Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Syphilis bei Nierenerkrankten häufiger

(pte) – Syphilis ist in den USA wie andere sexuell übertragene Krankheiten auf dem Vormarsch. Forscher des Medical College of Georgia haben jetzt erstmals die Zahl der Syphilis-Erkrankungen bei Patienten mit Nierenversagen untersucht. Laut den im „Clinical Kidney Journal“ veröffentlichten Ergebnissen tritt diese Erkrankung bei dieser Personengruppe drei Mal so häufig auf wie in der Allgmeinbevölkerung.

Syphilis-Test empfohlen
Bei einer Erkrankung mit Neurosyphilis können das Gehirn und das gesamte Zentralnervensystem vom Bakterium in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Bandbreite der möglichen Symptome reicht von symptomfrei bis zu tödlich. Diese Form war die zweithäufigste Form dieser Erkrankungen, die im Rahmen dieser Studie nachgewiesen werden konnten.

Basierend auf dem Forschungsergebnis empfehlen die Wissenschaftler, dass bei jedem Dialyse-Patienten mit Anzeichen von Verwirrung ein Syphilis-Test durchgeführt werden sollte. Vor allem, betont die Expertin für Infektionserkrankungen, Stephanie L. Baer, da es sich bei Syphilis um eine behandel- und verhinderbare Erkrankung handelt.

Risiko zu wenig bekannt
Laut der korrespondierenden Autorin Baer besteht das größte Problem darin, dass die meisten Betroffenen sich des Risikos nicht bewusst sind und daher weder getestet noch behandelt werden. Dabei würde bei einer früh behandelten Syphilis bereits eine einzelne Dosis Penicillin ausreichen.

Patienten im Endstadium einer Nierenerkrankung wüssten, so die Forscherin, wahrscheinlich nicht, dass bei ihnen ein zusätzlich erhöhtes Risiko besteht. Diese Erhöhung ist auf ein vermehrtes Auftreten assoziierter Faktoren, wie HIV-Infektionen oder andere Infektionen wie Hepatitis oder Herpes zurückzuführen, die laut Mitautor Stan Nahman ihrerseits die Nieren schädigen können.

Die Forscher haben Daten von 759.066 Patienten für den Zeitraum von 2004 bis 2010 ausgewertet. Dafür griffen sie auf das United States Renal Data System zurück. Dabei zeigte sich, dass 383 Personen unter Syphilis litten. Dieser Wert ist drei Mal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. 83 Patienten waren dabei an einer Neurosyphilis erkrankt.

Gelenkknorpel: Und er regeneriert sich doch

Verstärkung schwacher Regenerationsprozesse im Knorpelgewebe könnte sich als Arthrosetherapie eignen

(Wissenschaft aktuell) – Durham (USA) – Bei einer Arthrose ist das Knorpelgewebe im Gelenk degeneriert und kann nicht mehr vollständig erneuert werden. Jetzt haben amerikanische Mediziner mit einer neuen Analysetechnik Regenerationsprozesse im Knorpel nachgewiesen, die aber in verschiedenen Gelenken unseres Körpers in unterschiedlichem Ausmaß ablaufen. Diese Reparaturen werden durch dieselben microRNA-Moleküle (miRNAs) gesteuert, die bei Molchen verloren gegangene Gliedmaßen nachwachsen lassen, schreiben die Forscher im Fachblatt „Science Advances“. Sie halten es für möglich, durch Einsatz dieser miRNAs nicht nur die Knorpelregeneration, sondern auch die Neubildung geschädigter Gewebe in anderen Körperteilen anregen zu können. Sogar ein teilweises oder vollständiges Nachwachsen verletzter Gliedmaßen sei in Zukunft nicht ausgeschlossen.

Knorpel von Hüft-, Knie- und Fußgelenken unterscheidet sich in der Regenerationsrate der Knorpelproteine. © Alisa Weigandt for Duke Health

„Wenn wir die Aktivität dieser regulatorischen microRNAs verstärken, könnten wir wahrscheinlich den degenerierten Knorpel eines durch Arthrose geschädigten Gelenks vollständig regenerieren“, sagt Virginia Kraus von der Duke University in Durham. „Wir glauben, dass dies ein fundamentaler Reparaturmechanismus ist – nicht nur für Knorpel, sondern für viele Gewebe.“ Die Forscher sammelten Proben von Gelenkknorpel, die bei chirurgischen Eingriffen als Abfallprodukte angefallen waren, darunter gesunder Knorpel von Unfallpatienten und Knorpel von Menschen, die unter starker Arthrose gelitten hatten. Analysiert wurden Proben aus Hüft-, Knie- und Fußgelenken von 30 bis 87 Jahre alten Patienten.

Um die Regenerationsraten zu ermitteln, nutzten die Wissenschaftler eine molekulare Uhr: Diese beruht darauf, dass zwei Bausteine der Knorpelproteine – die Aminosäuren Asparagin und Glutamin – mit der Zeit ihre Amidgruppen durch Deamidierung verlieren. Bei starker Regenerationsfähigkeit werden die so veränderten Proteine schnell durch neue ersetzt, so dass prozentual nur ein geringer Teil in deamidierter Form vorliegt. Durch Massenspektrometrie ließ sich das Verhältnis zwischen „jungen“ und „gealterten“ Formen mehrerer Knorpelproteine bestimmen und als Maß für die Regenerationsleistung nutzen.

