Archiv der Kategorie: Physik, Chemie, Technik

Solarhäuser von Konrad Frey

ABSICHTSLOSE ÄSTHETIK

Konrad Frey war ein Pionier. Er hat datenbasiert und
wissenschaftsgetrieben Solarhäuser geplant und gebaut. Bekannt sind er
und sein Werk nur wenigen. Das soll ein vom Wissenschaftsfonds FWF
unterstütztes Projekt des Architekturtheoretikers Anselm Wagner ändern.


"Die Architektur Konrad Freys zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihre
Form aus der Funktion heraus entwickelt", sagt der Grazer
Kunsthistoriker und Architekturtheoretiker Anselm Wagner. Die Arbeit des
1934 in Wien geborenen und später in Graz und London tätigen
Architekten zeichnet sich durch noch mehr aus –, sie ist
Sonnenhausarchitektur im besten Sinne des Wortes. Bereits 1972 hat
Konrad Frey zusammen mit Florian Beigel das erste Solarhaus Österreichs
entworfen. – Basierend auf seinen wissenschaftlichen Arbeiten zur
Nutzung der Sonnenenergie seit Ende der 1960er-Jahre.

Frey war zweifellos ein Pionier und ist dennoch weitgehend unbekannt.
"Graz ist für die Grazer Schule bekannt, wie sie Friedrich Achleitner
genannt hat, und für die Dekonstruktivisten wie Günther Domenig",
erläutert Wagner, der aktuell das vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte
Forschungsprojekt "Die Solarhäuser von Konrad Frey: Umweltforschung und
solares Wissen im Entwurf" an der Technischen Universität (TU) Graz
leitet. Konrad Frey ist kein Dekonstruktivist. Er sei, betont Wagner,
auch kein zeichnender Architekt, vielmehr ein Forschender.

ALS ARCHITEKT ÜBERSEHEN

Ein Forschender, der nur wenig gebaut hat, und das noch dazu meist am
Rand, in der Provinz. Abseits der Metropolen, fern der stark befahrenen
Wege. "Hätte er in Wien gearbeitet, wären seine ersten Arbeiten im
Umfeld der Stadt entstanden, seine Architektur wäre längst schon
Gegenstand der Forschung", ist Anselm Wagner überzeugt.

In den vergangenen Jahren nimmt die Debatte um Nachhaltigkeit an Fahrt
auf. Doch, kritisiert Wagner, drehe sie sich in erster Linie um Ökonomie
und Ökologie. Nicht aber um die Architektur. "Das hat Folgen für die
Landschaft, in Form uninspirierter Null-Energie-Häuser. Die Ästhetik
wird vollkommen außer Acht gelassen", kommentiert Wagner. Dabei finden
wissenschaftliche Erkenntnis, Stilempfinden und ökologischer Anspruch
durchaus zusammen. Das zeigen die Arbeiten Freys, der in den 1970ern am
Grazer Forschungszentrum Joanneum die Energieberatung aufbaute.

VERSUCHSSTATION DER ENERGIEGEWINNUNG

Das Haus Zankel nahe Genf und doch schon in Frankreich, in Prévessin,
plante Frey ab 1976 für den damaligen CERN-Physiker Karl Zankel. Es ist
in jeder Hinsicht ungewöhnlich, ist eine ausdrucksvolle Raumskulptur,
ein Solarlabor, eine Versuchsstation. Es vereint aktive und passive
Gewinnung von Solarenergie und funktionelle Technikbegeisterung mit
postmodernem Witz. "Frey hat, wie gesagt, aus der Funktion heraus seine
Formen gefunden. Er konnte gar keine Schule begründen. Es gibt keine
Linie, kein Design, das er geprägt hat", erklärt Wagner. Vielmehr handle
es sich bei den Bauten des Energieberaters um eine absichtslose
Ästhetik. Wesentlich sei indes der Begriff des ‚Environments‘, erklärt
Forschungsleiter Wagner. "In dem Sinne, dass für Frey ein Haus nicht nur
eine Wohnmaschine ist, sondern den physischen und psychischen
Bedürfnissen seiner Bewohner ebenso entsprechen muss, wie es sich in
seine Umgebung einfügt."

Das Projekt sucht nun die Detailarbeit des Architekten festzuhalten,
seine Zugänge freizulegen und die Übersetzung von Erkenntnis in
Raumgestaltung nachvollziehbar zu machen. "Frey hat einen stark
wissenschaftlichen Ansatz in seiner Architektur", betont Wagner. Das
unterscheide ihn von seinen Grazer Zeitgenossen und Kollegen.

ANSPRUCHSVOLL UND GÜNSTIG

Was ihn wiederum mit ihnen verbindet, ist die Eigenschaft konsequenten
Querdenkens. In seinem jüngsten Bau, seinem Privathaus, setzte Konrad
Frey ausschließlich Standardbauelemente aus dem Baumarkt ein. "Er wollte
damit", erklärt Wagner, "belegen und beweisen, dass es möglich ist,
günstig und mit gängigen Elementen ein Solarhaus zu errichten. Ein
anspruchsvolles Solarhaus."

Basierend auf dem Vorlass Freys, der dem Archiv der TU Graz zur
Verfügung steht, wird das laufende Forschungsprojekt noch bis 2019 durch
die Auswertung unveröffentlichter Quellen, neuer Daten, vom Institut
für Bauphysik und Bauökologie der TU Wien durchgeführte Messungen und
Neukonzeptionen der Energieeffizienz ein Online-Werkverzeichnis und eine
Monografie erstellen. Das Verzeichnis soll bereits ab Ende 2017 online
gehen. Damit wird Frey auch als, wenngleich höchst eigenständiger Teil
der Grazer Schule gewürdigt werden.

Zur Person

Nach Lehraufträgen an der Universität für angewandte Kunst Wien, der
Universität Mozarteum Salzburg, der Universität Wien und der Universität
Graz sowie Gastprofessuren unter anderem an der TU Wien, der TU Graz
und der University of Minnesota ist Anselm Wagner (http://akk.tugraz.at/team/anselm-wagner/)
seit 2010 Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für
Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften an der TU Graz.

