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Auberginen sind Schädlingskuriere für Nachtfalter

Auberginen sind Schädlingskuriere für Nachtfalter

Drei neue Gemüseschädlinge identifiziert – Vorkommen nicht in Afrika

Leucinodes orbonalis: frisst gern an Auberginen (Foto: senckenberg.de/F. Bauer)
Leucinodes orbonalis: frisst gern an Auberginen (Foto: senckenberg.de/F. Bauer)

Dresden (pte010/17.03.2015/10:30) –

Forscher der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden http://senckenberg.de haben drei neue Gemüseschädlinge identifiziert. Ursprünglich hatten die
Experten die Nachtfaltergattung Leucinodes in Afrika untersucht. Die
Insekten befallen Auberginen, äthiopische Eierfrüchte, Tomaten und
Paprika und richten große Schäden an, weshalb der Falter in der EU unter
Quarantäne steht. Die neue Studie zeigt jedoch, dass diese Falterart
nicht in Afrika vorkommt und so auch nicht als Schädling von dort
exportiert werden kann.

Nachtfalter als "blinde Passagiere"

Eine Schlüsselrolle nehmen vor allem Auberginen ein.
Sie gehören zu den zehn häufigsten per Luftfracht nach Deutschland
importierten Gemüsearten aus Drittstaaten. "Häufig reisen in Auberginen
die Raupen der Nachtfaltergattung Leucinodes als ,blinde Passagiere‘
mit", sagt Matthias Nuß von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen
in Dresden. Das Problem: Die Raupen der etwa ein Zentimeter großen
Tiere befallen vor der Ernte das Gemüse, wo sie fortwährend fressen und
wachsen. Der Falter frisst später dann ein Loch in die Fruchtschale.

Aber nicht nur Auberginen dienen als Futterquelle. Auch
Eierfrüchte, Tomaten und Paprika aus Äthiopien stehen auf dem
Speiseplan. "Um eine Einschleppung der Falterart nach Europa zu
verhindern und die hiesigen Tomaten- und Paprikakulturen vor den
gefräßigen Raupen zu schützen, unterliegt Leucinodes orbonalis
europäischen Quarantänebestimmungen", so Nuß. Bisher ging auch er davon
aus, dass Leucinodes orbonalis auch in Afrika den Gemüseanbau schädigt.
Der Studie nach stammt die Art jedoch aus Asien und ist nicht in Afrika
beheimatet.

Quarantäne- und Einfuhrbestimmungen

Auch wenn Leucinodes orbonalis in Afrika nicht
bestätigt werden konnte, wurden vier andere Falterarten der Gattung
Leucinodes mit Gemüse nach Europa eingeschleppt. Außerdem konnte das
Team mit Methoden der klassischen Taxonomie und DNA-Analysen nachweisen,
dass mehrere Falterarten, die bisher zu dieser Verwandtschaftsgruppe
zugeordnet wurden, nicht zur Gattung Leucinodes gehören. "Unsere
Ergebnisse zeigen, dass die Quarantäne- und Einfuhrbestimmungen für
Leucinodes überprüft werden müssen", rät Nuß abschließend.

Nationalakademie richtet Empfehlungen an den G8-Gipfel

Nationalakademie Leopoldina richtet Empfehlungen an den G8-Gipfel in Lough Erne

Resistente Erreger und nachhaltige Entwicklung – diesen Themen sollen die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen in Zukunft ihre Aufmerksamkeit widmen. Dies empfiehlt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gemeinsam mit den nationalen Wissenschaftsakademien der G8-Staaten und fünf weiteren Wissenschaftsakademien vor dem G8-Gipfeltreffen. Die Stellungnahmen werden den beteiligten Regierungen vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs am 17. und 18. Juni im nordirischen Lough Erne übergeben, um in deren Verhandlungen einfließen zu können.

Krankheitserreger, die gegen Medikamente resistent sind, stellen eine der größten Gefahren für die Gesundheit der Weltbevölkerung dar, so die Stellungnahme „Drug Resistance in Infectious Agents – A Global Threat to Humanity”. Immer häufiger würden Patienten mit resistenten Erregern infiziert, immer häufiger blieben die gängigen Medikamente zur Behandlung, beispielsweise Antibiotika, wirkungslos. Auch die Bedrohung durch multiresistente Krankenhauskeime nehme zu, warnen die Akademien. „Die Entwicklung von Medikamenten gegen Infektionskrankheiten ist eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin. Damit auch künftige Generationen davon profitieren können, müssen wir das Problem der Resistenzen dringend angehen“, sagt Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina. „Die Entwicklung neuer Medikamente gelingt nicht von heute auf morgen. Aber es gibt schon jetzt eine steigende Zahl von Patienten, die mit resistenten Erregern infiziert sind und denen nicht mehr geholfen werden kann. Das ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, deshalb gehört das Thema auf die Tagesordnung der Politik“, so Hacker.

