Mit Magnetkraft heilen

Am heutigen 30. November kommen Magnetexperten aus ganz Europa zu einem
zweitägigen Treffen im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
zusammen. Sie verfolgen gemeinsam einen innovativen Forschungsansatz, um
Heilungsprozesse im Körper mit Hilfe von magnetischen Gerüsten und
Nanostrukturen zu fördern. Die insgesamt 20 Forschungspartner im
EU-Projekt MAGISTER* stammen aus 10 europäischen Ländern. Neben
Forschungseinrichtungen wie dem FZD sind auch sechs Firmen an dem
Projekt beteiligt. Die Koordination liegt beim Institut für
nanostrukturierte Materialien CNR Bologna in Italien, die Fördersumme
beträgt 8,2 Mio. Euro.

Der Forschungsansatz heißt Tissue Engineering: im Labor oder im lebenden
Körper Gewebe zu züchten oder Reaktionen zu kontrollieren ist das Ziel
dieser jungen Forschungsrichtung. Wie der Name schon verrät, kommen hier
Biologie, Materialforschung, und Medizin auf besondere Weise zusammen.
Biologen kümmern sich um Gewebe und Zellen, Materialforscher um das so
genannte Gerüst, das von Medizinern mit minimalem operativem Eingriff
beispielsweise um einen gebrochenen Knochen aufgebaut werden soll, um
ihn zu stützen und so zur schnelleren Heilung beizutragen. Da das Gerüst
idealerweise aus bioaktiven Materialien besteht, soll es sich im Körper
nach erledigter Arbeit wieder auflösen. Es dient zugleich dazu, über
einen gewissen Zeitraum Medikamente direkt vor Ort abzugeben, um damit
Wundheilung und Wachstum zu fördern und Abstoßungsreaktionen zu verhindern.

Die Partner im EU-Projekt MAGISTER wollen jedoch noch einen Schritt
weiter gehen, denn die Gerüste sollen magnetisch sein. Will man dann
später Medikamente zum geschädigten Gewebe bringen, so werden
magnetische Nanopartikel in den Körper eingeschleust, auf die das Gerüst
eine magnetische Anziehungskraft ausübt. Die als Träger funktionierenden
Nanopartikel docken am Gerüst an und geben direkt vor Ort die
gewünschten Substanzen ab. Die beteiligten Forscher erhoffen sich, dass
die Heilung nach operativen Eingriffen so in Zukunft um Vieles
effizienter und schneller ablaufen wird.

Das in diesem Jahr gestartete Projekt kann bereits auf wesentliche
Fortschritte auf dem Gebiet des Tissue-Engineering verweisen: so
befinden sich Gerüstsubstanzen z. B. der am Projekt beteiligten Firma
FIN-CERAMICA bereits in der Erprobungsphase. Bis zu einem Einsatz in der
Humanmedizin, der die Heilung schwieriger Knochenbrüche wesentlich
erleichtern soll, sind noch einige Hürden zu nehmen. So stellen z. B.
die Biokompatibilität von nanostrukturierten Gerüstsubstanzen und
Nanopartikeln sowie die Optimierung ihrer magnetischen Eigenschaften
wesentliche Herausforderungen dar. Auch die Umsetzung des magnetisch
unterstützten Transportes von Wirksubstanzen erfordert weitere
interdisziplinäre Lösungsansätze.

*MAGISTER steht für MAGnetIc Scaffold for in vivo Tissue EngineeRing ,
auf Deutsch: Magnetisches Gerüst für das Gewebe-Engineering im lebenden
Körper .

Weitere Informationen:
Dr. Thomas Herrmannsdörfer
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Institut Hochfeld-Magnetlabor Dresden
Tel.: 0351 260 3320
Email: t.herrmannsdoerfer@fzd.de
http://www.magister-project.eu