Publikationen

M. Schuss, U. Pont, M. Taheri, C. Lindner, A. Mahdavi:
"Simulation-assisted monitoring-based performance evaluation of a
historically relevant architectural design", in: Building Simulation
Applications Proceedings 3 (2017), Hg. v. M. Baratieri, V. Corrado, A.
Gasparella, F. Patuzzi, ISSN: 2531-6702, Paper-Nr. 78

Farbe zeigt Belastung durch Leuchten an

Hightech-Anstrich könnte Luftfahrt sicherer machen
 
strain paint: Nano-Farbe leuchtet bei Belastung (Foto: Rice University)

Madison (pte010/22.06.2012/11:20) – Forscher der amerikanischen Rice University http://rice.edu arbeiten an einer Farbe, die künftig das Überprüfen von Strukturen auf Belastungen vereinfachen soll. "strain paint" zeigt übermäßige Krafteinwirkung dadurch an, dass sie im Schein von Licht nahe des Infrarotspektrums leuchtet. Sie bietet zahlreiche Vorteile zu herkömmlichen Sensoren.

Kaputte Nanoröhrchen leuchten

Die Farbe ist versetzt mit winzigen Nanoröhrchen, die beim Trocknen an Ort und Stelle fixiert werden. Wird der Untergrund – etwa die Wand eines Gebäudes oder der Flügel eines Flugzeugs – an dieser Stelle über Gebühr gestreckt oder gequetscht, so werden die winzigen Halbleiter-Rohre beschädigt. Bereits seit längerem ist bekannt, dass sie in diesem Zustand unter nah-infrarotem Licht glühen.

Die Beschichtung ist einfach und flexibel auftragbar und erkennt Belastungen unabhängig von der Richtung ihres Einwirkens. Übliche Sensoren arbeiten nur punktuell dort, wo sie eingesetzt werden und sind nicht in der Lage, multidirektionale Belastungen zu registrieren. Sie werden daher an Stellen angebracht, die sich aus vorhergehenden Berechnungen bereits als Orte der erwarteterweise höchsten Beanspruchung feststehen. Andere Stellen müssen langwierig und mühsam manuell inspiziert werden.

Raumschiffinspektion im Orbit

Mit dem Anstrich aus der Rice University kann man Flieger, Schiffe und zahlreiche andere Fortbewegungsmittel oder Gebäude umfassend und kostengünstig prüfen. Bruce Weisman, einer der beteiligten Wissenschaftler, hat nun Kontakt mit der US-Raumfahrtbehörde NASA aufgenommen, berichtet Popular Science. Er schlägt vor, künftig Raumfahrzeuge mit der Hightech-Farbe anzustreichen. So könnten die Astronauten ihr Gefährt noch im Orbit auf beschädigte Stellen untersuchen und gegebenenfalls lebenswichtige Reparaturen durchführen, bevor sie die Rückreise in die Atmosphäre antreten.

Marktreif ist die Erfindung jedoch noch nicht. Derzeit wird an der Optimierung ihrer Zusammensetzung gearbeitet. Es wird außerdem überlegt, verschiedene Varianten für spezifische Einsatzzwecke herzustellen, die dank Nanotechnologie mit weiteren Eigenschaften angereichert werden.

Neuro-Headset bremst Auto bei Ablenkung sofort ab

Neuro-Headset bremst Auto bei Ablenkung sofort ab
"Attention Powered Car" überwacht den Fahrer mit 14 Spezial-Sensoren
 
Neuro-Headset: überwacht Gehirnaktivität beim Fahren (Foto: emotiv.com)

Perth/Salzburg (pte004/05.11.2013/06:15) – Dank des "Attention Powered Cars" haben gefährliche Ablenkungen während des Autofahrens künftig keine Chance mehr. Das mit dem Spezialsystem ausgestattete Fahrzeug ist vom Royal Automobile Club of Western Australia http://rac.com.au in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Emotiv http://emotiv.com entwickelt worden. Mithilfe einer Software wird die Gehirnaktivität des Lenkers über ein Headset mit den Automotoren in Verbindung gesetzt. Treten etwaige Störfaktoren auf, so wird ein Signal an das Fahrzeug gesendet und dieses bremst automatisch ab.

Reaktion muss angekündigt werden

"Die Ablenkung während des Autofahrens ist grundsätzlich ein durchaus akutes Problem. Da es viele Quellen von Distraction gibt, die während des Fahrens zum Tragen kommen, ist es wichtig, verschiedene Messkanäle (Multi-Level Measurement) heranzuziehen, um diese festzustellen und entsprechend darauf zu reagieren", schildert Manfred Tscheligi, Experte für Ablenkung im Auto und Leiter des Christian Doppler Labors "Contextual Interfaces" http://contextual-interfaces.org an der Universität Salzburg, gegenüber mit pressetext.

Dabei könnte sich das System als hilfreich erweisen. "Wenn man dieses Konzept als einen dieser Kanäle im Multi-Level Measurement begreift, so ist ein solcher Ansatz sicher interessant, um Ablenkung zu konstatieren", erläutert der Experte. Dennoch gäbe es noch Optimierungspotenzial. "Das unmittelbare Reagieren des Fahrzeugs ist mit Vorsicht zu betrachten. Hier benötigt der Fahrer jedenfalls eine Rückmeldung, wie das Fahrzeug mit der Feststellung von Ablenkung umgehen wird, bevor es automatisch passiert", erklärt Tscheligi.

Sensoren ermitteln Gehirnaktivität

Das Headset verfügt über 14 unterschiedliche Sensoren, welche die elektrische Aktivität im Frontallappen, Parietallappen, Temporallappen sowie Occipitallappen des Gehirns überwachen. Wird der Lenker durch einen Störfaktor abgelenkt, so sendet die Software ein Signal an das Fahrzeug, wodurch dieses auf der Stelle abgebremst wird. Mithilfe dieses Devices kann nicht nur ermittelt werden, ob sich der Fahrer statt auf den Verkehr auf das Radio konzentriert oder seinen Kopf länger von der Straße abwendet, sondern auch, ob die Blinkgeschwindigkeit konstant bleibt. Die Technologie wurde erstmals in einem Honda i40 getestet.

