Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Endlich Nichtraucher mithilfe des Hausarztes

Endlich Nichtraucher mithilfe des Hausarztes

fzm, Stuttgart, Februar 2014 – Ärzte können Menschen, die das Rauchen aufgeben wollen, effektiv unterstützen. In einer Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014) veröffentlicht wurde, schaffte es fast jeder zweite Patient, auf Zigaretten zu verzichten. Geholfen hat ihnen eine Nikotinersatztherapie und eine strukturierte ärztliche Beratung.

Die Mehrheit der Raucher ist nach Einschätzung von Dr. Andreas Jähne vom Universitätsklinikum Freiburg tabakabhängig. Sie schaffen es aus eigenem Antrieb in der Regel nicht, dauerhaft auf Zigaretten zu verzichten, obwohl jeder fünfte es mindestens einmal im Jahr versucht. Hausärzte sind nach Ansicht des Experten gute Ansprechpartner für Menschen, die das Rauchen aufgeben möchten. Denn die meisten Raucher haben einen Hausarzt, und 80 Prozent suchen ihn mindestens einmal im Jahr auf.

Jähne sieht darin eine gute Gelegenheit, das Thema Rauchen anzusprechen. Schließlich sei die Kombination aus ärztlicher Beratung und medikamentöser Unterstützung die derzeit effektivste Methode in der Tabakentwöhnung. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Nur wenige Hausärzte bieten derzeit ihre Unterstützung zum Rauchausstieg an. Dr. Jähne führt dies darauf zurück, dass den Ärzten pro Patient nur wenig Behandlungszeit zur Verfügung stehe. Viele fürchteten eine langwierige Beratung, die sich letztlich für sie wirtschaftlich nicht lohne.

Deshalb hat Dr. Jähne jetzt ein neues, speziell auf die ärztliche Beratung zugeschnittenes Tabakentwöhnungsprogramm getestet. Das von Johnson & Johnson, einem Hersteller von Nikotinersatzpäparaten, gesponserte Projekt ist laut Dr. Jähne die erste Raucherentwöhnung, die sich speziell an den Bedürfnissen der Hausärzte orientiert. Sie gibt den Ärzten einen Gesprächsleitfaden an die Hand, mit dem sie aufhörbereite Raucher erkennen und wirkungsvoll unterstützen können. Das Tabakentwöhnungsprogramm ist für Ärzte verschiedener Fachrichtungen kostenfrei zugänglich. Es schlägt bis zu fünf kurze Beratungstermine vor, kombiniert mit einer Therapie über zwölf Wochen. Die Ärzte können heute verschiedene Medikamente anbieten. Am häufigsten eingesetzt werden Nikotinersatzpräparate.

Dr. Jähne hat untersucht, ob die Ärzte das Programm erfolgreich in ihren Praxisalltag integrieren können. Insgesamt 44 Mediziner und 184 Patienten nahmen an der Studie teil. Die meisten Patienten waren langjährige Raucher, ein Drittel benötigte mehr als 20 Zigaretten am Tag. Zwei Drittel hatten Begleiterkrankungen, die häufig auf das Rauchen zurückzuführen waren. Die Patienten waren – nach im Durchschnitt drei früheren vergeblichen Versuchen – hoch motiviert. Mehr als 80 Prozent verwendeten die nikotinhaltigen Pflaster, Kaugummis, Inhaler oder Microtabs über die vorgesehene Zeit. Nach Abschluss der Therapie, etwa zwölf Wochen nach Rauchstopptag, waren 89 von 184 Patienten oder gut 48 Prozent kontinuierlich rauchfrei, berichtet Dr. Jähne. Die Mehrheit der Studienpatienten und der Ärzte bewertete das Tabakentwöhnungsprogramm als hilfreich.

Die hohe Abstinenzquote – sie übertrifft die Ergebnisse anderer Studien – führt Dr. Jähne auf die kontinuierliche Einzelbetreuung durch den Hausarzt zurück. Die verordneten Nikotinersatzpräparate waren gut verträglich und die Patienten hoch motiviert, schreibt der Experte, der sich für eine flächendeckende Umsetzung der Tabakentwöhnung beim Hausarzt ausspricht. Die Tabakentwöhnung beim Hausarzt scheitere heute daran, dass die Ärzte nicht ausreichend für ihre Bemühungen honoriert würden und die Patienten die Kosten für die Nikotinersatztherapie selbst tragen müssen. So mussten die Teilnehmer der Studie für die Medikamente insgesamt 260 Euro aufwenden. Der Autor weist zudem darauf hin, dass die Ergebnisse dieser Studie noch unter strengeren methodischen Bedingungen und mit größeren Fallzahlen überprüft werden sollten.

A. Jähne et al.:

Hochdruckmedikamente nicht für Potenzstörungen verantwortlich

Hochdruckmedikamente nicht für Potenzstörungen verantwortlich

Heidelberg
– Viele Männer mit Bluthochdruck leiden unter einer erektilen
Dysfunktion. Sie wird anders als häufig angenommen, im Allgemeinen nicht
durch die Medikamente ausgelöst. Die Potenzstörungen sind nach
Einschätzung der Deutschen Hochdruckliga eher Folge weiterer
Gesundheitsstörungen, zu denen bei vielen betroffenen Männern nicht nur
der Bluthochdruck gehört. Eine aktuelle Studie bestätigt diese
Vermutung.

Viele
Patienten machen die Hochdruckmedikamente für ihre nachlassende
Erektionsfähigkeit verantwortlich. Tatsächlich gab es in der
Vergangenheit Berichte, nach denen einige Wirkstoffe die Potenz
vermindern. „Im Verdacht standen vor allem Betablocker und Diuretika,
aber auch für Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer und AT1-Blocker gab es
Hinweise“, berichtet DHL® Vorstandsvorsitzender Professor Dr. med. Bernhard Krämer von der Universitätsmedizin Mannheim. Auch die DHL® hatte auf ihren Internetseiten auf die Problematik hingewiesen.

