Archiv der Kategorie: Physik, Chemie, Technik

Rekordverdächtige Lithium-Metall-Batterie

Umgerechnet 560 Watt oder 0,56 Kilowatt stehen gegenüber einem Energie-Inhalt von Methanol, von 5,5 Kilowatt. Das ist rund das 10fache an Energiedichte. Nutzt man regeneratives Methanol in Verbrennungsmaschinen, kommt man auf ca. 56% Wirkungsgrad. Das heißt, umgerechnet in mechanische Energie ist die Energie von Methanol mehr als 5 Mal leichter als die Batterie. Wer Wert auf Gewichtsreduktion legt, muss das berücksichtigen.

Jean Pütz

(KIT) – ine extrem hohe Energiedichte von 560 Wattstunden pro Kilogramm bei bemerkenswert guter Stabilität bietet eine neuartige Lithium-Metall-Batterie. Dafür haben Forschende am vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Kooperation mit der Universität Ulm gegründeten Helmholtz-Institut Ulm (HIU) eine vielversprechende Kombination aus Kathode und Elektrolyt eingesetzt: Die nickelreiche Kathode erlaubt, viel Energie pro Masse zu speichern, der ionische Flüssigelektrolyt sorgt dafür, dass die Kapazität über viele Ladezyklen weitestgehend erhalten bleibt. Über die rekordverdächtige Lithium-Metall-Batterie berichtet das Team im Magazin Joule

Derzeit stellen Lithium-Ionen-Batterien die gängigste Lösung für die mobile Stromversorgung dar. Die Technologie stößt jedoch bei manchen Anforderungen an ihre Grenzen. Dies gilt besonders für die Elektromobilität, bei der leichte, kompakte Fahrzeuge mit hohen Reichweiten gefragt sind. Als Alternative bieten sich Lithium-Metall-Batterien an: Sie zeichnen sich durch eine hohe Energiedichte aus, das heißt, sie speichern viel Energie pro Masse bzw. Volumen. Doch ihre Stabilität stellt eine Herausforderung dar – weil die Elektrodenmaterialien mit gewöhnlichen Elektrolytsystemen reagieren.

Eine Lösung haben nun Forschende am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und am Helmholtz-Institut Ulm – Elektrochemische Energiespeicherung (HIU) gefunden. Wie sie im Magazin Joule berichten, setzen sie eine vielversprechende neue Materialkombination ein. Sie verwenden eine kobaltarme, nickelreiche Schichtkathode (NCM88). Diese bietet eine hohe Energiedichte. Mit dem üblicherweise verwendeten kommerziell erhältlichen organischen Elektrolyten (LP30) lässt die Stabilität allerdings stark zu wünschen übrig. Die Speicherkapazität sinkt mit steigender Zahl der Ladezyklen. Warum das so ist, erklärt Professor Stefano Passerini, Direktor des HIU und Leiter der Forschungsgruppe Elektrochemie der Batterien: „Im Elektrolyten LP30 entstehen Partikelrisse an der Kathode. Innerhalb dieser Risse reagiert der Elektrolyt und zerstört die Struktur. Zudem bildet sich eine dicke moosartige lithiumhaltige Schicht auf der Kathode.“ Die Forschenden verwendeten daher stattdessen einen schwerflüchtigen, nicht entflammbaren ionischen Flüssigelektrolyten mit zwei Anionen (ILE). „Mithilfe des ILE lassen sich die Strukturveränderungen an der nickelreichen Kathode wesentlich eindämmen“, berichtet Dr. Guk-Tae Kim von der Forschungsgruppe Elektrochemie der Batterien am HIU.

Kapazität über 1 000 Ladezyklen zu 88 Prozent erhalten

Die Ergebnisse: Die Lithium-Metall-Batterie erreicht mit der Kathode NCM88 und dem Elektrolyten ILE eine Energiedichte von 560 Wattstunden pro Kilogramm (Wh/kg). Sie weist anfänglich eine Speicherkapazität von 214 Milliamperestunden pro Gramm (mAh/g) auf; über 1 000 Ladezyklen bleibt die Kapazität zu 88 Prozent erhalten. Die Coulomb-Effizienz, die das Verhältnis zwischen entnommener und zugeführter Kapazität angibt, beträgt durchschnittlich 99,94 Prozent. Da sich die vorgestellte Batterie auch durch eine hohe Sicherheit auszeichnet, ist den Forschenden aus Karlsruhe und Ulm damit ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur kohlenstoffneutralen Mobilität gelungen. (or)

Noch eine Methode, Wasserstoff transportabel zu machen

(pte) – Ammoniak, das mithilfe von Ökostrom hergestellt wird, könnte mit einer vom Ulsan National Institute of Science and Technology entwickelten Technik zum Speicher für „grünen“ Wasserstoff werden. Das Team hat mittels elektrischer Energie die Flüssigkeit, die Wasserstoff und Stickstoff enthält, in ihre Bestandteile aufgespalten und gewann hochreinen Wasserstoff. Den Stickstoff, Hauptbestandteil der Luft, entließen sie in die Atmosphäre.

