Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Stress und Kummer beschleunigen Alzheimer

Neurologe: Beleg für hohe Bedeutung seelischer Gesundheit im Alter
 
Seniorin: Belastungen verstärken Alzheimer-Symptome (Foto: Flickr/Alongi)

Buenos Aires/Prag (pte022/11.06.2012/13:59) – Kummer, Sorgen und Stress könnten ein wesentlicher Faktor für die Ausbildung von Alzheimer-Symptomen sein. Das berichten argentinische Mediziner auf dem Europäischen Neurologenkongress http://congrex.ch/ens2012 in Prag. Laut ihrer Studie begünstigen Schicksalsschläge im Alter – familiäre Todesfälle, finanzielle Sorgen oder Unfälle etwa – bei manchen den Beginn einer Demenz. "Stress ist nicht der Auslöser von Demenz, dürfte aber an dem Abbauprozess im Gehirn beteiligt sein", erklärt Forschungsleiter Edgardo Reich im pressetext-Interview.

Pandemie in Europa

Experten bezeichnen Morbus Alzheimer in Europa bereits als "Pandemie": Litten 2000 noch 4,7 Mio. Menschen an dieser Demenzkrankheit, werden es 2030 bereits acht Mio. und 2050 sogar zwölf Mio. Europäer sein, sagen Schätzungen. Als Risikofaktoren kennt man bereits das fortgeschrittene Alter, Bluthochdruck, Diabetes sowie der körperlich und geistig inaktive Lebensstil, wenngleich der eigentliche Krankheitsauslöser noch unbekannt ist. "Neben den biologischen Umständen bestimmen auch Umweltfaktoren, ob und wann die Krankheit ausbricht", so der argentinische Forscher.

Todesfälle und Pensionsschock

In seiner Studie ist Reich dem möglichen Zusammenhang zwischen emotional herausfordernden Ereignissen und Morbus Alzheimer näher auf den Grund gegangen. Er befragte 107 Patienten, bei denen zwei bis drei Jahre zuvor eine leichte bis mittlere Alzheimer-Demenz diagnostiziert worden war, nach belastenden Vorkommnissen in den drei Jahren vor der Diagnose. Auch ihre Angehörige und Pflegende wurden eingebunden, sowie zum Vergleich eine ebenso große Kontrollgruppe, die sich in Lebensalter (durchschnittlich 72 Jahre), Geschlecht und Bildung kaum unterschied, aber noch gesund war.

Tatsächlich hatten drei von vier Alzheimer-Patienten (73 Prozent) kurz vor dem Ausbruch ihrer Krankheit schwere seelische Belastungen zu verkraften, während es in der Kontrollgruppe nur bei jedem Vierten (24 Prozent) der Fall war. Bei diesen Vorkommnissen handelte es sich vor allem um den Verlust des Partners oder eines Kindes, um Autounfälle mit seelischen Verletzungen oder Raubüberfälle, jedoch auch um Geldsorgen, den "Pensionsschock", migrationsbedingte Anpassungen oder eine schwere Erkrankung eines Familienmitgliedes.

Seele nicht außer Acht lassen

Die Beweise verdichten sich, dass Stress den krankhaften Gehirnabbau vorantreibt – vor allem bei Tierversuchen (pressetext berichtete: http://www.pressetext.com/news/20110527024 ). "Wir vermuten, dass dies über Veränderungen im Hypothalamus geschieht, einer sowohl am Gedächtnis als auch an Emotionen beteiligten Gehirnregion", sagt Reich.

Bestätigt sich das Ergebnis in größeren Forschungen, sei dies ein Hinweis für die Bedeutung der seelischen Gesundheit im Alter. Panik sei jedoch fehl am Platz. "Jeder erlebt Schicksalsschläge und Verluste, doch bei weitem nicht jeder entwickelt eine Demenz. Wer ein erhöhtes genetisches Demenzrisiko hat, sollte jedoch bei hohen Belastungen im Alter regelmäßig den Arzt aufsuchen."

 

Gehirn bremst Alterserscheinungen geschickt aus

pte20160914014 Forschung/Technologie, Medizin/Wellness

Gehirn bremst Alterserscheinungen geschickt aus

Defizite bis zu gewissem Grad mit erhöhter Aufmerksamkeit kompensiert

Älteres Paar: Gehirn versucht Schritt zu halten (Foto: pixelio.de/Juergen Jotzo)
Älteres Paar: Gehirn versucht Schritt zu halten (Foto: pixelio.de/Juergen Jotzo)

Bochum (pte014/14.09.2016/12:30) –

Ältere Menschen entwickeln eine höhere selektive Aufmerksamkeit, sie
schauen genauer und aufmerksamer auf Details als Jüngere. Die Nachteile
des Alterungsprozesses kann das Gehirn also bis zu einem gewissen Grad
durch erhöhte Aufmerksamkeit ausgleichen. Zu diesem Schluss kommen
aktuelle Messungen von Neuropsychologen der Ruhr-Universität Bochum http://ruhr-uni-bochum.de .

