Archiv der Kategorie: Erde, Klima, Umweltschutz

Polarstern startet 25. Arktisexpedition

Forschung in Grönlandsee, Framstraße und Baffin Bay

Bremerhaven, den 9. Juni 2010. Morgen bricht das Forschungsschiff Polarstern zu seiner 25. Arktisexpedition auf. Von Bremerhaven geht es zunächst in die Grönlandsee, wo überwiegend ozeanographische Arbeiten auf dem Programm stehen. Nach kurzem Zwischenstopp in Longyearbyen (Spitzbergen) fährt Polarstern am 30. Juni in den so genannten HAUSGARTEN des Alfred-Wegener-Instituts und in die Framstraße. Hier führen die Wissenschaftler biologische Langzeituntersuchungen und weitere ozeanographische Messungen durch. Am 31. Juli startet in Reykjavik, Island, der dritte Abschnitt zu geowissenschaftlichen Forschungen in die nördliche Baffin Bay (Kanada). Über 120 Wissenschaftler und Techniker von Instituten aus sechs Nationen nehmen an den drei Abschnitten der Expedition teil. Polarstern wird am 10. Oktober in Bremerhaven zurückerwartet.

“Die hydrographischen Arbeiten auf dem ersten Fahrabschnitt bilden einen wichtigen Mosaikstein zu Langzeit-Messreihen, wie sie für die klimabezogene Forschung unverzichtbar sind³, erklärt Fahrtleiter Dr. Gereon Budéus, Ozeanograph am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. In der Grönlandsee untersucht er mit seinen Kollegen schon seit über zehn Jahren Stärke und Einfluss der Winterkonvektion, welche die Verteilung von Wärme und Salz in der untersuchten Region bestimmt und die Erneuerung der tiefsten Schichten im Ozean steuert. Weiterhin beschäftigen sich Biologen mit dem Plankton im Untersuchungsgebiet, also Kleinstlebewesen, die in der Wassersäule schweben. Die mikroskopisch kleinen Tiere und Algen aus drei unterschiedlichen biogeographischen Klimazonen (polar, arktisch und atlantisch) kommen hier relativ dicht beieinander vor. Ob sich bestimmte Arten wegen veränderter Umweltbedingungen weiter ausbreiten oder weniger häufig vorkommen, ist Gegenstand der Forschung.

Im Tiefsee-Langzeitobservatorium des Alfred-Wegener-Instituts, dem so genannten HAUSGARTEN, untersuchen Wissenschaftler auf dem zweiten Fahrtabschnitt im Juli, wie das arktische marine Ökosystem auf den globalen Klimawandel reagiert. Eingebunden in zahlreiche nationale und internationale Projekte werden am Kontinentalhang vor Spitzbergen zwischen 1000 und 5500 Metern Wassertiefe seit über zehn Jahren regelmäßig Probennahmen und Experimente durchgeführt, in denen untersucht wird, wie das Tiefseeökosystem beispielsweise auf den Rückgang des Meereises und damit verbundene Veränderungen in der Nahrungsversorgung reagiert. Zusätzlich setzen die Wissenschaftler hydrographische Langzeituntersuchungen in der Framstraße fort, der einzigen Tiefenwasserverbindung zwischen dem Nord-Atlantik und dem zentralen arktischen Ozean. Hier zeichnen ozeanographische Verankerungen Daten über den Salzgehalt und die Temperatur des Wassers auf. Sie erlauben den Austausch von Wassermassen zwischen beiden Meeresgebieten zu quantifizieren.

Der dritte Abschnitt startet Ende Juli von Reykjavik und führt Polarstern in kanadische Gewässer. Wissenschaftler unter der Leitung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) untersuchen die geologischen Strukturen und die tektonische Entwicklung der nördlichen Baffin Bay und der angrenzenden kanadischen und grönländischen Kontinentränder. Sie möchten rekonstruieren, wann und wie sich die Baffin Bay im Verlauf der Erdgeschichte geöffnet hat und welche geologischen Prozesse bei der Abtrennung Grönlands von Nordamerika stattgefunden haben. Die geodynamische Rekonstruktion der Öffnung dieser Flachwasserverbindung zwischen Nordpolarmeer und Atlantik bildet die Grundlage für paläobathymetrische Modelle. Diese dienen einer detaillierteren Vorstellung, wie sich globale Strömungs- und Sedimentationsprozesse verändert haben. Hiermit werden Beiträge zum besseren Verständnis der Paläoklima- und Sedimentbeckenentwicklung in der Arktis erbracht.

Über 120 Wissenschaftler und Techniker von Instituten aus sechs Nationen nehmen an den drei Abschnitten der Expedition teil. Nach vier Monaten in der Arktis wird Polarstern voraussichtlich am 10. Oktober wieder in ihrem Heimathafen Bremerhaven einlaufen.

Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin in der Abteilung Kommunikation und Medien des Alfred-Wegener-Instituts ist Folke Mehrtens (Tel. 0471 4831-2007; E-Mail: Folke.Mehrtens@awi.de). Druckbare Bilder finden Sie unter www.awi.de.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der sechzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Tunfisch-Fischereipolitik im Atlantik untauglich

Stanford (pte/28.04.2005/15:54) – Zwei verschiedene Fangquoten für den
Tunfisch im Atlantik bereiten den Forschern Kopfzerbrechen. Die
Annahme, dass sich die großen Blauflossen-Tunfischpopulationen im
östlichen und westlichen Atlantik nicht vermischen, haben Forscher nun
als völlig falsch zurückgewiesen, berichtet das Wissenschaftsmagazin
Nature http://www.nature.com. Vielmehr sei es nötig eine stabile Zahl
der Tiere am Leben zu erhalten, damit die Population erhalten bleibt.
Das bedeutet auch, dass eine neue und einheitliche Fischereipolitik
notwendig ist.

