Meinung aktuell



10.09.2016

Verständliche Sprache für jedermann - Brief an Professor Brettschneider

Lieber Professor Brettschneider,

Kompliment, dass Sie dieses Thema aufgegriffen haben, denn diese Entwicklung ist einer der Gründe, weshalb sich die politische Klasse immer mehr vom Bürger entfernt. Ich spreche sogar von einer akademischen Parallel-Gesellschaft. Mein persönliches Anliegen war stets, auch den nichtakademischen Bürger die Teilnahme an der wissenschaftlichen und technischen aber auch politischen Entwicklung teilhaben zu lassen. So war jedenfalls - neben vielen Wissenschaftssendungen wie Wissenschaftsshow, Bilder aus der Wissenschaft usw. - die Hobbythek ein "Trojanisches Steckenpferd", um das Wissen um Wissenschaft und Technik niemals nur zum Herrschaftswissen mutieren zu lassen. Das war der Grund, weshalb ich die Redaktion Naturwissenschaft und Technik im WDR-Fernsehen gegründet habe, ebenso wie auch die Wissenschaftspressekonferenz ‚WPK.org‘,  Immerhin war ich 35 Jahre der Leiter der Redaktion und 13 Jahre 1. Vorsitzende der WPK.

Ich könnte mir vorstellen, dass Ihre Thematik auch einmal auf die Sprache der Wissenschaftsvermittlung und die bürokratisch-juristischen Problematiken ausgedehnt wird. Ihre Meldung veröffentliche ich an signifikanter Stelle auf meiner Homepage: www.jean-puetz.net .

Dort haben sich mindestens 35.000 von mir handverlesene Nachrichten aus Wissenschaft und Technik angehäuft.


Mit freundlichen Grüßen

Ihr Jean Pütz



Lieber Herr Pütz,
haben Sie vielen Dank für Ihr nettes Feedback, über das ich mich sehr gefreut habe. Sie sprechen mir aus der Seele!
Ich habe Ihre Sendungen immer sehr gerne gesehen. Wissen nicht zum Herrschaftswissen werden zu lassen, ist Ihnen sehr gelungen.
Unsere Verständlichkeits-Analysen zielen genau in diese Richtung. Wir haben in den letzten Jahren die Verständlichkeit sehr unterschiedlicher Text-Arten untersucht: Pressemitteilungen von Parteien und Unternehmen, Produktinformationsblätter (die heißen wirklich so) der Banken, AGBs, Datenschutzerklärungen von Banken, Antworten auf FAQs von 100 Unternehmen aus acht Branchen, Reden von CEOs auf Jahreshauptversammlungen, Medienberichterstattung - und eben die Wahlprogramme. Wenn Sie ein wenig stöbern möchten, können Sie das auf den folgenden Seiten tun:
- für Politik: https://komm.uni-hohenheim.de/politik
- für Wirtschaft: https://komm.uni-hohenheim.de/wirtschaft
- für Verwaltungen: https://komm.uni-hohenheim.de/verwaltung.
Da auch und gerade an Universitäten nicht immer die verständlichste Sprache gesprochen wird, führen wir an der Universität Hohenheim eine eigene Klartext-Initiative durch:
https://klartext.uni-hohenheim.de/klartext
Daran beteiligen sich mittlerweile mehr als 110 Uni-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter. Das macht richtig Spass...
Klasse, dass Sie unsere Meldung auf Ihrer Seite verlinken werden. Das ist großartig. Vielen Dank dafür!
Mit besten Grüßen
Ihr Frank Brettschneider
Prof. Dr. Frank Brettschneider
Universität Hohenheim | Fachgebiet Kommunikationswissenschaft