Archiv der Kategorie: Physik, Chemie, Technik

„Getrennte Welten“ – Arsen Bakterium GFAJ-1

„Getrennte Welten – Blogs fordern die Massenmedien beim Arsen Bakterium GFAJ-1 heraus“.

Blogs fordern die Massenmedien beim vermeintlich Arsen fressenden Bakterium GFAJ-1 heraus, das Ende 2010 Schlagzeilen machte. Während in den Massenmedien von Außerirdischen die Rede war, zerpflückten Blogger die in Science publizierte Studie detailliert. Die Auseinandersetzung um die Aussagekraft der Arsen-Papers ging an den Massenmedien fast vollständig vorbei. Das ist uns Anlass, den Rummel um die entdeckten Bakterien einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Alexander Stirn gibt in seinem Beitrag Einblicke in die NASA-Pressearbeit, die den Hype anstachelte. Nicole Heißmann hat mit Vincent Kiernan über die Rolle gesprochen, die Embargos spielen, wenn Forschung gehypt wird. Wir beschreiben die Berichterstattung in den Massenmedien, die dieses Resultat gängigen Routinen folgend in ein eingängiges, Faszination weckendes Konsumgut verwandelte. Wir suchen nach Erklärungen für die weit verbreitete Ignoranz bezogen auf das, was sich in Weblogs abspielte. Die Diskussionen dort hat Lars Fischer für uns zusammengefasst und bewertet.

Solarhäuser von Konrad Frey

ABSICHTSLOSE ÄSTHETIK

Konrad Frey war ein Pionier. Er hat datenbasiert und
wissenschaftsgetrieben Solarhäuser geplant und gebaut. Bekannt sind er
und sein Werk nur wenigen. Das soll ein vom Wissenschaftsfonds FWF
unterstütztes Projekt des Architekturtheoretikers Anselm Wagner ändern.


"Die Architektur Konrad Freys zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihre
Form aus der Funktion heraus entwickelt", sagt der Grazer
Kunsthistoriker und Architekturtheoretiker Anselm Wagner. Die Arbeit des
1934 in Wien geborenen und später in Graz und London tätigen
Architekten zeichnet sich durch noch mehr aus –, sie ist
Sonnenhausarchitektur im besten Sinne des Wortes. Bereits 1972 hat
Konrad Frey zusammen mit Florian Beigel das erste Solarhaus Österreichs
entworfen. – Basierend auf seinen wissenschaftlichen Arbeiten zur
Nutzung der Sonnenenergie seit Ende der 1960er-Jahre.

Frey war zweifellos ein Pionier und ist dennoch weitgehend unbekannt.
"Graz ist für die Grazer Schule bekannt, wie sie Friedrich Achleitner
genannt hat, und für die Dekonstruktivisten wie Günther Domenig",
erläutert Wagner, der aktuell das vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte
Forschungsprojekt "Die Solarhäuser von Konrad Frey: Umweltforschung und
solares Wissen im Entwurf" an der Technischen Universität (TU) Graz
leitet. Konrad Frey ist kein Dekonstruktivist. Er sei, betont Wagner,
auch kein zeichnender Architekt, vielmehr ein Forschender.

ALS ARCHITEKT ÜBERSEHEN

Ein Forschender, der nur wenig gebaut hat, und das noch dazu meist am
Rand, in der Provinz. Abseits der Metropolen, fern der stark befahrenen
Wege. "Hätte er in Wien gearbeitet, wären seine ersten Arbeiten im
Umfeld der Stadt entstanden, seine Architektur wäre längst schon
Gegenstand der Forschung", ist Anselm Wagner überzeugt.

In den vergangenen Jahren nimmt die Debatte um Nachhaltigkeit an Fahrt
auf. Doch, kritisiert Wagner, drehe sie sich in erster Linie um Ökonomie
und Ökologie. Nicht aber um die Architektur. "Das hat Folgen für die
Landschaft, in Form uninspirierter Null-Energie-Häuser. Die Ästhetik
wird vollkommen außer Acht gelassen", kommentiert Wagner. Dabei finden
wissenschaftliche Erkenntnis, Stilempfinden und ökologischer Anspruch
durchaus zusammen. Das zeigen die Arbeiten Freys, der in den 1970ern am
Grazer Forschungszentrum Joanneum die Energieberatung aufbaute.