Der atlantische Blauflossen-Thunfisch (Thunnus thynnus)
http://www.tunaresearch.org ist ein geschätzter Speisefisch, der bis zu
650 Kilogramm auf die Waage bringt. In Japan kann ein einzelner Fisch
bis zu 100.000 Dollar erzielen. "Unsere Wissenschaft unterstützt nicht
ein Management-System, das davon ausgeht, dass ein Tunfisch vom
Ostatlantik auch im Ostatlantik bleibt und einer aus dem Westatlantik
nur im Westatlantik bleibt", so Barbara Block von der amerikanischen
Stanford University. Es sei nun an der Zeit zu verstehen, dass die
Fische zwischen den Küsten hin- und herschwimmen und lediglich zum
Laichen in ihren ursprünglichen Gewässern bleiben.

Nach Angaben der Internationalen Kommission für die Erhaltung der
Atlantischen Tunfische (ICCAT) ist die westliche Population seit den
70-er Jahren um 80 Prozent zurückgegangen. Wie hoch die Rückgänge bei
den östlichen Populationen sind, ist nicht genau geklärt. Fest steht
jedoch, dass auch diese massiv zurückging. Das Team um Block hatte mehr
als zehn Jahre lang mithilfe von Sendern wildlebende Tunfische und ihre
Migrationsrouten untersucht. Mehrere 1.000 Kilometer weit und bis zu
910 Meter tief sind diese Fische unterwegs. Sie richten ihr Leben nach
dem Nahrungsangebot und haben einen sehr komplexen Lebenszyklus. Einig
sind sich die Experten darüber, dass die Quote im Westen mit 3.000
Tonnen und im Osten mit 32.000 Tonnen nicht zielführend ist.
Wünschenswert wäre eine gemeinsame Fangquote für alle im Atlantik
lebenden Blauflossen-Tunfische, so Block.

Expedition zu den Gletschern der Antarktis

Expedition zu den Gletschern der Antarktis

Forschung soll Prognosen für globalen Meeresspiegelanstieg verbessern

Wie hat sich der westantarktische Eisschild im Wechsel von Kalt- und
Warmzeiten verändert? Und was bedeutet das für den heutigen und
zukünftigen Anstieg des Meeresspiegels? Das sind die Kernfragen, mit
denen 50 wissenschaftliche Fahrtteilnehmer unter Leitung des
Alfred-Wegener-Instituts am kommenden Montag, den 6. Februar 2017 mit
dem Forschungsschiff Polarstern von Punta Arenas (Chile) in Richtung des
antarktischen Amundsenmeeres aufbrechen. In dieser Region ist der
Eismassenverlust derzeit so groß, wie nirgends sonst in der Antarktis.
Erstmalig in der Antarktis soll das Meeresboden-Bohrgerät MARUM-MeBo70
zum Einsatz kommen.

Risse im antarktischen Larsen-Schelfeis und im Brunt-Eisschelf, das die
britische Polarstation Halley beheimatet, stehen derzeit unter
Beobachtung. Noch stärker als in diesen Regionen im atlantischen Sektor
der Antarktis schreitet der Eismassenverlust jedoch im pazifischen
Sektor des Kontinents voran: im Amundsenmeer. Hierhin führt die aktuelle
Expedition des Forschungsschiffes Polarstern, um Veränderungen des
Eisschildes und seinen Beitrag zur Höhe des Meeresspiegels in der
Vergangenheit zu untersuchen und so Prognosen für die Zukunft zu
verbessern.

Der globale Meeresspiegel ist zwischen den Jahren 1901 und 2010 um 19
Zentimeter angestiegen. Prognosen für die Zukunft schwanken zwischen 26
und 82 Zentimeter Anstieg bis zum Ende des Jahrhunderts. Diese Szenarien
haben noch große Unsicherheiten und neueste Modelle zeigen, dass
möglicherweise noch bis zu einem Meter mehr Anstieg zu erwarten ist.
Zukunftsprognosen für den Meeresspiegelanstieg sind wichtig, weil sie
mögliche Anpassungen und Minimierung der Auswirkungen des Klimawandels
beispielsweise durch Küstenschutzmaßnahmen mitbestimmen.

Während Computermodelle die Kopplung zwischen Eis und Ozean mittlerweile
gut abbilden, liegen noch immer zu wenige Daten über das Verhalten der
Eisschilde in der Antarktis vor. „Wir wollen deshalb erforschen, mit
welcher räumlichen und zeitlichen Variabilität und in welchem Tempo sich
der westantarktische Eisschild in der Vergangenheit vorgeschoben und
zurückgezogen hat“, sagt Dr. Karsten Gohl vom Alfred-Wegener-Institut,
Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). „Insbesondere in
der Region des Amundsenmeeres beobachten wir seit einigen Jahrzehnten
einen ungewöhnlich rapiden Eisschildrückzug, der als Vorläufer für einen
Kollaps des gesamten westantarktischen Eisschildes vermutet wird“,
berichtet der wissenschaftliche Fahrtleiter der Polarstern-Expedition.

