Archiv der Kategorie: Physik, Chemie, Technik

„DelftAcopter“: Hybrid aus Flugzeug und Helikopter

"DelftAcopter": Hybrid aus Flugzeug und Helikopter

Revolutionäre Drohne hebt ab wie Hubschrauber, fliegt jedoch seitwärts

"DelftAcopter": vereint Flugzeug und Helikopter (Foto: tudelft.nl)

Delft (pte008/04.10.2016/06:10) –

Forscher der Delft University of Technology http://tudelft.nl haben eine Drohne entwickelt, die Helikopter und Flugzeug miteinander
vereint. Der sogenannte "DelftAcopter" hebt zwar ab wie ein Helikopter,
neigt sich dann aber um 90 Grad und fliegt horizontal wie ein Flugzeug.
Der Hybrid nutzt dazu nur ein einziges Rotorblatt, wodurch er
federleicht ist und große Distanzen zurücklegen kann. Die Drohne ist zum
Beispiel für Such- oder Rettungsaktionen im Meer einsetzbar.

Völlig autonomes Fliegen

Dank GPS, Bewegungssensoren und Computervision-System
ist der DelftAcopter völlig autonom. Das Hightech-Sichtsystem ermöglicht
ihm das Auswählen eines sicheren Landeplatzes. Der Prototyp kann bis zu
100 Kilometer pro Stunde zurücklegen und kommt dank seines elektrischen
Motors bis zu einer Stunde ohne externe Stromquelle aus. Herkömmliche
Quadrocopter wie das Modell DJI’s Phantom 4 schaffen es lediglich bis zu
28 Minuten in der Luft und kommen nicht weiter als 72 Kilometer pro
Stunde.

Der DelftAcopter ist ein Doppeldecker-Flugzeug. Die
doppelten Flügel vermindern den Einfluss des Windes beim Abheben und
Landen. Das einzelne, große Rotorblatt dient als Antrieb und zwei
kleinere Rotoren sorgen für Stabilität. Die Flügelspannweite betragt in
etwa 1,6 Meter. "Unsere Hybrid-Drohne bietet im Vergleich zu
Quadrocoptern mehrere Vorteile", schildert Projektleiter Bart Remes. Der
wichtigste bestehe im Einsparen von Gewicht. "Wir nutzen den gleichen
Propeller für den Schwebeflug wie für den Vorwärtsflug", erklärt Remes.

Ähnlichkeit mit Flugzeug

Zu den weiteren Vorteilen zählt, dass die verbaute
Technologie des Luftfahrzeugs Energie spart und dadurch die Reichweite
erhöht. Da es sich überdies um ein Flugzeug handelt, kann es auch
weitere Distanzen als ein Helikopter zurücklegen. "Wir wollten eine
Hybrid-Drohne entwickeln, die so nah wie möglich an ein Flugzeug
herankommt. Aus diesem Grund haben wir auf zusätzliches Gewicht
verzichtet", resümiert Remes.

Klassische Chemie – immer wieder überraschend

Wissenschaftsforum Chemie 2013

Klassische Chemie – immer wieder überraschend

Anorganische
Chemie und Organische Chemie gelten als die klassischen Disziplinen der
Chemie. Die Grundlagenforschung auf diesen Gebieten war und ist
Voraussetzung für die Entwicklung von vielen weiteren Teildisziplinen in
der Chemie. Das macht erneut das diesjährige Wissenschaftsforum Chemie
der GDCh deutlich, das mit einigen Highlights aus der anorganisch- und
organisch-chemischen Forschung aufwartet. Nach der Eröffnung am Sonntag,
1. September, mit einem Vortrag zu Energiespeicher-Materialien, kommen
am Montag, 2. September, sogleich Anorganiker und Organiker zu Wort. Das
hochka
rätige Programm beginnt mit der Verleihung des Wilhelm-Klemm-Preises an
Professor Dr. Manfred Scheer, Institut für Anorganische Chemie der
Universität Regensburg.

Scheer
hat zahlreiche innovative Arbeiten zur Molekülchemie und
supramolekularen Chemie insbesondere von Phosphor, Arsen und Antimon,
sowie zu Übergangsmetall-Element-Mehrfachbindungen publiziert.
Hervorzuheben sind seine Arbeiten über anorganische Fulleren-artige
Polyeder. Weiterer Schwerpunkt seiner Arbeiten ist die Synthese von
Substituenten-freien, gemischten Ligandenkomplexen der Elemente der 13.
und 15. Gruppe und die Aktivierung von weißem Phosphor, ein Thema, das
wieder viel beachtet wird. Scheer wurde 1955 im brandenburgischen
Jüterbog ge
boren und studierte in Halle Chemie, wo er sich – nach Aufenthalten als
Postdoktorand an der Russischen Akademie der Wissenschaften in
Novosibirsk und als Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für
Kohlenforschung in Mülheim – 1992 habilitierte. Nach einer Gastprofessur
an der Indiana University in Bloomington, war er ab 1993 – erst als
Heisenberg-Stipendiat, dann als C3-Professor – an der Universität
Karlsruhe tätig. 2004 nahm er den Ruf nach Regensburg an.

Weitere Auszeichnungen, Vorträge u.a. zu Seltenerdmetallen und zur CO2-Nutzung, sowie ein kleines Jubiläum

In
„Highlights aus der Anorganischen Chemie“ werden am 3. September der
Arfvedson-Schlenk-Preis an Professor Dr. Robert Emmet Mulvey, University
of Strathclyde, Glasgow, und die Hermanos Elhuyar – Hans
Goldschmidt-Vorlesung an Professor Dr. Antoni Llobet, Universitat
Autònoma de Barcelona, verliehen. Der Arfvedson-Schlenk-Preis, benannt
nach Gustav Arfvedson, der 1817 das Element Lithium entdeckte, und
Wilhelm Schlenk, der als Erster Organolithiumverbindungen herstellte,
wird für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Lithiumchemie
vergeben und von der Rockwood Lithium GmbH finanziert. Die
Preiskommission erachtet Mulvey für den z.Zt. meistzitierten und
sichtbarsten Lithiumchemiker weltweit. Seine Arbeiten sind jedoch weit
umfassender: Er synthetisiert alkali- und erdalkalimetallorgani
sche Verbindungen, um diese in der organischen Synthese in bislang
unerreichter Weise nutzbar zu machen. So gelingt es ihm, mit der
„Mixed-Metal Metallation Chemistry“, die er nach der Preisverleihung in
einem Vortrag vorstellt, die äußerst stabilen
Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindungen in bislang nicht zugänglichen Regionen
und mit ungeahnter Toleranz gegenüber anderen funktionalen Gruppen in
synthetisch nutzbare Kohlenstoff-Metall-Bindungen umzuwandeln. Dies ist
für die Herstellung von Feinchemikalien und Pharmazeutika von
unschätzbarem Wert.

Ein
Ansatz zur zukünftigen Nutzung der Sonnenenergie besteht in der
lichtgetriebenen Spaltung von Wasser zu Sauerstoff und Wasserstoff,
deren Zusammenführung in
Brennstoffzellen Energie liefert. Damit dies effizient erfolgen kann,
sind Katalysatoren erforderlich. Llobet berichtet in Darmstadt, in der
mit der Real Sociedad Española de Quimica auf Gegenseitigkeit
eingerichteten Namensvorlesung, über Katalysatoren für die Oxidation von
Wasser zu molekularem Sauerstoff. Der schwierige Schritt, die
Sauerstoff-Sauerstoff-Bindung zu bilden, gelingt Llobet mit
Ruthenium-Komplexen, die zwei Wassermoleküle in geeigneter Form
zusammenführen. Wie die Reaktion genau abläuft, untersucht er dabei mit
elektrochemischen und spektroskopischen Methoden.

Weitere
Poly-Elementverbindungen und bio-anorganische Themen bis hin zur
Stickstoff-Fixierung werden auch in anderen Vorträgen der Sessi
on der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie, einer
GDCh-Fachgruppe, behandelt. Besonders spannend wird es in der Session
„Dialog in Anorganischer Chemie“ zugehen, die die Wöhler-Vereinigung
gemeinsam mit der GDCh-Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung
bestreitet; denn Anorganiker und Festkörperchemiker gehen häufig mit
unterschiedlichen Sichtweisen und Fragestellungen – die einen
molekülchemisch, die anderen materialchemisch – an ähnliche
Forschungsthemen heran. Das gilt beispielsweise auch für Verbindungen
der Seltenerdmetalle, die derzeit wegen ihrer Verfügbarkeit für
elektronische Geräte immer mehr ins Licht der Öffentlichkeit geraten.
Professor Dr. Reiner Anwander, Tübingen, und Professor Dr. Gerd Meyer,
Köln, betrachten in ihren Vorträgen ganz unterschiedliche Sichtweisen zu
Seltenerdmetall-Verbindungen. Daneben wird die Rolle des Elements
Stickstoff und seine Umwandlung zu Ammoniak in molekularen
Metallkomplexen beleuchtet. Das festliche Ende bildet der Vortrag des Gr
andseigneur der Festkörperforschung, Professor Dr. Arndt Simon,
Stuttgart, zum 50-jährigen Jubiläum der Fachgruppe Festkörperchemie und
Materialforschung. Sie wurde am 9. September 1963 unter dem Namen
„Halbleiterchemie“ gegründet. Neun Jahre später gab es die Umbenennung
in „Festkörperchemie“. Unter dem Vorsitz von Professor Dr. Albrecht
Rabenau (Philips Forschungslabor) fand 1972 in Aachen die erste Tagung
der Fachgruppe gemeinsam mit der Koninklijke Nederlandse Chemische
Vereniging statt. 1999 erfolgte die Erweiterung des Namens auf
„Festkörperchemie und Materialforschung“.

Von besonderer Aktualität ist die Session „CO2 für die chemische und energetische W
ertschöpfung“, die die Wöhler-Vereinigung gemeinsam mit der
Liebig-Vereinigung für Organische Chemie, ebenfalls eine
GDCh-Fachgruppe, bestreitet. Neben hochkarätigen Vortragenden aus den
USA, Kanada und Großbritannien berichtet Dr. Michael Limbach vom
Catalysis Research Laboratory (CaRLa), das gemeinsam von der Universität
Heidelberg und der BASF betrieben wird, über ein mögliches
katalytisches Verfahren, zur Synthese von Acrylaten aus CO2 und Alkenen. Acrylate und deren Folgeprodukte werden weltweit auf Basis
der Erdölchemie in einer Größenordnung von mehreren Millionen Tonnen
erzeugt. Die katalytische Synthese von Acrylaten aus CO2 und
Alkenen schien bis Ende der 1980er Jahre, als es einen ersten Durchbruch
in der Forschung gab, ein unlösbares Problem. Auf Basis dieser und
weiterer Forschungsarbeiten wurde am CaRLa ein homogenes
Katalysatorsystem entwickelt, das Potenzial für die großtechnische
Acrylatherstellung hat. Professor Dr. Donald J. Darensberg von der Texas
A&M Univ
ersity zeigt, dass es mit speziellen Übergangsmetallkatalysatoren auch
gelingen kann, aus CO2 und Epoxiden oder Oxetanen, also cyclischen Ethern, Polycarbonate herzustellen. Und über den Stand der Forschung, aus CO2 und Wasser so genannte Solarbrennstoffe herzustellen, gibt Professor
Dr. Andrew B. Bocarsly, Princeton University, New Jersey, in seinem
Vortrag „Catalytic Photoelectrochemical and Electrochemical Generation
of Alcohols“ einen Überblick.

Gemeinsam
mit der GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie zeigt die Liebig-Vereinigung
in einer weiteren Session neue Wege auf, um die Effizienz der
organisch-chemischen Synthese zu verbessern. In diesen Vorträgen spielen
wiederum neue K
atalysatorsysteme die Hauptrolle. Daneben geht es aber auch um moderne
Mikrowellenverfahren und um das Leitprinzip in der industriellen
Forschung: die Nachhaltigkeit.

