Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Stellungnahme der Impfkommission zum Impfstoff von AstraZeneca

(Morning Briefing) – Die Tatsache, dass das Vakzin aus dem Hause AstraZeneca nicht so wirksam ist wie die mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna, sorgt für Unmut. Vielerorts ist die Bereitschaft des Klinikpersonals, sich mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns zu impfen, gering.

Doch was ist dran an der Skepsis gegenüber dem Impfstoff? Und wie rational ist die Impfverweigerung ?
Prof. Dr. Thomas Mertens, Arzt, Virologe und Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut, sortiert im Morning Briefing Podcast das unübersichtliche Gelände.

Die Kritik am Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca hält Mertens für überzogen:

„Es ist aller Mühen wert, den Menschen klarzumachen, dass dieser Impfstoff sehr wohl in der Lage ist zu schützen. “

„Denn auch der Impfstoff von AstraZeneca schützt vor schweren Krankheitsverläufen. “

Gabor Steingart

Auch der Virologe als Politiker, Prof. Karl Lauterbach, kann sich in Sachen Corona irren

Professor Trottenberg ist ein mit mir befreundeter Mathematiker, der den ersten deutschen parallelen Superrechner entwickelt hat. Ich bin voll bei ihm, denn was wahr ist, muss wahr bleiben, denn die exakte Mathematik macht es einfach, die Wahrheit zu finden – im Gegensatz zu dem, was in vielen öffentlichen Diskussionen verkündet wird.

Nachfolgend der Brief von Professor Trottenberg an Prof. Lauterbach (SPD)

Jean Pütz

Sehr geehrter Herr Prof. Lauterbach, lieber Herr Kollege,

im Rahmen einer Talkshow haben Sie sich kürzlich – wie ich es von Ihnen gewohnt bin und schätze – sehr engagiert und klar über die Gefährlichkeit des mutierten Virus geäußert. Dabei ist Ihnen leider ein (mathematischer) Fehler unterlaufen, der die Öffentlichkeit verunsichern könnte.

Ihre Formulierung: Da das mutierte Virus (B.1.1.7) offenbar deutlich ansteckender sei als das nicht mutierte, müsse der R-Wert entsprechend kleiner sein, um zu einer vergleichbaren Reduktion der Neuinfektionen zu führen. Der Fehler dieser Formulierung besteht darin, dass ein bestimmter (konstanter) R-Wert <1 (z.B. 0,8)  immer, unabhängig vom Virus, zu der gleichen Reduktion führt. Die Tatsache, dass die Virusvarianten unterschiedlich ansteckend sind, bedeutet nur, dass der gleiche R-Wert (z.B. 0,8) bei der ansteckenderen Variante schwerer zu erreichen ist als bei der weniger ansteckenden.

Vielleicht haben Sie gelegentlich die Möglichkeit, diesen Sachverhalt öffentlich klarzustellen.

Mit besten Grüßen
Prof. Dr. Ulrich Trottenberg

Der russische Corona-Impfstoff besser als sein Ruf ?

Der russische Corona-Impfstoff besser als sein Ruf? Jedenfalls wirksamer als der von Astra-Zeneca
(Apothekerzeitung) – Auch andere Konsortien entwickeln Vektorimpfstoffe auf Basis von menschlichen oder Affen-Adenoviren. Zu den bekanntesten Vertretern gehören der Corona-Impfstoffkandidat Ad26.COV2.S der Firma Johnson & Johnson sowie die Kandidaten Ad5-nCoV von CanSino Biologics und AZD1222 der Kooperation der University of Oxford mit Astra-Zeneca. Mit Letzterem wurde bereits im Juni eine Phase-III-Studie begonnen.

Entwickelt wurde der russische Impfstoff Gam-COVID-Vac Lyo vom staatlichen Gamaleya-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau. Er besteht aus zwei Komponenten:

Zum einen eine rAd26-Komponente, die einen rekombinanten Adenovirus-Vektor auf der Basis des menschlichen Adenovirus Typ 26 enthält, in den das SARS-CoV-2- S-Protein-Gen integriert wurde.
Zum anderen eine rAd5-Komponente, die analog einen rekombinanten Adenovirus-Vektor auf der Basis des menschlichen Adenovirus Typ 5 enthält, in den ebenfalls das SARS-CoV-2 S-Protein-Gen integriert wurde.
Die erste Impfkomponente dient als sogenannter »Primer«, der eine erste Immunantwort auslöst, wohingegen die zweite Impfkomponente als »Booster« eingesetzt wird, der die Immunantwort noch verstärken soll.

Registriert ist der Impfstoff laut Registrierungsbescheinigung als diese klassische Prime-Boost-Immunisierung. Dabei wird am Tag 1 mit der ersten Komponente geimpft und am Tag 21 mit der zweiten Komponente. Die Besonderheit dieses Regimes besteht darin, dass durch eine Kombination unterschiedlicher Immunogene eine additive oder synergistische Wirkung auf das Immunsystem erzielt werden kann. Eine Prime-Boost-Strategie kann beim Einsatz von bestimmten Impfstoffen, darunter auch viralen Vektoren, sogar erforderlich sein, da bereits nach der erstmaligen Anwendung das Immunsystem massiv auf das Trägervirus reagiert und bei einer zweiten Applikation des gleichen Impfantigens die Immunantwort auf den Vektor ebenfalls geboostert wird. Diese könnte dann die Immunantwort gegen das SARS-CoV-2-Protein quasi überdecken.

Die Entwickler des Sputnik-Impfstoffs hätten sehr bewusst auf eine zweistufige Impfung mit zwei unterschiedlichen viralen Vektoren gesetzt, berichtete der stellvertretende Direktor des Zentrums für wissenschaftliche Arbeit des Gamaleya-Zentrums, Denis Logunov, bereits Ende Juli in einem Interview gegenüber dem Internetportal »Meduza«. Der Grund hierfür seien Erfahrungen mit Vektorimpfstoffen gegen das MERS-Coronavirus und das Ebolavirus, die gezeigt hätten, dass eine einmalige Impfung in manchen Bevölkerungsgruppen für einen Immunschutz nicht ausreiche.

1 Jahr Corona

(Nachdenkseiten) – Die „Infektionszahlen“ sinken, die Angst vor Mutanten steigt. Nach bald zwölf Monaten Pandemie zerstreuen die Bundesregierung und ihre Berater weiterhin jede Hoffnung auf eine rasche Entspannung der Lage. Statt Lockdown-Lockerung bestimmt die Gefahr einer „dritten Welle“ die Agenda. Für Statistikprofessor Gerd Bosbach fehlen dafür bisher belastbare Belege, so wie er überhaupt einen Mangel an Durchblick bei den Krisenmanagern feststellt. Statt wichtige Fragen zum Virus, der Ansteckungswege und Verbreitung zu erforschen, vergeude man Ressourcen bei der Kontaktverfolgung, schicke gesunde Menschen in Quarantäne und schössen in den Altenheimen die Todeszahlen in die Höhe. Im Interview mit den NachDenkSeiten rät der gelernte Mathematiker: „Wir müssen lernen, mit Corona zu leben.“ Mit ihm sprach Ralf Wurzbacher.