Das Amundsenmeer liegt im pazifischen Sektor der Antarktis. Hier münden
die beiden großen Pine-Island- und Thwaites-Gletscher ins Meer, über die
gewaltige Eismassen des westantarktischen Eisschildes in den Ozean
gelangen. Typisch für den Eisschild der Westantarktis ist, dass ein
Großteil seiner Basis unter dem Meeresspiegel auf dem Kontinent
aufliegt. Bereits heute zirkuliert relativ warmes Meerwasser auf dem
Kontinentalschelf des Amundsenmeeres, was dazu führt, dass die
Aufsatzzonen des Festlandeises und die vorgelagerten aufschwimmenden
Schelfeise empfindlich reagieren: Wird der Ozean wärmer, so lässt er das
Schelfeis von unten schmelzen und verschiebt die Aufsatzzone weiter
landeinwärts. In der Folge zieht sich der Gletscher zurück und
hinterlässt einen offenen oder nur von dünnem Meereis bedeckten Ozean,
wo vorher ein hunderte Meter dicker Eisschild lag.

Genau solche Veränderungen in der Eisbedeckung machen sich
Geowissenschaftler zunutze: Anhand von Sedimentkernen auf dem eisfreien
Kontinentalschelf wollen sie herausfinden, wann und wie weit das
Amundsenmeer in der Erdvergangenheit von Eis bedeckt oder offen war. Die
entsprechenden Informationen stecken in den Resten von Kleinstalgen
(Foraminiferen und Diatomeen), die als Sedimente im Meeresboden lagern.
Um diesen Sedimenten ihre Geheimnisse zu entlocken, kommt erstmals in
der Antarktis das Meeresboden-Bohrgerät MeBo70 des MARUM – Zentrum für
Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen zum Einsatz. Es kann
Kerne bis zu einer Gesamtlänge von 70 Metern erbohren. Anschließende
Analysen – wie die Artbestimmung der Algen und die Altersdatierung –
erlauben dann Rückschlüsse auf die früheren Wassertemperaturen und die
Vereisungsgeschichte des Amundsenmeeres.

„Wir wollen Sedimente aus den Epochen der Erdgeschichte beproben, die
analog zu den Klimabedingungen sind, die wir in den kommenden 100 bis
200 Jahren erwarten“, sagt Karsten Gohl. Dabei steht einerseits die
letzte Warmzeit vor der heutigen vor etwa 125.000 Jahren im Fokus.
Andererseits ist das Erdzeitalter des Pliozän von großem Interesse: Vor
drei bis fünf Millionen Jahren lag die Temperatur zwei bis drei Grad
über derjenigen unmittelbar vor Beginn der Industrialisierung und der
Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre entsprach mit etwa 400 ppm (Parts per
Million) dem heutigen.

Durch verschiedene Prozesse wie das Heben und Senken des antarktischen
Kontinents und Erosion liegen im Amundsenmeer geologische Schichten ganz
unterschiedlichen Alters oben am Meeresboden. An bis zu neun
verschiedenen Stellen sollen Sedimentkerne mit dem MeBo erbohrt werden.
„Zwischen den Bohrlokationen führen wir geophysikalische Messungen
durch, um die Informationen zu verknüpfen und so die
Vereisungsgeschichte des Amundsenmeeres auch in der Fläche darstellen zu
können“, erläutert der AWI-Geophysiker Gohl. „Wir hoffen, dass das
Bohrverfahren und unsere Messtechniken unter den harschen antarktischen
Bedingungen gut funktionieren und wir am 19. März mit vielen hundert
Metern Sedimentkernen in Punta Arenas wieder einlaufen“, so der
Fahrtleiter. Anschließend stehen dann Laboruntersuchungen und
Datenanalysen an. Neben den Geowissenschaftlern warten auch
Klimamodellierer am AWI sowie Forscher der beteiligten Partnerinstitute
MARUM, British Antarctic Survey und deutscher und britischer
Universitäten schon gespannt auf die Daten.

Hintergrund: Zahlen zum Meeresspiegelanstieg

Der globale Meeresspiegel ist zwischen den Jahren 1901 und 2010 um 19
Zentimeter angestiegen, das bedeutet eine Rate von 1,7 Millimeter pro
Jahr. Für den Zeitraum von 1993 bis 2010 gibt die Wissenschaft
durchschnittlich 3,2 Millimeter Meeresspiegelanstieg pro Jahr an (IPCC
2013).

Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Grönlands Gletscher im letzten
Interglazial zwischen 1,4 und 4,3 Meter zur Höhe des Meeresspiegels
beigetragen haben. Nur mit einer mittleren Gewissheit können die
Wissenschaftler in dem Bericht des Weltklimarates bei derzeitiger
Datenlage dafür angeben, dass die Eisschilde der Antarktis einen
zusätzlichen Beitrag geleistet haben.

Für die Periode 2081 bis 2100 wird ein Meeresspiegelanstieg im Vergleich
zu den Jahren 1986 bis 2005 zwischen 0,26 und 0,55 Meter
beziehungsweise zwischen 0,45 und 0,82 Meter prognostiziert – je nach
verwendetem Szenario und Modell (diese Werte sind wahrscheinlich, d.h.
sie werden mit sogenannter mittlerer Sicherheit angegeben).

(Quelle: IPCC, 2014: Climate Change 2014: Synthesis Report. Contribution
of Working Groups I, II and III to the Fifth Assessment Report of the
Intergovernmental Panel on Climate Change [Core Writing Team, R.K.
Pachauri and L.A. Meyer (eds.)]. IPCC, Geneva, Switzerland, 151 pp.;
Download: http://ar5-syr.ipcc.ch/)

Energiesparende Architektur

Die Bündelung von Technologien macht es möglich

Wörgl (pts/19.10.2005/10:00) – Die Reduzierung des Einsatzes von Kohle
und Erdöl dient nicht nur dem Klimaschutz. Effiziente Energienutzung
kann Unternehmen und Verbraucher auch reicher machen. Wie einfach
dieses Ziel zu erreichen ist, zeigt ein innovatives, heimisches
Unternehmen auf.