In
drei weiteren Sessions stellt die Liebig-Vereinigung aktuelle
organisch-chemische Forschungsthemen vor. Beispielhaft seien genannt:
neue Synthesestrategien für halbleitende Polymere, die in OLEDs (organic
light emitting diodes), Organischen Solarzellen oder
Dünnfilm-Transistoren Anwendung finden; neue Anwendungen für
Curcurbiturile, Supramoleküle, deren Name aufgrund ihrer Struktur vom
botanischen Namen für Kürbis abgeleitet wurde und die ein interessantes
Wirt-Gast-Verhalten zeigen; neue chemisch modifizierte
Kohlenstoff-Nanoröhrchen, die für
bildgebende Verfahren in der Medizin und Biologie geeignet sein könnten.
Ein Vortrag ist besonders hervorzuheben: Es ist die Alexander Todd –
Hans Krebs-Vorlesung, die Namensvorlesung auf Gegenseitigkeit mit der
Royal Society of Chemistry, die in diesem Jahr Professor Dr. Harry L.
Anderson von der University of Oxford zuteil wird. Er stellt
Synthesewege für molekulare Drähte vor, die in der Nanotechnologie
(molekulare Elektronik) und in den Neurowissenschaften (elektrische
Signalübertragung in Neuronen) Anwendung finden sollen.

Ein
weiteres Highlight für Katalyseforscher und Synthesechemiker ist der
Plenarvortrag „Asymmetric Counteranion Directed Catalysis: A General
Approach to Enantioselective Syn
thesis“, zu Beginn des letzten Tagungstags. Professor Dr. Benjamin List
vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim, berichtet anhand
von Beispielen über das neue Synthesekonzept.

Die
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern
eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Alle
zwei Jahre veranstaltet sie die größte deutsche Chemietagung, das
Wissenschaftsforum, an wechselnden Orten – 2013 in Darmstadt. Die GDCh
vergibt bei dieser Veranstaltung zahlreiche Auszeichnungen. So stellt
bereits die Einladung zu einem Plenarvortrag eine Auszeichnung da, und
nur Chemiker von Rang und Namen werden zu Namensvorlesungen eingeladen.
Seit 1985 vergibt die
GDCh den Wilhelm-Klemm-Preis. Er erinnert an den Münsteraner
Chemieprofessor Wilhelm Klemm (1896 – 1985), der auf dem Gebiet der
anorganischen Chemie erfolgreich gearbeitet und diese auch international
vorangetrieben hat. Mit der Preisverleihung gewürdigt werden demnach
Chemiker/innen, die sich durch hervorragende Arbeiten Verdienste um die
anorganische Chemie erworben haben. Der Arfvedson-Schlenk-Preis wurde
von der Chemetall GmbH bei der GDCh für herausragende Arbeiten auf dem
Gebiet der Lithiumchemie eingerichtet und erstmals 1999 vergeben. Jetzt
erfolgt die Ausschreibung des Preises in Abstimmung mit der Rockwood
Lithium GmbH.

K
ontakt:

Dr. Renate Hoer

Bakterien schlagen bei Pipeline-Lecks sofort Alarm

Bakterien schlagen bei Pipeline-Lecks sofort Alarm

Schnelle Erkennung soll verheerende Umweltkatastrophen verhindern

Veera Gnaneswar Gude nutzt Bakterien als Sensoren (Foto: msstate.edu)
Veera Gnaneswar Gude nutzt Bakterien als Sensoren (Foto: msstate.edu)

Starkville (pte012/19.03.2018/12:30) –

Lebende Sensoren sollen künftig Umweltkatastrophen verhindern, die durch
Lecks in Erdgas- und Öl-Pipelines ausgelöst werden. "Der Vorteil
unserer Sensoren ist die Tatsache, dass sie bereits sehr kleine Lecks
auffinden, sodass die Mitarbeiter in der Leitstelle Reparaturen sehr
schnell veranlassen können", sagt Veera Gnaneswar Gude, Dozent für
Umwelt-Engineering an der Mississippi State University http://msstate.edu .

Mikroorganismen unter Strom

Gude setzt Bakterien ein, die beim Stoffwechsel
Elektronen freisetzen. Sie ernähren sich von Kohlenwasserstoffen wie Öl
und Gas. Diese elektrisch negativen Atombauteilchen passieren einen
Widerstand und landen bei einem anderen Bakterium, das Elektronen
aufnimmt. Zwischen den beiden Bakterienarten entsteht so eine
elektrische Spannung.

Flächendeckend auf die Innenseite einer Pipeline
angebrachte Bakterien-Sensoren liefern somit verlässliche Daten. Tritt
ein Leck auf, verändert sich die Spannung. Das ist das Alarmsignal für
die Reparaturmannschaft. Gude und sein Team präsentieren ihre Lösung
beim 255. Nationalen Treffen der American Chemical Society http://acs.org in New Orleans, die noch bis zum 22. März dauert.

Eine Mio. Liter Benzin ausgelaufen

Pipelines werden regelmäßig inspiziert. Bei einem
dieser Anlässe entdeckte das Personal ein großes Leck in einer
Erdgaspipeline in Alabama. Es konnte nicht sofort abgedichtet werden,
weil zuerst der Druck abzubauen war. Insgesamt liefen rund eine Mio.
Liter Benzin aus. "Künftig müssen wir nicht mehr warten, bis die Sache
aus dem Ruder läuft", so Gude. Das sei der eine Vorteil. Der zweite:
Bakterien, die er zuvor erforscht hat, könnten eingesetzt werden, um
verunreinigte Böden und verseuchtes Wasser zu behandeln.

Gude ist auf der Suche nach einem Material, in dem er
die beiden Bakterien immobilisieren kann. Er testet derzeit hochporösen
Kunststoff und biobasierte Beschichtungen. Außer in Pipelines könnte der
lebende Sensor auch eingesetzt werden, um Öl- und Gasausbrüche am
Meeresboden zu detektieren. Außerdem könnte er beim Fracking eingesetzt
werden, um zu verhindern, dass verseuchtes Wasser in die Umwelt gelangt.
Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und einigen Chemikalien
mit hohem Druck in den Untergrund gepresst, um öl- und gashaltige
Gesteine zu öffnen, sodass sich die fossilen Rohstoffe fördern lassen.

Industrie 4.0 benötigt gute Facharbeiter

Stuttgart
– Industrie 4.0 ist in den Fabriken angekommen, verändert die Arbeitswelt und
damit die Anforderungen an die Mitarbeiter. Alleine in Deutschland sind nach
Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als acht Millionen Menschen im
produzierenden Gewerbe beschäftigt. Doch erst knapp zwei Drittel der
Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Weiterbildungen im Bereich
Digitalisierung an, wie eine aktuelle Studie von Bitkom und TÜV-Verband besagt.

