Meinung aktuell



02.02.2019

Hörverlust im Alter nicht harmlos

Am Anfang meiner journalistischen Tätigkeit bei WDR habe ich eine Sendereihe zum Thema „Die Welt des Schalls“ als Autor, Moderator und Redakteur produziert. Unter dem Titel „Die Generation der ‚Tauben‘ sprach ich nicht diese intelligenten Vögel an, sondern den Hörverlust, der sich schon damals – 1973 – abzeichnete. Ursache dafür war, dass die Tonverstärker, die vordem noch mit Röhren und viel Strom-Energie gespeist wurden, auf Halbleiter umgestellt wurden. Die Entwicklung der Chip-Technologie, das heißt auf einem kleinem Silizium-Plättchen konnten tausende von Transistor-Funktionen untergebracht werden, begünstigte extrem diese Technologie. Schon damals war absehbar, dass der Mensch keine Grenzen kennt, wenn Technik es möglich macht. Das gilt besonders für die Tonverstärker und Verstärker-Boxen. Sie erst machten große Live-Konzerte der Popmusiker möglich. Schon in den 70er Jahren wurden diese zu Favoriten der Jugend, wobei die Lautstärke extreme Ausmaße annahm. Hinzu kam ein Phänomen, welches ich persönlich als „Disk-Jockey-Syndrom“ bezeichnen möchte, weil nicht nur Musiker, vor allen Dingen die Disk-Jockeys in den Clubs davon betroffen waren. Die extreme Lautstärke vermindert auch heute noch ihr Hörvermögen, denn der gesetzliche Schallschutz wurde weitgehend verdrängt.

Das menschliche Ohr, in seiner Kompliziertheit ein echtes Wunder der Natur, reagiert bei Lautstärken über 100 dB in einer Art Selbstschutz auf die Dauer mit hohem Hörverlust. Diesen gleichen die Disk-Jockeys da durchaus, dass sie trotz ihres geschädigten Hörempfinden die Lautstärke so einstellen, wie sie diese vor dem Hörverlust empfanden.  Das schaukelt sich mit der Zeit auf, die Leidtragenden sind die Konzert- oder Diskotheken-Besucher. So passiert es, dass immer mehr Jugendliche schon im frühen Alter Probleme mit dem Hören haben. Das verstärkt sich im hohen Alter fort, deshalb nannte ich diese Sendung „Die Generation der Tauben“. Leider hat sich nicht viel gebessert und das wird bei den nächsten Generationen nicht besser. Ich selbst habe aus dieser Erkenntnis schon sehr früh meine Lehren gezogen, so dass ich heute mit über 80 Jahren noch kein Hörgerät benötige. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich immer noch meine fünf Sinne zusammen habe.

Die Moral von der Geschicht: Vernunft kann gesund sein.