Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Chaos um Corona-Maßnahmen rund um Ostern 2021

Diesen hervorragenden Bericht aus dem Spiegel möchte ich den Lesern meiner Homepage nicht vorenthalten

Jean Pütz

(Spiegel) – Mit dem Feiertagslockdown hat die Politik die Wirtschaft überrascht: Supermärkte fürchten einen Kundenansturm, Molkereien wissen nicht, wer die Milch vom Bauernhof abholt. Der Frust wächst.

Wer sich bei Unternehmern nach den Folgen des geplanten Oster-Shutdowns erkundigt, bekommt wenig Schmeichelhaftes zu hören: »Harakiri«, »Chaos«, ein »Aprilscherz« – so beschreiben Unternehmen die Beschlüsse von Kanzlerin Angela Merkel und den Regierungschefs der Länder.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie kritisiert die Krisenpolitik scharf: »Während andere Staaten mehr und schneller impfen und testen, um die Freiheit ihrer Bürgerinnen und Bürger zu erhalten, verhängt Deutschland nun Ruhezeiten.«

Bund und Länder hatten nach einer mehr als elfstündigen Verhandlung in der Nacht zum Dienstag einen fast völligen Stillstand des öffentlichen Lebens über Ostern beschlossen. Die Politik fürchtet, dass die Zahl der Neuinfektionen sonst so schnell steigen könnte, »dass bereits im April eine Überlastung des Gesundheitswesens wahrscheinlich ist«, heißt es in dem Beschluss.

Um die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zu senken, sollen Gründonnerstag und Ostersamstag als Ruhetage gelten. Vom 1. bis 5. April soll eine »erweiterte Ruhezeit« gelten. Nur für den Lebensmitteleinzelhandel am Ostersamstag gibt es eine Ausnahme.

Doch was dieser Oster-Shutdown konkret für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Deutschland bedeutet, darüber wird gerätselt: Manche Händler fürchten einen Kundenansturm, andere empfindliche Verluste. »Wie dieser Beschluss auszulegen ist, steht schlichtweg noch nicht fest«, sagt Kira Falter, Fachanwältin für Arbeitsrecht.

So wissen viele Firmen noch gar nicht, wie sie mit den Beschlüssen umgehen sollen – und hoffen auf mehr Klarheit aus der Politik. Die lässt auf sich warten: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erklärte, man arbeite noch an der entsprechenden Rechtsgrundlage, bei der es auch um Zuschläge für Arbeitnehmer gehen soll. Denn das Arbeitszeitgesetz sieht vor, dass Arbeitnehmer, die an Sonn- oder Feiertagen arbeiten müssen, einen Ersatzruhetag erhalten. Wer die Kosten dafür trägt, ist noch nicht klar.

Lebensmittelhändler warnen vor »Harakiri«
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es in Deutschlands Supermärkten rund um Ostern eng werden dürfte. Sie müssen zwar am Gründonnerstag schließen, dürfen aber am Ostersamstag öffnen, wie aus dem Beschluss von Bund und Ländern hervorgeht.

Doch die Freude der Branche hält sich in Grenzen. Die Tage vor Ostern zählen in der Branche normalerweise zu den umsatzstärksten Zeiten des ganzen Jahres. Nun fürchten Lebensmittelhändler einen wahren Kundenansturm: »Es ist Harakiri, den Lebensmitteleinzelhandel an Gründonnerstag dichtzumachen«, sagt ein Manager. »Der gesamte Einkauf ballt sich dann die Tage zuvor und Ostersamstag.«

Während Supermärkte öffnen, müssen Drogerien am Ostersamstag wohl geschlossen bleiben. Bei Rossmann und Müller fürchtet man, dass es deshalb vor Ostern noch voller werden wird als sonst: »Wir sehen mit großer Sorge auf die kommende Woche«, sagt Raoul Roßmann, Geschäftsführer Einkauf und Marketing bei der gleichnamigen Drogerie. Er erwartet einen »Kundenansturm, der sowohl für unsere Kund:innen als auch unsere Mitarbeitenden zu einer enormen Herausforderung werden dürfte.«

Anderen Einzelhändlern entgeht das wichtige Ostergeschäft dagegen völlig. Groß ist der Frust etwa bei Textil- und Einzelhändlern, die in Regionen mit niedriger Inzidenz den Neustart mit Terminvergabe oder Click and Collect versucht haben und nun über Ostern ganz schließen müssen.

Der Textileinzelhändler Ernsting’s spricht etwa von »enttäuschendem Krisenmanagement«. Ein Jahr nach dem allerersten Lockdown falle der Politik offenbar kein anderes Mittel der Pandemiebekämpfung als die »willkürliche Ausbremsung einiger Branchen« ein.

Für die Konfiseriekette Arko mit ihren rund 360 Filialen ist Ostern eine der wichtigsten Verkaufszeiten des Jahres

Auch die Modefirma Gerry Weber zeigt sich enttäuscht: Die Schließung des Einzelhandels sei das falsche Mittel, um die Infektionszahlen zu senken, sagt CEO Alexander Gedat. »Wir plädieren ganz dringend für eine Öffnungsstrategie, die nicht an Inzidenzzahlen, sondern an eine Teststrategie gekoppelt ist.«

Dass ausgerechnet das Ostergeschäft ausfällt, trifft manche Branchen besonders hart. Für die Konfiseriekette Arko mit ihren rund 360 Filialen ist Ostern eine der wichtigsten Verkaufszeiten des Jahres. Nun bleiben alle Läden zu. Die Beschlüsse von Bund und Ländern träfen »mitten ins Mark«, heißt es bei Arko.

Noch deutlicher werden Gastwirte und die Tourismusbranche, denen das wichtige Geschäft nun fast gänzlich entgeht. Der Hotel- und Gaststättenverband beklagt »politisches Missmanagement«. Und der Deutsche Tourismusverband äußert »Wut, Ärger, Verzweiflung«.

Steht die Produktion still oder nicht?
Manche Unternehmen zeigen sich vom Ruhetag unbeeindruckt: An der Deutschen Börse etwa soll am Gründonnerstag trotzdem gehandelt werden. Und die chemische Industrie baut darauf, dass ihre Werke auch über Ostern laufen dürfen: »In dem Beschluss steht nichts davon, dass produzierende Betriebe über Ostern ihren Betrieb nicht fortsetzen dürften«, sagt ein Sprecher des Verbandes der Chemischen Industrie. »Unsere Unternehmen werden weiter produzieren, unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen.« Der Beschluss habe daran nichts geändert.

Ganz anders klingen die Warnungen der Maschinenbauer, die von immensen Kosten im Zusammenhang mit einem Produktionsstopp am Gründonnerstag sprechen. Die Entscheidung von Bund und Ländern stelle die Firmen vor »große organisatorische Herausforderungen«, kritisierte der Branchenverband VDMA.