„Der
neue Lehrgang zur Fachkraft für Industrie 4.0 ist somit ein weiterer Beitrag
zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“

Bosch
hat gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart und
weiteren Partnern aus Wissenschaft und Praxis den Lehrgang zur „Fachkraft für
Industrie 4.0 (IHK)“ entwickelt und pilotiert. Es ist bundesweit der erste
IHK-Lehrgang, der sich direkt an Facharbeiter richtet und diese für die
Anforderungen in der vernetzten Fertigung qualifiziert. Die Teilnehmer lernen
nicht nur Technologien kennen, mit denen sie Industrie 4.0 Anwendungen umsetzen
können, sondern auch agile Arbeitsmethoden. „Nur wer die vernetzte Welt
versteht, kann sie auch gestalten. Wir bereiten unsere Mitarbeiter auf die
Arbeitswelt von morgen vor und schaffen so die Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0“, ist Bosch-Personalchef Christoph
Kübel überzeugt: „Der neue Lehrgang zur Fachkraft für Industrie 4.0 ist somit
ein weiterer Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“

Die
ersten zwölf Teilnehmer aus dem Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach haben die
Weiterbildung bereits erfolgreich abgeschlossen. Weitere Kurse bieten
verschiedene IHKs ab 2019 deutschlandweit für alle Unternehmen an.


„Die
Mitarbeiter machen den Unterschied bei Industrie 4.0.“

Dr.
Stefan Aßmann, Leiter der Geschäftseinheit Bosch Connected Industry


Fachkräfte
für Industrie 4.0 gestalten die vernetzte Fertigung

Der
neue Zertifikatslehrgang richtet sich an Facharbeiter mit Berufserfahrung in
Produktion oder Logistik. Es gibt keine formalen Zugangsvoraussetzungen. Der
Kurs besteht aus fünf Modulen mit einem Umfang von 104 Stunden. Theorie und
Praxis sind gleich gewichtet. Die Teilnehmer lernen zum Beispiel vernetzte
Geschäftsmodelle in der Fertigung kennen: Welche Technologien gibt es? Wie
werden Daten übertragen? Wie funktionieren Logistik und Supply Chains in einer
digitalen Welt? Technologische Inhalte sind ein Schwerpunkt, Arbeitsmethoden
wie Scrum ein anderer. „Technische Lösungen sind nur die eine Seite der
Medaille. Den Unterschied bei Industrie 4.0 machen die Mitarbeiter. Ihre
Fähigkeiten, situativ auf Probleme zu reagieren und neue, kreative Lösungswege
zu finden, rücken in der Fabrik der Zukunft in den Mittelpunkt“, erklärt Dr.
Stefan Aßmann, Leiter der Geschäftseinheit Bosch Connected Industry, in der das
Unternehmen seine Industrie 4.0-Aktivitäten in den Bereichen Software und
Services bündelt. Als Leitanwender und Leitanbieter von Industrie 4.0
digitalisiert und vernetzt Bosch eigene Werke und die seiner Kunden. Nahezu
alle der rund 280 Bosch-Werke weltweit setzen auf vernetzte Lösungen.

Bülent
Cevran arbeitet seit 20 Jahren bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach und ist einer
der ersten Absolventen des Lehrgangs. Der gelernte Industriemechaniker ist als
Schichtführer dafür zuständig, dass immer genügend Teile für die Fertigung an
den Produktionslinien vorrätig sind. „Meine Arbeit hat sich in den letzten
Jahren stark gewandelt. Früher haben wir die benötigten Teile mühsam von Hand
ermittelt und zugeordnet. Heute geht das vollautomatisch. Wir haben unser
Vorratslager mit den Fahrern vernetzt, die uns den Nachschub bringen. So wissen
sie jederzeit, wann wo was benötigt wird“, beschreibt Cevran den Wandel. „Durch
den Lehrgang bin ich jetzt in der Lage, die Vernetzung innerhalb des Werks
selbst mitzugestalten. Mein erstes Projekt nach der Fortbildung wird sein, die
Vernetzung mit den Fahrern auszubauen und um zusätzliche Anwendungsfälle zu
erweitern, zum Beispiel den Abtransport leerer Kisten auf Bodenrollern.“

Bosch-Mitarbeiter
können freiwillig an der Weiterbildung teilnehmen und verschiedene
Fördermöglichkeiten des Unternehmens wie freie Zeit oder einen Kostenzuschuss
in Anspruch nehmen. Die Kosten für den Piloten hat das Unternehmen übernommen.
Ein Großteil der Qualifizierung findet während der Arbeitszeit statt, rund 20
Prozent in der Freizeit.

„Digitalisierung
ist eine der größten Herausforderungen für die Betriebe“

Johannes
Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart

Industrie
4.0 Fachkraft: Von Deutschland in die Welt

Industrie
4.0-Experten von Bosch haben die Kursinhalte mitentwickelt und übernehmen nun
Lehrtätigkeiten im Rahmen der Weiterbildung.

„Digitalisierung
ist eine der größten Herausforderungen für die Betriebe. Wir als IHK
unterstützen mit konkreten Angeboten wie der Qualifizierung zur Fachkraft
Industrie 4.0. Dass wir mit Bosch einen hervorragenden Partner gewinnen
konnten, um diese Qualifizierung zu entwickeln und erfolgreich einzuführen,
freut mich ganz besonders. Viele andere Unternehmen werden davon profitieren“,
sagt Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart.

Auch
die deutsche Auslandshandelskammer bietet künftig die Weiterbildung zur
„Fachkraft für Industrie 4.0“ an – zum Beispiel in China.

Bosch Media Service

Ebay wird zum Warenhaus

Internet-Flohmarkt steigt gezielt in Neuwarenhandel ein

Berlin (pte/07.09.2005/12:51) – Das Internet-Auktionshaus Ebay
http://www.ebay.de wird künftig den Verkauf von Neuwaren fördern und
sich zu einer Art Shoppingmall erweitern. Für klassische Versandhäuser
bedeutet die Entwicklung von Ebay neue Konkurrenz, da sie einen
Wettbewerbsvorteil verlieren werden. In den kommenden Monaten will der
Internet-Flohmarkt für das Weihnachtsgeschäft Werbung für die neuen
Kaufoptionen machen und den Käufern von Neuware den Vorteil bringen,
Verbraucherrechte einfacher nutzen zu können, berichtet die Financial
Times Deutschland. Der neue Service soll in der letzten Septemberwoche
in Deutschland, Österreich und der Schweiz online gehen.

