Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Hörverlust im Alter nicht harmlos – Mit einer Stellungnahme von Jean Pütz

Meine persönliche Stellungnahme:

Am Anfang meiner
journalistischen Tätigkeit bei WDR habe ich eine Sendereihe zum Thema
„Die Welt des Schalls“ als Autor, Moderator und Redakteur produziert.
Unter dem Titel „Die Generation der ‚Tauben‘ sprach ich nicht diese
intelligenten Vögel an, sondern den Hörverlust, der sich schon damals –
1973 – abzeichnete. Ursache dafür war, dass die Tonverstärker, die
vordem noch mit Röhren und viel Strom-Energie gespeist wurden, auf
Halbleiter umgestellt wurden. Die Entwicklung der Chip-Technologie, das
heißt auf einem kleinem Silizium-Plättchen konnten tausende von
Transistor-Funktionen untergebracht werden, begünstigte extrem diese
Technologie. Schon damals war absehbar, dass der Mensch keine Grenzen
kennt, wenn Technik es möglich macht. Das gilt besonders für die
Tonverstärker und Verstärker-Boxen. Sie erst machten große Live-Konzerte
der Popmusiker möglich. Schon in den 70er Jahren wurden diese zu
Favoriten der Jugend, wobei die Lautstärke extreme Ausmaße annahm. Hinzu
kam ein Phänomen, welches ich persönlich als „Disk-Jockey-Syndrom“ bezeichnen möchte, weil nicht nur Musiker, vor allen Dingen die
Disk-Jockeys in den Clubs davon betroffen waren. Die extreme Lautstärke
vermindert auch heute noch ihr Hörvermögen, denn der gesetzliche
Schallschutz wurde weitgehend verdrängt.

Das menschliche Ohr, in
seiner Kompliziertheit ein echtes Wunder der Natur, reagiert bei
Lautstärken über 100 dB in einer Art Selbstschutz auf die Dauer mit
hohem Hörverlust. Diesen gleichen die Disk-Jockeys da durchaus, dass sie
trotz ihres geschädigten Hörempfinden die Lautstärke so einstellen, wie
sie diese vor dem Hörverlust empfanden.  Das schaukelt sich mit der
Zeit auf, die Leidtragenden sind die Konzert- oder Diskotheken-Besucher.
So passiert es, dass immer mehr Jugendliche schon im frühen Alter
Probleme mit dem Hören haben. Das verstärkt sich im hohen Alter fort,
deshalb nannte ich diese Sendung „Die Generation der Tauben“. Leider hat
sich nicht viel gebessert und das wird bei den nächsten Generationen
nicht besser. Ich selbst habe aus dieser Erkenntnis schon sehr früh
meine Lehren gezogen, so dass ich heute mit über 80 Jahren noch kein
Hörgerät benötige. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich immer
noch meine fünf Sinne zusammen habe.

Die Moral von der Geschicht: Vernunft kann gesund sein. Bitte lesen Sie den folgenden Artikel auch unter diesen Aspekt

pte20190130001 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie

Hörverlust wirkt sich auf die Kognition aus

Längsschnittstudie mit 10.107 Männern über 62 Jahren liefert Nachweis für erhöhtes Risiko

Ohr: Gehörverlust beeinflusst Kognition massiv (Foto: pixelio.de, sparkie)
Ohr: Gehörverlust beeinflusst Kognition massiv (Foto: pixelio.de, sparkie)

Boston
(pte001/30.01.2019/06:00) – Ein Hörverlust steht mit einem erhöhten
Risiko des Abbaus der kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang. Zu dem
Schluss kommt eine Studie unter der Leitung des Brigham and Women’s
Hospital http://brighamandwomens.org . Ein Hörverlust könnte aber auch helfen, jene Personen zu
identifizieren, bei denen ein höheres Risiko besteht, so die Forscher.

Fähigkeiten lassen nach

Zusätzlich erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse für ein
früheres Eingreifen und eine bessere Prävention. Von einem Hörverlust
sind mehrere zehn Mio. US-Amerikaner betroffen. Weltweit soll die Zahl
der Betroffenen weiter steigen, da auch das Alter der Bevölkerung
zunimmt. Die Forscher haben für ihre Erhebung acht Jahre lang eine
Längsschnittstudie bei 10.107 Männern über 62 Jahren durchgeführt, die
an der "Health Professionals Follow-up Study" http://sites.sph.harvard.edu/hpfs teilnahmen.

Beurteilt wurden die Ergebnisse bei der "Subjective Cognitive Function",
basierend auf Antworten auf einem Fragebogen mit sechs Bereichen, der
2008, 2012 und 2016 beantwortet wurde. Ein Rückgang der subjektiven
kognitiven Funktion wurde als neuer Bericht in zumindest einem Bereich
definiert. Es zeigte sich, dass ein Hörverlust mit einem höheren Risiko
einer subjektiven kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang steht.

Hörgeräte äußerst ratsam

Im Vergleich mit Männern ohne Hörverlust war das relative Risiko eines
kognitiven Abbaus bei Teilnehmern mit einem leichten Hörverlust um 30
Prozent höher. Bei stärker betroffenen Männern war das Risiko um 42
Prozent höher. Bei einem schweren Hörverlust ohne den Einsatz von
Hörgeräten erhöhte sich das Risiko auf 54 Prozent. Die Forscher haben
auch untersucht, ob Hörgeräte einen Einfluss auf das Risiko haben.