Es stellte sich heraus, dass der Anteil jüngerer Proteine im Gelenkknorpel umso größer ist, je weiter das Gelenk von der Körpermitte entfernt ist. In den Fußgelenken waren die meisten, in den Hüftgelenken die wenigsten gealterten Proteine durch neue ersetzt. Das könnte erklären, warum eine Arthrose häufiger in Hüft- und Kniegelenken entsteht als in Fußgelenken. Zudem war der Gehalt an den drei microRNAs miRNA-21, miRNA-31 und miRNA-181c, die für die Regeneration von Körperteilen bei Molchen eine Rolle spielen, in den Fußgelenken höher als in den anderen und in erkrankten Gelenken höher als in gesunden. Der Körper reagiert also auf eine Schädigung des Knorpels durch Regenerationsprozesse, die aber für die Selbstheilung einer Arthrose nicht ausreichen. Denkbar wäre daher ein therapeutischer Einsatz der regenerativen microRNAs, um die Effektivität einer Regeneration zu verstärken. Sie könnten auch helfen, die Anzucht von Knorpelgewebe zu optimieren, das dann in stark geschädigte Gelenke übertragen werden kann.

Joachim Czichos

Quelle

Hirnstimulation schwächt den Tinnitus ab

(pte) – Die Tiefe Hirnstimulation hilft nicht nur bei Parkinson, sondern auch bei einem Tinnitus. Forscher der University of California und die Veterans Health Administration haben das medizinische Verfahren an fünf Probanden getestet. Demnach ist eine sichere Anwendung möglich.

Zwei Elektroden im Gehirn
Bei der Tiefen Hirnstimulation werden zur Tinnitus-Behandlung zwei Elektroden ins Gehirn implantiert. Elektrische Impulse regen die ausgewählte Region an, ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher. Die Patienten waren während der OP wach und konnten mit dem OP-Team kommunizieren. Das half den Chirurgen, die Elektroden genau dort zu platzieren, wo sie die erwünschte Wirkung hatten.

Nach fünf Wochen begannen die Mediziner, die Impulse zu optimieren. Ziel war es herauszufinden, welcher Art die Impulse sein mussten, um die beste Wirkung zu erzielen. Diese Periode dauerte bis zu 13 Monate lang. Es folgte eine 24 Wochen dauernde Phase, in der das Gehirn kontinuierlich angeregt wurde. Vier Patienten berichteten über eine erfolgreiche Zurückdrängung der lästigen Geräuschbelastung. Nur einer verspürte keine Linderung. Während der ganzen Zeit litten die Patienten unter keinerlei postoperativen Störungen.

Zwei Studien folgen noch
Nach der Phase-I-Studie bereiten die Mediziner um Steven W. Cheung nun die nächste klinische Studie vor. Es wird die vorletzte sein, ehe das eigentliche Zulassungsverfahren beginnt. Sie glauben, dass die Optimierung der Elektrodenpositionen und der Impulsfolge deutlich kürzer sein wird als bei der Premiere.

Was Arthrose-Patienten wissen sollten – Mit einem Tipp von Jean Pütz

Seit einiger Zeit nehme ich täglich Hagebuttenpuler zu mir. Es hat geholfen, dass ich kein künstliches Hüftgelenk benötige, denn meine Schmerzen sind wie durch ein Wunder verschwunden.

Das Hagebuttenpulver – einen Teelöffel morgens eingerührt in einer kleinen Tasse mit Allem  was Sie mögen, hilft – was meine Beobachtung anbelangt – vor allen Dingen bei Beschwerden in großen Gelenken wie Fußgelenk, Knie, Hüfte oder Schulter, aber leider nicht bei Beschwerden der Wirbelsäule.
Da ich im Internet für die Wirkung keine ausreichend seriöse Quelle fand, habe ich eine eigene persönliche Expertise durchgeführt, indem ich 150 Personen eine kleine Probe von 100g habe zukommen lassen. Von ca. 70% bekam ich eine positive Rückmeldung.
Also es muss etwas dran sein, ohne dass man das als wissenschaftliche Forschung bezeichnen kann.

Grundsätzlich gibt es das Hagebuttenpulver in Apotheken und Drogerien, doch zu relativ stolzem Preis. Deswegen empfehle ich, es über das Internet zu bestellen.
Achten Sie auf biologische Qualität. Geben Sie das Stichwort ‚Hagebuttenpulver‘ ein. 500g – womit Sie ca. 3 Montage auskommen – dürfen nicht mehr als 15;00 € kosten. Also eine preiswerte Angelegenheit und vor allen Dingen ohne Nebenwirkungen, Denn es handelt sich um ein normales Lebensmittel , kalorienarm und reich an Vitamin C und sonstigen sekundären Pflanzenstoffen. Diejenigen, deren Schmerzen nach 14 Tagen nicht reduziert werden, haben keinen Schaden.
Ihr Jean Pütz

(DKOU) – Arthrose ist die häufigste Erkrankung der Gelenke. Ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Im 6. Lebensjahrzehnt weist nahezu jeder Fünfte im Röntgenbild eine Knie- oder Hüftgelenksarthrose auf. Doch nur 20 bis 30 Prozent dieser Patienten haben zu diesem Zeitpunkt bereits Beschwerden. Die kürzlich aktualisierte Leitlinie Hüftarthrose zeigt auf, wann und wie Patienten mit und ohne Symptome behandelt werden sollten und was sie selbst zu einer gelungenen Therapie beitragen können. Auf dem Patiententag des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) am 24. Oktober 2019 in Berlin stellen Experten diese sowie die ebenfalls aktualisierte Leitlinie zur operativen Behandlung der Kniearthrose vor. Patienten erhalten hier auch Tipps, wie ein Gelenkersatz hinausgezögert oder verhindert werden kann und wie sie sich vor Protheseninfektionen schützen können. Eine Anmeldung zum Patiententag ist ab sofort möglich.

