Wissenschaft

Ernährung Genussmittel

17.01.2005

Pilze - zum Heilen und Genießen

Pilze faszinieren mich seit jeher. Bei meinen jugendlichen Streifzügen durch die wunderschönen Luxemburger Wälder waren sie mein liebstes Beobachtungsobjekt. Erst später erfuhr ich, dass das, was wir sehen können, nur die halbe Wahrheit war. Denn Pilze sind Wesen im Untergrund. Die sichtbaren Fruchtkörper entsprechen nicht dem eigentlichen Pilz. Das ist das Myzel, das geheimnisvolle Geflecht, das den Boden oder das Holz durchzieht. Es speichert die Nährstoffe, die die Pilzfäden, die so genannten Hyphen, aus dem Boden aufnehmen.

Im allerersten hobbythek-Buch, vor fast 30 Jahren, widmete ich bereits den Pilzen ein eigenes Kapitel.
In der modernen Ernährung führen Pilze ein eher stiefmütterliches Dasein. Dabei sind sie hochwertige Lieferanten für eine Anzahl lebenswichtiger Nährstoffe wie z.B. und steigern darüber hinaus den Genusswert der Speisen erheblich. Doch Pilze sind nicht nur gesund, sondern haben auch einen für viele willkommenen Nebeneffekt: Sie machen schlank. Denn sie sind kalorienarm und liefern gleichzeitig eine Menge Ballaststoffe.

Deutschlands renommiertester Pilzexperte Prof. Dr. Jan Lelley stellt Ihnen hier neueste Forschungserkenntnisse über den Glänzenden Lackporling, den Maitake und den Shii-take zur Verfügung. Gerne verweise ich an dieser Stelle auf die Homepage www.gamu.de

Spannendes und praktisches zur einfachen Pilzzucht in Garten und Balkon findet sich auch in den hobbythek-Büchern "Das goldene Buch" sowie "Lebenselixier Pize".


Glänzender Lackporling
"Ling zhi"

Eine kurze Zusammenfassung wissenschaftlicher Erkenntnisse

Herkunft

Die wissenschaftliche Bezeichnung des Glänzenden Lackporlings ist Ganoderma lucidum. In der traditionellen chinesischen Medizin wird dieser Pilz seit mehr als 3.000 Jahren für therapeutische Zwecke verwendet. Die Heilmethoden haben sich im Laufe der Zeit in ganz Asien verbreitet. Seine chinesische Bezeichnung "Ling zhi" oder auch "Ling chih"  bedeutet "Pflanze der Unsterblichkeit" oder „magische Pflanze“. Das Wort "zhi" wird auch als göttliches Heilkraut interpretiert. Die japanische Bezeichnung "Reishi" hat die gleiche Bedeutung. Etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. hat sich in China der Kult entwickelt, ein Elixier für die Unsterblichkeit oder ein solches für die Verlängerung des Lebens zu nehmen. Ein Pilz namens "chih", den man als Bestandteil des Elixiers rühmte, kam  bereits in den frühesten Aufzeichnungen der chinesischen Alchimie vor, nämlich der Glänzende Lackporling. Die Fülle seiner medizinischen Nutzanwendungen war schon zur damaligen Zeit schier unübersehbar und so ist es auch geblieben.

Natürliche Nährgrundlage des Glänzenden Lackporlings ist Holz. Gut gedeiht er auf dem der  Erle, Birke, Buche und Eiche. Zum Verzehr ist der Glänzender Lackporling wegen seiner festen, verholzten Struktur ungeeignet. Manche mögen dennoch die jungen Fruchtkörper, die jedoch äußerst bitter schmecken.