Herr Bosbach, die täglich vom Robert Koch-Institut (RKI) vermeldeten sogenannten Infektionszahlen sind seit geraumer Zeit rückläufig. Gleichwohl haben die politisch Verantwortlichen den Corona-Lockdown jüngst noch einmal verschärft und liebäugelt die Bundeskanzlerin weiterhin mit dessen Verlängerung, wenn nicht gar mit einer noch härteren Gangart zur Bewältigung der Krise. Wie wirkt das alles auf Sie?

Das ganze Vorgehen wirkt auf mich planlos. Oder zumindest erklärt man uns den Plan nicht, der vielleicht dahintersteht. Wirklich konkret wird man eigentlich nur beim angeblichen Ziel mit der Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in einer Woche. Nach Meinung einer Vielzahl von Experten ist diese Inzidenz aber im Winter eine kaum erreichbare Zielgröße. Und was passiert, wenn man das irgendwie und irgendwann dann doch schafft, wurde uns bisher auch nicht gesagt. Wird dann wieder auf „normal“ geschaltet oder einiges gelockert? Und was? Wir wissen es nicht, beziehungsweise man hört dazu von den Verantwortlichen reichlich Widersprüchliches. Je näher wir der angestrebten Zahl 50 kommen, hören wir auch schon, 30, 10 oder gar 0 müsse das Ziel sein. Was ich allerdings nachvollziehen kann, ist die Angst davor, dass demnächst eine deutlich ansteckendere Virusvariante um sich greifen könnte. Aber dafür fehlen momentan noch systematische Belege.

Punktuell sind durchaus schon entsprechende Fälle aufgetreten. Für Sie reicht das noch nicht, von einer ernsten Bedrohung der neuen Virusvarianten auch für Deutschland auszugehen?

Hätte man sich in Deutschland gleich mit den neuen Erregern befasst, wüsste man jetzt schon viel mehr darüber und könnte die Gefahren besser abschätzen. Es fällt auf, dass die Politik seit Weihnachten massive Ängste vor dem Fall X äußert, aber jetzt erst damit anfängt, zu untersuchen, ob diese Mutanten bei uns vorkommen und in welchem Umfang. Schon Mitte Dezember wurde über 1.100 dieser Fälle in Südostengland berichtet. Trotzdem ließ man die Zeit ungenutzt verstreichen. Das verstehe ich nicht und das schließt an meine grundsätzliche Kritik an der gesamten Krisenbewältigung und -kommunikation an: Es wird viel geredet und es werden immer wieder neue Angstbilder und Gefahrenszenarien beschworen. Aber die Bereitschaft, die vielen noch offenen Fragen gründlich zu erforschen, ist schwach ausgeprägt – etwa was die Weitergabe des Virus durch Geimpfte oder früher Infizierte angeht, den Grad der Verbreitung in der Gesamtbevölkerung, also die Dunkelziffer, oder auch die Wirkungsbelege einzelner Maßnahmen. Es gibt ja durchaus viele tolle Forschungsarbeiten zu diesem und jenem Aspekt. Aber jeder der Akteure, ob einzelne Wissenschaftler, Universitäten oder Forschungsinstitute, manchmal sogar untereinander koordiniert, kocht sein eigenes Süppchen, ohne dass eine Gesamtstrategie des Corona-Kabinetts erkennbar wäre.

Wie müsste eine Gesamtstrategie in Ihren Augen aussehen?

Das werden wir jetzt nicht in ein paar Sätzen klären. Aber zunächst ist die grundlegende Frage zu stellen: Was ist wesentlich zu wissen? Wir nennen das in der Empirie die Forschungsfragen. Im nächsten Schritt ist zu überlegen, wie sich darauf eine Antwort finden lässt. Und dann müssen diese Forschungsarbeiten bei den geeigneten Stellen beauftragt werden. Zu einer Fragestellung können dann gerne auch mehrere Akteure unabhängig voneinander zu Rate gezogen werden. Und zur Strategie gehört auch die Frage nach dem Ziel. Was wollen und können wir erreichen? Daran müssen sich Maßnahmen messen lassen.

Das hört sich banal an.

Ja, aber von einem irgendwie orchestrierten Herangehen sehe ich auch nach einem Jahr Corona nichts. Einer neuen Regierung billigt man zur Einarbeitung nur 100 Tage zu. Schon die Grundfrage, wie viele Menschen in der Bevölkerung infiziert sind, wie viele davon erkrankt, wie viele schwer und wie viele davon positiv getestet waren, ist immer noch nicht geklärt. Darauf habe ich schon Anfang April 2020 hingewiesen. Was es endlich braucht, sind repräsentative und regelmäßige Stichprobenuntersuchungen mit mehreren Tausend Teilnehmern aus allen Bevölkerungsgruppen. Das RKI hat eine solche nach fast einem Jahr noch immer nicht geliefert. Obwohl es selbst von einer hohen Dunkelziffer ausgeht, macht es keine Anstalten, diesen Schattenbereich auszuleuchten. Auch hier gibt es punktuelle, gute Forschungen wie in Heinsberg, München oder Köln, aber nichts Bundesweites.

Es ist lange her, da hatte das RKI eine entsprechende Studie angekündigt. Eigentlich hätten schon Anfang Mai 2020 erste Ergebnisse vorliegen sollen …

Diese Studie wurde eigentlich vom Helmholtz-Institut geplant. Das RKI ist quasi nur mit aufgesprungen, wollte dann aber die erste Geige spielen und so ist das Ganze dann wieder eingeschlafen. Fast im Dunkeln stochert man genauso bei der Frage, was mit den sogenannten Genesenen ist, die einen Kontakt mit dem Erreger oder eine Erkrankung hinter sich haben. Zum Beispiel war jetzt zu lesen, dass in Rheinland-Pfalz auch diese Menschen geimpft werden. Vielleicht ist das unnötig, sofern die Betroffenen selbst einen natürlichen Schutz aufgebaut haben. Und vielleicht verschwendet man damit viele der knappen Impfdosen. Wissen mag nicht immer vor Dummheit schützen. Aber nichts zu wissen, ist der schlechteste Schutz.

Immerhin glauben die Bundesregierung und ihre Berater zu wissen, dass man das Virus nur unter einer Inzidenz von 50 in den Griff bekommt. Das ist doch wenigstens etwas?

Ja, aber was ist das wert, wenn nach Expertenmeinung davon auszugehen ist, dass die Dunkelziffer der mit Corona in Kontakt gekommenen Menschen drei- bis fünfmal so hoch ist wie die Zahl der positiv Getesteten? Da können die Gesundheitsämter versuchen, noch so viele Kontakte von positiv Getesteten nachzuverfolgen – der Großteil an möglichen Virusüberträgern geht ihnen durch die Lappen. Und die bewegen sich unwissend locker weiter, in Bus und Bahn, auf der Arbeit und in ihrer Familie. Hier hätte man viel bürokratischen Aufwand für die Nachverfolgung besser nutzen können, etwa bei der Kontrolle von Hygienemaßnahmen in Betrieben oder zur Abklärung der Frage, ob ehemals Positive sich noch einmal infizieren.

Umgekehrt werden aber auch viele Menschen mit positivem PCR-Nachweis zu Virusüberträgern erklärt, obwohl sie symptomlos bleiben, nicht erkranken und vielleicht gar nicht infektiös sind.

