Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Schule kann krank machen, aber auch gesund

Schule kann krank machen, aber auch gesund: Beitrag zur aktuellen Diskussion  

Fühlen sich Schüler
den Anforderungen im Unterricht nicht gewachsen oder erfahren sie wenig
Unterstützung durch Mitschüler und Lehrer, leiden sie häufiger unter
psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen oder
Schlafproblemen. Das belegen wissenschaftliche Studien. Forscher haben
jetzt umfangreiche Daten des Nationalen Bildungspanels (National
Educational Panel Study, NEPS) ausgewertet und weitere Aspekte des
Klassenklimas und des schulischen Wohlbefindens untersucht. Ihre Studie
ist in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ erschienen (Georg
Thieme Verlag, Stuttgart. 2018).

Wie wohl sich ein Kind in
der Schule fühlt, hängt von vielen Faktoren ab: Neben den individuellen
Kontakten zu Mitschülern spielen auch die fachlichen Anforderungen, das
Lernklima und die Unterrichtsqualität eine Rolle. All diese Aspekte
wurden und werden im Rahmen des Nationalen Bildungspanels (NEPS) in
umfangreichen Fragebögen erfasst. Diese Daten bilden die Grundlage der
Studie von Soziologin und Gesundheitswissenschaftlerin Professor Dr.
Katharina Rathmann, die derzeit an der Fakultät
Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund und im Fachbereich Pflege
und Gesundheit an der Hochschule Fulda forscht und lehrt.

Gemeinsam mit Kollegen der
Hertie School of Governance Berlin und der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg hat sie die Aussagen von insgesamt 7.300 Siebtklässlern
aller Regelschularten unter die Lupe genommen. Diese beinhalteten auch
Angaben zur Gesundheit der Probanden. „Im Unterschied zu vielen anderen
Untersuchungen fragt das NEPS auch nach eher objektiven
Gesundheitsindikatoren wie der Zahl der krankheitsbedingten Fehltage“,
erklärt Rathmann. Die Zahl der Kinder, die in den vier Wochen vor der
Befragung vier oder mehr Tage wegen Krankheit gefehlt hatten, war dabei
umso höher, je unzufriedener sie mit ihrer Schulsituation im Ganzen
waren. Die auf Krankheiten zurückgehenden Fehltage variierten zudem
signifikant zwischen den Schulformen: Haupt- und Realschüler sowie
Schüler anderer Schulformen fehlten krankheitsbedingt häufiger als
Gymnasiasten. „Möglicherweise erfahren Schüler, die eine andere
Schulform als das Gymnasium besuchen, weniger Unterstützung durch
Lehrpersonen und sind zudem häufiger mit einem lernabträglicheren
Klassenklima konfrontiert“, so die Überlegung der Wissenschaftler.

Das Empfinden der Kinder,
den Anforderungen in den Fächern Deutsch und Mathematik nicht gewachsen
zu sein, hatte ebenfalls Auswirkungen: „Das Gefühl, trotz großer
Anstrengung in diesen Fächern erfolglos zu bleiben, war mit einer
schlechteren Gesundheitseinschätzung und einer höheren Zahl von
Fehltagen assoziiert“, sagt Rathmann. Allerdings sei hier – wie auch bei
den anderen Faktoren – die Frage der Kausalität noch offen. Immerhin
sei es auch denkbar, dass viele Fehltage zu einem fachlichen Rückstand
führten, der dann erst ein Gefühl der Hilflosigkeit entstehen lasse.