Viele Firmen sind noch überhaupt nicht sprechfähig. Selbst in Branchen, die normalerweise wenig mit Coronaregeln zu kämpfen haben, ist die Verwirrung groß – zum Beispiel in der Milchindustrie. »Wir können die Milch nicht auf den Höfen lassen oder wegstapeln«, warnt der Milchindustrie-Verband, der auf eine Ausnahme von der Ruhetagsregelung hofft. »Frische Milch ist kaum lagerfähig, und wir müssen lieferfähig bleiben.«

Auch die Logistikbranche warnt vor Problemen durch den überraschenden Ruhetag: »Wenn der Gründonnerstag als Liefertermin an die Supermärkte ausfällt, wird es schwer, die großen Mengen an frischer Ware rechtzeitig unterzubringen«, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV). Schon jetzt würden die Frischelogistiklager vieler Speditionen überquellen.

Die Lkw selbst werden wohl trotz des Beschlusses am Gründonnerstag und Karsamstag fahren können, vermutet Huster – denn das allgemeine Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw wurde wegen der Pandemie schon vor Monaten aufgehoben. Unklar ist aber, welche Regelung für andere Beschäftigte in der Branche gilt, etwa für Disponenten. Wird der Gründonnerstag für sie zum Feiertag erklärt, oder müssen sie von zu Hause arbeiten? Huster weiß es nicht. Sein Verband hat bei der Bundesregierung angefragt, aber bis zum frühen Dienstagnachmittag noch keine Antwort erhalten.

Wer umzieht, hat ein Problem
Besonders hart treffen könnte der Oster-Lockdown Menschen, die am Gründonnerstag umziehen. Und das dürften Tausende sein: denn dieser Tag ist der 1. April, einer der wichtigsten Umzugstage des Jahres. »Zum Quartalswechsel ziehen immer viele Menschen um, und das Osterwochenende bietet sich an, um die Wohnung einzuräumen«, sagt ein Sprecher des Bundesverbands Möbelspedition und Logistik. »Aber jetzt wissen wir nicht, ob wir an diesem Tag überhaupt Umzüge durchführen dürfen.« Dies könne gravierende Folgen haben, etwa für Mieter, die ihre alte Wohnung nicht räumen oder ihre neue Wohnung nicht beziehen könnten.

Besonders fürchten die Möbelspediteure unterschiedliche Regelungen in verschiedenen Bundesländern. »Es könnte passieren, dass sie den Auszug in Wiesbaden durchführen dürfen, den Einzug in der Nachbarstadt Mainz aber nicht«, sagt der Verbandssprecher – denn Wiesbaden gehört zu Hessen, Mainz zu Rheinland-Pfalz. »Das ist wie ein Aprilscherz.«

Überblick über die Arbeit eines Forschungs-Instituts, welches die Verhaltensweisen der Bürger während der Corona-Krise untersucht – Mit einer Einleitung von Jean Pütz

Max Weber war einer der wichtigsten Soziologen Deutschlands. Die nach ihm benannte Max-Weber-Stiftung erforscht Verhaltensweisen von Menschen und Kulturen im globalen Sinne. Es ist eine Quelle von vielen Erkenntnissen, die leider in der Politik keinen Widerhall finden. Zu Ihrer Information hier interessante Einblicke in die gesellschaftlichen Prozesse während und unmittelbar vor der Corona-Krise

Jean Pütz

(Max Weber Stiftung) – Krisen sind Stresstests für Staaten und Gesellschaften. Sie offenbaren kulturelle, soziale, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge sowie Schwachstellen. In aktuellen Forschungen beschäftigen sich die Institute der Max Weber Stiftung mit unterschiedlichen Facetten der Corona-Pandemie aus geistes- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven.

Die Corona-Pandemie stellt uns seit mehr als einem Jahr vor gewaltige Herausforderungen. Weder die unmittelbaren Konsequenzen noch die Langzeitfolgen sind absehbar. Für die Geistes- und Sozialwissenschaften wird die Krise so zu einem eigenen neuen Forschungsfeld. Ihr globales Ausmaß erfordert eine Analyse aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. So untersuchen auch die Institute der Max Weber Stiftung (MWS) die Reaktionen auf und den Umgang mit der Pandemie. Neue Krisenphänomene werden dabei ebenso in den Blick genommen wie bereits vor Ausbruch der Pandemie bestehende Herausforderungen, die sich im Zuge der Krise verschärft haben. Die Untersuchungen können dabei durchaus eine wertvolle Orientierung für die Einschätzung und den Umgang mit der Pandemie im eigenen Land bieten. Historische Perspektiven kontextualisieren heutiges Handeln im Umgang mit der Pandemie.

Die Forschungen der MWS-Institute reichen von der Untersuchung des Einflusses der Pandemie auf Alleinstehende in einer reichen Industrienation wie Japan (Deutsches Institut für Japanstudien Tokyo), über die Befragung von Familien und deren Umgang mit ihren an Diabetes erkrankten Kindern vor und während der Pandemie in der Türkei (Orient-Institut Istanbul) bis hin zu einer historischen Betrachtung des Impfens und der Impfskepsis vor dem Spiegel der aktuellen Situation in den USA (Deutsches Historisches Institut Washington).

Die Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland fördert die Forschung mit Schwerpunkten auf den Gebieten der Geschichts-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in ausgewählten Ländern und damit das gegenseitige Verständnis. Sie unterhält zurzeit weltweit zehn Institute sowie weitere Forschungsgruppen und Büros. Mit ihren Infrastrukturen bietet die MWS beste Voraussetzungen für exzellente geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung, die durch unmittelbare Nähe zu den Forschungsgegenständen und im Austausch unterschiedlicher Perspektiven und Herangehensweisen entsteht.

Aktuelle Informationen zur Sicherheit des COVID-19-Impfstoffs AstraZeneca

(pts)- Infolge der jüngsten Berichterstattungen im Zusammenhang mit thrombotischen Ereignissen möchte AstraZeneca aktuelle Daten zur Sicherheit seines COVID-19-Impfstoffs auf Basis eindeutiger wissenschaftlicher Evidenz vorlegen. Sicherheit steht an oberster Stelle und das Unternehmen überwacht die Sicherheit seines Vakzins kontinuierlich.

Eine eingehende Überprüfung aller vorliegenden Sicherheitsdaten von über 17 Millionen mit COVID-19 Vaccine AstraZeneca geimpften Personen in der Europäischen Union (EU) und Grossbritannien hat keinen Nachweis für ein erhöhtes Risiko für Lungenembolie, tiefe Beinvenenthrombose (TVT) oder Thrombozytopenie in einer bestimmten Altersgruppe, einer Geschlechtsgruppe, einer Charge oder einem bestimmten Land erbracht.