Größte Dünnschichtsolarzellen-Anlage der Welt in Italien

38.000 Quadratmeter produzieren 2,8 Mio. Kilowattstunden Strom im Jahr

Rom (pte/11.01.2008/12:10) – Die auf erneuerbare Energien spezialisierte Green Utility http://www.greenutility.it hat von der römischen Messegesellschaft einen Großauftrag erhalten. Danach sollen im Laufe diesen Jahres die Gebäudedächer in deren Ausstellungsgelände mit Dünnschichtsolarzellen (Thin-Film) ausgestattet und dadurch ein Teil des Strombedarfs mit sauberer Energie gesichert werden. Die zwölf Mio. Euro teure, bisher weltweit grösste Thin-Film-Anlage wird mit Hilfe einheimischer Banken finanziert.

"Es handelt sich um mit amorphem Silizium beschichtete Folien, die zwar im Vergleich zu den herkömmlichen Photovoltaikanlagen nur einen halb so großen Wirkungsgrad aufweisen, sich jedoch wegen ihrer Flexibilität und Leichtigkeit auch zur Bedeckung größerer oder gekrümmter Flächen eignen," bestätigt Silvio Gentile, Hauptgeschäftsführer der Green Utility. "Das ermöglicht eine weitgehende architektonische Integration. Außerdem wird die indirekte Sonneneinstrahlung besser verwertet, weshalb sie sich auch als komplementäre Versorgungsquelle eignen."

Die Anlage wird sich auf eine Fläche von insgesamt 38.000 Quadratmeter erstrecken und ist auf eine Spitzenleistung von 1.800 kW ausgelegt. Es wird eine Jahresproduktion von 2,8 Mio. kWh Strom erwartet, was in etwa dem Verbrauch von 900 Privathaushalten und 20-25 Prozent des Bedarfs der Messegesellschaft entspricht. In der Umweltbilanz schlägt sie mit einer CO2-Einsparung von 2.000 Tonnen im Jahr zu Buche.

Für die Energiebereitstellung aus der Dünnschichtanlage wird Green Utility infolge des staatlichen Förderprogramms für Erneuerbare 0,44 Euro pro Kilowattstunde erhalten. Nach einer Betriebsdauer von zwanzig Jahren wird sie in das Eigentum der Messegesellschaft übergehen. Bei den beiden ebenfalls geplanten traditionellen Photovoltaikanlagen ist eine Vergütung von 0,34 Euro je kWh vorgesehen. Für das Projekt hat Silvio Gentile 2007 den Jungunternehmerpreis "Premio Impresa Ambiente" erhalten. Mit dem ersten positiven Betriebsergebnis rechnet der 33-jährige Wirtschaftsingenieur, der unter anderem Studien an der Harvard-Universität und der London School of Economics absolvierte, in fünf Jahren. Die Green Utility war vor einigen Jahren als Kooperation der deutschen Solon http://www.solonag.com mit der auf Müllentsorgung spezialisierten Secit (Gesenu-Gruppe) und einigen einheimischen Energiefachleuten entstanden.

Forscher wollen E-Autos über Straße laden

Forscher wollen E-Autos über Straße laden
Technologie schickt Strom drahtlos durch Betonwände
 
Proof-of-Concept: Forscher schicken Strom durch Beton (Foto: tut.ac.jp)

Toyohashi (pte011/09.07.2012/13:15) – Forscher der Technischen Universität Toyohashi http://www.tut.ac.jp/english arbeiten an der drahtlosen Übertragung von Strom durch Betonwände. Dies soll es zukünftig ermöglichen, Elektroautos während der Fahrt über die Straße zu laden. Ein erster Test des Projektes "Electric Vehicle on Electrified Roadway" (EVER) verlief bereits erfolgreich.

Geringer Verlust

Auf der Handelsmesse "Wireless Technology Park 2012" http://www.wt-park.com/eng präsentierte das Team einen Proof-of-Concept ihrer Erfindung. Dabei brachten sie erfolgreich eine Glühbirne durch eine zehn Zentimeter dicke Betonwand zum Leuchten, während sie im Schnitt 50 bis 60 Watt an Energie an zwei Reifen übertrugen.

Zum Einsatz kommt dabei das Prinzip der konduktiven Kupplung, dass die relativ hohe Leitfähigkeit von Beton nutzt. Der Verlust im Rahmen der Übertragung ist relativ gering und beträgt zehn bis 20 Prozent.

20 Zentimeter anvisiert

Ziel ist es, auf diese Weise die Reichweite von Elektroautos zu verlängern, die im Vergleich zu ihren Pendants mit Brennstoffmotoren immer noch gering ist. Dazu könnten in den Straßen Module befestigt werden, die durch Beton und Asphalt hindurch die Akkus der Fahrzeuge laden.

Bis es soweit ist, muss die Technologie jedoch noch Hürden nehmen. Das nächste Ziel der Wissenschaftler ist es, Strom durch doppelt so dicke Wände zu schicken, was den Bedingungen auf japanischen Straßen entspricht. Gleichzeitig muss die Leistung um das Hundertfache gesteigert werden, um für E-Autos Sinn zu machen,. Während die größere Dicke eine Herausforderung ist, soll sich der Stromoutput aufgrund gut verfügbarer und billiger Bauteile ohne nennenswerte Mehrkosten steigern lassen.

Anziehbares U-Boot

Anziehbares U-Boot sucht ältesten Computer

Robo-Tauchanzug "Exosuit" jagt Details zum Antikythera-Mechanismus

"Exosuit": Soll antike Hochtechnologie finden (Foto: Nuytco)

Woods Hole (pte012/06.06.2014/12:05) –

Der "Exosuit" des kanadischen Unternehmens Nuytco Research http://nuytco.com ist ein Hightech-Anzug, der bemannte Tauchgänge bis in 300 Meter Tiefe
ermöglicht. So soll er im Herbst dazu beitragen, eines der größten
Rätsel der Technologie-Geschichte zu lösen, berichtet der New Scientist.
Denn dann wird der Exosuit zum Einsatz kommen, um in der Ägäis
gefahrlos nach einem 2.000 Jahre alten Wrack zu tauchen. Das soll
Hinweise auf die Natur des Antikythera-Mechanismus liefern – des dort
gefundenen, ältesten Computers der Welt.