VERSUCHSSTATION DER ENERGIEGEWINNUNG

Das Haus Zankel nahe Genf und doch schon in Frankreich, in Prévessin,
plante Frey ab 1976 für den damaligen CERN-Physiker Karl Zankel. Es ist
in jeder Hinsicht ungewöhnlich, ist eine ausdrucksvolle Raumskulptur,
ein Solarlabor, eine Versuchsstation. Es vereint aktive und passive
Gewinnung von Solarenergie und funktionelle Technikbegeisterung mit
postmodernem Witz. "Frey hat, wie gesagt, aus der Funktion heraus seine
Formen gefunden. Er konnte gar keine Schule begründen. Es gibt keine
Linie, kein Design, das er geprägt hat", erklärt Wagner. Vielmehr handle
es sich bei den Bauten des Energieberaters um eine absichtslose
Ästhetik. Wesentlich sei indes der Begriff des ‚Environments‘, erklärt
Forschungsleiter Wagner. "In dem Sinne, dass für Frey ein Haus nicht nur
eine Wohnmaschine ist, sondern den physischen und psychischen
Bedürfnissen seiner Bewohner ebenso entsprechen muss, wie es sich in
seine Umgebung einfügt."

Das Projekt sucht nun die Detailarbeit des Architekten festzuhalten,
seine Zugänge freizulegen und die Übersetzung von Erkenntnis in
Raumgestaltung nachvollziehbar zu machen. "Frey hat einen stark
wissenschaftlichen Ansatz in seiner Architektur", betont Wagner. Das
unterscheide ihn von seinen Grazer Zeitgenossen und Kollegen.

ANSPRUCHSVOLL UND GÜNSTIG

Was ihn wiederum mit ihnen verbindet, ist die Eigenschaft konsequenten
Querdenkens. In seinem jüngsten Bau, seinem Privathaus, setzte Konrad
Frey ausschließlich Standardbauelemente aus dem Baumarkt ein. "Er wollte
damit", erklärt Wagner, "belegen und beweisen, dass es möglich ist,
günstig und mit gängigen Elementen ein Solarhaus zu errichten. Ein
anspruchsvolles Solarhaus."

Basierend auf dem Vorlass Freys, der dem Archiv der TU Graz zur
Verfügung steht, wird das laufende Forschungsprojekt noch bis 2019 durch
die Auswertung unveröffentlichter Quellen, neuer Daten, vom Institut
für Bauphysik und Bauökologie der TU Wien durchgeführte Messungen und
Neukonzeptionen der Energieeffizienz ein Online-Werkverzeichnis und eine
Monografie erstellen. Das Verzeichnis soll bereits ab Ende 2017 online
gehen. Damit wird Frey auch als, wenngleich höchst eigenständiger Teil
der Grazer Schule gewürdigt werden.

Zur Person

Nach Lehraufträgen an der Universität für angewandte Kunst Wien, der
Universität Mozarteum Salzburg, der Universität Wien und der Universität
Graz sowie Gastprofessuren unter anderem an der TU Wien, der TU Graz
und der University of Minnesota ist Anselm Wagner (http://akk.tugraz.at/team/anselm-wagner/)
seit 2010 Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für
Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften an der TU Graz.

Publikationen

M. Schuss, U. Pont, M. Taheri, C. Lindner, A. Mahdavi:
"Simulation-assisted monitoring-based performance evaluation of a
historically relevant architectural design", in: Building Simulation
Applications Proceedings 3 (2017), Hg. v. M. Baratieri, V. Corrado, A.
Gasparella, F. Patuzzi, ISSN: 2531-6702, Paper-Nr. 78

Farbe zeigt Belastung durch Leuchten an

Hightech-Anstrich könnte Luftfahrt sicherer machen
 
strain paint: Nano-Farbe leuchtet bei Belastung (Foto: Rice University)

Madison (pte010/22.06.2012/11:20) – Forscher der amerikanischen Rice University http://rice.edu arbeiten an einer Farbe, die künftig das Überprüfen von Strukturen auf Belastungen vereinfachen soll. "strain paint" zeigt übermäßige Krafteinwirkung dadurch an, dass sie im Schein von Licht nahe des Infrarotspektrums leuchtet. Sie bietet zahlreiche Vorteile zu herkömmlichen Sensoren.