Bisher wurden für die gesamte EU und Grossbritannien 15 Fälle von TVT und 22 Ereignisse von Lungenembolie bei den Geimpften gemeldet, auf Basis der Fälle, die dem Unternehmen bis zum 8. März vorlagen. Dies sind viel weniger Fälle als natürlicherweise in der Allgemeinbevölkerung dieser Grösse zu erwarten wären; die Zahl ist vergleichbar mit anderen zugelassenen COVID-19-Impfstoffen. Der monatliche Sicherheitsbericht wird diese Woche auf der Website der Europäischen Arzneimittel-Agentur im Einklang mit den aussergewöhnlichen Transparenzmassnahmen für COVID-19 veröffentlicht.

In den klinischen Studien war die Anzahl der thrombotischen Ereignisse in der geimpften Gruppe geringer, auch wenn die Anzahl der Ereignisse insgesamt gering war. Es gab auch keine Hinweise auf vermehrte Blutungen bei den über 60.000 eingeschriebenen Studienteilnehmern.

Im Zusammenhang mit den jüngsten Sicherheitsdaten meinte Ann Taylor, Chief Medical Officer, dazu: „In der EU und Grossbritannien haben bis jetzt ungefähr 17 Millionen Menschen unser Vakzin erhalten, und die Anzahl der Fälle mit Blutgerinnseln, die in dieser Gruppe gemeldet wurden, ist niedriger als die Anzahl von Fällen, die in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten gewesen wäre. Die Pandemie hat naturgemäss zu einer erhöhten Aufmerksamkeit bei einzelnen Fällen geführt, und wir gehen über die Standardpraktiken der Sicherheitsüberwachung bei zugelassenen Arzneimitteln zu Meldung von Impfereignissen hinaus, um die Sicherheit der Allgemeinheit zu gewährleisten.“

Auch in Bezug auf die Qualität gibt es keine Beanstandungen im Zusammenhang mit einer Charge unseres Impfstoffs weder in Europa noch für den Rest der Welt. Zusätzliche Tests wurden und werden von uns und unabhängig von den europäischen Gesundheitsbehörden durchgeführt und bei keinem einzigen dieser Re-Tests gab es Anlass zur Besorgnis. Im Herstellungsprozess des Vakzins werden über 60 Qualitätsprüfungen von AstraZeneca, seinen Partnern und von über 20 unabhängigen Testlaboren durchgeführt. Alle Tests müssen strenge Kriterien zur Qualitätskontrolle erfüllen, und diese Daten werden den Aufsichtsbehörden eines jeden Landes oder jeder Region zur unabhängigen Überprüfung vorgelegt, bevor eine Charge für die jeweiligen Länder freigegeben werden kann.

Die Sicherheit der Allgemeinheit steht immer an oberster Stelle. Das Unternehmen verfolgt dieses Thema aufmerksam, aber aus der vorhandenen Evidenz kann nicht bestätigt werden, dass der Impfstoff die Ursache dafür ist.

AstraZenecas COVID-19-Impfstoff
COVID-19 Vaccine AstraZeneca wurde von der Universität Oxford und ihrem Spin-Out-Unternehmen Vaccitech gemeinsam entwickelt. Er verwendet einen replikations-defizienten Schimpansen-Virusvektor, der auf einer geschwächten Version eines Erkältungsvirus (Adenovirus) basiert, das bei Schimpansen Infektionen verursacht und das genetische Material des SARS-CoV-2-Virus-Spike-Proteins enthält. Nach der Impfung wird das Oberflächen-Spike-Protein produziert, das das Immunsystem darauf vorbereitet, das SARS-CoV-2-Virus anzugreifen, wenn es später den Körper infiziert.

Das Vakzin hat eine bedingte Marktzulassung bzw. eine Notfallzulassung in über 70 Ländern auf sechs Kontinenten erhalten, und mit der vor kurzem erfolgten Notfall-Listung (Emergency Use Listing) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschleunigt es den Zugang in bis zu 142 Ländern über die COVAX-Plattform.

AstraZeneca
AstraZeneca (LSE/STO/Nasdaq: AZN) ist ein globales, wissenschaftsbasiertes biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Entdeckung, Entwicklung und Vermarktung von verschreibungspflichtigen Medikamenten konzentriert, hauptsächlich für die Behandlung von Krankheiten in drei Therapiebereichen – Onkologie, Herz-Kreislauf, Nieren und Stoffwechsel sowie Atemwegserkrankungen und Immunologie. AstraZeneca hat seinen Sitz in Cambridge, Grossbritannien, und ist in über 100 Ländern tätig. Seine innovativen Medikamente werden weltweit von Millionen Patienten verwendet.

AstraZeneca in der Schweiz
120 Mitarbeitende sind für die Koordination der Geschäftsaktivitäten in der Schweiz zuständig. Unser Standort in Baar ist ausserdem der Hauptsitz des Europe & Canada Commercial Regional Teams und des Europe & International Oncology Teams, für die 40 weitere Mitarbeitende in der Schweiz tätig sind. Unsere wichtigsten Therapiegebiete sind Onkologie, Herz-Kreislauf, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen sowie Atemwegserkrankungen und Immunologie. Um unsere Klimaziele vorzeitig zu erreichen, arbeiten wir unermüdlich daran, CO2-Emissionen und Abfall weiter zu reduzieren. Im Rahmen unserer „Ambition Zero Carbon“-Strategie gehen wir zu einer kohlenstofffreien Geschäftstätigkeit über, indem wir Massnahmen ergreifen, mit denen wir den Ausstoss von Treibhausgasen reduzieren und schliesslich eliminieren. Im Jahr 2020 wurde AstraZeneca Schweiz von den Mitarbeitenden zum dritten Mal in Folge als hervorragender Arbeitgeber bewertet und mit dem externen Label „Great place to work®“ ausgezeichnet.

Astra Zeneca – aus der Sicht eines Statistikers

Professor Ulrich Trottenberg, der bekannte Mathematiker hat etwas zusammengetragen, was uns alle, die von Statistik Ahnung haben, auf den Nägeln brennt. Ein wirklich empfehlenswerter Artikel zum Nachdenken.

Jean Pütz

Liebe Freunde der InterScience-Akademie,

dass wir in der Corona-Berichterstattung und -Bewertung (durch Experten und die Politik) viel kommunikatives Chaos erleben, daran haben wir uns ja fast schon gewöhnt. Aber was uns jetzt im Zusammenhang mit dem Impfstoff AstraZeneca zugemutet wird, halte ich für unerträglich und skandalös. Ich habe dazu einen kurzen empörten Leserbrief an die SZ geschickt.