Damit bereits existierende und künftig entwickelte Medikamente länger wirksam bleiben, sei ein durchdachter Umgang mit ihnen notwendig, der in Richtlinien der Mitgliedsstaaten definiert werden sollte, empfehlen die Akademien. Wichtige Maßnahmen seien etwa

·         eine verantwortungsvollere Verschreibungspraxis in der Humanmedizin

·         ein geringerer Einsatz von Antibiotika und anderen Medikamenten in der Tierhaltung

·         Anreize für Pharma-Unternehmen, um neue Medikamente gegen Infektionskrankheiten, insbesondere neue Antibiotika, zu entwickeln

·         Aufklärungs- und Weiterbildungsprogramme

·         ein globales Kontrollsystem, um die Ausbreitung resistenter Mikroorganismen zu verhindern

In der Stellungnahme „Driving Sustainable Development: the Role of Science, Technology and Innovation“ zeigen die Akademien auf, welchen Beitrag Wissenschaft und Forschung für eine nachhaltige Entwicklung leisten können. Viele der drängenden globalen Herausforderungen seien nur zu bewältigen, wenn systematisch vorgegangen und die internationale Wissenschaftsgemeinschaft in die Prozesse einbezogen werde. Das gelte beispielsweise für die Bevölkerungsentwicklung, die nachhaltige Nutzung von Ressourcen sowie die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Energie. Wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung sei die Alphabetisierung. Diese müsse weltweit vorangetrieben werden, empfehlen die Akademien. Zur Alphabetisierung gehöre auch das Vermitteln wissenschaftlicher Zusammenhänge, beispielsweise hinsichtlich der Ernährung oder Gesundheitsvorsorge.

Die nationalen Akademien der G8-Staaten – Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Russland, Großbritannien und die USA – erarbeiten seit 2005 jedes Jahr gemeinsame wissenschaftsbasierte Stellungnahmen zu globalen, gesellschaftsrelevanten Themen, die die Regierungen bei ihren Verhandlungen während des G8-Gipfels unterstützen sollen. Die diesjährigen Empfehlungen wurden bei einer Konferenz der Akademienvertreter vom 7. bis 9. März in Neu-Delhi vorbereitet. Neben den G8-Wissenschaftsakademien sind daran auch die Akademien der Schwellenländer Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika beteiligt. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina repräsentiert in diesem Kreise der Wissenschaftsakademien die deutsche Wissenschaft.

Vitamin B12 in der Ernährung

**Vitamin B12 in der Ernährung**

Neuer Referenzwert festgelegt

(BZfE) – Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat den Referenzwert

für die Zufuhr von Vitamin B12 aktualisiert. Die Schätzwerte für eine

angemessene Zufuhr basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Daten und sind

altersabhängig. Im Verlauf der Kindheit erhöhen sie sich von 0,5

Mikrogramm für Säuglinge auf 4,0 Mikrogramm pro Tag für Jugendliche und

Erwachsene. Schwangere (4,5 µg) und Stillende (5,5 µg) haben einen

erhöhten Tagesbedarf. Die Referenzwerte werden von den Gesellschaften für

Ernährung in Deutschland (DGE), Österreich (ÖGE) und der Schweiz (SGE)

gemeinsam herausgegeben.

Vitamin B12 ist ein Sammelbegriff für verschiedene Verbindungen mit der

gleichen biologischen Wirkung und demselben chemischen Grundgerüst mit

einem Kobalt-Ion im Zentrum. Daher wird Vitamin B12 auch als Cobalamin

bezeichnet. Das Vitamin ist lebensnotwendig und unter anderem an der

Zellteilung und Blutbildung beteiligt. Bei einem dauerhaften Mangel kann es

zu Blutarmut, neurologischen Störungen und psychischen Auffälligkeiten

wie Gedächtnisschwäche kommen.

Für die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung in die Darmzellen ist die

Bindung an ein Glykoprotein notwendig, das in den Magenzellen gebildet

wird. Daher können auch Magenerkrankungen wie eine chronische Gastritis zu

einem Vitamin B12-Mangel führen. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

verringern die Aufnahme von Vitamin B12 in den Körper.

