfte sie im vierten Quartal des Jahres 2012 auf 7600 Kubikkilometer – ein Minus von 4300 Kubikkilometern. Das Winter-Volumen dagegen sank von 16300 Kubikkilometern (2003-2008) auf 14800 Kubikkilometer (2010-2012), ein Verlust von insgesamt 1500 Kubikkilometern.
Diese Einbußen führen die Wissenschaftler vor allem auf den Rückgang des drei bis vier Meter dicken, mehrjährigen Eises zurück. „Die CryoSat-Daten belegen, dass dieses dicke Meereis zum Beispiel in einer Region nördlich Grönlands, am Kanadisch-Arktischen Archipel sowie auch nordöstlich Spitzbergens verschwunden ist”, sagt Mitautorin Dr. Katharine Giles vom University College London.

Effizienter werben mit menschlichen Sensoren

Effizienter werben mit menschlichen Sensoren
SportSense analysiert Twitter nach Aufregungsniveau
 

Houston (pte007/11.10.2011/10:00) – Lin Zhong und Siqi Zhao von der Rice University http://rice.edu in Houston haben ein Programm entwickelt, das den Grad der Aufregung von Twitter-Usern messen kann. Die im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Betaworks-Gruppe des Motorola Mobility Applied Research Center entdeckten Erkenntnisse flossen in das "SportSense" genannte Tool ein.

Schneller als TV-Newsticker

SportSense analysiert Kurznachrichten rund um NFL-Footballspiele nach Thema und Frequenz des Auftretens. Damit kann auch der Spielverlauf wiedergegeben werden, ohne eine weitere Informationsquelle zu benötigen.
"Das Programm weiß innerhalb von 20 Sekunden, wenn ein wichtiges Ereignis, etwa ein Touchdown, eintritt", so Zhong gegenüber CultureMap. "Wir haben oft schon von einer Spielszene gewusst, noch bevor sie auf den Newstickern von Sportseiten gemeldet werden."

Teure Werbung zum richtigen Zeitpunkt

Die Forscher sehen in dem Programm wesentlich mehr Potenzial als einfach nur die Wiedergabe der Wichtigkeit von Spielen. "Ich denke, es wird sich als sehr nützlich für Werbetreibende erweisen", erklärt Zhong. "Wenn das Publikum sehr aufgeregt ist, wenn es etwas sieht, dann ist es normalerweise auch interessierter und beschäftigter." Während dieser Zeitspanne greift Reklame besser, der Werbeplatz kann dementsprechend teurer verkauft werden. "Die Zahlen zeigen auch, wenn das Publikum nicht so aufmerksam ist."

Jedes Ereignis mit hoher Zuseherzahl, so der Forscher, hat das Potenzial, effektiv Werbung in bestimmten Momenten zu platzieren. Den richtigen Zeitpunkt kann SportSense dank seiner "menschlichen Sensoren" in Echtzeit ermitteln.

Wetteralarm denkbar

Zhong und Zhao denken nun auch über lokale Verwendungsmöglichkeiten für ihr Programm nach, wo man es abseits von Werbung auch für usergenerierte Wetterwarnungen einsetzen könnte. Dies könnte etwa dazu beitragen, das Eintreffen eines Unwetters genauer vorherzusagen.

Hochwasserschadensdatenbank online

Mit der Hochwasserschadensdatenbank HOWAS 21 wurde von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum eine Datengrundlage für Hochwasserschäden geschaffen.

Neues Informationssystem für den Hochwasserschutz in Bitterfeld
Ein internetgestütztes Entscheidungshilfesystem des UFZ ermöglicht jetzt bessere Vorhersagen, wie hoch das Wasser nach einem Deichbruch steht. Zusätzlich gibt das System Auskunft über Schadstoffbelastungen durch das Hochwasser.

Flächenversiegelung & Grundwasser
Durch die zunehmende Versiegelung steigt das Hochwasserrisiko, belegen Studien des UFZ.

Künstliches Koma sichert Behandlung Schwerstverletzter

Künstliches Koma? sichert Behandlung Schwerstverletzter

Neurointensivmediziner dosieren das Erwachen

Berlin ? In Deutschland verletzen sich jährlich etwa 35 000 Menschen bei Verkehrs-, Arbeits- oder Freizeitunfällen schwer. Mehr als die Hälfte von ihnen erleidet dabei gravierende Schädel-Hirn-Verletzungen. Neurointen sivmediziner versetzen diese Patienten häufig in ein sogenanntes ?künstliches Koma?, eine verlängerte Narkose, die oft über Tage, selten über Wochen auf der Intensivstation fortgeführt wird. Diese Langzeitsedierung erlaubt es, den Intensivpatienten in dieser kritischen Phase zu behandeln, sie senkt mögliche Risiken für bleibende Schäden und fördert die Heilung, erläutert die Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI). Neuesten Erkenntnissen zufolge seien die Ergebnisse dieser Behandlung noch besser, wenn die Sedierung insgesamt so flach und so kurz wie möglich gehalten werde, betont die Fachgesellschaft.

