Wissenschaft

Klassische Medizin

29.10.2006

Folgeerkrankungen bei Diabetes und Rauchen

Ärzte fordern: Rauchen aufgeben, mehr Bewegung und ausgewogene Ernährung

Bochum/Stuttgart/Heilbronn (pte/12.10.2006/16:00) - Laut einer aktuellen Studie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de schädigt das Rauchen bei Menschen mit Zuckerkrankheiten wie Diabetes nicht nur die kleinen Blutgefäße, sondern kann dadurch auch Erkrankungen an Augen und Nieren verursachen und weiter beschleunigen. Späterkrankungen wie Diabetes mellitus, Sammelbegriff für unterschiedliche, heterogene Störungen des Stoffwechsels mit einer Überzuckerung des Blutes, werden durch das Rauchen erheblich in ihrem Krankheitsverlauf angetrieben. Petra Busch, Diabetologin in der Medizinischen Klinik II der SLK Kliniken Heilbronn http://www.slk-kliniken.de, sowie andere Wissenschaftler werteten für die Studie knapp 12.000 Menschen mit Diabetes Typ 1 mellitus von Krankenakten aus 182 Behandlungszentren aus.

Im Gespräch mit pressetext weist Petra Busch darauf hin, dass von den knapp 12.000 beobachteten Patienten mit Diabetes Typ 1 nur rund 5.900 persönliche Angaben machten. Von dieser Zahl, so Busch, waren über 3.500 Personen Raucher, die mehr als eine Schachtel am Tag konsumieren. Die Studie bestätigt die strittig diskutierte Frage vieler Wissenschaftler, dass Diabetiker, die zur Zigarette greifen, einem 2,4-fach häufigeren Risiko ausgesetzt sind, eine Retinopathie, eine durch Diabetes mellitus verursachte Netzhauterkrankung, zu bekommen. Außerdem zeigte die Analyse, dass eine vermehrte Eiweißausscheidung im Urin als wichtiger Indikator für schwere Nierenschäden unter den rauchenden Diabetikern sogar um den Faktor 5,9 häufiger festgestellt werden konnte. Hierbei liegt die Vermutung nahe, dass dies teilweise an der schlechteren Blutzuckereinstellung bei Rauchern mit Diabetes liegt. Die Studie stützt diese Annahme insofern, als das sie zeigt, dass deren HbA1c-Wert im Blut, das heißt Glycohämoglobin (GHb) als eine Form des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an den Glukose gebunden hat, gegenüber Diabetikern, die nicht rauchten, erheblich angestiegen war. Hinzu kommt, dass Raucher häufiger erhöhte Cholesterinwerte aufwiesen.

Die Forderung der Fachärzte wie von Busch und anderen Wissenschaftlern richtet sich somit an alle Diabetiker, nicht nur das Rauchen aufzugeben, sondern auch mit ausreichender Bewegung und ausgewogener Ernährung gesünder zu leben. Die vorgestellte Studie bietet dabei eine wesentliche Argumentationsgrundlage und verleiht bisherigen Annahmen und Vermutungen neue Beweiskraft. Denn die durch das Rauchen generell verursachten Folgeerkrankungen, wie Gefäßverkalkung (Atherosklerose) in den großen Blutgefäßen und bei Diabetikern die so genannte Makroangiopathie, führen im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt, Schlaganfall oder Raucherbein. Auch eine Schädigung der kleinsten Blutgefäße, die so genannte Mikroangiopathie ist als Folgeerkrankung nicht auszuschließen. Diabetiker, die gleichzeitig auch Raucher sind, riskieren daher Durchblutungsstörungen in Auge (Retinopathie) und Niere (Nephropathie), was seinerseits zu Erblindung und Nierenversagen führen kann. Buschs Forderung richtet sich jedoch nicht nur an Patienten selbst, sondern auch an behandelnde Ärzte, solche Patienten auf ihr zusätzliches Risiko hinzuweisen.