Wichtige Inhaltsstoffe

Die wichtigsten Substanzen im Fruchtkörper des Glänzenden Lackporlings sind Polysacharide, Aminosäuren, Fette, Alkaloide, Vitamine und Mineralstoffe, unter ihnen Magnesium, Kalzium, Zink, Mangan, Eisen, Kupfer und Germanium. Als hochwirksam gelten die Polysacharide, bei denen chinesische Forscher eine tumorhemmende und immunstabilisierende Wirkung nachgewiesen haben. Eine weitere wichtige Stoffgruppe bilden zyklische Kohlenwasserstoffe, sogenannte Triterpene. Sie verhindern nach den vorliegenden wissenschaftliche Erkenntnissen Leberschäden, senken den Bluthochdruck und den Blutcholesterinspiegel. Im Myzel des Glänzenden Lackporlings wurden stickstofffreie polyzyklische Kohlenwasserstoffe, sogenannte Sterine, sowie Alkaloide, Polysacharide und mehr als 100 verschiedene Triterpene gefunden.

Anwendungsbeispiele aus der wissenschaftlichen Fachliteratur

In vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird über eine erfolgreiche Anwendung des Glänzenden Lackporlings in klinischen Tests berichtet. Bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden in chinesischen Krankenhäusern 2.000 Patienten gegen chronische Bronchitis und Asthma mit dem Extrakt des Glänzenden Lackporlings behandelt. Schon nach zwei Wochen zeigten 60 bis 91 % der Patienten eine merkliche Verbesserung ihres Zustandes, einschließlich der Steigerung ihres Appetits. In einer anderen Studie erhielten 355 Patienten, die unter Hepatitis B litten, regelmäßig den Extrakt des Glänzenden Lackporlings. In 92,4 % der Fälle zeigte sich nach kurzer Zeit eine positive Reaktion auf diese Behandlung.

Geng Tao Liu an der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften in Peking behandelte seine Patienten mit Extrakten des Glänzenden Lackporlings. Nach 3 bis 6 Monaten wurden folgende Ergebnisse erzielt: Von 173 Personen mit Sklerodermie wurden 79,1 % geheilt. Von 232 Personen mit plötzlichem Haarausfall wurden 78,9 % geheilt. Von 55 Personen mit Autoaggressionskrankheit wurden 96,4 % geheilt. Von 84 Personen mit Schmetterlingsflechte wurden 82,1 % geheilt. Von 35 Personen mit tonischem Muskelkrampf wurden 74,3 % geheilt, von 121 mit chronisch-degenerativer Muskelkrankheit immerhin 56,2 %. Dr. Fukumi Morishige, Mitglied des Linus Pauling Institutes für Wissenschaft und Medizin, hat Krebskranke mit Extrakten des Glänzenden Lackporlings behandelt und damit eine beachtliche Aktivierung des körpereigenen Immunsystems erreicht. Die blutdrucksenkende sowie ausgeprägte Herz-Kreislauf-System stärkende Wirkung des Glänzenden Lackporlings darf schließlich auch nicht unerwähnt bleiben. Tabletten aus dem Glänzenden Lackporling sind im Grunde genommen vorzüglich geeignet, Menschen mit hoher Stressbelastung zu unterstützen. Man nennt sie auch die „Managerpille“.


Maitake
Klapperschwamm

Eine kurze Zusammenfassung wissenschaftlicher Erkenntnisse

Herkunft

Die Japaner nennen den Maitake tiefsinnig den „tanzenden Pilz“. Die wissenschaftliche Bezeichnung des Klapperschwammes ist Grifola frondosa.

Den Legenden zufolge führten die Pilzsammler im alten China und Japan Freudentänze auf, wenn sie auf den Maitake gestoßen sind, weil sie wussten, dass ihre Beute wertvoller war als Silber. Es ging so weit, dass jeder seine Fundstellen streng geheim hielt und selbst den eigenen Familienangehörigen nichts davon verriet.

Der Maitake ist ein holzbewohnender Pilz, der in der freien Natur auch in Deutschland vorkommt und seine Fruchtkörper von August bis Oktober bildet. Man findet ihn neben Eichen, Edelkastanien und gelegentlich auch an Rot- und Weißbuchen. Man hält ihn für einen Baumparasit, obwohl er auch an den Stubben gefällter Bäume noch Jahre später regelmäßig auftritt. Sein Fruchtkörper gleicht einem kleinen belaubten Busch und besteht aus vielen Einzelhüten.

Wichtige Inhaltsstoffe

Die medizinisch wirksamen Substanzen des Maitake sind hauptsächlich Polysacharide, unter ihnen einige spezifische wie Grifolan und Grifolin, sowie metallgebundene Proteine und Lektine. Er enthält ziemlich viel Nukleotide, chemische Verbindungen, die besonders für den Aufbau der Nukleinsäure, einem Bestandteil der Zellkerne, wichtig sind. Im Fett des Maitake finden sich verschiedene ungesättigte Fettsäuren. Interessant ist das Ergosterin, das den hohen Vitamin-D-Gehalt der Maitake erklärt.

Man hat aus dem Maitake ein standardisiertes, gereinigtes proteingebundenes Polysacharid isoliert. Das Produkt wird D-Fraktion genannt. Dieses Produkt wird als besonders wirksam gegen Tumore bezeichnet und mittlerweile oft auch in den USA für Therapiemaßnahmen verwendet.

Anwendungsbeispiele

Neben zahlreichen Effekten, wird besonders die Antitumoraktivität dieses Pilzes herausgestellt. Japanische Forscher wiesen an Bindegewebetumor erkrankten Versuchsmäusen, als Folge der Verfütterung von Maitake-Pulver, eine 86prozentige Wachstumshemmung der Geschwulst nach. Dem Bericht zufolge wurde diese Wirkung durch die Aktivierung der Makrophagen, die sich am Abwehrkampf beteiligen, sowie der natürlichen und der T-Killerzellen erreicht. Die D-Fraktion des Maitake gilt als besonders wirksam gegen Tumore. Sie soll neben der Aktivierung der Makrophagen und der Killerzellen des Organismus auch die Bildung von Interleukin 1 und 2 anregen, die auf unterschiedliche Weise zur Verstärkung der natürlichen Körperabwehr beitragen. Japanische Forschungen deuten ferner darauf hin, dass die Immunstabilisierende Wirkung des Maitake auch bei HIV-Infektionen nützlich sein könnte.

Aus den USA wird berichtet, dass dort der Maitake unter anderem erfolgreich zur Behandlung von Prostatakrebs und Uterusgewebetumor eingesetzt wurde. Es wird berichtet, dass in den USA mittlerweile weit mehr als 2.000 praktische Arzte regelmäßig Maitake-Extrakt verordnen. Sie weisen der D-Fraktion der Maitake anhand der vorliegenden Erfahrungen folgendes Wirkungsspektrum zu:
  • schützt gesunde Zellen vor Tumorerkrankungen
  • hilft bei der Vorbeugung von Metastasenbildung
  • verlangsamt oder stoppt das Tumorwachstum
  • mildert die unangenehmen Nebenwirkungen einer Chemotherapie
Ein überraschendes Ergebnis veröffentlichten japanische Forscher: Maitake hat in klinischen Tests eine bedeutende Gewichtsreduktion bewirkt, ohne dass die Testpersonen ihre Ernährungsgewohnheiten verändert hätten.


Shii-take

Eine kurze Zusammenfassung wissenschaftlicher Erkenntnisse

Herkunft

Shii-take ist die japanische, Xiang Gu die chinesische und Lentinula edodes die wissenschaftliche Bezeichnung dieses Pilzes. Den Shii-take haben chinesische Gelehrte, so auch der Arzt Whu Shui (z.Z. der Ming-Dynastie), aufgrund seiner immunstärkenden, kräftigenden und belebenden Wirkung als "Lebenselixier" und "Blutaktivator" bezeichnet. Man kennt ihn in China und Japan seit etwa 2.000 Jahren, wo er auch als Leckerbissen hoch eingeschätzt wird. Weltweit gilt der Shii-take z.Z. als der zweitwichtigste Kulturspeisepilz. Jährliche werden rd. 1.000.000 Tonnen erzeugt. Ostasien ist mit etwa 95 % an der Produktion beteiligt. Auch in Deutschland erlangte der Shii-take als Speisepilz in den letzten Jahren immer größere Beliebtheit. Sein unverwechselbarer Geschmack und kräftiges Aroma erobern auch die Gunst der deutschen Konsumenten. Natürliche Nährgrundlage des Shii-take ist totes Holz. Gut gedeiht er auf dem der Eichen, Buchen und Kastanien.

Wichtige Inhaltsstoffe

Der Shii-take enthält beachtliche Mengen Protein, Kalium und Zink. Letzteres ist ein wichtiges Element für die Aktivierung des Immunsystems. Er ist ferner reich an Polysachariden und im Durchschnitt bestehen fast 14 % seiner Trockenmasse aus Aminosäuren. Zu den wichtigsten Zellbestandteilen gehören die Nukleinsäuren, von denen der Shii-take weit mehr enthält als z.B.  Getreide oder Fleisch. Beachtlich ist noch sein hoher Gehalt an Ergosterin, Vorstufe des Vitamin D. Bereits der Verzehr von 20-25 g getrockneten Shii-take reicht aus, um den täglichen Bedarf eines Erwachsenen an Vitamin D zu decken. In zahlreichen klinischen Studien erwiesen sich das Polysacharid Lentinan, eine ungesättigte Aminosäure namens Eritadenin, sowie LEM, ein Mischprodukt aus dem Myzel des Shii-take als besonders wirksam. Das Lentinan wird als die Tumorhemmende Hauptsubstanz angesehen, deren Wirkung durch die Verstärkung der Funktion verschiedener körpereigener Schutzmechanismen zum Tragen kommt. Das Eritadenin bewirkt die blutcholesterinsenkende Wirkung des Shii-take. Es beschleunigt die Umwandlung des Lipoproteins von geringer Dichte im Blut, das die Entstehung von Arteriosklerose begünstigt, in solches von hoher Dichte. LEM wird von den Wissenschaftlern eine tumor- und virushemmende Wirkung bescheinigt.

Anwendungsbeispiele aus der wissenschaftlichen Fachliteratur

In der traditionellen chinesischen Volksheilkunde setzt man Shii-take bei Erkältung, Lungenentzündung, Schwächezustand aber auch bei Magenverstimmung, bei Allergien und gegen allgemeine Alterungsprozesse ein. Seine traditionelle Anwendung zwecks Verzögerung der Alterungsprozesse des menschlichen Organismus wird heute in einem umfangreichen Forschungsprojekt der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften in Peking untersucht. Amerikanische und chinesische Wissenschaftler stellten eine bemerkenswerte Schutzwirkung des Shii-take gegen Grippe fest. Dies wird mit der Bildung von Interferon im Organismus begründet, das die Vermehrung von Grippeviren unterdrückt. In mehreren klinischen Untersuchungen wurde ferner eine cholesterinsenkende Wirkung des Shii-take nachgewiesen. Sie betrug bei älteren Personen 7 bis 15 %, bei Jüngeren von 6 bis 12 %.

Die krebshemmende Wirkung des Shii-take wird seit mehr als 30 Jahren intensiv untersucht. Man wies nach, dass das Lentinan durch Anregung der Produktion von Interferon und Interleukin die natürlichen Abwehrmechanismen des Körpers unterstützt. Kombiniert mit anderen wirksamen immunbiologischen Medikamenten wurden in der Tumortherapie derart gute Effekte erzielt, dass japanische Forscher in ihren wissenschaftlichen Publikationen von einem neuen Weg der Immuntherapie gegen Krebs schreiben. Im Jahre 1992 wurde in den USA ein Patent angemeldet, in dem Lentinan als aktive Substanz einer Hautcreme angegeben wird. Klinische Tests bei 540 Patienten zeigten, dass eine Behandlung mit Lentinan gegen Ekzem, Akne, Fußpilz, männliche Glatzenbildung und Nasenröte wegen Heuschnupfens zu 93 bis 100 % erfolgreich war. In einem Forschungsbericht jüngsten Datums empfehlen japanische Forscher gegen Karies täglich 5 g getrockneten Shii-take zu verzehren. Dadurch soll die Plaquebildung auf den Zähnen um etwa die Hälfte verringert werden können.