Herzliche Grüße
Ulrich Trottenberg

Statistische Ignoranz in Deutschland: lebensgefährlich
(Leserbrief für die Süddeutsche Zeitung)

Statistik hat in Deutschland einen besonders schweren Stand, in der Schule und in der Öffentlichkeit. Dabei könnte gerade jetzt, in diesen harten Corona-Zeiten, richtig verstandene Statistik ein Minimum an Klarheit und Wahrheit in die Welt bringen. Und elementares statistisches Verständnis der Öffentlichkeit könnte – zum Beispiel bei der Einschätzung von Risiken – eine echte Lebenshilfe für alle sein.
Aber was wir jetzt im Zusammenhang mit dem Impfstoff AstraZeneca an Ignoranz erlebt haben und noch erleben, ist skandalös. Da verbreitet irgendeine verantwortungslose Agentur, AstraZeneca habe („möglicherweise“) nur eine Wirksamkeit von 8 oder 10%, und mehrere Fernsehmoderatoren (auch im WDR!) geben diesen statistischen Unsinn ungeprüft weiter. Dann setzt die Ständige Impfkommission nach und entscheidet, dass der Impfstoff für Über-64-Jährige zunächst nicht zugelassen wird. Anstatt sich über die internationalen Statistiken zu informieren, teilt der Vorsitzende der Kommission mit, dass ihm die Datenlage nicht ausreicht, um den Impfstoff für alle freizugeben.
Und dann wundert sich die Politik darüber, dass die Öffentlichkeit essentiell verunsichert ist und der Impfstoff ungenutzt liegen bleibt. Wann endlich werden die für solche Fehlinformationen und todbringenden Fehlentscheidungen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen?
Prof. Dr. Ulrich Trottenberg, Köln

 

Hypothyreose: Forderung nach neuen Studien zur Kombinationstherapie

(DGE) – Seit den 1960er Jahren, als die synthetischen Schilddrüsenhormonpräparate T4 und T3 die getrockneten Rinderschilddrüsenextrakte (wie Thyranon-Organon) ablösten, hält die Diskussion über eine Monotherapie mit T4 oder eine Kombination von T4 und T3 an. Lange Zeit verordneten die Ärzte Kombinationstherapien (mit z.T. recht hohem T3-Anteil wie  in Novothyral-Merck), dann bevorzugte man die Monotherapie mit T4. Diese wird auch heute in den meisten Leitlinien empfohlen, wobei im Einzelfall  Ausnahmen möglich seien. Man stützte sich auf zahlreiche Studien, die keinen Nutzen einer Kombinationstherapie bei Hypothyreose belegen konnten. Manche Patienten sind mit einer T4-Monotherapie aber unzufrieden und fordern von den Ärzten, auch T3 zu bekommen, entweder in Kombination mit T4,  manchmal sogar als T3-Monotherapie.

Am 12. Februar 2021 wurde nun  zu dieser Thematik ein Consensus-Dokument der Amerikanischen (ATA), Britischen (BTA) und Europäischen (ETA) Schilddrüsengesellschaft publiziert, welches auch das Ergebnis einer  Konferenz vom 3. November 2019 wiedergibt (1). Zwölf Experten hatten vorliegenden 14 Studien analysiert und festgestellt, dass diese heutigen Studienanforderungen nicht immer genügten, und es fanden zusätzlich Umfragen statt. Das Ergebnis war die Forderung, die Therapieoptionen für die Hypothyreose erneut zu studieren.  Die Autoren schreiben am Ende ihrer Publikation (1):

„Based on the presentation and discussion of these topics by the authors, we believe that there is equipoise for a new well-designed adequately powered clinical trial of combination therapy. Furthermore, patients and physicians have demonstrated an urgent strong interest in addressing the clinical problem of patients‘ dissatisfaction with the existing standard of care for thyroid hormone therapy. Additional physiological/translational data, informing the theoretical basis for potential combination therapy benefit, may be generated in parallel with planned or ongoing studies in order not to delay new studies in this area”.

Nach Abfassung diese Blogbeitrags erreicht den Referenten am heutigen Tage die Aufforderung, an einer Umfrage  zur Verwendung von Levothyroxin in Europa teilzunehmen. Sie trägt den Titel “THESIS”: Treatment of Hypothyroidism in Europe by Specialists: an International Survey. Unten sei aus dem Text zur Aufforderung, an der Umfrage teilzunehmen, des Passus wiedergegeben, welcher von einer  „ Evidenz gegen“ eine objektive Überlegenheit der T3-Behandlung spricht  und dass nur LT4-Präparate den Vorteil (gegenüber T3) hätten, physiologische Schilddrüsenhormonwerte zu erzielen.

Man darf gespannt die Ergebnisse von neuen Studien und Umfragen zur Frage „T4-Monotherapie oder Kombination T4/T3 bei Hypopthyreose ?“ erwarten.

Aufwertung des Placebo-Medikaments – ein Blick in die Tiefenpsychologie – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Hier der Beweis: Die Kraft der Selbstbestätigende Prophezeiung (self for prophesy) bestimmt sehr unser Leben. Das kann man positiv und negativ sehen. Heilpraktiker können davon ein Liedchen singen. Insofern ist die Homöopathie durchaus ernst zu nehmen.

Umgekehrt aber erzeugt sie im Erfahrungsschatz vieler Menschen, dass Verschwörungstheorien und Falschmeldungen durchaus eine Wirkung haben. Das ist gleichzeitig Segen und Fluch und beweist, wie sehr der Mensch manipuliert werden kann. Das hat nicht nur individuelle Auswirkung, auf die Psychologie, sondern ist gleichsam eine Gesetzmäßigkeit, die in der Psychologie eine wichtige Rolle spielt und unsere Vorstellung von Demokratie konterkarieren kann, nach dem Motto: Der Teufel scheißt immer auf den gleichen Haufen. auf diesem Prinzip bauen viele Autokraten ein vorhersehbares Lügengebilde auf. Die Erfolge des Faschismus und jetzt aktuell der Trumpismus haben dort ihre Ursache.

Jean Pütz

(pte) – Scheinmedikamente, sogenannte Placebos, funktionieren auch ohne Täuschung des zu behandelnden Patienten. Dies zeigt eine von Forschern des Universitätsklinikums Freiburg durchgeführte Metaanalyse. Laut der im Fachmagazin „Scientific Reports“ veröffentlichten Studie wurde ein systematischer Vergleich von 13 Studien mit 834 Teilnehmern durchgeführt.

„Erstaunliche Therapieerfolge“
„Die bewusste Einnahme eines Placebos mag zwar etwas verrückt erscheinen, aber sie hat in diesen Studien gewirkt – und damit die gezielte Täuschung der Patienten unnötig gemacht. Dass Placebos ohne pharmakologisch aktive Substanzen das Geschehen im Gehirn oder den Hormonhaushalt beeinflussen und erstaunliche Therapieerfolge erzielen können, wussten wir seit Langem“, so Forscher Stefan Schmidt. Dem Experten nach wurde die Wirkung der Placebos bisher jedoch der Erwartung der Patienten an ein aktives Medikament zugeschrieben.