Große Energieeinsparung

Mit der Technik lässt sich Wasserstoff mit einem Drittel der Energie gewinnen, die bei der Spaltung von Wasser durch Elektrolyse nötig ist. Jedoch geht einiges an Energie bei der Herstellung von grünem Ammoniak drauf. Die Energieeinsparung oder -neutralität ist aber nicht das Entscheidende. Soll Wasserstoff mobil eingesetzt werden, etwa in Zügen, Lastwagen, Flugzeugen und Schiffen, muss dieser, der die Brennstoffzellen zur Stromerzeugung versorgt, nach dem Stand der Technik in Tanks unter einem Druck von bis zu 800 Bar oder flüssig gelagert werden. Es müsste eine neue Infrastruktur aufgebaut werden.

Ließe sich Ammoniak als Wasserstoffspender nutzen, würden drucklose Tanks genügen und die Zapfsäulen heutiger Tankstellen könnten ohne großen Aufwand für die Abgabe von Ammoniak umgerüstet werden. Es müsste lediglich sichergestellt werden, dass beim Tanken eine gasdichte Verbindung mit dem Tank des Verbrauchers hergestellt wird. Außerdem müsste dieser selbst auch gasdicht sein, denn Ammoniak ist eine ätzende Flüssigkeit.

Katalysator gleicht einer Blüte

Eines der Geheimnisse ist laut Forschungsleiter Guntae Kim der Katalysator, der die Spaltung des Ammoniaks vorantreibt. Er basiert auf Platin, das allerdings in nur geringen Mengen benötigt wird. Entscheidend ist auch die Form des Kats. Dieser ähnelt einer Blüte, sodass er eine große wirksame Oberfläche hat. Es gibt bereits Brennstoffzellen, die Ammoniak als Wasserstofflieferant nutzen. Die ätzende Flüssigkeit wird dazu auf eine Temperatur von 700 bis 800 Grad Celsius erhitzt, sodass sie sich aufspaltet.

Genutzt wird das unter anderem zur Stromversorgung von Mobilfunkmasten, die fernab von jedem Stromnetz stehen. Die Universität Duisburg-Essen und das Zentrum für BrennstoffzellenTechnik http://zbt-duisburg.de in Duisburg arbeiten zudem an einem Spalter, der direkt mit einer Brennstoffzelle gekoppelt werden soll. 2022 soll das System einsatzbereit sein.

Grüner Wasserstoff: Katalysatorenoberfläche im Blick

(KIT) – Wasserstoff, der mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, gilt als Schlüsselelement der Energiewende: Er kann aus Wind und Sonne gewonnene Energie CO₂-neutral chemisch speichern. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forschende die Prozesse an der Oberfläche des Iridiumoxid-Katalysators für die Wasser-Elektrolyse untersucht. Ihren Forschungsbeitrag zur Entwicklung verbesserter und effizienterer Katalysatoren stellen sie im Journal ACS Catalysis der American Chemical Society vor. (DOI: 10.1021/acscatal.1c02074)

Energie aus Solarmodulen und Windrädern ermöglicht es, Wasser durch Elektrolyse ohne schädliche Emissionen in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Da die Verfügbarkeit der Energie aus erneuerbaren Quellen für die Erzeugung des grünen – das heißt CO₂-neutral erzeugten – Wasserstoffs schwankt, sei es sehr wichtig, das Verhalten der Katalysatoren unter hoher Auslastung und unter dynamischen Bedingungen zu kennen, so die Verfasser der Studie. „Bei hohen Strömen gibt es eine starke Entwicklung von Sauerstoffblasen an der Anode, was die Messung erschwert und es bislang nahezu unmöglich machte, ein zuverlässiges Messsignal zu erhalten“, erläutert der Erstautor der Studie Dr. Steffen Czioska vom Institut für Technische Chemie und Polymerchemie (ITCP) des KIT. Die Kombination verschiedener Techniken ermöglichte es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nun, die Oberfläche des Iridiumoxid-Katalysators unter dynamischen Arbeitsbedingungen grundlegend zu erforschen. „Es ist uns zum ersten Mal gelungen, das Verhalten des Katalysators auf atomarer Ebene trotz starker Blasenentwicklung zu untersuchen“, sagt Czioska. Die American Chemical Society (ACS) wertet die Bedeutung der Veröffentlichung aus dem KIT für die internationale Wissenschaftsgemeinschaft so hoch, dass sie sie mit dem ACS Editor‘s Choice ausgezeichnet hat.