Außen modernstes Design, innen zukunftsweisende Technik. Und das
wichtigste: In Zeiten der Energiepreiskrise ist der neue Firmensitz der
Felbermeier-Gruppe im Norden von Salzburg ein Musterbeispiel an
Sparsamkeit. Eine einzigartige Kombination aus Solarenergie und
Erdwärme hilft das Haus im Winter auf sparsamste Art und Weise zu
beheizen und im Sommer ein angenehm kühles Raumklima zu erzeugen. Das
patentierte Energie Management System (EMS) des Unternehmens
SUN-SYSTEMS (http://www.sun-systems.at), das die Energieflüsse aus den
erneuerbaren Energien bedarfsgerecht verteilt und steuert, führt zu
einer erheblichen Steigerung des Kollektorertrages. Die Werte sprechen
für sich. Während eine "normale" Anlage ca. 35% der von der Sonne zur
Verfügung gestellten Energie nutzt, verwertet das Energie Management
System EMS bis zu 70% des einfallenden Sonnenlichtes.

Neben dem positiven Umwelteffekt, wirkt sich die neue Technologie auch
wohltuend auf die Firmenbilanzen aus. "Etwa 5.000 Liter Öl und 12.500
kg CO2-Emissionen werden jährlich gegenüber einer herkömmlichen
Ölheizung eingespart", hob der Salzburger Energie-Landesrat Sepp Eisl
die Vorzüge des Energiesystems bei der Eröffnungsfeier vergangenen
Montag hervor. Joachim Ehart von der ausführenden Firma SUN-SYSTEMS
fügte hinzu: "Die hier eingesetzte Technik amortisiert sich dank
attraktiver Fördermodelle bereits nach weniger als zehn Jahren". O-Ton
des Geschäftsführers DI Horst Felbermayr jr. in einem ORF
Radiointerview: "Wir sind wirklich begeistert von diesem neuen System.
Das ist das erste Bürogebäude, das nach diesem System arbeitet. Wir
sind sehr zufrieden."

Und so funktioniert die "Klimaanlage" der Zukunft: Die Kombination von
Solar-Energie und Erdwärme, der so genannten Geothermie, ermöglicht es,
überschüssige Sonnenenergie im Sommer von den Kollektoren in das
Erdreich zu lenken. Die Energiesonden, die im Boden versenkt sind,
speichern die Wärme und geben sie bei Bedarf später wieder ab. Die
Wärme wird im Winter in die Fußbodenheizung und die Geschossdecken
geleitet, sorgt so für ein wohltuendes Raumklima.

Während der Sommermonate nutzt das Energie Management System in Form
der "Sun-Box" die gespeicherte Energie zur Kühlung. Für dieses
ausgeklügelte System wurde am Dach des viergeschossigen Gebäudes, das
vom Architekten-Team Kleboth-Lindinger nach der Form eines
Bergkristalles konzipiert wurde, eine 80 Quadratmeter große
Solarkollektorfläche installiert. Unter dem Parkplatz des
Zukunftshauses dienen rund 800 Laufmeter Tiefensonden als Erdspeicher.

Über SUN-SYSTEMS:

Die Tiroler mit Sitz in Wörgl sind spezialisiert auf thermische
Energiebereitstellung aus erneuerbarer Energie zur teilweisen bis
kompletten ganzjährigen Versorgung für Heizung, Kühlung und
Warmwasserbereitung. SUN-SYSTEMS stellt dabei die Konzeption &
Dimensionierung des Energie-Systems dar. Zudem liefert das Unternehemen
sämtliche Kernkomponenten insbesondere die maßgeschneiderte SUN-BOX mit
integrierter Wärmepumpe und patentierter hydraulischer
Energieverteilung. Die Kollektormindesterträge sowie die Deckung des
Energiebedarfs werden von SUN-SYSTEMS garantiert.

Treibhausgas aus der Tiefsee

Methan vom Meeresgrund trägt stärker zur globalen Erwärmung bei als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung nach Untersuchungen an einem Schlammvulkan in der Tiefsee zwischen Norwegen und Spitzbergen.

Ein wichtiger Faktor für den derzeitigen globalen Klimawandel ist der Treibhauseffekt. Verantwortlich dafür sind unter anderem die beiden Gase Kohlendioxyd und Methan. Sie verhindern, dass überschüssige Wärme von der Erde ins Weltall abgestrahlt wird. Ein Methanmolekül ist hierbei über 20-mal wirkungsvoller als Kohlendioxyd und leistet damit einen deutlichen Beitrag zur Erderwärmung.

Während man die meisten Methanquellen an Land kennt, sind ozeanische Methanquellen weit weniger erforscht. Fraglich ist vor allem der Anteil an Methan, der aus dem Ozean in die Atmosphäre gelangt, also klimarelevant ist. Bis vor kurzem wurde angenommen, dass vom Meeresboden freigesetztes Methan sofort von Mikroben zersetzt und unschädlich gemacht wird. Methan aus der Tiefsee hätte damit praktisch keine Auswirkungen auf unser Klima.

