Archiv der Kategorie: Physik, Chemie, Technik

Gefährlichen Keimen in Krankenhäusern hilflos ausgeliefert? – Ein Lösungsvorschlag

Sauberer Siphon – weniger Krankenhauskeime

Dresden / 17.4.2019

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung von Prozessen und Anlagen zur Reinigung, Sterilisation und Oberflächenmodifizierung. Als Partner im neu gestarteten Projekt „Siphon“ präsentiert das Fraunhofer FEP im Rahmen der Messe MedTecLIVE, vom 21.-23. Mai 2019, in Nürnberg, in Halle 10, Stand 10.0 – 621, aktuelle Forschungsschwerpunkte des Institutes im Bereich Hygiene und Reinigung.

Jährlich erkranken allein in Deutschland etwa 800.000 – 900.000[1] Menschen an nosokomialen, also in Verbindung mit einem Krankenhausaufenthalt entstanden, Infektionen. Etwa ein Drittel dieser Fälle werden durch einen retrograden Bakterieneintrag bei immun-geschwächten Patienten verursacht.

Eine der vielen Quellen für diesen Eintrag ist das klinische Wassernetz. Während das Frischwasser sterilisiert wird, können über die Abflüsse Bakterien nahezu ungehindert in die Klinik gelangen. Wie eine groß angelegte Studie[2] gezeigt hat, findet die bakteriologische Besiedlung zunächst über die Abwasserleitung in die wasserführende Geruchssperre des Siphons statt. Wird nun der Wasserhahn geöffnet, strömt frisches Wasser durch das Abwasserrohr. Dabei strömt die Luftmasse über dem Siphon nach oben aus dem Waschbecken heraus, und reißt gleichzeitig Bakterien mit nach oben. Diese sind in einem Radius von ca. 1,5 m um das Waschbecken nachweisbar. Da sich bei laufendem Wasser stets auch eine Person in der Nähe des Waschbeckens aufhält, ist davon auszugehen, dass auf diesem Wege praktisch immer eine Übertragung von Bakterien stattfinden kann. Glücklicherweise führt nicht jeder Kontakt mit Bakterien sofort zu einer Erkrankung. Ganz im Gegenteil, sind doch die meisten Bakterien in und um unseren Körper wertvolle Helfer. Dennoch können sich auf die beschriebene Weise auch pathogene Erreger ausbreiten. In Krankenhäusern befinden sich zudem oft Patienten mit geschwächtem Immunsystem, die deshalb besonders anfällig für bakterielle Infektionen sind.

Bisher wird durch Ausheizen oder die Behandlung mit antibakteriellen Reinigungsmitteln der Siphon intervallartig unter großem Aufwand gesäubert, wodurch ein Großteil der Weiterverbreitung der Bakterien verhindert werden kann. Prinzipiell funktionierende Methoden, die jedoch nicht nur zeitlich und logistisch anspruchsvoll sind, sondern das Krankenhaus auch finanziell und damit am Ende das Gesundheitssystem belasten. Wie wäre es stattdessen mit einem Siphon, der – einmal eingebaut – in der Lage ist, eine bakterielle Besiedlung fortlaufend und sicher zu verhindern?

Für dieses ambitionierte Projekt haben sich Forscher des Fraunhofer FEP und der Firma MoveoMed GmbH zu einem von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) geförderten Projekt zusammengeschlossen.

„Der neuartige Ansatz besteht in der Entwicklung eines Siphon-Einsatzes, der permanent die bakteriologische Besiedlung unterbindet und somit auch eine retrograde Infektion verhindert“, erläutert Jan-Michael Albrecht, Geschäftsführer von MoveoMed.

Technologisch soll die bereits bekannte fotokatalytische Wirkung von Titandioxid (TiO2) verwendet werden. Dieser Stoff erzeugt bei Kontakt mit UV-Licht sogenannte Radikale, welche innerhalb kürzester Zeit Bakterien oder andere biologische Verunreinigungen zerstören können. Anwendung findet dies bereits in selbstreinigenden Fassaden oder Wandfarben, wobei winzige TiO2-Partikel im Sonnenlicht ihre reinigende Wirkung erzielen können. Hierbei wird jedes Mal, wenn ein TiO2-Partikel von einem Sonnenstrahl (genauer dem UV-Anteil des Strahls) getroffen wird, ein Sauerstoffradikal gebildet. Je stärker die Einstrahlung ist, und je mehr Titan-Partikel vorhanden sind, desto stärker ausgeprägt ist die Radikalbildung und damit der Reinigungseffekt. Unglücklicherweise gelangt in ein Abwasserrohr aber kein Sonnenstrahl und dadurch auch keine natürliche UV-Strahlung. Zusätzlich erschwert wird das Vorhaben durch den vorhandenen geringen Platz: Im Unterschied zu der normalerweise recht großen Fläche einer Hauswand, die gleichzeitig die große Reaktionsfläche darstellt, finden sich in hausüblichen Abwasserrohren weder große Flächen noch sonstiger verfügbarer Platz.

Ziel ist es also, die fotokatalytische, selbstreinigende Wirkung einer Fassade in der prallen Sonne so zu komprimieren, dass das gleiche Ergebnis (Reinigung und Desinfektion) in der Dunkelheit und Enge eines Abwasserrohres erzielt wird. Der Platzmangel soll durch die Verwendung poröser Sintermaterialien überwunden werden. Das sind Metalle, die zunächst zu Fäden gezogen werden, um dann lose zusammengelegt ein Geflecht mit viel Platz zu bilden, die durch einen finalen Erwärmungsschritt verfestigt werden. Auf diese Weise entsteht ein Werkstoff mit sehr großer innerer Oberfläche, der dann mit Titandioxid beschichtet werden kann. Das mangelnde Tageslicht soll durch die Verwendung von zusätzlich im Siphon verbauten speziellen UV-LEDs ersetzt werden.