Sortieraufgabe für Jung und Alt

Den Ergebnissen zufolge gab es zwei Kategorien von
Farbkreisen, die sich jeweils in den verwendeten Farben unterschieden.
Die Forscher beobachteten jüngere und ältere Menschen bei einer
Sortieraufgabe. In jeder Kategorie gab es zusätzlich zwei Gruppen von
Kreisen: solche, die sich insgesamt stark ähnelten, und solche, die sehr
individuell aussahen. Die Versuchspersonen mussten die Kreise den
beiden Kategorien zuordnen. Sie lernten erst während des Tests durch
Rückmeldungen, welche Kategorien es gab.

Die Wissenschaftler haben nicht nur die Antworten der
Teilnehmer aufgezeichnet, sondern erfassten über ein
Elektroenzephalogramm (EEG) auch die Gehirnwellen und über einen "Eye
Tracker" die Blickrichtung der Probanden. Das Ergebnis: Sowohl Jüngere
als auch Ältere hatten keine Schwierigkeiten, die sich ähnelnden Kreise
in ihre jeweilige Kategorie zu stecken – die Lernprozesse beider Gruppen
unterschieden sich nicht wesentlich. Als sie im Verlauf des Tests
jedoch die weniger eindeutigen Exemplare kategorisieren mussten, gab es
Unterschiede. Die Einordnung fiel den älteren Versuchspersonen deutlich
schwerer.

Eye Tracker bestätigt Annahme

"Es gibt zwei Strategien, wie man einzelne Objekte
einer Kategorie zuordnen kann. Während wir ähnliche Mitglieder einer
Kategorie ganzheitlich wahrnehmen, müssen wir Ausnahmen gesondert lernen
und uns genau einprägen. Älteren Menschen fällt es schwerer, von einer
Strategie zu der anderen zu wechseln", sagt Expertin Sabrina Schenk. Die
Messungen der Gehirnwellen zeigten aber auch, dass ältere Menschen eine
höhere selektive Aufmerksamkeit entwickeln. Sie schauen genauer und
aufmerksamer auf die Details als jüngere Menschen.

Auch die erhobenen Daten des Eye Trackers bestätigen
die Annahme der Forscher. "Die Nachteile des Alterungsprozesses kann das
Gehirn also bis zu einem gewissen Grad durch erhöhte Aufmerksamkeit
ausgleichen", so Schenk abschließend. Eine Computersimulation an der
kanadischen University of Western Ontario hat die Ergebnisse der
Bochumer Wissenschaftler, die im Journal "Neuropsychologia"
veröffentlicht wurden, bereits bestätigt.

Neurodermitis : Neue Therapieverfahren

Hautärzte setzten Biologicals und topische Immunmodulatoren als neue Waffen ein


Wien (pte/15.03.2005/08:15) – Neue Ergebnissen aus dem Bereich der Hautforschung werden derzeit bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermophazie http://www.gd-online.de in Wien vorgestellt. Die Themenpalette umfasst die Entwicklung neuer Wirkstoffe, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und neue Strategien zur Behandlung chronischer Hautleiden wie Neurodermitis oder Schuppenflechte. „Von besonderem Interesse sind vor allem die innovativen Therapieverfahren zur Linderung chronischer Hauterkrankungen“, erklärte Werner Aberer von der Universitätshautklinik Graz http://www.kfunigraz.ac.at/dermatologie , der gemeinsam mit Claudia Valenta vom Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Universität Wien http://www.univie.ac.at/pharm-technologie die wissenschaftliche Tagungsleitung inne hat. „Mit den so genannten topischen Immunmodulatoren und den Biologicals stehen seit kurzem innovative, hochwirksame und gleichzeitig sichere Medika-mente zur Verfügung“, erklärte Aberer.