Inzwischen
gibt es jedoch neue Erkenntnisse, die ein erfreulicheres Bild zeichnen.
„Wir sind heute zuversichtlich, dass zumindest die Mehrzahl der
Hochdruckmedikamente die männliche Potenz nicht gefährden“, so Professor
Krämer. Zu der gleichen Einschätzung gelangt eine aktuelle Analyse der
HOPE-3-Studie. Die Studie hatte die Wirksamkeit von zwei
Blutdruckmedikamenten (dem AT1-Blocker Candesartan und dem Diuretikum
Hydrochlorothiazid) und einem Cholesterinsenker (Rosuvastatin) bei mehr
als 12.000 Menschen untersucht. Diese hatten neben einem erhöhten
Blutdruck noch weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Das konnten neben einem erhöhten Cholesterin ein gestörter
Blutzuckerstoffwechsel, Übergewicht und/oder Rauchen sein.

„Die
Studie spiegelt gut wieder, was Ärzte alltäglich in der Praxis sehen“,
sagt Professor Krämer, „Bei den meisten der Patienten ist nicht nur der
Blutdruck zu hoch, sondern auch Blutfette, Blutzucker und
Körpergewicht.“ Eine weitere Komponente dieses sogenannten metabolischen
Syndroms kann bei Männern eine erektile Dysfunktion sein.

2153
männliche Teilnehmer der HOPE-3-Studie, die zu Beginn der Studie
durchschnittlich 61,5 Jahre alt waren und wovon 58 Prozent eine erektile
Dysfunktion aufwiesen, wurden untersucht. Die Analyse, die kürzlich im
Canadian Journal of Cardiology (2018; 34: 38-44) veröffentlicht wurde,
hatte untersucht, wie sich die Medikamente auf die Potenz auswirken.

Weder
unter der Behandlung mit den Hochdruckmedikamenten noch mit dem
Cholesterinsenker kam es häufiger zum Auftreten einer neuen erektilen
Dysfunktion als in den Vergleichsgruppen, in denen die Patienten nur
Placebos erhalten hatten. „Aufgrund der Größe der Studie und der
Behandlungsdauer von 5,6 Jahren, bestätigen die Ergebnisse unsere
Erfahrung, dass eine Blutdrucksenkung durch Hochdruckmedikamente im
Allgemeinen keine Potenzstörungen auslöst“, sagt Professor Trenkwalder,
Stellvertretender DHL® Vorstandsvorsitzender. Dies trifft
insbesondere für die hier untersuchte Kombination
AT1-Blocker/Thiaziddiuretikum zu, aber aufgrund früherer Untersuchungen
wohl auch für ACE-Hemmer, andere AT1-Blocker und Kalziumantagonisten.
Ohne negative Effekte scheinen auch selektive Betablocker und der
gefäßerweiternde Betablocker Nebivolol zu sein.

Allerdings
haben die Medikamente das Neuauftreten einer erektilen Dysfunktion auch
nicht verhindert. „Wir hatten natürlich gehofft, dass eine
Normalisierung von Blutdruck und Cholesterin die Patienten genauso vor
einer erektilen Dysfunktion bewahrt, wie sie vor Herzinfarkt und
Schlaganfall schützt“, erklärt der Experte vom Klinikum Starnberg.

„Das
ist natürlich ein enttäuschendes Ergebnis der Studie“, fährt Professor
Trenkwalder fort. Dies bedeutet jedoch nicht, dass den Patienten mit
erektiler Dysfunktion nicht geholfen werden könnte. Viele Patienten
erreichten mit Sildenafil (bekanntestes Präparat Viagra®) und anderen Medikamenten ein befriedigendes Sexualleben.

Wirkstoffe aus Pflanzen: Arbeitsteilung im Bioreaktor

Pflanzen produzieren zahlreiche
Substanzen, die sich bei der Behandlung von Krebs, Alzheimer oder
Parkinson einsetzen lassen. Doch häufig sind die Stoffwechselwege zur
Zielsubstanz so komplex, dass ihre biotechnologische Herstellung wenig
effektiv und kostenintensiv ist. In einem Forschungsprojekt kombinieren
Wissenschaftler des KIT ihre Expertise mit dem technologischen Know-how
der Phyton Biotech GmbH, dem größten Produzenten pharmazeutischer
Inhaltsstoffe mit Pflanzenzellen. Mithilfe eines mikrofluidischen
Bioreaktors aus miteinander gekoppelten Modulen ahmen die
Wissenschaftler komplexes Pflanzengewebe technisch nach, um Wirkstoffe
gegen Krebs oder Alzheimer effektiver und günstiger zu gewinnen als
bislang.

Nach neuesten Schätzungen bilden Pflanzen
etwa eine Million chemische Stoffe, sogenannte Sekundärmetabolite, die
nicht wie etwa Aminosäuren oder Zucker absolut lebensnotwendig sind. In
diesem gewaltigen Pool aus pflanzlicher Produktion schlummert ein wahrer
Schatz aus pharmazeutisch aktiven Substanzen, die zum Beispiel das
Wachstum von Krebszellen hemmen oder die Bildung der für Alzheimer
typischen Plaques im Gehirn verringern. 