Das Problem kennt man aus der Krebs- oder AIDS-Diagnostik, aber im Prinzip bei allen medizinischen Tests. Bei einer seltenen Krankheit – wie es die Erkrankung mit Covid-19 ist – liefern selbst Tests mit einer nur geringfügigen Fehleranfälligkeit vergleichsweise viele falsch positive Treffer, wenn sie bei vielen Gesunden angewandt werden. Wenn sie eine Million Menschen testen, von denen 10.000 tatsächlich krank sind und der Test zeigt nur in 0,1 Prozent der Fälle fehlerhaft krank, also falsch positiv, an, dann erhält man zusätzlich 990 falsch Positive. In diesem Beispiel ist also fast ein Zehntel der positiven Ergebnisse falsch. Die Zahl der falschen Resultate steigt, je kleiner die Rate der tatsächlich Erkrankten und je größer die Fehleranfälligkeit ist. In der Wissenschaft ist dieses Phänomen allgemein bekannt und diskutiert. Mit Blick auf die PCR-Corona-Tests wurde es aber praktisch nie öffentlich behandelt.

Fragt man beim RKI nach, heißt es, die Fehleranfälligkeit wäre so gering, dass die Falschresultate nicht ins Gewicht fielen. Nun hat aber die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in mittlerweile zwei Bekanntmachungen darauf hingewiesen, dass auf den PCR-Test nur bei Übereinstimmung mit der klinischen Darstellung des Einzelfalls Verlass ist. Zeigt der Betroffene keine Symptome oder hatte keine Kontakte zu Infizierten, sollte der Test wiederholt werden. Was schließen Sie daraus?

Es ist erfreulich, dass diese Erkenntnis nun auch von der WHO öffentlich verbreitet wird. Aber spätestens mit den vier verwirrenden Schnelltestergebnissen des Tesla-Chefs Elon Musk – zweimal positiv und zweimal negativ – hätte jeder und jede die Problematik auf dem Schirm haben müssen. Ich bin dem Phänomen im Bereich Brustkrebs nachgegangen: In fast 90 Prozent der Fälle ist der erste positive Mammographiebefund falsch positiv. Selbst die Verantwortlichen gehen von über 80 Prozent Fehlerquote aus und sprechen nach dem ersten Befund auch bloß von einem Brustkrebsverdacht. Deshalb folgt dem ersten Screening eine zweite andersartige Untersuchung. Die liefert dann bessere Ergebnisse, weil sie nur bei einer kleinen Gruppe von Verdachtsfällen erfolgt.

Nun ist Covid-19 aber nicht gleich Brustkrebs und die Diagnoseinstrumente sind auch ganz andere.

Klar, aber das Prinzip ist völlig gleich. Der Test kann und wird meistens den Zustand richtig erkennen: krank oder gesund. Er kann aber auch irren, also Kranke nicht erkennen oder Gesunde als krank beschreiben. Die Quoten für diese Fehler sind aus Erfahrung bei den bewährten Tests ungefähr bekannt. Wenn jetzt eine große Menge Gesunder getestet wird, ergeben sich auch bei kleiner Falsch-Positiv-Quote viele Irrtümer. In den bisherigen Testwochen war aber die überwiegende Menge der Getesteten nicht infiziert. Nach Angaben des RKI über 94 Prozent, in manchen Sommerwochen sogar über 99. Deshalb spielt falsch positiv eine größere Rolle.

Sollte man solche Hintergründe nicht auch beim RKI kennen?

Natürlich weiß man davon, es wird nur nicht öffentlich diskutiert. Vermutlich ist die seit November veränderte Teststrategie des RKI, nur noch echten Verdachtsfällen nachzugehen, auf diesen Erkenntnisgewinn zurückzuführen und damit ein indirektes Eingeständnis des Irrwegs, möglichst viele testen zu wollen. Im Sommer wurde ja praktisch jeder Urlauber getestet, ohne jeden vorherigen Hinweis auf eine Erkrankung oder Kontakt zu Infektiösen und obwohl damals das Virus nur noch schwach im Umlauf war. Das sind „beste“ Bedingungen für hohe Fehleranfälligkeit. In der Folge wurden Menschen ohne einen zweiten Test als Beleg in Quarantäne geschickt. Ich nehme stark an, dass die Verschwiegenheit des RKI und der Regierung in der Frage auch damit zu tun hat, dass man Sorge hat, wegen der Vorgänge juristisch belangt werden zu können.

Wenn das stimmt, was Sie sagen, könnte man sich die ganze Kontaktverfolgung dann nicht auch sparen?

Nach meiner Schätzung bekommt man damit vielleicht ein Zehntel der Kontakte mit Infizierten zu fassen. Die Dunkelziffer und viele nicht eindeutige Angaben von positiv Getesteten lassen nicht mehr zu. Dafür lohnt der Aufwand nicht. Wie schon gesagt, es gäbe vorrangigere Aufgaben wie etwa die Kontrolle in Betrieben. Aber auch die frühzeitige Erforschung von Wirkungszusammenhängen – zum Beispiel der genaue zeitliche Verlauf von Infektionsketten innerhalb einer Familie – hätte so manche offene Frage klären können. Das erscheint mir zielführender als diese wilde Hatz mit dem Telefon auf Kontaktpersonen, bei der man eh nur einen Bruchteil erwischt.

Sehen Sie im Mangel an Forschung auch einen der Gründe dafür, dass sich ausgerechnet die Alten- und Pflegeheime bis zum heutigen Tage als die größten Infektionsherde erweisen und dort genau die Menschen zuhauf an Covid-19 sterben, die die Regierung eigentlich zuvorderst schützen will?

Zuerst einmal ist das ein Mangel an klarer Zielsetzung! Was nützt es, Kinos, Bars oder Restaurants zu schließen oder Menschen den Urlaub zu verbieten, wenn sich die echten Tragödien in den Heimen abspielen? Die hätte man besser schützen müssen, durch Schutzkleidung, wirkungsvolle Masken und ständige Tests für Beschäftigte und Besucher. Dass das funktioniert, zeigt sich ja am Fall Tübingen. Wenn es schon nicht genug Pflegekräfte für die Tests gibt – noch so ein schlimmes, obwohl seit langem bestehendes Versäumnis – warum hat man nicht frühzeitig die Sanitäter der Bundeswehr für entsprechende Schutzmaßnahmen herangezogen? Oder extra geschulte Mitarbeiter aus den Gesundheitsämtern? Jetzt diskutiert man den Einsatz von Azubis als „Schnelltester“, worunter natürlich ihre Ausbildung leidet und was den Personalmangel in der Pflege sogar noch verschärft. Statt ständig über die Lage zu jammern, wäre bei entsprechender Zielsetzung ein Nachdenken über die richtigen Maßnahmen besser gewesen.

Haben Sie eine Erklärung für diese vielen Unzulänglichkeiten im Krisenmanagement?

Dafür fehlt mir wirklich die Phantasie, weil so viele und eklatante Ungereimtheiten und Widersprüche zusammenkommen. Eine Ursache könnte das immer noch herrschende Durcheinander an Begrifflichkeiten sein. Infiziert, positiv getestet, erkrankt oder infektiös zu sein, sind unterschiedliche Dinge und die jeweiligen Gruppen gehören nicht in einen Topf geworfen. Aber selbst in den RKI-Lageberichten stößt man heute noch auf diese eklatanten Unschärfen. Wenn der wichtigste Berater der Politik derart amateurhaft verfährt, wie soll dann die Regierung die richtigen Entscheidungen treffen? Wie ich schon vor einem Jahr an dieser Stelle gesagt habe, war Corona für alle am Anfang auch Neuland, gewisse Fehler waren noch verzeihlich. Dass man allerdings den eigens für solche Fälle entwickelten und 2017 noch aktualisierten Pandemieplan vergessen hatte, ist nicht verzeihlich und hätte den verantwortlichen Minister eigentlich den Kopf kosten müssen. Immerhin gab es Berichte über ein „neuartiges Corona-Virus“ schon Monate vor dem ersten Fall in Deutschland.