Neuere klinische Studien liefern jedoch erste Hinweise, dass die Täuschung über den fehlenden Inhalt des Placebos unnötig sein könnte. Um die Wirkung offen verabreichter Placebos wissenschaftlich zu belegen, verglich das Team 13 randomisierte klinische Studien. Die in den einzelnen Studien behandelten Diagnosen reichten von Rückenschmerzen und Reizdarmsyndrom über Depression, Fatigue und ADHS bis zu Heuschnupfen und Hitzewallungen. Den Patienten war offen mitgeteilt worden, dass sie ein Placebo erhalten.

Wissenschaftliche Belege gefunden
Zudem wurden die Patienten über die prinzipielle Wirkung von Placebos informiert und um die regelmäßige Einnahme der Tabletten gebeten. Die Metaanalyse der Studien belegte laut Schmidt die überraschende Wirkung: „Wir konnten erstmals wissenschaftlich gesichert zeigen, dass auch offen verabreichte Placebos wirksam sein können.“ Sollten offen verabreichte Placebos auch im Klinikalltag Anwendung finden, könnten sie anstelle der gezielten Täuschung zusätzliche Offenheit in die Beziehung zwischen Behandelnden und Patienten bringen.

Warum ist Südkorea als Demokratie besser mit Corona fertig geworden als die Europäer? Mit einer Einführung von Jean Pütz

Was ist wichtiger, Datenschutz oder Schutz von Leib und Leben? Darauf spielt sich die Frage zu, warum Südkorea bis jetzt wesentlich besser die Pandemie überstanden hat als Europa und Amerika.

1984 war ich als verantwortlicher WDR-Redakteur froh, dass es schien, dass George Orwell mit seinem berühmten Zukunfts-Roman nicht recht hatte. Das hat sich insbesondere durch das aufkommende Internet fundamental geändert. Deswegen ist verständlich, warum wir mit persönlichen Daten wesentlich verantwortlicher umgehen als asiatische Staaten.

Liest man den folgenden Beitrag, ist die Vision von Orwell 40 Jahre später eingetroffen. Wenn wir also einen Blick auf Südkorea werfen, muss diese Tatsache berücksichtigt werden. Das ist auch der Grund, weshalb die groß propagierte Corona-App in westlichen Ländern ein zahnloser Tiger geworden ist, denn eines der Geheimnisse des Erfolgs der Südkoreaner liegt in der Tatsache begründet, dass offenbar dem Datenschutz weniger Bedeutung zugemessen wurde. Ob wir dabei päpstlicher waren als der Papst, ist schwer zu beurteilen. Die Franzosen, die automatische Meldungen in ihre Apps eingebaut hatten, haben auch keine besseren Ergebnisse erzielt, weil die berechtigte Skepsis der Bürger dafür sorgte, dass nur wenige diese Apps akzeptiert haben. Immerhin haben in Deutschland die Bürger über 20-millionenfach unsere App heruntergeladen, das Problem war, dass nur wenige positive Tests  an die Gesundheitsämter weitergeleitet haben.

Ihr Jean Pütz

(Konrad Adener Stiftung) – Impfstoffe geben Hoffnung auf einen Ausweg aus der Pandemie. Gleichzeitig wird deutlich, dass uns die Notwendigkeit zu Social Distancing und Beschränkungen zumindest noch eine Weile erhalten bleiben wird. Welche Mittel und Eingrenzungen von Rechten und Freiheiten nötig und gewollt sein können, um das Recht auf körperliche Unversehrtheit, aber auch andere Freiheiten zu schützen, ändert sich mit fortschreitender Zeit und Erkenntnis. Das demokratische Korea setzte seit Beginn auf digitale Methoden.

Besonders im internationalen Vergleich sind die Infektionszahlen in Südkorea – obwohl es nach der Volksrepublik China den zweiten Schwerpunkt der Pandemie zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung ausmachte – durchgehend auf relativ niedrigem Niveau verblieben: seit Beginn der Pandemie wurden weniger als 85.000 Infektionen und 1.600 Todesfälle gezählt.  Aktuell ist das Land nichtsdestotrotz mit einer dritten Welle konfrontiert, in der die tägliche Infektionszahl jedoch unter 1.300 geblieben und zuletzt auch wieder unter 400 gesunken ist.

Die ergriffenen Maßnahmen wurden im Zeitverlauf zunehmend systematisiert und mehrfach gelockert und verschärft. Bis dato kam es jedoch zu keinem umfassenden lockdown: Privatunternehmen, insbesondere Einzelhandel und Gastronomie, konnten durchgehend geöffnet bleiben, zeitweise mit verkürzten Öffnungszeiten.

Als wesentliche Faktoren für dieses Ergebnis sind kurze Reaktionszeiten, eine hohe Konformität in der Bevölkerung und insbesondere auch eine Nutzung vorhandener Daten und digitaler Infrastruktur auszumachen.

Tracking und Monitoring

Eine Überwachung bzw. Nutzung von personenbezogenen Daten zur Kontrolle des Infektionsgeschehens erfolgt in zwei unterschiedlichen Strängen.

Bei Einreise aus dem Ausland besteht, mit Ausnahme ausgewählter Personengruppen, eine Pflicht zur 14-tägigen Quarantäne in hierfür eigens zugewiesenen Einrichtungen. Südkoreanische Staatsbürger sowie Personen mit qualifiziertem Aufenthaltstitel und nachweislichem Wohnsitz haben ersatzweise die Möglichkeit, sich einer Selbstisolierung im eigenen Wohnraum zu unterziehen.

Die Einhaltung der dabei geltenden Pflichten und Beschränkungen wird primär durch die bereits vor Einreise zwingend vorgeschriebene Installation einer App zur täglichen Selbstüberwachung von Krankheitssymptomen und Ergebniserfassung sowie durch Auswertung der Bewegungsdaten der eigenen Mobilfunknummer sichergestellt. Hinzu kommen regelmäßiger Kontakt mit der zuständigen Gesundheitsbehörde und eventuell unangekündigte Hausbesuche.

Eine nochmals weitreichendere Datenauswertung erfolgt im Falle bestätigter Infektionsfälle. Das dann greifende Tracking- und Monitoring-System wurde im Rahmen einer Kooperation von Ministry of Science and Information & Communication Technology, Ministry of Land, Infrastructure and Transport sowie Korea Center for Disease Control and Prevention (KCDC) entwickelt und beruht im Wesentlichen auf fünf Informationsquellen:

1.    Auskünfte der Infizierten
2.    Zahlungsverkehr
3.    Mobilfunknetz
4.    Überwachungskameras
5.    Entry Logs

Sobald eine Person positiv getestet wird, schalten sich sogenannte Epidemiological Intelligence Service Officers der Korea Disease Control and Prevention Agency (KDCA, vormals KCDC) ein. Diese befragen die infizierte Person und inspizieren gegebenenfalls Orte, die von dieser Person besucht wurden. Um die Aussagen des Infizierten zu überprüfen und potentielle Ansteckungen nachzuvollziehen, werten die Beamten dann in der Folge bis zu vier zusätzliche Datenquellen aus und gleichen sie mit den gemachten Angaben ab.