Eine bessere Behandlungschance für alle unter Neurodermitis leidenden Patienten versprechen so genannte topische Immunmodulatoren, das sind neue kortisonfreie Wirkstoffe, die frühzeitig Juckreiz und Hautausschlag stoppen. Als Neurodermitis wird der juckende Hautausschlag bezeichnet, der für alle Betroffenen zu einer starken körperlichen und psy-chischen Belastung werden kann. Hierbei ist die Haut extrem trocken, schuppig, gerötet und rissig. Oft bricht die Erkrankung, die auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen ist und durch äußere Einflüsse wie Hausstaubmilben, Pollen oder psychischen Stress ausgelöst wird, bereits in den ersten Lebensmonaten aus. Sie ist gekennzeichnet von hefti-gen Kratz-attacken, bei denen sich die Betroffenen die Haut blutig reiben. Neurodermi-tis tritt in jedem Alter auf: In Deutschland und Österreich leiden etwa fünf Prozent der Bevölkerung daran, etwa die Hälfte der Betroffenen sind Kinder.


Zur Behandlung der Neurodermitis galten lange Zeit kortisonhaltige Zubereitungen als Mittel der ersten Wahl. Mit den so genannten topischen Immun-modulatoren Pimecrolimus und Tacrolimus stehen heute jedoch Behandlungsalternativen zur Verfügung, die als nebenwirkungsärmer und besser ge-eignet für die Langzeittherapie gelten. Anders als Kortisonpräparate sollten sie möglichst schon frühzeitig angewandt werden, um das Auftreten von Ekzemschüben bereits im Ansatz zu stoppen, erklärte Thomas Luger von der Universitätshautklinik Münster http://medweb.uni-muenster.de/institute/derma/ .


Erstmals konnten auch neue Wege der Langzeitkontrolle bei Schuppenflechte vorgestellt werden, um das schwer zu behandelnde chronisches Hautleiden in den Griff zu bekommen. Allein in Deutschland und Österreich leiden weit über zwei Millionen Menschen an der so genannten Psoriasis. „Neue Wirk-stoffe, die unmittelbar in den Entzündungsprozess eingreifen, bringen für viele Patien-ten Hoffnung“, erklärte Monika Schäfer-Korting vom Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin http://www.chemie.fu-berlin.de . „Mit den so genannten Biologicals, von denen jetzt die ersten Präparate für die Behandlung zugelassen sind, haben wir die Möglichkeit, die Schuppenflechte bei stark betroffenen Pati-enten auch über einen langen Zeitraum unter Kontrolle zu bekommen“, sagte die Expertin. Bisher werden akute Krankheitsepisoden vor allem mit Kortison oder Medi-kamenten behandelt, welche die Zellteilung, vor allem von Zellen des Immunsystems, unter-drücken. Nach Absetzen dieser Substanzen kommt es häufig zu Rückfällen. Die neuen Wirkstoffe dagegen sind für eine Behandlung über einen längeren Zeitraum gedacht.

Osteoporose-Therapie wird oft aus Unwissen abgebrochen

Nyon, Schweiz (pte/09.06.2005/07:30) – Gravierende Mängel bringt eine
in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Großbritannien
durchgeführte Pan-Europäische Studie zum Thema Osteoporose ans
Tageslicht. Denn in 85 Prozent der untersuchten Fälle wird auf Grund
eines Kommunikationsproblems zwischen Arzt und Patient die Behandlung
von Osteoporose zu früh eingestellt. Besonders viele Frauen sind sich
zwar der Schwere der Erkrankung bewusst, nehmen aber dennoch keine
Medikamente ein, da ihnen die Vorteile der medikamentösen Therapie
nicht klar sind. Dadurch riskieren sie nicht nur Knochenbrüche und ein
höheres Sterberisiko, sondern leiden auch unter möglichen Folgeschäden
wie Immobilität und Unabhängigkeitsverlust. Das sind die Ergebnisse
einer Studie der International Osteoporosis Foundation (IOF)
http://www.osteofound.org.

An der Untersuchung, die im Zeitraum von Januar bis April 2005
stattgefunden hat, haben europaweit 500 Praktiker und 500
Osteoporose-Patienten teilgenommen. Derzeit wird von den Ärzten bei
einer Osteoporoseerkrankung am häufigsten eine Bisphosphonat-Behandlung
begonnen. Diese sollte laut Angaben der Ärzte (60 Prozent)
durchschnittlich drei bis fünf Jahre dauern. Doch 51 Prozent der
Patienten erklären, nie darüber aufgeklärt worden zu sein, wie lange
sie die Osteoporose-Therapie durchführen müssen. 34 Prozent der
befragten Patienten geben an, dass sie entweder nicht wussten, was
diese Tabletten bewirkten oder fälschlicherweise annahmen, dass sie
keinerlei Wirkung haben. Zwar wussten neun von zehn Betroffenen, dass
es sich um eine ernsthafte Erkrankung handelt, doch wurde von den
Ärzten berichtet, dass sie beobachten können, wie 85 Prozent der
Patienten die Therapie abbrechen. Bei 75 Prozent der Betroffenen führt
vor allem die Bewusstmachung der positiven Effekte einer Behandlung zur
Fortsetzung der Therapie.