Sollten sich die politischen Entscheider an andere Experten halten?

Sie sollten sich nicht nur auf einen eng begrenzten Zirkel verlassen, sondern auch anderen Stimmen gleichberechtigt Gehör schenken. Ich denke zum Beispiel an eine Expertengruppe um den Internisten Matthias Schrappe, der früher dem Sachverständigenrat im Gesundheitswesen angehörte. Das sind äußerst fähige Leute aus Wissenschaft, Forschung und medizinischer Praxis, die bereits seit Monaten gegen diese fast nur auf Lockdown fixierte Politik argumentieren und ihre Kritik in mittlerweile sieben „Thesenpapieren“ vorgetragen haben. Da ist geballtes Sachwissen, gute Strategie, jetzt auch gerade wieder zum Impfen – aber das alles wird fast vollständig ignoriert. Schrappe selbst hat der Regierung deshalb wiederholt „Beratungsresistenz“ attestiert.

Aber gibt die Entwicklung der Bundesregierung nicht recht? Das Statistische Bundesamt hat Ende Januar eine Übersterblichkeit im Jahr 2020 von absolut knapp 43.000 Todesfällen oder fünf Prozent gegenüber 2019 vermeldet. Und aktuell über 60.000 im Zusammenhang mit Corona Verstorbene sind auch nicht wegzudiskutieren. Wie interpretieren Sie als Statistiker diese Daten?

Ich sehe im November und im Dezember in der Tat eine signifikant höhere Sterblichkeit gegenüber den Vorjahren. In den Monaten davor bewegten sich die Zahlen jedoch auf normalem Niveau. Das passt zumindest nicht mit den schrillen Warnungen der ersten Stunden zusammen. Und auch das Ausmaß der zuletzt erhöhten Mortalität ist nicht so gravierend, wie es in manchen Medienberichten rüberkommt. Zu berücksichtigen ist, dass die Bevölkerung von 2016 bis 2020 um knapp eine Million Einwohner oder 1,2 Prozent gewachsen ist, insbesondere durch den Zuzug von Migranten. Dazu hat sich der Anteil der über 80-Jährigen an der Bevölkerung von 5,8 Prozent im Jahr 2016 auf 6,8 Prozent zu Jahresbeginn 2020 erhöht, womit diese Gruppe in ihrem Anteil um beinahe 19 Prozent zugelegt hat. Es ist ein natürlicher Vorgang, dass bei steigender Alterung anteilig und absolut auch mehr alte Menschen sterben.

Beide Faktoren hätten auch ohne Corona steigende Sterbezahlen erwarten lassen. Damit will ich die Wirkung der Pandemie nicht kleinreden. Die Opferzahlen sind auch bei uns in Deutschland erschreckend hoch. Man muss aber auch feststellen dürfen, dass das Durchschnittsalter der Verstorbenen 84 Jahre beträgt. Das liegt über der allgemeinen Lebenserwartung mit etwa 80 Jahren. Das ist nicht zynisch gemeint: Aber viele der Betroffenen wären in den kommenden Monaten und Jahren ohnehin gestorben. Auch das Statistische Bundesamt sprach im Zusammenhang mit singulären Ereignissen wie einer Hitze- oder einer starken Grippewelle von einer vorgezogenen Sterblichkeit.

Tatsächlich weist das Bundesamt in seiner Pressemeldung auf den Faktor Alterung hin. Demnach „dürfte“ die Zahl der ab 80-Jährigen allein 2020 „um etwa vier bis fünf Prozent zugenommen haben“, wodurch eine Zunahme der Sterbefälle „um ein bis zwei Prozent“ erwartbar gewesen wäre. Würden Sie sich dem anschließen?

Da kann ich noch mitgehen, ich wäre aber vorsichtig, das, was zu den fünf Prozent „Übersterblichkeit“ noch fehlt, voreilig Corona zuzuschlagen. Zum Beispiel differenzieren die Sterbezahlen ja nicht, ob jemand „mit“ oder „an“ dem Virus verstirbt. Als Corona-Toter gilt ja auch derjenige, der mit einem PCR-Nachweis an einem Herzinfarkt verstirbt. Zu dieser Problematik hat das Portal Telepolis gerade einen tollen Hintergrundartikel gebracht.

Interessant ist auch, dass man bei Todesfällen, die sich in zeitlicher Nähe mit einer Covid-19-Impfung ereignen, ganz streng trennt zwischen gestorben „im Zusammenhang mit“ und gestorben „durch“ die Impfung. Warum nimmt man es bei Corona-Toten nicht ebenso genau? In Hamburg wurde lange Zeit jeder Verstorbene obduziert, um Klarheit zu gewinnen, wer tatsächlich hauptursächlich an Covid-19 gestorben ist. Dabei ergaben sich 15 Prozent weniger Fälle, als das RKI für Hamburg ermittelt hat. Und was das Statistische Bundesamt auch nicht erfasst, und das aus nachvollziehbaren Gründen, sind die möglichen Toten, die als Kollateralschäden auf das Konto des ersten und des noch laufenden zweiten Lockdowns gehen.

Warum ist das für Sie nachvollziehbar? Ließe sich nicht zum Beispiel ermitteln, wie viele Krebspatienten infolge einer aufgeschobenen Operation ihr Leben gelassen haben?

Ich bin überzeugt, dass es solche Kollateralschäden gab und gibt. Zum Beispiel sagen manche Psychologen, viele Menschen in den Altenheimen wären ihrer Angst und Einsamkeit erlegen. Manche Selbstmorde werden als Unfälle, etwa mit dem Auto, kaschiert, damit die Lebensversicherung an die Familie zahlt. Vor allem bei Selbstständigen, die privat vorsorgen wollten und jetzt verzweifelt aufgeben, erscheint so etwas denkbar. Statistisch bekommen Sie solche Phänomene aber einfach nicht zu fassen. Genauso wenig lässt sich nachweisen, dass ein Mensch nicht verstorben wäre, hätte er drei Monate davor eine Krebs-OP erhalten oder sich zum Arztbesuch getraut.

Aber solange man sich die Mühe spart, solchen Dingen auf den Grund zu gehen, geht jeder Tote mehr als Übersterblichkeit auf das Konto Corona. Sehen Sie wenigstens eine Bereitschaft auf Seiten der Politik, der Frage nach Folgeschäden der Lockdownpolitik nachzugehen?

Da habe ich Zweifel, was sich schon daran zeigt, dass in den Expertenrunden der Bundeskanzlerin keine Vertreter von Disziplinen wie Psychologie, Soziologie, Ökonomie oder auch Statistik sitzen. Da finden sich neben Virologen nur noch die Modellierer, die mit Rechenmodellen mögliche Wachstumsverläufe aufzeigen. Bedenklich ist, dass die Politik voll und ganz auf deren „Sachverstand“ vertraut, die früheren und aktuellen Fehler übersieht und von vielen anderen guten Ratgebern nichts wissen will. Ich unterstelle der Regierung gar keine Böswilligkeit oder irgendwelche bösen Machenschaften. Sie sollten nur eigenständiger denken, wirklich wissen wollen, statt Meinungen anderer zu wiederholen, und sich breiter beraten lassen.