Mit rund 34 Milliarden Euro verursachten muskuloskelettale Erkrankungen die vierthöchsten Kosten im deutschen Gesundheitssystem. „Jeder vierte Euro davon entfällt auf die Behandlung der Arthrose“, sagt Professor Dr. med. Paul Grützner, der dem DKOU 2019 als Kongresspräsident für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) vorsteht. Dieser fortschreitende Gelenkverschleiß findet meist an Hüfte und Knien statt. „Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der Patienten mit Knochen- und Gelenkerkrankungen in den kommenden 20 Jahren verdoppelt“, führt Professor Dr. med. Wolfgang Rüther, Vizepräsident der DGOU-Sektion „Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)“ und ehemaliger Direktor der Orthopädischen Klinik am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, aus.

Eine beginnende Arthrose zeigt sich durch Anlauf-, Ermüdungs- und Belastungsschmerz. „Wenn diese Schmerzen anhalten, sollte der Betroffene unbedingt einen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie aufsuchen“, empfiehlt Professor Dr. med. Georg Matziolis, Ärztlicher Direktor des Deutschen Zentrums für Orthopädie der Waldkliniken Eisenberg und Autor der kürzlich aktualisierten Leitlinie Hüftarthrose (Coxarthrose).

In der Frühdiagnostik kann der Patient selbst noch sehr viel tun, um eine Arthrose mild verlaufen zu lassen und einen drohenden Gelenkersatz abzuwenden. „Übergewicht ist ein entscheidender Risikofaktor für die Entwicklung der Knie- und Hüftarthrose“, erklärt Matziolis. Daher sei eine Gewichtabnahme in Verbindung mit Sport für übergewichtige Patienten empfehlenswert. Um eine möglichst effektive Therapie zu gewährleisten, empfiehlt die Leitlinie ein individuell gestaltetes Selbstmanagement-Programm als Therapiebestandteil. Den Patienten sollen dabei Techniken und Fähigkeiten nähergebracht werden, die sie brauchen, um besser mit der Arthrose im Alltag, Sport und Beruf umzugehen.

Insbesondere Patienten mit Diabetes mellitus, Übergewicht und Herzinsuffizienz sollten für die Symptome von Arthrose sensibilisiert sein. Aber auch Patienten, die bereits eine Vorerkrankung an der Hüfte vorweisen, etwa eine Hüftdysplasie, oder an Arthritis leiden, haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. „Darüber hinaus sind natürlich Personen gefährdet, die beruflich schweren Körperbelastungen ausgesetzt sind oder Fehlstellungen aufweisen, etwa X- oder O-Beine“, erklärt Matziolis.

Helfen Lebensstilveränderungen, Medikamente und konservative Therapien nicht mehr, müssen Patienten auf ein Kunstgelenk zurückgreifen. „Eine Gelenkprothese ist ein großer Schritt – und kein banaler Eingriff. Daher muss die Entscheidung, wann ein Gelenkersatz stattfinden sollte, interdisziplinär und mit intensiver Beteiligung des Patienten stattfinden“, betont Professor Dr. med. habil. Klaus-Peter Günther, Geschäftsführender Direktor des UniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der TU Dresden.

Auf dem Patiententag des DKOU am 24. Oktober 2019 in Berlin erklärt Professor Matziolis, wie die Hüftgelenkarthrose entsteht, welche Patienten betroffen sind und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Dort klärt Professor Günther auch darüber auf, wann ein Kunstgelenk nötig wird und worauf Patienten bei der Entscheidung zu einem künstlichen Gelenk achten sollten. Zudem erfahren Patienten Neuigkeiten zur operativen Behandlung der Kniearthrose und wie sie sich vor Infektionen ihres Implantats schützen können.

Dieses Jahr findet der bisherige Arthrosetag als „Patiententag“ im Rahmen des DKOU in Kooperation mit der Deutschen Rheuma-Liga statt. „Es ist uns ein Anliegen, dass diese Plattform ab sofort als fester Bestandteil des DKOU weitergeführt wird“, erklärt Professor Dr. med. Carsten Perka, der dem DKOU 2019 als Kongresspräsident für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) vorsteht. Erstmals bieten die Veranstalter auch einen gesundheitspolitischen Vortrag an: Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung (KBV), spricht über die neuen Entwicklungen in der Versorgungsstruktur bei muskuloskelettalen Erkrankungen. „Für Betroffene ist es wichtig, über die aktuelle Situation im Gesundheitssystem aufgeklärt zu sein und ihre Rechte und Möglichkeiten zu kennen“, so Professor Rüther.

Krebs frühzeitig per Ultraschall aufspüren

(DEGUM) – Krebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Über den Verlauf einer Krebserkrankung und somit über Leben oder Tod entscheiden häufig eine frühe Diagnostik und die exakte Verlaufskontrolle bei der Therapie. Dabei spielt der kontrastverstärkte Ultraschall (CEUS: Contrast Enhanced Ultrasound) eine immer wichtigere Rolle. Mit Hilfe dieser strahlenfreien Methode können Ärzte deutlich eher und mit größerer Sicherheit als bei anderen bildgebenden Verfahren erkennen, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist sowie ob ein Krebspatient gut auf eine Chemo-, Immun- oder Strahlentherapie anspricht. Wie das funktioniert und welches Potenzial in den Ultraschall-Kontrastmitteln steckt, erläutern Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) auf einer Pressekonferenz am Donnerstag, den 17. Oktober 2019 in Leipzig im Rahmen des Dreiländertreffens der deutschen, österreichischen und Schweizer Ultraschall-Fachgesellschaften.

Für Patienten ist es eine ganz normale Ultraschalluntersuchung: Mit dem Schallkopf fährt der Arzt den Körper im zu untersuchenden Bereich ab. Der einzige Unterschied: Zu Beginn leitet er wenige Milliliter eines gashaltigen jodfreien Kontrastmittels in die Armvene des Patienten. Die Mikrobläschen von der Größe eines roten Blutkörperchens gelangen in die kleinsten Gefäße und reflektieren die Ultraschallwellen. Bereits wenige Sekunden nach der Injektion machen sie die Organdurchblutung sichtbar. Die inerten Gasbläschen werden nach einigen Minuten über die Lunge wieder abgeatmet und weisen somit im Gegensatz zu anderen Kontrastmitteln (etwa Röntgenkontrastmittel) keinerlei Nebenwirkungen an Schilddrüse oder Niere auf.

