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Buchcover von: ICH HAB' DA MAL WAS VORBEREITET
ICH HAB' DA MAL WAS VORBEREITET
Ein Glückspilz packt aus Meine Biografie von Jean Pütz
Erscheinungsjahr: September 2017
ISBN: 978-3-95972-090-8
Preis: 19,99 Euro Euro

Dieses Buch ist noch im Handel erhältlich

Jean Pütz: Kapitel Null der Biographie ‘Ein Glückspilz packt aus‘ Einführung
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich könnte plakativ mit meinem mir zugewiesenen Spruch beginnen: »Ich hab da mal was vorbereitet.«
Aber so einfach mache ich es mir nicht. Denn die Vorbereitung zu diesem Buch dauerte etwa zehn Jahre. Natürlich fand ich mich nicht für so wichtig, dass meine Autobiografie überhaupt jemanden interessieren würde. Als die Pensionierung am Horizont sichtbar wurde, glaubte ich, bald in Vergessenheit zu geraten. Das ist leider vielen meiner Kollegen widerfahren, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin. Obwohl sie – was ihre journalistische Arbeit betrifft – Pioniere waren. Ich denke da zum Beispiel an Alexander von Cube, Hans Ahlborn vom Fernsehen oder Dieter Thoma, Hans Jürgen Haller und Michael Franzke vom Hörfunk. So ist es mir immer noch ein Rätsel, weshalb das Sprichwort »Aus den Augen aus dem Sinn« offenbar auf mich nicht zutrifft.
Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit einem weinenden deshalb, weil ich immer wieder gegen meinen Willen von der Boulevardpresse hervorgekramt werde. Mit einem lachenden, weil ich gelegentlich noch in Diskussionen oder von mir produzierten Beiträgen meine Überzeugungen öffentlich darlegen kann. Lebenslang bin ich ein Überzeugungstäter. Niemand kann mich daran hindern, mich öffentlich entweder über Schönes zu freuen oder über zeitgeschichtliche Entwicklungen, die mir gegen den Strich gehen, zu ärgern. Bei allem geht es mir darum, auf Zusammenhänge hinzuweisen, die mir für künftige Entwicklungen bedeutsam erscheinen.
Letzteres ist auch der Grund dafür, weshalb ich es als Verpflichtung empfinde, mein persönliches Schicksal mit der Zeitgeschichte zu verknüpfen und dieses für die Nachwelt festzuhalten. Ehrlich gesagt, auch um meinen Kindern und Kindeskindern die Begründung dafür zu liefern, dass dieser eigenartige Vater und Großvater mit dem Schnäuzer nicht nur im stillen Kämmerlein arbeitete, sondern mit der Öffentlichkeit ein lustvolles Spiel trieb. Alle sollen wissen, dass es heute möglich ist, sich mit Vernunft, Glück und persönlichem Ehrgeiz ein Leben aufzubauen, das in den vorherigen Jahrhunderten unmöglich gewesen wäre. Ich hoffe, es wird mir in diesem Buch gelingen, davon eine Andeutung zu vermitteln.
Das führt unweigerlich zu der Frage: Was ist überhaupt Glück? Natürlich spielt dabei auch der Zufall eine wesentliche Rolle. Eines der lesenswerten Bücher des Nobelpreisträgers Jacques Monod trägt den Titel Zufall und Notwendigkeit. Ich gehe nicht so weit wie er, der Biochemiker und Genforscher, der den göttlichen Einfluss völlig verneint. Aber es ist schon faszinierend, wenn man bedenkt, dass das Geschehen der Erde im Universum nur einen winzig kleinen Zufallsmoment darstellt. Das Geschehen im unendlichen Weltraum wurde und wird nur von drei Grundkräften in perfekter Selbstorganisation geprägt: der Gravitation, das heißt der Schwerkraft, der elektromagnetischen Kraft, die uns unmittelbar umgibt, sowie der Kernkraft. Menschen, die an Gott glauben, sehen darin das Genie des Schöpfers. Der sogenannte moderne Mensch glaubt, er könne alles planen, vergisst aber, dass sein Gehirn auch Bestandteil dieses Zufallsprinzips ist. Am Anfang war das Chaos, oder – wie es der geniale Hoimar von Ditfurth in seinem Buch Am Anfang war der Wasserstoff formulierte – unter dem Einfluss der universellen Kräfte entstand eine gewisse Ordnung. Und genauso bildeten sich auch die Gehirnzellen, die dem Homo sapiens die Möglichkeit gaben, seinen eigenen winzig kleinen Kosmos zu schaffen. Dass er sich dabei völlig überschätzt, könnte einmal sein Schicksal bedeuten. Schon das Alte Testament warnt vor dieser Aussicht, indem es vom Turmbau zu Babel berichtet. Dort ist von dem Versuch der Menschen, Gott gleichzukommen, ebenfalls die Rede sowie von einer grandiosen Sprachverwirrung, die schließlich das Projekt scheitern lässt.