Was bleibt da an Hoffnung und Perspektiven für die Menschen im Land, die Krise endlich hinter sich zu lassen?

Ein Umdenken der Politik ist dringend geboten. Ich würde das Konzept von Matthias Schrappe und Kollegen empfehlen, vor allem die Alten und Menschen mit Vorerkrankungen gezielt zu schützen. Wenn es in den nächsten Tagen keine belastbaren Zahlen zur Gefahr durch aggressive Virusvarianten gibt, sollte der harte Lockdown beendet werden. Trotzdem beachten wir weiterhin die Hygiene- und die Abstandsregeln und die Politik beobachtet gemeinsam mit Wissenschaftlern die Fakten.

Eine wichtige positive Rolle spielt neben dem kommenden Sommer, der immer mit weniger Viruserkrankungen verbunden ist, auch die Impfung. Aber zu glauben, dass sich damit das Virus ausrotten lässt, halte ich für eine Illusion. Die Pocken auszurotten, hat knapp 200 Jahre gedauert, trotz weniger grenzüberschreitender Kontakte. Auch bei den Corona-Impfstoffen ist längst nicht alles geklärt, aber das ist ein anderes Thema. Man brauchte die Impfstoffe als „Licht am Ende des Tunnels“, vor allem zu Weihnachten, und konnte deshalb nicht so auf die Feinheiten achten.

Abschließend sage ich, wie viele andere auch: Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben, die besonders Gefährdeten schützen, ohne unsere Gesellschaft und unseren Rechtsstaat vor die Wand zu fahren.

Zur Person: Gerd Bosbach, Jahrgang 1953, ist emeritierter Professor für Statistik, Mathematik und empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz, Standort Remagen. Er ist als diplomierter Mathematiker und promovierter Statistiker zugleich einer der profiliertesten Kritiker der interessengeleiteten Nutzung von Statistik. Einblicke in Methoden und Geheimnisse der amtlichen Statistik sowie den – mitunter missbräuchlichen – Umgang der Politik und anderer interessierter Kreise erhielt er unter anderem während seiner Tätigkeit im Statistischen Bundesamt. Von Bosbach und dem Politologen Jens Jürgen Korff erschienen 2011 „Lügen mit Zahlen: Wie wir mit Statistiken manipuliert werden“ und 2017 „Die Zahlentrickser: Das Märchen von den aussterbenden Deutschen und andere Statistiklügen“.

Nicht nur der Tod eines Corona-Patienten belastet die Volksgemeinschaft

(pte) – Sehr gebrechliche COVID-19-Patienten sterben drei Mal so wahrscheinlich, wie eine Studie unter Leitung der University of Birmingham zeigt. Das gilt auch dann, wenn das Alter berücksichtigt wird. Sehr gebrechliche Patienten, die die Erkrankung überlebten, benötigten sieben Mal so wahrscheinlich mehr Pflege zu Hause oder in einem Pflegeheim. Für die Studie wurden die Daten von 5.711 Patienten mit COVID-19 in 55 Krankenhäusern in zwölf Ländern ausgewertet.

Risikofaktor Alter
Laut Seniorautorin Carly Welch wurde bereits sehr früh in der Pandemie ein höheres Alter als wichtiger Risikofaktor für die höhere Wahrscheinlichkeit eines Todesfalls mit COVID-19 erkannt. Nicht alle älteren Menschen alterten jedoch gleich. Manche Menschen sind auch nach ihrem 90. Geburtstag noch nicht gebrechlich. Eine Gebrechlichkeit kann laut der Expertin auch ohne andere langfristige Erkrankungen auftreten.

„Unsere Ergebnisse sind wichtig, da wir nachweisen konnten, dass nicht nur ein höheres Alter, sondern auch die Gebrechlichkeit, unabhängig voneinander, das Sterberisiko bei COVID-19 erhöht. Damit entsteht bei den Überlebenden auch mehr Bedarf an Pflege. Die Ergebnisse zeigten auch, dass das Delirium – ein Zustand geistiger Verwirrung, der bei COVID-19-Patienten sehr häufig ist – selbst nicht in einem unabhängigen Zusammenhang mit einem erhöhten Sterberisiko steht.

Es zeigte sich auch, dass eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Umstellung auf eine höhere Pflegestufe nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bei COVID-19-Patienten mit steigendem Alter, Gebrechlichkeit, Demenz und psychischen Problemen besteht. Die Forschungsergebnisse wurden in „Age and Ageing“ veröffentlicht.

Gebrechlichkeit
Die Gebrechlichkeit ist ein Zustand, bei dem der Körper für die Auswirkungen der Krankheit anfälliger wird. Mittels einer ganzheitlichen Bewertung wird eine Diagnose erstellt. Dabei wird berücksichtigt, wie viel Unterstützung ein Mensch im Alltag braucht, bevor er sich unwohl fühlt. Es geht hier nicht nur um medizinische Probleme, sondern um den ganzen Menschen.

Das Risiko einer Gebrechlichkeit erhöht sich mit zunehmendem Alter. Sie kann jedoch in verschiedenen Altersstufen auftreten. Die Geriatric Medicine Research Collaborative, das Expertengremium hinter der Studie, fordert jetzt eine verbesserte globale Gesundheitspolitik, da jetzt der Nachweis vorliege, dass Gebrechlichkeit unabhängig von einem höheren Alter das Sterberisiko bei COVID-19 erhöht.

Warum der neue mRNA-Impfstoff ungefährlich ist und so schnell entwickelt werden konnte – Mit einer Einschätzung von Jean Pütz

Herzmediziner aus den USA habe eine hervorragende Argumenten und Erklärung geliefert, warum die Vorbehalte von Impfgegnern auf diese neue technologische Entwicklung Unrecht haben. Der Artikel ist schon Ende Dezember im renommierten Journal of the American College of Cardiology (JACC) Basic Translation Science erschienen. Wir haben ihn für Sie übersetzt und etwas vereinfacht. Auch wenn es an Kardiologen gerichtet war, wollte ich es Ihnen nicht vorenthalten. Für Fachleute interessant sind auch die Literaturangaben.

Jean Pütz

(RKI) – Neuer Corona-Impfstoff: 5 Dinge, die nicht nur jeder Kardiologe wissen sollte
Noch nicht jeder in der Bevölkerung ist überzeugt von dem neuen Impfstoff. Greift die Impfung in die DNA ein? Welche Nebenwirkungen gibt es? Um auf kritische Fragen vorbereitet zu sein, haben Kardiologen aus den USA nun die wichtigsten Aspekte zu den neuen RNA-Vakzinen im Journal of the American College of Cardiology (JACC) Basic Translation Science zusammengefasst.

1. Worin unterscheidet sich der RNA-Impfstoff von anderen Impfstoffen?
Bei dem Impfstoff von Pfizer/BioNTech handelt sich um einen sog. mRNA-basierten Impfstoff. Wenn die EMA grünes Licht gibt, wäre es der erste, auf diesem Prinzip funktionierende Impfstoff, der in Deutschland außerhalb von Studien eingesetzt wird. Das erklärt auch, warum manche Menschen der neuen Vakzine misstrauisch gegenüberstehen.