Viele dieser kostbaren Inhaltsstoffe können
jedoch nicht synthetisch hergestellt werden. Häufig müssen sie deshalb
direkt aus Wildpflanzen extrahiert und kostenintensiv aufgereinigt
werden. Zudem sind viele dieser Pflanzen selten und bedroht:
Beispielsweise wurde die Pazifische Eibe durch die Entdeckung, dass
Taxol® Krebszellen hemmt, an den Rand der Ausrottung gebracht. „Deshalb
sind biotechnologische Ansätze zur Gewinnung entsprechender Wirkstoffe
von großem Interesse“, sagt Peter Nick, Professor für Molekulare
Zellbiologie am Botanischen Institut des KIT.

Häufig sind die zugrunde liegenden
Stoffwechselwege sehr komplex: Die Substanz von Interesse ist in der
natürlichen Pflanze meist das Produkt einer langen Kette von
Zwischenschritten mit ebenso vielen immer wieder umgewandelten
Zwischenprodukten. Die dafür nötigen chemischen Prozesse finden zudem
auch nicht unbedingt in einer einzigen Pflanzenzelle statt, sondern
können von der Wurzel bis zum Blatt über das gesamte Pflanzengewebe auf
spezialisierte Zelltypen verteilt sein. Phyton konnte vor vielen Jahren
zeigen, dass sich pflanzliche Arzneistoffe wie Taxol® auch
ressourcenschonend und nachhaltig – durch Kultivierung von
Pflanzenzellen im Labor – herstellen lassen.

„Für bestimmte Substanzen gilt jedoch, dass
sie sich weder in einer einfachen Zellkultur noch in gentechnisch
manipulierten Mikroorganismen abbilden lassen, weil die Stoffwechselwege
zu komplex sind“, sagt Peter Nick. „In einem neuen Forschungsprojekt
wollen wir deshalb ein Pflanzengewebe mit unterschiedlichen Zelltypen
technisch nachbilden – mit einem sogenannten mikrofluidischen
Bioreaktor. Dieser besteht aus einer Reihe von Modulen, in denen je ein
Zelltyp kultiviert wird. Die Module sollen über Kanäle miteinander
verbunden sein. Ziel ist es, dass Stoffwechselprodukte eines Zelltyps in
das nächste Modul gelangen und dort weiterverarbeitet werden, ohne dass
sich die unterschiedlichen Zelltypen vermischen. Die Zielsubstanz
könnte dann zum Beispiel aus dem Durchfluss extrahiert und somit
‚geerntet‘ werden.“

Das Projekt wird vom Projektträger Jülich
(PtJ) betreut und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über
zwei Jahre mit 750.000 Euro gefördert. Projektpartner sind das
Botanische Institut, das Institut für Mikrostrukturtechnik (beide KIT)
und das Unternehmen Phyton Biotech GmbH. Zusammen decken die drei
Partner die für das Projekt nötige Expertise komplett ab. Während das
Botanische Institut seine Erfahrung in der molekularen Zellbiologie
pflanzlicher Zellkulturen einbringt, ist das Institut für
Mikrostrukturtechnik für die Entwicklung und Fertigung der
Teilkomponenten der mikrofluidischen Bioreaktoren sowie deren
Mikro-Montage und Verschaltung zu einem funktionsfähigen Gesamtsystem
zuständig. Die Phyton Biotech GmbH als Industriepartner ist weltweit
führend im Bereich Pflanzenzellfermentation und liefert die nötige
Expertise und Infrastruktur, um die Anwendungsmöglichkeiten auf
industriellem Maßstab auszuloten.

„Wir glauben, dass wir in dieser Kooperation
mit den Experten des KIT die Nutzung von kontrolliert kultivierten
Pflanzenzellen auf eine neue Ebene stellen können“, sagt Dr. Gilbert
Gorr, Leiter für Forschung und Entwicklung bei Phyton. „Die
Zugänglichkeit zu weiteren Naturstoffen zu ermöglichen, die bisher nur
unter größten Schwierigkeiten und Kosten produziert werden können, ist
unser gemeinsames Ziel“.

Phyton Biotech ist als Hersteller von
qualitativ hochwertigen aktiven pharmazeutischen Inhaltsstoffen durch
Pflanzenzellfermentation (PCF®)ein weltweiter Lieferant für Paclitaxel
und Docetaxel. Das Unternehmen ist erfolgreich von Behörden wie EDQM,
EMA, FDA, KFDA und TGA inspiziert worden. Neben der Produktion bietet
Phyton auch Entwicklungsdienste für Kunden an. Diese umfassen die
Entwicklung von pflanzlichen Zelllinien und Fermentationsprozessen für
pflanzliche Inhaltsstoffe, aber auch die Entwicklung von
Syntheseprozessen komplexer Substanzen.

Schwindel im Alter: Therapieerfolg dank sorgfältiger Anamnese

Schwindel im Alter: Therapieerfolg dank sorgfältiger Anamnese

Erfurt/Bonn
– Die Umgebung dreht sich oder schwankt hin und her: Mehr als jeder
zehnte Patient sucht innerhalb eines Jahres einen Hausarzt aufgrund von
Schwindelgefühlen auf. Bei den über 70-Jährigen klagt jeder dritte
darüber und sogar jeder zweite Patient der über 80-Jährigen. Schwindel
beeinträchtigt vor allem ältere Menschen in ihrer Lebensqualität und
kann zu sozialem Rückzug führen. Auf der 88. Jahresversammlung der
Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und
Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) diskutieren Experten die Bedeutung der
ausführlichen Anamnese, also einer systematischen Befragung des
Patienten, bei Schwindelgefühlen, für die im Arbeitsalltag oft zu wenig
Zeit bleibt. Denn richtig diagnostiziert, lassen sie sich meist gut
therapieren.