Röntgenabsorptionsspektroskopie mit Synchrotronlicht genutzt

Die Karlsruher Forschenden des ITCP, des Instituts für Katalyseforschung und des Instituts für Angewandte Materialien –  Elektrochemische Technologien haben die für die Katalyse einzigartige Röntgenabsorptionsspektroskopie, die es erlaubt, Änderungen auf atomarer Ebene besonders präzise zu untersuchen, und weitere Analysemethoden kombiniert. „Wir konnten die regelmäßigen Abläufe an der Katalysatorenoberfläche während der Reaktion sehen, weil alles Unregelmäßige herausgefiltert wurde – ähnlich wie bei der Langzeitbelichtung einer nächtlichen Autostraße – und dennoch die dynamischen Vorgänge erkennen“, sagt Czioska. „Unsere Untersuchung zeigt, dass gerade bei sehr hohen Spannungen und unter dynamischen Bedingungen höchst unerwartete Strukturänderungen auftreten, die im Zusammenhang mit einer Stabilisierung des Katalysators stehen“, sagt der Chemiker. Das Iridiumoxid löse sich weniger auf, das Material bleibe stabil.

Ergebnisse sollen zu besseren, effizienteren Katalysatoren beitragen

Die Erforschung der Vorgänge an der Katalysatoroberfläche ebne den Weg für die weitere Untersuchung von Katalysatoren bei hohen elektrischen Potenzialen und könne dazu beitragen, verbesserte und effizientere Katalysatoren für die Anforderungen der Energiewende zu entwickeln, betont Czioska. Die Untersuchung ist Teil des Schwerpunktprogramms „Dynakat“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, in dem deutschlandweit über 30 Forschungsgruppen zusammenarbeiten und vom KIT unter Federführung von Professor Jan-Dierk Grunwaldt vom ITCP koordiniert wird.

Grüner Wasserstoff gilt als umweltfreundlicher chemischer Energiespeicher  und damit als wesentliches Element der Dekarbonisierung von Branchen wie der Stahl- und Chemieindustrie. Die 2020 vom Bundeskabinett beschlossene Nationale Wasserstoffstrategie sieht in der verlässlichen, bezahlbaren und nachhaltigen Erzeugung von Wasserstoff die Basis für dessen zukünftige Verwendung.

CO2 als Wertstoff effektiver gewonnen durch Abscheidung aus Luft der Atmosphäre

(pte) – Forscher der Universitäten Tsukuba http://www.tsukuba.ac.jp/en und Osaka http://www.osaka-u.ac.jp/en haben die Effektivität von porösen Zinn-Katalysatoren zur Abtrennung von CO2 aus der Atmosphäre und folglich Umwandlung in Treibstoffe oder Rohstoffe für die chemische Industrie um das 24-Fache verbessert.

Umwandlung in Formiat

Katalysatoren dieser Art werden genutzt, um CO2 in Formiat umzuwandeln, ein Salz der Ameisensäure. Es setzt Wasserstoff frei, der eine Brennstoffzelle versorgen kann, die Strom erzeugt. Doch die Ausbeute ist zu gering, und es entstehen unerwünschte Nebenprodukte. Die japanischen Forscher haben den Zinn-Katalysator mit dem Kunststoff Polyethylenglycol (PEG) beschichtet.

„Wir wollten ein katalytisches System entwickeln, das CO2 aus der Luft einfängt und in Formiat umwandelt“, sagt Forschungsgruppenleiter Yoshikazu Ito. „Es ist jedoch schwierig, nur das gewünschte Produkt mit hoher Ausbeute zu erhalten. Daher mussten wir das Katalysator-Design verfeinern.“ Dies gelang. Mit dem neuen Katalysator liegt die Formiat-Ausbeute laut den Experten bei 99 Prozent.

Optimale Dicke wichtig

Zuerst hatten es die Forscher mit einer Polyethylenimin-Beschichtung versucht, einem anderen Kunststoff. Das brachte eine Verbesserung, weil er sehr effektiv im Einfang von CO2-Molekülen war. Doch er hielt sie zu lange fest, sodass die Umsetzung in Formiat mit Verzögerung geschah.