Der Exosuit wirkt ein wenig wie eine "Iron
Man"-Rüstung, was damit zusammenhängt, dass es sich um den modernsten
robotischen Tauchanzug der Welt handelt. "Das ist im Prinzip ein
anziehbares U-Boot", meint Phil Short, der die Mission als Tauchexperte
begleiten wird. Im September soll vor der Insel Antikythera diese
modernste Technologie antike ans Licht fördern. Denn Ziel der Expedition
ist ein römisches Wrack, aus dem 1900 der Antikythera-Mechanismus
geborgen wurde. Er gilt als älteste analoge Computer der Welt, seine
Funktionsweise ist bis heute nicht vollständig verstanden. Im Idealfall
soll der Exosuit eine zweite Kopie des Geräts vom Meeresboden holen.

Sicher tief tauchen

Das Antikythera-Wrack ist zirka 60 vor Christus
gesunken und wurde 1900 von griechischen Schwammtauchern wiederentdeckt.
Große Stücke befanden sich in etwa 40 bis 60 Metern Tiefe, doch Teile
sollen bis zu 120 Metern tief liegen. Um dort lange bemannte Tauchgänge
zu absolvieren, ist hochtechnische Ausrüstung nötig. Denn die
Schwammtaucher konnten einst nur wenige Minuten beim Wrack ausharren,
dennoch gab es durch Dekompressionskrankheit bedingte Lähmungen und
Todesfälle. Selbst Taucherlegende Jacques Cousteau konnte bei einer
Expedition im Jahr 1976 nur zehn Minuten am Meeresboden verbringen.

"Mit dem Exosuit wird unsere Zeit am Boden praktisch
unbegrenzt", so Brendan Foley vom Deep Submergence Laboratory der Woods
Hole Oceanographic Institution http://www.whoi.edu . Denn der Anzug aus einer Aluminiumlegierung widersteht dem hohen
Wasserdruck in 120 Metern Tiefe, bietet dem Träger aber dank
intelligenter Bauweise dennoch hohe Beweglichkeit. Das ist auch wichtig,
um etwaige Schätze sinnvoll bergen zu können. Dank Versorgungskabel zum
Schiff an der Oberfläche und Kreislaufatemgerät sollten theoretisch
Tauchgänge von 50 Stunden Dauer möglich sein. "Wir werden nur auftauchen
müssen, um dem Ruf der Natur zu folgen", meint daher Foley.

Antike Hochtechnologie

Die moderne Expedition dient dazu, ein Stück antiker
Hochtechnologie besser zu verstehen, den 1900 in Fragmenten entdeckte
Antikythera-Mechanismus. Erst in den 1950er-Jahren haben Forscher
erkannt, dass die 2.000 Jahre alten Bruchteile einen analogen Computer
ergeben, der in seiner Komplexität seiner Zeit um Jahrhunderte voraus
scheint. Vermutlich diente das Gerät der Vorhersage von Sonnen- und
Mondfinsternissen, möglicherweise auch der Berechnung von
Planetenpositionen.

Wirklich restlos verstanden sind Funktionsweise und
Zweck des Antikythera-Mechanismus aber bis heute nicht. Im Rahmen der
für September geplanten Expedition hoffen die Forscher, weitere
Informationen zu dem Analog-Computer zu finden. Dabei besteht auch die
Hoffnung, auf neue Teile oder gar ein zweites Gerät zu stoßen. Denn
Fragment D, eines der sieben größten Bruchstücke des
Antikythera-Mechanismus, ließ sich bislang in keine versuchte
Rekonstruktion nahtlos einfügen.

Sibirische Bakterien produzieren reines Methan

Sibirische Bakterien produzieren reines Methan

Hoher ph-Wert macht ihnen nichts aus – Lediglich Wäre erforderlich

Dimitry Sorokin bei der Entnahme von Proben in Sibirien (Foto: Dimitry Sorokin)
Dimitry Sorokin bei der Entnahme von Proben in Sibirien (Foto: Dimitry Sorokin)

Delft/Moskau (pte001/01.06.2017/06:00) –

In einem sibirischen See, in dem sehr viel Natriumkarbonat gelöst ist, haben Forscher der Technischen Universität (TU) Delft http://tudelft.nl/en zusammen mit Kollegen des Winogradsky Institute of Microbiology of the Russian Academy of Sciences http://fbras.ru/en Bakterien entdeckt, die für die umweltverträgliche Versorgung mit Energie einen entscheidenden Beitrag leisten können.

Effektiver als Biogasanlagen

Trotz der unwirklichen Umgebung – der ph-Wert liegt bei
10, das Wasser ist also stark basisch – überleben die Bakterien und
leisten dabei noch etwas Besonderes: Sie zersetzen Bioabfälle und
wandeln sie in reines Methan um. Das dabei frei werdende Kohlendioxid
(CO2) wird im See gespeichert, belastet also nicht die Atmosphäre.

Damit ist diese Anordnung weitaus effektiver als
Biogasanlagen. Die darin aktiven Mikroorganismen produzieren Biogas,
eine Mischung aus synthetischem Erdgas und CO2. Das lässt sich
verbrennen oder nach Abtrennung des CO2 ins Erdgasnetz einspeisen. Die
Abtrennung frisst allerdings sehr viel Energie.

Nur maßvolle Wärme notwendig

"Die Organismen, die Dimitry Sorokin fand, wachsen
optimal bei einer Temperatur von 50 bis 55 Grad Celsius und einem
ph-Wert von 10", sagt Forscher Mark van Loosdrecht von der TU Delft. Sie
könnten genutzt werden, um in neuartigen Bioreaktoren Methan zu
erzeugen. Allerdings müsste die Flüssigkeit, in der sich mit der Zeit
große Mengen an CO2 lösen, von Zeit zu Zeit gereinigt, also von CO2
befreit werden.

Das Klimagas könnte genutzt werden, um synthetische
Treibstoffe herzustellen, sogenannte Power-to-Liquid oder Power-to-Gas.
Alternativ könnte man es in geologischen Formationen endlagern und so
aus der Atmosphäre dauerhaft entfernen. Das so hergestellte synthetische
Erdgas emittiert bei der Verbrennung zwar wieder CO2, doch nicht mehr
als die Pflanzen, die die Bakterien zersetzen, zuvor aus der Luft
genommen haben, um Biomasse aufzubauen.