Schwindelgefühle
entstehen dann, wenn die an unserem Gleichgewichtssystem beteiligten
Sinnesorgane – das Gleichgewichtsorgan des Ohres und die zuständigen
Nervenbahnen im Gehirn, die Augen, sowie die Stellungsfühler der
Muskulatur, Sehnen und Gelenke – widersprüchliche Informationen an das
Gehirn senden. „Unsere Balance hängt also stark vom Funktionieren
verschiedener Körpersysteme ab“, erklärt Privatdozent Dr. med. Stefan
Volkenstein, Oberarzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an der
Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und
Hals-Chirurgie an der Ruhr-Universität Bochum im Vorfeld der 88.
Jahrestagung der DGHNO KHC. „Schwindel ist keine eigenständige
Krankheit, sondern ein Symptom ganz unterschiedlicher Erkrankungen.
Diese beeinträchtigen die Körpersysteme, die für unser Gleichgewicht
verantwortlich sind.“ Zu den Ursachen zählen beispielsweise Erkrankungen
im Innenohr, dem Sitz des Gleichgewichtsorgans, Störungen des
Gleichgewichtszentrums im Gehirn, psychische Leiden, aber beispielsweise
auch Abnutzungserscheinungen der Halswirbelsäule im Alter. Diese wirken
sich auf die Gefäße und Nervenbahnen aus, die für das Gleichgewicht
eine Rolle spielen. „Die Therapie des Schwindels ist daher eine
interdisziplinäre Herausforderung“, erklärt der Experte. „Die
Krankheitsbilder fallen hauptsächlich in den Bereich der HNO-Heilkunde,
Neurologie und der Inneren sowie Allgemeinmedizin.“ So vielfältig wie
die Ursachen, sind auch die Formen und die Dauer der Schwindelgefühle.

Häufig
werden Schwindelgefühle und Gangunsicherheit bei älteren Patienten aber
als hinzunehmende Begleiterscheinung des Alters abgetan. Eine große
Kohorten-Studie in Deutschland hat Schwindel kürzlich als einen der
Faktoren identifiziert, der die Lebensqualität älterer Menschen stark
beeinträchtigt und sie beispielsweise davon abhält, an sozialen
Aktivitäten teilzunehmen. „Schwindelgefühle müssen auch deshalb
unbedingt ernst genommen und richtig diagnostiziert werden“, so der
Experte. Zu den häufigsten Ursachen für Schwindel bei älteren Patienten
gehören sensorische Defizite, wie beispielsweise ruckelndes Sehen bei
der sogenannte bilateralen Vestibulopathie, einer beidseitigen
Schädigung des Gleichgewichtsorgans, zudem zentraler Schwindel und
gutartiger Lagerungsschwindel. Bei zentralem Schwindel liegt der
Ursprung für die Störung des Gleichgewichtssinns im Gehirn – Tumoren des
Hirnstamms oder Multiple Sklerose können beispielsweise der Grund sein.
Die Ursache des sogenannten gutartigen Lagerungsschwindels liegt an
fehlplatzierten Kristallen im Innenohr und tritt bei Veränderungen der
Kopflage auf.

„Der
Schlüssel zur richtigen Diagnose muss bei allen Patienten mit
Schwindelsymptomen eine ausführliche Anamnese des Patienten durch den
Arzt, sein“, betont Priv.-Doz. Dr. Volkenstein. In diesem Gespräch
werden Art, Dauer und Auftreten der Symptomatik systematisch erfasst,
ebenso bestehende Erkrankungen des Patienten und mögliche Nebenwirkungen
von Medikamenten. Der Arzt erhebt dann eine klinische
Verdachtsdiagnose, die in vielen Fällen vor allem durch HNO-ärztliche
und neurologische Untersuchungsmethoden und bildgebende Verfahren
abgesichert wird. „Richtig diagnostizierte Schwindelsyndrome haben eine
gute Prognose und können häufig mit Medikamenten oder auch einem
Schwindeltraining zur Sturzprophylaxe behandelt werden.“

Auf
der Pressekonferenz am 23. Mai anlässlich der 88. Jahresversammlung der
DGHNO KHC spricht der Experte Priv.-Doz. Dr. Volkenstein über die
Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit für eine optimale
Versorgung älterer Menschen, die unter Schwindel leiden und auch über
operative Therapieverfahren. Diese kommen selten zum Einsatz, stellen
aber für betroffene Patienten oft die einzig verbleibende Option dar,
wenn alternative Therapieverfahren ausgeschöpft sind. Die Altersmedizin
in der HNO-Heilkunde steht auch im Fokus der dieser Jahresversammlung
der Fachgesellschaft neben den Kernthemen Schwindel (bei Patienten aller
Altersgruppen) und Hören einschließlich Tinnitus.

Den Impfgegnern und Untergangspropheten ins Gästebuch …

Meine persönliche Bemerkung:

Zunächst möchte ich den
Begriff: Hystereseschleife erklären: Es handelt sich um das Phänomen,
dass Menschen, die zur Hysterie neigen, immer wieder unwillkürlich gegen
jegliche Vernunft in Ängste verfallen. Das betrifft leider nicht nur
den Einzelnen, sondern es verbreitet sich wie eine Epidemie in
Gemeinschaften und Gesellschaften. Dahinter steht das wohl wichtigste
Gesetz menschlichen Handelns: self-fulfilling prophecy,  die sich
selbsterfüllende Prophezeiung. Darauf zurückzuführen sind Phänomene wie
Panik, und die Tatsache, dass ganz Gesellschaften durch Unvernunft sich
selbst zerstören. Ganze Kulturen sind so untergegangen.

