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16.04.2018

Wichtig: Gegen Masern impfen lassen


Masern: Keine Kinderkrankheit und kein Kinderspiel

Impflücken bei Erwachsenen

Wiesbaden/Mannheim – Folgt auf Fieber, Schnupfen, Husten und Augenentzündung ein roter fleckiger Ausschlag am ganzen Körper, sollten Betroffene umgehend eine Masernerkrankung abklären lassen.  Dies gilt insbesondere für Jugendliche und Erwachsenen zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Über 30 Prozent der Masernfälle in Deutschland betreffen mittlerweile die Altersgruppe der über 20-Jährigen. Denn häufig haben sie in ihrer Jugend nur eine der beiden erforderlichen Impfungen erhalten. Dennoch ist nur etwa einem Viertel der nach 1970 geborenen Erwachsenen bekannt, dass die Ständige Impfkommission (STIKO) die Masernimpfung für ihre Altersgruppe empfiehlt. Was heute jeder über Masern wissen sollte – darüber informieren Experten auf der Pressekonferenz der Korporativen Mitglieder der DGIM zum 124. Internistenkongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) in Mannheim am Sonntag, 15. April 2018.

„Masern sind mitnichten eine harmlose Kinderkrankheit, sondern können sich zu einer schweren Systemerkrankung entwickeln“, sagt Prof. Dr. Dr. med. Sabine Wicker, Vorsitzende der Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln beim Robert Koch-Institut. Der Grund: „Das Virus hat die Fähigkeit, das Immunsystem zu schwächen. Dadurch steigt die Anfälligkeit für weitere Krankheiten und Komplikationen, etwa Mittelohr-, Lungen- und Gehirnhautentzündungen.“ Kinder unter fünf und Erwachsene über 20 Jahren haben dabei das größte Risiko für schwerwiegende Folgen, so die Ärztin.

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionen überhaupt. „Fast jeder, der mit dem Virus in Berührung kommt und nicht immun ist, erkrankt daran“, berichtet Wicker. „Eine Übertragung von Masernviren ist sogar in einem Raum möglich, in dem sich ein Erkrankter bis etwa zwei Stunden davor aufgehalten hat.“ Hinzu kommt: Die Betroffenen sind bereits vier Tage vor Auftreten des Ausschlags ansteckend.

Mit fast 1.000 Masernfällen im Jahr 2017 war Deutschland in der EU neben Rumänien, Italien und Griechenland eines der Länder mit den höchsten Erkrankungszahlen. Damit wurde die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angestrebte Ausrottung der Masern hierzulande nicht erreicht.

Dabei gilt die seit über 40 Jahren verfügbare Masern-Schutzimpfung als wirksam und sicher. Nach den Empfehlungen der STIKO am Robert Koch-Institut sollten alle Kleinkinder bis zum 24. Lebensmonat zwei Maserimpfungen erhalten. Gerade die zweite Impfung bekamen im Jahr 2015 jedoch nur 74 Prozent der Zweijährigen. „Erst die zweite Impfung gewährleistet jedoch einen nahezu 100-prozentigen Schutz vor Masern“, so Wicker, die Mitglied der STIKO ist. Zudem bestünden große Unterschiede in der Impfhäufigkeit in den verschiedenen Bundesländern (siehe Impfatlas www.vacmap.de).  Aufgrund fehlender Immunität erkrankten zunehmend auch Erwachsene zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. „Oft wissen sie nicht, dass sie nur einmal geimpft wurden“, so Wicker. Die vor 1970 Geborenen jedoch hätten zu etwa 95 Prozent die Masern mit dem sogenannten Wildvirus durchgemacht und dadurch eine Immunität aufgebaut.

Seit August 2010 empfiehlt die STIKO deshalb die Masernimpfung in Deutschland auch für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen, die in der Kindheit nicht oder nur einmal geimpft wurden. Auch Urlauber sollten vor Antritt der Reise den Impfschutz vom Arzt prüfen lassen und die Masernimpfung gegebenenfalls nachholen, rät Wicker. „Nutzen Sie gleich den nächsten Hausarztkontakt dazu. Damit tut der Einzelne nicht nur etwas für sich, sondern auch zum Schutz der ganzen Bevölkerung,“ sagt auch der Generalsekretär der DGIM, Prof. Dr. med. Dr. h.c. Ulrich Fölsch aus Kiel.