Erste Versuche waren ermutigend. Sorokin und van
Loosdrecht kultivierten die Bakterien. Wenn sie Sediment aus dem
sibirischen See hinzugaben, steigerte sich die Methanproduktion nahezu
explosiv. Weitere Versuche, bei denen das Sediment durch andere Biomasse
ersetzt wurde, waren ebenfalls erfolgreich, wenn die Bakterien mit
Nährlösungen bei Laune gehalten wurden. Von einer technischen Nutzung
ist das Verfahren allerdings noch weit entfernt.

EU drängt auf Umstellung zum digitalen Rundfunk

Abschaltung von analogem Radio und TV für 2012 geplant

 

Brüssel (pte/24.05.2005/15:55) – Die EU-Kommissarin für Medien und
Information, Viviane Reding (Bild), hat die Mitgliedstaaten heute,
Dienstag, aufgefordert den Übergang vom analogen zum digitalen Rundfunk
zu beschleunigen. Sie schlägt eine Frist für die Abschaltung des
terrestrischen Rundfunks bis Anfang 2012 vor. Die digitale Übertragung
nutzt das Frequenzspektrum effizienter, wodurch Frequenzkapazitäten für
andere Nutzungen frei werden. Den EU-Bürgern würde der Zugang zu neuen
Diensten ermöglicht, die Mobilfunk und Rundfunk miteinander vereinen.

Die EU http://europa.eu.int rechnet damit, dass bis 2010 die meisten
Fernsehzuschauer über mindestens einen digitalen Empfänger verfügen
werden. "Je eher wir den Übergang zum Abschluss bringen, um so rascher
werden unsere Bürger und Unternehmen daraus Nutzen ziehen", begründete
Reding, ihre Forderung nach einer Beschleunigung der Umstellung.
Abgesehen von der Verbesserung der Bild- und Tonqualität, werde es auch
positive Impulse für den Markt für digitales Zubehör geben. Die
Kommission veranschlagt allein den Markt für digitale Empfänger auf bis
zu 20 Mio. Einheiten pro Jahr.

Die derzeitigen Dienste sowie die Abdeckung würden mit digitaler
Übertragungsform nur ein Drittel bis die Hälfte des für analogen
Rundfunk erforderlichen Frequenzspektrums benötigen. Neue Dienste, die
mit den freien Kapazitäten angeboten werden können, sind etwa mobile
Datenausstrahlung von Videos und anderen multimedialen Inhalten. Die
Kommissarin ist der Überzeugung, dass es durch die zusätzlichen Dienste
zu einem verstärkten Wettbewerb zwischen den Betreibern kommen wird.

Fracking: Risiko oder Chance?

Jean Pütz:

„Diesen Artikel geben wir nur deswegen in unsere Homepage, damit eine Diskussionsgrundlage zum Thema Fracking entsteht. Berücksichtigen sollte man, dass der Verband der Geowissenschaftler ein Interesse daran hat, weil es ja auch Aufträge bringt, Gutachten zu erstellen, und ggf. bei der Förderung unterstützend zu wirken. Dass Fracking generell in Bausch und Bogen zu verdammen, halten wir genauso für falsch wie es als Methode der Zukunft zu propagieren.

Was mich – Jean Pütz – vor allen Dingen stört ist, dass die Firmen, die Fracking betreiben, die Zusammensetzung der in den Boden unter hohem Druck eingepressten Flüssigkeit nicht offenlegen.  Angeblich weil das Betriebsgeheimnisse seien. Das Argument, dass nur verschwindet wenig Chemikalien vermischt mit dem Einspülwasser eingebracht werden, ist für mich nicht haltbar, denn wie beim Menschen kommt es nach Parazelsus auf die Dosis an, und da kann schon wenig Gift extrem schaden. Da erinnere ich mich an die Kosmetikbranche, die damals auch ihre Offenlegung der Inhalte mit dem Argument der Konkurrenz weggewischt hat. Gott sei Dank ist das zum Teil in der Kosmetikbranche überwunden.“

Fracking: Risiko oder Chance?

Die Nutzung und Gewinnung von Rohstoffen und Energie aus dem Untergrund bedarf in jedem Fall einer fundierten geowissenschaftlichen Vorbereitung und Begleitung. Das trifft auch auf die derzeit umstrittene Methode des Fracking zu. Unter dieser Voraussetzung befürwortet der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) die Technologie des Fracking.

Das Hauptargument der Fracking Kritiker, die Verunreinigung des Trinkwassers, kann Klaus Bücherl, Geschäftsführer von tewag und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler (BDG) e.V., nicht nachvollziehen: „Seit diese Technik in Deutschland eingesetzt wird, ist kein einziger Fall einer Grundwasserverunreinigung durch Fracking aufgetreten.“

Fracking ist eine Technologie, die seit einigen Jahrzehnten in der Erdöl- und Erdgasförderung eingesetzt wird, seit 1990 auch regelmäßig in Deutschland. Neu ist lediglich der Einsatz in den so genannten unkonventionellen Lagerstätten, in denen die Energieträger durch die hydraulische Stimulation erst mobilisiert werden.

Beim Fracking werden durch Einpressen von Wasser in den Untergrund kontrolliert künstliche Risse erzeugt, die die Durchlässigkeit der Gesteine erhöhen. Aus technischen Gründen werden dem Wasser Stützmittel (Quarzsand) und chemische Begleitstoffe zugesetzt. Die Konzentrationen dieser Begleitstoffe sind dabei so gering, dass sie im Sinne des Chemikalienrechts nicht mehr giftig sind. Die Schichten, in die diese Flüssigkeit eingepresst wird, liegen einige tausend Meter unter der Erdoberfläche. Die darin enthalten Formationswässer sind aufgrund primär vorhandener, geogener hoher Salz- und Schwermetallgehalte nicht als Trinkwasser geeignet und haben keinen Kontakt mit der Biosphäre und oberflächennahem Grundwasser.

Das Bohrloch wird gegenüber Grundwasser führenden Schichten mit einzementierten Stahlrohren abgedichtet. Zwischen dem nutzbaren Grundwasser und den Lagerstätten liegen mehrere hundert bis einige tausend Meter mächtige und abdichtende Gesteinspakete.

Auch die Auffassung, Fracking könne Erdbeben auslösen, entkräftet Klaus Bücherl: „Die Auswirkung des Frackings können zwar seismisch gemessen werden. Diese mikroseismischen Ereignisse bleiben aber in der Regel weit unter der Spürbarkeitsgrenze. In Deutschland ist es bei keiner der bisher durchgeführten Frackingmaßnahmen zu einem spürbaren Beben gekommen“.

„Das exakte Wissen um die geologische Situation des Untergrunds ist für den sicheren Einsatz dieser Methode allerdings eine Voraussetzung“ schränkt Dr. Ulrike Mattig, Vorsitzende des BDG, ein. „Die Geofachdaten, die die Geologischen Dienste der Länder vorhalten spielen hier eine wichtige Rolle, genauso wie die geowissenschaftlichen Consultingbüros, die hier ihre Kernkompetenz haben.“

Ein weiterer neuer und in der Zukunft bedeutsam werdender Anwendungsbereich ist das Fracking in Verbindung mit der Erschließung von geothermischer Energie zur umweltfreundlichen Stromerzeugung. „Wir sollten daher“ so Klaus Bücherl, „das Fracking als Chance für zukünftige Entwicklungen verstehen und durch wissenschaftliche Begleitung eventuelle Risiken minimieren“.

 

Probleme mit dem Auto der Zukunft

Meine persönliche Bemerkung:

Das
Automobil  steht am Scheideweg. Die Schlüsselindusrie in Deutschland
ist in größter Gefahr. Eifrige Umweltschützer setzen ausschließlich auf
das Elektroauto, obwohl eine Ökobilanz fehlt oder sehr ungünstig
ausfällt. Für mich persönlich ist das Elektroauto nur dann eine
Alternative, wenn es im modifizierten Hybridmodus entwickelt wird.
Modifiziert heißt: Ein nur auf das Laden konzipierter Dieselmotor bei
gleichmäßiger Tourenzahl im optimalen Wirkungsgrad läd eine Batterie
auf, die nur eine halb so große Kapazität haben muss, wie beim reinen
Elektroauto. Die eigentliche Innovation bringt der Elektromotor, denn er
ist so flexibel, dass auf ein Getriebe verzichtet werden kann. Diesel
übrigens deshalb, weil er von allen Verbrennungsmotoren bei gleicher
Leistung den geringsten Verbrauch bzw. CO2-Ausstoß besitzt. Moderne
Dieselmotoren können ohne Stickoxyd-Abgabe konstruiert werden. Für
Skeptiker: Der Motor kann innerhalb sensibler Lokalitäten, z. B. in 
Innenstädten, über JPS gezielt abgeschaltet und auf reinen
Batteriebetrieb umgestellt werden. Ein so konzipiertes Auto kann vom
Gewicht viel leichter werden und hat daher einen minimale Verbrauch.
Selbst größere PKWs können so auf maximal 2 – 3 Liter kommen und
jederzeit an Elektro-Tanksäulen oder auch zu Hause geladen werden.

Ihr Jean Pütz

Der  Autosektor  ist  der  mit  weitem  Abstand  größte 
Industriezweig in Deutschland. Die Titel im DAX gehö-
ren aber in diesem Jahr zu den schwächsten. Nicht nur
der  globale  Handelsstreit  setzt  ihnen  zu,  auch  die 
Umstellung auf Elektroautos, die vor allem in China
immer  stärker  gefordert  werden.  Aber  wie  umwelt

freundlich sind diese Fahrzeuge tatsächlich? Bei aus

ländischen Autobauern steht der französische Herstel-
ler PSA im Fokus, der sogar einen alten Konkurrenten
wieder überflügeln konnte.
Nicht nur beim Blick auf den Chart dürfte es Daimler-Chef Dieter
Zetsche mulmig werden. Die Aktie ist in diesem Jahr im Rück

wärtsgang und zuletzt sogar in die Nähe des Fünf-Jahres-Tiefs
abgerutscht. Zetsche hat alle Hände voll zu tun, um den weltgröß

ten Premiumhersteller in eine aussichtsreiche Zukunft zu führen.
Um das zu schaffen, hat der Vorstandschef den größten Konzern-
umbau der Unternehmensgeschichte auf den Weg gebracht. Dazu
soll der Konzern ab dem Jahr 2020 in drei eigenständige Sparten
aufgespalten werden, darüber werde es die Daimler AG als Dach-
gesellschaft mit übergreifenden Funktionen geben: Pkws und Vans
sollen unter Mercedes-Benz gebündelt werden, Lastwagen und
Busse unter Daimler Truck und die Finanzdienstleistungssparte
unter Daimler Mobility.
Das Management verspricht sich von selbstständigen Sparten
mehr Beweglichkeit. Die Aktionäre sollen auf der Hauptversamm-
lung im Mai 2019 über die neue Struktur abstimmen. „Daimler for

miert sich technologisch, kulturell und jetzt auch strukturell best

möglich für die Zukunft“, sagte Zetsche
1
. Das Unternehmen stecke
viel Geld in die Entwicklung von Elektroautos und autonomem
Fahren. Der Konzern muss die Abgasemissionen erheblich senken,
Titelstory
 Autoindustrie setzt auf E-Autos

2
) im vergangenen
Jahr im Pkw-Geschäft auf 125 Gramm pro Kilometer gestiegen ist;
das entspricht einem Verbrauch von fünf Litern. Ab 2020 gilt in der
EU allerdings ein Grenzwert von lediglich 95 Gramm CO
2
/km, was
weniger als vier Litern gleichkommt.
Zetsche schraubt Prognose für das Pkw-Geschäft 
nach unten
Die aktuelle Geschäftsentwicklung zeigt, vor welch großen Her

ausforderungen Daimler steht, weshalb eine energische Reorga-
nisation notwendiger ist denn je. „Der Gegenwind ist enorm“,
sagte  Zetsche  bei  der  jüngsten  Vorlage  der  Halbjahreszahlen 
unmissverständlich. Zwar hat der Konzern im zweiten Quartal den
Absatz  ein  wenig  gesteigert,  allerdings  war  der  Umsatz  leicht 
gesunken. Zudem war der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit)
um 30 Prozent eingebrochen. Daimler musste in China höhere
Rabatte gewähren, weil Kunden die sinkenden Zölle auf Autos aus
Europa für Preisverhandlungen genutzt hatten, die Marge im Pkw-
Geschäft fiel auf 8,4 Prozent. Das Unternehmen hat zudem damit
zu kämpfen, dass es bei Pkws und kleinen Nutzfahrzeugen bei der
Umstellung auf die neuen WLTP-Abgastests (Worldwide Harmo-
nized Light Vehicles Test Procedure) hinterherhinkt
2
. Dieses neue
Prüfverfahren soll den tatsächlichen Spritverbrauch besser ermit

teln können als vorherige Tests. Durch die Verzögerung bei der
Umstellung werden einige Modelle im dritten Quartal nicht verfüg

bar sein, erst im vierten Quartal soll Besserung eintreten. Das Ebit
Discount-Zertifikat