Die Schwierigkeiten dieses ehrgeizigen Projektes liegen also nicht in der Erforschung prinzipiell neuer Technologien, sondern vielmehr in der Anwendung bestehender Techniken auf völlig neue Anwendungsfelder. Um das zu erreichen, ist es gelungen, diverse Expertisen aus unterschiedlichsten Gebieten zu verknüpfen und zu bündeln. So wird das vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM entwickelte Sinterverfahren zur Herstellung von metallischen Materialen mit großen Oberflächen verwendet.

Dr. Ulla König, stellvertretende Bereichsleiterin „Medizinische und biotechnologische Applikationen“ freut sich: „Das Fraunhofer FEP steuert sowohl seine Expertise in der Beschichtungstechnologie als auch in der Mikrobiologie und Analytik bei.“

Last but not least hat das Konsortium mit Moveomed einen erfahrenen Player im Bereich innovative Abwassertechnik mit an Bord. Deren aktuelles Model MoveoSiphon ST24 dient als Maßstab der anvisierten mikrobiologischen Wirksamkeit.

Über „Siphon“:

Das Verbundprojekt zwischen einer Forschungseinrichtung (FEP) und einem mittelständigem Unternehmen (Moveomed) mit dem Förderkennzeichen ZF 4597702BA8 wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Programms „Zentrales Investitionsprogramm Mittelstand (ZIM)“ über den Projektträger Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigung (AiF) gefördert. Beginnend im Januar 2019 ist eine 2-jährige Laufzeit geplant, an deren Ende ein Prototyp präsentiert werden soll.

Über MoveoMed GmbH:

Die MoveoMed GmbH ist ein inhabergeführtes Unternehmen, das bedarfsgerecht abgestimmte Hygienelösungen für medizinische Einrichtungen (Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime etc.) anbietet. Gegründet im Jahr 2012 hat sich das Unternehmen mit Sitz in Radebeul bei Dresden zum Ziel gesetzt, zur Verbesserung der Hygiene, vor allem in klinischen Sanitärbereichen, beizutragen.

Quellen:

[1] Peter Walger, Walter Popp, Martin Exner; Stellungnahme der DGKH zu Prävalenz, Letalität und Präventionspotenzial nosokomialer Infektionen in Deutschland 2013; Bundespressekonferenz; 28. März 2014

Hoffnung für Lithium-Ionen-Batterien

Neue Batterie lässt sich blitzschnell aufladen

Forscher des Rensselaer Polytechnic Institute haben Erfolg mit modifiziertem Vanadiumdisulfid

(pte028/17.04.2019/13:30) – Forscher des Rensselaer Polytechnic Institute http://news.rpi.edu haben eine neue Elektrode entwickelt, die eine Schnellladung von Batterien für beispielsweise E-Autos ermöglicht. In einer normalen Lithium-Ionen-Batterie, wie sie in Autos und elektronischen Geräten wie Smartphones und Laptops eingesetzt wird, besteht die Anode, eine der beiden Elektroden, aus Graphit, die andere, die Kathode, aus Lithium-Kobalt-Oxid.

Verzicht auf Kobaltoxid

Experte Nikhil Koratkar hat Kobaltoxid im klassischen Kathodenmaterial durch Vanadiumdisulfid ersetzt. „Das erhöht die Energiedichte und beschleunigt den Ladevorgang, weil es elektrisch sehr gut leitet“, sagt Koratkar. Dass Vanadiumdisulfid das Potenzial hat, Lithium-Ionen-Batterien zu verbessern, ist bekannt. Doch alle, die versuchten, es zu nutzen, scheiterten bislang an der Instabilität des Werkstoffs, die die Lebensdauer derartiger Batterien unzumutbar stark verkürzte.

Koratkar und sein Team, zu dem auch Physikprofessor Vincent Meunier gehört, fanden nicht nur den Grund für die Instabilität des Materials heraus, sondern auch ein Mittel dagegen. Die Instabilität hat ihre Ursache in einer Asymmetrie, die dadurch entsteht, dass sich die Abstände zwischen den Vanadium-Atomen verändern. Dies wird als Peierls-Instabilität bezeichnet. Das verhinderten die Forscher, indem sie die Vanadiumdisulfid-Teilchen mit einer nanometerdicken Schicht aus Titandioxid einhüllten. „Diese Hülle hält die Teilchen zusammen, sodass sie sich nicht mehr bewegen können“, so Koratkar.

Überraschende Entdeckungen

Als das Problem gelöst war und die US-Wissenschaftler die ersten Elektroden aus dem beschichteten Material und Lithium hergestellt hatten, machten sie eine weitere überraschende Entdeckung. Die so hergestellten Batterien zeichneten sich durch eine hohe Kapazität aus, konnten also besonders viel Strom speichern. Als sie die Batterie immer wieder entladen haben und im Schnellgang wieder aufluden, machten sie noch eine Entdeckung. Die Kapazität verringerte sich kaum, im Gegensatz zu jener von klassischen Lithium-Ionen-Batterien. Jetzt fehlt nur noch eines: eine wirtschaftliche Produktionstechnik zur Massenherstellung.

Kunststoff 2.0 ersetzt Windschutzscheibe

Britische Forscher produzieren Hochleistungs-Polyethylen, das leicht, billig und extrem fest ist

Coventry/London (pte024/02.04.2019/13:30) – Forscher der University of Warwick http://warwick.ac.uk haben mit Kollegen der Queen Mary University http://qmul.ac.uk eine hochtransparente Kunststofffolie entwickelt, die so fest ist wie Aluminium, aber weit weniger wiegt. Sie kann für Displays, Windschutzscheiben und andere Glasprodukte genutzt werden, bei denen es auf Bruchsicherheit ankommt.