Intensivpatienten mit schweren Hirnverletzungen werden heutzutage routin emäßig in eine Langzeitnarkose versetzt. ?Hierdurch wird das Gehirn in einen stabileren Zustand versetzt, indem die Funktion zwar gedrosselt wird, dadurch aber auch weniger Bedarf an Durchblutung und Nährstoffen besteht. Darüber hinaus vermindern wir Aufregung und Schmerzen, was den Patienten vor Verletzungen schützt, die er sich beispielsweise selbst durch unwillkürliche Bewegungen zufügen könnte?, erklärt Professor Dr. med. Andreas Unterberg, Direktor der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI). Da der Patient entspannt ist und keine Schmerzen empfindet, kann die Sedierung auch den Heilungsverlauf unterstützen. Professor Unterberg: ?Sie ist aber niemals Selbstzweck. Wir bemühen uns die Sedierung so flach wie möglich zu halten und die Beatmung so früh wie möglich zu beenden.?

So kurz wie möglich, so lang wie nötig

Bei Patienten mit schweren Hirnverletzungen kann unter Umständen auch eine Langzeitnarkose über Wochen oder Monate notwendig werden. Der Patient wird dann wie bei einer Operationsnarkose beatmet, künstlich ernährt und die Körperfunktionen werden über Monitore regelmäßig überwacht. Das birgt jedoch auch Risiken. DGNI-Pressesprecher Privatdozent Dr. med. Oliver W. Sakowitz, Geschäftsführender Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg, erläutert, dass beispielsweise die Gefahr von Infektionen bei länge rer künstlicher Beatmung steige. ?Wesentlich ist es, die Tiefe der Narkose mittels klinischer Untersuchungsprotokolle zu verfolgen und im gewünschten Bereich konstant zu halten. Wir unterbrechen die kontinuierliche Sedierung, sobald die kritische Phase der Drucksteigerung im Schädel der Patienten beendet ist, wecken den Patienten also auf, sodass er wieder spontan atmen kann. Damit verringern wie erstens die Gesamtzeit der Beatmung und zweitens auch die Verweildauer des Patienten auf der Intensivstation.?

Monitoring alle acht Stunden

Zu modernen Sedierungskonzepten gehören nach Meinung der DGNI-Experten bei weniger kritischen Patienten tägliche Aufwachversuche, aber auch Sedierungspausen und eine engmaschige Überwachung der Sedierungstiefe, ein Monitoring. Dazu wird ein Erfassungsbogen mit einer zehnstufigen Skala eingesetzt, mit deren Hilfe die Tiefe der Sedierung eingestuft wird. Alle acht Stunden sollten diese Daten erhoben und protokolliert werden, rät die DGNI.

Sedierung an sich schadet dem Patienten nicht

Der Begriff ?künstliches Koma? sei ein wenig irreführend, erklärt Dr. Sakowitz. ? 222;Für Außenstehende kann der Eindruck entstehen, als befände sich der sedierte Patient in einem Koma.? Der Experte betont jedoch: ?Das Koma ist immer Folge einer schweren, oft lebensgefährlichen Funktionsstörung des Großhirns. Ob der Patient wieder aufwacht oder nicht, hängt von Art, Ort und Ausmaß der Hirnschädigung ab. ?Oft können wir nicht gut vorhersagen, wann und bis zu welchem Grad das Bewusstsein der Patienten wieder hergestellt werden kann?, ergänzt Dr. Sakowitz. Eine Langzeitsedierung schadet dem Gehirn des erwachsenen Patienten nicht. Solange Nebenwirkungen auf andere Organe ? wie beispielsweise Herz-Kreislauf-System, Leber und Lunge ? vermieden werden, ist sie eine adäquate Maßnahme, um das verletzte Gehirn zu schützen und Folgeschäden zu vermeiden. Wird die Gabe der zur Narkose verwendeten Medikamente beendet, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese vom Körper wieder ausgeschieden werden.