Forschungen eines deutsch-französisch-russischen Teams unter Leitung des Alfred-Wegener- Instituts zeigen jedoch, dass erhebliche Mengen an Methan aus untermeerischen Quellen in die Atmosphäre gelangen. Bei Untersuchungen am aktiven Håkon Mosby Schlammvulkan zwischen Norwegen und Spitzbergen entdeckten die Forscher eine Wolke aus Methanblasen, die sich 800 Meter über dem Tiefseeboden in 1250 Metern Tiefe ausbreitet. Optische und akustische Beobachtungen zeigten, dass das umgebende Wasser vom Auftrieb der Bläschen nach oben gerissen wird und das Methan auch oberhalb der Blasenauflösung weiter zur Meeresoberfläche trägt. Allein im Bereich des Håkon Mosby Schlammvulkans fördern die Bläschen nach Berechnungen der Wissenschaftler einige hundert Tonnen Methan pro Jahr in die obere Wassersäule. “Weltweit wird die Zahl der untermeerischen Schlammvulkane auf mehrere tausend geschätzt³, erklärt Eberhard Sauter, Geochemiker am Alfred-Wegener-Institut. “Ihr Beitrag zum globalen Methanhaushalt kann also durchaus wichtig
sein.³

Derzeit wird versucht, eine akustische Methode zur Bestimmung der Methanmenge zu entwickeln. Damit sollen Methanquellen künftig leichter gefunden und charakterisiert werden können. Man erhofft sich so genauere Zahlen zur Unterstützung von Modellrechnungen zur Klimaentwicklung.

Die Ergebnisse wurden in Kooperation des Alfred-Wegener-Instituts mit seinem französischen Partnerinstitut Ifremer unter Beteiligung des Bremer Max-Planck-Insituts für Marine Mikrobiologie und des Institutes für Angewandte Physik der Russischen Akademie der Wissenschaften Nizhny Novgorod erarbeitet.

Der Originalartikel ist im März 2006 in Earth and Planetary Science Letters veröffentlicht.

Bequem Heizen mit Holzpellets

Je größer das Wachstum, desto sicherer die Versorgung zum Niedrigtarif

Stuttgart (pte/31.08.2005/15:18) – Die rasante sich nach oben drehende
Preisspirale bei Mineralöl, lässt erneuerbare Energien in neuem Licht
dastehen. Das gilt auch beim Heizen. Zu den Gewinnern zählen dabei
Pelletsheizungen. Und dabei gilt der Slogan: Je größer das Wachstum,
desto stabiler bleiben die Preise. Und hinzu kommt noch der Vorteil,
dass es zu keiner Verknappung des Rohstoffes kommt, denn Pellets werden
aus bisher ungenutztem Restholz gefertigt.

"In Deutschland und im internationalen Umfeld sind neue
Produktionsstätten für Pellets entstanden und weitere befinden sich im
Bau", so Barbara Pilz, Chefredakteurin des Magazins "Pelletsmarkt und
Technik" http://www.pelletsmagazin.de. Derzeit produzieren in
Deutschland 28 Werke knapp 300.000 Tonnen Pellets. Weitere 14
Produktionsstätten sind in Planung. "Vergleicht man die Preise der
vergangenen drei bis vier Jahre miteinander, ist eine Verbilligung der
Pellets eindeutig erkennbar", erklärt Pilz im Interview mit pressetext.
Das Angebot liege deutlich über der Nachfrage. Den Jahresverbrauch für
das Jahr 2005 schätzt die Expertin mit etwa 200.000 Tonnen. Die Kosten
liegen bei 170 Euro pro Tonne. Das sei um vier bis fünf Euro weniger
als in den Vorjahren.

"Vergleicht man die jährlichen Energiekosten eines Einfamilienhauses
mit einem zehn-Kilowatt-Kessel und einer Wohnfläche von 150
Quadratmetern miteinander, wird der Vorteil der Pellets gegenüber
Heizöl offensichtlich", so Pilz. Bei einem Literpreis von 56 Euro-Cent
ist die Pelletsheizung um fast die Hälfte günstiger. "Die Technologie
der Pelletsheizungen ist in den vergangenen Jahren deutlich verbessert
worden", erklärt Pilz. Zum Standard gehören hier Automatisierung bei
Wärmetauscher- und Brennereinigung. "Der einzige Aufwand, der den
Nutzer noch trifft, ist das Entleeren der Aschenlade", meint Pilz.

Auch hinsichtlich der Heizleistung haben die Pellets dazugewonnen.
Durch die Schaffung einer Norm namens DINplus, die eine Kombination der
österreichischen Ö-Norm mit der Deutschen Industrienorm DIN ist,
gewährleistet einen fixen Bestandteil von Wasser- und Aschengehalt (er
liegt bei weniger als 0,5 Prozent). Einziges Handicap der
Pelletsheizungen ist der höhere Anschaffungspreis. "Rechnet man
allerdings die Nutzungsdauer mit ein und stellt eine
verbrauchsgebundene Kostenrechnung auf, schneidet die Pelletsheizung
deutlich besser ab als etwa eine Öl- oder Gasheizung", erklärt Pilz.
Derzeit überwiegen in Deutschland bei den Neuinstallationen noch dir
Gasheizungsanlagen (70 bis 72 Prozent), gefolgt von den Ölheizanlagen
(25 bis 26 Prozent). Die Pelletsheizanlagen kommen auf etwa zwei
Prozent. Hier sieht Pilz allerdings große Zuwachsraten für die
kommenden Jahre.

Einen Überblick über den wachsenden Pelletsmarkt erhalten Besucher der
Fachmesse Pellets 2005 http://www.pellets2005.de , die am 13. und 14.
Oktober in Stuttgart stattfindet. Zeitgleich geht auch das 5.
Industrieforum Holzenergie in Stuttgart über die Bühne. Barbara Pilz
ist für die Organisation des Kongress verantwortlich. Träger der
Veranstaltung sind der Deutsche Energie-Pellet-Verband
http://www.depv.de und die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie DGS
http://www.dgs.de .