Kaputte Nanoröhrchen leuchten

Die Farbe ist versetzt mit winzigen Nanoröhrchen, die beim Trocknen an Ort und Stelle fixiert werden. Wird der Untergrund – etwa die Wand eines Gebäudes oder der Flügel eines Flugzeugs – an dieser Stelle über Gebühr gestreckt oder gequetscht, so werden die winzigen Halbleiter-Rohre beschädigt. Bereits seit längerem ist bekannt, dass sie in diesem Zustand unter nah-infrarotem Licht glühen.

Die Beschichtung ist einfach und flexibel auftragbar und erkennt Belastungen unabhängig von der Richtung ihres Einwirkens. Übliche Sensoren arbeiten nur punktuell dort, wo sie eingesetzt werden und sind nicht in der Lage, multidirektionale Belastungen zu registrieren. Sie werden daher an Stellen angebracht, die sich aus vorhergehenden Berechnungen bereits als Orte der erwarteterweise höchsten Beanspruchung feststehen. Andere Stellen müssen langwierig und mühsam manuell inspiziert werden.

Raumschiffinspektion im Orbit

Mit dem Anstrich aus der Rice University kann man Flieger, Schiffe und zahlreiche andere Fortbewegungsmittel oder Gebäude umfassend und kostengünstig prüfen. Bruce Weisman, einer der beteiligten Wissenschaftler, hat nun Kontakt mit der US-Raumfahrtbehörde NASA aufgenommen, berichtet Popular Science. Er schlägt vor, künftig Raumfahrzeuge mit der Hightech-Farbe anzustreichen. So könnten die Astronauten ihr Gefährt noch im Orbit auf beschädigte Stellen untersuchen und gegebenenfalls lebenswichtige Reparaturen durchführen, bevor sie die Rückreise in die Atmosphäre antreten.

Marktreif ist die Erfindung jedoch noch nicht. Derzeit wird an der Optimierung ihrer Zusammensetzung gearbeitet. Es wird außerdem überlegt, verschiedene Varianten für spezifische Einsatzzwecke herzustellen, die dank Nanotechnologie mit weiteren Eigenschaften angereichert werden.

Neuro-Headset bremst Auto bei Ablenkung sofort ab

Neuro-Headset bremst Auto bei Ablenkung sofort ab
"Attention Powered Car" überwacht den Fahrer mit 14 Spezial-Sensoren
 
Neuro-Headset: überwacht Gehirnaktivität beim Fahren (Foto: emotiv.com)

Perth/Salzburg (pte004/05.11.2013/06:15) – Dank des "Attention Powered Cars" haben gefährliche Ablenkungen während des Autofahrens künftig keine Chance mehr. Das mit dem Spezialsystem ausgestattete Fahrzeug ist vom Royal Automobile Club of Western Australia http://rac.com.au in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Emotiv http://emotiv.com entwickelt worden. Mithilfe einer Software wird die Gehirnaktivität des Lenkers über ein Headset mit den Automotoren in Verbindung gesetzt. Treten etwaige Störfaktoren auf, so wird ein Signal an das Fahrzeug gesendet und dieses bremst automatisch ab.

Reaktion muss angekündigt werden

"Die Ablenkung während des Autofahrens ist grundsätzlich ein durchaus akutes Problem. Da es viele Quellen von Distraction gibt, die während des Fahrens zum Tragen kommen, ist es wichtig, verschiedene Messkanäle (Multi-Level Measurement) heranzuziehen, um diese festzustellen und entsprechend darauf zu reagieren", schildert Manfred Tscheligi, Experte für Ablenkung im Auto und Leiter des Christian Doppler Labors "Contextual Interfaces" http://contextual-interfaces.org an der Universität Salzburg, gegenüber mit pressetext.

Dabei könnte sich das System als hilfreich erweisen. "Wenn man dieses Konzept als einen dieser Kanäle im Multi-Level Measurement begreift, so ist ein solcher Ansatz sicher interessant, um Ablenkung zu konstatieren", erläutert der Experte. Dennoch gäbe es noch Optimierungspotenzial. "Das unmittelbare Reagieren des Fahrzeugs ist mit Vorsicht zu betrachten. Hier benötigt der Fahrer jedenfalls eine Rückmeldung, wie das Fahrzeug mit der Feststellung von Ablenkung umgehen wird, bevor es automatisch passiert", erklärt Tscheligi.