Ein Argument der Skeptiker: Der Impfstoff würde in das menschliche Genom eingreifen. Das ist falsch. Entgegen halten kann man dem, dass die im Impfstoff enthaltene synthetische mRNA nicht in den Zellkern gelangt, in der sich das Genom befindet. Sie kommt also gar nicht mit der menschlichen DNA in Kontakt. Die synthetische mRNA wird zudem von zellulären Enzymen abgebaut, nachdem sie zu Protein translatiert wurde.

Wir funktioniert nun der Impfstoff? Die Vakzine enthält den Bauplan für die Rezeptordomäne des für den Viruseintritt entscheidenden Spike-Proteins. In Lipid-Nanopartikeln verpackt gelangt die mRNA in die Zelle und wird dort von der zellulären Translations-Maschinerie translatiert und posttranslational modifiziert. Das entstehende Virusprotein wird vom Immunsystem als fremd erkannt und eine Immunantwort wird ausgelöst.

Skepsis herrscht aber auch, weil der Impfstoff vergleichsweise extrem schnell entwickelt worden ist und die einzelnen Studienphasen durchlaufen hat. In ihrem Überblick erklären die US-Mediziner, warum das möglich war. Das Ausgangsmaterial für die Herstellung von RNA-Vakzinen sei bereits vorhanden gewesen, und könne auch schneller aufbereitet werden wie Bestandteile der konventionellen Impfstoffe, für die Hühnereier oder andere tierische Zellexpressions-Systeme benötigt werden.

Sprich, die Plattform-Technologie für die Entwicklung der Impfstoffe gab es bereits, die Schablone musste quasi nur noch an das Genom des neuen Virus angepasst werden. Als die Gensequenz von SARS-CoV-2 bekannt wurde, dauerte es deshalb nur wenige Wochen, bis der erste mRNA-Impfstoff die Phase I erreicht hat.

Bei den RNA-Vakzinen gibt es im Übrigen zwei Arten: selbstampiflizierende und nicht selbstreplizierende, zu letzteren gehört neben BNT162b2 auch der Impfstoff der Firma Moderna (mRNA-1273).

Als Nachteil der RNA-Vakzine sehen die US-Kardiologen die aufwendige Kühlkette, die erforderlich ist. BNT162b2 muss bei –70°C, die RNA-Vakzine von Moderna (mRNA-1273) bei –20°C aufbewahrt werden. Beide Impfstoffe müssen zudem zweimal injiziert werden, um effektiv zu sein.

2. Wie ist das Sicherheitsprofil im Vergleich zu anderen Impfstoffen?
Zuallererst: Bei jeglichen Impfungen können Nebenwirkungen auftreten. Diese seien aber in der Regel nicht schwerwiegend, so die US-Kardiologen. Auch die in den Studien berichteten Nebenwirkungen mit den beiden RNA-Vakzinen sind meist milde (˃ 80%) oder moderat ausgefallen und äußerten sich ähnlich wie die anderer traditioneller Impfstoffe. So kam es häufig zu Fieber und Schüttelfrost (bei 40–60% der Probanden in der Phase I). Daneben traten Fatigue, Kopfschmerzen, Myalgien, Übelkeit und Schmerzen auf. Die Erkrankungsvorfälle, aufgrund derer es zu vorrübergehenden Studienstopps gekommen ist, konnten in keinen der Fälle mit dem Impfstoff in Verbindung gebracht werden.

Seit Beginn des Impfprogramms mit BNT162b2 in Großbritannien ist es dort zu  zwei Fällen einer Anaphylaxie gekommen, und einem möglichen Fall einer anderen allergischen Reaktion. In seinen „Safety Issues“ rät der Hersteller deshalb davon ab, die Vakzine bei Menschen einzusetzen, bei denen in Vergangenheit schwere allergische Reaktionen aufgetreten sind. Der Anteil an der Gesamtzahl der vorgenommenen Impfungen wird aber als sehr gering eingestuft. Auch bei anderen herkömmlichen Impfstoffen sind allergische Reaktionen auf die Vakzine bzw. darin enthaltene Bestandteile möglich.

Wichtig gerade aus kardiologischer Sicht: Die RNA-Vakzine scheinen keine kardiopulmonalen Beschwerden zu verursachen, also weder Brustschmerzen und Dyspnoe, noch Schwellungen der unteren Extremitäten oder Palpitationen.

Was ist mit Langzeitfolgen? „Weil bis jetzt noch keine RNA-Vakzine zugelassen wurde, wissen wir nichts über die Langzeitsicherheit und Effektivität der neuen Technologie“, geben die Mediziner offen zu. Sie gehen aber davon aus, dass die Impfung sicher ist, da sie keine Pathogene enthalte und deshalb nicht infektiös sei. Da die synthetische mRNA nicht in das Genom integriert werden kann (wie oben erwähnt), können keine Mutationen entstehen. Das einzige, was die US-Kardiologen für vorstellbar halten: Dass der fremde RNA-Strang eine ungewollte Immunantwort auslöst (z.B. eine Typ-1-Interferon-Ausschüttung), die Fieber und Schüttelfrost verursachen kann. Das Risiko für solche Reaktionen lässt sich ihrer Ansicht aber minimieren, durch Aufreinigung und Modifikationen der RNA-Moleküle während der Herstellung.

3. Was wir über die RNA-Vakzine noch nicht wissen?
Trotz allem gibt es durchaus noch Unklarheiten. So weiß man beispielsweise nicht, wie der Impfstoff bei schwangeren oder stillenden Frauen wirkt, weil diese in den Studien ausgeschlossen wurden. Dasselbe gilt für immunsupprimierte Patienten und Kinder unter 12 Jahren bzw. unter 18 Jahren im Falle von mRNA-1273. Weitere Studien seien notwendig, um die Sicherheit und Effektivität der Vakzinen bei vulnerablen Personengruppe zu prüfen, erläutern die US-Kardiologen die nächsten Schritte. Ein weiterer Knackpunkt: Aktuell lässt sich noch nichts über die Langzeitimmunität sagen, es ist also unklar, wie lange die Schutzwirkung der Impfung anhält.

4. Welche RNA-Impfstoffe befinden sich in der Phase III?
Die Frage lässt sich recht schnell beantworten. Zum aktuellen Zeitpunkt haben nur die beiden erwähnten RNA-basierten Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna die Phase III erreicht. Von beiden liegen auch schon Ergebnisse vor. Die Daten für BNT162b2 sind im New England Journal of Medicine publiziert, die Schutzwirkung beträgt demnach 95%. mRNA-1273 soll laut Herstellerangaben einen 94,1%igen Schutz bieten.

5. Was passiert als nächstes?
Was bis zum Einsatz der Impfung noch passieren muss, bzgl. dieser Frage ist die Publikation im JACC schon nicht mehr auf dem neuesten Stand. Denn in der Zwischenzeit hat der Impfstoff von Pfizer/BioNTech in den USA und Großbritannien bereits eine Notfallzulassung erhalten. Am 21. Dezember wird die EMA über die Zulassung in Europa entscheiden, und in Deutschland wie auch in anderen Ländern rechnet man fest damit, dass die Behörde grünes Licht geben wird.

