Wissenschaft

Aktuelle Meldungen

05.02.2019

Mit Antikörper gegen Knochenschwund – Neue Hoffnung!

Neues Osteoporose-Medikament ante portas: Kommt der Sklerostin-Antikörper Romosozumab auch bei uns?


Bochum, 22. Januar 2019:

Am 8. Januar wurde  in Japan als erstem Land Romosozumab für die Osteoporosetherapie zugelassen. Im DGE-Blog wurde erstmals im Jahre  2012 (1) und in den folgenden Jahren  mehrfach über diese Substanz der Firmen AMGEN und UCB  berichtet. Es handelt sich um einen gegen Sklerostin gerichteten humanisierten monoklonalen Antikörper. Sklerostin ist ein von den Knochenzellen sezerniertes Protein, welches die Knochenneubildung hemmt, sein dagegen gerichteter Antikörper Romosozumab wirkt somit osteoanabol. Dies erkennt man am Anstieg des Prokollagen-1-N-terminalen Peptids (P1NP),  eines Markers des Knochenanbaus. In der FRAME-Studie (2) bei postmenopausalen Frauen bewirkte im 1. Jahr die 1x monatliche s.c. Gabe von Romosozumab gegenüber Plazebo einen Rückgang der Wirbelkörperfrakturen. Nach dem ersten Jahr wurde  das Antiresorptivum Denusomab (Prolia®) gegeben und  nach zwei Jahren waren die Wirbelkörperfrakturen um 75% vermindert. Als ernste Nebenwirkungen war es unter Verum zu zwei Kiefernekrosen und einem atypischen Oberschenkelbruch gekommen. In einer  Head-to Head-Studie von Romosozumab vs. Alendronat (ARCH-Studie) zeigte sich, ebenfalls an postmenopausalen Frauen, auch ein günstiger Knocheneffekt. Hier kam es in der Romosozumab-Gruppe jedoch häufiger zu ernsten kardialen und zerebrovaskulären (CV) Ereignissen (3) . Diese waren auch in der BRIDGE-Studie an männlichen Osteoporosepatienten häufiger. Da sich  Sklerostin außer im Knochen auch im Aortengewebe und hochreguliert bei  Gefäßverkalkungen und in Herzklappen findet, könnte Sklerostin ein negativer Regulator für Gefäßverkalkungen sein. Ob dies die potentiellen ernsten CV Nebenwirkungen von Romosozumab erklären könnte, ist offen.  Die CV Sicherheitsdaten lagen der FDA beim ersten Zulassungsantrag im Mai 2017 nicht vor, er wurde daher zurückgestellt (4).

Zulassungsstatus:

Japan (PMDA): Am 8. Januar 2019 wurde Romosozumab mir dem Handelsnamen Evenity in Japan approbiert.

FDA: Vor wenigen Tagen votierte das FDA-Beratergremium  mit 18:1 Stimmen (mit gewissen Vorbehalten einiger Mitglieder) für die Zulassung dieses knochenanabolen Osteoporosemedikaments, mit der von AMGEN vorgeschlagenen Indikationsstellung: Osteoporosebehandlung postmenopausaler Frauen mit hohem Frakturrisiko, definiert als:  Vorgeschichte mit osteoporotischen Knochenbrüchen, multiple Risikofaktoren für Brüche, oder ungenügende Wirkung oder Unverträglichkeit anderer Osteoporose-Medikamente. Eine Box im Beipackzettel soll eine Warnung für Patienten enthalten, die schon einmal Herzattacken oder einen Schlaganfall hatten. Im zweiten Zulassungsantrag an die FDA vom 16.1.2019 steht: „A meta-analysis of time to first MACE using data from all three phase 3 trials, found a HR of 1.40 (95% CI: 0.99-1.99) for the comparison of rosomozumab to placebo and alendronate combined”. Es wurde ein möglicher CV Schutzeffekt von Alendronat diskutiert (Daten der ARCH-Studie im 1. Jahr  auf der Abbildung unten).