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27.08.2017

Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat-Methoden der Einflussnahme auf Wissenschaftler und Politiker

Vertrauliche E-Mails zeigen, wie Monsanto verdeckten Einfluss auf europäische Experten nimmt 18. August 2107 / Eine Reihe von E-Mails, die US-Verbraucheranwälte veröffentlicht haben, zeigen, wie Monsanto insgeheim Einfluss auf europäische Wissenschaftler nimmt, um das Herbizid Glyphosat von dem Verdacht reinzuwaschen, krebserregend zu sein. Die Spuren der Zahlungen führen bis zu einem führenden Wissenschaftler der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA): Jose Tarazona, der Leiter der Pestizidabteilung der EFSA, wurde für seine Teilnahme an einer Konferenz in den USA wahrscheinlich von Monsanto gesponsert. Nach den vorliegenden E-Mails wurden die Gelder über einen britischen Toxikologen weitergeleitet. Tarazona bestritt bei der Konferenz, dass Glyphosat krebserregend sei. Nach dem Wortlaut der vertraulichen E-Mails wandte sich Monsanto im März 2016 an einen führenden britischen Toxikologen, Allister Vale. Dieser solle aktiv werden, um die Zulassung des Herbizids Glyphosat in der Öffentlichkleit zu verteidigen. Allister Vale war grundsätzlich zur Zusammenarbeit bereit, allerdings wollte er von Monsanto nicht direkt Zahlungen erhalten. Deswegen schlug er den Umweg über die Finanzierung einer wissenschaftlichen Konferenz vor, was auch von Monsanto befürwortet wurde. Allister Vale organisierte im März 2017 auf der Jahrestagung der Society of Toxicology (SOT) in den USA tatsächlich eine Expertendiskussion zum Thema Glyphosat. Die Veranstaltung wurde von Vale geleitet. Jose Tarazona vertrat dort in seiner Rolle als Leiter der Pestizidabteilung der EFSA mit Nachdruck die Botschaft, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Monsanto tauchte nicht als Geldgeber der Tagung auf. Doch laut Programm der SOT-Tagung wurde der Auftritt von Tarazona von Allister Vale gesponsert. Im Programm der Tagung wird der Auftritt von Tarazona wie folgt angekündigt: „Is Glyphosate Probable Human Carcinogen? No!. J. Tarazona. European Food Safety Authority (EFSA) Pesticides Unit, Parma, Italy. Sponsor: A. Vale”.
Der ungewöhnliche Umstand, dass ein führender Experte der EFSA sich von einer Privatperson für seinen Auftritt bezahlen ließ, legt den Verdacht nahe, dass Monsantos Gelder nicht nur an Vale, sondern auch an den Experten der EFSA geflossen sind. Verdeckte Zahlungen an Wissenschaftler scheinen für Monsanto ein bewährtes Mittel zu sein, um wichtige Entscheidungen über ihre Produkte zu beeinflussen“, sagt Christoph Then von Testbiotech. „Bisher zeigen Behörden und Politik viel zu wenig Bereitschaft, dagegen vorzugehen. Wir wollen jetzt von der EFSA ganz genau wissen, wie und warum der Auftritt von Jose Tarazona gesponsert wurde.“ Die veröffentlichten E-Mails zeigen, dass Vale dem Anliegen von Monsanto rasch zustimmte und dass er lediglich die Herkunft des Geldes verbergen wollte. Auf der Gegenseite war Monsanto schnell einverstanden, die Zahlungen über eine die Tagung der SOT 2017 zu vertuschen. Daniel Goldstein, ein leitender Mitarbeiter von Monsanto schrieb: „At this point, I certainly understand the need for Monsanto (and the other manufacturers) to stand back from proceedings and to participate as observers at most (if at all). Funding can perhaps come from the Glyphosate Consortium which is conducting the EU re-registration or via ECETOX or CEFIC, for example, and be routed via SOT or one or more academic institutions. At that point, we can be "hands off" altogether.“ Demnach sollten die Gelder von Monsanto also durch verschiedene Kanäle geschleust und schließlich über eine oder mehrere wissenschaftliche Institutionen zur Verfügung gestellt werden. Alle Beteiligten sollten so eine weiße Weste behalten. In einem Schreiben an die EFSA verlangt Testbiotech jetzt Aufklärung von der Behörde: Es sei noch nicht klar, ob Tarazona wusste, woher das Geld ursprünglich kam. Ein privates Sponsoring für leitende Mitarbeiter der EFSA ist aber in jedem Fall bedenklich. In den E-Mails spielt auch ein anderer britischer Experte, Sir Colin Berry, eine wichtige Rolle. Dieser wurde offensichtlich schon vor mehreren Jahren von Monsanto bezahlt. Berry und eine von ihm geleitete Gruppe von Toxikologen sollten laut den E-Mails wieder von Monsanto reaktiviert werden und durch Allister Vale unterstützt werden. Auch die weitere Spur von Colin Berry lässt sich verfolgen: Im Mai 2016 traf Berry zusammen mit einer Gruppe industrienaher Experten den zuständigen EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis, der sich zusammen mit der illustren Runde sogar fotografieren ließ. Thema der Besprechung: Die Sicherheit von Chemikalien. Mittlerweile befürwortet Andriukaitis eine erneute Glyphosat-Zulassung für weitere zehn Jahre in der EU.