Aber das hat auch eine ganz
praktische individuelle Auswirkung. Typisch dafür ist das Verhalten von
Impfgegnern, die gegen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse und moderne
Entwicklung der Impfstoffe nicht nur ihre eigene Gesundheit gefährden,
sondern auch die der Mitmenschen, so dass beherrschbare Epidemien sich
neuerdings wieder ausbreiten. Die beste Apotheke, die die Natur uns
Menschen und fast allen Lebewesen mitgegeben hat, ist das Immunsystem.
Mit einer ganzen Armada von Antikörpern, Fresszellen, Phagen usw., die
bestimmte weiße Blutkörperchen erzeugen – die sogenannten T-Zellen –
sorgt das Immunsystem dafür, dass Fremdkörper wie Bakterien, Viren, aber
auch Gift, die in den Körper eindringen,  schon von Anfang an bekämpft
werden, besser als dazu jegliche Medizin in der Lage wären. Dabei
entwickelt es ein Gedächtnis, welches dafür sorgt, das Keime, die schon
einmal erfolgreich bekämpft wurden, mit gleicher Methode wieder
ausgemerzt werden. Beim Impfen werden diese Keime allerdings so
behandelt, dass der Körper zwar dagegen reagieren kann, die Krankheit
jedoch nicht ausbricht. Früher waren das – wie z. b. bei der
Pockenimpfung – lebende Viren. Heutzutage reicht es, nur noch
Bruchstücke  der Oberfläche der  Viren im Impfstoff dem Körper
zuzuführen, um ihn vor Ansteckung zu behüten.

Professor Uhlenbrock, ein
bedeutender Immunologe aus Köln, hat nachgewiesen, dass jede derartige
Impfung  auch die Widerstandskraft des Immunsystems generell gegen
Infektionen stärkt.

Der folgende Beitrag stellt
sehr treffend dar, wie diese irrationalen Modeerscheinungen gegen Impfen
entstehen, wobei auch häufig behauptet wird, dass die Pharmaindustrie
sich durch die Entwicklung der Impfstoffe bereichern würde. Genau das
Gegenteil ist der Fall, denn mit ausgebrochenen Krankheiten und den
entsprechenden Medikamenten kann zig-mal mehr verdient werden.

Ihr Jean Pütz

pte20190109020 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie

Mythen machen Menschen zu Impfgegnern

Hystereseschleife führt laut einer aktuellen wissenschaftlichen Analyse zu unvernünftigem Verhalten

Impfkurve: Fakten zählen für viele nicht mehr (Foto: Feng Fu and Xingru Chen)
Impfkurve: Fakten zählen für viele nicht mehr (Foto: Feng Fu and Xingru Chen)

Hanover
(pte020/09.01.2019/11:30) – Erfundene negative Geschichen erhöhen den
Widerstand gegen Impfungen in der Bevölkerung. Laut Forschern des
Dartmouth College http://dartmouth.edu lässt sich so erklären, warum es so schwer ist, die Zahl der Impfungen
zu erhöhen – und das, obwohl mehr als ausreichend wissenschaftliche
Beweise dafür vorliegen, dass Impfungen sicher und für die Gesundheit
von großem Vorteil sind.

Krankheiten kommen zurück

Eine Hystereseschleife führt dazu, dass die Auswirkungen eines
Einflusses auch dann noch beobachtet werden, wenn diese Eingangsgröße
selbst längst nicht mehr besteht. Aus dem Grund können zum Beispiel die
Arbeitslosenzahlen trotz einer sich erholenden Wirtschaft weiter hoch
bleiben. Daher ist auch der Widerstand gegen Impfkampagnen – wie zum
Beispiel gegen Grippe – groß. Laut Forschungsleiter Feng Fu spielt die
Vergangenheit eine Rolle. Jetzt sei klar, dass mittels der Hysterese ein
Teil dieses Mechanismus erklärt werden könne.

Die in den "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlichten
Forschungsergebnisse sind laut den Verfassern die ersten ihrer Art, die
zeigen, wie sich eine Hysterese auf die öffentliche Gesundheit auswirken
kann. In Teilen Europas und Nordamerikas sind Kinderkrankheiten wie
Masern, Mumps und Keuchhusten aufgrund einer unzureichenden
Durchimpfungsrate wieder zurückgekehrt. Die aktuelle Studie zeigt, wie
frühere Probleme mit Impfungen die Entscheidungen von Menschen heute und
auch in Zukunft beeinflussen.

Fakten ändern Verhalten nicht

Laut Erstautor Xingru Chen sind Fakten und logische Argumente nicht
ausreichend, um diese Hysterese im menschlichen Verhalten zu überwinden.
Die Hystereseschleife kann laut der Studie durch Fragen zu Risiken und
Wirkung von Impfstoffen ausgelöst werden. Negative Erfahrungen oder
Wahrnehmungen beeinflussen den Trend, wie Impfungen angenommen werden.
Die Impfkurve bleibt in der Folge in der Hystereseschleife stecken.

Laut Fu bestimmt bei den Impfraten die Vergangenheit und die Zukunft.
Dies bedeute bedauerlicherweise, dass viele Menschen unnötig leiden
werden, wenn es nicht gelingt, einen Ausweg aus dieser Schleife zu
finden. Die Studie bezieht sich bei ihren Aussagen auf die Impfungen
gegen Keuchhusten in England und Wales für den Zeitraum von 1978 bis
1992. Es dauerte 15 Jahre bis sich die Impfrate von 30 Prozent wieder
auf 91 Prozent erhöhte. Laut den Forschern sollte das unter idealen
Bedingungen nur ein Jahr dauern.