"Die Ergebnisse der Studie machen den Handlungsbedarf bei der
Verbesserung der Osteoporose-Behandlung sichtbar. Die Ursachen für das
Missmanagement liegen klar in einem Kommunikationsdefizit zwischen Arzt
und Patient. Besonders Ärzte sollten darum verstärkt dahingehend
sensibilisiert werden, dass sie während der Konsultation mehr auf die
Patienten eingehen", erklärte IOF-Geschäftsführer Daniel Navid.

Ökotourismus führt zu mehr Leishmaniose-Fällen

Ökotourismus führt zu mehr Leishmaniose-Fällen

US-Behörden veröffentlichen Richtlinien zu Prävention und Therapien

Amazonas: Leishmaniose immer häufiger (Foto: pixelio.de, Claus Bünnagel)
Amazonas: Leishmaniose immer häufiger (Foto: pixelio.de, Claus Bünnagel)

Arlington (pte002/16.11.2016/06:05) –

Boomender Ökotourismus und Militäreinsätze im Irak und Afghanistan
führen dazu, dass immer mehr US-Patienten an Leishmaniose erkranken. Zu
den neuen Richtlinien der Infectious Diseases Society of America http://idsociety.org und der American Society of Tropical Medicine and Hygiene gehören Schnelltests und neue Therapien.

Hohes Infektionsrisiko

Der Biss einer fast unsichtbaren Sandfliege überträgt
den Leishmaniose-Parasiten. Diese Insekten sind nur ein Drittel so groß
wie ein Moskito. Der Parasit tritt weltweit in mehr als 90 Ländern auf.
Dazu gehören Mexiko, Zentral- und Südamerika, Asien, Afrika, der
Mittlere Osten und Südeuropa. In den USA selbst kommt es nur selten zu
einer Infektion. Wenige Fälle wurden aus Bundesstaaten wie Texas und
Oklahoma gemeldet.

Die Zunahme an Reisenden, Soldaten und Immigranten mit
Leishmaniose und die Schwierigkeiten bei der Diagnose und Behandlung
haben zu den ersten Richtlinien in den USA geführt. Laut Hauptautorin
Naomi E. Aronson breitet sich Leishmaniose bei Ökotouristen, die nach
Zentral- und Südamerika reisen, immer mehr aus. "Reisende, die den
Dschungel im Amazonasbecken besuchen, sind einem hohen Infektionsrisiko
ausgesetzt." Da verschiedene Formen der Krankheit zu schwerer
Narbenbildung führen und die viszerale Leishmaniose sogar tödlich enden
kann, sind eine rasche Diagnose und eine optimale Behandlung wichtig.

Über 20 verschiedene Arten

Da die Leishmaniose in den USA noch immer relativ
selten ist, sind viele Ärzte nicht mit dieser Krankheit vertraut und
haben sie bei einer Diagnose daher auch nicht im Verdacht. Die Bisswunde
ist häufig schmerzlos und die Symptome einer Infektion können erst nach
einem Monat oder später auftauchen. Es gibt über 20 Arten von
Leishmaniose-Parasiten, die beim Menschen zur Infektion führen. Die drei
Haupterkrankungen sind kutane Leishmaniose, mukutane Leishmaniose und
viszerale Leishmaniose. Allein an der kutanen Leishmaniose, die nur die
Haut befällt, erkranken laut den Centers for Disease Control and
Prevention jährlich weltweit bis zu eine Mio. Menschen.

Anders als die Bezeichnung Sandfliege vermuten lässt,
lebt das den Parasiten übertragende Insekt auch in der verrottenden
Vegetation in Dschungelgebieten. Die Sandfliege sticht am häufigsten in
der Nacht an Hautstellen, die nicht bedeckt sind und überträgt so den
Parasiten. Derzeit gibt es weder einen Impfstoff noch eine medikamentöse
Möglichkeit der Prävention. Daher sollte schützende Kleidung mit langen
Ärmeln und langen Hosen, Insektenschutzmittel und Moskitonetze
unbedingt eingesetzt werden.