Das Klassenklima scheint
dagegen keine gesundheitsrelevanten Auswirkungen zu haben. Einzige
Ausnahme: Die sogenannte „Lernorientierung“: Dabei gibt der Lehrer vor
jeder Stunde einen Überblick über die relevanten Unterrichtsinhalte und
fasst diese auch am Ende des Unterrichts noch einmal zusammen. Auch
stellt er das bearbeitete Thema in den größeren Kontext der
vorangegangenen und nachfolgenden Themen. Dieser für sich genommen
positive Aspekt der Unterrichtsgestaltung erwies sich in der Auswertung
jedoch als kontraproduktiv. Schüler, die ihrem (Deutsch-)Lehrer eine
solche Lernorientierung bescheinigten, schätzten ihre eigene Gesundheit
schlechter ein und fehlten auch häufiger. Die Unterrichtsinhalte
besonders zu betonen, sei womöglich gerade für schwächere Schüler
belastend, mutmaßen die Forscher.

Die Ergebnisse der
Auswertung unterstreichen, wie sehr schulisches Wohlbefinden mit der
subjektiven Einschätzung der eigenen Gesundheit und krankheitsbedingten
Fehltagen verknüpft ist. Maßnahmen der Gesundheitsförderung sollten
daher diesen Aspekt in den Fokus rücken. Das sei vor allem bei Schülern
notwendig, die nicht das Gymnasium, sondern eine andere Schulform
besuchen, betonen die Autoren abschließend.

  1. Rathmann et al.:
    Klassenklima, schulisches Wohlbefinden und
    Gesundheit von Schülerinnen und Schülern in Deutschland: Ergebnisse des
    Nationalen Bildungspanels (NEPS)
    Das Gesundheitswesen 2018, online erschienen am 14.03.2018

Herzanfall: Medikament ermöglicht Selbstheilung

Herzanfall: Medikament ermöglicht Selbstheilung
Entscheidend ist jedoch der Zeitpunkt der Einnahme

London (pte016/09.06.2011/11:10) – Ein neues Medikament, das Herzen dazu bringt, sich selbst zu heilen, haben Wissenschaftler des University College London http://www.ucl.ac.uk an Mäusen getestet. Die durch einen Herzanfall entstehende Schädigung wurde bisher als permanent angesehen. Die in Nature http://www.nature.com veröffentlichte Studie wies nach, dass Thymosin beta 4 – vor einem Herzanfall verabreicht – das Organ für eine selbständige Heilung vorbereiten kann. Peter Weissberg von der British Heart Foundation http://www.bhf.org.uk bezeichnete die Heilung als den Heiligen Gral der Herzforschung. Er betonte aber auch, dass jeder Behandlungsansatz beim Menschen noch Jahre entfernt sei.

Aufgrund von Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung sinkt die Anzahl jener Menschen, die an koronaren Herzerkrankungen sterben. Zudem steigt laut BBC die Zahl der Patienten, die nach einem Herzanfall weiterlebt. Allein in Großbritannien sind mehr als 750.000 Menschen betroffen. Das Team um Paul Riley konzentrierte sich auf eine Gruppe von Zellen, die sich bei einem Embryo in verschiedene Arten von Herzgewebe verwandeln können. Bei Erwachsenen umgeben diese Progenitorzellen das Herz. Sie befinden sich allerdings in einem Ruhezustand.

Neuer Herzmuskel entsteht

Die Wissenschaftler nutzten die Chemikalie Thymosin beta 4, um sie "aufzuwecken". Riley erklärte, dass die erwachsenen Zellen des Epikard, die den Herzmuskel auskleiden, dazu gebracht werden können, sich ins Innere zu bewegen und die Entstehung eines neuen Herzmuskels zu unterstützen. "Wir konnten bei der Ejektionsfraktion eine Verbesserung feststellen. Die Fähigkeit des Herzens Blut hinauszupumpen verbesserte sich um 25 Prozent."

Es zeigte sich, dass das Organ nicht nur mehr Blut pumpte, sondern sich auch das Narbengewebe verringerte und die Wände des Herzens wieder dicker wurden. Weissberg warnte vor zu großen Hoffnungen und betonte gleichzeitig, dass sogar eine kleine Verbesserung drastische Auswirkung auf die Lebensqualität der Patienten haben würde. "Ein normales Herz verfügt über große freie Kapazitäten. Nach einem Herzversagen muss es sich richtig ins Zeug legen und läuft einen Marathon." Ein Mensch, der nach Luft ringend auf einem Sessel sitzt, könnte zu einem werden, der ganz normal dasitzt.