Mit der Neuorientierung von Ebay wächst auch der Druck auf herkömmliche
Versandhändler wie Quelle, Otto oder Amazon. Auch diese Konzerne bieten
ihre Waren im Internet an, liegen aber im Wachstum hinter Ebay zurück.
Die Internet-Tauschbörse liegt im dritten Quartal mit 39 Prozent
Zuwachs gegenüber dem Vorjahr weit über dem Marktdurchschnitt. "Wir
haben auf die Nachfrage unserer Kunden reagiert. Künftig kann der
Käufer klar getrennt nach gewerblichen Neuwaren-Anbietern suchen", so
PR-Mitarbeiterin Katja Harzbecker von Ebay Deutschland im Gespräch mit
pressetext. Bisher gab es bereits die Kategorie "Sofort und Neu" unter
der die User Neuwaren beziehen konnten, jedoch konnte nicht direkt nach
gewerblichen Händlern gesucht werden. Am meisten Umsatz wird mit den
bei Ebay allgemein stärksten Gruppen von "Motors", "Teile",
"Unterhaltungselektronik und Computer" und "Kleidung und Accessoires"
erwartet. Vor allem im Bereich der Unterhaltungselektronik verzeichnet
der Internet-Flohmarkt stetig hohe Zuwächse.

E-Commerce wachse so stark, dass es sinnvoll sei zu segmentieren, so
Ebay-Deutschlandchef Stefan Groß-Selbeck gegenüber der FTD.
Internet-Shoppern, die nach Neuwaren von gewerblichen Anbietern suchen,
solle ein besseres Einkaufserlebnis geboten werden, so Groß-Selbeck
weiter. In Zukunft müssen sich die rund 10.000 umsatzstärksten Händler,
die so genannten Powerseller, bei Ebay als gewerbsmäßige Verkäufer
registrieren und ihre Umsatzsteuer-Identifikationsnummer angeben.
Innerhalb von sechs Wochen muss die Anmeldung erfolgen, oder der
Händler muss auf das Etikett des Powersellers verzichten. In Zukunft
sollen auch Verstöße gegen die Marktplatzregeln schneller und strenger
bestraft werden, indem Ebay den Verkäufern den Status wieder entzieht.
Das Prädikat Powerseller sei gewerblichen Verkäufern vorbehalten, so
Harzbecker gegenüber pressetext.

Für Kunden bringen Einkäufe bei registrierten Neuwaren-Händlern
Vorteile, wie sie von den Kataloghändlern oder auf den Internetseiten
von Otto und Amazon angeboten werden. Produkte können innerhalb von
zwei Wochen ohne Angabe von Gründen zurückgesandt werden und die Kunden
erhalten das Geld zurück. Außerdem ist der Verkäufer dazu verpflichtet
bei Mängeln an der Ware, diese zu ersetzen. Aber nicht nur Konsumenten,
sondern auch die deutsche Steuerfahndung profitiert vom Shoppingcenter
Ebay, da in Zukunft klar zwischen privaten und gewerblichen Händlern
unterschieden wird. Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer wird vom
Bundesamt für Finanzen mit internen Listen verglichen werden. Der
Technologieanbieter Entory hat der Behörde eine Suchmaschine verkauft,
die unter anderem auf der Ebay-Webseite nach potenziellen
Steuerhinterziehern fahndet.

Walkman gegen iPod

Walkman-Reihe soll iPod Konkurrenz machen

Tokio/Wien (pte/09.09.2005/15:32) – Der Unterhaltungskonzern Sony
http://www.sony.com bringt noch im Herbst einen Walkman auf den Markt,
mit dem das Unternehmen dem Konkurrenten Apple Kunden abspenstig machen
will. Die Ankündigung kam kurz nach der Präsentation des iPod nano (pte
berichtete http://www.pte.at/pte.mc?pte=050908019 ). "Wir sind mit der
Situation, in der wir uns jetzt befinden, nicht zufrieden", sagte
Koichiro Tsujino von Sony Connect, der Sony-Abteilung für portable
Musikgeräte.

"Mit den beiden neuen Modellen wollen wir unsere Anstrengungen in
Richtung Online-Musikmarkt verstärken", so Tsujino. "Wir sind in einer
guten Position, weil wir sowohl die Abspielgeräte als auch die
Musik-Inhalte anbieten können", sagte der Sony-Manager. Auch wenn einer
der Hauptkonkurrenten ebenfalls ein neues Produkt herausbringe hoffe
man, die Herausforderungen des Marktes besser meistern zu können, zeigt
sich Sony kämpferisch.

Die Geräte mit der Bezeichnung NW-A1000 und NW-A3000 haben eine
Kapazität von sechs bzw. 20 Gigabyte. Analog zu iTunes betreibt Sony
einen Onlineshop http://www.connect-europe.com , über den Musik bezogen
werden kann. Derzeit sind die Musikdatein nur im Sony-Format ATRAC-3 zu
bekommen und damit auch nur auf bestimmten Geräten abspielbar. "Sony
arbeitet jedoch daran, die Daten auch im mp3-Format zu vertreiben", so
Helmut Kolber von Sony Österreich gegenüber pressetext. Zeitliche
Angaben konnte Kolber jedoch keine machen.

"Im November werden die Musik-Player bei uns erhältlich sein", sagte
Kolber. Die Kosten belaufen sich auf 299 Euro für die 20 GB-Version und
249 Euro für den kleineren Bruder. Sony hatte vor 25 Jahren den Markt
für tragbare Abspielgeräte begründet. Mit seinem Focus auf CD- und
MiniDisc-Player konnte das Unternehmen in der digitalen Ära jedoch mit
Apple nicht mehr mithalten.