Titelstory
 Autoindustrie setzt auf E-Autos
des Pkw-Geschäfts werde im dritten Quartal „deutlich“ unter dem
Vorjahresniveau liegen, sagte Zetsche
3
.
Nachdem er Ende Juni Investoren bereits mit einer Gewinnwar

nung geschockt hatte, wurde bei der aktuellen Vorlage der Halb-
jahreszahlen die Prognose für den Pkw-Absatz für das Gesamtjahr
gesenkt. Die Verkäufe sollen nur noch auf dem Niveau des Vorjah

res stagnieren, nachdem die Stuttgarter zuvor noch einen leichten
Anstieg vorhergesagt hatten. Zudem werde der Gewinn vor Zinsen
und Steuern des Konzerns leicht unter das 2017er-Niveau von
14,7 Mrd. Euro sinken. Der bisherigen Einigung zwischen den USA
und Europa, wonach US-Strafzölle auf in Europa gebaute Autos
erst  einmal  vom  Tisch  sind,  traut  Zetsche  nicht.  Wenn  es  so 
komme, sei es eine sehr erfreuliche Nachricht, doch die Nachrich-
tenlage habe sich zuletzt häufig geändert.
BMW spürt Margendruck
Im Gegensatz zu Daimler hat der zweitgrößte Premiumhersteller
BMW keine wesentlichen Probleme mit WLTP
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 und hat zuletzt die
Gewinnprognose bestätigt, was kurzfristig für Erleichterung bei
Anlegern gesorgt hat. So soll der Absatz im Pkw-Bereich leicht
gesteigert werden, wozu vor allem ein Absatzplus in China von
fünf bis zehn Prozent beitragen werde. Gleichzeitig will der Kon

zern beim Gewinn vor Steuern das Vorjahresniveau von 10,7 Mrd.
Euro erreichen. Finanzchef Nicolas Peter warnte allerdings, dass
er bei einer Verschlechterung des Umfelds Effekte auf den Aus

blick nicht ausschließen könne. Damit sind neue Strafzölle im Han

Capped Bonus-Zertifikat
Basiswert

delsstreit zwischen den USA und China gemeint, die die Perspek-
tiven für die chinesische Wirtschaft und damit die Weltwirtschaft
weiter eintrüben, was auch den weltweiten Autosektor und damit
BMW belasten würde.
Nachdem China am 6. Juli die Strafzölle auf in den USA herge

stellte Autos auf 40 Prozent erhöht hatte, hob BMW Ende Juli die
Preise in China für die in den USA produzierten SUV-Modelle X5
und X6 um vier bis sieben Prozent an. Da BMW damit allerdings
bei Weitem nicht den Zolleffekt wettmachen kann, werde dieser
den Gewinn im laufenden Jahr um einen niedrigen bis mittleren
Titelstory
 Autoindustrie setzt auf E-Autos
dreistelligen Millionenbetrag drücken. BMW baut im Werk in Spar

tanburg (South Carolina) die Geländewagen der X-Reihe. Davon
gingen 2017 rund 100.000 nach China, auf die nun mehr Zoll zu
zahlen ist. Außerdem belasten die gestiegenen Rohstoffpreise auf
Stahl und Aluminium, die durch den Handelskonflikt in die Höhe
getrieben  wurden,  den  Konzern.  Daraufhin  ging  die  operative 
Marge im Pkw-Bereich im zweiten Quartal 2018 auf 8,6 Prozent
zurück.
BMW will durch eine asiatische Produktion den chinesischen Straf

zöllen ausweichen. So baut der Hersteller in seinem Werk in Thai-
land die Modelle der 3er, 5er und 7er Serie aus importierten Teile-
sätzen und Bauteilen aus lokaler Produktion zusammen. Zudem
will der Konzern in diesem Jahr die Investitionen in neue Techno-
logien, wie Elektroautos und autonomes Fahren, von 6,1 Mrd. auf
rund 7 Mrd. Euro steigern. „Wir bereiten uns konsequent auf die
Anforderungen der Zukunft vor“, sagte Vorstandschef Harald Krü

ger. Der Titel hat in diesem Jahr zwar weniger stark gelitten als
Daimler, aber auch bei der BMW-Aktie ist der Rückwärtsgang ein

geschaltet.
Volkswagen mit angezogener Handbremse
Wie Daimler hat der weltgrößte Autobauer Volkswagen erhebliche
Probleme mit WLTP,
5
 was die Auslieferungen und den Gewinn im
laufenden Quartal belastet. „Wir werden über drei Monate voraus

sichtlich 30 bis 50 Prozent weniger Varianten anbieten können“,
Aktienanleihe

6
.  Die  Belastung  durch  die 
WLTP-Umstellung könnte sich im laufenden Jahr auf mehr als 1
Mrd. Euro belaufen. „In den kommenden Quartalen liegen große
Anstrengungen vor uns – vor allem im Hinblick auf die Umstellung
auf den neuen WLTP-Prüfzyklus. Auch der wachsende Protektio-
nismus stellt die global vernetzte Automobilindustrie vor große
Herausforderungen“, betonte der Firmenlenker. Das spiegelt sich
auch im Aktienkurs wider, der in diesem Jahr bisher ein sattes
zweistelliges Minus eingefahren hat.
Titelstory
 Autoindustrie setzt auf E-Autos
Volkswagen muss ebenfalls kräftig in Elektroautos und schadstoff