Medikament in zehn Jahren

Die Mäuse mussten das Medikament vor einem Herzanfall nehmen, damit es seine Wirkung entfalten konnte. Laut den Wissenschaftlern ist der Vorbereitungseffekt von entscheidender Bedeutung. Sollte ein ähnliches Medikament auch beim Menschen eingesetzt werden können, sollte es ähnlich verschrieben werden wie Statine. Patienten, die über ein bekanntes Herzrisiko verfügen, müssen dann eine Tablette einnehmen, die ihr Herz darauf vorbereitet, dass es sich beim Eintreten eines Herzanfalls selbst heilen kann. Dieses Medikament könnte in zehn Jahren zur Verfügung stehen.

Malaria verhindern: Neuer Wirkstoff ist effizient

Malaria verhindern: Neuer Wirkstoff ist effizient

Klinische Tests bei 21 freiwilligen gesunden Probanden erfolgreich

Achtung, Stechmücken: Neuer Wirkstoff im Test (Foto: Hans Baulig, pixelio.de)
Achtung, Stechmücken: Neuer Wirkstoff im Test (Foto: Hans Baulig, pixelio.de)

Tübingen (pte018/29.03.2017/12:30) –

Tropenmediziner der Universität Tübingen http://uni-tuebingen.de haben den neuen Wirkstoff DSM265 zur Vorbeugung gegen Malaria
erfolgreich ersten klinischen Tests unterzogen. In einer Studie,
unterstützt von Medicines for Malaria Venture http://mmv.org und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) http://dzif.de , mit freiwilligen gesunden Probanden, die nach Einnahme des Wirkstoffs
mit Malariaerregern infiziert wurden, zeigte DSM265 eine gute
vorbeugende Wirkung. Details wurden im Magazin "The Lancet Infectious
Diseases" veröffentlicht.

DSM265 stoppt Infektion

Das oral einzunehmende Mittel hemmt die
Dihydroorotat-Dehydrogenase, ein Enzym in der Stoffwechselkette, die zur
Synthese von Pyrimidin führt. Pyrimidin bildet unter anderem den
Grundkörper wichtiger Bausteine der DNA, der Trägerin der
Erbinformation. Die Wissenschaftler machen sich dabei eine Achillesferse
des Malariaerregers zunutze.

Im Gegensatz zu anderen Lebewesen braucht der
Malariaerreger die Pyrimidin-Neusynthese. Seine Vermehrung in der
menschlichen Leber und im Blut wird durch den Plasmodium-spezifischen
Enzymhemmer ausgebremst. "Theoretisch kann DSM265 eine Infektion mit
Plasmodien gleich nach dem Mückenstich stoppen", sagt Studienleiter
Peter Kremsner.

Kontrolliertes Krankmachen

In der Studie erhielten 21 freiwillige gesunde
Probanden, die niemals zuvor an Malaria erkrankt waren, DSM265 in
einmaliger Dosis, ein etabliertes Malariamedikament oder ein Placebo.
Der Versuch war doppelblind angelegt, das heißt, dass weder die
Probanden noch die Wissenschaftler im Voraus wussten, welcher Proband
welcher Gruppe angehörte. Einen oder sieben Tage nach der Einnahme von
DSM265 wurden alle Probanden unter kontrollierten Bedingungen mit
Malariaerregern infiziert.

"Wie zu erwarten war, vermehrten sich die
Malariaerreger im Körper der Placebo-Gruppe ungestört. Die Probanden,
die DSM265 einen Tag zuvor eingenommen hatten, waren vor der Infektion
geschützt", so Forscher Benjamin Mordmüller. "Die Einnahme sieben Tage
vor der Infektion war nur teilweise wirksam, sollte aber zum Beispiel
durch eine Erhöhung der Dosis verbessert werden können."