Wie Glas, nur nicht so spröde

Basismaterial der Innovation ist Polyethylen (PE), das es bereits in mehreren Festigkeitsstufen gibt. Aus PE der niedrigsten Klasse wird beispielsweise Frischhaltefolie hergestellt. Höherwertige PE-Produkte sind Zahnräder und große Tanks, etwa für Heizöl. Im neuen Herstellungsprozess ist es nun gelungen, die bisher erreichte Festigkeit weit zu übertreffen.

Ton Peijs, Professor für Kunststofftechnik in Coventry und Cees Bastiaansen, Materialwissenschaftler an der Londoner Hochschule, haben den Prozess zur Herstellung von besonders hochwertigem PE studiert. Dann modifizierten sie die Temperaturen während der Herstellung, fachmännisch Warmziehen genannt, so dass sich ein glasähnliches Material bildete, das aber nicht so spröde ist, also kaum zerbrechen kann.

Vom „Nudelhaufen“ zu Hightech

Bisher galten Polycarbonate und Polymethylmethacrylat, besser bekannt als Acrylglas, als möglicher Ersatz für brüchiges Glas. Doch verglichen mit der Festigkeit von Metallen wie Aluminium schnitten sie schlecht ab. Das Hochleistungs-PE der Briten könnte nicht nur Glas ersetzen, sondern viele Bauteile, die heute aus weit schwereren Metallen hergestellt werden.

„Die Mikrostruktur von PE ähnelt vor der Wärmebehandlung einem Haufen Spaghetti oder anderen Nudeln“, sagt Doktorand Yunyin Lin. Durch die Wärmebehandlung würden die Spaghetti so ausgerichtet, dass sie Kräfte optimal aufnehmen. Normalerweise ist PE, das derart behandelt wird, opak – ähnelt also Milchglas. Das liegt an Defekten, die während der Wärmebehandlung entstehen. Als Glasersatz ist dieses Material nur eingeschränkt nutzbar.

Die Forscher haben das Transparenz-Problem durch Additive gelöst, deren Zusammensetzung sie aber nicht verraten. Diese verhindern die Fehlerbildung während der Wärmebehandlung, sodass dieses PE eine Transparenz von 90 Prozent hat, also 90 Prozent des Lichtes durchlässt, so viel wie eine Fensterscheibe. „Unser leichtgewichtiges, preiswertes, hochtransparentes, sehr festes und steifes PE kann viele andere Werkstoffe im Autobau, in Gebäuden und in der Elektronik ersetzen“, verdeutlicht Wissenschaftler Peijs abschließend.

Moderner Trend – Putzen mit Bakterien?

KIT – Die Sonnenstunden werden mehr, die Temperaturen steigen – und der Frühjahrsputz steht an. Derzeit geraten Mittel mit Bakterien in Mode: Die probiotischen Reiniger enthielten „freundliche“ Mikroorganismen, die Schmutz, Staub und schädliche Bakterien auf natürliche Weise beseitigten, versprechen die Hersteller. So werde selbst hartnäckiger Schmutz effizient und umweltschonend entfernt. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben die Mikro-Haushaltshilfen unter die Lupe genommen.

Die Reinigungswirkung von probiotischen Reinigern basiert auf dem Konzept, dass Stoffe wie Fette, Eiweiße, Kohlenhydrate oder Harnstoffe, aus denen der Schmutz in unseren Küchen, Bädern und Toiletten größtenteils besteht, Mikroorganismen als Nahrung dienen. Um diese aufnehmen zu können, bilden Bakterien Enzyme, welche die Schmutzpartikel aufspalten. Die Idee, dass man Bakterien auf einer Oberfläche versprühen könne und diese dadurch sauber werde, hält Professor Johannes Gescher vom Institut für Angewandte Biowissenschaften des KIT indes für wenig überzeugend. Zwar seien Mikroorganismen in der Lage, organischen Kohlenstoff zu fressen, wie es zum Beispiel in Klärwerken alltäglich geschehe, wo Bakterien eingesetzt werden, um Abwasser zu reinigen. Aber: „Alles, was Bakterien fressen, setzen sie in CO2 und in neue Biomasse um“, so der Experte für Angewandte Biologie. Sprich, wo Bakterien Nahrung finden, gibt es sehr schnell noch mehr Bakterien, die wiederum eventuell Ausscheidungen zurücklassen könnten. „Damit eignen sich Bakterien eher weniger, Oberflächen so von organischem Kohlenstoff zu befreien, dass man hinterher tatsächlich von Sauberkeit sprechen könnte“, meint Gescher.

Der Forscher hat einige Reiniger im Labor untersucht: In manchen davon fanden sich ein bis zwei Milliarden Zellen pro Milliliter. Darüber hinaus enthielten die probiotischen Allzweckreiniger eine Mischung aus Säuren, die der Verbraucher zum Teil gut kennt: Essigsäure ist ein Bestandteil von vielen Reinigungsmitteln und kam in verdünnter Form vor. Darüber hinaus enthielten die getesteten Reiniger Alkohol, Buttersäure und Propionsäure, was den charakteristischen Geruch der Reiniger erklärt. „Damit liegt der Verdacht nahe, dass die Reinigungsleistung die Zusatzstoffe erbringen und nicht die Mikroorganismen“, sagt Gescher und rät: „Wer umweltschonend putzen möchte, sollte zu schnell abbaubaren Reinigungsmitteln greifen.“

Der Gedanke, „gute“ Bakterien könnten unerwünschte vertreiben, überzeugt den Wissenschaftler nicht. „Die meisten Mikroorganismen leben in Biofilmen, also einer Schleimschicht, in der sie eingebettet sind. Sie haben sich an die Oberflächen und Bedingungen angepasst, auf und mit denen sie wachsen. Mikroorganismen in einem Reiniger sind kaum in der Lage, den natürlichen Film auf einer Oberfläche zu verdrängen.“ Solche Biofilme ließen sich vor allem mit mechanischen oder chemischen Mitteln entfernen, die umweltbewusste Nutzerinnen und Nutzer ja gerade meiden wollten. Zudem seien Bakterien in feuchter Umgebung aktiv. „Wenn man wischt, ist der Boden vielleicht zehn Minuten feucht“, sagt Gescher. Viel zu wenig Zeit für die Mikroorganismen, um etwas zu sich zu nehmen.