Kunst an Bord der MS Wissenschaft

Wissenschaft im Dialog-Pressemitteilung, 7. Februar 2017

Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane: Der Gewinner des Kunstwettbewerbs steht fest!

Endpunkt Europa: Kunst an Bord der MS Wissenschaft

Wenn
das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft am 24. April 2017 in Bonn
startet, wird als Teil der Mitmach-Ausstellung auch der Gewinnerbeitrag
des Kunstwettbewerbs „Meere und Ozeane“ mit an Bord sein. Bei dem mit
6000 Euro dotierten Wettbewerb wurden künstlerische Arbeiten gesucht,
die an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst aktuelle
Forschungsfragen, wichtige Entdeckungen oder historische Aspekte rund um
Meere und Ozeane aufgreifen. Unter 178 Einreichungen wählte die
fünfköpfige Jury die Arbeit „Endpunkt Europa“ von Felix Kiessling aus.
 
In
seiner Arbeit beschäftigt sich Felix Kiessling mit der Frage, was genau
eine Küste ist. Als Schnittstelle zwischen Land und Meer ist sie beides
zugleich, eine exakte Grenze ist nicht sichtbar. Die Bestimmung eines
Punktes oder einer Länge ist immer abhängig von der Feinheit der
Messung. Eine feinere Messung führt zu einer größeren Küstenlänge, weil
mehr Details in Betracht gezogen werden. Der Künstler begibt sich in
seiner Arbeit auf die Suche nach den äußersten Punkten Europas. Er legt
einen Zipfel Küste fest, entnimmt ein Sandkorn und definiert es als
vermeintlich nördlichstes und südlichstes Ende Europas. Die Suche nach
dem Ende geht weiter: Das Sandkorn wird mit einem Elektronenmikroskop
untersucht. In der Kleinheit seiner Struktur nähern wir uns seinem
äußersten Endpunkt weiter an. Felix Kiessling ermöglicht es dem
Betrachter einen Punkt zu bereisen, den es eigentlich nicht gibt.

Die
Visualisierung zeigt den nördlichsten Punkt des europäischen
Festlandes, Kinnarodden in Norwegen, und den südlichsten Punkt in
Tarifa, Spanien. Die Visualisierung kann unter Nennung der Quelle,
Endpunkt Europa – Visualisierung, Felix Kiessling, verwendet werden.

Die
Jury wählte den Entwurf von Felix Kiessling wegen seiner herausragenden
künstlerischen Qualität. Der Künstler hinterfragt auf vielschichtige
Weise die Illusion menschlicher Wahrnehmung. Die exakte Vermessung
Europas wird ebenso in Frage gestellt wie politische, wissenschaftliche
und künstlerische Methoden, Grenzen zu definieren. Mit der Bestimmung
der Endpunkte nimmt die Arbeit spielerisch Bezug auf
naturwissenschaftliche Exaktheit. Die Nutzung der Elektronenmikroskopie
stellt zudem einen Transfer aus dem Technologie-Bereich dar, so dass in
Kiesslings Entwurf Kunst, Wissenschaft und Technik miteinander in
Austausch treten. Im Titel schwingen politische Aspekte von Europa als
Zufluchtsort vieler Verfolgter mit, der sich nicht immer als solcher
bewahrheitet. Nicht zuletzt berührt die Arbeit die Gefühle der
Betrachter über das Reisen und der mit ihr verbundenen Sehnsucht, neue
Orte zu entdecken. Hier schließt sich der Kreis zur Erforschung von
Meeren und Ozeanen, die immer mit Expeditionen ins Unbekannte verbunden
sind.   

Felix Kiessling (*1980) lebt und arbeitet in Berlin.
2014 hat er als Meisterschüler bei Olafur Eliasson am Institut für
Raumexperimente und der Universität der Künste Berlin sein Studium
abgeschlossen. In seinen konzeptuellen, oft wissenschaftlichen Arbeiten,
hinterfragt der Künstler die Grenzen und Parameter der menschlichen
Wahrnehmung. Präzision und Skalierung sind grundlegend für die Arbeiten
von Felix Kiessling.

Zwischen
April und Oktober 2017 legt die MS Wissenschaft in über 40 Städten in
Deutschland und Österreich an. Nach dem Start in Bonn fährt sie
rheinaufwärts nach Koblenz. Weitere Stationen sind unter anderem
Saarbrücken, Karlsruhe, Stuttgart, Frankfurt am Main, Würzburg, Passau
und Linz (Österreich). Die Arbeit von Felix Kiessling ergänzt dabei die
rund 30 wissenschaftlichen Mitmach-Exponate um einen künstlerischen
Blick auf das Ausstellungsthema. 

Mehr Informationen und den kompletten Tourplan der MS Wissenschaft (online ab Ende Februar) gibt es auf der Webseite www.ms-wissenschaft.de

Wärmebildkameras halten Aktivität fest

Stromboli: Wärmebildkameras halten Aktivität fest

Hightech-Instrumente überwachen oberen Kraterrarnd lückenlos

Stromboli: Forscher überwachen Aktivität (Foto: pixelio.de, Bernhard Friesacher)
Stromboli: Forscher überwachen Aktivität (Foto: pixelio.de, Bernhard Friesacher)

Catania (pte016/13.06.2014/13:44) –

Das Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia http://www.ingv.it hat erstmalig eine Eruption des vor Sizilien gelegenen Stromboli mit
Infrarot- und Wärmebildkamers aufgezeichnet. Mithilfe von
Richtmikrofonen, Seismografen und einer fliegenden Drohne ist es
gelungen, die Morphologie des oberen Kraterrandes zu analysieren.