„Wir können mit Hilfe des kontrastverstärkten Ultraschalls bei einigen Tumoren bereits sehr früh vor allem in soliden Organen wie der Leber, der Niere oder der Bauspeicheldrüse erkennen, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist“, erklärt Dr. Hans-Peter Weskott. Der Internist ist dieses Jahr Kongresspräsident des Dreiländertreffens der deutschen, österreichischen und Schweizer Ultraschall-Fachgesellschaften DEGUM, ÖGUM und SGUM in Leipzig. Die Anwendung des kontrastverstärkten Ultraschalls wird beim Kongress Thema in wissenschaftlichen Sitzungen und Modulen sein.

Ein entscheidendes Kriterium für die Beurteilung eines Tumors ist der Grad der Durchblutung. „Dies lässt sich mit dem kontrastverstärkten Ultraschall aufgrund technisch höchster räumlicher Auflösung besonders gut visualisieren und softwareunterstützt quantifizieren“, erläutert Dr. Weskott. Damit kann vielen Patienten eine wiederholte Untersuchung im Computertomographen (CT) oder Magnetresonanztomographen (MRT) erspart werden. Zahlreiche vergleichende Studien belegen eine Gleichwertigkeit des kontrastverstärkten Ultraschalls mit den anderen bildgebenden Verfahren. Für Tumorpatienten, bei denen eine Jodallergie vorliegt, die Nierenfunktion eingeschränkt ist, ein Herzschrittmacher den Einsatz eines MRT verhindert oder eine Strahlenbelastung vermieden werden soll, stellt die Kontrastmittelsonografie das Mittel der Wahl dar.

Auch in der onkologischen Therapie wird die Kontrastmittelsonografie zunehmend angewendet. „So können wir hiermit zu einem sehr frühen Zeitpunkt sehen, ob beispielsweise eine Chemo-, Immun- oder Strahlentherapie erfolgreich anspricht oder ohne Wirkung auf die Tumorentwicklung bleibt, was im CT oft erst viel später sichtbar wird“, erklärt Dr. Weskott. Der Arzt kann mit der CEUS erkennen, ob die Tumordurchblutung dank der Therapie zurückgedrängt oder gar ganz eliminiert werden konnte. „Dies ist entscheidend für einen Krebspatienten, denn wenn wir sehen, dass eine Therapie nicht wirksam ist, muss frühzeitig über Alternativen nachgedacht werden.“ Auch bei den interventionellen und invasiven Therapieansätzen werden Ultraschall-Kontrastmittel oft schon beim Eingriff zur Therapiesteuerung und erster Therapiekontrolle eingesetzt. „Bei leberchirurgischen Eingriffen etwa kann die CEUS helfen, bislang unentdeckte kleine Lebertumoren aufzudecken und zum Beispiel mit der Radiofrequenzablation in derselben Sitzung auszuschalten“, so Dr. Weskott weiter. „Mittlerweile ist die CEUS aus dem klinischen Alltag nicht mehr wegzudenken“, betont der DEGUM-Experte – vor allem nicht bei der Behandlung von Krebspatienten.

Augentropfen aus Blutserum

(Thieme) – Augentropfen, die Wachstumsfaktoren aus dem Blutserum von Patienten enthalten, mindern Hornhautentzündungen. Ein Forscherteam um die Augenärztin Professor Dr. med. Nóra Szentmáry vom Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) hat jetzt herausgefunden, dass nur einige der bisher bekannten Wachstumsfaktoren eine entscheidende Rolle für die Wundheilung spielen. Damit liefert ihre Arbeit, die in den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) erschienen ist, wichtige Erkenntnisse für die Behandlung. Die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft zeichnet die Forscher deshalb mit dem Theodor-Axenfeld-Preis aus. Die Verleihung findet am 28. September 2019 im Rahmen des 117. Kongresses der DOG in Berlin statt. Die Stuttgarter Thieme Gruppe stiftet die mit 1500 Euro dotierte Auszeichnung.

Erkrankungen oder Verletzungen der Augenhornhaut mindern die Sehkraft und können im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Augentropfen, die eigens aus dem Blutserum des Patienten hergestellt werden, mindern Entzündungen und verbessern die Wundheilung. Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass im Blutserum vorhandene Proteine, sogenannte Wachstumsfaktoren, dafür verantwortlich sind. Um die zugrunde liegenden Wirkmechanismen besser zu verstehen, hat ein Team um Augenärztin Professor Dr. med. Nóra Szentmáry von der Klinik für Augenheilkunde am UKS in Homburg das Zusammenspiel zwischen hornhautbildenden Zellen (Keratozyten) und bestimmten Wachstumsfaktoren im Laborexperiment untersucht.

Dafür isolierten die Forscher zunächst Zellen der mittleren Hornhautschicht, sogenannte Keratozyten. Diese wurden im Labor in Zellkulturen vermehrt. Den Zellkulturen wiederum fügten sie Serum-Augentropfen in unterschiedlicher Konzentration hinzu, in 15 und 30 Prozent. Nach 24 Stunden untersuchten die Wissenschaftler die Veränderungen in der Kulturflüssigkeit. „Unter der Einwirkung der Serum-Augentropfen kam es zu einem deutlichen Anstieg von zwei Wachstumsfaktoren. Dies waren der ‚Hepatocyte Growth Factor‘ (HGF) und der ‚Fibroblast Growth Factor basic‘ (FGFb). Beides sind körpereigene Proteine, die die Wundheilung fördern und so die positive Wirkung der Serum-Augentropfen erklären“, fassen Professor Szentmáry und ihre Ko-Autoren zusammen. Zudem stellten die Wissenschaftler fest, dass die Konzentration der Augentropfen Auswirkungen auf die Vermehrung der Wachstumsfaktoren hatte. „Die Dosis der Tropfen scheint also ebenfalls eine Rolle zu spielen“, schlussfolgern die Preisträger.