Entscheidend für den Erfolg war die Optimierung der PEG-Dicke. Zu dünn aufgetragen, lockte der Kunststoff zu wenige CO2-Moleküle an, die aber leicht zum katalysierenden Zinn vordringen konnten. War die Kunststoffschicht zu dick, fing sie zwar viele CO2-Moleküle ein, doch sie hatten Mühe, zum Zinn vorzudringen. Mit einer optimalen Dosierung des PEG erreichten die Forscher die richtige Balance.

Möglicher Nutzen der Kernenergie – ein Bericht aus der NZZ vom Juli 2021

(NZZ) – «Wir müssen uns beim Kampf gegen den Klimawandel sputen», sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, als sie die Unwettergebiete in ihrem Land besuchte. Und sie ist damit keineswegs allein: Allenthalben wird nach den jüngsten Überschwemmungen eine Beschleunigung der Klimapolitik gefordert.

In dieser Diskussion ist bis jetzt aber ein Thema in weiten Kreisen tabu: der Ausstieg diverser Industriestaaten aus der Kernkraft nach dem Reaktorunfall von Fukushima. Deutschland stellt als vermeintlicher Musterknabe bereits nächstes Jahr seine letzten Kernreaktoren ab – während Kohlekraftwerke weiterlaufen. Das ist absurd.

Die Schweiz ist zwar etwas weniger rigoros, weil sie nicht gleich alle Kernkraftwerke vom Netz nimmt, aber auch das Schweizer Stimmvolk hat 2017 den schrittweisen Ausstieg gutgeheissen. Gerade in der Wirtschaft macht man sich deshalb Sorgen um die längerfristige Versorgungssicherheit – Magdalena Martullo-Blocher von der Ems-Chemie ist im «Blick» mit der Unterstützung der Atomkraft zwar vorgeprescht, aber unter Industriellen ist sie mit ihrer Meinung keineswegs allein.

Gewiss, die Erinnerungen an Fukushima und hier in Europa besonders an Tschernobyl sind haften geblieben. Dennoch gehört die Kernkraft zusammen mit den Erneuerbaren Wind, Sonne und Wasserkraft nicht nur zu den saubersten Energiequellen, sie ist auch vergleichsweise sicher – jedenfalls wenn man die verursachten Todesfälle in Beziehung zur produzierten Strommenge setzt.

Kernkraftwerke haben zudem den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den riesigen Wind- oder Solarfarmen kaum die Landschaft verschandeln, da sie auf wenig Fläche Platz haben. Das ist im Hinblick auf eine 10-Millionen-Einwohner-Schweiz ein Vorteil.

Es ist keine Frage: Soll die Dekarbonisierung auch im Verkehr und im Wärmesektor gelingen, braucht es künftig nicht weniger, sondern mehr Strom, und dieser sollte möglichst nicht mehr aus fossilen Energieträgern stammen. Wenn man nun vor allem auf Wind und Sonne setzt, wird Elektrizität für Konsumenten und Unternehmen viel teurer als nötig, weil deren Stromerzeugung stark schwankend ist.

Betreiber bestehender Kernkraftwerke sollten diese deshalb so lange wie von der Sicherheit her möglich laufen lassen können. In vielen Fällen werden das sechzig Jahre sein, zuweilen auch achtzig Jahre. Deutschland hat sich dieser Möglichkeit jedoch bereits beraubt – ein kapitaler Fehler.

In Industrieländern kann es zwar nicht darum gehen, dass der Staat nun selbst in die Kernkraft investiert. Das müssen, wenn schon, private Investoren übernehmen. Geld sollte die öffentliche Hand aber weiterhin in die Forschung stecken. Und Regierungen können die Rahmenbedingungen ändern, so dass Kernkraftwerke überhaupt eine Chance haben – dort, wo sie noch zugelassen sind. Erstens wird zuverlässige Leistung heute nicht angemessen honoriert. Und zweitens macht eine spürbare CO2-Abgabe auch Kernkraft konkurrenzfähiger.

Es ist eines, wenn sich wohlstandsverwöhnte Länder wie die Schweiz und Deutschland dazu entscheiden, ganz auf die Kernenergie zu verzichten. Man sollte aber nicht auch noch Schwellenländer erziehen wollen. Es wäre jedenfalls fürs Klima viel gewonnen, wenn China statt der vielen geplanten Kohlekraftwerke stärker auf Kernkraft setzen würde.