Schließlich seien die häufig angepriesenen Fotosynthese- und Milchsäurebakterien als Putzhelfer denkbar ungeeignet: Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, benutzten Sonnenlicht als Energiequelle, wie Bäume und Gräser. „Sie ernähren sich also, salopp gesagt, von Licht und Luft und können an der gewünschten Reinigungsleistung überhaupt nicht beteiligt sein“, so Gescher. Milchsäurebakterien hingegen nehmen zwar organischen Kohlenstoff zu sich und produzieren Milchsäure – wie beim Herstellen von Joghurt. „Das machen sie aber nur, wenn sie keinen Zugang zu Sauerstoff haben. Auch hier muss man also fragen, wie eine Reinigungsleistung erfolgen soll, wenn man diese Organismen auf einer Oberfläche ausbringt.“

Vor lauter KI wird die Elektronik vergessen

Schlüsseltechnologie der Digitalisierung

Karliczek: Brauchen vertrauenswürdige Elektronik „made in Germany“

BMBF – In einer zunehmend digitalisierten Welt ist sie überall präsent: Elektronik. Zugleich gewinnt sie als zentrales Element in sicherheitskritischen Bereichen an Bedeutung, etwa beim autonomen Fahren oder in der Medizin. Da braucht es Elektronik, der vertraut werden kann.

„In Deutschland und Europa wollen wir die Digitalisierung nach unseren Werten und Vorstellungen gestalten. Dafür brauchen wir vertrauenswürdige Elektronik. Sie ist die Schlüsseltechnologie der Digitalisierung, „betont Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Vertrauenswürdig heiße zu wissen, was Elektronik tue. Zum anderen müsse die Verfügbarkeit und Versorgung mit kritischen Komponenten sichergestellt sein. Das sichere sowohl den Industrie 4.0-Standort Deutschland insgesamt als auch konkrete Anwendungen wie das autonome Fahren oder intelligente Medizintechnik. „Unser Wohlstand baut auf vertrauenswürdiger Hochtechnologie auf,“ so Bundesministerin Anja Karliczek. Vertrauenswürdige Elektronik passe zur deutschen Gesellschaft. „Wenn es darauf ankommt, dass eine Technik funktioniert, ist ‚made in Germany‘ unverändert ein wichtiges Qualitätssiegel. Das soll auch für die multifunktionale Elektronik gelten, die unsere in Deutschland starken Anwenderbranchen wettbewerbsfähig hält.“

Bestehendes mit Neuem verknüpfen. Das gelingt der Innovationsnation Deutschland wie nur wenigen anderen Ländern. Das zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre. Mit Industrie 4.0 hat Deutschland gezeigt, dass sich bewährte Industrie und die Chancen der Digitalisierung gewinnbringend verbinden lassen: Sie führt die Industrie ins digitale Zeitalter.

Industrie 4.0 wandelt die Wertschöpfung, neue Schlüsseltechnologien gewinnen an Bedeutung. In einer digitalisierten Industrie wird die forschungsintensive Elektronik zum zentralen Schlüssel: im Maschinenbau, in der Medizin, bei Industrieanlagen, kritischen Infrastrukturen oder beim Auto – nicht zuletzt beim autonomen Fahren.

Das Ziel einer Chipsicherheitsarchitektur, einer vertrauenswürdigen Elektronik „made in Germany“ für die nächste Stufe der Digitalisierung verfolgt eine der Leitinitiativen der Digitalstrategie des Bundesforschungsministeriums. Zur Digitalstrategie zählen digitale FortschrittsHubs Gesundheit, lokale Klima- und Umweltmodelle für Zukunfts-Städte und -Regionen, der DigitalPakt Schule, ein europäisches Betriebssystem für das Internet der Dinge und eine nationale Forschungsdateninfrastruktur.

Diese und zahlreiche bestehende Maßnahmen bettet die BMBF-Digitalstrategie in Grundüberzeugungen ein und strukturiert sie nach fünf Zielbereichen mit konsequenten Zielmarken. Damit trägt das BMBF zur aktiven Gestaltung des digitalen Wandels, zu guter Bildung im 21. Jahrhundert, zu besseren digitalen Kompetenzen, digital ausgestatteten und vernetzten Hochschulen und Forschungseinrichtungen, exzellenter Forschung und einer offenen Innovations- und Wagniskultur bei.

Sternwarte der ESO feiert ein halbes Jahrhundert astronomischer Forschung

La-Silla-Observatorium wird 50!— Die erste Sternwarte der ESO feiert ein halbes Jahrhundert astronomischer Forschung

Seit ihrer Einweihung im Jahr 1969 steht die Sternwarte La Silla der ESO an der Spitze der Astronomie. Ihre Palette modernster Instrumente hat es Astronomen ermöglicht, bahnbrechende Entdeckungen zu machen und den Weg für zukünftige Generationen von Teleskopen geebnet. Auch nach 50 Jahren Beobachtungen gehen die Teleskope der ESO in La Silla weiter an die Grenzen der Astronomie, entdecken fremde Welten und enthüllen den Kosmos in atemberaubenden Details.

Der Bau von La Silla auf dem Gipfel des chilenischen Berges Cinchado-Nord am Rande der Atacama-Wüste begann 1965, drei Jahre nach der Gründung der ESO [1]. Der Standort wurde wegen seiner Erreichbarkeit, des trockenen Klimas und der idealen Beobachtungsbedingungen ausgewählt – perfekt für den Bau einer weltweit führenden Sternwarte.

Die Beobachtungen begannen mit den relativ kleinen ESO 1-Meter- und ESO 1,52-Meter-Teleskopen. Die Anzahl und Vielfalt der Teleskope auf La Silla hat mit zunehmender Entwicklung der Sternwarte zugenommen, so dass der Standort nun 13 operative Teleskope beherbergt – nicht nur von der ESO, sondern auch von Ländern, Universitäten und Kooperationen auf der ganzen Welt. Zu diesen Teleskopen gehören TRAPPIST-Süd, das Rapid Eye Mount-Teleskop (REM) und das TAROT-Teleskop, das für die Entdeckung von Gammastrahlen-Ausbrüchen eingesetzt wird.

Auch 50 Jahre nach seiner Einweihung bleibt La Silla eine Hochburg der ESO an der Spitze der Astronomie und liefert Daten für über 200 Publikationen pro Jahr. Obwohl das Flaggschiff der ESO heute das Very Large Telescope (VLT) am Paranal ist, betreibt die ESO am Standort La Silla immer noch zwei der produktivsten Teleskope der 4-Meter-Klasse der Welt. Das erste große Teleskop der ESO, das ESO 3,6-Meter-Teleskop, beherbergt den weltweit führenden Planetenjäger – den High Accuracy Radial Velocity Planet Searcher (HARPS), einen Spektrografen mit unübertroffener Präzision, der viele fremde Welten entdeckt hat.

Das zweite noch in Betrieb befindliche ESO-Teleskop auf La Silla – das New Technology Telescope (NTT) mit seinem 3,58 Meter messenden Hauptspiegel – beschritt neue Wege im Teleskopbau und war das erste der Welt mit einem computergesteuerten Hauptspiegel. Diese innovative Technologie, die aktive Optik genannt wird, wurde bei der ESO entwickelt und wird heute bei den meisten großen Teleskopen der Welt eingesetzt. Neben der Durchführung einer Vielzahl wissenschaftlicher Beobachtungen war dieses Teleskop maßgeblich daran beteiligt, den Weg für das VLT zu ebnen.

Beide Teleskope erhalten Verbesserungen, um sie in der astronomischen Spitzenklasse zu halten. Das NTT wird in Kürze das bahnbrechende SoXS-Instrument beherbergen, einen Spektrografen, der entwickelt wurde, um vorübergehende und variable astronomische Ereignisse aus fotografischen Durchmusterungen nachzubeobachten. Das ESO 3,6-MeterTeleskop wird mit NIRPS ausgestattet sein, einem Infrarot-Planetenjagdinstrument, das die bereits beeindruckenden Fähigkeiten von HARPS ergänzen wird. Diese Neuankömmlinge werden zusammen mit neuen Gastteleskopen wie ExTrA und BlackGEM dafür sorgen, dass das La Silla-Observatorium weiterhin an der Spitze der astronomischen Wissenschaft steht.

Viele der zehn wichtigsten Entdeckungen der ESO wurden mit Hilfe von Teleskopen auf La Silla gemacht. Zu den Höhepunkten der umfangreichen wissenschaftlichen Forschung der letzten fünf Jahrzehnte gehören: die Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums – ein Ergebnis, das den Nobelpreis 2011 in Physik einbrachte; die Entdeckung eines Planeten beim nächstgelegenen Stern; die Beobachtung des ersten Lichts von einer Gravitationswellenquelle; die Bestimmung der genauesten Entfernungen zu nahegelegenen Galaxien durch das von Chile geführte Araucaria-Projekt und die Entdeckung von sieben Planeten um einen ultrakühlen Zwerg im System TRAPPIST-1.

Zwei besondere astronomische Ereignisse erschütterten die Routine von La Silla und erregten wochenlang die Aufmerksamkeit des Orchesters von Teleskopen: die Explosion der Supernova SN 1987A und die Kollision des Kometen Shoemaker-Levy 9 mit Jupiter. Vor allem letzteres beeinträchtigte das Leben auf La Silla mit 10 auf Jupiter getrimmten Teleskopen und Live-Presseveranstaltungen in Garching und Santiago, die die Medien über die neuesten Entwicklungen der verhängnisvollen Kollision unterrichteten.

Neben seinen astronomischen Durchbrüchen hat La Silla eine äußerst wichtige Rolle bei der Entwicklung der Astronomie in Chile gespielt, und chilenische Astronomen benutzen in La Silla routinemäßig Teleskope für ihre wissenschaftliche Forschung. Der Betrieb und die kontinuierliche Weiterentwicklung von ESO-Einrichtungen einschließlich La Silla hat auch eine Vielzahl von Möglichkeiten für das Engagement der chilenischen Industrie, des Ingenieurwesens und der Wissenschaft eröffnet. Die Teleskope von La Silla dienten auch als Trainingsort für neue Generationen von europäischen und chilenischen Astronomen, wie zum Beispiel die ESO-NEON Observing Schools zeigen, die regelmäßig in La Silla stattfinden.

La Silla hat sowohl Herausforderungen als auch Erfolge erlitten; während die Sternwarte fast perfekte Beobachtungsbedingungen vorfindet, ist sie auch von regelmäßiger tektonischer Aktivität bedroht. Die Erdbeben in La Silla haben bisher keine größeren Probleme verursacht, obwohl die Region gelegentlich in der Nähe des Epizentrums der schweren Erdbeben liegt. Die Sternwarte ist nun einem weiteren beunruhigenden Risiko ausgesetzt – die Lichtverschmutzung durch die nahe gelegene Panamerikana-Schnellstraße bedroht den dunklen Himmel von La Silla.

Mit dem fünfzigjährigen Bestehen dieser renommierten Sternwarte wird sie nicht nur die professionelle, sondern auch die Amateurastronomie und die breite Bewunderung für astronomische Phänomene fördern – in diesem Jahr wird von La Silla aus eine totale Sonnenfinsternis sichtbar sein. Wenn der Mond das Antlitz der Sonne bedeckt und den Tag zur Nacht macht, werden Hunderte von Besuchern nicht nur dieses spannende astronomische Ereignis feiern, sondern auch das wissenschaftliche Erbe von La Silla, der ursprünglichen Sternwarte der ESO.

Endnoten

[1] „La Silla“ – Spanisch für „Der Stuhl“ oder „Der Sattel“ – kommt von dem Namen, den lokale Köhler Cinchado-Nord gegeben haben, dem sattelförmigen Berg, der zum Standort der ersten Sternwarte der ESO wurde.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Die Organisation hat 16 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Hinzu kommen das Gastland Chile und Australien als strategischer Partner. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO verfügt über drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Chile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist außerdem einer der Hauptpartner bei zwei Projekten auf Chajnantor, APEX und ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Auf dem Cerro Armazones unweit des Paranal errichtet die ESO zur Zeit das Extremely Large Telescope (ELT) mit 39 Metern Durchmesser, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

 

Schaumstoff in Sportstudios schädlich

pte20190327004 Medizin/Wellness, Sport/Events

„Foam Pits“, Matten und Co enthalten oftmals gesundheitsgefährdende Brandschutzmittel

(pte004/27.03.2019/06:15) – Mit Schaumstoffwürfeln gefüllte Gruben in Gymnastikstudios, sogenannte „Foam Pits“ sowie Matten und anderes Sportgerät, enthalten oft Brandschutzmittel, die beim Training freigesetzt werden und dem Menschen schaden. Das ergibt eine Studie des Silent Spring Institute http://silentspring.org . Foam Pits sind mit Schaumstoffteilen gefüllte Gruben, in denen Gymnasten Sprünge üben. Die Schaumstoffteile bestehen aus Polyurethan, einem Material, in dem brandhemmende Chemikalien enthalten sind.

Gesundheit hat Vorrang

Brandschutzmittel wurden in vergangenen Studien mit medizinischen Problemen wie Schilddrüsenerkrankungen, Aufmerksamkeitsdefizitstörung, Unfruchtbarkeit und Krebs in Verbindung gebracht. „Bei einem Flammschutzmittel sollte darauf geachtet werden, dass es keine Halogenide oder Borsalze enthält. Es gibt heutzutage sehr effektive, gesundheitlich unbedenkliche Brandschutzmittel“, so Berit Schwesinger, Geschäftsführerin des Brandschutzanbieters AISCO http://aisco.de , im Gespräch mit pressetext.

In Gymnastikstudios wurden auch hohe Mengen davon im Staub gefunden. Laut Studienautorin Courtney Carignan sind besonders professionelle Gymnasten gefährdet, die bereits in der Kindheit mit dem Training beginnen und sehr häufig ins Studio gehen. Deswegen sollte die Ausrüstung keine Brandschutzmittel enthalten. Carignan empfiehlt Gymnasten auch, nach dem Training und vor dem Essen ihre Hände zu waschen.

„Hier ist die Fragestellung sehr wichtig, ob das Brandschutzmittel erst nachträglich auf den Schaumstoff aufgesprüht oder schon während der Herstellung eingearbeitet wurde. Nur Letzteres macht Sinn. Es ist nicht in Ordnung, wenn das Mittel nur aufgesprüht wird. Denn durch die mechanische Beanspruchung wird das Flammschutzmittel abgetragen und der Brandschutzeffekt ist schon bald weg. Es kann alleine durch nachträgliches Einsprühen kein effektiver Brandschutz gewährleistet werden“, sagt Schwesinger.

Ersatzteile ohne Brandschutzmittel

Für die Studie wurden Handreinigungstücher von zehn Gymnasten vor und nach einem zweistündigen Training mit den Gruben untersucht. Die Proben wurden auf ein Dutzend verschiedener Brandschutzmittel überprüft. Dann wiederholten die Forscher das Experiment und tauschten die Schaumstoffwürfel durch Ersatzteile ohne Brandschutzmittel aus. An den Händen der Gymnasten fanden sich bei der zweiten Untersuchung um 5,6 Mal weniger Überreste von brandhemmenden Chemikalien.

Um die Sicherheit des Studios zu gewährleisten, überprüfte ein Brandschutzinspektor die Räumlichkeiten vor dem Experiment. Da das Studio Sprinkleranlagen und andere Brandschutzmaßnahmen hatte, wurde es als sicher eingestuft. Ko-Autor Robin Dodson meint, das Brandschutzmittel an den Schaumstoffwürfeln wäre nicht nur schädlich, sondern auch wenig effektiv bei der Verhinderung von Bränden. Es gäbe deswegen keinen Grund, Gymnasten diesen Chemikalien auszusetzen.

Schwesinger dazu: „Schwer oder leicht entflammbarer Schaum, beide schmelzen bei Feuer. Ein Flammschutzmittel verhindert nur die Entzündbarkeit. Es fragt sich also, ob ein Flammschutzmittel bei derartigen Schaumstoffen sinnvoll ist. Gesundheitlich bedenklich kann auch ein billiger Schaum sein, auch ohne Flammschutzmittel, in dem dieser durch Alterung Stäube aufwirbelt, die dem Menschen über Hautkontakt oder Atemwege schaden können.“

 

KI sagt Lebensdauer von Akkus vorher

pte20190327002 Forschung/Technologie, Umwelt/Energie

Maschinenlernendes System verspricht haltbarere Smartphones und schnellere Entwicklung

(pte002/27.03.2019/06:05) – US-Forscher haben eine KI entwickelt, die abschätzt, ob ein Lithium-Ionen-Akku lange halten wird. Schon nach fünf Ladezyklen weiß das System mit gut 95-prozentiger Sicherheit, ob eine Speicherzelle eine lange Lebensdauer hat und daher beispielsweise für Smartphones oder E-Autos taugt. Die KI, die in Kooperation mit der Stanford University http://stanford.edu und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) http://mit.edu sowie Toyota entstanden ist, soll auch die Entwicklung neuer Akku-Designs beschleunigen.

Schlaues Daten-Orakel

Die Lebensdauer eines Akkus ist dadurch begrenzt, wie viele Ladezyklen dieser ohne signifikanten Kapazitätsverlust hält. Wenn Hersteller das vorab beurteilen könnten, wäre es möglich, nur Akkus, die auch wirklich mehrere Jahre tägliches Aufladen aushalten, in Geräte wie Handys zu verbauen und weniger haltbare Exemplare dort zu nutzen, wo die Lebensdauer kaum eine Rolle spielt. Eben das könnte dank der maschinenlernenden KI tatsächlich möglich werden. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir das Verhalten komplexer Systeme weit in die Zukunft vorhersagen können“, erklärt Richard Braatz, Chemietechnik-Professor am MIT.

Wie die Forscher in „Nature Energy“ berichten, haben sie das System mit einigen hundert Mio. Datenpunkten von den ersten 100 Lade- und Endladezyklen etlicher Akkus trainiert. Der Algorithmus konnte dann vorhersagen, wie viele weitere Ladezyklen jeder dieser Akkus noch hält, ehe er 20 Prozent Kapazität einbüßt. Die Abschätzung lag dabei im Schnitt innerhalb von neun Prozent vom tatsächlichen Wert, der je nach Akku 150 bis 2.300 Zyklen betrug. Bei der groben Abschätzung nach nur fünf Zyklen, welche Akkus langlebig sein werden, lag die KI lediglich in 4,9 Prozent der Fälle falsch.

Entwicklung beschleunigen

Für die Wissenschaftler geht es aber auch darum, die Weiterentwicklung der Akku-Technologie zu erleichtern. „Der normale Weg, neue Akku-Designs zu testen ist, die Zellen zu laden und zu entladen, bis sie versagen“, erklärt Peter Attia, Stanford-Doktorand in Materialwissenschaft und -technik. Gerade bei langlebigen Akkus kann genau dies Monate oder Jahre dauern. „Das ist ein teurer Flaschenhals in der Akku-Forschung.“

„Trotz all der Zeit und des Geldes, die in Akku-Entwicklung fließen, wird Fortschritt noch in Jahrzehnten gemessen“, meint auch Patrick Herring vom Toyota Research Institute http://www.tri.global . Das KI-System könne zeitaufwendige Akku-Tests wesentlich beschleunigen. Das soll beispielsweise helfen, schneller wirklich haltbare Akkus zu finden, die in nur zehn Minuten aufgeladen werden können. Denn solche Schnelllade-Akkus wären für Elektroautos interessant und könnten deren Durchbruch auf dem Massenmarkt vorantreiben.

Schiffe gleiten in einer Hülle aus Luft

(KIT) Reibung, Korrosion und Biobewuchs sind die drei Schlüsselprobleme der Schifffahrt. Das Forschungsvorhaben „Air-Retaining Surfaces“ (ARES) – ein Kooperationsprojekt des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universitäten Bonn und Rostock – erforscht neuartige Schiffsbeschichtungen, die unter Wasser eine Luftschicht dauerhaft halten und so helfen, die drei Probleme wesentlich zu verringern. ARES wurde für seine Forschung nun vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem Validierungspreis ausgezeichnet.

„Innovation ist neben Forschung und Lehre eine der drei gleichberechtigten Kernaufgaben des KIT. Denn es geht uns darum, wissenschaftliche Erkenntnisse für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen“, sagt der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka. „Umso mehr freue ich mich, dass in diesem Jahr ein vom KIT geführtes Projekt zu neuartigen Schiffsbeschichtungen mit dem Validierungspreis des BMBF ausgezeichnet wird. Ich gratuliere Thomas Schimmel und dem Team, an dem neben dem KIT auch die Universitäten Bonn und Rostock beteiligt sind, sehr herzlich zu diesem Erfolg.“

ARES erforscht neuartige Schiffsbeschichtungen, die es erlauben, unter Wasser eine Luftschicht dauerhaft zu halten und so den Reibungswiderstand von Oberflächen wesentlich zu verringern. Zugleich vermeiden sie die Freisetzung toxischer Substanzen aus Schiffslacken sowie Biobewuchs (Fouling) und Korrosion, indem die Lufthülle den Kontakt zwischen dem Schiff und dem Wasser verhindert. Koordinator Thomas Schimmel, der am Institut für Angewandte Physik (APH), am Institut für Nanotechnologie (INT) sowie am Materialwissenschaftlichen Zentrum für Energiesysteme (MZE) des KIT tätig ist, entwickelt mit seiner Arbeitsgruppe unter Wasser lufthaltende Oberflächen auf der Basis des Salvinia-Effekt.

Der Salvinia-Effekt, der von dem Physiker Professor Thomas Schimmel vom KIT und dem Botaniker Professor Wilhelm Barthlott von der Universität Bonn in enger Zusammenarbeit mit dem Strömungsmechaniker Professor Alfred Leder von der Universität Rostock gemeinsam erforscht wurde, ermöglicht es bestimmten Pflanzen wie dem Schwimmfarn Salvinia molesta, auch unter Wasser zu atmen. Dies gelingt ihm durch seine besonderen Haare, die in ihrer Form an kleine Schneebesen erinnern und durch eine besondere chemische Heterogenität charakterisiert sind: Die Einzelhaare sind einerseits wasserabstoßend, jedoch besitzt jedes einzelne Härchen noch eine wasseranziehende Spitze, die wie ein Klebepunkt am Wasser haftet und damit die eingeschlossene Luftschicht dauerhaft stabilisiert. Durch die Fördermaßnahme „Validierung des Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung“ unterstützte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt ARES. Der Validierungspreis zeichnet herausragende Projekte aus, die überzeugend die Ergebnisse aus der Validierungsphase in die Verwertung und Anwendung gebracht haben.

„Nachdem wir den Salvinia-Effekt verstanden hatten, erkannten wir das enorme ökonomische und ökologische Potenzial einer technischen Umsetzung“, berichtet Thomas Schimmel. Denn etwa 90 Prozent des weltweiten internationalen Handels wird von Schiffen bewerkstelligt. Umgibt man die Schiffe unter Wasser mit einer Lufthülle, könnten die drei Schlüsselprobleme der Schifffahrt gelöst werden: Reibung, Korrosion und Bewuchs mit Meeresorganismen. „Wir entwickelten künstliche Oberflächen, die eine solche Luftschicht unter Wasser halten. Frühe Prototypen, die wir vor mehr als fünf Jahren unter Wasser gesetzt haben, sind immer noch mit einer dauerhaften Luftschicht bedeckt.“

Auf der Basis solcher unter Wasser permanent lufthaltender Oberflächen („AirCoating Technologie“) sollen neuartige bionische Schiffsbeschichtungen entstehen, bei denen das Schiff unter Wasser mit einer Schmierschicht aus Luft umhüllt wird. Die neue, umweltfreundliche Technologie bietet ein enormes Potenzial für die Reibungsreduktion, liefert zugleich die Basis für ein umweltfreundliches „Antifouling“ ohne Freisetzung von Gift ins Meer und bietet zusätzlich Korrosionsschutz. Bislang werden beim Antifouling die Schiffsrümpfe mit schwermetallhaltigen Farben behandelt, um den Bewuchs mit Algen und Muscheln zu verhindern.

„Wir konnten zeigen, dass durch die AirCoating-Technologie eine Reibungsreduktion von circa 20 Prozent erzielt werden konnte, da die Reibung zwischen Schiff und Wasser gegen die Reibung zwischen Schiff und Luft ersetzt wird“, erläutert Thomas Schimmel. „Die innovativen Oberflächen könnten damit zukünftig für eine Steigerung der Energieeffizienz sorgen und einen wichtigen Beitrag für unsere Umwelt leisten.“

Die AirCoating-Technologie wird derzeit systematisch weiterentwickelt: Im EU-Projekt AIRCOAT, das Nanotechnologie-Experte Thomas Schimmel wissenschaftlich koordiniert, setzen die Partner die Haltung von Luftschichten auf Oberflächen unter Wasser durch ein selbstklebendes Foliensystem um. Insgesamt sind an dem von der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms Horizon 2020 geförderten Projekt zehn Forschungsgruppen beteiligt. In einem von der Baden-Württemberg Stiftung geförderten und ebenfalls von Schimmel geleiteten Projekt  wird derzeit am KIT das Potenzial weiterer  Anwendungen der AirCoating-Technologie erforscht. Außerdem entstand aus dem KIT die Ausgründung ACT Aircoating Technologies GmbH, um die neue Technologie in den Markt einzuführen.

Kontrolle von Brücken und Gebäuden wird sicherer

Mit Verfahren der additiven Fertigung lassen sich komplexe Bauteile passgenau und kostengünstig herstellen. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Teile in geringer Stückzahl benötigt werden. Da die Technologie noch jung ist, fehlt es allerdings bislang an geeigneten Verfahren zur Qualitätsprüfung während der Fertigung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) schauen daher in den Prozess: Sie entwickeln Verfahren, mit denen sie während der Herstellung überwachen können, ob Fehler am Bauteil entstehen. So lassen sich zukünftig aufwendige Qualitätskontrollen nach der Fertigung und die Ausschussproduktion verringern. Die Herstellung von Bauteilen, beispielsweise für Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt oder in der Medizintechnik, wird damit schneller und kostengünstiger werden.

Die BAM nimmt im Projekt „Prozessmonitoring in der additiven Fertigung“ (ProMoAM) die Herstellung von Bauteilen aus metallischen Ausgangsmaterialien unter die Lupe. Dazu gehören unter anderem Bauteile, die per selektivem Laserschmelzen im Pulverbettverfahren entstehen. Bilden sich zum Beispiel Gasporen oder entstehen Risse? Und wenn ja: Was ist die Ursache und wie lässt sich die Entstehung von Qualitätsmängeln vermeiden?

Um das herauszufinden, entwickelt das Projektteam Verfahren der Spektroskopie und der zerstörungsfreien Prüfung zur Kontrolle des Herstellungsprozesses. „Da im Pulverbettverfahren die Bauteile lagenweise gefertigt werden, bildet jede Schicht irgendwann im Fertigungsprozess einmal die Oberfläche und kann dann von uns gut überwacht werden“ erklärt Projektleiter Dr. Simon Altenburg. „Diesen Vorteil nutzen wir für das sogenannte In-situ-Monitoring“. Zum Einsatz kommen dabei beispielsweise thermografische und optische Verfahren.

Die einzelnen Messergebnisse werden schließlich zu einem 3D-Datensatz zusammengefügt, der der Geometrie des Bauteils entspricht. Der komplette Datensatz liefert den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern umfangreiche Informationen über das Innere des Bauteils und somit die Qualität. Zudem sind Rückschlüsse möglich, an welchen Stellen das additive Fertigungsverfahren verbessert werden kann.

Das Projektteam nutzt für seine Arbeit die umfangreiche Erfahrung der BAM in der forschungsbasierten und industrienahen Entwicklung von zerstörungsfreien und chemischen Analyseverfahren in industriellen Prozessen.

Die Qualität additiv gefertigter Teile muss stimmen, vor allem wenn sie für den sicheren Betrieb von Industrieanlagen oder Motoren eine wichtige Rolle spielen. „Unser Ziel ist es, zukünftig die Herstellung von Bauteilen während des Prozesses so zuverlässig zu überwachen, dass nach der Fertigung keine Prüfungen mehr erforderlich sind“, so Altenburg.

Die Qualitätskontrolle im laufenden Prozess wird die additive Fertigung von komplexen Teilen einfacher und schneller machen. So unterstützt die BAM mit ihrem Know-how den erfolgreichen Einsatz additiver Fertigungsverfahren in der Praxis.

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)