Alle Probanden hätten das Mittel gut vertragen. "Es
sind sicherlich noch viele Studien notwendig. Doch dieser erste
klinische Versuch ist sehr vielversprechend verlaufen", zeigt sich auch
der Erstautor der Studie, Mihály Sulyok, erfreut. Nun könne die
Entwicklung von DSM265 als Mittel zur Malariaprophylaxe mit
Langzeitwirkung weiter vorangetrieben werden.

Angstkreislauf bei Rauchstopp identifiziert

Angstkreislauf bei Rauchstopp identifiziert

Medikamentöser Eingriff in Aktivierungssystem möglich

Aschenbecher: rauchfrei ohne Angst (Foto: pixelio.de/Martin Büdenbender)
Aschenbecher: rauchfrei ohne Angst (Foto: pixelio.de/Martin Büdenbender)

Worcester/La Jolla (pte002/23.04.2015/06:05) –

Aufhörwillige Raucher werden vom eigenen Gehirn blockiert: Ein
neuentdeckter Schaltkreis wirft Licht auf die Ängste, die während des
Entzugs entstehen. Die Wissenschaftler der University of Massachusetts
Medical School http://umassmed.edu und des Scripps Research Institute http://scripps.edu haben es bei Mäusen geschafft, jene Inputs von Neuronen zu unterbinden, die diese Ängste auslösen.

"Wir haben einen neuen Schaltkreis im Gehirn entdeckt,
der während des Nikotin-Entzugs aktiv wird und gezielt Ängste
verstärkt", erklärt Projektleiter Andrew Tapper. "Erhöhte Ängstlichkeit
ist ein bedeutendes Nikotin-Entzugssymptom, das dazu beiträgt, dass
Raucher, die versuchen aufzuhören, Rückfälle erleiden."

Gegenseitige Aktivierung von Regionen

Bei der Hirnregion, die die Unannehmlichkeiten
bereitet, handelt es sich um den interpeduncularen Nucleus. Dieser kann
durch Neurotransmitter aus zwei anderen Gehirnregionen aktiviert werden:
Jenen aus der Area tegmentalis ventralis, die mit den angenehmen
Belohnungseffekten von Drogen in Verbindung steht, und jenen aus der
medialen Habenula, die durch den in der Area tegmentalis ventralis
ausgeschütteten Neurotransmitter stimuliert wird.

Um die Aktivierung des Angst auslösenden
inderpeduncularen Nucleus zu unterbinden, stellten die Wissenschaftler
bei Mäusen die Neuronenaktivität in den beiden Input-Regionen ruhig. "Es
gibt bereits Medikamente, die die "Corticotropin Releasing
Factor"-Rezeptoren blockieren, die zur Aktivierung dieser Angst
auslösenden Neuronen beitragen", erklärt Tapper.

Beitrag zur Erforschung von Angststörungen

"Diese Rezeptoren wurden bereits in der Vergangenheit
mit Angst und Depressionen in Verbindung gebracht, also könnten unsere
Erkenntnisse auch Auswirkungen auf Angststörungen im Allgemeinen haben",
hofft der Forscher auf weitere Einsatzmöglichkeiten.

Fraglich : Mit Elektronik gegen Fettleibigkeit ?

Schrittmacher und Elektroden werden implantiert

Mt. Arlington (pte/04.07.2005/13:15) – Fettleibige Menschen können mit
einem Gerät ausgestattet werden, das ihr Gehirn dazu bringt, zu
glauben, sie hätten bereits gegessen. Damit sollen die Betroffenen beim
Abnehmen unterstützt werden. Das von Transneuronix
http://www.transneuronix.com entwickelte Verfahren besteht aus einem
zündholzschachtelgroßen Schrittmacher, der in den Bauch implantiert
wird und über Elektroden mit der Magenwand verbunden ist. Wunder seien
laut Experten nicht zu erwarten. Eine gesunde Ernährung und ausreichend
Bewegung seien trotzdem unumgänglich.