Obwohl sich zeigte, dass bei Männern mit schwerem Hörverlust, die
Hörgeräte nutzten, das Risiko bei 37 Prozent lag, konnte kein
statistisch signifikanter Unterschied zu Teilnehmern dieser Gruppe
festgestellt werden, die keine Hörgeräte verwendeten. Eine genaue
Erklärung dafür haben die Forscher derzeit nicht. Sie merken auch an,
dass die Studie auf vorwiegend weiße ältere medizinische Fachkräfte
beschränkt war. Weitere Untersuchungen mit größeren Patientengruppen
seien daher sinnvoll. Zusätzlich beruhten die in "Alzheimer’s &
Dementia" veröffentlichten Ergebnisse auf den Angaben der
Studienteilnehmer.

Mücken und Zecken verbreiten hierzulande neue Krankheiten

Mücken und Zecken verbreiten infolge des Klimawandels hierzulande neue Krankheiten

fzm, Stuttgart, November 2018 – Chikungunya,
Leishmaniose, West-Nil- und Krim-Kongo-Fieber: Das sind Krankheiten, von
denen Menschen hierzulande bisher nur bei Reisen in ferne Länder
bedroht waren. Tropenmediziner rechnen damit, dass sie infolge des
Klimawandels in Zukunft auch in Deutschland vermehrt auftreten werden.
In der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg
Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) geben Experten der Universität Rostock
einen Überblick über neue Krankheitsbilder und potenzielle Überträger.

Der Anstieg der Temperaturen in Deutschland erhöht die
Überlebenschancen zahlreicher heimischer und bisher exotischer Mücken –
zum Beispiel der Gattungen Aedes, Anopheles, Culex und Phlebotomus. Auch
die Ausbreitungsgebiete von bisher hier nicht heimischen Zecken werden
sich vergrößern, warnt Privatdozent Dr. med. habil. Christoph Hemmer,
Tropenmediziner an der Abteilung für Tropenmedizin und
Infektionskrankheiten der Universität Rostock.

Im Gepäck haben die Insekten und Spinnentiere häufig Viren,
Bakterien oder Parasiten. Steigende Temperaturen verkürzen die
extrinsische Inkubationszeit. So bezeichnen Biologen den Zeitraum
zwischen der Aufnahme der Erreger durch die Mücken bis zur Weitergabe an
ihren Wirt. Bei Außentemperaturen von 20 Grad benötigen
Chikungunya-Viren sieben Tage bis sie im Speichel von Mücken der Gattung
von Aedes nachweisbar sind. Bei 28 Grad ist dies bereits nach drei
Tagen der Fall, so Dr. Hemmer.

Das Chikungunya-Fieber ist nach Ansicht von Professor Dr.
med. univ. Emil C. Reisinger eine weitere exotische Erkrankung, die sich
in Deutschland ausbreiten könnte. Der Leiter der Abteilung für
Tropenmedizin an der Uni Rostock prüft bereits mögliche Impfstoffe*.
Plötzlich einsetzendes Fieber und Gelenkbeschwerden sind erste Symptome
einer Infektion. Kopfschmerzen, Übelkeit und Hautausschlag können
hinzukommen. Auch wenn schwere Verlaufsformen selten sind, können ältere
Menschen an einem Chikungunya-Fieber sterben. Die Gelenkbeschwerden
können viele Monate anhalten.

In Zukunft könnte auch Krim-Kongo-Fieber in Deutschland
auftreten: Die mit hohem Fieber einhergehende Erkrankung, kann zu
tödlichen inneren Blutungen führen und ist bereits in der Türkei
verbreitet. In Europa hat es bisher nur einen Fall in Spanien gegeben.
Die tropische Zecke der Gattung Hyalomma, die als Überträger der
Krankheit gilt, kann mit Zugvögeln nach Deutschland kommen. Steigende
Temperaturen führen dazu, dass sie auch hier länger überlebt und nach
neuen Wirten sucht, so Professor Reisinger

Eine gravierende Ausbreitung von Dengue- und Zika-Fieber, wie
zuletzt in Lateinamerika, befürchtet Dr. Hemmer in Deutschland derzeit
hingegen nicht. Auch die Malaria werde sich in Deutschland nicht wieder
festsetzen, obwohl es hierzulande sechs Arten der Anopheles-Mücke gibt,
die die Parasiten übertragen können. Noch bis in die frühen 1950er-Jahre
kamen im Südwesten und Norden Deutschlands Malariafälle vor. Die
Trockenlegung von Sümpfen und kleineren Gewässern und die räumliche
Trennung von Vieh und Mensch verhindere heute eine Ausbreitung der
Erkrankung, so der Experte.

Das Risiko, dass sich das Westnil-Fieber auch in Deutschland
ausbreitet, steigt nach Einschätzung von Dr. Hemmer jedoch. Auch hier
verweist der Experte auf eine verkürzte extrinsische Inkubationszeit.
Bei einem Anstieg der Außentemperatur von 14 auf 18 Grad benötigen die
Viren nur 22 statt 36 Tage, bis die Mücke die Erreger übertragen kann.
Bei 30 Grad sind dies nur noch fünf Tage. Das West-Nil-Virus hat sich
bereits in Südost-Europa ausgebreitet. Infizierte Zugvögel könnten es
jederzeit nach Deutschland bringen. Eine Infektion beim Menschen geht
mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen einher.
Manchmal tritt auch ein Hautausschlag am Rumpf sowie eine Schwellung der
Lymphknoten auf. Bei einem von 150 Patienten kommt es zu einem schweren
Krankheitsverlauf. Gefährdet sind vor allem Menschen über 50 Jahre,
ferner Patienten, die Kortisonpräparate oder andere Medikamente
einnehmen, die die Immunabwehr schwächen. In diesen Fällen kann die
Infektion eine Hirnhautentzündung auslösen.