Malaria-Impfstoff: Test mit afrikanischen Kleinkindern erfolgreich

Zulassung für 2011 angestrebt – Bill Gates spendet Hunderte Mio. Dollar

Seattle (pte/18.10.2007/10:30) – Wissenschaftler und internationale Gesundheitsaktivisten haben die ersten Ergebnisse von Tests eines neuen Malaria-Impfstoffes begrüßt. Die Tests wurden mit afrikanischen Kindern durchgeführt. Der Impfstoff erzielte einen hohen Grad an Schutz und war in der Anwendung sicher. Die in The Lancet http://www.thelancet.com online veröffentlichten Ergebnisse lassen die Schaffung eines wirksamen Impfstoffes gegen eine der Erkrankungen näher rücken, die die meisten Todesopfer fordert. Laut BBC stirbt in Afrika alle drei Sekunden ein Kind an Malaria. Schätzungen gehen davon aus, dass dieser Krankheit jährlich rund eine Million Kinder zum Opfer fallen.

Ein Prototyp des Impfstoffes wird seit zwanzig Jahren entwickelt und getestet. Der letzte Test wurde an afrikanischen Kleinkindern durchgeführt. Die Teilnehmer gehörten damit zu der am meisten gefährdeten Altersgruppe. In Mosambik wurden 214 Kleinkinder geimpft. Da es sich um frühe Ergebnisse handelt, ist bei der Interpretation der Daten Vorsicht geboten. Entscheidend ist jedoch, dass der Impfstoff sicher zu sein scheint. Zusätzlich scheint er eine hohe Wirksamkeit zu haben. Nach drei Monaten erkrankten die geimpften Kinder um 65 Prozent weniger wahrscheinlich an Malaria als die Kontrollgruppe. Bei der Suche nach einem Impfstoff handelt es sich um eine Partnerschaft, für die sich mehrere afrikanische Länder, die Pharmaindustrie und die PATH Malaria Vaccine Initiative (MVI) http://www.malariavaccine.org zusammengeschlossen haben.

Christian Loucq, der Direktor von MVI, erklärte, dass die aktuellen Ergebnisse grünes Licht für größere Phase-3-Tests bedeuteten. Diese Tests werden im nächsten Jahr an zehn Orten in afrikanischen Ländern südlich der Sahara durchgeführt. Es ist geplant, dass daran 10.000 Kinder teilnehmen. Sollten auch diese Tests positiv ausfallen, wird der Impfstoff 2011 zugelassen. Joe Cohen, ein Mitarbeiter von GlaxoSmithKline http://www.gsk.com, arbeitet seit 20 Jahren an diesem Projekt. Er betonte, dass die Entwicklung eines Impfstoffes aufgrund der Komplexität der Krankheit eine große Herausforderung gewesen sei. "Es gibt zahllose Impfstoffe gegen Viren und Bakterien. Dieser Impfstoff wäre der erste gegen eine durch Parasiten hervorgerufene Infektion beim Menschen."

Microsoft-Gründer Bill Gates hat Hunderte Mio. Dollar für die Entwicklung des Impfstoffes und Programme zur Behandlung von Malaria zur Verfügung gestellt. Beim Bill & Melinda Gates Foundation Malaria Forum, das derzeit in Seattle stattfindet, forderte er dazu auf, dass es weltweit zu einem Ziel werden müsse, dass eines Tages niemand mehr an Malaria erkrankt und kein Moskito diese Krankheit übertragen kann. "Wir haben eine realistische Chance, die notwendigen Partnerschaften einzugehen, den politischen Willen zu erreichen und auch den wissenschaftlichen Durchbruch zu schaffen." (Ende)

Pille für den Mann: Hoffnung durch entdecktes Gen

Katnal1 soll langersehnte Verhütung ohne Hormone ermöglichen
 
Spermium: Pille ohne Hormone vor dem Durchbruch (Foto: SPL)

Edinburgh (pte013/25.05.2012/11:05) – Wissenschaftler des Centre for Reproductive Health an der University of Edinburgh http://www.crh.ed.ac.uk haben ein Gen identifiziert, das für die Produktion von gesundem Sperma von entscheidender Bedeutung ist. Damit könnte auch eine Pille für den Mann einen Schritt näher rücken. Experimente mit Mäusen haben gezeigt, dass das Gen Katnal1 wesentlich für die letzten Schritte bei der Entstehung von Sperma ist. Die Forscher schreiben in PLoS Genetics http://plosgenetics.org , dass ein Medikament, das Katnal1 deaktiviert, ein zuverlässiges Verhütungsmittel für den Mann sein könnte.