Diese faszinierende Geschichte hat mich dazu gebracht, intensiv darüber nachzudenken, wie etwas Ähnliches verhindert werden kann. Meine Antwort – und die finden Sie vielfältig in diesem Buch – lautet: Das von Menschen geschaffene Wissen muss für jedermann zugänglich sein! Auch für solche Bürger, die diese Einsicht nicht besitzen. Wissen darf niemals nur Herrschaftswissen sein. Dieses wurde zu einem Leitmotiv, das mich letztlich zum Wissenschaftsjournalismus geführt hat.
Aber es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb ich meine Biografie geschrieben habe. Das Motto »bad news are good news« geistert inzwischen schon durch alle Kulturen und gibt die Richtung vor: Nur schlechte Nachrichten finden jene Aufmerksamkeit, die sich
die Medienmacher erhoffen. Sie bringen Auflage und Quote, meist anders als die »guten« Nachrichten. Doch ist das die ganze Wirklichkeit, oder gibt es nicht doch noch etwas ganz anderes, Verstecktes – und damit auch Gefährliches – bei diesem Hype um die »bad news«?
Es geht um die Demokratie. Aus der Soziologie wissen wir, dass das Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung eine Art Naturgesetz darstellt. Das ist hier der Fall. Der Amerikaner Robert K. Merton definierte den Begriff der »self-fulfilling prophecy« und erklärte mit dieser Theorie eine unbewusst ablaufende Verhaltensänderung bzw. - steuerung, die dazu führe, dass sich Befürchtungen oder Erwartungen tatsächlich erfüllten. Auf diese Weise funktionierten zum Beispiel auch Prophezeiungen von Wahrsagern, wie auch Horoskope, denn die Voraussage, man werde in den nächsten Tagen einen Unfall haben, könne manchen Zeitgenossen so verunsichern, dass er tatsächlich einen Unfall provoziert. Übertragen auf den Staat heißt das, dass eine einigermaßen glaubwürdige, auf niederen Instinkten basierende Meldung schon ausreicht, um Unsicherheit oder gar Panik auszulösen. Das ist die große Gefahr, die der Populismus und das, was man postfaktisch nennt, mit sich bringen. Ich will ein wenig dagegen halten, und zwar indem ich Sie darauf aufmerksam mache, dass wir in eine Zeit hineingeboren worden sind – zumindest in Mitteleuropa –, die noch nie solche fantastischen Chancen für jedermann mit sich gebracht hatte. Mir ist bewusst, dass ich im Mittelalter ein Leibeigener gewesen wäre und in der beginnenden Industrialisierung zu den geschundenen Proletariern gehört hätte. Mein persönliches Schicksal begann zwar mit schrecklichen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg, aber danach brachte mir die Demokratie Chancen, die mir sonst verwehrt geblieben wären. Auch das verstehe ich unter Glück.
Deshalb fühle ich mich verpflichtet, den Untergangsprophezeiungen – ob sie nun religiösen oder politischen Ursprungs sind, etwas entgegenzusetzen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier brachte es kürzlich auf den Punkt mit den Worten, dass »nur die Vernunft unsere Demokratie retten« kann. Diesem Prinzip fühle ich mich verpflichtet, auch wenn es schwer fällt, diesen Begriff zu definieren. Wenn man die Parlamentsdebatten verfolgt, dann nimmt jeder Redner sozusagen die Wahrheit als Voraussetzung für vernünftiges Handeln für sich in Anspruch.
