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17.02.2018

Starke Nebenwirkungen von Ibuprofen

Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Bochum, 5. Februar 2018:

Dr. Séverine Mazaud-Guiuttot und Mitarbeiter vom Forschungsinstitut INSERM in Rennes, Frankreich untersuchten das Eierstocksgewebe von 185 weiblichen Feten nach legalem Schwangerschaftsabbruch in der 7.-12. Woche (1). Die Mütter hatten in der Regel kein Ibuprofen bekommen, einige aber geplant 2-4 Stunden vor dem Schwangerschaftsabbruch. Von den Müttern ohne Ibuprofeneinnahme wurde das Ovarialgewebe ihrer Feten in vitro eine Woche lang mit oder ohne Ibuprofen kultiviert. Bei Zusatz des Schmerzmittels zum Nährmedium fand sich ein, wie sich die Autorin ausdrückte, „dramatischer Rückgang der Oozytenzahl“: Die Keimzellen starben entweder ab oder die Wachstumsrate war reduziert. Wenn die Mütter Ibuprofen eingenommen hatten, zeigten die Untersuchungen des Spiegels im Nabelschnurblut, dass das Analgetikum die Plazentaschranke ungehindert passieren kann.

Kommentar

Der paradoxe Befund, dass ein niedriger Ibuprofenspiegel von 10 micromol die stärkste Auswirkung ergab, während diese bei 100 micromol schwächer war, stellt die klinische Relevanz der Befunde aus der ex-vivo-Studie infrage. Ob Ibuprofen auch im Mutterleib die Eierstöcke der Feten schädigt, bleibt ebenfalls ungeklärt. Diese Frage würde man wohl erst beantworten können, wenn die Töchter ins reproduktionsfähige (und -willige) Alter gekommen sind, also nach etwa zwei Jahrzehnten. Ähnlich war die Situation nach der intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) bei den mithilfe dieser Technik geborenen Jungen: Bei diesen war auch erst nach etwa 2 Jahrzehnten deren Fertilität zu erfassen. Sie stellte sich als vermindert heraus (2).

Schwangere sollten besser nicht nur in der Spätschwangerschaft Analgetika wie auch Ibuprofen vermeiden, in der sie wegen des erhöhten Mißbildungsrisikos kontraindiziert sind (vgl. 3), sondern auch schon früher im ersten Trimenon.

Helmut Schatz