18 Richtmikrofone

"Es geht uns vor allem darum, die um den Vulkanausbruch
angesiedelten Vorgänge besser zu verstehen", erklärt Projektleiter
Piergiorgio Scarlato. Deshalb seien auf dem Gipfel des Stromboli vier
Wärmebildkameras und zwei der Videosynchronisation dienende
Hochgeschwindigkeitskameras sowie ein Netz aus 18 Richtmikrofonen und
seismoakustischen Stationen installiert worden. Die Videosequenzen
stehen sowohl visuell wie auch als Infrarotaufnahmen zur Verfügung.

"Diese Technologie erlaubt uns, die durch den
Magmadruck an der Vulkanoberfläche enstehenden Abläufe besser zu
verstehen", so der Forscher. Durch den Einsatz der Wärmebildkamera
können die Veränderungen am Kraterrand aufgedeckt und die Länge der
Magmasäule ermittelt werden. Gleichzeitig wird in Echtzeit eine Datei
des während der Eruption ausgeschleuderten Bodenmaterials und dessen
Verteilung angelegt. "Jetzt ist es möglich, Häufigkeit und Höhe der
Ausbrüche kontinuierlich zu überwachen", weiß Scarlato.

Extrem aktiver Vulkan

Der auf den Äolischen Inseln gelegne, bis auf 2.400
Meter Meerestiefe und 926 Metern Höhe reichende Stromboli gilt als einer
der aktivsten Vulkane weltweit. Auf der 12,2 Quadratmter großen Insel
leben rund 400 Einwohner. Die heftigsten Ausbrüche sind in den Jahren
1919, 1930, 1944 und 1954 registriert worden. Bei der Eruption im Jahre
2002 war ein Hang mit über fünf Mio. Kubikmeter Erdreich ins Meer
gestürzt und hatte dadurch einen bis zu drei Meter hohen, bis nach
Kalabrien reichenden Tsunami ausgelöst.

Auf dünnem Eis in der warmen Arktis

Auf dünnem Eis in der warmen Arktis

Nie maßen Forscher in einem Februar eine kleinere Eisdecke auf dem Nordpolarmeer als 2018

Bremerhaven, 8. März 2018. Das Meereis in der Arktis schwindet weiter:
Seit Satelliten in den 1970er Jahren die weiße Kappe über dem
Nordpolarmeer im Blick haben, war die Fläche in keinem einzigen Februar
so klein wie dieses Jahr. Grund dafür sind Warmlufteinbrüche, die nicht
nur häufiger in die Arktis kommen, sondern auch stärker werden und
weiter nach Norden dringen.

Als weite Teile Europas im Februar in eisiger Polarluft bibberten,
wärmten im Gegenzug milde Winde aus dem Süden die Arktis und bescherten
dem Norden Grönlands mitten in der Polarnacht Temperaturen von plus
sechs Grad Celsius. Solche in diesen Breiten sommerlich erscheinenden
Werte bei gleichzeitig sibirischer Kälte in Mitteleuropa sind
Wettermuster, die mit dem Klimawandel verknüpft sind. Warme Luft bremst
das Gefrieren von Wasser im Nordpolarmeer. Bildet sich weniger Eis,
bleibt die Eisdecke im Winter kleiner als in anderen Jahren und der
Ozean erwärmt sich schneller.

Im Februar 2018 registrierten Forscher am Alfred-Wegener-Institut,
Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) dann auch
tatsächlich mit knapp 14 Millionen Quadratkilometern den niedrigsten
Durchschnittswert für die Eisfläche im hohen Norden seit Beginn der
Satellitenmessungen im Jahr 1978. „Allerdings nimmt die Eisbedeckung im
Februar keineswegs von Jahr zu Jahr gleichmäßig ab, sondern schwankt
erheblich“, erklärt der Meereisphysiker Marcel Nicolaus vom
Alfred-Wegener-Institut. Über längere Zeiträume ergibt sich jedoch ein
klarer Trend – die Eisdecke auf dem Nordpolarmeer schrumpft im Monat
Februar um durchschnittlich 2,75 Prozent pro Dekade.

„Hinter dieser langfristigen Abnahme steckt eindeutig der Klimawandel“,
sagt Marcel Nicolaus. Mit Konsequenzen für das Wetter der
Nordhemisphäre: Steigen die Temperaturen und verkleinern sich die
Eisflächen auf dem Nordpolarmeer, verändern die geringen Unterschiede im
Luftdruck zwischen verschiedenen Gebieten den sogenannten Polarjet. Mit
diesem Begriff bezeichnen Meteorologen einen Gürtel starker Winde, die
mit Geschwindigkeiten von einigen Hundert Kilometern in der Stunde hoch
oben in der Atmosphäre von West nach Ost um den Globus brausen.
Allerdings bildet der Polarjet keinen perfekten Kreis, sondern kann
riesige Schleifen bilden, besonders wenn sich der Temperaturunterschied
zwischen dem Norden und dem Süden verringert. Vergrößern sich mit dem
Klimawandel also die Schwingungen des Polarjets, dringt mancherorts
Warmluft viel weiter als in normalen Zeiten nach Norden und andernorts
Kaltluft viel weiter nach Süden.