ärmere Verbrennungsmotoren investieren, liegt der Konzern doch
im Schnitt noch immer mehr als 20 Gramm CO
2
 über den Vorga-
ben der EU für 2020. „Das ist eine enorme Belastung, die in die
Milliarden geht“, sagte Diess. Volkswagen will in den nächsten
Jahren insgesamt 34 Mrd. in Elektromobilität, autonomes Fahren
und Digitalisierung investieren, das wird auf die Profitabilität drü-
cken. Der Konzern möchte 2020 eine operative Marge von 6,5 bis
7,5 Prozent erwirtschaften. Im laufenden Jahr soll der gleiche Wert
erreicht  werden,  allerdings  vor  Sonderfaktoren,  vor  allem  den 
Belastungen aus der Diesel-Affäre.
Doch nicht nur die drei großen deutschen Autobauer stehen vor
enormen Herausforderungen aufgrund gestiegener Regulierungs

anforderungen oder dem Trend zu immer mehr Elektroautos. Laut
einer Studie der Beratungsfirma KPMG steht das Thema ganz oben
auf der Agenda des Managements führender Automobil-Unter

nehmen, also auch der Zulieferer. „In der kommenden Dekade und
danach durchläuft die Automobilindustrie weltweit den größten
und tiefgreifendsten Wandel ihrer über 130 Jahre alten Geschichte“,
sagte etwa Elmar Degenhart zuletzt, der Chef von Continental.
„Wir gehen diesen Wandel frühzeitig und vorausschauend an“, so
der Firmenchef. Dazu wird die Antriebssparte zum Anfang des
Jahres 2019 abgespalten, ein Teilbörsengang sei ab Mitte 2019
möglich. Sie enthält die Technik rund um Verbrennungsmotoren,
aber auch Teile für die Elektroantriebe. „Conti zieht damit den Ste-
Aktienanleihe
Basiswert

Quelle: www.hsbc-zertifikate.de, 24.08.2018
cker  beim  Verbrennungsmotor“,  sagte  Autoexperte  Ferdinand 
Dudenhöffer vom Center Automotive Research. Der Umbau bei
Continental sei auch ein Weckruf für andere Zulieferer. China ist
hier seit Jahren ein Vorreiter in Bezug auf E-Autos. So sollen ab
2019 Mindestziele für alle Hersteller mit nennenswerten Umsätzen
verpflichtend sein. Wer diese Quoten nicht erfüllt, muss empfind-
liche Strafen zahlen.
Titelstory
 Autoindustrie setzt auf E-Autos
Wie umweltfreundlich sind Elektroautos?
Allerdings kritisieren etliche Experten, dass Elektroautos nicht so
umweltfreundlich seien wie häufig erwartet. Wenn der Strom für
den Betrieb der Fahrzeuge statt aus erneuerbaren Energien mit

hilfe fossiler Brennstoffe, wie Kohle, produziert wird, wird dadurch
die Umwelt nicht entlastet. Ein weiteres wichtiges Problem ist die
Produktion der Akkus für Elektroautos, die deutlich umweltschäd-
licher sein können als bislang angenommen. Laut einer Studie
7
des schwedischen Umweltministeriums entstehen bei der Herstel

lung pro Kilowattstunde Speicherkapazität rund 150 bis 200 Kilo
Kohlendioxid-Äquivalente, die ebenfalls der Umwelt schaden. Bei
den Batterien eines Tesla Model S wären das rund 17,5 Tonnen
CO
2
. Das ist ein sehr hoher Wert im Vergleich zum jährlichen Pro-
Kopf-Ausstoß an CO
2
 in Deutschland von rund zehn Tonnen. Laut
der Studie kann ein Fahrzeug mit herkömmlichem Verbrennungs-
motor acht Jahre gefahren werden, bevor es die Umwelt so stark
belastet wie die Produktion eines Akkus für das Model S. Fort

schritte bei der Akkuproduktion sollen dieses Problem in den kom

menden Jahren lösen.
General Motors und Ford geben Gewinnwarnungen ab
Ähnlich starken Gegenwind wie die deutschen Hersteller haben
auch die US-Konkurrenten, wenngleich aus anderer Richtung. So
bekommen sie vor allem die US-Strafzölle auf Stahl und Alumi

nium zu spüren. Daher warnte der dortige Branchenprimus Gene-
ral Motors, dass steigende Rohstoffkosten und der Anstieg des
Dollar gegenüber dem brasilianischen Real und dem argentini

 Autoindustrie setzt auf E-Autos
schen Peso den Gewinn im laufenden Jahr mit insgesamt einer
Mrd. Dollar belasten werde und damit rund doppelt so stark wie
zuvor prognostiziert. Daraufhin ist die Aktie eingebrochen.
Der zweitgrößte US-Hersteller Ford hat ebenfalls eine Gewinnwar

nung  abgegeben;  nach  dem  Kursrutsch  notiert  das  Papier  am 
Sechs-Jahres-Tief. Finanzchef Bob Shanks prognostizierte, dass
die  Rohstoffkosten  2018  um  1,6  Mrd.  Dollar  zulegen  würden, 
nachdem er zuvor von 1 Mrd. ausgegangen war. Die Rohstoffkos-
ten seien im vergangenen Quartal um rund 300 Mio. Dollar gestie

gen, rund 145 Mio. davon seien auf Strafzölle zurückzuführen.
Shanks warnte, dass Ford vor einem großen Konzernumbau stehe,
der in den nächsten drei bis fünf Jahren Restrukturierungskosten
von 11 Mrd. Dollar verursachen werde.
PSA gelingt der Turnaround bei Opel
Eine der erfreulichen Ausnahmen im Automobilsektor ist der fran-
zösische Konzern PSA mit seinen Marken Peugeot, Citroën und
DS. PSA-Chef Carlos Tavares war es gelungen, im ersten Halbjahr
bei der Tochter Opel einen bereinigten Gewinn von rund 500 Mio.
Euro zu erwirtschaften, was Investoren begeistert hat. Der Konzern
sagte
8
, er mache gute Fortschritte, die Kosten für die Entwicklung
neuer Modelle zu senken. Allerdings hat das Unternehmen seine
Aktivitäten im Iran, dem größten Markt des Konzerns außerhalb
Frankreichs, auf Eis gelegt, um nicht gegen die US-Sanktionen zu
verstoßen. Dem Konzern kommt zugute, dass er rund drei Viertel
seiner Umsätze in Europa macht, aber nicht in den USA aktiv ist.