Risiko für einen erneuten Schlaganfall senken

Gemeinsame Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)


Nach „Mini-Schlaganfall“: Experten empfehlen duale Plättchenhemmung

Berlin, Januar 2019 –  Die
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche
Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) schließen sich einer vor kurzem im BMJ
publizierten Praxisempfehlung an, nach einem „Mini-Schlaganfall“
(transitorische ischämische Attacke, kurz TIA) oder einem leichten
ischämischen Schlaganfall für eine begrenzte Zeit eine
Kombinationstherapie mit den zwei Blutplättchenhemmern Aspirin und
Clopidrogrel durchzuführen. Derzeitige Praxis ist es, die Patienten nur
mit einem Thrombozytenaggregationshemmer – in der Regel mit Aspirin – zu
behandeln, um das Risiko eines zweiten Schlaganfalls zu senken. Doch
doppelt hält besser, so die einhellige Meinung der Experten. Schließlich
kann so die Rate an Schlaganfallrezidiven einschließlich Hirnblutungen
im Vergleich zu nur einem Plättchenhemmer deutlich reduziert werden.

Etwa
neun von zehn Schlaganfällen sind ischämischer Natur, das heißt es
kommt durch den Verschluss oder die Verengung eines hirnversorgenden
Blutgefäßes aufgrund eines Blutgerinnsels zur Minderversorgung eines
Hirnareals mit Sauer- und Nährstoffen. Infolgedessen kann es zu
neurologischen Ausfällen wie etwa Sprachstörungen, Schwindel oder
Lähmungserscheinungen kommen. Ischämische Schlaganfälle werden auch als
Hirninfarkt bezeichnet. Wenn diese auftreten ist es entscheidend, die
Blutgerinnsel mit  Medikamenten möglichst schnell aufzulösen und eine
weitere Verklumpung von Blutplättchen zu verhindern. Unter einer solchen
Behandlung können sich die neurologischen Ausfälle bei leichten
Schlaganfällen zurückbilden, bei einer transitorischen ischämischen
Attacke sogar innerhalb von 24 Stunden. „Diese Ereignisse sind in der
Regel gut behandelbar. Doch das Risiko für einen zweiten schweren
Schlaganfall ist bei den Betroffenen als hoch einzustufen“, erklärt
Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener aus Essen, Pressesprecher der
DGN. „Die Vorbeugung ist daher gerade bei diesen Patienten, die
vermeintlich gut weggekommen sind, von besonders großer Bedeutung.“

Ende
Dezember 2018 ist im renommierten Fachjournal BMJ eine Praxisempfehlung
[1] für eine duale Plättchenhemmung mit den gerinnungshemmenden
Medikamenten Aspirin und Clopidrogrel publiziert worden. „Diese
Kombinationstherapie sollte mindestens 24 Stunden nach dem Einsetzen der
ersten Schlaganfallsymptome erfolgen und über zehn bis 21
Tageandauern“, sagt Professor Dr. med. Armin Grau, 1. Vorsitzender der
DSG und Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen.

Randomisierte Studie zeigt: Duale Plättchenhemmung schützt besser vor erneuten Schlaganfällen

Die
Autoren berufen sich dabei auf eine im August im New England Journal of
Medicine (NEJM) publizierte, randomisiert-kontrollierte Studie [2]. Sie
zeigte, dass die Kombination von Aspirin und Clopidrogrel der derzeit
üblichen Aspirin-Monotherapie im Hinblick auf die Rezidivprophylaxe,
also dem Vermeiden eines Folge-Schlaganfalls, überlegen ist. Die Studie
wurde sogar vorzeitig beendet, nachdem 84 Prozent der ursprünglich
vorgesehenen Patienten eingeschlossen worden waren. Es zeichnete sich zu
diesem Zeitpunkt bereits ein klarer Vorteil für die
Kombinationstherapie ab. So erlitten in der Studiengruppe, die Aspirin
und Clopidrogrel erhalten hatte, nur 121 von 2.432 Patienten ein
größeres ischämisches Folgeereignis. In der Gruppe, die nur Aspirin und
ein Scheinmedikament eingenommen hatte, jedoch 160 von 2.449 Patienten.
Die Autoren führen das auf eine synergistische Wirkung beider Substanzen
zurück, da Aspirin und Clopidrogrel die Thrombozytenaggregation auf
unterschiedliche, sich ergänzende Weisen behindern.

„Die
unterschiedlichen Wirkmechanismen scheinen sich zu addieren“, sagt
Professor Diener.  Mit 25 Prozent sei die Risikoreduktion unter der
Kombinationstherapie signifikant gewesen. „Im Klartext heißt das, dass
durch die kombinierte Einnahme von Aspirin und Clopidrogrel deutlich
mehr Folge-Schlaganfälle verhindern werden können, und zwar bei
vertretbaren Risiken wie einem leicht erhöhten Blutungsrisiko“, so
Professor Grau. Die Empfehlung wird auch in Kürze Eingang in der
Leitlinie Sekundärprävention des Schlaganfalls der DGN finden.
„Zwischenzeitlich schließen wir uns der BMJ-Praxisempfehlung an“, betont
Professor Diener.