Genau diese Entwicklung können Klimaforscher bereits beobachten: Die
Warmlufteinbrüche in die Arktis kommen nicht nur häufiger, sondern
werden auch stärker und dringen weiter nach Norden. Im Februar 2018
schwenkte der Polarwirbel über Grönland besonders weit nach Norden, über
Europa reichte er dagegen weit nach Süden. Dabei klemmte er ein
Hochdruckgebiet über Skandinavien und ein Tief über Grönland praktisch
ein. An deren Flanken flutete eiskalte Polarluft auf kürzestem Weg weit
in den Süden Europas, während über Grönland warme Luft weit nach Norden
floss, die dort das Bilden einer Eisdecke auf dem Nordpolarmeer bremste.

Um diese Änderungen besser zu verstehen, reicht es nicht, nur die
Eisfläche der Arktis zu vermessen. Auch die Eisdicke spielt eine
erhebliche Rolle, denn dünnes Eis bricht schneller und wird vom Wind
leichter vertrieben oder zusammengedrückt. Deshalb messen die Forscher
seit 2010 vor allem mit Hilfe des europäischen Satelliten CryoSat-2 und
anderer Erdbeobachtungssatelliten auch die Dicke des Eises auf dem
Nordpolarmeer. „Auch dabei zeichnet sich ein erster Trend zu
durchschnittlich dünnerem Eis ab“, erklärt AWI-Forscher Marcel Nicolaus.
Der Klimawandel lässt das Eis auf dem Nordpolarmeer also nicht nur in
der Fläche, sondern auch in der Masse schrumpfen. Ein Teufelskreis: Die
Eisdecke wird empfindlicher und variabler. Das wiederum lässt die
Temperaturen weiter steigen, weil offenes Wasser viel mehr Sonnenwärme
auf der Erde hält als eine Eisdecke.

Öffentliches Rauchverbot in der Diskussion

Tayside/Heidelberg (pte/12.10.2006/15:30) – Rauchverbote in
öffentlichen Räumen werden von der breiten Bevölkerung nicht nur
akzeptiert, sondern auch gewünscht und führen darüber hinaus zu einer
enormen Verbesserung des Gesundheitszustandes der
Gastronomiemitarbeiter. Wie gestern, Mittwoch, das Journal of the
American Medical Association (JAMA) http://www.jama.ama-assn.org/
berichtete, geht dies aus einer europäischen Studie hervor, die den
Gesundheitszustand von Angestellten in der Gastronomie direkt nach der
Einführung des gesetzlichen Rauchverbotes in Schottland untersuchte.
Auch im restlichen Europa wird der Ruf nach einem derartigen Verbot
immer lauter.

Schottland führte im Frühjahr dieses Jahres das gesetzliche Rauchverbot
in öffentlichen Lokalen ein. Die vorliegende Studie verfolgte den
Gesundheitszustand von über 100 Gastronomie-Mitarbeitern über einen
Zeitraum von fünf Monaten. Wie gezeigt werden konnte, hatten etwa 80
Prozent aller Probanden vor der Einführung des Rauchverbots Probleme
durch Atemwegserkrankungen. Ein Monat nach dem Verbot gaben bereits 26
Prozent der Untersuchten eine Verbesserung der Symptome an. Weitere
zwei Monate später stieg diese Zahl auf knapp 47 Prozent an.

Mark D. Eisner von der University of California in San Francisco
widerspricht in diesem Zusammenhang drei gängigen
Pro-Raucher-Argumenten. Erstens halten sich die Betreiber der
Restaurants und Bars nicht an das Verbot. "Vier Jahre nach der
Einführung des gesetzlichen Rauchverbotes in der kalifornischen
Gastronomie sind 99 Prozent der Restaurants und 76 Prozent der Bars
rauchfrei. In Irland und Neuseeland sind die Zahlen ebenfalls nahezu
perfekt", so Eisner. Das zweite Argument sei, dass die Öffentlichkeit
keine rauchfreien Bars und Restaurants akzeptieren würde. "Wie
internationale Studien zeigen, befürworten die meisten Menschen
rauchfreie Restaurants und Bars. Die Zustimmung steigt nach der
Einführung des Verbots sogar nochmals an", erklärte Eisner. Drittens
würde ein öffentliches Rauchverbot zu Umsatzeinbußen in der Gastronomie
führen. Wie Eisner angab, haben zahlreiche Untersuchungen ergeben, dass
die Umsätze in der Gastronomie nach dem Rauchverbot teilweise sogar
gestiegen sind.

"Das sind typische Erfahrungen, die man in rauchfreien Ländern gemacht
hat", erklärt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen
Krebsforschungszentrum http://www.dkfz.de im Gespräch mit pressetext.
"Der Gesundheitszustand der Gastronomieangestellten hat sich enorm
verbessert und die Bevölkerung befürwortet rauchfreie Lokale. Vor allem
Familien mit Kindern und Menschen mit asthmatischen Erkrankungen sind
für das Rauchverbot", so Pötschke-Langer. In Deutschland sind rund zwei
Drittel der Bevölkerung für ein Rauchverbot innerhalb der Gastronomie.
Nächste Woche tritt eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus beiden
Koalitionsparteien zusammen und arbeitet einen eventuellen
Gesetzesvorschlag aus.

"Ein solches Verbot wäre unbedingt notwendig. In der Gastronomie sind
etwa eine Mio. Mitarbeiter betroffen. Über 70.000 Babys sind bereits im
Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauches ausgesetzt. Weiters sind
Tausende stillende Mütter in der Gastronomie tätig. Aus
muttschutzrechtlicher Sicht müssten diese Frauen eigentlich in Karenz
gehen. Das tun sie aber meistens nicht, da sie sich entweder den
Verdienstausfall nicht leisten können oder Angst haben, nach der vollen
Karenzzeit ihren Arbeitsplatz zu verlieren", erklärt Pötschke-Langer im
Gespräch mit pressetext.