Wissenschaft

Computer, TV, Medien

03.04.2017

Freunde des Entertainment-TVs wählen Populisten

Freunde des Entertainment-TVs wählen Populisten

Mit einem Vorwort von Jean Pütz:

Ausschließlich am Provit-interessierte Macher finden offenbar immer mehr Möglichkeiten, die Bürger zu verblöden, auf lange Sicht eine große Gefahr für die Demokratie – Alternative: Öffentlich-Rechtliche Sender wählen in der Hoffnung, dass diese wegen der Einschaltquoten nicht auch umschwenken

Jean Pütz



Forscher haben Einfluss des Fernsehkonsums 30 Jahre lang untersucht
Stimmzettel: Wähler oft von TV beeinflusst (Foto: S. Hofschlaeger, pixelio.de)
Stimmzettel: Wähler oft von TV beeinflusst (Foto: S. Hofschlaeger, pixelio.de)

London (pte020/27.03.2017/11:30) - Menschen, die sich häufig Entertainment-Sender ansehen, neigen eher dazu, populistischen Parteien auf den Leim zu gehen und sich zudem auf kognitiver Ebene zurückzubilden. Dieser Effekt fängt bereits im Kindesalter an, wie eine aktuelle Forschungsarbeit der Queen Mary University of London http://qmul.ac.uk zeigt.

Anfällig für Rhetorik

Über einen Zeitraum von 30 Jahren haben die Forscher den politischen Einfluss von Entertainment-TV in Italien analysiert. Im Fokus der Untersuchung lag die Gründung des italienischen Medienunternehmens Mediaset http://mediaset.it von Silvio Berlusconi. Die Forscher verglichen die erhobenen Daten von Regionen, in welchen Mediaset verfügbar ist, mit Bereichen, in denen nicht ausgestrahlt wird.

Es zeigte sich, dass in den Regionen mit Mediaset durchschnittlich öfter für Berlusconi gestimmt wurde als in anderen Gegenden. "Die Ergebnisse legen nahe, dass Menschen, die bereits im Kindesalter Entertainment-TV ausgesetzt sind, im Erwachsenenalter dann kognitiv weniger anspruchsvoll sind und sich sozialpolitisch weniger beteiligen. Zudem werden sie stärker von Berlusconis populistischer Rhetorik angesprochen", sagt Studienautor Andrea Tesei.

TV-Diät jetzt beginnen

Weniger gebildete Erwachsene, die regelmäßig Entertainment-TV konsumieren, tendieren laut den Experten dazu, drei Prozent häufiger für die populistische Partei Forza Italia zu stimmen. Diejenigen, die bereits als Kind sehr oft Entertainment-Sender sahen, wählten die Partei um Silvio Berlusconi sogar um acht Prozent häufiger als andere Zuseher. Zudem zeigte sich in der Studie, dass diese Bevölkerungsschicht mit zunehmendem Alter kognitiv benachteiligt war.

Ein noch stärkerer Effekt kristallisierte sich bei denjenigen heraus, die mit einem Alter von über 55 Jahren sehr häufig Entertainment-TV sehen. Diese Bevölkerungsgruppe tendiert bei Wahlen dazu, zu rund zehn Prozent häufiger für die populistische Forza Italia zu stimmen. "Die Ergebnisse zeigen, dass Entertainment-Inhalte politische Haltungen beeinflussen können und einen fruchtbaren Boden für die Verbreitung von populistischen Mitteilungen kreieren", so Tesei. Vor allem auch die Wahl von Donald Trump zeige die Wichtigkeit einer "Entertainment-TV-Diät".