Sensoren ermitteln Gehirnaktivität

Das Headset verfügt über 14 unterschiedliche Sensoren, welche die elektrische Aktivität im Frontallappen, Parietallappen, Temporallappen sowie Occipitallappen des Gehirns überwachen. Wird der Lenker durch einen Störfaktor abgelenkt, so sendet die Software ein Signal an das Fahrzeug, wodurch dieses auf der Stelle abgebremst wird. Mithilfe dieses Devices kann nicht nur ermittelt werden, ob sich der Fahrer statt auf den Verkehr auf das Radio konzentriert oder seinen Kopf länger von der Straße abwendet, sondern auch, ob die Blinkgeschwindigkeit konstant bleibt. Die Technologie wurde erstmals in einem Honda i40 getestet.

Größte Dünnschichtsolarzellen-Anlage der Welt in Italien

38.000 Quadratmeter produzieren 2,8 Mio. Kilowattstunden Strom im Jahr

Rom (pte/11.01.2008/12:10) – Die auf erneuerbare Energien spezialisierte Green Utility http://www.greenutility.it hat von der römischen Messegesellschaft einen Großauftrag erhalten. Danach sollen im Laufe diesen Jahres die Gebäudedächer in deren Ausstellungsgelände mit Dünnschichtsolarzellen (Thin-Film) ausgestattet und dadurch ein Teil des Strombedarfs mit sauberer Energie gesichert werden. Die zwölf Mio. Euro teure, bisher weltweit grösste Thin-Film-Anlage wird mit Hilfe einheimischer Banken finanziert.

"Es handelt sich um mit amorphem Silizium beschichtete Folien, die zwar im Vergleich zu den herkömmlichen Photovoltaikanlagen nur einen halb so großen Wirkungsgrad aufweisen, sich jedoch wegen ihrer Flexibilität und Leichtigkeit auch zur Bedeckung größerer oder gekrümmter Flächen eignen," bestätigt Silvio Gentile, Hauptgeschäftsführer der Green Utility. "Das ermöglicht eine weitgehende architektonische Integration. Außerdem wird die indirekte Sonneneinstrahlung besser verwertet, weshalb sie sich auch als komplementäre Versorgungsquelle eignen."

Die Anlage wird sich auf eine Fläche von insgesamt 38.000 Quadratmeter erstrecken und ist auf eine Spitzenleistung von 1.800 kW ausgelegt. Es wird eine Jahresproduktion von 2,8 Mio. kWh Strom erwartet, was in etwa dem Verbrauch von 900 Privathaushalten und 20-25 Prozent des Bedarfs der Messegesellschaft entspricht. In der Umweltbilanz schlägt sie mit einer CO2-Einsparung von 2.000 Tonnen im Jahr zu Buche.

Für die Energiebereitstellung aus der Dünnschichtanlage wird Green Utility infolge des staatlichen Förderprogramms für Erneuerbare 0,44 Euro pro Kilowattstunde erhalten. Nach einer Betriebsdauer von zwanzig Jahren wird sie in das Eigentum der Messegesellschaft übergehen. Bei den beiden ebenfalls geplanten traditionellen Photovoltaikanlagen ist eine Vergütung von 0,34 Euro je kWh vorgesehen. Für das Projekt hat Silvio Gentile 2007 den Jungunternehmerpreis "Premio Impresa Ambiente" erhalten. Mit dem ersten positiven Betriebsergebnis rechnet der 33-jährige Wirtschaftsingenieur, der unter anderem Studien an der Harvard-Universität und der London School of Economics absolvierte, in fünf Jahren. Die Green Utility war vor einigen Jahren als Kooperation der deutschen Solon http://www.solonag.com mit der auf Müllentsorgung spezialisierten Secit (Gesenu-Gruppe) und einigen einheimischen Energiefachleuten entstanden.