Edelmetall Platin wird auch unedel

pte20190124017 Forschung/Technologie, Produkte/Innovationen

Auch Platin schlägt Nanoblasen und oxidiert
Geräte wie beispielsweise Abgas-Katalysatoren im Auto büßen durch Reaktion an Wirksamkeit ein

(pte017/24.01.2019/13:55) – Platin kann unter technisch relevanten Bedingungen schneller oxidieren – und dass, obwohl es ein hochwertiges Edelmetall ist. Dies zeigt eine Untersuchung aus dem DESY-NanoLab http://desy.degemeinsam mit der Universität Wien http://univie.ac.at . Das Problem im Alltag: Platinhaltige Geräte, wie beispielsweise Abgas-Katalysatoren im Auto, können durch diese Reaktion an Wirksamkeit einbüßen. Details wurden in „Solid State Ionics“ publiziert.
YSZ-Kristall ist ein Ionenleiter
Die Forscher hatten eine dünne Platinschicht auf einem Yttrium-stabilisierten Zirkonkristall (YSZ-Kristall) untersucht, eine Kombination, die beispielsweise in der Lambda-Sonde zur Abgaskontrolle im Auto zum Einsatz kommt. Der YSZ-Kristall ist ein Ionenleiter. Er leitet elektrisch geladene Atome, in diesem Fall Sauerstoffionen. Die aufgedampfte Platinschicht dient als Elektrode. Mit der Lambda-Sonde wird der Sauerstoffgehalt des Abgases gemessen und in ein elektrisches Signal verwandelt, mit dem elektronisch die Verbrennung im Motor so gesteuert wird, dass die Schadstoffe in den Abgasen minimiert werden.
Im DESY-NanoLab haben die Wissenschaftler nun eine Spannung von ungefähr 0,1 Volt an den platinbedampften YSZ-Kristall angelegt und erhitzten ihn auf rund 450 Grad Celsius – Bedingungen, wie sie im Betrieb vieler technischer Geräte herrschen. In der Folge sammelte sich der Sauerstoff unter der undurchlässigen Platinschicht bis zu einem Druck von maximal zehn bar, wie er beispielsweise in LKW-Reifen herrscht. Unter Einfluss dieses Sauerstoffdrucks und der erhöhten Temperatur schlug die Platinschicht kleine Blasen mit einem Durchmesser von 1.000 Nanometern. Die Forscher vermuten, dass der hohe Sauerstoffdruck innerhalb der Bläschen die Oxidation des Metalls beschleunigt. Dies müsse für die Funktion elektrochemischer Sensoren beachtet werden, so ihre Schlussfolgerung.

Neues vom 3D-Druck

Mit
laserbasiertem 3D-Druck lassen sich heute schon beliebige Strukturen im
Mikrometermaßstab herstellen. Für viele Anwendungen, insbesondere in der
Biomedizin, wäre es jedoch vorteilhaft, wenn die gedruckten Objekte
nicht starr, sondern schaltbar wären. Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) konnten
nun Mikrostrukturen drucken, die durch den Einfluss von Temperatur oder
Licht ihre Form verändern. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in der
Fachzeitschrift Nature Communications. (DOI: 10.1038/s41467-018-08175-w)

Der 3D-Druck ist als
Technik mit zahllosen Anwendungsfeldern etabliert. Als besonders
vielversprechendes Verfahren gilt das direkte Laserschreiben: Ein
computergesteuerter fokussierter Laserstrahl fungiert als Stift und
erzeugt die gewünschte Struktur in der Druckertinte, hier ein Fotolack.
Auf diese Weise können beliebige dreidimensionale Formen bis hinunter zu
einer Größe von wenigen Mikrometern erzeugt werden. „Für viele
Anwendungen vor allem in der Biologie und Biomedizin wäre es allerdings
wünschenswert, nicht nur starre Strukturen zu erzeugen, sondern aktive
Systeme, die nach dem Druckprozess noch beweglich sind, also zum
Beispiel durch ein externes Signal ihre Form verändern können“, betont
Professor Martin Bastmeyer vom Zoologischen Institut und dem Institut
für Funktionelle Grenzflächen des KIT. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe
von Professor Martin Wegener vom Institut für Angewandte Physik und dem
Institut für Nanotechnologie des KIT sowie Chemikern aus Karlsruhe und
Heidelberg wurde nun ein Druckverfahren für solche beweglichen
Strukturen entwickelt. Für die Druckertinte verwenden sie besondere
Materialien: Stimuli-responsive Polymere, deren Eigenschaften durch
externe Signale modifiziert werden können. So verändert die chemische
Verbindung poly(N-Isopropysycraymide) ihre Form erheblich, wenn die
Temperatur nur leicht über Raumtemperatur angehoben wird. Die so
hergestellten 3D-Strukturen sind in wässriger Umgebung funktionsfähig
und damit ideal für Anwendungen in Biologie und Biomedizin.

„Wir haben die Methode
soweit entwickelt, dass wir auch komplexe Strukturen herstellen können,
in denen die beweglichen Teile durch die äußere Stimulation nicht alle
gleich reagieren, sondern unterschiedliche, aber genau definierte
Reaktionen zeigen“, erläutert Marc Hippler, Erstautor der Studie.
Möglich wird dies durch die Graustufenlithographie: Bei diesem Verfahren
wird der Fotolack nicht an allen Stellen gleichstark, sondern abgestuft
belichtet. Damit können die gewünschten Materialeigenschaften – und
somit die Stärke der Bewegung bei einer bestimmten Temperaturänderung –
sehr genau eingestellt werden. Mit Computersimulationen lassen sich die
resultierenden Bewegungen präzise vorhersagen und erlauben daher ein
rationales Design komplexer 3D-Strukturen.

Die Arbeitsgruppen um
Martin Bastmeyer und Martin Wegener sind noch einen Schritt
weitergegangen: Anstelle von Temperatur wird fokussiertes Licht als
Steuersignal verwendet. Dies erlaubt es erstmals in einer komplexen,
dreidimensionalen Anordnung einzelne Mikrostrukturen gezielt
anzusteuern, was beispielsweise in mikrofluidischen Systemen zum Einsatz
kommen könnte. Da der verwendete Fotolack bei Raumtemperatur geschaltet
werden kann, ergeben sich zusätzlich Anwendungen in der biologischen
Grundlagenforschung, wie zum Beispiel die gezielte mechanische
Beeinflussung einzelner Zellen.

Die interdisziplinäre
Arbeit entstand im Rahmen des Exzellenzclusters „3D Matter Made to
Order“, einem gemeinsamen Forschungsverbund des Karlsruher Instituts für
Technologie und der Universität Heidelberg. Beteiligt waren auch
Promovierende der Karlsruhe School of Optics & Photonics (KSOP) des
KIT.