In Deutschland steht der Termin für den Impfstart deshalb schon fest: Am 27. Dezember soll es losgehen. Die Vorbereitungen sind vielerorts angelaufen. Corona-Impfzentren wurden aus dem Boden gestampft. Die STIKO hat gerade erst die Impfpriorisierung endgültig festgelegt. Demnach sollen als erstes Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Hochbetagte in einem Alter über 80 Jahre geimpft werden. Zudem medizinisches Personal mit hohem Ansteckungsrisiko und mit engem Kontakt zu vulnerablen Personengruppen, zum Beispiel in den Intensivstationen und Notfallaufnahmen, in der Versorgung von COVID-Patienten oder in der Onkologie/Transplantationsmedizin sowie das Pflegepersonal in den Heimen.

Deutschland kauft „Trump-Medikament“ – Mit einer Bewertung von Jean Pütz

Ich habe durchaus begrüßt, dass staatliche Instanzen mit Milliarden Euro oder Dollar die schnelle Suche nach einem wirksamen Impfstoff subventioniert haben. Dabei scheint der EU und auch Deutschland ein Fehler unterlaufen zu sein. Offenbar waren die Bedingungen so samtweich, dass die Konzerne mittlerweile – sowohl was die Preisgestaltung als auch die Lieferbedingungen angeht – selbst bestimmen können. Dort, wo ein Vertrag existiert, konnten sich die meisten aus den Lieferfristen herausstehlen mit scheinheiligen Begründungen.

Aber dieser Geldsegen hat auch peinliche Nebenwirkungen. Es ist offenbar der Politik völlig entgangen, dass dabei vergessen wurde, mit der gleichen treibenden Kraft Medikamente für die Menschen parallel zu entwickeln, die bereits vom Corona-Virus erwischt wurden und Corona-spezifische schwere Krankheiten bis hin zum Tod. Das war insofern fahrlässig, als dass mit den gleichen genetischen Methoden, die auch den schnellen Erfolg beim Impfstoff entwickelten, ebenso für neue Medikamente hervorragend geeignet sind.  Möglicherweise hätte man dann den Tod von über einer Million Menschen bremsen können. Jetzt auf die Schnelle ein Medikament auf der Basis von monoklonalen Antikörper aus dem Hut zu zaubern, getriggert durch Donald Trumps Genesung, ist ein Armutszeugnis und kostete – weil noch keine Konkurrenz besteht, viele Millionen Euro, um die Chance zu haben über ein noch nicht von der EU zugelassenes Medikament zu beziehen. Das ist keine Kritik an Bundesgesundheitsminister Spahn. Ich hoffe, dass wir später sagen können: Wer heilt hat recht.

Lesen Sie dazu den folgenden Artikel

Jean Pütz

(Spiegel) – Gesundheitsminister Spahn hat 200.000 Dosen zweier Antikörper-Medikamente aus den USA eingekauft. Die Hoffnung: Eine »passive Impfung« mit den Wirkstoffen könnte schwere Covid-19-Verläufe verhindern.

Deutschland wird als erstes EU-Land Corona-Medikamente mit sogenannten monoklonalen Antikörpern zur Bekämpfung des Sars-CoV-2-Virus einsetzen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte der »Bild am Sonntag«, die Bundesregierung habe 200.000 Dosen für 400 Millionen Euro eingekauft. Offenbar handelt es sich dabei zum einen um das Medikament des US-Herstellers Regeneron, mit dem im vergangenen Herbst bereits der damalige US-Präsident Donald Trump behandelt worden war, und zum anderen um das Präparat »Bamlanivimab« des ebenfalls amerikanischen Pharmaunternehmens Eli Lilly. Schon ab kommender Woche sollen die Arzneimittel in Deutschland eingesetzt werden, so Spahn, zunächst in Universitätskliniken. Zugelassen sind Antikörper-Medikamente in Europa bisher allerdings noch nicht.

Neuer SARS-CoV-2 neutralisierender Antikörper wird klinisch geprüft

(pts) – Eine wichtige Strategie im Kampf gegen COVID-19 sind neutralisierende Antikörper. Sie können die Viren gezielt ausschalten und haben ein großes Potenzial, effektiv zum Schutz und zur Therapie der Erkrankung eingesetzt zu werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Uniklinik Köln (UKK), der Philipps-Universität Marburg (UMR) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) ist es nun gemeinsam mit dem Unternehmen Boehringer Ingelheim gelungen, einen neuen Antikörper zu entwickeln, der das SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2) in vorklinischen Tests unschädlich macht. Der neue Antikörper namens BI 767551 (DZIF-10c) hat grünes Licht für die klinische Prüfung erhalten und wurde bereits den ersten Probanden verabreicht.

Die Uniklinik Köln, die Philipps-Universität Marburg, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung und Boehringer Ingelheim haben heute den Start einer klinischen Phase-1/2a-Studie zu BI 767551 bekanntgegeben, einem neuen SARS-CoV-2 neutralisierenden Antikörper. Durch die Kombination großer virologischer und klinischer Expertise am UKK, UMR und DZIF zusammen mit Boehringer Ingelheims Expertise in der Entwicklung und Herstellung therapeutischer Antikörper, wollen die Partner gemeinsam BI 767551 als neue therapeutische und präventive/prophylaktische Behandlungsoption für den Kampf gegen COVID-19 entwickeln.

Virus-neutralisierende Antikörper sind vielversprechende und wichtige Wirkstoffe im Kampf gegen das neue Coronavirus. Sie können Impfstoffe und Schutzmaßnahmen wie Masken und Abstandsregeln wirksam ergänzen. Dabei haben sie verschiedene Einsatzmöglichkeiten: So könnten sie sowohl zum Schutz vor einer Infektion als auch zur Therapie leichter und schwerer Krankheitsfälle eingesetzt werden. Untersucht wird auch der Einsatz zur sogenannten Postexpositionsprophylaxe. Hier wird der Antikörper Personen verabreicht, die mit dem Virus in Kontakt gekommen, aber noch nicht erkrankt sind. Durch die direkte inhalative Gabe in die Lunge hat BI 767551 das Potenzial, seine Schutzwirkung gegen eine Virusinfektion schneller zu entfalten.

Der neue Antikörper wurde an der Uniklinik Köln aus dem Blut von genesenen COVID-19-Patienten isoliert. An der Universität Marburg wurde die Neutralisationsaktivität gegen SARS-CoV-2 untersucht und der Antikörper wurde gemeinsam mit Boehringer Ingelheim weiterentwickelt. Boehringer Ingelheim stellt die Antikörper für die klinischen Prüfungen her. Die nun beginnende Studie wird von Prof. Dr. Florian Klein und Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer an der Uniklinik Köln geleitet. „Wir wollen mit BI 767551 eine Möglichkeit schaffen, COVID-19 besser behandeln und verhindern zu können“, erklärt Prof. Dr. Florian Klein, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Köln und Projektleiter am DZIF.

„Menschliche monoklonale Antikörper sind eine vielversprechende Komponente in der Bekämpfung von neuen Viren, wie dem SARS-Coronavirus-2. Wenn diese Antikörper sich als effektiv gegen COVID-19 herausstellen sollten, könnte diese Erkenntnis in der jetzigen sowie bei zukünftigen Epidemien und Pandemien hilfreich sein. Ich bin sehr froh, dass wir bei der Entwicklung dieses Wirkstoffes mithelfen dürfen“, sagt Prof. Dr. Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Marburg und Koordinator des Bereichs „Neu auftretende Infektionskrankheiten“ im DZIF.

„Wir freuen uns sehr, in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern BI 767551 zu entwickeln. Der innovative SARS-CoV-2-neutraliserende Antikörper soll sowohl für systemische Gabe als auch für die inhalative Gabe entwickelt werden,“ sagt Michel Pairet, Mitglied der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim und verantwortlich für den Unternehmensbereich Innovation.