Forscher wollen E-Autos über Straße laden

Forscher wollen E-Autos über Straße laden
Technologie schickt Strom drahtlos durch Betonwände
 
Proof-of-Concept: Forscher schicken Strom durch Beton (Foto: tut.ac.jp)

Toyohashi (pte011/09.07.2012/13:15) – Forscher der Technischen Universität Toyohashi http://www.tut.ac.jp/english arbeiten an der drahtlosen Übertragung von Strom durch Betonwände. Dies soll es zukünftig ermöglichen, Elektroautos während der Fahrt über die Straße zu laden. Ein erster Test des Projektes "Electric Vehicle on Electrified Roadway" (EVER) verlief bereits erfolgreich.

Geringer Verlust

Auf der Handelsmesse "Wireless Technology Park 2012" http://www.wt-park.com/eng präsentierte das Team einen Proof-of-Concept ihrer Erfindung. Dabei brachten sie erfolgreich eine Glühbirne durch eine zehn Zentimeter dicke Betonwand zum Leuchten, während sie im Schnitt 50 bis 60 Watt an Energie an zwei Reifen übertrugen.

Zum Einsatz kommt dabei das Prinzip der konduktiven Kupplung, dass die relativ hohe Leitfähigkeit von Beton nutzt. Der Verlust im Rahmen der Übertragung ist relativ gering und beträgt zehn bis 20 Prozent.

20 Zentimeter anvisiert

Ziel ist es, auf diese Weise die Reichweite von Elektroautos zu verlängern, die im Vergleich zu ihren Pendants mit Brennstoffmotoren immer noch gering ist. Dazu könnten in den Straßen Module befestigt werden, die durch Beton und Asphalt hindurch die Akkus der Fahrzeuge laden.

Bis es soweit ist, muss die Technologie jedoch noch Hürden nehmen. Das nächste Ziel der Wissenschaftler ist es, Strom durch doppelt so dicke Wände zu schicken, was den Bedingungen auf japanischen Straßen entspricht. Gleichzeitig muss die Leistung um das Hundertfache gesteigert werden, um für E-Autos Sinn zu machen,. Während die größere Dicke eine Herausforderung ist, soll sich der Stromoutput aufgrund gut verfügbarer und billiger Bauteile ohne nennenswerte Mehrkosten steigern lassen.

Anziehbares U-Boot

Anziehbares U-Boot sucht ältesten Computer

Robo-Tauchanzug "Exosuit" jagt Details zum Antikythera-Mechanismus

"Exosuit": Soll antike Hochtechnologie finden (Foto: Nuytco)

Woods Hole (pte012/06.06.2014/12:05) –

Der "Exosuit" des kanadischen Unternehmens Nuytco Research http://nuytco.com ist ein Hightech-Anzug, der bemannte Tauchgänge bis in 300 Meter Tiefe
ermöglicht. So soll er im Herbst dazu beitragen, eines der größten
Rätsel der Technologie-Geschichte zu lösen, berichtet der New Scientist.
Denn dann wird der Exosuit zum Einsatz kommen, um in der Ägäis
gefahrlos nach einem 2.000 Jahre alten Wrack zu tauchen. Das soll
Hinweise auf die Natur des Antikythera-Mechanismus liefern – des dort
gefundenen, ältesten Computers der Welt.

Der Exosuit wirkt ein wenig wie eine "Iron
Man"-Rüstung, was damit zusammenhängt, dass es sich um den modernsten
robotischen Tauchanzug der Welt handelt. "Das ist im Prinzip ein
anziehbares U-Boot", meint Phil Short, der die Mission als Tauchexperte
begleiten wird. Im September soll vor der Insel Antikythera diese
modernste Technologie antike ans Licht fördern. Denn Ziel der Expedition
ist ein römisches Wrack, aus dem 1900 der Antikythera-Mechanismus
geborgen wurde. Er gilt als älteste analoge Computer der Welt, seine
Funktionsweise ist bis heute nicht vollständig verstanden. Im Idealfall
soll der Exosuit eine zweite Kopie des Geräts vom Meeresboden holen.

Sicher tief tauchen

Das Antikythera-Wrack ist zirka 60 vor Christus
gesunken und wurde 1900 von griechischen Schwammtauchern wiederentdeckt.
Große Stücke befanden sich in etwa 40 bis 60 Metern Tiefe, doch Teile
sollen bis zu 120 Metern tief liegen. Um dort lange bemannte Tauchgänge
zu absolvieren, ist hochtechnische Ausrüstung nötig. Denn die
Schwammtaucher konnten einst nur wenige Minuten beim Wrack ausharren,
dennoch gab es durch Dekompressionskrankheit bedingte Lähmungen und
Todesfälle. Selbst Taucherlegende Jacques Cousteau konnte bei einer
Expedition im Jahr 1976 nur zehn Minuten am Meeresboden verbringen.