Wie finden wir aus diesem Dilemma heraus? In den 60er-Jahren verpflichteten sich viele Wissenschaftler dem sogenannten kybernetischen Denken. Das heißt, man entscheidet sich für eine These und verfolgt dann intensiv die daraus resultierenden Folgen nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Technologiefolgenabschätzung, die mir in meiner journalistischen Tätigkeit sehr wichtig war und ist. Gleiches sollte eigentlich auch bei politischen Beschlüssen im Vordergrund stehen, nicht nur kurzfristig, indem man dem Volk aufs Maul schaut, sondern über die Legislaturperiode hinaus in die Zukunft. Aber wer kontrolliert das?
Meines Erachtens müssen hier Wissenschaftsjournalisten eine wichtige Rolle spielen. Bei der Entwicklung der Demokratie hat die Wissenschaft eine bedeutende Funktion. Ich halte es für besonders wichtig, darauf hinzuweisen, dass zu den Aufgaben des Wissenschaftsjournalisten auch zählt, unter Einbeziehung aller sozialer und naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten dafür zu sorgen, dass Zusammenhänge und langfristige Folgen den Bürgern immer wieder bewusst gemacht werden. Allerdings gebe ich zu, ein Moralist zu sein, denn Wissenschaft hat nur dann eine Daseinsberechtigung, wenn sie dem Menschen dient. Dabei ist mir bewusst, dass es sehr schwer ist, zum Beispiel bei der Grundlagenforschung, diesem Anspruch immer gerecht zu werden. Es sind letztlich die Handelnden, also diejenigen, die die Ergebnisse in die Praxis umsetzen, welche die Verantwortung dafür tragen. Aber nicht nur sie allein, auch die Zivilgesellschaft kann sich dem nicht entziehen. Deshalb ist Transparenz unbedingt erforderlich. Dafür wiederum müssen wir Journalisten sorgen. Konkret gesagt heißt das, dass dafür freie Medien unabdingbar sind. Sollten diese eingeschränkt werden, ist dies das erste Anzeichen für einen beginnenden irrationalen und despotischen Staat.
Ich bin bekannt für meine Vorliebe für einen Medienverbund. Dies resultiert aus der Einsicht, dass bei der Vermittlung von Wissen möglichst viele Eingangstore in unser Bewusstsein genutzt werden sollten. Alle Sinne, die uns die Welt erschließen, müssen angesprochen sein. Hören allein reicht nicht aus, auch Sehen nicht. Beides kann aber verstärkt werden durch die Schrift, sprich Gedrucktes. Insofern ist für mich beispielsweise das Begleitbuch ein ganz bedeutendes Medium. Nicht umsonst habe ich meinen Zuschauern der Hobbythek auch kostenlos schriftliches Material zur Verfügung gestellt. Immerhin wurden über zwanzig Millionen »Hobbytipps« als schriftliches Begleitmaterial angefordert. Dabei war mir klar, dass eine Sendung bestenfalls nur motivieren kann, etwas tiefer in die Materie einzudringen. Das Lernen und Erwerben aller Kenntnisse bleibt dabei eine individuelle Angelegenheit. Im Zusammenhang mit der Hobbythek meinte ich auch, den Tastsinn ansprechen zu müssen. Also dem Begreifen im wahrsten Sinne des Wortes den Vorzug zu geben. Mein Credo: Erstmaliges Begreifen ist erstklassige Unterhaltung. Die Hobbythek war für mich sozusagen ein trojanischen Steckenpferd, um Zuschauer für wissenschaftliche und technische Fragen zu interessieren, die sich selbst für nicht schlau genug einschätzen. Diesem Ziel dienten auch etwa siebzig aus den jeweiligen Sendungen hervorgegangene Bücher. Eine verkaufte Auflage von über fünf Millionen Exemplaren bestätigte meine Hoffnung.
Auch mit diesem Buch möchte ich mich der Innovation nicht verschließen. Weil es mir vor allem um die Verknüpfung mit der Vergangenheit geht, das heißt mit der Geschichte von Technik, Wissenschaft und Politik, finden Sie hier die Wegweiser ins Internet. Dabei nutze ich die heutigen technischen Möglichkeiten, indem ich sogenannte QR-Codes an bestimmten Stellen platziere, die Sie mit Ihrem Smartphone öffnen können. Sie befinden sich dann sofort im Netz genau an der Stelle, die Hintergrundinformationen in Form von Texten, Filmen, Grafiken usw. liefert. Ich hoffe, dass mit dieser Innovation das Lesen unterhaltender gestaltet werden kann.
Jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen viel Spaß beim Lesen dieses Buches zu wünschen. Ihr
Jean Pütz

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