Die Funktionsweise des Geräts beruht auf der Aktivierung der Nerven in
der Magenwand, die eine Rolle bei der Verdauung spielen. Diese Nerven
melden an das Gehirn, dass der Magen voll ist. Man fühlt sich in der
Folge satt, obwohl man gar nichts gegessen hat. Der Hersteller warnt
potenzielle Patienten allerdings dahingehend, dass chirurgische
Eingriffe keine Heilung für chronische Erkrankungen wie krankhafte
Fettleibigkeit sei. Ein Gerät könne nur ein Mittel zur Bekämpfung der
Krankheit sein. Laut BBC sind derzeit mehr als 65 Prozent der Männer
und 55 Prozent der Frauen in Großbritannien übergewichtig.

Weniger Nikotin – weniger Herzinfarkte

fzm – Das in verschiedenen Ländern eingeführte Rauchverbot am Arbeitsplatz und in öffentlichen Räumen zeigt Wirkung. Schon nach kurzer Zeit kommt es zu einem messbaren Rückgang von Herzinfarkten. Dies belegen eine Reihe von Studien, deren Ergebnisse Umweltmediziner in der Fachzeitschrift "Das Gesundheitswesen" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) zusammenfasst.

In den USA gibt es Rauchverbote am Arbeitsplatz oder in Restaurants schon seit Längerem, wenn auch nicht in allen Bundesstaaten oder Städten. In Europa machte Irland mit einem umfassenden landesweiten Rauchverbot im März 2004 den Anfang, nach und nach folgten andere Länder wie Italien und Frankreich. Auch in Deutschland haben seit 2007 alle Bundesländer Rauchverbote angeordnet, die jedoch hierzulande weiter die Gemüter erregen. Zwar ist unbestritten, dass die Schadstoffbelastung in Büros und Gastwirtschaften sinkt, auch scheint das Verbot viele Menschen zu motivieren, das Rauchen ganz aufzugeben. Doch gerade vonseiten der Tabakindustrie wird immer wieder behauptet, eine positive Auswirkung auf die Gesundheit sei nicht belegt. Dem treten Privatdozentin Dr. Gabriele Bolte und ihre Kollegen vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim jetzt durch einen Überblick zu acht bereits veröffentlichten Studien entgegen. Hinzu kommen fünf weitere Studien, deren Ergebnisse in den letzten Monaten zunächst in Pressemitteilungen vorgestellt wurden. Dr. Bolte: "Alle Studien zeigen, dass nach der Einführung von Rauchverboten weniger Menschen mit Herzinfarkten oder anderen Folgen verengter Herzkranzgefäße in Krankenhäusern behandelt werden müssen."

Herzinfarkte sind eine bekannte Folge des Passivrauchens. Über die Lungen gelangen die Schadstoffe ins Blut, wo sie einen unmittelbaren Einfluss auf die Gefäßfunktion haben, was einen plötzlichen Verschluss der Herzkranzgefäße begünstigt. Deshalb sind die Ergebnisse der Studien nach Ansicht der Umweltmediziner auch aus biologischer Sicht plausibel. Das Ausmaß schwanke von Studie zu Studie und es sei möglich, dass einzelne Untersuchungen das Risiko überschätzten, berichten Dr. Bolte und ihre Co-Autoren. Insgesamt könne aber mit einem Rückgang der Herzinfarktrate um acht bis 19 Prozent gerechnet werden, schreiben die Experten. Dies entspricht auch den Erfahrungen früherer Studien zum Passivrauchen, in denen ein um 25–30 Prozent erhöhtes Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße ermittelt wurde. Passivrauchen sei in Deutschland jedes Jahr für 3800 Neuerkrankungen und 2100 Todesfälle verantwortlich, berichten die Autoren. Rauchverbote könnten deshalb eine sehr effektive Maßnahme zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung sein.