"Mit dem Exosuit wird unsere Zeit am Boden praktisch
unbegrenzt", so Brendan Foley vom Deep Submergence Laboratory der Woods
Hole Oceanographic Institution http://www.whoi.edu . Denn der Anzug aus einer Aluminiumlegierung widersteht dem hohen
Wasserdruck in 120 Metern Tiefe, bietet dem Träger aber dank
intelligenter Bauweise dennoch hohe Beweglichkeit. Das ist auch wichtig,
um etwaige Schätze sinnvoll bergen zu können. Dank Versorgungskabel zum
Schiff an der Oberfläche und Kreislaufatemgerät sollten theoretisch
Tauchgänge von 50 Stunden Dauer möglich sein. "Wir werden nur auftauchen
müssen, um dem Ruf der Natur zu folgen", meint daher Foley.

Antike Hochtechnologie

Die moderne Expedition dient dazu, ein Stück antiker
Hochtechnologie besser zu verstehen, den 1900 in Fragmenten entdeckte
Antikythera-Mechanismus. Erst in den 1950er-Jahren haben Forscher
erkannt, dass die 2.000 Jahre alten Bruchteile einen analogen Computer
ergeben, der in seiner Komplexität seiner Zeit um Jahrhunderte voraus
scheint. Vermutlich diente das Gerät der Vorhersage von Sonnen- und
Mondfinsternissen, möglicherweise auch der Berechnung von
Planetenpositionen.

Wirklich restlos verstanden sind Funktionsweise und
Zweck des Antikythera-Mechanismus aber bis heute nicht. Im Rahmen der
für September geplanten Expedition hoffen die Forscher, weitere
Informationen zu dem Analog-Computer zu finden. Dabei besteht auch die
Hoffnung, auf neue Teile oder gar ein zweites Gerät zu stoßen. Denn
Fragment D, eines der sieben größten Bruchstücke des
Antikythera-Mechanismus, ließ sich bislang in keine versuchte
Rekonstruktion nahtlos einfügen.

Sibirische Bakterien produzieren reines Methan

Sibirische Bakterien produzieren reines Methan

Hoher ph-Wert macht ihnen nichts aus – Lediglich Wäre erforderlich

Dimitry Sorokin bei der Entnahme von Proben in Sibirien (Foto: Dimitry Sorokin)
Dimitry Sorokin bei der Entnahme von Proben in Sibirien (Foto: Dimitry Sorokin)

Delft/Moskau (pte001/01.06.2017/06:00) –

In einem sibirischen See, in dem sehr viel Natriumkarbonat gelöst ist, haben Forscher der Technischen Universität (TU) Delft http://tudelft.nl/en zusammen mit Kollegen des Winogradsky Institute of Microbiology of the Russian Academy of Sciences http://fbras.ru/en Bakterien entdeckt, die für die umweltverträgliche Versorgung mit Energie einen entscheidenden Beitrag leisten können.

Effektiver als Biogasanlagen

Trotz der unwirklichen Umgebung – der ph-Wert liegt bei
10, das Wasser ist also stark basisch – überleben die Bakterien und
leisten dabei noch etwas Besonderes: Sie zersetzen Bioabfälle und
wandeln sie in reines Methan um. Das dabei frei werdende Kohlendioxid
(CO2) wird im See gespeichert, belastet also nicht die Atmosphäre.

Damit ist diese Anordnung weitaus effektiver als
Biogasanlagen. Die darin aktiven Mikroorganismen produzieren Biogas,
eine Mischung aus synthetischem Erdgas und CO2. Das lässt sich
verbrennen oder nach Abtrennung des CO2 ins Erdgasnetz einspeisen. Die
Abtrennung frisst allerdings sehr viel Energie.