Auch Patienten, die sich Leishmanien infizieren, könnten in
Zukunft in Klinik und Praxis eine Rolle spielen. Die Parasiten, die Haut
und innere Organe befallen können, werden durch Phlebotominae
(Sandmücken) übertragen. Die ersten Exemplare dieser Insekten wurden
bereits 1999 im Südwesten Deutschlands nachgewiesen, wahrscheinlich gibt
es sie jedoch dort schon länger. Zwischen 1991 und 2007 gab es
mindestens elf Fälle eines in Deutschland erworbenen Leishmaniose bei
Mensch und Tier. Wenn die inneren Organe befallen sind, verläuft die
Leishmaniose ohne Therapie fast immer tödlich.

Der Klimawandel begünstigt nach Einschätzung der Experten
aber auch die Ausbreitung von heimischen Zecken. In Deutschland sind sie
bereits heute Überträger der Lyme-Borreliose und der
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die FSME, die lange nur in
Süddeutschland verbreitet war, hat inzwischen auch den Norden erreicht.

C. J. Hemmer et al.:
Mücken und Zecken als Krankheitsvektoren: der Einfluss der Klimaerwärmung.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2018; 143 (23); S. 1714–1722

Magnetkugeln statt Elektroden

Gehirnstimulation: Magnetkugeln statt Elektroden

Nanopartikel ins Gehirn injiziert – Hilfe bei Parkinson, Alzheimer und Co

Gehirnstimulation: Nanopartikel statt Elektroden genutzt (Foto: web.mit.edu)
Gehirnstimulation: Nanopartikel statt Elektroden genutzt (Foto: web.mit.edu)

Cambridge (pte007/13.03.2015/10:30) –

Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) http://web.mit.edu haben mit winzigen vibrierenden Partikeln ein neues Verfahren zur
Stimulierung des Gehirns entwickelt. Dieses Verfahren ist ein neuer
Ansatz der Tiefenhirnstimulation, bei der Elektroden im Gehirn
angebracht werden, die rasche Impulse schwachen elektrischen Stroms
abgeben. Der Ansatz könnte bei Parkinson, Alzheimer, Zwangserkrankungen
und Depressionen helfen.

Aktivierung von Rezeptoren

Das Team um Polina Anikeeva wurde von Proteinen
inspiriert, die dem Menschen ermöglichen, würzige Speisen zu schmecken.
Anikeevas Ziel war es, ohne Elektroden auszukommen und zusätzlich besser
auf bestimmte Gehirnareale abzuzielen. Das Nervensystem des Menschen
ist mit zellulären Rezeptoren übersät. Diese TRPV1-Rezeptoren reagieren
auf Hitze und Schmerz.

Die Wissenschaftlerin fragte sich jedoch, ob diese
Rezeptoren auch anders aktiviert werden können. Laut Anikeeva führen
scharfer Pfeffer und Hitze zu den gleichen Empfindungen auf der Zunge.
Verantwortlich dafür ist das gleiche Protein. Die Experten injizierten
magnetische Nanopartikel in eine bestimmte Gehirnregion von drei Mäusen.
Danach wurden die Gehirne mit niederfrequenten Magnetfeldern
stimuliert.

Diese Felder wurden zuerst in eine Richtung angewendet
und dann in eine andere. Die Nanopartikel gaben Hitze ab, als sie
versuchten, sich wieder an das Feld anzupassen. Diese Hitze wurde von
den TRPV1-Rezeptoren naheliegender Neuronen aufgegriffen. Die Folge
waren eine Aktivierung und die Weitergabe elektrischer Signale.

Langfristiger Nutzen als Ziel

Einem "Science"-Bericht http://sciencemag.org zufolge waren die Nanopartikel auch noch einen Monat später in der
Lage, das Gehirn zu stimulieren. Das Team beobachtet die Tiere derzeit,
um herauszufinden, wie lange dieser Effekt anhält und wie sicher dieses
Verfahren langfristig ist. Die eingesetzten Nanopartikel sind bereits
für den Einsatz bei Patienten zugelassen.

Die Partikel kommen bereits zum Beispiel bei MRT-Scans
oder der Behandlung von Krebs zum Einsatz. Bisher konnten laut Anikeeva
keine Nebenwirkungen festgestellt werden. Das Verfahren soll in Zukunft
dahingehend verbessert werden, dass verschiedene Partikel in
Gehirnregionen injiziert werden können.

Jeder Partikel würde dann auf eine eigene Amplitude und
Frequenz der Schwingungen des Magnetfelds reagieren. Damit würde es
möglich, eine Gehirnregion zu stimulieren und dann eine andere. Ziel ist
es, die Auswirkungen zu erforschen. Ludvic Zrinzo vom University
College London zufolge sind diese Möglichkeiten vielversprechend.

Zrinzo ist jedoch skeptisch, ob die
Tiefenhirnstimulation ersetzt werden kann. Bei der Injektion von
Partikeln in das Gehirn handle es sich zudem immer noch um einen
Eingriff. Zusätzlich handle es sich bei der Tiefenhirnstimulation um ein
sehr einfaches Verfahren. "In der klinischen Praxis sind es gerade die
einfachen Ansätze, die häufig am besten funktionieren."