Große Nachfrage

Der Fruchtbarkeitsexperte Allan Pacey von der University of Sheffield http://shef.ac.uk erklärte in einem Bericht der BBC, dass es große Nachfrage nach einem Medikament gibt, das keine Hormone enthält. Die meisten Männer verhüten heute mit Kondomen oder durch eine Vasektomie. Das Team untersuchte die Ursachen für Unfruchtbarkeit bei Männern.

Nach dem Zufallsprinzip veränderten sie den genetischen Code bei Mäusen, um herauszufinden, welche der Tiere unfruchtbar wurden. In der Folge entdeckten sie Katnal1. Dieses Gen enthält die Baupläne für ein Protein, das bei den Zellen, die die Produktion von Sperma unterstützen, eine wichtige Rolle spielt. Ohne dieses Protein wird das Sperma nicht voll ausgebildet und der Körper stößt es wieder ab.

Präparat ohne Hormone

Die Wissenschaftler hoffen, dass ein ähnlicher Trick auch beim Menschen möglich sein wird. Die Bildung von Sperma soll verhindert werden, ohne dass ein bleibender Schaden entsteht. Wenn es möglich wäre, auf dieses Gen in den Hoden abzuzielen, dann wäre es Studienautor Lee Smith nach denkbar, ein Verhütungsmittel zu entwickeln, das ohne Hormone auskommt.

"Entscheidend ist, dass die Wirkung eines derartigen Medikaments reversibel wäre. Katnal1 beeinflusst nur Spermazellen, die sich bereits in einem späteren Entwicklungsstadium befinden. Die frühen Stadien wären davon nicht betroffen und auch nicht die allgemeine Fähigkeit, Sperma zu produzieren." Das Problem: Das Protein befindet sich im Inneren der Zellen und ist daher nicht sehr leicht aufzuspüren.

Laut Pacey ist die Suche nach einer neuen Verhütungsmöglichkeit für Männer seit Jahren der Heilige Gral der Wissenschaft. Entscheidend sei, dass das molekulare Ziel sehr spezifisch für Sperma oder andere Zellen in den Hoden sein muss. Es muss also spezifisch für jene Zellen sein, die bei der Produktion von Sperma eine Rolle spielen. "Gelingt das nicht, kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen."

Leberkrebsviren und Alkoholmissbrauch an Entzündung schuld

Genetischer Hintergrund der Leberzirrhose entdeckt

Bonn/Aachen (pte/05.07.2005/10:51) – Wissenschaftler der Universität
Bonn http://www.ukb.uni-bonn.de und der RWTH-Aachen
http://www.rwth-aachen.de haben ein Gen identifiziert, das darüber
entscheidet, wie schnell die Vernarbung bei einer Leberentzündung
voranschreitet. Durch Viren oder Alkoholmissbrauch kommt es nämlich zu
einer chronischen Entzündung, wodurch die Leber mehr und mehr vernarbt.
Den Forschern ist es außerdem gelungen, ein kleines Eiweißmolekül
herzustellen, das im Versuch mit Mäusen die Entstehung einer Zirrhose
verzögert. Die Forschungsergebnisse erscheinen in der August-Ausgabe
der Fachzeitschrift Nature Genetics http://www.nature.com/ng/index.html
.

Den gefährlichen Vernarbungsprozess setzen häufig Hepatitis-Viren in
Gang. Dem Immunsystem gelingt es nicht, die eindringenden Viren
dauerhaft zurückzuschlagen. Die Entzündung wird daraufhin chronisch.
Dabei sterben mehr und mehr Leberzellen ab und werden durch
Narbengewebe ersetzt. Endstadium einer solchen Vernarbung ist die
Zirrhose. Wie schnell sie voranschreitet, hängt vom Lebenswandel ab.
Die Forscher konnten nun aber nachweisen, dass auch genetische
Einflüsse die Fibrose beeinflussen.

Dem Forscherteam um Frank Lammert von der Bonner Medizinischen Klinik
und Siegfried Matern vom Universitätsklinikum Aachen ist es nun
gelungen, das bisher unbekannte Gen zu identifizieren, das die Bildung
einer Zirrhose begünstigt. Im Versuch an Mäusen wurden Tiere
miteinander gekreuzt, bei denen die Leber nach einer Vergiftung sehr
schnell vernarbt und jene, deren Leber unempfindlicher ist. Da die
Nachkommen eine unterschiedliche Fibrose-Neigung zeigten, untersuchte
das Wissenschaftsteam das Erbgut der Tiere genauer und stieß auf das
Gen für den so genannten "Komplementfaktor 5" (C5).