Testosteronmangel schlecht für den Stoffwechsel

München – Sinkt bei Männern im Alter der Spiegel der männlichen Geschlechtshormone, beeinträchtigt dies nicht nur Leistung, Liebe und Lust sondern auch den Stoffwechsel: Testosteronmangel begünstigt bei älteren Männern das Metabolische Syndrom – ein tödliches Quartett aus Bluthochdruck, gestörtem Fett- und Zuckerstoffwechsel und Übergewicht. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) befürwortet in diesen Fällen – nach umfassender ärztlicher Prüfung – eine Hormontherapie.

Im Alter bilden sich im Hoden weniger Androgene. Dadurch geht die Konzentration von Testosteron im Blut jährlich um ein bis zwei Prozent zurück. Ein niedriger Testosteronspiegel kann laut DGE die Wirkung des Hormons Insulin herabsetzen, das den Blutzucker reguliert. Der Körper ist dadurch für Insulin weniger empfindlich, erläutert Professor Dr. med. Hendrik Lehnert von der Warwick Medical School in Coventry: „Wir wissen dies von Patienten, die wegen Prostatakrebs mit Anti-Androgenen behandelt werden: Bei ihnen steigen Blutzucker und Insulinkonzentration an – ein klarer Hinweis auf eine Insulinresistenz.“ Diese ist auch ein Kennzeichen des Metabolischen Syndroms, woran etwa 30 Prozent der Bevölkerung leiden. Das Metabolische Syndrom führt unter anderem dazu, dass die Blutgefäße der Betroffenen erkranken. Dies begünstigt langfristig Schlaganfall und Herzinfarkt.

Erste Studien zeigen, dass bei den betroffenen Männern eine Hormonbehandlung mit Testosteron das Metabolische Syndrom bessert. „Eine Therapie sollte jedoch erst erfolgen, wenn der Hormonmangel zur Erkrankung geführt hat – vorbeugend ist dies nicht sinnvoll“, erläutert Hormonspezialist Lehnert. Bestätige sich ein vermuteter Androgenmangel im Labor, könne Testosteron die Stoffwechsellage bessern. Auch der Bauchumfang nehme dadurch ab.

Eine Hormonbehandlung setzt laut DGE zwei Bedingungen voraus: „Ein Spezialist muss den Androgenmangel zuverlässig diagnostizieren“ betont Professor Dr. med. Harald Klein, Mediensprecher der DGE von der Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum. Ideal ist es, das Gesamt-Testosteron am Vormittag zwischen acht und zehn Uhr zu messen. Darüber hinaus, so Klein, müsse der Mangel des männlichen Geschlechtshormons die Gesundheit des Patienten deutlich beeinträchtigen. Denn die Hormonbehandlung birgt auch Risiken: Zum Beispiel kann sich die Vorsteherdrüse vergrößern und die Harnröhre einengen. Deshalb ist es notwendig, dass der behandelnde Arzt Prostata und Blut regelmäßig untersucht.

Endokrinologie ist die Lehre von Aufbau und Funktion der endokrinen Drüsen. Diese Drüsen sondern ihre Produkte – meist Hormone – direkt in das Gefäßsystem ab. Im Gegensatz zu beispielsweise Talg- oder Schweißdrüsen. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft derjenigen, die in diesem Bereich forschen, lehren oder ärztlich tätig sind.

Quelle:

H. Lehnert: Endokrinologie 2007; Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132: 1420-1423

Mit Schwarmintelligenz gegen Tuberkulose

Mit Schwarmintelligenz gegen Tuberkulose

Der Arzt Christoph
Lange erhält den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes

 

Der
Wissenschaftspreis des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft
�Gesellschaft braucht Wissenschaft� 2014 geht an Christoph
Lange vom Forschungszentrum Borstel � Leibniz-Zentrum für Medizin und
Biowissenschaften. Der Arzt und Biologe wird für seine herausragenden
Anstrengungen im Kampf gegen die Ausbreitung hochgradig
antibiotika-resistenter Tuberkulose-Erreger gewürdigt. Der Preis
wird am 27. November im Rahmen der Jahrestagung der
Leibniz-Gemeinschaft in Berlin verliehen.

Mit
dem Wissenschaftspreis würdigt der Stifterverband die Arbeit zu
Prävention, Diagnostik und Therapie multiresistenter und
extensiv-resistenter Tuberkulose (M/XDR-TB).
Die Studie, die unter der Federführung Langes entstand, erschien
am Welt-Tuberkulose-Tag 2014 öffentlich zugänglich als Open-Access-Publikation
im renommierten European Respiratory Journal*.
Die internationale Konsensempfehlung weist auf die drohende
Gefahr der Ausbreitung antibiotika-resistenter Tuberkulosebakterien hin
und hilft Ärzten in allen Teilen Europas, die Behandlung von Patienten
mit einerM/XDR-TB zu optimieren. Die Studie
entstand unter Mitwirkung von 40 internationalen Koautoren, darunter
Vertretern verschiedener Fachgesellschaften und des European Centre of
Disease Prevention and Control.

Die
Bedeutung der Arbeiten von Christoph Lange besteht vor allem darin, in
Ermangelung eines wirksamen Impfstoffs und ohne geeignete neue
Medikamente bestehende Ressourcen
zu optimieren und die Vorgehensweisen im Kampf gegen TB
grenzüberschreitend zu harmonisieren. Bemerkenswert ist auch der moderne
Ansatz der anwendungsorientierten Wissensgenerierung, der sich einer
durch fachliche Autorität motivierten �Schwarmintelligenz�
von Experten im TB-Management bedient und so ein Beispiel für eine
teamorientierte Bewältigung von Public-Health-Problemen darstellt.