Übergewicht fördert Nierenkrebs – vor allem bei Frauen

Einfluss des Körpergewichts erneut bestätigt

Potsdam (pte/16.08.2005/09:50) – Frauen mit starkem Übergewicht haben –
unabhängig von der Köperfettverteilung – ein um 68 Prozent erhöhtes
Risiko, an Nierenkrebs (Nierenzellenkarziom) zu erkranken. Bei
übergewichtigen Männern steigt das Risiko einer Nierenkrebserkrankung
nicht, allerdings spielt bei ihnen die Köperfettverteilung, vor allem
die Größe des Taillenumfangs, eine wichtige Rolle. Zu diesem Ergebnis
kommt die europaweite EPIC (European Prospective Investigation into
Cancer an Nurtrition)-Studie, an der Epidemiologen des Deutschen
Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DifE)
http://www.dife.de maßgeblich beteiligt sind.

In der Studie untersuchten die Wissenschaftler 348.550 Personen aus
acht europäischen Ländern. Der Frauenanteil der Gruppe betrug 68
Prozent. Es wurden Daten zu Körpergröße, Körpergewicht, Body Mass Index
(BMI) sowie Taillen- und Hüftumfang erhoben. Die Analyse der Daten
basiert auf einer sechsjährigen Nachbeobachtungszeit in der 287
Personen neu an Nierenkrebs erkrankten. Das Ergebnis zeigt, dass bei
Frauen nur das Körpergewicht an sich, bei Männern aber die Art der
Körperfettverteilung bei der Erkrankung eine Rolle spielt. Danach haben
Männer mit geringem Hüft- und größerem Taillenumfang im Vergleich zu
gleichgewichtigen Männern ein höheres Risiko, an Nierenkrebs zu
erkranken.

"Welche Mechanismen den beobachteten Zusammenhängen zwischen
Körpergewicht, Körperfettverteilung und Nierenkrebs zu Grunde liegen
und warum das Geschlecht einen so wesentlichen Einfluss auf das
Krebsrisiko hat, ist noch nicht eindeutig geklärt", so Professor
Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie. Ältere Studien haben bereits
einen Zusammenhang zwischen hohem Übergewicht und einem erhöhten
Nierenkrebsrisiko nachweisen können, allerdings waren die bisherigen
Ergebnisse bezüglich geschlechtsspezifischer Unterschiede nicht
eindeutig. Außerdem waren nur zwei Studien bekannt, die sich nicht nur
mit dem Einfluss des Körpergewichts sondern auch mit der Verteilung des
Körperfetts beschäftigten.

Diabetesbedingte Sterblichkeit in Deutschland dramatisch hoch

Diabetesbedingte Sterblichkeit in Deutschland dramatisch hoch

Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert gesundheitspolitische Maßnahmen


Berlin
– Gut ein Fünftel aller Todesfälle in Deutschland geht aller
Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto von Diabetes mellitus. Das ist das
Ergebnis einer Studie des Deutschen Diabeteszentrums (DDZ), die
kürzlich in der Fachzeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlicht worden
ist. In der Konsequenz richtet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
einen dringenden Appell an die politisch Verantwortlichen, zügig
wirkungsvolle Maßnahmen zur Verhältnisprävention umzusetzen. Hierzu
gehören beispielsweise die Mehrwertsteuerbefreiung für gesunde
Lebensmittel sowie der „Nationale Diabetesplan“ zur Verbesserung der
medizinischen Versorgung.

Bislang
gab es nur Schätzungen zur diabetesbedingten Sterblichkeit in
Deutschland, da umfangreiche Patientendaten fehlten. Doch seit 2014
stehen Wissenschaftlern Routinedaten der Gesetzlichen Krankenkassen zur
Verfügung, die etwa 90 Prozent der deutschen Bevölkerung abbilden. Sie
wurden jetzt erstmals ausgewertet und zeigen: Jeder fünfte Todesfall ist
mit Diabetes assoziiert. „Das sind fast zehnmal mehr Menschen als
bislang angenommen“, kommentiert DDG Präsident Professor Dr. med. Dirk
Müller-Wieland die neuen Erkenntnisse.

Aufgrund
der dramatischen Zahlen fordert die DDG wirksame gesundheitspolitische
Maßnahmen. Dazu gehört ein gestuftes Mehrwertsteuersystem für
Lebensmittel – ungesunde Produkte mit einem hohen Anteil an Zucker, Fett
und Salz sollten teurer werden, gesunde Lebensmittel wie Obst und
Gemüse hingegen von der Mehrwertsteuer befreit werden. Zudem sollte die
Politik ein Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde
Lebensmittel erlassen, verbindliche Standards für eine gesunde
Schulverpflegung und täglich mindestens eine Stunde Bewegung in Kitas
und Schule einführen. „Diese Maßnahmen würden bewirken, dass künftig
immer weniger Menschen an Diabetes erkranken. Das wiederum würde auch
das Gesundheitssystem Deutschlands massiv entlasten", betont DDG
Geschäftsführerin Barbara Bitzer.

Darüber
hinaus fordert die DDG einen „Nationalen Diabetesplan“ für Deutschland.
Die darin aufgeführten Ansatzpunkte zielen auf eine bessere
medizinische Versorgung für Menschen mit Diabetes durch adäquate
Medizinerausbildung und -weiterbildung, eine flächendeckende Versorgung
durch niedergelassene Allgemein- und Fachärzte, eine angemessene
Behandlung und Pflege im Krankenhaus sowie moderne Medikamente und ein
deutschlandweites Diabetesregister. „Damit könnten wir das dramatische
Sterblichkeitsrisiko von Diabetespatienten wirksam reduzieren“, so
Bitzer. Zudem müsse der Beruf der Diabetesberater(in) staatlich
anerkannt werden.