Vitamin B12 wird ausschließlich von Mikroorganismen hergestellt und

gelangt über die Nahrungskette in den tierischen und menschlichen

Organismus. Gute Lieferanten sind Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Eier,

Milch und Milchprodukte. Der Schätzwert für Erwachsene von 4,0 Mikrogramm

pro Tag lässt sich zum Beispiel mit einem kleinen Glas Milch, einem Becher

Joghurt, einem Ei und 60 g Camembert erreichen. Lebensmittel pflanzlicher

Herkunft wie Sauerkraut, Meeresalgen wie Nori und Shiitake-Pilze können

Spuren von Vitamin B12 enthalten. Allerdings liegt das Vitamin häufig

nicht in einer für den Menschen verfügbaren Form vor. Daher empfiehlt die

DGE Veganern, dauerhaft ein Vitamin B12-Präparat einzunehmen. 

Heike Kreutz

Einsichten in die Welt der Naturwissenschaft

Faszinierende Einsichten in die Welt der
Naturwissenschaft
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät lädt
zum Tag der offenen Tür
Leben im Weltall oder neue Krebstherapien? – am
Mittwoch, 5. Juni, bietet die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) Einblicke in die Vielfalt ihrer
Fachgebiete. Acht Sektionen von  Biologie über Mathematik bis zur Physik
laden zu spannenden Vorträgen und Experimenten sowie Rundgängen hinter den
Kulissen in normalerweise für die Öffentlichkeit verschlossene Labore ein.
Bereits ab 10 Uhr kann man sich im Biologiezentrum
über „Transgene Modellorganismen in der Forschung“ informieren oder im Institut
für Ur- und Frühgeschichte an einer Führung durch das Archäozoologie-Labor
teilnehmen. Wem morgens eher der Sinn nach Geowissenschaften steht, findet im
Geologischen und Mineralogischen Museum einen Seismometer-Aufbau.
Im Hörsaal
Geographie gibt es um 11 Uhr den Kurzvortrag „Auf den Spuren von Robinson
Crusoe“ gefolgt von der „Mathematik des Zufalls“ im Steinitz-Hörsaal des
Mathematischen Seminars.
Die Mittagspause muss dann leider ausfallen, um
entweder an einer Führung durch den Arzneipflanzengarten im Pharmazeutischen
Institut oder durch ein Labor des Physikzentrums teilzunehmen. Dort geht es zum
Beispiel um Plasmatechnologie, Rastertunnelmikroskopie oder Röntgenstreuung.
Im Zoologische Museum dreht sich zu jeder vollen
Stunde alles um die „Vielfalt und Schönheit von Käfern“, und das Schülerlabor
„Kieler Forschungswerkstatt“ zeigt Videos, Demonstrations- und Mitmachversuche
zu den Themen Ozean, Energie und Nanowissenschaften. 
„Der Tag der offenen Tür soll allen Interessierten
einen Eindruck von der Breite der Arbeitsrichtungen in unserer Fakultät geben.
Machen Sie sich auf den Weg und erkunden Sie selbst die Faszination unserer
Forschungsfelder!“, lädt Professor Wolfgang J. Duschl, Dekan der
Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, herzlich ein.
Alle Neugierigen von 0 bis 100+ Jahren sind
willkommen. Bei einigen Veranstaltungspunkten wird um Anmeldung gebeten. Das
ausführliche Programm sowie aktuelle Hinweise stehen online unter www.50jahre-mnf.de (Tag der offenen Tür).
Die Vorträge zum „Leben im Weltall“ und „Neuen Krebstherapien“ finden übrigens
im Physikzentrum beziehungsweise im Pharmazeutischen Institut statt, jeweils um
11:15 Uhr. Treffen Sie Ihre Wahl!
Die Mathematik und die Naturwissenschaften sind
seit der Gründung der Christian-Albrechts-Universität im Jahr 1665 ein
unverzichtbarer Teil von Forschung und Lehre in Kiel. Traditionell waren sie der
Philosophischen Fakultät zugeordnet. Im Jahr 1963 entwuchsen die Fachbereiche
endgültig ihren philosophischen Ursprüngen, es entstand eine eigene
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät. Ihre Gründung vor 50 Jahren feiert
die Fakultät in diesem Jahr mit zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen unter
dem Motto „Wissen schafft Zukunft“.