Original-Veröffentlichung (Open Access):

Marc Hippler, Eva
Blasco, Jingyuan Qu, Motomu Tanaka, Christopher Barner-Kowollik, Martin
Wegener, and Martin Bastmeyer: Controlling the shape of 3D
microstructures by temperature and light. Nature Communications. 2019.
DOI: 10.1038/s41467-018-08175-w

Warten bis die Kohlenstoff-Spekulationsblase platzt?

Divestment – oder Warten bis die Kohlenstoff-Spekulationsblase platzt?

Vorbemerkung: In der gleichlautenden Internet-Version finden Sie zu
desem Beitrag noch zwei erhellende Karikaturen von Gerhard Mester.
http://www.sfv.de/artikel/divestment_-_die_kohlenstoff-spekulationsblase_zum_platzen_bringen_.htm

Seit 100 Jahren investieren Versicherungen, Banken, Rentenfonds,
Stiftungen, Kommunen, Universitäten und Privatpersonen ihr Kapital in
Unternehmen, die hohe Gewinne versprechen. Sie investieren in der
Hoffnung auf Reichtum und damit verbundene Macht. Ob festverzinsliche
Staatsanleihen, ob Produktion von Giftgas oder Streuminen, von
Zigaretten oder Kettensägen, von energieintensiven Grundstoffen wie
Aluminium oder Kunstdünger, oder eben auch direkt von Strom aus
Braunkohle,– die Anleger fragen nur nach der Rendite.

So werden ohne Skrupel auch Unternehmen gestützt, die mit der Nutzung
von fossilen Energien und der Ruinierung des Weltklimas befasst sind.
Das gilt bisher als todsicheres Geschäftsmodell, denn der
Energiehunger steigt weltweit, und die Verfügungsrechte über Kohle,
Erdöl und Erdgas, die noch unter der Erd- oder Meeresoberfläche
vermutet werden, werden sogar mit militärischer Macht gesichert.

Angst vor dem Klimawandel? Diejenigen, die in das Spiel um den großen
Geld- und Machtgewinn verwickelt sind, interessiert alles Übrige nur
noch am Rande. Vielleicht ist das ähnlich, wie das Fieber bei der
Fußballweltmeisterschaft oder beim Sex? Während des Spiels empfindet
man alles, was nicht unmittelbar dazu gehört, nur als störende
Ablenkung: "Klimawandel??? Das hat doch noch Zeit!"

Der jämmerliche Hungertod von König Midas, dem wunschgemäß alles, was
er anfasste, zu Gold wurde, ist offenbar nicht abschreckend genug. Wer
ausschließlich im Abwägen von finanziellem Gewinn oder Verlust
befangen ist, lässt sich nur noch ansprechen, wenn ihm ein Risiko vor
Augen geführt wird, das zu seinen Begrifflichkeiten passt. Dass eine
„Spekulationsblase“ platzen kann,– dieses Risiko leuchtet jedem
Börsenspekulanten sofort ein, und davor hat er echt Angst.

Damit kommen wir zur Kohlenstoff-Spekulationsblase: Die derzeitige
Bewertung der Fossilunternehmen ergibt sich aus der unhinterfragten
Vorstellung, dass alle bekannten und vermuteten fossilen Bodenschätze
noch gefördert und energetisch genutzt werden. Wem allerdings bewusst
ist, dass jede weitere Tonne Kohle den Klimakollaps noch verschlimmert
und dass die Ressourcen deshalb in der Erde bleiben müssen, der erkennt,
dass die fossilen Unternehmen völlig überbewertet sind.

Die von Sigmar Gabriel vorgeschlagene Klimaabgabe hat offensichtlich
trotz ihrer unzureichenden Höhe den Fossil-Spekulanten einen Schock
versetzt, wie die überschießend heftigen Reaktionen zeigen. Eine
administrative Beschränkung der Kohle- und Ölförderung würde dazu
führen, dass die Gewinnaussichten von einigen ernüchterten Analysten
geringer eingeschätzt werden. Vorsichtige Anleger werden ihr Kapital
abziehen. Damit sinkt der Aktienkurs. Das alarmiert andere Anleger;
sie überprüfen die Gewinnaussichten und ziehen –- möglichst solange die
Papiere noch einen guten Wert darstellen – ebenfalls ihr Kapital ab.

So kommt es zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsbewegung. Von
Stunde zu Stunde sind die Papiere weniger wert. Für die Anleger heißt
es dann: „Rette sich wer kann“. Kommunen, die an den fossilen
Unternehmen beteiligt sind, werden in den Strudel gerissen. Staaten,
die ihre Banken retten wollen, bekommen Probleme. Die Ratingagenturen
werden mit ihren Abwertungen kaum noch mitkommen. So könnte die
"Kohlenstoffblase" platzen.

Ein Vergleich mit der geplatzten „Immobilienblase“ im August 2007
liegt nahe, doch die "Kohlenstoffblase" ist voluminöser und die
Angriffe kommen diesmal von zwei Seiten – einmal von denjenigen, die
um ihre Gewinne fürchten, andererseits von der ethisch motivierten
"Divestment-Bewegung", die durch einen Ausstieg aus allen fossilen
Beteiligungen die Welt vor der Klimakatastrophe retten will. Diese
Zangenbewegung könnte sich als unwiderstehlich erweisen. Die
einstimmige Entscheidung des norwegischen Parlaments vom 6. Juni 2015,
dass der norwegische Rentenfond (der zweitgrößte der Welt) alle
Anteile von Firmen verkaufen soll, die mit mehr als 30 % an
Kohlenutzungen beteiligt sind, liefert einen Vorgeschmack davon, was
noch geschehen kann.

Wenn niemand mehr in den Erhalt der fossilen Kraftwerke investieren
will, könnte das fossile Zeitalter innerhalb weniger Jahre zu Ende
gehen. Mit fast dreißig-jähriger energietechnischer Erfahrung sehen
wir aber auch die Gefahr, dass es zu einem ERSATZLOSEN Zusammenbruch
der fossilen Energieversorgung kommen kann, denn insolvente
Unternehmen können keinen Strom mehr liefern. Wir empfehlen deshalb
dringend, dass die finanziellen Anstrengungen sich den Erneuerbaren
Energien und ihren Speichern zuwenden. Erst mit einer ausreichenden
Menge von Energiespeichern können Wind- und Sonnenenergie die Atom-
und Fossilenergien vollständig ersetzen.

Deshalb – investiert das "divestierte" Geld in Speicher!