„Die
schockierenden Studienergebnisse zeigen einmal mehr, dass die Politik
jetzt dringend gegensteuern muss, um die Erkrankungszahlen deutlich zu
reduzieren und die Lebenserwartung von Diabetespatienten zu erhöhen“,
bekräftigt auch Professor Seufert von der Abteilung für Endokrinologie
und Diabetologie des Universitätsklinikums Freiburg, zugleich Sprecher
der Kommission Versorgungsforschung und Register sowie Vorstandsmitglied
der DDG, den Maßnahmenkatalog.


Eiweißmangel fördert Gebrechlichkeit im Alter

Risiko Sarkopenie: Eiweißmangel fördert Gebrechlichkeit im Alter

Düsseldorf
� Viele ältere Menschen sind mangelernährt: Nach aktuellen Studien
trifft das auf jeden zweiten Krankenhauspatienten über 75 Jahre bei
seiner Aufnahme zu. Gleiches gilt für zwei Drittel der Bewohner von
Altenpflegeeinrichtungen. Die Folge kann ein Verlust an Muskelmasse
sein, der Gebrechlichkeit begünstigt und das Risiko von Stürzen und
Verletzungen erhöht. Ein Experte rät daher im Vorfeld der MEDICA
EDUCATION CONFERENCE 2015 zu einer eiweißreichen Kost für ältere
Menschen, die zusammen mit sportlicher Aktivität den Muskelaufbau
fördern kann.

Eine
gewisse Abnahme der Muskelmasse ist im Alter unvermeidlich. Schon ab
dem 50. Lebensjahr büßt der Mensch im Durchschnitt etwa 1 bis 2 Prozent
seiner Muskelmasse pro Jahr ein. Bei vielen Senioren kommt es jedoch zu
einem übermäßigen Verlust, den Ernährungsexperten als Sarkopenie
bezeichnen. Besonders häufig betroffen sind Bewohner von Pflegeheimen.
�Unsere Untersuchungen zeigen, dass jeder vierte Pflegeheimbewohner
unter einer Sarkopenie leidet�, berichtet Professor Dr. med. Cornel
Sieber, Mitglied im Programmkomitee der MEDICA EDUCATION CONFERENCE für
den Bereich Geriatrie. Vielen Senioren sei der Mangel nicht anzusehen,
da die Fettmasse parallel zum Muskelverlust zunehme.

�Der
Rückbau der Skelettmuskulatur führt dazu, dass die Senioren immer
schwächer werden und zunehmend nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag
zu bewältigen�, erläutert Professor Sieber, der in diesem Zusammenhang
von einem Frailty-Syndrom spricht. Die Ursache liege nicht nur in der
fehlenden körperlichen Aktivität. �Viele ältere Menschen nehmen zu wenig
Eiweiß mit der Nahrung zu sich�, so Professor Sieber, Leiter des
Instituts für Biomedizin des Alterns der Universität Erlangen-Nürnberg.
Hinzu käme, dass ältere Menschen oft einen höheren Eiweißbedarf haben.
Akute und chronische Erkrankungen, aber auch die im Alter erhöhte
Entzündungsaktivität greifen laut dem Experten die Eiweißreserven an.
Auch nach Verletzungen oder Operationen sei der Eiweißbedarf erhöht.

Ernährungsexperten
raten deshalb älteren Menschen zu einer erhöhten Eiweißzufuhr. Während
jüngere Menschen 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Ko�rpergewicht am Tag
benötigen, sollten Senioren 1,0 bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm
Ko�rpergewicht aufnehmen. Für einen normalgewichtigen Senioren sind dies
25 bis 30 Gramm pro Mahlzeit. Damit das Eiweiß in den Muskel eingebaut
wird, rät Professor Sieber zu körperlichem Training. Soweit der
Gesundheitszustand der Senioren es zulasse, sollten sie sich 30 Minuten
am Tag bewegen. Besonders günstig für den Muskelaufbau sei ein
Krafttraining, das die Senioren 2 bis 3 Mal die Woche fu�r 10 bis 15
Minuten durchführen. Auch der Zeitpunkt der Eiweiß-Einnahme ist von
Bedeutung. �Am besten ist es, wenn eine protein-reiche Nahrung nach dem
Training aufgenommen wird, da dann der Muskelaufbau primär stattfindet�,
sagt Professor Sieber. Die meisten Senioren könnten ihren Proteinbedarf
über die Ernährung decken. Neben Fleisch sind Quark und Hartkäse gute
Eiweißlieferanten. In selteneren Fällen � wenn eben eine ausreichende
Proteinzufuhr nicht mit der üblichen Nahrung erfolgen kann � könnten
nach Einschätzung des Experten Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.
Vor allem die Aminosäure Leucin wirke sich günstig auf den Muskelaufbau
aus.

Eine
Umstellung der Ernährung sollte bevorzugt unter fachlicher Beratung
erfolgen, betont Professor Sieber, da nicht alle Senioren eine
eiweißreiche Kost vertragen. Vorsicht geboten sei aber einzig bei
Menschen mit stark reduzierter Nierenfunktion, da eine hohe Eiweißzufuhr
hier das Fortschreiten der Erkrankung fördern kann.

Im
Symposium zur Ernährungsmedizin im Alter der MEDICA EDUCATION
CONFERENCE erörtern Experten am Thementag Geriatrie, Palliativ- und
Ernährungsmedizin am 18. November, wie weitere relevante
Therapieschritte aussehen und was sinnvolle Ergebnisparameter sein
können. Auch Aspekte des Screenings und Assessments einer
Mangelernährung im Alter stehen zur Diskussion. Die interdisziplinäre
Fortbildungsveranstaltung MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015 findet vom
16. bis 19. November in Düsseldorf statt, zeitgleich zur Weltmesse für
Medizintechnik MEDICA. Die Laufzeit erstreckt sich erstmals von Montag
bis Donnerstag. Weitere Informationen unter www.medica.de/mec1 und
www.medica.de.