Zahlungsverkehr

Der Abgleich mit getätigten Zahlungen per Kredit- oder Bankkarte ist in Südkorea besonders effektiv, da hier der Anteil an bargeldlosem Zahlungsverkehr weltweit am höchsten ist.

Mobilfunknetz

In Südkorea gibt es mehr Mobiltelefone als Einwohner. Die Quote gehört weltweit zu den höchs-ten. Zudem ist die Netzabdeckung äußerst hoch und Endgeräte sind zu jedem Zeitpunkt mit bis zu drei Sendemasten verbunden. Dies erhöht die Genauigkeit der Ortung enorm.

Überwachungskameras

In Südkorea sind über 8 Millionen Überwachungskameras im Einsatz. Dies entspricht einer Kamera pro 6,3 Einwohner. Während Menschen im öffentlichen Raum unterwegs sind, werden diese im Durchschnitt alle neun Sekunden per Video erfasst. Dies ermöglicht eine nahezu lückenlose Nachverfolgung der Bewegungsprofile.

Entry Logs

Im Juli 2020 wurde zudem ein u.a. für die Gastronomie verpflichtendes Registrierungssystem eingeführt. Hierzu kann alternativ zur Papierform ein QR-Code in weit verbreiteten Apps, die eine zertifizierte Identifizierung ihrer Nutzer ermöglichen, erstellt und vor Ort eingescannt werden. Im Falle einer Infektion können so zeitnah alle relevanten Kontakte ermittelt werden.

Die erstellten Bewegungsprofile werden mit den Daten bereits bekannter Fälle abgeglichen und auf Zusammenhänge geprüft. Die Aufklärungsquote der Infektionswege liegt derzeit noch immer über 80 Prozent.

Es wird zudem versucht, Kontaktpersonen zu identifizieren, die weniger als zwei Meter Abstand zum Infizierten hatten, und die staatlichen Stellen veröffentlichen das erstellte Bewegungsprofil in anonymisierter Form und senden auf Basis der Zuordnung zu Sendemasten Warnungen per SMS in die jeweiligen Stadtviertel.

Rechtsrahmen und Datenschutz

In normalen Zeiten gilt im rechtsstaatlichen Südkorea ein der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ähnliches Datenschutzrecht, wenngleich die Verhandlungen über eine formale Anerkennung von dessen Gleichwertigkeit durch die Europäische Kommission noch nicht abgeschlossen sind.

Allerdings erklärte Südkorea das Corona-Virus bereits im Januar 2020, nachdem die ersten bestätigten Fälle im Land gemeldet wurden, zur „Infektionskrankheit 1. Grades“, wodurch auch besondere Maßnahmen zur Datenverarbeitung ermöglicht werden.

In Art. 6 Abs. 2 des im Nachgang von MERS (2015) geschaffenen „Gesetzes zur Prävention und Kon-trolle von Infektionskrankheiten“ heißt es dazu:

„Die Bürger haben das Recht, die Informationen über das Auftreten von Infektionskrankheiten, die Prävention und die Kontrolle von Infektionskrank-heiten sowie über die Bekämpfung zu erfahren. Der Staat und die lokalen Regierungen müssen Informa-tionen unverzüglich offenlegen.“

Das Gesetz legt den Umfang der Offenlegung von Informationen im Falle einer Infektionskrank-heitskrise fest und spezifiziert diesen Grundsatz in Art. 34-2 Abs. 1:

„Der Leiter der Behörde für Krankheitskontrolle und -prävention (KDCA), die Bürgermeister, die Gouverneure und die Bezirksleiter müssen unverzüglich Informationen, die die Bürger zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten wissen müssen, wie u.a. die Infektionswege von Patienten, Transportmittel, medizinische Behandlungseinrichtungen und Kontakte, durch Veröffentlichung in Kommunikationsnetzen oder die Verbreitung von Pressemitteilungen offenlegen, wenn aufgrund der Ausbreitung von Infektionskrankheiten, die für die Gesundheit der Menschen schädlich sind, eine Krisenwarnung über die Stufe ‚Vorsicht‘ gemäß Art. 38 Abs. 2 des ‚Gesetzes über Katastrophen- und Sicherheitsmanagement‘ herausgegeben wurde. Geschlecht, Alter und andere Informationen, die durch das Präsidialdekret als nicht mit der Prävention von Infektionskrankheiten verbunden angesehen werden, sind jedoch ausgeschlossen.“

Weitere Artikel des Gesetzes regeln explizit die Möglichkeit zuständiger Behörden, persönliche Daten wie Name, Adresse und Telefonnummer, Krankenakten, Daten über Ein- und Auswanderung und andere Informationen von vermutlich Infizierten zur Feststellung der Bewegung zu verlangen. Es gibt dem Leiter einer Polizeibehörde die Möglichkeit, Informationen über Standortdaten von vermutlich Infizierten zu verlangen und von Anbietern persönlicher Standortinformationen und Telekommunikationsdienstanbietern entsprechende Standortdaten einzufordern (Art. 76-2).

Außerdem regelt das Gesetz:

›    Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren oder Geldstrafen von bis zu 20 Millionen Won (etwa 15.000 EUR) bei Verweigerung epidemiologischer Untersuchungen (Art. 79 Nr. 1),

›    Gefängnisstrafen von bis zu einem Jahr oder Geldstrafen von bis zu 20 Millionen Won bei Verweigerung der Auskunft über Standortdaten (Art. 79-2 Nr. 3),

›    Gefängnisstrafen von bis zu einem Jahr oder Geldstrafen von bis zu 10 Millionen Won  (etwa 7.500 EUR) bei Verweigerung von Hospitalisierungs- oder Quarantänemaßnahmen (Art. 79-3 Nr. 4, 5).

Die Anwendung dieser Regeln steht dabei durchaus unter gesellschaftlicher und gerichtlicher Beobachtung.

Im Mittelpunkt der zweiten Welle stand im Som-mer 2020 die Bildung eines Infektionsclusters im Stadtviertel Itaewon, das auf den Besuch eines Infizierten in Bars und Clubs zurückgeführt wurde. Zur Aufklärung der Infektionswege wurden Mobilfunkdaten von fast 11.000 Personen genutzt. Das KCDC (seit dem 12.09.2020 KDCA) und die Stadt Seoul hatten diese von den Mobilfunkanbietern gesammelt und Kurznachrichten mit der Aufforderung versandt, sich einem Corona-Test zu unterziehen. Einer der Empfänger, der weder den als Infektionsherd gemeldeten Club besucht, noch direkten Kontakt mit verdächtigen Infizierten hatte und ein negatives Ergebnis erhielt, reichte infolgedessen am 29.07.2020 beim südkoreanischen Verfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde ein, da er sein Recht auf Selbstbestimmung über persönliche Informationen, Kommunikationsfreiheit, Geheimhaltung bzw. Freiheit der Privatsphäre, Freiheit des allgemeinen Verhaltens und Gleichheit verletzt sehe. Die Beschwerde wurde am 25.08.2020 zur Prüfung angenommen.