G. Bolte et al.:
Rauchverbote in öffentlichen Räumen: Aktuelle epidemiologische Evidenz für kardiovaskuläre Gesundheitseffekte auf Bevölkerungsebene.
Das Gesundheitswesen 2009; 71 (3):
S. 140-151

Energy-Drinks gefährlich für Herzpatienten

Energy-Drinks sind Todesfalle für Herzpatienten
Stärkere Kontraktionen der linken Kammer – Wirkungsweise noch unklar
 
Energy-Drinks: Auswirkungen noch wenig erforscht (Foto: pixelio.de, andi-h)

Bonn (pte013/02.12.2013/11:56) – Energy-Drinks, die viel Koffein enthalten, können die Art und Weise verändern, wie das Herz schlägt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bonn http://uni-bonn.de . Die Wissenschaftler untersuchten die Herzen von 17 Personen eine Stunde nachdem sie einen Energy-Drink getrunken hatten mit bildgebenden Verfahren. Es zeigte sich, dass die Kontraktionen des Herzens stärker geworden waren. Vor allem Kinder und Herzkranke sollten die Getränke auslassen.

Vielerlei Nebenwirkungen

Laut dem Teamleiter Jonas Dorner sollten vor allem Kinder und Menschen mit einem unregelmäßigen Herzschlag diese Getränke meiden. Im Rahmen der derzeit stattfindenden Jahrestagung der Radiological Society of North America http://rsna.org betont der Fachmann, dass bisher noch nicht genau geklärt ist, welche Auswirkungen diese Getränke auf die Funktion des Herzens haben.

"Die Koffeinmenge ist bis zu drei Mal höher als bei anderen koffeinhältigen Getränken wie Kaffee oder Coca-Cola. Es gibt zahlreiche Nebenwirkungen, die mit dem Konsum hoher Koffeinmengen in Zusammenhang stehen. Dazu gehören ein erhöhter Herzschlag, Herzklopfen, ein Anstieg des Blutdrucks sowie Krämpfe oder der plötzliche Tod."

Starke kardiale Kontraktilität

Die Wissenschaftler verabreichten den Teilnehmern ein Getränk, das 32 Milligramm Koffein auf 100 Milliliter und 400 Milligramm Taurin enthielt. Die Forscher konnten nachweisen, dass die linke Herzkammer eine Stunde nach der Einnahme stärker kontrahierte. Sie ist dafür zuständig, dass das Blut durch den Körper gepumpt wird.

Dorner zufolge ist damit nachgewiesen, dass Energy-Drinks eine kurzfristige Auswirkung auf die kardiale Kontraktilität haben. "Wir wissen jedoch nicht genau, welche Auswirkungen das auf Alltagsaktivitäten oder die Leistungsfähigkeit beim Sport hat. Es ist auch nicht bekannt, welche Auswirkungen es bei Menschen mit Herzerkrankungen gibt."

Unbewusste Wahrnehmung beeinträchtigt das Lernen

Wissenschafter der Uni Zürich untersuchten Lernprozess

 

Zürich (pte/05.05.2005/08:00) – Wissenschaftler der Universität Zürich
haben gezeigt, dass unbewusst aufgenommene Informationen das
anschliessende bewusste Lernen von gleichen oder ähnlichen
Informationen beeinträchtigen. Der Hippokampus – eine für das bewusste
Lernen unerlässliche Gehirnstruktur – war auch beim unbewussten Lernen
beteiligt. Diese Experimente werden in der heute, Donnerstag,
erscheinenden Zeitschrift Neuron publiziert.
http://www.sciencedirect.com/science/journal/08966273

Jeder Mensch lernt und erinnert sich täglich an Dinge, ohne sich dessen
bewusst zu sein. Ob wir allerdings komplexe Zusammenhänge ohne
Bewusstsein erfassen und von Moment zu Moment abspeichern können, wurde
bisher kaum erforscht. Die heutigen Gedächtnistheorien gehen davon aus,
dass unbewusste Lern- und Erinnerungsprozesse über andere
Hirnstrukturen vermittelt werden als die bewussten. Insbesondere wird
dem Hippokampus ausschliesslich eine Rolle beim bewussten Lernen und
Erinnern zugeordnet.