Die
Tuberkulose steht weltweit an zehnter Stelle aller zum Tode führenden
Krankheiten: Neun Millionen Menschen erkranken an ihr pro Jahr, 1,4
Millionen davon sterben.
Während die Zahl der Neuerkrankungen aller Tuberkuloseformen insgesamt
weltweit leicht rückläufig ist, wird in den vergangenen Jahren ein
dramatischer Anstieg der M/XDR-TB vor allem in Osteuropa, in Asien und
im südlichen Afrika beobachtet. Die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) geht global von 450.000 neuen Fällen einer M/XDR-TB pro Jahr aus,
mit stark steigender Tendenz. Die Ausbreitung von
antibiotika-resistenten Stämmen der Tuberkulosebakterien ist eines der
drängenden aktuellen Probleme für die öffentliche Gesundheit in
den betroffenen Ländern. Durch rasche Diagnose und eine adäquate
Therapie kann die Ausbreitung der antibiotika-resistenten
Tuberkulosebakterien verhindert und die Prognose für die betroffenen
Patienten deutlich gebessert werden. Derzeit können nur 20 Prozent
der an XDR-TB Erkrankten geheilt werden.

 

Christoph
Lange gründete im Jahr 2006 zusammen mit 55 Kolleginnen und Kollegen
aus ganz Europa die Tuberculosis Network European Trialsgroup (TBNET,
www.tb-net.org).
Mit mehr als 600 Mitgliedern aus 22 EU-Staaten und 49 Staaten weltweit
ist TBNET heute die größte multinationale Forschungsorganisation auf
dem Gebiet der Tuberkulose in Europa. Neben der Möglichkeit, europaweite
Studien durchzuführen, ist es über TBNET vor allem möglich, Trainings-
und Capacity-Building-Aktivitäten zu entwickeln,
die vorwiegend den besonders von TB betroffenen Ländern Osteuropa
zugutekommen.

 

Nikolaus
von Bomhard, Vizepräsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft
, würdigt
die Arbeit des Preisträgers als eine außerordentliche Leistung für eine weltweite Weiterentwicklung der Tuberkulosetherapie:
�Christoph Lange ist der Architekt eines herausragenden
internationalen Wissenschaftsnetzwerkes, das gemeinsam forscht,
Therapieempfehlungen formuliert und die Öffentlichkeit aufklärt. Damit
wirkt er nicht nur theoretisch in die Wissenschaft,
sondern ganz konkret bei Ärzten und Patienten und hinein in die
Gesellschaft.�

 

Matthias Kleiner, Präsident
der Leibniz-Gemeinschaft, hebt den konkreten Nutzen der Arbeiten des
Preisträger besonders hervor: �Christoph Lange zeigt in beeindruckender
Weise, wie unmittelbar die Gesellschaft durch
die Wissenschaft profitieren kann. Dieser Anwendungsbezug ist für die
Leibniz-Gemeinschaft ein zentraler Bestandteil ihres
Selbstverständnisses. Die ausgezeichnete Arbeit beweist, dass es durch
intelligente Wissens-Infrastrukturen und kreative Vernetzung sogar
möglich ist, einen Mehrwert für die öffentliche Gesundheit zu erzielen,
selbst wenn keine neuen Medikamente zur Verfügung stehen.�

Zecken: Warum die Gefahr steigt

Zecken sind Überträger verschiedener Krankheitserreger – das ist für Mediziner, Biologen und Naturfreunde keine Neuigkeit. Die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wurde 1931 zum ersten Mal beschrieben, die Lyme-Borreliose 1975. Warum die Gefahr steigt und welche neuen Erkenntnisse es im Hinblick auf die kleinen Blutsauger gibt, zeigte der 1. Süddeutsche Zeckenkongress der Universität Hohenheim.

In den letzten Jahrzenten konnten zahlreiche weitere Erreger in Zecken nachgewiesen werden. Laut Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München übertragen Zecken weltweit das breiteste Spektrum an Erregern – darunter Einzeller, Viren, Bakterien und Rickettsien. Dabei ist das Krankheitspotential einiger Erreger für Mensch und Tier noch nicht erforscht. Nach wie vor von größter Bedeutung für den Menschen sind FSME-Viren und Borreliose-Bakterien. Vor einer FSME-Erkrankung kann man sich durch eine Impfung schützen. Gegen Borreliose helfen Antibiotika.

Klimawandel und Zecken
Die Auswirkungen des Klimawandels auf Zecken lassen sich nur allmählich feststellen. Sicher ist laut den Experten: Die Anzahl der Zecken hat in den letzten 20 Jahren in beobachteten Gebieten deutlich zugenommen. Und: Zecken dringen aufgrund der milderen Temperaturen in größere Höhen – bis 1500 Meter – vor und breiten sich weiter nach Norden und Westen aus. Mit den Blutsaugern kommen immer auch Krankheitserreger. So ist die FSME zum Beispiel mittlerweile sogar im gesamten Süden Schwedens verbreitet. Wie in Deutschland war 2011 auch dort ein Rekordjahr mit 287 Neuerkrankungen.

Die fortschreitende Temperaturerhöhung kann in Deutschland zur Ausbreitung anderer Zeckenarten als dem heimischen Gemeinen Holzbock führen. Im Schlepptau der neuen Arten verbreiten sich Krankheiten, die bislang als Reisekrankheiten galten. Bestes Beispiel hierfür ist die Auwaldzecke. Ihr Verbreitungsgebiet hat sich seit den 70ern stark nach Norden ausgedehnt. Mittlerweile kommt sie in weiten Teilen Deutschlands vor – und mit ihr Babesiose-Erreger, die bei Hunden eine Malaria-ähnliche Erkrankung auslösen.