Bakterien in Biofilmen halten Uran fest

Uran kommt in unserer Umwelt natürlich vor. In dicht besiedelten Regionen wie Sachsen, wo lange Jahre Uranerz abgebaut wurde, ist es besonders wichtig zu wissen, wie sich Uran in der Natur ausbreitet. Neueste Untersuchungen im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) belegen, dass Bakterien eine wichtige Rolle beim Transport von Uran in der Umwelt übernehmen können. Die Ergebnisse wurden vor kurzem im Fachjournal "Environmental Science & Technology" veröffentlicht.

Bakterien sind keine Einzelgänger, vielmehr sind 99 Prozent aller Bakterien in Biofilmen organisiert. Typische Biofilme sind Zahnbeläge oder schleimige Überzüge auf in Gewässer befindlichen Steinen. Biofilme sind allgegenwärtig und treten insbesondere an Grenzflächen zwischen fest und flüssig auf. Ein Biofilm besteht zu 50 bis 95 % aus Wasser. Der Rest setzt sich aus Mikroorganismen und organischen Makromolekülen zusammen. In Biofilmen findet man sehr komplexe und zugleich gut aufeinander abgestimmte Lebensgemeinschaften von Mikroorganismen vor. Dabei kann es zur Ausbildung von Nischen mit unterschiedlichen geochemischen Parametern (z. B. pH-Wert, gelöste Sauerstoffkonzentration) innerhalb des Biofilms kommen. Biofilme sind von Wasserkanälen durchzogen, auf denen den Bakterien Nährstoffe zugeführt und deren Ausscheidungen abtransportiert werden. Auf diese Weise gelangen auch toxische Schwermetalle in den Biofilm und können dort zurückgehalten werden. Somit können Biofilme einen natürlichen Filter für Wasserreinigungs-Prozesse bilden.

Uran kann über das Transportmedium Wasser zu den Biofilmen gelangen. Hierbei spielt die Oxidationsstufe des Urans eine große Rolle: das sechswertige Uran ist wasserlöslich und somit mobil (im Zentrum dieser Verbindung steht das Uranyl-Ion UO22+ – das Uranatom ist von zwei Sauerstoffatomen umgeben), das vierwertige Uran dagegen ist kaum wasserlöslich. Wird das mobile Uran(VI) in einen solchen Biofilm geleitet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es durch den Weg von der Oberfläche in das Innere des Biofilms chemisch in vierwertiges Uran umgewandelt wird. Bei dieser Reaktion gibt das Uran(VI) zwei Elektronen ab, allerdings war bisher der genaue Reaktionsvorgang unklar. Die ausgefeilten Analysetechniken, die im FZD zur Verfügung stehen, ermöglichten erstmals die genaue Untersuchung des chemischen Verhaltens von Uran in lebender Umgebung. So konnte die komplexe Wechselwirkung zwischen dem Schwermetall und den Bakterien, die in einem Biofilm leben, aufgedeckt werden. Dieses Wissen könnte in Zukunft dabei helfen, Konzepte für intelligente Sanierungsmaßnahmen zu erstellen.

Den Redox-Prozess von Uran in einem Biofilm hat ein Wissenschaftler-Team um Dr. Thuro Arnold im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf in Kooperation mit Prof. Isolde Röske und Dr. Axel Wobus von der Technischen Universität Dresden nun erstmalig untersucht. Mit einem konfokalen Laser-Fluoreszenz-Mikroskop gelang es, die Reduktion von Uran(VI) zum Uran(V) zu visualisieren und spektroskopisch zu identifizieren. Die Forscher gaben zunächst einem der Natur nachempfundenen Biofilm eine wohldefinierte Lösung mit Uranyl(VI)-Ionen bei. Um Uran im Mikroskop sichtbar machen zu können, wird ausgenutzt, dass einige Uran-Verbindungen bei gezielter Laseranregung Lumineszenz zeigen, also nachleuchten. Einmalig ist das per Mikroskop entstandene Bild, auf dem sechs- und fünfwertiges Uran gleichzeitig zu sehen sind. Da Uran(V) nur kurze Zeit stabil ist, herrscht dieser Oxidationszustand nicht lange vor. Dr. Arnold: "Wir konnten nachweisen, dass die Umwandlung in wasserunlösliches Uran in zwei Etappen vor sich geht. Während der im Biofilm ablaufenden Reaktion gibt das sechswertige Uran erst ein Elektron ab, woraus das fünfwertige Uran entsteht. Für die weitere Umwandlung zum wasserunlöslichen Uran(IV) gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen kann das Uran(V) im Biofilm unter Abgabe eines zusätzlichen Elektrons weiter zu Uran (IV) reduziert oder aber in einem komplizierteren Prozess zu Uran(IV) und Uran (VI) umgewandelt werden. Da das im Biofilm entstandene vierwertige Uran quasi wasserunlöslich ist, fällt es aus und wird im Biofilm festgehalten."

Eine besondere Leistung der Rossendorfer Wissenschaftler besteht zudem darin, dass sie gleichzeitig mit dem mikroskopischen Nachweis der Reduktion von Uran in einem Biofilm die genaue Wertigkeit der Uran-Verbindungen mit der Methode der Laser-Fluoreszenz-Spektroskopie nachweisen konnten. Dr. Arnold: "Wir wollen die von uns entdeckten Prozesse nun noch besser verstehen lernen, um dieses Wissen beispielsweise in intelligente Sanierungsprozesse einfließen zu lassen." Dafür werden derzeit die Untersuchungsgeräte weiter verfeinert und verbessert. Jetzt schon können Uran-Partikel und deren genaue chemische Form, in Biofilmen identifiziert werden. Bald schon sollen mit der Fluoreszenz-Spektroskopie auch zeitaufgelöste Informationen zu gelösten Uranverbindungen in Biofilmen möglich sein, so dass die Kombination der beiden Methoden dann sogar zur Untersuchung von Wechselwirkungen von Zellen mit fluoreszierenden Schwermetallen geeignet sein wird.

Veröffentlichung:
K. Großmann, T. Arnold, E. Krawczyk-Bärsch, S. Diessner, A. Wobus, G. Bernhard, R. Krawietz, "Identification of fluorescent U(V) and U(VI) Microparticles in a multispecies biofilm by Confocal Laser Scanning Microscopy and Fluorescence Spectroscopy ", in: Environmental Science & Technology, Vol. 41, No. 18: September 15, 2007.