Das Wichtigste in Kürze:
Was? Tag der offenen
Tür
Wann? 5.6.2013, 10 bis 14 Uhr
Wo? Campus der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, diverse Adressen siehe Programm unter www.50jahre-mnf.de (Tag der offenen
Tür)

Zwiebel schneiden ohne Tränen

Senföle reizen die Schleimhäute

Zwiebeln sind ein beliebtes Gewürz und Gemüse. Das pikante Aroma
entsteht durch eine Vielzahl organischer Schwefelverbindungen. Die
wertvollen Senföle regen den Speichelfluss, die Magensaftsekretion und
die Darmbewegung an. Gleichzeitig unterstützen sie Leber, Galle sowie
Bauchspeicheldrüse und sollen das Wachstum von schädlichen
Mikroorganismen und Viren hemmen.

Die Substanzen sind aber auch für die Tränen beim Zwiebelschneiden verantwortlich. Wenn die Zellen zerstört werden, wird das Enzym Alliinase aus dem Innern frei. Es
wandelt die geruchlose Vorstufe Alliin in das stechend riechende
Allicin um, das die Schleimhäute reizt und Tränen fließen lässt. Am
besten verwenden Sie ein scharfes Messer, damit weniger Zellen verletzt
werden. Zudem soll es helfen, Messer, Schneidebrett und Zwiebel kurz in
kaltes Wasser zu tauchen oder sie unter Wasser zu schälen und
anzuschneiden.

Der Körper gibt die streng riechenden Schwefelverbindungen der roh gegessenen Zwiebel über Haut und Atem wieder ab. Solche Ausdünstungen werden reduziert, wenn man nach dem Verzehr von roher Zwiebel ein Glas Milch trinkt oder frische Petersilie
isst. Die scharfen Senföle können Blähungen verursachen. Gewürze wie
Kümmel und Oregano können unangenehme Winde verringern. Mildere
Zwiebelsorten wie Gemüsezwiebeln sind meist magenverträglicher. Beim
Salat sollte die geschnittene rohe Zwiebel vor dem Verzehr nicht zu
lange stehen.
Heike Kreutz aid

aid: Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Der gemeinnützige Verein löste sich 2016 auf.

Weitere Informationen: Bundeszentrum für Ernährung

Gelbwurzel löscht traumatische Erinnerungen aus

pte20150121003 Kultur/Lifestyle, Medizin/Wellness

Gelbwurzel löscht traumatische Erinnerungen aus

Gelb-oranger Farbstoff verhindert Festigung schlechter Erfahrungen

(pte003/21.01.2015/06:15) – Der in der Kurkuma-Wurzel enthaltene
Farbstoff Kurkumin kann traumatische Erinnerungen ausradieren. Dies geht
aus einer Analyse von Forschern der City University of New York http://cuny.edu hervor. Die Wissenschaftler hoffen, mithilfe dieser Erkenntnisse einen
Beitrag zur Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von psychischen
Erkrankungen wie einer posttraumatischen Belastungsstörung zu leisten.

Frieren als Indiz für Angst

Der gelb-orange Farbstoff löscht nicht nur bereits existierende
traumatische Erinnerungen aus, sondern verhindert auch, dass neue im
Gehirn abgespeichert werden. Die Forscher trainierten Ratten an, bei
einem bestimmten Geräusch Angst zu haben. Dabei gingen die
Wissenschaftler davon aus, dass jene Ratten, die sich erschrecken,
frieren.

Wenige Stunden später wurde das gleiche Signal einer Gruppe von Ratten
vorgespielt, die gewöhnliche Nahrung bekamen. Das Ergebnis: Diese froren
ebenfalls. Die anderen Tiere, die stattdessen eine kurkuminreiche Kost
zu sich nahmen, froren nicht. Auf Basis dieser Resultate kamen die
Forscher zu dem Schluss, dass der Farbstoff die schlechten Erinnerungen
beseitigt haben muss.

Destabilisierungs-Fenster genutzt

"Diese Studie zeigt, dass Menschen, die von einer posttraumatischen
Belastungsstörung oder einer anderen psychischen Erkrankung betroffen
sind, die mit angstvollen Erinnerungen verbunden ist, von einer
kurkuminreichen Ernährung erheblich profitieren können", erkläutert
Studienleiter Glenn Schafe. Wenn bereits gefestigte Erinnerungen
abgerufen werden, destabilisieren sich diese vorübergehend im Gehirn.