Das Hauptwachstum des CO2-Ausstosses findet in den Schwellenländern statt. Doch etwa die Weltbank, die Energieprojekte in diesen Staaten mit Milliarden unterstützt, hat kürzlich gerade bekräftigt, dass sie weiterhin keine Kredite für Kernkraft vergibt. Einer Fussnote in ihrem Aktionsplan entnimmt man, es mangle der Institution an entsprechender Expertise.

Der möglichst rasche Ausstieg aus der Kernenergie ist keine gute Politik, sondern scheint angesichts der gewaltigen Herausforderung des Klimawandels zunehmend rückwärtsgewandt. Es gilt vielmehr, Vor- und Nachteile der Kernkraft neu abzuwägen. Sie hat einen frischen Blick verdient.

Miserable Öko-Bilanz der Elektroautos

(Focus) – Elektro-Gate, Runde zwei: Nach ihrer Kritik an der Berechnungsmethode von Elektroauto-Emissionen erhalten Wissenschaftler viel Zuspruch, jedoch auch viel Gegenwind. FOCUS Online fasst den Stand der Diskussion zusammen.

Der wissenschaftliche Exkurs um die Elektromobilität ist selten wissenschaftlich. Gerade in Deutschland handelt es sich um ein hochpolitisches Thema. Das bekam Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie zu spüren. Der hatte sich bemüht, einen mathematischen Beweis zu führen, dass sich die EU bei der Kalkulation der zukünftigen CO2 Emissionen schlicht um ungefähr 100% verrechnet hatte, seine Hypothese bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift eingereicht, um sie im Rahmen der “Peer Review” überprüfen zu lassen und anschließend 170 Wissenschaftler weltweit gefunden, die seine Meinung teilten. Stellvertretend für die in Gründung befindliche „IASTEC“-Gruppe, die mehr Technologieoffenheit bei der Verkehrswende fordert, schrieben dann die führenden Köpfe einen offenen Brief an die EU-Kommission .

Die Kritik kam prompt – und zielte meistens darauf ab, dass Koch als einer der bekanntesten Experten für Verbrennungsmotoren ja nur seine Pfründe sichern wolle. Abgesehen davon, dass dieser Vorwurf, wenn man denn in derlei Argumentationsmustern denkt, auf die Elektro-Branche genauso zutreffen würde, driftete die Diskussion über das Thema schnell ins übliche Lagerdenken „Pro E-Mobilität“ und „Contra E-Mobilität“ ab. Dabei zeigt sich bei einer genauen Betrachtung, wie tief das Problem eigentlich geht, auf das die Wissenschaftler die EU-Kommission hingewiesen haben.

Elektroauto: In Frankreich sauber, in Deutschland weniger

Koch und seine Kollegen wählten ausgerechnet die heilige Kuh der deutschen Verkehrswende aus, um ihre Punkte zu veranschaulichen – das Elektroauto ID3 des semi-staatlichen Volkswagenkonzerns. Der erforderliche Strom emittiere mehr als doppelt soviel CO2 wie von der EU-Kommission angenommen. Der EU-Irrtum basiere auf einem Rechenfehler, so die Wissenschaftler

Es zeigt sich schon an der Tatsache, dass Autohersteller bei der CO2-Flottenanrechnung ihre Stromer mit 0 Gramm bilanzieren dürfen. Dass das vorne und hinten nicht stimmt, zeigte jüngst die Fachzeitschrift „Auto Motor & Sport“ durch einen anschaulichen Vergleich: Während in Frankreich E-Autos dank Atomstrom tatsächlich sehr CO2-arm unterwegs sind, sieht die Bilanz in Deutschland deutlich schlechter aus, wenn man den je nach Wetterlage nur geringen Beitrag regenerativer Energien zum Strommix berücksichtigt.

„Autopapst“ Dudenhöffer will keine Technologieoffenheit

Die Wissenschaftler um Thomas Koch zogen sich unter anderem den Ärger von Deutschlands bekanntestem Autoexperten zu, dem emeritierten Professor Ferdinand Dudenhöffer. Der betreibt mittlerweile eine Kombination aus Auftragsforschungs-, Kongressveranstaltungs- und Eventagentur und veranstaltet Kongresse rund um die Elektromobilität von Braunschweig bis China. Eine von der “European Climate Foundation” mitfinanzierte Studie Dudenhöffers kam zu dem Schluss, durch E-Mobilität würden kaum Arbeitsplätze verloren gehen. Auch zu diesem Feld gibt es diverse Prognosen, die stark voneinander abweichen. So gehen andere Publikationen davon aus, dass zwischen 200.000 und 400.000 Arbeitsplätze der Transformation zur Elektromobilität zum Opfer fallen