Innovative Materialien für Krebsdiagnostik

Innovative Materialien für Krebsdiagnostik und Computerindustrie:
Dresdner Helmholtz-Zentrum erhält zwei Virtuelle Institute der
Helmholtz-Gemeinschaft

Innovative Nanomaterialien für die Krebsdiagnostik und lernfähige
Werkstoffe für nicht-flüchtige Computer-Arbeitsspeicher diese
Forschungsthemen stehen im Mittelpunkt von zwei neuen Virtuellen
Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft, die unter Leitung des
Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit nationalen
und internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen aufgebaut
werden. Das HZDR beteiligte sich gleich mit zwei Anträgen erfolgreich an
der fünften Ausschreibungsrunde von Helmholtz Virtuellen Instituten.
Sie werden aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds der
Helmholtz-Gemeinschaft finanziert.

Vergiftung durch den Verzehr von Tropenfisch

Vergiftung durch den Verzehr von Tropenfisch in Deutschland

fzm, Stuttgart, Februar 2015 – Eine Vergiftung
durch tropische Fischgerichte ist auch in Deutschland möglich. Mit
Fischsorten wie Roter Schnapper oder Barracuda kann ein hitze- und
kältebeständiges Gift auf deutsche Teller gelangen. Wegen der
ungewöhnlichen Krankheitszeichen wird die Ciguatera genannte
Fischvergiftung selten erkannt und noch seltener den
Giftinformationszentren gemeldet, berichten Experten in der
Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme
Verlag, Stuttgart. 2015).

Das Toxin, das in tropischen Fischen enthalten sein kann, ist
weder durch Geschmack, Beschaffenheit oder Geruch erkennbar, noch kann
es durch Hitze oder Kälte zerstört werden, erläutert Professor Katharina
Zimmermann, Heisenbergprofessorin für Experimentelle Schmerzforschung
an der Anästhesiologischen Klinik der Universitätsklinik Erlangen. In
gefrorenem Fisch sei es quasi unbegrenzt haltbar.

Damit können vergiftete Fische auch auf deutsche Speiseteller
gelangen. Wer sich also einen Roten Schnapper, Barracuda oder einen
anderen tropischen Raubfisch servieren lässt, kann erkranken. Das Gift
wird nicht vom Fisch, sondern von Algen gebildet, die in Riffen
verbreitet sind und von den Fischen gefressen werden. In der
Nahrungskette reichert sich das Gift an, weshalb Raubfische häufiger
belastet sind. Bei Menschen reichen schon geringste Mengen von 0,1
Mikrogramm pro Kilogramm Fisch aus, um zu erkranken.

In tropischen Regionen ist Ciguatera überall dort häufig, wo
es Korallenriffe gibt. Im indischen und pazifischen Ozean, aber auch in
der Karibik kommt es immer wieder zu Epidemien, erklärt Professor
Zimmermann. In Deutschland werde die Erkrankung erstaunlich selten
diagnostiziert, so die Expertin. In der Vergangenheit waren meistens
Tropenurlauber betroffen. Doch als sich im November 2012 mehrere
Menschen bei den Gesundheitsbehörden oder regionalen
Giftinformationszentren meldeten, die nicht in den Tropen gewesen waren,
hakte Professor Zimmermann nach. Eine Umfrage unter 20 Betroffenen
ergab, dass alle Roten Schnapper verzehrt hatten. Alle Fische waren von
demselben Großhändler importiert und deutschlandweit verkauft worden.

Professor Zimmermann vermutet, dass mehr als die bekannt
gewordenen 20 Menschen erkrankt waren. Durch die Nachwirkungen
unterscheide sich Ciguatera von einer gewöhnlichen Fischvergiftung. Von
Durchfall, Übelkeit und Erbrechen erholen sich die Patienten meistens
nach wenigen Tagen. Es bleibe aber häufig ein unklares Schwächegefühl,
begleitet von einer geringen Belastbarkeit und einer leichten
Ermüdbarkeit, die ein Jahr lang anhalten kann. Typisch für Ciguatera
sind zudem Juckreiz und ein brennender Schmerz im Zusammenhang mit
Abkühlung der Haut.

Die Expertin führt die Symptome auf eine Schädigung der
sensiblen Nerven zurück, die Tast- und Temperaturreize ans Gehirn
übermitteln. Die Toxine lösen hier eine Überempfindlichkeit aus, die
über mehrere Monate anhalten kann. Um eine chronische Ciguatera zu
vermeiden, rät Professor Zimmermann den Betroffenen, zunächst auf
Alkohol und Kaffee zu verzichten. Auch starke körperliche Aktivitäten
und Tätigkeiten, die eine Dehydrierung begünstigen, sollten sie
vermeiden, ebenso erneuten Fischkonsum. Denn wer bereits einmal an
Ciguatera erkrankt ist, reagiert bei einer erneuten Vergiftung in der
Regel sehr viel empfindlicher.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt. Eine Infusion mit
Mannitol, einem Zuckeraustauschstoff, kann die Spätsymptome lindern,
wenn es in den ersten drei Tagen, besser aber noch am ersten Tag
durchgeführt wird. Colestyramin, ein Austauschharz, das bei Gallenleiden
den Juckreiz abmildert, wirke manchmal auch bei Ciguatera. Ein
Plasmaaustausch, der das Gift aus dem Blut entfernt, komme nur in sehr
seltenen, lebensbedrohlichen Fällen infrage.