Die zu Beginn der Krise übliche namentliche Veröffentlichung der Trackingdaten von Infizierten durch die Leiter der Kommunalverwaltungen oder die Einführung eines COVID-19-Armbandes wurden bereits als übermäßige Beeinträchtigung der Privatsphäre anerkannt und eingestellt.

Als problematisch gilt weiterhin, dass das „Gesetz zur Prävention und Kontrolle von Infektionskrank-heiten“ keine Bestimmung enthält, dass oder wann genau die Daten zu löschen sind, die während epidemiologischer Untersuchungen gesammelt werden.

Weitere Maßnahmen und Faktoren

Die technologiegestützte Überwachung einer strikten Quarantäne sowie datenbasierte Kontaktverfolgung und Identifikation von Infektionsclustern sind zwei wichtige Teile eines Puzzles, das vor allem durch systematisierte Social-Distancing-Maßnahmen und eine über die Pflicht hinausgehende Bereitschaft zum Tragen von Masken ergänzt wird.
Maskenpflicht gilt im Prinzip an allen öffentlichen Orten (ÖPNV, Demonstrationen, medizinische Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen). Auch in der Gastronomie ist die Maske jederzeit aufzusetzen, außer es wird gegessen oder getrunken. Bei Zuwiderhandlung kann seit November 2020 ein Bußgeld von rund 75 Euro verhängt werden, Betriebe müssen bei Missachtung zwischen 1.100 und 2.200 Euro zahlen. Doch schon vor Einführung dieser Sanktionsmöglichkeiten lag der Anteil der Zuwiderhandelnden geschätzt unter einem Prozent. Der überwiegende Großteil trägt schon seit Beginn KF94/KF95 (gleichwertig zu FFP2). Vorübergehender Knappheit wurde mit Ausfuhrsperren entgegengewirkt.

Die übrigen Vorgaben der Regierung zum Social Distancing folgen einem seit 01.11. 2020 fünfstufigen Maßnahmensystem, das öffentliche Betriebe und Eirichtungen wie Schulen zu Einschränkungen zwingt, aber auch dringende Empfehlungen und Vorgaben für den privaten Raum enthält.  Die Inkraftsetzung der Maßnahmen erfolgt jeweils kurzfristig für i.d.R. 14-tägige Zeiträume und abhängig vom regionalen Infektionsgeschehen. Darüber hinaus werden vorhergehende Cluster und besondere Anlässe wie Feiertage mit erhöhtem Reiseverkehr berücksichtigt, sodass es zu zusätzlichen Einschränkungen für einzelne Gruppen bzw. Orte oder schärfere Beschränkungen für Versammlungen kommt.

Politische Debatte

Die öffentliche Debatte fokussiert sich auf diese Social-Distancing-Maßnahmen und stellt ähnlich wie in Deutschland Fragen nach deren Wirksamkeit, Zielgenauigkeit und wirtschaftlichen und sozialen Kosten in den Vordergrund. Im Umfeld der nationalen Parlamentswahlen im Frühjahr 2020 oder der im April 2021 bevorstehenden Bürgermeisterwahlen in Seoul und Busan – den beiden größten Städten des Landes – aber auch von Protestbewegungen oder herausragenden Parlamentsentscheidungen wächst zudem die Kritik der Opposition an den anhaltenden Einschränkungen der Versammlungsfreiheit. Bezüglich der Verwendung von personenbezogenen Daten zur Bekämpfung der Pandemie besteht hingegen prinzipielle Einigkeit.

Fazit

Südkorea nutzt die ihm zu Verfügung stehenden Daten und Technologien erfolgreich zur Eindämmung der Pandemie auf beachtlich niedrigem Niveau, ohne dabei seine demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien auszusetzen.

Wichtige Grundlage dafür bilden neben der mehr erfahrungs- als kulturbasierten Akzeptanz für Einschränkungen in der Bevölkerung sicher auch die geographische Lage oder die Zusammensetzung der Bevölkerung, die eine Regulierung der Einreise und Quarantänevorschriften vereinfachen.

Ebenso zahlen sich aber die vorhandene digitale Infrastruktur, das daraus entstandene Datenreservoir und die bewusste Entscheidung zu deren verantwortungsvoller Nutzung aus.

 

Aufwertung des Placebo-Medikaments – ein Blick in die Tiefenpsychologie

Hier der Beweis: Die Kraft der Selbstbestätigende Prophezeiung (self for prophesy) bestimmt sehr unser Leben. Das kann man positiv und negativ sehen. Heilpraktiker können davon ein Liedchen singen. Insofern ist die Homöopathie durchaus ernst zu nehmen.

Umgekehrt aber erzeugt sie im Erfahrungsschatz vieler Menschen, dass Verschwörungstheorien und Falschmeldungen durchaus eine Wirkung haben. Das ist gleichzeitig Segen und Fluch und beweist, wie sehr der Mensch manipuliert werden kann. Das hat nicht nur individuelle Auswirkung, auf die Psychologie, sondern ist gleichsam eine Gesetzmäßigkeit, die in der Psychologie eine wichtige Rolle spielt und unsere Vorstellung von Demokratie konterkarieren kann, nach dem Motto: Der Teufel scheißt immer auf den gleichen Haufen. auf diesem Prinzip bauen viele Autokraten ein vorhersehbares Lügengebilde auf. Die Erfolge des Faschismus und jetzt aktuell der Trumpismus haben dort ihre Ursache.

Jean Pütz

 

Probleme mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff – Mit einer Einleitung von Jean Pütz

In meinem Facebook-Beitrag vom 08.Februar 2021 habe ich bereits darauf hingewiesen. Dieser Vektor-Impfstoff ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Da sind die Russen mit ihrem ‚Sputnik-Impfstoff‘ intelligenter vorgegangen. Jetzt kommen neue Nebenwirkungen ans Licht, die leider selbst vom RKI verniedlicht werden. Deswegen möchte ich Ihnen den Auszug aus ‚Morning Briefing‘ von Gabor Steingart nicht vorenthalten

Jean Pütz

PS Vor 10 Tagen habe  ich zum 1. Mal den mRNA-Impfstoff injiziert bekommen und verspüre nur ganz schwache Nebenwirkungen

(Morning Briefing) – Im Kampf gegen Corona sind die Impfstoffe unsere wirksamste Waffe. Sagen alle Politiker. Was sie nicht sagen: Manche Impfstoffe wirken wie eine Präzisionswaffe; andere wie eine Schrotflinte.