"Passiert nichts, so werden die destabilisierten schlechten Erinnerungen
ins Langzeitgedächtnis übertragen. Mit anderen Worten formuliert: Diese
stabilisieren sich dauerhaft", schildert Schafe. "Wir haben gelernt,
dass wir während dieser Destabilisierungs-Phase in das Gehirn eindringen
können, um die langfristige Festigung der traumatischen Erinnerungen zu
verhindern", resümiert der Professor. Dafür käme der Farbstoff Kurkumin
zum Einsatz.

Mammografie-Screening: Nicht drängen lassen

Mammografie-Screening

Nicht drängen lassen

Stiftung Warentest: Frauen
werden von ihren Ärzten nicht genügend über die Risiken des
Mammografie-Screenings aufgeklärt und bekommen von ihnen häufig eine
einseitige Empfehlung für diese Reihenuntersuchung. Zu diesem Ergebnis
kommt die Stiftung Warentest nach stichprobenartigen Beratungen bei
Frauenärzten. Die Stiftung rät Frauen deshalb, sich nicht drängen zu
lassen, sondern nach einer individuellen Beratung die Vor- und Nachteile
für sich abzuwägen.

Der geringen Chance, seltener an Brustkrebs zu versterben, steht das
höhere Risiko von Überdiagnosen und falsch-positiven Befunden gegenüber.
Darüber erfuhren die Testerinnen in den Beratungsgesprächen aber kaum
etwas. Über Risiken schwiegen sich die Ärzte nahezu gänzlich aus. Frauen
wird so das Gefühl vermittelt, die Nicht-Teilnahme sei die falsche
Entscheidung.

Ein eindeutiges Für und Wider gibt es aber nicht. Wie jede medizinische
Maßnahme zur Früherkennung hat auch das Mammografie-Screening Vor- und
Nachteile. Die Stiftung Warentest bewertet die Reihenuntersuchung
aufgrund des Nutzen-Risiko-Verhältnisses als mit Einschränkung geeignet.
Nach den Qualitätsansprüchen des Screening Programms sollten alle
Frauen zumindest schriftlich dieselben Basisinformationen erhalten. So
ist es aber nicht. Die Frauen erhielten verschiedene Einladungsschreiben
und zum Teil angsteinflößende Informationsmaterialien, die zur
Teilnahme drängten. Gute Aufklärung ist also nicht Standard, wie der
Test zeigt.

Der ausführliche Test mit Tipps für ein ausgewogenes Beratungsgespräch ist unter www.test.de abrufbar.

Eisendüngung im Südpolarmeer

Durch Eisendüngung im Südpolarmeer könnte weniger Kohlendioxid in der Tiefsee gespeichert werden als bisher angenommen

Bremerhaven,
10. November 2014. Eine neue Studie zur natürlichen Eisendüngung im
Südpolarmeer zeigt, dass zusätzliches Eisen die Wirksamkeit der
sogenannten biologischen Pumpe, die Kohlendioxid aus den oberen
Wasserschichten in die Tiefsee transportiert, reduziert. Wie ein
internationales Forscherteam um Dr. Ian Salter vom
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und
Meeresforschung (AWI) herausfand, bedingt die Eisendüngung, dass sich
neben Phytoplankton auch Kalkschalen bildende Meeresbewohner vermehren,
welche sich von den Algen ernähren. Diese Tiere setzen Kohlendioxid
frei, wenn sie ihre Kalkschalen bauen. Wachsen und sterben diese
Lebewesen in einem Meeresgebiet mit einem hohen natürlichen
Eiseneintrag, werden dort bis zu 30 Prozent weniger Kohlendioxid in die
Tiefsee verfrachtet als bisher angenommen. Ein wichtiger Effekt: Wird er
ignoriert, hieße das, man überschätzt, wie viel Kohlendioxid der Ozean
bei Eisendüngung speichern kann. Die Studie erscheint heute im
Fachmagazin nature geoscience.

Zwischen dem Ozean und der
Atmosphäre herrscht ein reger Austausch des Treibhausgases Kohlendioxid.
Eine wichtige Rolle spielt hierbei das Phytoplankton, denn die Algen
entziehen den oberen Wasserschichten Kohlendioxid. Stirbt das
Phytoplankton, kann es bis auf den Meeresgrund sinken und dort einen
Teil des Treibhausgases ablagern, den es zuvor durch Photosynthese
gebunden hatte. Diesen Prozess nennen Wissenschaftler die biologische
Kohlenstoffpumpe.