K. Zimmermann et al.:

Vergiftung durch Tropenfisch: Ciguatera-Epidemie in Deutschland

DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2015; 140 (2); S. 125-130

Weltrat der Weisen kritisiert Gesundheitssystem

pts20181130009 Medizin/Wellness, Politik/Recht

Weltrat der Weisen kritisiert unser derzeitiges Krankmachsystem: "Krankheit ist gut und bringt allen Geld"

Weltrat: "Medizin muss sich verändern und Ärzte sollten nur nach Gesundheit bezahlt werden"

Bergisch Gladbach (pts009/30.11.2018/09:30) – Es
läuft vieles schief in dieser unserer Welt. Eine große Zahl der
hochkarätigsten und bekanntesten Wissenschaftler dieser Erde hat sich im
Sommer 2018 zum "The World’s Council of Wise People" (Weltrat der
Weisen) formiert, um virulente Probleme klar anzusprechen und für
gesellschaftliche und politische Veränderungen zu sorgen. "Denn die Zeit
drängt und verlangt nach neuen Lösungen für unsere Gesellschaft", so
Michael Weber, der ehrenamtliche Assistent dieses Wissenschaftsrates,
bei dem der berühmte Club of Rome Pate stand.

"Vor allem unser Gesundheitssystem, oder sollte man besser sagen unser
Krankheitssystem, bedarf eines grundlegenden und radikalen Umdenkens. Es
muss schon vor einer Erkrankung eingegriffen werden und unsere Ärzte
sollte man überwiegend für die Gesunderhaltung bezahlen und nicht für
das punktuelle Reparieren von Fehlfunktionen", so eine der drastischen
Forderungen des Weltrates der Weisen, dem auch solche prominenten
Persönlichkeiten angehören wie z.B. Bundesministerin a. D. Prof. Dr. Dr.
hc. mult. Ursula Lehr, Biologin Prof. Michaela Döll und der Beirat der
Gesellschaft für Prävention, Prof. Dr. Georg Rudinger.

Wobei der Rat auch auf den Erkenntnissen so angesehener und
weltbekannter Wissenschaftler fußt, wie etwa des Evolutionsbiologen
Prof. Richard Dawkins und des – leider verstorben – Prof. Stephen
Hawking. Der Anspruch des Weltrates ist hoch: "Wir wollen die Welt für
unsere Kinder zu einer besseren machen." Eine Auflistung des
Forderungskataloges des Weltrates und seiner aktiven sowie
berücksichtigten Wissenschaftler findet man auf: http://www.ratderweisen.net

Alte Glaubensdämme müssen vom Weltrat der Weisen niedergerissen
werden, um in Zukunft ein neues und besseres "Gesundheitssystem"
entstehen zu lassen, das diesen Namen auch verdient

Wie sehr unser aktuelles "Krankheitssystem" in die Sackgasse führt,
zeigen für Michael Weber gerade die letzten Skandale, die die Auswüchse
im System erst verdeutlichen: "Wie kann es sein, dass in manchen
Krankenhäusern bis zu vier Mal häufiger an den Bandscheiben operiert
wird oder drei Mal mehr Herzkatheter gesetzt werden als in anderen? Die
Antwort: Es ist der wirtschaftliche Druck, gute OP-Zahlen zu schreiben
und die Auslastung der Kliniken zu erhöhen. Und warum werden bei uns
jetzt im Herbst und Winter noch immer so massenhaft Antibiotika bei
Verkühlungen und Grippe verschrieben, obwohl eine klassische Grippe
durch Viren hervorgerufen wird. Antibiotika dürfen nur verwendet werden,
um bakterielle Infektionen zu behandeln und sind bei Viren oder Pilzen
absolut wirkungslos. Die Antwort auch hier: Antibiotika bringen enorme
Umsätze. Die Folge: es kommt bei immer mehr Erregern zu Resistenzen
gegen Antibiotika, die dann aber bei bestimmten Erkrankungen zu einem
wirklich lebensbedrohlichen Problem für die Patienten werden. Und denkt
man an den Skandal mit den Implantaten, dann gilt: Je mehr schief geht,
desto mehr Geld wird verdient, denn auch das Entfernen ungeeigneter
Implantate wird gut bezahlt. Da wollen wir aufklären und Fehlanreize
ändern durch einen vollständigen Umbau des maroden Systems."

Die bekanntesten Wissenschaftler der Welt wollen nicht länger schweigen

"Der Weltrat wird kein Blatt vor den Mund nehmen und sich dort zu Wort
melden, wo es nötig ist, um unsere Kinder und Enkel vor einem
Zukunftsdesaster zu bewahren", so Weber. Und zum Beispiel Prof. Manfred
Mertins. Auch er weiß, wovon er spricht, denn er hat sich lange Jahre
mit den Risiken der Atomenergie befasst und dabei die Vorteile von
konsequenter Prävention erkannt. "Derzeit versucht der Mensch, immer
erst nach einer Katastrophe zu reagieren. Auch im Gesundheitssektor."
Erst jetzt kommt es langsam zu einem Umdenken bei Problem-Fetten wie
gehärteten beziehungsweise Transfetten, Salz und Zucker in Lebensmitteln
und es wurden viel zu spät Verbote für Tabak verabschiedet. Dabei sind
in den letzten Jahren nachweislich Millionen Menschen an schlechten
Lebensmitteln und am Rauchen gestorben. Weber: "Wir wollen auch der
Nahrungs-Industrie diejenigen politischen Rahmenbedingungen und Anreize
geben, die sie braucht, um mit guten und gesunden Produkten langfristig
mehr zu verdienen als mit krankmachenden. Der Fokus muss in allen
Bereichen auf Vorsorge und Prävention liegen, damit es nicht zu
Massendiabetes kommt und Krebs eine Seuche wird. Das will der Weltrat
durch Aufklärung, Diskussion in den Medien und Beratung von Regierungen
bis UNO verhindern."