Freizeitverhalten Mensch
Menschen halten sich gern in Wäldern auf – sei es zum Wandern, Fahrradfahren, Pilze suchen oder spazieren gehen. Das heutige Freizeitverhalten führt dazu, dass Menschen verstärkt mit Zecken in Kontakt kommen. Dr. Wiebke Hellenbrand vom Robert Koch-Institut wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass viele Betroffene sich in ihrem Garten mit der meldepflichtigen FSME infizierten.

Fortschritte und Diagnostik
Die Ergebnisse des 1. Süddeutschen Zeckenkongresses machen deutlich: Das Wissen über Zecken hat in vielen Bereichen zugenommen – und damit auch das Bewusstsein über die Gefahren durch die Parasiten. Trotzdem machen die Experten darauf aufmerksam, dass in vielen Bereichen weiterhin Aufklärungsbedarf besteht. Zum Beispiel bei der Diagnostik der Borreliose: So sei der Nachweis von Antikörpern gegen Borrelien kein Beleg für eine Erkrankung. Chronische Formen einer Borreliose-Erkrankung seien zudem selten.

Panik in Bezug auf Zecken ist laut den Fachleuten insgesamt nicht angebracht, Vorsorge und Aufmerksamkeit allerdings schon. Neben der Impfung gegen FSME empfehlen sie, sich durch weitere Maßnahmen vor Zeckenstichen zu schützen – durch lange Kleidung, das Auftragen von zeckenabweisenden Mitteln, das Meiden von hohem Gras und Gestrüpp und das schnelle Entfernen festgesogener Zecken.

Quelle: www.zecken.de

Bösartige Tumore der Mundhöhle

Bösartige Tumore der Mundhöhle:
Chancen und Möglichkeiten der modernen MKG-Chirurgie
Hofheim, Juni 2011.

Bösartige Tumore der Mundhöhle gehören zu den 10 häufigsten Malignomen des Menschen. Meistens gehen sie von der Schleimhaut in der Mundhöhle aus. Die verursachenden Faktoren sind zum Teil bekannt: Die kanzerogenen (krebsauslösenden) Stoffe des Zigarettenrauches, aber auch kanzerogene Nahrungsbestandteile sammeln sich im Speichel der Mundhöhle und kommen so in Kontakt mit der Schleimhaut. Häufig betroffene Stellen sind der Mundboden, die seitlichen Ränder der Zunge und der zahntragende Bereich des Unterkiefers. Aber auch alle anderen Bereiche der Mundhöhle können befallen sein. Ein Patienten-Video, vorgestellt am 16.06.2011 auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) anlässlich des großen 61. Jahreskongresses in Bamberg,  belegt die aktuelle Lebensqualität und das Sprachvermögen am Beispiel einer Patientin 6 Jahre nach dem letzten Eingriff am Erlangener Universitätsklinikum.

Abspecken verlangsamt Gelenkverschleiß in Knien

Abspecken verlangsamt Gelenkverschleiß in Knien

Analyse von 640 Patienten – Meniskus profitiert zentral vom Abnehmen

Knieglenke: Gewicht belastet die Knorpel entscheidend (Foto: RSNA)
Knieglenke: Gewicht belastet die Knorpel entscheidend (Foto: RSNA)

San Francisco (pte018/02.05.2017/10:30) –

Übergewichtige und fettleibige Menschen, die binnen 48 Monaten
entscheidend abnehmen, zeigten einen deutlich geringeren Verschleiß der
Knorpel im Knie, sagen Forscher der University of California http://ucsf.edu . Laut den National Institutes of Health http://nih.gov ist Fettleibigkeit ein Risikofaktor für Osteoarthritis.

Risiko für Osteoarthritis sinkt

Übergewicht oder Fettsucht können zusätzlichen Druck
für die Gelenke und Knorpel mit sich bringen und damit zu ihrem Abbau
beitragen. Menschen mit mehr Körperfett verfügen zusätzlich im Blut über
größere Mengen von Substanzen, die zu einer Gelenkentzündung führen
können. Damit erhöht sich wiederum das Risiko einer Osteoarthritis.

Das Team um Forschungsleiterin Alexandra Gersing hat
die Unterschiede zwischen Gruppen mit und ohne Gewichtsverlust
analysiert. "Wir haben die Degeneration des gesamten Kniegelenks wie der
Menisken, der Gelenkknorpel und des Knochenmarks untersucht." An der
Studie nahmen 640 übergewichtige und fettleibige Patienten teil, die
über Risikofaktoren für Osteoarthritis oder durch ein MRI belegte
leichte bis mittelschwere Erkrankungen verfügten. Daten wurden auch von
der Osteoarthritis Initiative genutzt, einer landesweiten Studie zur
Prävention und Behandlung von Osteoarthritis im Knie.

Effekte bereits ab fünf Prozent

Die Patienten wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Jene,
die mehr als zehn Prozent ihres Körpergewichts verloren, jene, die fünf
bis zehn Prozent abnahmen und eine Kontrollgruppe, deren Gewicht gleich
blieb. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Patienten mit einem
Gewichtsverlust von fünf Prozent eine geringere Knorpeldegeneration
aufweisen als jene, deren Gewicht sich nicht verändert hatte.

Bei jenen, die zehn Prozent weniger wogen, verlangsamte
sich der Abbau weiter. Der Gewichtsverlust verlangsamte aber nicht nur
die Knorpeldegeneration, sondern führte auch bei den Menisken zu
Veränderungen. Auch die Menisken bei übergewichtigen und fettleibigen
Menschen, die mehr als fünf Prozent ihres Gewichts verloren,
degenerierten deutlich langsamer. Dieser Effekt war bei Übergewichtigen
am deutlichsten zu beobachten und bei jenen, die am meisten abgenommen
hatten. Details wurden in "Radiology" veröffentlicht.