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19.03.2018

Ursprünge heutiger Konflikte

Friedensordnungen nach 1918: Am DHI Washington diskutieren Historiker Ursprünge heutiger Konflikte

Washington DC und Bonn, den 12. März 2018 – 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs beschäftigen sich vom 22. bis 24. März 2018 40 Historikerinnen und Historiker aus 10 Ländern am Deutschen Historischen Institut (DHI) Washington mit dessen Langzeitfolgen. Unter dem Titel „Settlement and Unsettlement: The Ends of World War I and their Legacies” diskutieren sie ein Thema von höchster Relevanz: Wie und warum erwuchsen aus dem langjährigen Bemühen um einen nachhaltigen Frieden in Europa und der Welt zugleich Konflikte, die in vielen Fällen – wie im Nahen Osten – bis heute einer Lösung harren. Das DHI Washington organisiert die vierte Stiftungskonferenz der Max Weber Stiftung in Kooperation mit den beiden größten Historikerverbänden der Gegenwart und dem National History Center.

Der Waffenstillstand vom 11. November 1918 gilt gemeinhin als Ende des Ersten Weltkriegs. Am DHI Washington zeigen nun international renommierte Historikerinnen und Historiker, dass er kaum mehr als ein Mosaikstein in einem langwierigen Friedensbildungsprozesses war, an dessen Ende Entscheidungen mit weitreichenden politischen und diplomatischen Konsequenzen standen. Die Zerschlagung multiethnischer und multinationaler Imperien, die – wie das Habsburger und das Osmanische Reich aber auch das Deutsche Kaiserreich – der europäischen Geschichte bis 1918 ihren Stempel aufgedrückt hatten, war ein zentraler Faktor für die Entstehung einer neuen Weltordnung. Inspiriert von der im Kern revolutionären Prämisse, dass Nationen ein Selbstbestimmungsrecht zukomme, schufen Politiker und Diplomaten zahlreiche neue Staaten und Grenzen. Ausgehend vom Ideal ethnisch homogener Nationalstaaten entstanden so erstmals nationale Minderheiten und damit einhergehend Bevölkerungsbewegungen von beispiellosem Ausmaß — und dies nicht nur in Ost- und Ostmitteleuropa. So begann mit dem griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch nach dem Lausanner Vertrag von 1923 ein Jahrhundert der Massenvertreibungen. Auch die Unterteilung des Nahen Ostens in mehrere Proto-Nationalstaaten steht für die zum Ende des Ersten Weltkrieges erfolgte Neuvermessung der politischen Welt, die im Zentrum der großen Tagung steht.

Diese Tagung ist bereits die vierte Stiftungskonferenz der Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (MWS). Die Stiftung unterhält weltweit derzeit zehn Institute wie dasjenige in Washington sowie weitere Forschungsgruppen und Büros in ausgewählten Ländern. Mit diesen Forschungsinfrastrukturen ist sie ein zentraler Akteur in der internationalen Exzellenzforschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Das Format der Stiftungskonferenzen bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Institute einmal im Jahr zusammen, um mit Forschenden aus aller Welt zentrale historische Fragen international vergleichend und interdisziplinär zu diskutieren. Die Bedeutung des Formats lässt sich an den Partnern ablesen, auf die Institute der MWS zählen können. In Washington sind es der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), die American Historical Association (AHA) und das National History Center Washington (NHC), das für die amerikanische Geschichtswissenschaft eine öffentliche Bühne bietet.