Ein Kontrollexperiment ergab zudem, dass die Vermehrung der Wachstumsfaktoren in direktem Zusammenhang mit den Keratozyten steht. Denn die Konzentration der in den Tropfen vorhandenen Wachstumsfaktoren erhöhte sich nicht, wenn in den Kulturen keine Keratozyten vorhanden waren. Zwei weitere Wachstumsfaktoren, „Transforming Growth Factor beta 1“ (TGF-β1) und „Keratinozyte Growth Factor“ (KGF), scheinen wiederum nicht zur positiven Wirkung der Serum-Augentropfen beizutragen. Im Gegensatz zu den beiden anderen untersuchten Wachstumsfaktoren vermehrten sie sich im Versuch nicht. „Es könnte aber sein, dass es noch weitere, bisher nicht untersuchte Wachstumsfaktoren gibt, die an der Wirkung der Serum-Augentropfen beteiligt sind“, geben Szentmáry und ihre Kollegen zu bedenken.

Nach Ansicht der Jury liefert die Studie experimentelle Hinweise darauf, dass die steigende Konzentration Wachstumsfaktoren von zentraler Bedeutung für die Wundheilung der Hornhaut ist. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass weitere, bisher nicht bekannte Faktoren die Wirkung von Serum-Augentropfen beeinflussen können. „Daraus ergeben sich neue Forschungsansätze für die Zukunft“, heben die Gutachter hervor. Das fünfköpfige Preiskomitee bestand in diesem Jahr aus dem Präsidenten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), Professor Dr. med. Claus Cursiefen, dem Präsidenten der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG), Dr. med. Peter Gorka, dem wissenschaftlichen Sekretär der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft (SOG), Professor Dr. med. David Goldblum, sowie den Schriftleitern der Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde, Professor Dr.med. Gerhard K. Lang und Professor Dr. med. Gabriele E. Lang. Das Bewertungsgremium hatte in diesem Jahr über insgesamt 46 Originalarbeiten zu befinden.

Über den Preis
Im Gedenken an den Augenarzt Theodor Axenfeld (1867–1930) würdigt die Thieme Gruppe zukunftsweisende wissenschaftliche Arbeiten, die wesentliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Augenheilkunde für den in Klinik und Praxis tätigen Augenarzt erbringen. Erstmals 1938 verliehen, wird die Auszeichnung seit 1964 regelmäßig für eine herausragende Veröffentlichung in den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde“ vergeben. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert.

Über die Thieme Gruppe
Thieme ist marktführender Anbieter von Informationen und Services, die dazu beitragen, Gesundheit und Gesundheitsversorgung zu verbessern. Das Familienunternehmen entwickelt mit seinen über 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern digitale und analoge Angebote in Medizin und Chemie. Die internationale Unternehmensgruppe mit weltweit 11 Standorten nutzt dafür ein breites Experten- und Partnernetzwerk sowie die qualitativ hochwertigen Inhalte aus 170 Fachzeitschriften und 4400 Buchtiteln. Mit ihren Lösungsangeboten unterstützt Thieme relevante Informationsprozesse in der Wissenschaft, in Ausbildung und Patientenversorgung. Medizinstudierende, Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten, Kliniken, Krankenkassen sowie alle an Gesundheit Interessierten stehen hierbei im Mittelpunkt. Anspruch der Thieme Gruppe ist es, ihnen genau die Informationen, Services und Werkzeuge bereitzustellen, die sie in einer bestimmten Arbeitssituation oder Lebensphase benötigen. Durch die hohe Qualität und zielgruppenspezifische Relevanz der angebotenen Leistungen bereitet Thieme den Weg für eine bessere Medizin und mehr Gesundheit im Leben.

Augentropfen aus der Tollkirsche bremsen Kurzsichtigkeit

(DOG) – Kurzsichtigkeit beginnt gewöhnlich im Grundschulalter. Da die Fehlsichtigkeit später schwere Augenerkrankungen begünstigt, sollte sie früh aufgehalten werden. Dies gelingt jetzt: Forscher haben einen Ansatz für eine niedrig dosierte Therapie mit dem Wirkstoff Atropin gefunden, die nebenwirkungsarm ist und das Fortschreiten der Kurzsichtig-keit bei Kindern um bis zu 50 Prozent mindern kann. Wie die Behandlung mit Atropin-Augentropfen in einer Konzentration von 0,01 Prozent konkret aussieht, erläuterten Experten auf der Kongress-Pressekonferenz zum 117. Kongress der DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft.

Bis zum Ende der Grundschulzeit entwickeln in Deutschland etwa 15 Prozent der Kinder eine Kurzsichtigkeit, bis zum Alter von 25 Jahren steigt die Rate auf etwa 45 Prozent. „Kurzsichtigkeit ist neben dem Alter der Hauptrisikofaktor für ernste Augenerkrankungen wie Grüner und Grauer Star oder auch Netzhautablösung, von daher ist es sehr wünschenswert, das Voranschreiten der Kurzsichtigkeit in der Phase ihres Entstehens zu verlangsamen“, erklärt Professor Dr. med. Claus Cursiefen, Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). „Zudem gilt: Je früher die Kurzsichtigkeit beginnt, desto stärker wird ihr Ausmaß im Erwachsenenalter sein – ein weiterer Grund für eine frühe Intervention“, fügt Cursiefen hinzu.