Das Forscherteam um Katharina Henke von der Abteilung für
Psychiatrische Forschung der Universität Zürich http://www.unizh.ch
konnte nun zeigen, dass Bilder von Gesichtern mit einer
Berufsbezeichnung (z.B. Physiker) trotz der extrem kurzen
Darbietungszeit von 17 Tausendstel Sekunden durch das Nervensystem
verarbeitet werden. Obwohl nicht bewusst wahrgenommen, wurden die
Gesichter und die Berufsbezeichnungen augenblicklich erfasst und vom
Gehirn unbewusst in einen Bedeutungszusammenhang gestellt. Diese
Bedeutungszusammenhänge wurden abgespeichert und beeinträchtigten das
spätere bewusste Lernen derselben Gesichter, welche entweder mit
demselbem Beruf kombiniert wurden oder mit einem ähnlichen oder ganz
anderen Beruf.

In all diesen Situationen wurde das bewusste Lernen durch das
vorgängige unbewusste Lernen dermassen beeinträchtigt, dass die spätere
Erinnerung an die bewusst erlernten Kombinationen zu etwa 50 Prozent
herabgesetzt wurde. Besonders interessant war dabei die Tatsache, dass
während des unbewussten Lernens sehr ähnliche Regionen des Hippokampus
und der Grosshirnrinde aktiviert waren wie beim bewussten Lernen.

Ultraschall schmilzt Schilddrüsenknoten weg

Alternative zur Operation

Fokussierter Ultraschall schmilzt Schilddrüsenknoten weg

Berlin
– Schluckbeschwerden, Heiserkeit, ständiges Räuspern: Mit solchen
Beschwerden machen sich Schilddrüsenknoten bemerkbar. Etwa ein Drittel
der Erwachsenen in Deutschland leidet darunter, in den meisten Fällen
sind die Gewebeveränderungen gutartiger Natur. Jetzt gibt es mit dem
hochfokussierten Ultraschall eine Alternative zur Operation, um
gutartige Knoten zu entfernen. Darauf weist der Berufsverband Deutscher
Nuklearmediziner e. V. (BDN) hin.

Etwa
ein Drittel der Deutschen leidet unter Knoten an der Schilddrüse, die
meisten dieser Wucherungen sind harmlos. Werden die Knoten aber zu groß
und lösen Beschwerden aus, oder führen sie zu einer starken
Schilddrüsenüberfunktion, wird häufig operiert. Nun gibt es eine
Alternative zum chirurgischen Eingriff, die ohne Narben und Narkose
auskommt – den hochfokussierten Ultraschall.

Gebündelter
Ultraschall wird schon seit längerem zur Gewebeentfernung in der
Medizin eingesetzt. „Wir kennen das Verfahren beispielsweise aus der
Leberchirurgie, um Metastasen mit Hitze zu zerstören oder auch zur
Beseitigung von Fibroadenomen, also gutartigen Tumoren, in der Brust“,
erläutert BDN-Experte Dr. med. Norbert Czech. Neu sind seit kurzem
Geräteentwicklungen, die eine Anwendung auch in der Halsregion erlauben.
Acht Zentren in Deutschland bieten die Echotherapie für
Schilddrüsenknoten bisher an.

Für
die Behandlung stellt der Nuklearmediziner den Ultraschallkopf auf das
Gewebe ein, anschließend fährt das Gerät den Knoten Punkt für Punkt ab
und beschießt dabei das Gewebe mit den gebündelten Strahlen, die in der
Tiefe eine Hitze von bis zu 80 Grad entwickeln. In der Folge sterben die
Zellen ab. „Die Behandlung kann pro Knoten eine Stunde dauern“, so
Czech. Eine örtliche Betäubung ist nicht erforderlich. „Die Patienten
empfinden die Ultraschallschüsse als Nadelstiche, aber das ist in der
Regel gut auszuhalten, zumal wir vor Therapiebeginn eine
schmerzlindernde Medikation verabreichen“, berichtet der Bremer
Nuklearmediziner.