Nur maßvolle Wärme notwendig

"Die Organismen, die Dimitry Sorokin fand, wachsen
optimal bei einer Temperatur von 50 bis 55 Grad Celsius und einem
ph-Wert von 10", sagt Forscher Mark van Loosdrecht von der TU Delft. Sie
könnten genutzt werden, um in neuartigen Bioreaktoren Methan zu
erzeugen. Allerdings müsste die Flüssigkeit, in der sich mit der Zeit
große Mengen an CO2 lösen, von Zeit zu Zeit gereinigt, also von CO2
befreit werden.

Das Klimagas könnte genutzt werden, um synthetische
Treibstoffe herzustellen, sogenannte Power-to-Liquid oder Power-to-Gas.
Alternativ könnte man es in geologischen Formationen endlagern und so
aus der Atmosphäre dauerhaft entfernen. Das so hergestellte synthetische
Erdgas emittiert bei der Verbrennung zwar wieder CO2, doch nicht mehr
als die Pflanzen, die die Bakterien zersetzen, zuvor aus der Luft
genommen haben, um Biomasse aufzubauen.

Erste Versuche waren ermutigend. Sorokin und van
Loosdrecht kultivierten die Bakterien. Wenn sie Sediment aus dem
sibirischen See hinzugaben, steigerte sich die Methanproduktion nahezu
explosiv. Weitere Versuche, bei denen das Sediment durch andere Biomasse
ersetzt wurde, waren ebenfalls erfolgreich, wenn die Bakterien mit
Nährlösungen bei Laune gehalten wurden. Von einer technischen Nutzung
ist das Verfahren allerdings noch weit entfernt.

EU drängt auf Umstellung zum digitalen Rundfunk

Abschaltung von analogem Radio und TV für 2012 geplant

 

Brüssel (pte/24.05.2005/15:55) – Die EU-Kommissarin für Medien und
Information, Viviane Reding (Bild), hat die Mitgliedstaaten heute,
Dienstag, aufgefordert den Übergang vom analogen zum digitalen Rundfunk
zu beschleunigen. Sie schlägt eine Frist für die Abschaltung des
terrestrischen Rundfunks bis Anfang 2012 vor. Die digitale Übertragung
nutzt das Frequenzspektrum effizienter, wodurch Frequenzkapazitäten für
andere Nutzungen frei werden. Den EU-Bürgern würde der Zugang zu neuen
Diensten ermöglicht, die Mobilfunk und Rundfunk miteinander vereinen.

Die EU http://europa.eu.int rechnet damit, dass bis 2010 die meisten
Fernsehzuschauer über mindestens einen digitalen Empfänger verfügen
werden. "Je eher wir den Übergang zum Abschluss bringen, um so rascher
werden unsere Bürger und Unternehmen daraus Nutzen ziehen", begründete
Reding, ihre Forderung nach einer Beschleunigung der Umstellung.
Abgesehen von der Verbesserung der Bild- und Tonqualität, werde es auch
positive Impulse für den Markt für digitales Zubehör geben. Die
Kommission veranschlagt allein den Markt für digitale Empfänger auf bis
zu 20 Mio. Einheiten pro Jahr.

Die derzeitigen Dienste sowie die Abdeckung würden mit digitaler
Übertragungsform nur ein Drittel bis die Hälfte des für analogen
Rundfunk erforderlichen Frequenzspektrums benötigen. Neue Dienste, die
mit den freien Kapazitäten angeboten werden können, sind etwa mobile
Datenausstrahlung von Videos und anderen multimedialen Inhalten. Die
Kommissarin ist der Überzeugung, dass es durch die zusätzlichen Dienste
zu einem verstärkten Wettbewerb zwischen den Betreibern kommen wird.

Fracking: Risiko oder Chance?

Jean Pütz:

„Diesen Artikel geben wir nur deswegen in unsere Homepage, damit eine Diskussionsgrundlage zum Thema Fracking entsteht. Berücksichtigen sollte man, dass der Verband der Geowissenschaftler ein Interesse daran hat, weil es ja auch Aufträge bringt, Gutachten zu erstellen, und ggf. bei der Förderung unterstützend zu wirken. Dass Fracking generell in Bausch und Bogen zu verdammen, halten wir genauso für falsch wie es als Methode der Zukunft zu propagieren.