An der IASTEC-Meinung ließ Dudenhöffer kein gutes Haar. Wenn er schon das Wort “Technologieoffenheit” höre, dann mutmaße er, dass man noch länger dem Verbrennungsmotor die Stange halte. Andere Kritiken gerieten noch schriller und unsachlicher. Unter dem Titel “Vorsicht Fake News” behauptet die „Wirtschaftswoche“, Kochs Berechnungsmethoden seien falsch und realitätsfern, die “International Association of Sustainable Drivetrain and Vehicle Technology Research” existiere nicht, ihre Gründung sei lediglich von Koch geplant und das Schreiben sei auch nur von 6 Wissenschaftlern unterschrieben.

„Elektro-Gate“? Zahlreiche Unterstützer für Kritik an der Emissionsberechnung

Nun ist die Richtigkeit einer wissenschaftlichen Hypothese weder von einem Eintrag ins Vereinsregister noch von der Anzahl der Unterzeichner eines offenen Briefes abhängig. Koch hätte durchaus deutlicher machen können, dass die aktuelle Diskussion ihn zur Eile zwingt. Die EU will diverse Richtlinien beschließen und auch der Beschluss der EURO 7 Norm für Verbrennungsmotoren steht unmittelbar bevor.

Die Darstellung allerdings, dass die Kritiker der CO2-Berechnung nur aus sechs Personen bestünden, die quasi andere vor den Karren spannen, lässt sich nicht halten. FOCUS Online liegt nicht nur der offene Brief der Wissenschaftler an die EU-Kommission vor, sondern auch nach einer ersten Nachfrage über 60 Mails von zukünftigen IASTEC-Mitgliedern und Unterstützern von Koch, die die Richtigkeit der Hypothesen bestätigen. Darunter sind unter anderem Wissenschaftler, Forscher und Antriebsexperten aus Deutschland, Brasilien, Kanada, Südkorea, China, England, Frankreich, Polen, Spanien, Tschechien und Griechenland. Sie bestätigen auch, dass sie sich an der IASTEC-Gründung beteiligen wollen. “Wir fühlen uns geehrt, gemeinsam mit den 170+ Repräsentanten aus dem automobilen Antriebsfeld hinter dem Papier zu stehen”, schreibt zum Beispiel Seongsoo Kim von der koreanischen Silla Universität. Der Strommix in Südkorea sei vergleichbar mit dem in Deutschland, Österreich und der Schweiz und erlaube ebenfalls keine vollständige klimaneutrale Elektromomobilität. Ohne ReFuels (das ist der Fachbegriff für biologische und synthetische Kraftstoffe) sei Klimaneutralität nicht zu erreichen.

„Ohne synthetische Kraftstoffe ist Klimaneutralität nicht zu erreichen“

Neben zahlreichen Unterstützern gibt es aber auch viel Kritik, die fachlich durchaus fundierter ist als etwa die Ferdinand Dudenhöffers. Das Science Media Center Germany (SMCG), eine gemeinnützige GmbH mit einem Jahresbudget von 1,7 Mio Euro , die sich der „Vernetzung von Wissenschaft und Presse“ verschrieben hat, hat sich die Mühe gemacht, die Koch-kritischen Statements zusammenzustellen.

Zu den Förderern des SCMG gehört neben der Klaus-Tschira-Stiftung eines verstorbenen SAP-Gründers das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie diverse Universitäten. Geschäftsführer Volker Stollorz sagt zur Auswahl der entsprechenden Wissenschaftler: “Wir sprechen zu Studien, Veröffentlichungen und auch Gesetzvorschlägen grundsätzlich Forscherinnen und Forscher an, in deren domainspezifischen Fachbereich das jeweilige Thema fällt. Diese sind fachlich besonders in der Lage, auf dem aktuellen Stand der Forschung Arbeiten und Thesen einzuschätzen, die in ihre Disziplin fallen. Die jeweiligen Positionen der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu bestimmten Forschungsfragen sind weder bei der Akquise noch bei einzelnen Anfragen das entscheidende Auswahlkriterium. Es steht den angefragten Forscherinnen und Forschern frei, auf unsere Fragen zu antworten. Im Falle der Veröffentlichung von Prof. Thomas Koch im Zusammenhang mit der Frage, welche CO2-Emissionen welchen Verbrauchern zuzuordnen sind, waren das Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die seit vielen Jahren Energiesystemanalysen erstellen und auf dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Forschung argumentieren.”