Zwei Stunden täglich im Freien, Lesen mit genügend Abstand
Um Kurzsichtigkeit aufzuhalten, stehen verschiedene Ansätze bereit. „Täglich zwei Stunden Aufenhalt im Freien bei Tageslicht halbieren das Risiko für Kurzsichtigkeit“, erläutert Professor Dr. med. Wolf Lagrèze von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

„Längeres Lesen in einem Abstand von weniger als 30 Zentimetern sollte vermieden werden“, fügt der Freiburger Augenarzt hinzu. Darüber hinaus gibt es spezielle Kontaktlinsen, die das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit um bis zu 40 Prozent mindern können.

Am wirksamsten hat sich jedoch eine Therapie mit Atropin-Augentropfen erwiesen. Dass Atropin, eine Substanz aus der Tollkirsche, Kurzsichtigkeit aufhalten kann, ist seit mehr als Hundert Jahren bekannt. „Wegen ihrer Nebenwirkungen – Blendung und Nahsichtstörung – wurden Atropin-Tropfen zu diesem Zweck aber kaum verordnet“, berichtet Lagrèze. Das hat sich jetzt geändert. Denn Forscher aus Singapur haben eine Konzentration gefunden, die das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit um bis zu 50 Prozent mindert und gleichzeitig weitgehend nebenwirkungsfrei ist. „Leichte Blendungs-empfindlichkeit und Nahsichtstörung bilden sich bei Absetzen vollständig zurück, so dass kein Schaden entsteht“, fügt der Freiburger Ophthalmologe hinzu.

Weltweiter Siegeszug niedrig dosierter Atropin-Tropfen
Dass Atropin-Tropfen in der geringen Konzentration von 0,01 Prozent gut wirken und dabei verträglich sind, belegen inzwischen große und aussagekräftige Studien aus Asien. „Seit der Veröffentlichung dieser Daten hat sich die Anwendung niedrig dosierter Atropin-Augentropfen weltweit sehr schnell durchgesetzt und wird auch in Deutschland seit wenigen Jahren von vielen Augenärzten in Kliniken und Praxen eingesetzt“, betont Lagrèze. So haben verschiedene Länder, darunter Deutschland (siehe Link zur Stellungnahme weiter unten), Leitlinien und Behandlungsempfehlungen formuliert. Inwieweit täglich zwei Stunden Aufenthalt im Freien die Erfolgsrate zusätzlich zu den Atropin-Augentropfen weiter erhöhen, ist noch nicht erforscht.

Vor dem Schlafengehen in jedes Auge einen Tropfen
Für die Atropin-Therapie kommen Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren in Frage, bei denen die Kurzsichtigkeit pro Jahr um mindestens eine halbe Dioptrie zunimmt. „Die Eltern geben abends vor dem Zubettgehen jeweils einen Tropfen in jedes Auge“, erklärt Lagrèze. Unwillkürliches Blinzeln sorgt für eine gute Verteilung des Wirkstoffs.

„Wichtig ist eine Tropfen-Zubereitung ohne Konservierungsmittel“, betont Lagrèze. Zudem muss der Augenarzt die Eltern darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Behandlung um einen sogenannten Off-Label-Use handelt – um einen Gebrauch, für den es bei Kurzsichtigkeit noch keine offizielle Zulassung gibt. „Nach zwei Jahren Therapiedauer entscheidet der Augenarzt, ob die Behandlung fortgesetzt werden sollte“, erläutert DOG-Experte Lagrèze.

Behandlungsstudie für Deutschland geplant
Aktuell ist in Deutschland eine Behandlungsstudie in Vorbereitung, um zu überprüfen, ob das Atropin-Konzept auch in einer nicht-asiatischen Population eine vergleichbare Wirkung entfaltet. Für diese Studie hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Ende 2018 Fördergelder zur Verfügung gestellt.

Mit Antikörper gegen Leukämie

(KON) – Kieler Forschungsteam erprobt in vorklinischen Modellversuchen neuartige Immuntherapie gegen bestimmte Blutkrebszellen

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) gilt als eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern. Diese Form des Blutkrebses geht von bösartig entarteten Vorläuferzellen bestimmter weißer Blutkörperchen aus und verursacht meist eine schnell fortschreitende Verminderung der Knochenmarksfunktion und damit eine gestörte Blutbildung. Unbehandelt kann sie innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Trotz der Schwere der Erkrankung haben Kinder heute in vielen Fällen gute Überlebens- und Heilungschancen. Die derzeitige Standardbehandlung besteht in verschiedenen Formen der Chemotherapie, die aber wegen ihrer auch für gesunde Zellen toxischen Wirkung schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Bei einem gewissen Teil der jungen Patientinnen und Patienten, etwa 15 bis 20 Prozent, schlägt die Behandlung zudem nicht an. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, erforschen daher Behandlungsalternativen, insbesondere verschiedene Varianten der Immuntherapie. In einer aktuellen vorklinischen Studie untersuchten sie den bereits bei einer anderen Krebserkrankung erfolgreich erprobten Antikörper Daratumumab. Sie erhofften sich eine mögliche Eignung zur Bekämpfung von Blutkrebszellen bei einer Unterform der ALL, der sogenannten T-Zell-ALL. Für diese Art der Erkrankung gibt es bisher keine Form der Immuntherapie. Im Modellversuch konnte in rund 50 Prozent der Fälle eine vollständige Beseitigung der Krebszellen erreicht werden. Ihre aktuellen Forschungsergebnisse veröffentlichten die Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Forschenden bundesweiter Partnerinstitutionen kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Blood.