In anschließenden Untersuchungen stellte sich heraus, dass bei Mäusen,
die kein C5 bilden können, die Lebervernarbung nur noch langsam
voranschritt. Auch Menschen verfügen über C5. "C5 ist ein Protein des
angeborenen Immunsystems, das der Körper bei Krankheiten ausschüttet
und das eine starke Entzündungsreaktion hervorruft", so Lammert. "In
der Regel ist das auch gewünscht: Je stärker die Entzündung, desto
besser gelingt es unserem Immunsystem in der Regel, mit
Krankheitserregern fertig zu werden." Wenn der Infekt chronisch wird,
kann eine starke Entzündungsreaktion jedoch auf die Dauer mehr Schaden
anrichten, als sie nutzt.

Die Forschungsergebnisse sollen die Entwicklung neuer Medikamente
ermöglichen, denn bei den 25- bis 40jährigen ist die Leberzirrhose
unter allen Krankheiten die zweithäufigste Todesursache. In einem
ersten Schritt ist den Wissenschaftlern gelungen, ein Eiweiß-Molekül
herzustellen, das die Entstehung der Zirrhose bei Mäusen verzögert.

Chance für neue Krebsmedikamente

Wirkstoff programmiert Tumorzellen um

Heidelberg (pte/18.07.2005/10:38) – Forschern des Deutschen
Krebsforschungszentrums http://www.dkfz.de ist es gelungen, einen
Wirkstoff herzustellen, der Tumorzellen umprogrammiert. Tumorzellen
legen häufig wachstumshemmende Gene still, indem sie bestimmte
Bausteine der DNA chemisch markieren. Den Forschern ist es nun gelungen
mithilfe kleiner Kohlenwasserstoffverbindungen, so genannter
Methylgruppen, die an die Cytosin-Bausteine der DNA gekoppelt sind, die
Gene stillzulegen oder zumindest ihre Aktivität zu drosseln.

In Krebszellen sind häufig diejenigen Gene durch Methylierung
inaktiviert, die die Zelle vor unkontrolliertem Wachstum schützen
sollen. Ein Ziel der Wissenschaftler war daher, die übermäßige
Methylierung zu unterbinden. Dabei konzentrierten sie sich auf die
Methyltransferasen, Enzyme, die für die Übertragung der Methylgruppen
zuständig sind. Dem Forscherteam um Frank Lyko ist nun gelungen,
Methyltransferasen dreidimensional darzustellen und anhand dieser
Modelle die Struktur für einen exakt passenden Hemmstoff abzuleiten.

Der Inhibitor, den die Forscher den Namen RG108 gegeben haben, hemmt
bei Untersuchungen in der Kulturschale tatsächlich die Aktivität der
Methyltransferasen in verschiedenen Krebszellen. Untersuchungen bei
Darmkrebs-Zellen verliefen nach Angaben der Forscher vielversprechend.
Der Methylierungsgrad von mehreren Tumorsuppressor-Genen verringerte
sich und die schützenden Gene wurden dadurch reaktiviert. Andere
Bereiche der DNA, deren Methylierungsmuster als wichtig für die
Stabilität der Chromosomen gilt, waren dagegen nicht von der Wirkung
des RG108 betroffen. Ein weiterer Vorteil von RG108 ist die Tatsache,
dass der Hemmstoff im Gegensatz zu anderen bisher verfügbaren kaum
giftig ist. "Wir haben damit eine Substanz in der Hand, die das
Potenzial hat, zum Ausgangspunkt für die Entwicklung einer ganz neuen
Klasse von Krebsmedikamenten zu werden", so Lyko.

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Risiko durch neuere Diabetes-Medikamente ?

Erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenentzündung durch neuere Diabetes-Medikamente ?