Was mich – Jean Pütz – vor allen Dingen stört ist, dass die Firmen, die Fracking betreiben, die Zusammensetzung der in den Boden unter hohem Druck eingepressten Flüssigkeit nicht offenlegen.  Angeblich weil das Betriebsgeheimnisse seien. Das Argument, dass nur verschwindet wenig Chemikalien vermischt mit dem Einspülwasser eingebracht werden, ist für mich nicht haltbar, denn wie beim Menschen kommt es nach Parazelsus auf die Dosis an, und da kann schon wenig Gift extrem schaden. Da erinnere ich mich an die Kosmetikbranche, die damals auch ihre Offenlegung der Inhalte mit dem Argument der Konkurrenz weggewischt hat. Gott sei Dank ist das zum Teil in der Kosmetikbranche überwunden.“

Fracking: Risiko oder Chance?

Die Nutzung und Gewinnung von Rohstoffen und Energie aus dem Untergrund bedarf in jedem Fall einer fundierten geowissenschaftlichen Vorbereitung und Begleitung. Das trifft auch auf die derzeit umstrittene Methode des Fracking zu. Unter dieser Voraussetzung befürwortet der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) die Technologie des Fracking.

Das Hauptargument der Fracking Kritiker, die Verunreinigung des Trinkwassers, kann Klaus Bücherl, Geschäftsführer von tewag und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler (BDG) e.V., nicht nachvollziehen: „Seit diese Technik in Deutschland eingesetzt wird, ist kein einziger Fall einer Grundwasserverunreinigung durch Fracking aufgetreten.“

Fracking ist eine Technologie, die seit einigen Jahrzehnten in der Erdöl- und Erdgasförderung eingesetzt wird, seit 1990 auch regelmäßig in Deutschland. Neu ist lediglich der Einsatz in den so genannten unkonventionellen Lagerstätten, in denen die Energieträger durch die hydraulische Stimulation erst mobilisiert werden.

Beim Fracking werden durch Einpressen von Wasser in den Untergrund kontrolliert künstliche Risse erzeugt, die die Durchlässigkeit der Gesteine erhöhen. Aus technischen Gründen werden dem Wasser Stützmittel (Quarzsand) und chemische Begleitstoffe zugesetzt. Die Konzentrationen dieser Begleitstoffe sind dabei so gering, dass sie im Sinne des Chemikalienrechts nicht mehr giftig sind. Die Schichten, in die diese Flüssigkeit eingepresst wird, liegen einige tausend Meter unter der Erdoberfläche. Die darin enthalten Formationswässer sind aufgrund primär vorhandener, geogener hoher Salz- und Schwermetallgehalte nicht als Trinkwasser geeignet und haben keinen Kontakt mit der Biosphäre und oberflächennahem Grundwasser.

Das Bohrloch wird gegenüber Grundwasser führenden Schichten mit einzementierten Stahlrohren abgedichtet. Zwischen dem nutzbaren Grundwasser und den Lagerstätten liegen mehrere hundert bis einige tausend Meter mächtige und abdichtende Gesteinspakete.

Auch die Auffassung, Fracking könne Erdbeben auslösen, entkräftet Klaus Bücherl: „Die Auswirkung des Frackings können zwar seismisch gemessen werden. Diese mikroseismischen Ereignisse bleiben aber in der Regel weit unter der Spürbarkeitsgrenze. In Deutschland ist es bei keiner der bisher durchgeführten Frackingmaßnahmen zu einem spürbaren Beben gekommen“.

„Das exakte Wissen um die geologische Situation des Untergrunds ist für den sicheren Einsatz dieser Methode allerdings eine Voraussetzung“ schränkt Dr. Ulrike Mattig, Vorsitzende des BDG, ein. „Die Geofachdaten, die die Geologischen Dienste der Länder vorhalten spielen hier eine wichtige Rolle, genauso wie die geowissenschaftlichen Consultingbüros, die hier ihre Kernkompetenz haben.“

Ein weiterer neuer und in der Zukunft bedeutsam werdender Anwendungsbereich ist das Fracking in Verbindung mit der Erschließung von geothermischer Energie zur umweltfreundlichen Stromerzeugung. „Wir sollten daher“ so Klaus Bücherl, „das Fracking als Chance für zukünftige Entwicklungen verstehen und durch wissenschaftliche Begleitung eventuelle Risiken minimieren“.