Meinung aktuell



16.01.2016

Flüchtlingskrise in den Medien: Ein Brief an Laszlo Trankovits

Flüchtlingskrise in den Medien: Ein Brief an Laszlo Trankovits

Laszlo Trankovits war 35 Jahre lang Korrespondent der deutschen Presseagentur (dpa), unter anderem im Nahen Osten, in Afrika und in den USA und er kennt alle Diskussionen über seriöse Berichterstattung, Sensationsheischerei und Lügenpresse. 39 Prozent der Mediennutzer in Deutschland glauben, dass an dem Vorwurf der Lügenpresse etwas dran ist. "Das ist fatal, denn es bedroht unsere Demokratie, die ohne seriöse Medien nicht existieren kann."

Lieber Laszlo Trankovits,

als ehemaliger 1. Vorsitzender der Wissenschaftsjournalisten ärgert mich natürlich vor allen Dingen der Begriff "Lügenpresse", dieses schwarz-weiß-Denken der rechten Populisten möchte ich ablehnen. Trotzdem meine ich, dass selbst die öffentlich-rechtlichen Anstalten immer häufiger Nachricht und Kommentar vermischen. Wie ich meine, haben Journalisten auch die Aufgabe zu prüfen, wie Ihre Nachricht bei etwas schlichteren Gemütern der Leser, Hörer und Zuschauer ankommt. Sicher steht unser Metier unter starkem Druck der sozialen Medien, aber das soll nicht heißen, dass die Presse ihre Hülle fallen lassen darf. Ich möchte nur ein Beispiel nennen:

Da wird im Fernsehen oder auch Rundfunk ganz objektiv ein Tatbestand dargestellt, also ideale Trennung zwischen Nachricht und Meinung. Dann geht es los, das heißt, es wird sofort im Anschluss auf den Einzelfall zugegriffen, z. B. ertrinkende Flüchtlinge, totes Kind am Strand, die ach so nette Familie aus Syrien, die wegen unmenschlicher Gesetzgebung nicht zusammenfinden darf. Wenn man ein bisschen Psychologie oder Soziologie beherrscht, dann bedeutet dies, dass die objektive Nachricht völlig verschwindet, weil der durchaus bedauerliche Einzelfall die Menschen so anspricht, dass das große Ganze gar nicht mehr rezipiert, also aufgenommen wird. So hat Angela Merkel ihre menschlich verständliche Entscheidung einer Nacht ohne Widerspruch verkünden können - welche  gutmeinenden Bürger hätten ihr widersprochen? Damit wurde ein eigentlich völlig undemokratischer Beschluss sogar von den seriösen Parteien, das heißt CDU, SPD, FDP und Grüne, nachträglich mitgetragen. Die Folgen kennen wir alle: Flüchtlinge, die in den Lagern rund um Syrien hausten, empfanden das als Einladung, sich sofort auf den Weg nach Deutschland ins gelobte Land zu machen, insbesondere über die sogenannte Balkanroute, die es heute den Türken erlaubt, Europa regelrecht zu erpressen.

Ihr Gespräch mit Gisela Steinhauer (WDR 2 – Sonntagsfragen) ist eine der wenigen durchgehend stringenten Analysen, die ich bisher gehört habe. 

Wenn Sie noch meine  Meinung interessiert: Das Problem ist der "politische Islam", nicht die Religion, mit einer solchen Ideologie kann man keine Demokratie aufbauen. Daran ist auch der sogenannte `Arabische Frühling‘ gescheitert, was voraus zu sehen war - leider nicht von den meisten Journalisten, die das als große Errungenschaft feierten. Tragisch ist, dass sich auch die meisten Regierungen und Staatsmänner der angeblich freien Welt genauso schuldig machten. So entstand z. B. auch der Irak-Krieg gegen Hussein. Er ist der eigentliche Auslöser der globalen Krise, den Georg W. Bush jr. initiiert hat. Als lächerlichen Vorwand schob er die Verbreitung der Demokratie in den Vordergrund, eigentlich aber wollte er die Dummheit seines Vater in Kuwait rächen. Auch das war eine nicht durchdachte Entscheidung, die die Weltgeschichte verändert hat.

Also noch einmal Kompliment

Ihr Jean Pütz