Bevor
eine Echotherapie erfolgen kann, muss geklärt sein, dass es sich bei
den Verwachsungen in der Schilddrüse nicht um Krebs, sondern um
gutartige Knoten handelt. Das geschieht zumeist mit einem
nuklearmedizinischen Voruntersuchungsprogramm, das in der Regel eine
Ultraschalluntersuchung, eine Schilddrüsenszintigraphie und die
Bestimmung von Laborwerten beinhaltet. Gutartige Knoten werden in „kalt“
und „heiß“ unterschieden – während kalte Knoten kaum noch Hormone
produzieren, sorgen heiße Knoten für ein Übermaß an diesen Botenstoffen.
„Grundsätzlich kommen beide Varianten für die fokussierte
Ultraschall-Behandlung in Frage, heiße wie kalte Knoten“, erläutert
Czech. Alternative Verfahren sind die chirurgische Entfernung, bei
heißen Knoten auch die Radiojodtherapie. Etwa 95 Prozent aller
Schilddrüsenknoten sind gutartig.

Neues aus der Krebsforschung

Berlin, 16. Juni 2011 – Alljährlich diskutieren weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Jahrestreffen der American Society for Clinical Oncology (ASCO) die neuesten Erkenntnisse aus der onkologischen Forschung – in diesem Jahr vom 3. bis 7. Juni 2011 in Chicago. Hier werden richtungsweisende Forschungsergebnisse vorgestellt, die die Behandlung von Krebspatienten verbessern können. 

Ein Team vom Internetportal der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) war dazu mit Experten vor Ort. In Video-Expertenrunden und Experteninterviews wurden die wichtigsten auf dem ASCO präsentierten Forschungsergebnisse in den Fokus genommen und reflektiert. Ziel bei diesem Service ist es, sowohl behandelnden Ärzten als auch Patienten und ihren Angehörigen einen zeitnahen Überblick über die neusten Entwicklungen bei der Behandlung von Krebserkrankungen zu geben.

Neu: Aktuelles vom Kongress speziell für Patienten
Das DKG-Internetportal greift in seinem Patientenbereich wichtige Kongressergebnisse auf und bringt Sie in eine für Patienten und Angehörige verständliche Form. Unter www.krebsgesellschaft.de/asco_2011_patienten finden sich Interviews mit anerkannten DKG-Experten zu neuesten Entwicklungen bei der Behandlung von Schwarzem Hautkrebs, Brustkrebs, Darmkrebs, GIST und Magenkrebs. Weitere Interviews, unter anderem zu Lungenkrebs und Lymphomen, folgen.

Bewährt: Fachlich fundierte Orientierung für Ärzte und Fachjournalisten

Der ASCO gilt als einer der führenden internationalen Krebskongresse – und wird von der Fachwelt alljährlich mit Spannung erwartet. Das DKG-Internetportal liefert aktuelle Kongressberichterstattung aus erster Hand und bietet somit eine fachlich fundierte Orientierung für behandelnde Ärzte und Fachjournalisten. In den Live-Aufzeichnungen verschiedener Expertenrunden werden neue Forschungsergebnisse vorgestellt und ihre Bedeutung für die klinische Praxis diskutiert.
Die Runden sind ab sofort online einzusehen unter www.krebsgesellschaft.de/asco_2011. Themen sind gastrointestinale Tumoren, gynäkologische Tumoren, Kopf-Hals-Tumoren, Lungenkarzinom, Nierenzellkarzinom und Urologische Tumoren.

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) ist das größte onkologische Netzwerk von Experten im deutschsprachigen Raum und zählt ca. 6500 Mitglieder. Das Internetportal www.krebsgesellschaft.de hat im Monat mehr als eine Million Seitenaufrufe und ist Deutschlands größtes Wissensportal zum Thema Krebs.