Obwohl die Wassermassen des Südpolarmeeres
gemeinhin als nährstoffreich gelten, gedeiht das Phytoplankton in
großen Bereichen des Südlichen Ozeans nur spärlich. Der Grund: Das
Wasser enthält zu wenig Eisen, als dass Algen großflächig wachsen
könnten.
Im Zuge des Klimawandels wird deshalb häufig die Idee
diskutiert, das Südpolarmeer mit Eisen zu düngen. Mit diesem Vorschlag
verbindet sich zum einen die Hoffnung, dass dadurch mehr Phytoplankton
wächst und somit die biologische Kohlenstoffpumpe angeregt wird. Zum
anderen glauben einige Wissenschaftler, damit erklären zu können, wie
sich der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre in der Vergangenheit
verändert hat.

Zwei Studien aus den zurückliegenden fünf Jahren
haben diese Annahme untermauert. Forscher konnten darin nachweisen, dass
infolge einer Düngung des Südpolarmeeres mit Eisen mehr Kohlendioxid
zum Meeresgrund gesunken ist. Aber: „Die bisher gemachten Untersuchungen
reichen nicht aus, um zu verstehen, welche Mengen Kohlenstoff unter dem
Strich wirklich gebunden werden. Der vom Phytoplankton verfrachtete
organische Kohlenstoff stellt nämlich nur ein Kapitel einer
ausgesprochen komplexen Geschichte dar“, sagt der AWI-Forscher Dr. Ian
Salter. „Das Phytoplankton dient auch als Nahrungsquelle für bestimmte
Zooplanktonarten wie Foraminiferen und Flügelschnecken, die Kalkschalen
bauen – ein Prozess, bei dem die Tiere Kohlendioxid freisetzen.“

Der
AWI-Wissenschaftler und seine Kollegen waren die ersten
Wissenschaftler, die den Tiefsee-Export der Kalkschalen in einem
natürlich gedüngten Gebiet erforscht haben. Dazu führten sie
Untersuchungen im Meer vor der Küste der Crozetinseln durch. An dieser
südöstlich von Afrika gelegenen vulkanischen Inselgruppe gelangt auf
natürliche Art und Weise Eisen in den Ozean – und das mit überraschenden
Folgen: Die natürliche Eisendüngung bewirkt, dass am Ende mehr
Kalkschalen in die Tiefsee gelangen als abgestorbenes Phytoplankton. Ein
Prozess, der tiefgreifende Auswirkungen darauf hat, wie viel
Kohlendioxid der Ozean bei verstärktem Algenwachstum speichern kann.

„Wenn
diese Kalkschalen entstehen und zum Meeresgrund sinken, beeinflussen
sie den Kohlendioxid-Haushalt der obersten Wasserschichten für Hunderte
bis Tausende von Jahren. Unsere Untersuchungen lassen vermuten, dass der
durch das Eisen angeregte Export der Kalkschalen dazu führt, dass in
einer natürlich gedüngten Meeresregion zehn bis 30 Prozent weniger
Kohlendioxid gespeichert wird als bisher angenommen. Wir wissen
allerdings nicht, ob dies auch der Fall wäre, wenn ein Gebiet künstlich
mit Eisen gedüngt wird“, erklärt Dr. Ian Salter.

Interessanterweise
stellten die Forscher bei ihren Untersuchungen außerdem fest, dass der
gestiegene Export von Kalkschalen nicht nur auf die größere Anzahl
kalkbildender Organismen zurückzuführen ist. „In unseren Proben aus den
Sedimentfallen haben wir vermehrt Arten gefunden, die größere
Kalkschalen bauen und somit jeweils auch mehr Kohlendioxid freisetzen“,
erklärt der Biogeochemiker. Eisendüngung wirkt sich somit auch auf die
Artenzusammensetzung eines Lebensraumes aus. Damit löst sie eine
Kettenreaktion aus, die schließlich das Klima beeinflussen kann. „Es ist
allerdings wichtig zu beachten, dass sich unsere Ergebnisse nur auf
eine bestimmte Region im Südpolarmeer beziehen. Die Effekte der
kalkbildenden Organismen können sehr unterschiedlich sein, je nachdem um
welche Art es sich handelt und wo im Ozean sie leben“, sagt Dr. Ian
Salter.

In Folgeprojekten will Dr. Ian Salter nun den Transport
von Phytoplankton und Kalkschalen bildenden Organismen in weiteren,
natürlich gedüngten Meeresgebieten untersuchen – zum Beispiel rund um
die Inselgruppen der Kerguelen und Südgeorgien sowie im Arktischen
Ozean, wo sich das zurückgehende Meereis zusätzlich auf die biologische
Kohlenstoffpumpe auswirken könnte.