Aktuelle Zahlen von der Datenbank der Amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA weisen auf ein gesteigertes Risiko für Pankreatitis und Pankreaskarzinom mit „Inkretin-basierten“ Therapieformen hin

Regenstauf – Seit einigen Jahren setzen Ärzte zur Behandlung des Typ-2-Diabetes vermehrt Medikamente ein, die auf einem körpereigenen Hormon, einem im Darm gebildeten „Inkretin“ basieren. Dieses „Glukagon-ähnliche Peptid“ GLP-1 kann entweder in abgewandelter Form unter die Haut injiziert werden. Es gibt aber auch Hemmstoffe in Tablettenform, die den Abbau des im eigenen Körper gebildeten GLP-1 unterdrücken, was die Wirkung des körpereigenen GLP-1 verlängert. GLP-1 setzt noch vorhandenes, körpereigenes Insulin frei und unterdrückt gleichzeitig das blutzuckersteigernde Glukagon. Dadurch senkt es den Blutzuckerspiegel in den Normbereich. „Das Besondere bei den GLP-1-basierten Therapieformen ist, dass diese für sich nicht zu den vielfach gefürchteten Unterzuckerungen, den Hypoglykämien führen und es zu keiner Zunahme, mit den GLP-1-Analoga sogar zu einer Gewichtsabnahme kommt“, erklärt Professor Helmut Schatz, Bochum, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Eine aktuelle Analyse der Datenbank der Amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA weist jetzt auf die Möglichkeit zwar seltener, aber ernstzunehmender Nebenwirkungen dieser neuen Medikamentengruppe hin.

Als GLP-1-Analoga sind in Deutschland Exenatid (Byetta®) und Liraglutid (Victoza®) zugelassen, als Hemmstoffe des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4, als

weisen diese Substanzen auch Nebenwirkungen auf: So wurden vereinzelt Entzündungen der Bauchspeicheldrüse gesehen. Darauf wird auch in den Packungsbeilagen von Medikamenten aus dieser Gruppe hingewiesen. In einem Kommentar im Organ der Europäischen Diabetesgesellschaft „Diabetologia“ im Januar-Heft 2010 besprachen Peter Butler und seine Gruppe die Möglichkeit von Pankreatitiden, das sind Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, durch GLP-1-basierte Therapien. Sie gaben zu bedenken, dass eine symptomlose, unbemerkte chronische Pankreatitis längerfristig zu ernsten Schädigungen dieser Drüse einschließlich Krebs führen könnte. Jetzt liegt eine Analyse der Nebenwirkungsdatenbank der FDA, der amerikanischen „Food and Drug Administration“, von der gleichen Gruppe (Elashoff et al.2011) vor, publiziert im Februarheft 2011 der Zeitschrift „Gastroenterology“ (online am 17.2.2011). Retrospektiv wurden die bei der zuständigen Behörde (FDA) eingegangenen Nebenwirkungsmeldungen unter Exenatid und Sitagliptin von 2004 bis 2009 ausgewertet. Als Vergleichsgruppe dienten Patienten mit Typ-2-Diabetes unter vier anderen Diabetesmedikamenten: Rosiglitazon, Nateglinid, Repaglinid und Glipizid (ein Sulfonylharnstoff, der in Deutschland nicht im Handel ist). Unter Exenatid und Sitagliptin wurde ein sechsfach erhöhtes Risiko beobachtet, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung zu erleiden. Die Wahrscheinlichkeit für ein Pankreaskarzinom, für Schilddrüsenkrebs oder andere Krebsformen wurde ebenfalls gesteigert gefunden.

Die Aussagekraft retrospektiver Analysen aus Datenbanken ist begrenzt, worauf die Autoren selbst hinweisen. Solche Daten beruhen auf freiwilligen Berichten an die Behörden und können somit ein verzerrtes Bild ergeben („reporting bias“). Auch kann man dabei weitere Risikofaktoren für Pankreatitis und Krebs wie zum Beispiel Güte der Stoffwechseleinstellung (HbA1c) oder Übergewicht (body mass index BMI) nicht berücksichtigen. Zufolge dieser Einschränkungen lassen sich bei derartigen Studien zwar Assoziationen aufzeigen, grundsätzlich aber keine ursächlichen Zusammenhänge beweisen. „Die neuen Studienergebnisse der Gruppe um Peter Butler stehen auch im Gegensatz zu anderen Analysen, so einer Datenauswertung von über 780 000 Patienten (Garg et al. 2010), die weder für Exenatid noch für Sitagliptin ein höheres Pankreatitis-Risiko ergeben hatte als unter anderen Diabetesmedikamenten“, so Schatz.

Zusammenfassend muss ein möglicher Zusammenhang zwischen inkretinbasierten Therapieformen und Pankreatitis sowie Krebs sorgfältig beachtet, überwacht und weiter untersucht werden. Eine Therapie mit GLP-1-Analoga oder DPP-4-Hemmern soll nicht ungezielt und breit, sondern immer nur entsprechend der Zulassung und leitliniengerecht erfolgen. Patienten sollen diese Therapie keinesfalls selbst absetzen, sondern sich mit ihrem Arzt besprechen.