Vorklinische Modellversuche zeigen vielversprechende Ergebnisse
Bei der Erforschung neuer Behandlungsformen gegen Krebs zeigt unter anderem die Immuntherapie mit Antikörpern ein vielversprechendes Potenzial. Bei dieser Form der Behandlung kommen künstlich hergestellte Antikörper, also bestimmte synthetische und nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip wirkende Proteine, zum Einsatz. Sie können Zellen des Immunsystems unter bestimmten Umständen dabei helfen, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. In vielen Fällen befindet sich die Erforschung der damit verbundenen Behandlungsmöglichkeiten allerdings noch am Anfang. PD Dr. Denis Schewe, Oberarzt für Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation an der Kinderklinik des UKSH, und sein Forschungsteam führten mit dem Antikörper Daratumumab grundlegende Kombinationsversuche an Mäusen durch, um eine mögliche Wirksamkeit gegen T-ALL-Krebszellen zu erproben. Dabei verglichen sie auch eine reine Antikörperbehandlung mit einer Kombination aus Antikörper- und Chemotherapie.

„Wir konnten erste vielsprechende Ergebnisse verzeichnen: Die Hälfte der mit dem Antikörper behandelten Tiere überlebte langfristig ohne Krankheitsanzeichen“, erklärt der Kieler Kinderonkologe Schewe. Dabei machte es keinen Unterschied, ob sie nur mit dem Antikörper oder mit einer Kombination aus Chemo- und Immuntherapie behandelt wurden. „Die Chemotherapie mit ihren gravierenden Nebenwirkungen erzielte keine Verbesserung und brachte im Fall unseres Modellversuchs keinen zusätzlichen Nutzen“, sagt Schewe. Diese experimentellen Ergebnisse seien aber keinesfalls direkt auf Patientinnen und Patienten übertragbar. „Bei der weiteren Entwicklung der Antikörpertherapie gegen die T-ALL gilt es daher, auch weiterhin in alle Richtungen zu forschen“, betont Schewe.

Translationaler Fokus der Kieler Onkologie
Die Forschungsaktivitäten in der Kieler Kinderonkologie zeigen exemplarisch, wie im Rahmen des an der CAU entstandenen Kiel Oncology Networks (KON) Grundlagen- und Klinische Forschung kooperieren. KON-Mitglied Schewe arbeitete in seiner aktuellen Studie zum Beispiel eng mit dem Dr. Mildred-Scheel-Haus am UKSH zusammen. Mit seiner Sektion für Stammzell- und Immuntherapie dient es auch der Versorgung von Leukämiepatientinnen und -patienten. „Unser Ziel ist es, die Antikörpertherapie gegen die T-ALL weiter zu optimieren. Dazu konnten wir Mitte des Jahres beträchtliche Fördermittel der Deutschen Krebshilfe e.V. einwerben“, sagt Schewe.

„Dr. Schewes Forschungen zu den Möglichkeiten der Immuntherapie bei Blutkrebserkrankungen sind ein Beispiel für die starke translationale Orientierung unseres Netzwerks. Der enge interdisziplinäre Austausch von Forschenden und Klinik sowie forschenden Medizinerinnen und Medizinern wird dabei helfen, künftig auch verbesserte Behandlungsmöglichkeiten im Kampf gegen andere Krebserkrankungen zu entwickeln“, bekräftigt Professorin Susanne Sebens vom Institut für Experimentelle Tumorforschung an der CAU und Sprecherin des Kiel Oncology Networks.

Über das Kiel Oncology Network (KON)
Das Kieler Krebsforschungsnetzwerk wurde 2013 als Bestandteil des CAU-Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science mit dem Ziel gegründet, die Forschungsaktivitäten möglichst vieler Grundlagen- und klinisch ausgerichteter Forschenden auf dem Gebiet der Onkologie zu vereinen und deren Zusammenarbeit zu fördern. KON umfasst damit ein breites Spektrum von langjährigen und exzellenten Expertisen im Bereich der Onkologie, u.a. Tumorbiologie, Genetik und Epigenetik, Immunologie, Pharmakologie, Pathologie, Strukturbiologie sowie modernste Bildgebungsverfahren. Die Vision von KON ist es, unter Nutzung von umfassenden und multidisziplinären Analysestrategien, ein deutlich verbessertes Verständnis über alle wichtigen Schritte der Tumorevolution sowie Resistenzmechanismen gegenüber Krebstherapien zu erhalten. Dieses Wissen stellt die Grundlage für die Entwicklung innovativer Diagnose- und Therapiestrategien dar, um die Prognose und das Überleben von Krebspatientinnen und -patienten entscheidend zu verbessern.
 

Krebs-OPs am Magen-Darm-Trakt

(DGVS) – Bei Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts ist die operative Entfernung des Tumors nach wie vor der wichtigste Behandlungsschritt, um die Krankheit erfolgreich zu behandeln. Essentiell für den Therapieerfolg ist auch, dass Krebsoperationen in einer auf das jeweilige Krankheitsbild spezialisierten Klinik erfolgen. Doch noch immer begeben sich viele Patienten in nicht ausreichend qualifizierte Krankenhäuser und erhalten deshalb nicht die bestmögliche Therapie. Was sich ändern muss und was Patienten bei der Wahl der Klinik beachten sollten, erklären Experten auf der Pressekonferenz anlässlich der Viszeralmedizin 2019 in Wiesbaden.

Die häufigste Krebsart des Magen-Darm-Trakts ist Darmkrebs: Etwa 60 000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr daran; auch immer mehr junge Menschen sind betroffen. Die Heilungschancen bei Darmkrebs haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert: Mehr als die Hälfte der Patienten überlebt die Krankheit heute zehn Jahre und länger. Das wichtigste Verfahren zur Behandlung von Darmkrebs ist eine Operation. „Weitere Therapien wie etwa Chemo- oder Immuntherapie kommen zwar oft ergänzend hinzu – ohne Chirurgie jedoch ist beim Darmkrebs keine Heilung möglich“, macht Professor Thomas Schiedeck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie des RKH Kliniken Ludwigsburg, deutlich. Deshalb sei die Wahl einer geeigneten chirurgischen Klinik für Krebspatienten entscheidend.