Bei den jetzt durchgeführten Phase-1- und 2a-Studien (NCT04631705, NCT04631666 – https://bit.ly/2KxMiWzhttps://bit.ly/35YPeD4 ) werden die Sicherheit, die Pharmakokinetik und die antivirale Aktivität des Antikörpers untersucht. In Phase 1 wird der Antikörper entweder über eine einmalige Infusion oder über eine einmalige Inhalation verabreicht. Wenn der Antikörper hier eine gute Verträglichkeit zeigt, soll er in weiter fortgeschrittenen Studienphasen weiter untersucht werden.

Uniklinik Köln (UKK)
Die Uniklinik Köln ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit rund 1.570 Betten und übernimmt wichtige gesellschaftliche Aufgaben in Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Jährlich lassen sich in der Uniklinik Köln über 63.000 Patienten stationär und 375.000 Patienten ambulant behandeln. Mit rund 11.000 Beschäftigten gehört die Uniklinik Köln zu den größten Arbeitgebern in Köln und den größten Kliniken in Deutschland.

Philipps-Universität Marburg (UMR)
Die Philipps-Universität Marburg ist die traditionsreichste Hochschule Hessens. 1527 gegründet, bietet sie heute ihren rund 24.000 Studierenden exzellente Lehre in einem breiten Fächerspektrum an insgesamt 16 Fachbereichen. Zukunftsweisende Themen mit hoher Relevanz für die Gesellschaft bestimmen die Forschung in Marburg. Dazu gehört auch Forschung an hochpathogenen Viren. Weitere Informationen: http://www.uni-marburg.de

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit circa 500 Wissenschaftler und Ärzte aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Ziel ist die sogenannte Translation: die schnelle, effektive Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis. Damit bereitet das DZIF den Weg für die Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gegen Infektionen. Weitere Informationen: http://www.dzif.de

Boehringer Ingelheim
Die Entwicklung neuer und besserer Medikamente für Menschen und Tiere ist das, was unsere Arbeit ausmacht. Unser Auftrag ist es, bahnbrechende Therapien zu entwickeln, die Leben verändern. Seit der Gründung im Jahr 1885 ist Boehringer Ingelheim unabhängig und in Familienbesitz. Dadurch sind wir frei, unsere langfristige Vision zu verfolgen: die gesundheitlichen Herausforderungen der Zukunft zu identifizieren und dort tätig zu werden, wo wir am meisten erreichen können.

In unserem weltweit führenden, forschungsgetriebenen Unternehmen schaffen täglich über 51.000 Mitarbeitende Werte durch Innovation in unseren drei Geschäftsbereichen: Humanpharma, Tiergesundheit und Biopharmazeutische Auftragsproduktion. Im Jahr 2019 erzielte Boehringer Ingelheim Umsatzerlöse von 19 Milliarden Euro. Unsere umfassenden Investitionen von knapp 3,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung wirken als Innovationstreiber und ermöglichen die nächste Generation von Medikamenten, die Leben retten und Lebensqualität verbessern.

Wir können mehr wissenschaftliche Chancen nutzen, indem wir auf die Kraft von Partnerschaften und die Vielfalt der Expertinnen und Experten in den Life Sciences setzen. Durch Zusammenarbeit können wir den nächsten medizinischen Durchbruch schneller erreichen, der das Leben heutiger und zukünftiger Patienten verändern wird.

Boehringer Ingelheim in der COVID-19 Forschung
Als forschendes Pharmaunternehmen ist Boehringer Ingelheim Teil der weltweiten Anstrengungen zur Bekämpfung von COVID-19 und arbeitet dabei eng mit Experten aus der akademischen Forschung, internationalen Institutionen sowie der Pharmaindustrie zusammen.

Im Oktober kündigte das Unternehmen den Start einer Phase-2-Studie mit dem Wirkstoff BI 764198 an, einem potenten und selektiven Inhibitor von TRPC6, der die Lungenschädigung und das Risiko schwerer Atemnot bei COVID-19 Patienten vermindern könnte. Darüber hinaus beteiligt sich Boehringer Ingelheim derzeit an einer Vielzahl von Initiativen, deren Ziel es ist, die Krankheit zu bekämpfen und die Leben von Patienten zu retten. Dies umfasst unter anderem die Erforschung und Entwicklung von weiteren SARS-CoV-2-Antikörpern, die das Virus neutralisieren können, und von Kleinmolekülen zur Hemmung seiner Vermehrung, sowie die Entwicklung einer Behandlung zur Vorbeugung von Mikrokoagulation (Blutgerinnsel).

Boehringer Ingelheim unterstützt außerdem aktiv die Initiative der Bill and Melinda Gates Foundation zur Sicherung eines globalen gleichberechtigten Zugangs zu Therapien und Impfstoffen sowie weitere Entwicklungsinitiativen wie den COVID-19 Therapeutics Accelerator (CTA) und das CARE (Corona Accelerated R&D in Europe) Konsortium.

Corona: DNA-Test erkennt Lungenentzündung

(pte) – Forscher der University of Cambridge http://cam.ac.uk haben einen DNA-Test entwickelt, der bei COVID-19-Patienten sekundäre Infektionen identifiziert. Diese Patienten haben ein doppelt so hohes Risiko des Entstehens einer Lungenentzündung während der Beatmung. Für Patienten mit den schwersten Formen von COVID-19 ist die künstliche Beatmung oft die einzige Möglichkeit, sie zu retten. Diese Patienten sind jedoch anfällig für weitere Infektionen durch Bakterien und Pilze, mit denen sie oft im Spital in Kontakt kommen.

Rasche Identifizierung
Der einfache DNA-Test von Gordon Dougan, Vilas Navapurkar und Andrew Conway Morris dient der raschen Identifizierung dieser Infektionen und ermöglicht eine gezielte Behandlung mit Antibiotika. Der Test wurde am Addenbrooke Hospital in Zusammenarbeit mit Public Health England entwickelt. Damit sollen Ärzte binnen Stunden und nicht Tagen mit der Behandlung beginnen können.

Normalerweise stellt die Bestätigung der Diagnose einer Lungenentzündung eine Herausforderung dar, da die Bakterienproben im Labor in Kulturen angesetzt werden müssen. Der neue Test arbeitet mit einem anderen Ansatz, bei dem die DNA von verschiedenen Krankheitserregern festgestellt wird. Der Test nutzt die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die die DNA der Bakterien entdeckt. Er kann innerhalb von rund vier Stunden durchgeführt werden. Laut Morris besteht ein weiterer Vorteil des Tests darin, dass er genauer ist.

52 Erreger erkennen
Oft haben Patienten bereits mit der Einnahme von Antibiotika begonnen, wenn Tests durchgeführt werden. Der neue Test benötigt für ein Ergebnis keine lebenden Bakterien. Durch den parallelen Einsatz können 52 verschiedene Krankheitserreger identifiziert werden. Gleichzeitig ist auch ein Test auf eine Resistenz gegen Antibiotika möglich. Laut Forschungsleiterin Mailis Maes hat sich auch gezeigt, dass die Bakterien, die diese Infektionen verursachen, ähnlich sind wie bei Patienten ohne COVID-19. Daher können auch die normalerweise verabreichten Antibiotika eingesetzt werden. Die Forschungsergebnisse wurden in „Critical Care“ veröffentlicht.