 

Wasserstoff ist die Lösung – Der Energieträger hat ein gutes Image

Norbert Lossau ist Doktor der Physiker und Wissenschaftsjournalist. Er leitet bei der ‚Welt‘ die Redaktion ‚Technik und Wissenschaft‘ und hat seinerzeit in meiner Redaktion im WDR-Fernsehen seine Laufbahn begonnen und gehört zu den Wissenschaftlern, die wie ich die notwendige Klimarettung kritisch verfolgen. Er ist wie ich Realist und nicht gesponsert durch staatliche Subventionen und sonstige Zwänge. Auch er sieht Wasserstoff und seine Weiterverarbeitung zu Methanol und zu synthetischen Kraftstoffen als eigentliche Lösung einer realistischen CO2-Neutralität. Allerdings reicht die auf deutschem Territorium gewonnene regenerative Energie nicht aus und setzt ebenfalls auf internationale Kooperation z. B. mit Ländern der 3. Welt.

Jean Pütz

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Textilfasern extrem zugfestig, produziert durch genmanipulierte Bakterien

Was heutzutage durch die Technologie alles möglich ist. Noch so viele Proteste der Gen-Gegner können die Entwicklung nicht verhindern. Ich hoffe, die Wissenschaft ist ihrer Verantwortung bewusst, und bezieht die Nebenwirkungen und Risiken in ihr Kalkül mit ein.

Goethe schrieb in seiner Ballade ‚Der Zauberlehrling‘: ‚Die Geister die ich rief, die werde ich nicht mehr los‘. Diese Erkenntnis steht heute über vielen Technologien, doch leider auch unberücksichtigt bei vielen Gesetzesvorhaben. Jedes einzelne Gesetz in demokratischen Staaten sollte stets unter der Berücksichtigung von Nebenwirkungen und Risiken gefasst werden. Doch leider fällt das oft dem grassierenden Populismus zum Opfer.

Jean Pütz

Hier nun ein Forschungsergebnis menschlicher Kreativität, welches durchaus verblüffend ist

(pte) – Ingenieure der Washington University haben sogenannte Amyloid-Seiden-Hybridproteine entwickelt, die fester und widerstandsfähiger sind als natürliche Spinnenseiden. Die Proteine werden allerdings nicht im Labor hergestellt, sondern von Bakterien, deren Gene der Forscher Fuzhong Zhang verändert hat.

Kristallanordnung optimiert

Zhang arbeitet seit Jahren daran, Spinnenseide für technische Anwendungen im Labor biotechnisch herzustellen. 2018 konnte er einen ersten Erfolg melden. Er hatte Bakterien so manipuliert, dass sie Spinnenseide produzierten, deren Leistung in allen wichtigen mechanischen Eigenschaften mit ihren natürlichen Gegenstücken vergleichbar war.

„Dann fragte ich mich, ob wir nicht ein noch besseres Material produzieren können“, so Zhang. Gemeinsam mit seinem Doktoranden Jingyao Li machte er sich daran, die Aminosäuresequenz von natürlicher Spinnenseide zu verändern. Die Forscher erkannten, dass die Festigkeit der Spinnenseide nicht zuletzt auf eingebauten Nanokristallen beruht. Im Laufe der Evolution hätten sich die Zahl und die Anordnung dieser Kristalle immer weiter verbessert. Es sei kaum möglich, ausreichende Mengen an Nanokristallen dieser Art in künstlich hergestellter Spinnenseide zu platzieren.

Umbau des Seidenproteins

Um dieses Problem zu lösen, haben die Experten das Seidenprotein umgebaut, indem sie die Reihenfolge seiner Bausteine veränderten und sogenannte Amyloidsequenzen einbauten, die eine starke Tendenz zur Bildung der gewünschten Nanokristalle aufweisen. Es entstand ein Seidenprotein mit zahlreichen aneinandergereihten Bausteinen. Je länger diese Kette ist, desto stärker und zäher ist die Faser.

Eine Kette mit 128 Gliedern kam auf einen Wert im Gigapascal-Bereich. Zum Vergleich: Die Zugfestigkeit von Metallen liegt im Megapascal-Bereich. Trotz ihrer überragenden Eigenschaften ist diese künstliche Spinnenseide einfacher aufgebaut als natürliche, sodass sie von genmanipulierten Bakterien leichter herzustellen ist. Zhang glaubt, dass er bei der Entwicklung von Hochleistungsfasern noch lange nicht am Ende ist. „Wir können die Biologie so weiterentwickeln, dass wir die Natur übertreffen“, meint der Forscher.