Krebsoperationen am Magen-Darm-Trakt werden in Deutschland an vielen Kliniken angeboten – der Operationserfolg aber fällt je nach Krankenhaus sehr unterschiedlich aus. Forscher des Fachgebiets für Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen der TU Berlin verglichen die Ergebnisse von Krebsoperationen zwischen Kliniken, die viele Operationen einer bestimmten Art durchführen und kleinen Kliniken, die nur wenige Operationen durchführen. Das Ergebnis bei Darmkrebs-OPs: In den Kliniken mit den wenigsten Operationen versterben etwa 6,6 Prozent der Patienten nach dem Eingriff, in den Kliniken mit den höchsten Fallzahlen etwa 5,2 Prozent. Ähnliche Ergebnisse fanden sich auch bei anderen Krebsoperationen des Magen-Darm-Trakts. Besonders frappierende Unterschiede zeigten sich beim Outcome nach Speiseröhrenkrebs-OPs, einem hoch komplexen Eingriff: 5,8 Prozent betrug die Sterblichkeitsrate in den Kliniken mit den meisten Eingriffen. Fast doppelt so hoch, 10,5 Prozent, war diese in jenen mit den wenigsten Eingriffen.

Hinzu kommt: Menschen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen wird in Kliniken, die über wenig Erfahrung verfügen, mitunter gar keine Operation mehr angeboten. „Häufig fehlt dort die Erfahrung und das Wissen, dass heute sogar Patienten mit metastasierendem Krebs durch eine OP geheilt werden können oder ihr Leben deutlich verlängert werden kann – diesen Menschen bleibt also eine lebensentscheidende Therapieoption versagt“, so Schiedeck.

Die Lösung des Problems liege in der Spezialisierung und der Förderung von Behandlungszentren, in denen ausreichend Erfahrung und Routine mit Krebs-OPs bestehe, betont der Experte. Um Krebschirurgie auf höchstem Niveau zu erbringen, müssten diese spezialisierten Zentren personell und apparativ hervorragend ausgestattet werden. „Diese teure Ausstattung, aber vor allem auch das notwendige Personal kann selbst in einem Wohlfahrtsstaat wie Deutschland nicht in jedem Krankenhaus adäquat zur Verfügung gestellt werden – auch das spricht für die Förderung von Zentren“, sagt Schiedeck. Die DGAV empfiehlt, sich bei Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts an jene Zentren zu wenden, die für ihr jeweiliges Krankheitsbild von der DGAV zertifiziert sind. Das Zertifikat erhalten Einrichtungen, die hinsichtlich Anzahl der Operationen, Ausstattung sowie Operationsverfahren strengen Vorgaben genügen.

Über die Wahl der geeigneten Klinik bei Krebsoperationen sprechen Experten auch auf der Pressekonferenz anlässlich der Viszeralmedizin 2019. Der Kongress findet vom 2. bis 5. Oktober 2019 in Wiesbaden statt. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), deren Sektion Endoskopie sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) richten den Kongress gemeinsam aus.

Archaische Zellen helfen dem Immunsystem bei der Heilung

(pte) – Die bisher nur für Aufgaben in der Immunabwehr des menschlichen Körpers bekannten Mukosa-assoziierten invarianten T-Zellen (MAIT) lassen sich nutzen, um defektes Gewebe im Körper zu reparieren. Außerdem helfen sie bei Infektionen der Lunge, des Darms und der Haut. Das haben Forscher um Timothy Hinks von der medizinischen Fakultät der University of Oxford gemeinsam mit Kollegen des NIHR Oxford Biomedical Research Centre herausgefunden. Details wurden in „Cell Reports“ publiziert.

MAIT-Zellen auch in Tieren
„MAIT-Zellen kommen in großer Zahl in unterschiedlichen Geweben unseres Körpers vor. Man findet sie auch in Mäusen, Opossums und Beutelteufeln, einer Raubtierart, die nur noch in Tasmanien (Australien) zu finden ist. Die Zellen haben sich in den vergangenen 150 Mio. Jahren kaum verändert. Das lässt darauf schließen, dass sie eine wichtige Rolle beim der Gesunderhaltung spielen“, so Hinks.

Die bemerkenswert nützlichen Zellen wurden erst Anfang des 21. Jahrhunderts entdeckt. Anfangs war die wissenschaftliche Welt der Meinung, sie schützten vor bakteriellen Infektionen. Gemeinsam mit Kollegen der University of Melbourne fanden die Briten heraus, dass sie auch gegen virale Infekte helfen, etwa bei Grippe.

Selbstheilungskräfte aktiviert
„Jetzt haben wir eine dritte Funktion entdeckt“, sagt Paul Klenerman, der das Team in Oxford leitet. Diese sei möglicherweise noch bedeutender als die bisher bekannten. Wenn MAIT-Zellen schädliche Bakterien wittern, schalten sie Gene ein, die die Selbstheilungskräfte aktivieren, sodass sich das Gewebe generiert. „Das könnte die Erklärung dafür sein, dass diese Zellen in der Vergangenheit und heute so wichtig sind für die Gesundheit von Mensch und Tier“, so Klenermann. Er glaubt, dass diese Zellen für künftige Therapien einsetzbar sind. Sie lassen sich durch Moleküle aktivieren, die auf Vitaminen basieren und die Heilung von Krankheiten wie Hautgeschwüren und Infektionen des Darms beschleunigen könnten.