Hochenergetischer Ultraschall hilft auch Leberkrebs zu behandel

Hoch-intensiver fokussierter Ultraschall

Hoffnung im Kampf gegen primären Leberkrebs: Tumoren vielversprechend therapieren

Berlin
– Etwa 9000 Menschen erkranken hierzulande pro Jahr an primärem
Leberkrebs – und die Zahl der Betroffenen ist in den vergangenen Jahren
stark angestiegen. Häufig wird das sogenannte hepatozelluläre Karzinom
(HCC) eher spät erkannt und kann dann nicht mehr operativ entfernt
werden. Dann bietet der hoch-intensive fokussierte Ultraschall (HIFU)
eine effektive Möglichkeit, das Karzinom zu behandeln. Der Vorteil: HIFU
ist die gesundheitsschonendste Methode dafür und mit ihm können – im
Gegensatz zu anderen Verfahren – auch Tumoren in gefährlicher Nähe zu
Gefäßen behandelt werden. Wie HIFU funktioniert und welche Patienten
davon profitieren können, erläutern Experten der Deutschen Gesellschaft
für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) auf einer Pressekonferenz am
Mittwoch, den 5. Dezember in Berlin.

Der
primäre Leberkrebs entsteht in der Leber selbst, im Gegensatz zum
sekundären Leberkrebs (Metastasen), der seinen Ursprung in anderen
Organen hat. Da der primäre Leberkrebs im frühen Stadium nur selten
Symptome verursacht, wird er oft erst spät entdeckt. Doch dann ist der
Tumor häufig nicht mehr operabel. „Sofern das Karzinom nicht zu groß
ist, ist der fokussierte Ultraschall für Leberkrebs-Patienten eine
effektive Methode das Volumen gezielt zu verkleinern“, sagt
DEGUM-Experte Professor Dr. med. Holger Strunk, Oberarzt der
Radiologischen Universitätsklinik Bonn. „Ein großer Vorteil ist, dass
sehr genau gearbeitet werden kann und auch Tumoren in der Nähe von
Gefäßen behandelt werden können.“ Denn bei dem therapeutischen
Ultraschallverfahren müssen keine Nadeln, Sonden oder ähnliches
eingebracht werden. Daher besteht auch keine Gefahr einer Blutung oder
der Tumorzellverschleppung, wie sie bei anderen Maßnahmen durch den
Stichkanal vorkommen kann.

Im
Gegensatz zum diagnostischen Ultraschall werden beim HIFU viel höhere
Energien erzeugt. Die Ultraschallwellen sind hier gebündelt und können
exakt auf ein nur wenige millimetergroßes Gebiet fokussiert werden. „Es
entstehen Temperaturen von bis zu 80 Grad Celsius, wodurch Tumorzellen
effektiv abgetötet werden“, erläutert Strunk.

In
internationalen – etwa in chinesischen – Studien konnte der Nutzen des
HIFU-Verfahrens beim primären Leberkrebs bereits nachgewiesen werden.
Und die deutsche Gesundheitspolitik hat verstärkt einen Fokus darauf
gelegt: So hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ein
Bewertungsverfahren für den Einsatz des HIFU-Verfahrens zur gezielten
Behandlung des nicht-operablen hepatozellulären Leberzellkarzinoms
durchgeführt. Der G-BA kommt dabei zu dem Ergebnis, dass „der Nutzen
dieser Methode als noch nicht hinreichend belegt anzusehen“ ist, sie
aber „das Potenzial einer erforderlichen Behandlungsalternative“ bietet.
Die DEGUM begrüßt diese Erkenntnis. „Nun sollten hierzulande klinische
deutsche Studien durchgeführt werden, die den Nutzen der Methode auch
bei kaukasischen Patienten belegen“, meint Strunk.

Die
DEGUM fordert vom G-BA, den Stellenwert des HIFU-Verfahrens bei anderen
Erkrankungen – etwa bei Lebermetasen – weiter zu überprüfen. „Hier hat
der G-BA bisher noch keinen Nutzen erkannt – mit der Begründung, dass
dazu noch keine ausreichenden Studien vorliegen“, so der Experte. „Doch
nur weil derzeit dazu keine unseren Qualitätsstandards entsprechenden
Untersuchungen vorliegen, kann man diese doch nicht a priori
ausschließen.“ So habe die Praxis gezeigt, dass einige Patienten auch
bei der Behandlung von Lebermetastasen vom HIFU-Verfahren profitieren.

Wie entsteht Leberkrebs?

Ein
relevanter Risikofaktor für die Entstehung von primärem Leberkrebs ist
eine Leberzirrhose, die auch als „Schrumpfleber“ bekannt ist. Dabei
handelt es sich um eine schwere Leberschädigung, die häufig durch
jahrelangen Alkoholmissbrauch entsteht. Auch Personen, die an einer
dauerhaften Leberentzündung – also an einer Hepatitis-Erkrankung –
leiden, haben ein deutlich erhöhtes Risiko an einem Leberkarzinom zu
erkranken. Ein weiterer relevanter Faktor ist die Fettleber, die etwa
durch erhöhten Alkoholkonsum, Diabetes mellitus und starkes Übergewicht
entstehen kann.

Quelle:

Beschluss des G-BA: https://www.g-ba.de/downloads/40-268-4254/2017-03-16_137h_BVh-16-002_USgHIFU-hepatozellulaeres-Karzinom_TrG.pdf