Regenerative synthetische Kraftstoffe, die CO2-neutrale Verbrennungsmotoren oder Turbinen ermöglichen

(KIT) – Der Einsatz synthetischer Kraftstoffe könnte zukünftig Treibhausgasemissionen von Flugreisen und Schwertransporten minimieren. Mit einer Power-to-Liquid Anlage von INERATEC, die das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gemeinsam mit dem Spin-off am Energy Lab 2.0 betreibt, rückt das in greifbare Nähe. Die modulare Anlage ist in einem Container untergebracht und soll nun von der Ausgründung in Serie gefertigt werden.

„Das ist der letzte Ausbauschritt auf dem Weg zu einem industriellen Einsatz“, sagt Professor Roland Dittmeyer vom Institut für Mikroverfahrenstechnik des KIT. „Anlagen dieser Bauweise werden weltweit dazu beitragen, den Transportsektor und die chemische Industrie mit E-Fuels sowie E-Chemicals nachhaltiger zu gestalten.“ Die Anlage steht auf dem Gelände des Energy Lab 2.0 am Campus Nord des KIT. Sie produziert aus Kohlendioxid (CO2) und erneuerbarem Wasserstoff (H2) ein synthetisches Kraftstoffgemisch, auch SynCrude genannt, das zu synthetischem Kerosin, Diesel und Benzin weiterverarbeitet werden kann. „Dafür sind zwei Reaktorstufen notwendig, die wir zum ersten Mal gekoppelt, mit einem verbesserten Design und in einem für die Technologieentwicklung relevantem Maßstab betreiben“, sagt Dittmeyer. „Wir können bis zu 200 Liter Kraftstoff pro Tag erzeugen.“

Innovative Technologie von INERATEC

Die langkettigen Kohlenwasserstoffe des SynCrudes werden in einer der Reaktorstufen mittels Fischer-Tropsch-Synthese (FT-Synthese) aus Synthesegas hergestellt, das hauptsächlich aus Kohlenstoffmonoxid (CO) und H2 besteht. Es wird in dem anderen der FT-Synthese vorgeschalteten Reaktor durch die rückwärtige Wassergas-Shift-Reaktion (RWGS) erzeugt. Der RWGS-Reaktor ist aus mikrostrukturierten Platten aufgebaut, die einen flexiblen Betrieb der Anlage ermöglichen und für mehr Leistungsfähigkeit sorgen. Das neue Design dieser Platten wurde nun im gekoppelten Betrieb erfolgreich demonstriert. „Mit dem optimierten RWGS-Reaktor lassen sich die Reaktionen jetzt noch präziser steuern, und so konnten wir den Prozess signifikant verbessern“, sagt Dr. Tim Böltken, einer der Geschäftsführer von INERATEC. Jede Stunde könne bis zu drei Kilogramm Wasserstoff aus Elektrolyseuren verarbeitet werden. „Das entspricht einer Anschlussleistung von 125 Kilowatt, und das setzt weltweit Maßstäbe“, so Böltken.

Im nächsten Schritt erfolgt die Serienproduktion

Die Demonstration der RWGS Reaktor-Technologie von INERATEC auf dieser Skalierungsstufe stellt den letzten wichtigen Schritt in einem universitären Forschungsumfeld dar. Über weitere Skalierung, Standardisierung und Vervielfältigung will das Unternehmen die Power-to-X-Technologie danach schnell und kostengünstig mit einer Serienproduktion bereitstellen können. Über das Projekt IMPOWER2X wird das Spin-off des KIT von der Europäischen Union mit 2,5 Millionen Euro gefördert.

Bereits 2019 wurde in der ersten Förderphase des Kopernikus-Projekts P2X die weltweit erste vollintegrierte Anlage zur Produktion von „Sprit aus Luft und grünem Strom“ am KIT in Betrieb genommen. Die Anlage produzierte täglich ungefähr zehn Liter synthetische Kraftstoffe und kombinierte die CO2-Abscheidung aus der Luft, eine Hochtemperaturelektrolyse zur Synthesegaserzeugung, die FT-Synthese sowie die Produktaufbereitung zum fertigen Kraftstoff. Aktuell, in der zweiten Förderphase von P2X, wird diese Prozesskette in der Skalierung von 250 Kilowatt im Energy Lab 2.0 aufgebaut und soll dann ab 2022 etwa 200 bis 300 Liter Kraftstoff pro Tag direkt aus dem CO2 der Luft erzeugen. (mhe)