Womit wir bei dem schwedisch-britischen Konzern AstraZeneca wären. Die volle Wirksamkeit des von ihm vertriebenen Impfstoffcocktails tritt nur bei 65 bis 70 Prozent der Patienten ein, wie sich jetzt herausstellt. Das heißt: Bei 100 Millionen geimpften Personen stehen 30 bis 35 Millionen Menschen ohne den umfassenden Schutz da und können sogar weiterhin am Corona-Virus erkranken. Dafür sind die Nebenwirkungen umso heftiger: Fieber. Erbrechen. Schüttelfrost.

Der Impfstoff von Moderna wies in den Studien eine Wirksamkeit von 94 Prozent auf, das Vakzin von BioNTech eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Auch hier treten Nebenwirkungen auf, nur eben weniger heftig. Beide Impfstoffe basieren auf einem grundsätzlich anderen Design und sind in weltweiten Studien umfangreich getestet.

Da wundert nicht: Bundesweit wurden von 736.800 bislang gelieferten Impfdosen von AstraZeneca nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag lediglich 64.869 Dosen verimpft. Aus Kreisen des Bundesgesundheitsministeriums heißt es, dass Impftermine „massenhaft“ ausfallen würden. Der Stoff stößt auf Skepsis bis Ablehnung:

  • Im Saarland haben viele Bürger ihren Impftermin abgesagt oder einen anderen Wirkstoff verlangt – die Termine wurden daraufhin an andere Menschen vergeben, da man sich nicht aussuchen kann, mit welchem Mittel man geimpft wird. Es wird geimpft, was auf den Tisch kommt.
  • In Brandenburg wurden die Bestände bislang noch gar nicht angerührt, in Baden-Württemberg wurden gerade mal 0,19 Prozent der vorhandenen Impfdosen gespritzt.
  • Seit mehreren Tagen werden immer mehr Fälle bekannt, bei denen Menschen nach der AstraZeneca-Impfung starke Nebenwirkungen hatten. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mussten sich mehrere medizinische Mitarbeiter aufgrund der Nachwirkungen des Impfstoffes krankmelden. In beiden Bundesländern wurde das Impfen an insgesamt drei Orten gestoppt.
  • Auch die Gewerkschaft der Polizei in Bayern sieht die Immunisierung von Polizisten mit dem Corona-Impfstoff kritisch und fordert, dass die Polizei wegen permanenter Einsatzbereitschaft nicht durch einen unzuverlässigen Impfstoff gefährdet werden darf.
  • Anfang Februar hat die Zulassungsbehörde der Schweiz den Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns abgelehnt. Der Grund: Unzureichende Daten, es fehlten zusätzliche Angaben zu Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität.
  • In der schwedischen Region Sörmland südwestlich von Stockholm wurden Ende vergangener Woche die Impfungen mit dem AstraZeneca Vakzin ausgesetzt, nachdem 100 der 400 geimpften Krankenhausangestellten Nebenwirkungen zeigten. Inzwischen wird die Impfung schrittweise wieder aufgenommen.
  • Die französische Arzneimittelbehörde empfiehlt, Gesundheitspersonal nur gestaffelt mit AstraZeneca zu impfen. Grund war auch hier die vorübergehende Aussetzung der Impfung in einem Krankenhaus, nachdem sich sieben von 20 Angestellten mit Nebenwirkungen krankmeldeten.

    Es muss eine Auswahlmöglichkeit der Impfstoffe für die Menschen geben, damit die Impfbereitschaft hoch bleibt. “

    Fazit: Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Die Meinungen – auch die der Regierungsmitglieder – sollten den Fakten folgen.

Neue Hoffnung für altersbedingte Makuladegeneration

(Pro Retina) – In einem internationalen Forschungsverbund haben Forschende des Paul-Ehrlich-Instituts einen grundlegenden Mechanismus aufgeklärt, der für die Spätform der altersbedingten trockenen Makuladegeneration (AMD), der sogenannten geografischen Atrophie, verantwortlich ist. Damit gibt es nun einen vielversprechenden Therapieansatz mit Arzneimitteln, die ursprünglich für Patienten mit HIV eingesetzt werden.

Über sieben Millionen, meist ältere Menschen in Deutschland leiden unter der altersbedingten trockenen Makuladegeneration (AMD). Bei der trockenen Spätform der AMD, der sogenannte geografische Atrophie, sterben die für die Sehfähigkeit essenziellen Zellen des retinalen Pigmentepithels (RPE) ab. Laut einer Pressemitteilung konnten nun Forschende des Paul-Ehrlich-Instituts in einem internationalen Forschungsverbund mit Wissenschaftlern in Virginia und Kalifornien den Mechanismus aufklären, der zu der späten Form der Erkrankung führt. So reichern sich, laut der Forschung, im Zytoplasma (Zellplasma genannt, das ist die organische Substanz innerhalb der Zelle) der RPE-Zellen die DNA sogenannter transponierbarer Alu-Elemente an. Dies sind bewegliche DNA-Abschnitte, die sich im Genom individueller Zellen ausbreiten können. Die Anreicherung erfolge dadurch, dass ALU-RNA im Zytoplasma dieser Zellen durch bestimmte Enzyme der Wirtszelle in ALU-DNA umgeschrieben werden. Diese angereicherte ALU-DNA wiederum schädige die Zellen so, dass sie schließlich absterben. Es gibt keine Hinweise, dass diese DNA in den Zellkern gelangt und dort das Zellgenom verändert. Es sei plausibel, so die Forschenden, dass es so zur geografischen Atrophie komme.

Therapieoptionen durch bekannte Medikamente
Durch diese neue Erkenntnis kommen laut Pressemitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts für an AMD erkrankte Patienten bekannte Medikamente als Therapieoption ins Blickfeld, die normalerweise zur Behandlung von HIV-Infektionen eingesetzt würden. Denn diese Arzneimittel, sogenannte Nukleosidische-Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI), hemmten das Enzym, das RNA in DNA umschreibe und somit auch den bei der AMD ablaufenden Prozess. Eine Auswertung von vier Datenbanken unterschiedlicher US-amerikanischer Krankenversicherungen mit mehr als 100 Millionen Patienten, die über einem Zeitraum von 20 Jahren eingeschlossen waren, untermauerten die Hoffnung auf eine Therapiemöglichkeit: Innerhalb der Gruppe der mit diesen Hemmern (NRTI) behandelten Personen seien 40 Prozent weniger an trockener AMD erkrankt als Personen ohne NRTI-Behandlung. Erste klinische Prüfungen für NRTI bzw. ihrer als Kamuvudine bekannten Derivate soll bereits veranlasst sein.