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23.03.2015

Tabakentwöhnung: Medikamente sind nicht immer hilfreich

Tabakentwöhnung: Medikamente sind nicht immer hilfreich

fzm, Stuttgart, März 2015 – Raucher, die an einem Tabakentwöhnungsprogramm teilnehmen, profitieren meist nicht von der zusätzlichen Einnahme von Medikamenten. Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Christoph Kröger und Lena Erfurt vom Institut für Therapieforschung in München. Im Rahmen einer Studie befragten sie über 1000 Teilnehmer von Tabakentwöhnungskursen zu Medikamentennutzung und Abstinenzerfolg. Die Einnahme von Medikamenten konnte die Erfolgsquote dabei weder kurz- noch langfristig steigern, wie Erfurt und Kröger in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2015) berichten.

Die Studienteilnehmer gewannen die Münchener Wissenschaftler in Entwöhnungskursen, die dem von Christoph Kröger entwickelten kognitiv-verhaltenstherapeutischen „Rauchfrei Programm“ folgten. Dabei handelt es sich um ein multimodales Tabakentwöhnungsprogramm mit einem festgelegten Rauchstopptag, das in drei Phasen gegliedert ist: Vorbereitung des Rauchstopps, Entzug und Stabilisierung der Abstinenz. „Das Programm wird hauptsächlich von Psychologen und Sozialpädagogen durchgeführt“, sagt Kröger und betont, dass diese einem schriftlichen, detaillierten Handbuch folgen. Dies erhöhe die Vergleichbarkeit der Gruppen.

Von den 1052 befragten Teilnehmern gaben fast 30 Prozent an, zusätzlich Medikamente zur Tabakentwöhnung zu verwenden. Meist waren dies Nikotinpräparate wie Pflaster, Kaugummis, Inhaler oder Tabletten. Nur rund 13 Prozent der Medikamentennutzer griffen auf nikotinfreie Präparate zurück – entweder einzeln oder in Kombination mit einem nikotinhaltigen Mittel.

Unabhängig von der Art der Präparate führte die medikamentöse Begleittherapie jedoch nicht zu einem erhöhten Abstinenzerfolg. Bei Kursende war mit 68 Prozent zwar ein leicht höherer Anteil der Medikamentennutzer abstinent als bei den Nicht-Nutzern mit rund 64 Prozent, dieser Unterschied war jedoch statistisch nicht aussagekräftig. Ein Jahr später lag die Abstinenzquote bei den Medikamentennutzern sogar leicht unter der der Nicht-Nutzer – knapp 32 gegenüber gut 34 Prozent – was statistisch jedoch ebenfalls nicht signifikant war.

„Dieser Befund widerspricht internationalen klinischen Studien, die die Effektivität der Pharmakotherapie zur Tabakentwöhnung wiederholt belegen, und auch der aktuell veröffentlichten S3-Leitlinie, die die Kombination von Verhaltenstherapie und Medikation empfiehlt“, sagt Christoph Kröger. Einen Grund hierfür sehen Kröger und Erfurt in einem möglichen Deckeneffekt: Moderne Programme zur Tabakentwöhnung wie das „Rauchfrei Programm“, die mehrere evidenzbasierte Therapieverfahren kombinieren, erreichen bereits ohne medikamentöse Begleittherapie langfristige Erfolgsquoten von rund 30 Prozent. Ein zusätzlicher Nutzen ist hier nur noch schwer zu erreichen.

Ein weiterer Aspekt ist die mangelnde Therapietreue, die die Studienteilnehmer bei der Einnahme der Medikamente an den Tag legten: Während rund 80 Prozent glaubten, die Präparate gemäß den Herstellerangaben einzunehmen, war dies tatsächlich nur bei rund 13 Prozent der Nutzer der Fall – ein bekannter Grund, weshalb die Erfolgsquoten einer Therapie in der breiten Anwendung oft hinter klinischen Studienergebnissen zurückbleiben. Ob wiederholte Erinnerungen an die Medikamenteneinnahme im Rahmen des Programms die Erfolgsquoten erhöhen könnten, müsste in weiteren Studien geklärt werden, so Kröger. Vorerst erscheine eine pharmakologische Begleittherapie bei der Teilnahme an einem multimodalen Tabakentwöhnungsprogramm jedoch nicht empfehlenswert.

Erfurt, L. und Kröger, C. B.: