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"Wissen kann das Leben erleichtern"
Erscheinungsdatum: 09.03.2013
Stadt: Heiligenhaus
 

"Wissen kann das Leben erleichtern"
VON SANDRA KREILMANN - zuletzt aktualisiert: 09.03.2013 Heiligenhaus (RP). Feuer, Knalleffekte und Verblüffung – ganz ohne Magie. Dafür sorgte "Hobbythek"-Erfinder Jean Pütz gestern mit besonderen Experimenten in der Gesamtschule.

"Ihr kennt mich vielleicht nicht, eure Eltern aber schon", sagte Pütz zur Begrüßung seines Programmes vor zahlreichen Schülern in der Mensa. Er selbst bezeichnet sich als "Dinosaurier", seit zehn Jahren ist er eigentlich im Ruhestand. Die Faszination daran, Wissen weiterzugeben, hat er aber nicht verloren. "Damals war es die Pflicht, heute vor euch auftreten zu können ist die Kür."

gesamtschuleDer Tag der Naturwissenschaften

Ziel: 150 Schüler verbrachten den Tag dann auch weiterhin mit den Naturwissenschaften. Experimente und Vorträge aus Biologie, Chemie, Physik sollten prämiert werden.

Ausblick: Der Tag könnte zu einer regelmäßigen Einrichtung werden. "Das kommt darauf an, welche Erfahrungen wir heute machen und wie die Schüler das finden," sagt Lehrer Robert Reibel. "Wir hoffen damit, dass die Schüler kreativ sind oder es werden, dass sie Unterrichtswissen umzusetzen lernen."
Und so verblüffte er, gemeinsam mit dem Physiker und Doktoranden Horst Minge die bunte Schüler- und Lehrerschar. Mit einer Feuerfontäne, die mitten in der Mensa empor quoll, machte er Energie sichtbar; mit einer Trommel machte er sie zudem auch hörbar. Er demonstrierte, welche Kräfte in einem Samenkorn schlummern und was der Unterschied ist, zwischen Zucker und "Light"-Produkten: "Die Dose mit dem stark gezuckerten Produkt geht unter, die ohne Zucker schwimmt."

Ebenso klärte der gebürtige Kölner das Mysterium auf, wie Wasser von einer Windel aufgesogen wird. Er veranschaulichte das Prinzip, in dem er selbst das Wasser "schnittfest" in einer Tasse sammelte, um diese dann einem "Versuchskaninchen" aus den Reihen der Schüler eben nicht über den Kopf zu gießen. Antworten seien in der Physik leicht zu finden.

Worin eine Massenpanik ihre Ursprünge hat, wird deutlich, wenn Pütz demonstriert wie Körner durch den engen Hals einer Flasche geschüttet werden sollen. Dabei bleibt er unterhaltsam und bringt eine Portion eigene Meinung mit unter. "Hokus-Pokus" wie das Löffelverbiegen durch Gedankenkraft demaskiert er im Handumdrehen: "Das ist keine Magie, das ist eine ganz einfache, chemische Reaktion." Bei so manchem Thema konnten aber auch die Heiligenhauser Schüler mit Wissen beeindrucken. "Die jungen Leute sind manchmal klüger, als wir Lehrer denken", lobte er.

"Wer offen und neugierig ist, dem steht die Welt offen." Mit Formaten wie der "Hobbythek", "Globus" oder "Dschungel" hat er sich in der TV-Landschaft einen Namen gemacht. Er war Mitbegründer der WDR-Wissenschaftsredaktion, die auch die Grundlagen gelegt hat für aktuelle Formate wie "Quarks und Co." Heute lebt Pütz mit seiner Familie in seinem Energie-sparsamen Domizil in Heiligenhaus und gratuliert gerne zum Geburtstag der Gesamtschule – "aus innerer Überzeugung". Denn die Gesamtschule empfinde er als das beste Schulsystem, bekundete Pütz.

Er ist gelernter Elektromechaniker, wurde dann Ingenieur und studierte schließlich Mathematik und Physik auf Lehramt. Nebenbei hatte er da noch das Fach Soziologie belegt. Seit er am Heiligenhauser Stadtrand lebt, fühlt er sich dem Ort verbunden. Mit etwas zeitlichem Nachlauf kam es beim Neujahrsempfang schließlich auch dazu, dass Bürgermeister Dr. Jan Heinisch ihn ganz offiziell als Neubürger begrüßte.

"Wir haben Jean Pütz einfach gefragt, ob er Lust hätte, uns mit seiner Wissenschaftsshow zu besuchen. Wir freuen uns, dass er zugesagt hat und die Themen aus dem Unterricht ziemlich unterhaltsam darstellt. Einigen Schülern war der Name Jean Pütz ein Begriff. Manche haben mich angesprochen, 'ist das wirklich der?'", erzählt Physik- und Mathelehrer Robert Reibel, der zum Organisationsteam gehört. Diese "Faszination Wissenschaft" hofft Pütz an die Schüler weitergeben zu können, denn "Wissen kann einem das Leben ungemein erleichtern."